Autor: Linda von Euw

  • Diese Energiestrategie verfolgen Livit, Privera und die Steiner Gruppe

    Diese Energiestrategie verfolgen Livit, Privera und die Steiner Gruppe

    ImmoInvestch.ch hat bei drei CEOs grosser Immobilienunternehmen angeklopft. Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe, Dieter Sommer, CEO Privera sowie Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG, beantworten heute die Frage:

    Welche Strategie verfolgen Sie beim Thema Energie?

    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Als Gründungsmitglied des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) steht für Steiner die Energieeffizienz bei der Entwicklung und Realisierung von Immobilienprojekten stets im Mittelpunkt. Bei der Vaudoise Aréna in Lausanne wurde beispielsweise unter der Regie von Steiner ein Konzept umgesetzt, das die bei der Eisproduktion für die Eisfelder anfallende Abwärme der Kältemaschinen zur Beheizung der Schwimmbecken nutzt. Und beim neuen Spitalgebäude des Hôpital Riviera-Chablais in Rennaz liefern 3300 Sonnenkollektoren auf dem Dach an sonnigen Tagen einen Grossteil des benötigten Stroms. Alle unsere Bemühungen verfolgen ein Ziel: Die Effizienz – insbesondere auch die Energieeffizienz von Gebäuden – bei jedem Projekt zu erhöhen und einen möglichst nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu pflegen.

    Dieter Sommer, CEO Privera: Einerseits wollen wir als Unternehmung unseren Beitrag zu einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen leisten. Beispielsweise konnten wir die Möglichkeit für Homeoffice-Arbeit unserer Mitarbeitenden durch die Digitalisierung von Prozessen und Unterlagen deutlich steigern. Dadurch können wir unsere Fahrtkilometer reduzieren und sind somit ressourcensparender. Andererseits beraten wir unsere Kunden und Auftraggeber rund um das Thema Energie im Rahmen unserer Servicelines.

    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Grundsätzlich stehen wir unseren betreuten Eigentümern als Dienstleister zum Thema Energie beratend zur Seite. Die Nachhaltigkeit ist für die Investoren seit geraumer Zeit ein grosses Thema. Die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden gewinnt an Bedeutung. So werden Strategien und Baurichtlinien in Bezug auf die Nachhaltigkeit bei Neubauten sowie Renovationen erstellt. Im Zusammenhang mit dem Thema Energie setzen wir uns mit energetischen Betriebsoptimierungen, zentraler Energiebeschaffung, Aufbau von Photovoltaik-Anlagen sowie dem Aufbau von Energiemonitorings- und Controllings auseinander. Dabei spielen die Nutzerinformationen zwecks positiver Beeinflussung des Verbrauchs eine wichtige Rolle. Von uns erstellte Nutzerinformationsblätter für die Mieter sollen den Energieverbrauch ebenfalls positiv beeinflussen.

  • Diese Projekte sind bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe in der Pipeline

    Diese Projekte sind bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe in der Pipeline

    Heute beantworten Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG, Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe sowie Dieter Sommer, CEO Privera, die Frage:

    Welches grössere Projekt haben Sie in nächster Zeit geplant?

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    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Die Livit richtet sich weiter digital aus. Dabei steht elementar der Kundennutzen im Fokus. Mit dieser Zielsetzung stehen Projekte wie die Einführung eines Customer Services, die Entwicklung eines Mieter- und Eigentümerportals sowie der digitale Arbeitsplatz im Vordergrund.

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    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Das Glasi-Quartier, unser derzeit grösstes Projekt, befindet sich in Bülach direkt beim Bahnhof. Hier entsteht auf einem rund 42‘000 m² grossen Areal ein neues Stadtquartier mit mehr als 500 Wohnungen, einem Wohn- und Pflegezentrum, einem Hotel und über 20 000 m² Gewerbe- und Dienstleistungsflächen. Bereits im kommenden September werden wir die Aufrichte des Glasi-Quartiers feiern. Darüber hinaus verfolgen wir ähnliche Entwicklungsprojekte in anderen Regionen – so beispielsweise das Bell Areal in Kriens und das Feldmühle Areal in Rorschach, wo wir alte Industriebrachen in neue städtische Quartiere transformieren wollen.

    Dieter Sommer, CEO Privera: Wir verfolgen auf Unternehmensebene stets mehrere Projekte, um uns stetig weiterzuentwickeln. Aktuell planen wir die Einführung einer neuer Bewirtschaftungssoftware. Zudem beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir uns als Unternehmen und unsere Dienstleistungen noch nachhaltiger gestalten können.

  • Energie-Cluster: Wechsel in der Geschäftsleitung

    Energie-Cluster: Wechsel in der Geschäftsleitung

    Dr. Frank Kalvelage gibt die Geschäftsleitung des Vereins Energie-Cluster.ch nach sechs erfolgreichen Jahren ab, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen, wie der Verein auf seiner Webseite mitteilt. Die Nachfolge steht mit Christoph Röthlisberger bereits fest.

    Christoph Röthlisberger folgt auf Dr. Frank Kalvelage.

    Per Ende Juni 2020 zieht sich Dr. Frank Kalvelage von der operativen Geschäftsleitung zurück. Er wird energie-cluster.ch jedoch noch bis Ende Dezember 2020 für laufende Projekte als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird eine weiterführende Zusammenarbeit angestrebt. 

    Mit Christoph Röthlisberger konnte eine dynamische Persönlichkeit gewonnen werden, welche eine profunde Ausbildung ausweist und Erfahrung in der Schweizer Energiewirtschaft mitbringt. Sein offizieller Stellenantritt als Geschäftsleiter erfolgt spätestens per 1. September 2020.   

    Der Vorstand ist überzeugt, dass Christoph Röthlisberger die richtigen Eigenschaften für eine strategisch und operativ erfolgreiche Leitung mitbringt.

  • Schweizer Firma entwickelt Blockchain-Handelsplattform für Ökostrom

    Schweizer Firma entwickelt Blockchain-Handelsplattform für Ökostrom

    Strom aus der Region und dem Strommix dabei selber bestimmen: Dies ermöglicht die Blockchain-Plattform des Energieunternehmens Elblox AG mit Sitz in Olten. Die Grundidee kam den Betreibern bereits im Jahr 2015 bei einem Management-Workshop innerhalb des Schweizer Energiekonzerns «Axpo», wie die Wirtschaftsförderung des Kantons Solothurn berichtet.

    Solche Plattformen sind derzeit in Deutschland, Schweden und Finnland im Einsatz. Kunden können dabei die Stromproduzenten selber auswählen. Die Stromlieferung lässt sich in Echtzeit zurückverfolgen und bietet Anbietern und Nutzern neue Möglichkeiten, wie beispielsweise Strom von der Solaranlage des Nachbarn zu beziehen oder auch von einem Windrad in der Region. Wer beispielsweise selber eine Photovoltaikanlage betreibt, aber nicht allen Strom verbraucht, kann den Reststrom auf der Plattform anbieten. Im Idealfall kennen sich Kunde und Stromproduzent persönlich, wie Frédéric Maurer, Verkaufs- und Entwicklungschef von Elblox im Bericht zitiert wird.

    Das Problem für eine solche Plattform in der Schweiz nennt Maurer auch gleich: Die hierzulande fehlende Strommarktliberalisierung für Kleinkunden mit einem Verbrauch von bis zu 100’000 Kilowattstunden im Jahr. Für kleine Betreiber sei man mit der Plattform derzeit deshalb ausschliesslich im Ausland aktiv. Für die Schweiz arbeite man aber an entsprechenden Pilotprojekten und sei zuversichtlich, dass die vollständige Liberalisierung des Strommarktes voranschreite.

  • Flughafen Zürich AG spannt mit Synhelion SA zusammen

    Flughafen Zürich AG spannt mit Synhelion SA zusammen

    Bis 2050 soll die gesamte Flughafeninfrastruktur kein CO2 mehr ausstossen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Flughafen Zürich AG eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Synhelion eingegangen. Das 2016 gegründete Spinoff der ETH Zürich arbeitet erfolgreich an der Entwicklung von synthetischen Treibstoffen. Synhelion erforscht und entwickelt eine Technologie, um aus Luft und Sonnenlicht synthetisches Gas herzustellen. Dieses wird zu Treibstoff weiterverarbeitet, der in gängigen Motoren verbrannt werden kann. Der Treibstoff bindet bei der Herstellung CO2 aus der Luft und ist damit im Gegensatz zu fossilen Kraftstoffen emissionsfrei.

    Synthetischer Treibstoff ab 2023 verfügbar

    Die Produktion grosser Mengen an synthetischem Treibstoff bleibt die grosse Herausforderung dieser Technologie. Eine neue Testanlage, die voraussichtlich in der Schweiz stehen soll, wird zu deren Erforschung beitragen. Ab 2023 dürfte in der Testanlage bereits synthetischer Treibstoff anfallen. Die Flughafen Zürich AG sagt mit der eben unterzeichneten Absichtserklärung zu, der Synhelion die gesamte verfügbare Jahresmenge des in der Testanlage produzierten nachhaltigen Treibstoffs zu Selbstkosten abzukaufen.

    Diese werden während der Testphase deutlich über dem Preis von fossilem Treibstoff liegen. Die Flughafen Zürich AG unterstützt die Aktivitäten von Synhelion und trägt dazu bei, dass synthetischer Treibstoff bald in grösseren Mengen verfügbar ist und der Preis mittelfristig mit jenem von fossilen Kraftstoffen konkurrenzfähig wird.

    «Wir wollen jedoch nicht nur den Flughafen als Infrastruktur CO2-frei betreiben, sondern auch einen Beitrag leisten, im Luftverkehr fossile Brennstoffe schneller abzulösen und so in Zukunft klimafreundlicher zu fliegen. Denn nicht das Fliegen per se ist für den CO2-Ausstoss verantwortlich, sondern die fossilen Brennstoffe», sagt Emanuel Fleuti, Leiter Umweltschutz der Flughafen Zürich AG.

  • Bitcoin Suisse ermöglicht Edelmetallhandel

    Bitcoin Suisse ermöglicht Edelmetallhandel

    Mit Gold, Silber und Platin haben Kunden von Bitcoin Suisse neu Zugang zu einer breiteren Auswahl an starken Vermögenswerten, um ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen.

    Erst vor wenigen Wochen hat Bitcoin Suisse den 24/7-Handel mit Fiat-Währungen (CHF, USD, GBP, EUR und DKK) eingeführt. Nun können die drei Edelmetalle nicht nur gegen Fiat-Währungen, sondern auch gegen die beiden wichtigsten Krypto-Währungen, Bitcoin und Ether, gehandelt werden. Edelmetallgeschäfte werden bei Fiat- oder Kryptowährungen ohne die übliche Zeitspanne von ein bis zwei Tagen sofort abgewickelt.

    Gold gilt allgemein als «sicherer Hafen» und kann nun mit dem «digitalen Gold» (Bitcoin) kombiniert werden. Das Edelmetallangebot von Bitcoin Suisse ist für alle Stufen der Kundennachfrage zugänglich mit einem Mindestkauf von 100 Franken und ohne Depotgebühren für Bestände bis zu 100 000 Franken.

    Stefan Lütolf, Leiter Trading & Liquidity Management von Bitcoin Suisse, sagt dazu: «Die jüngsten Entwicklungen haben die Nachfrage nach knappen, wertvollen Vermögenswerten wie Gold und Bitcoin angekurbelt. Indem wir einen nahtlosen Edelmetallhandel anbieten, gehen wir zum ersten Mal über die Krypto-Assetklasse hinaus. Dies ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, um sich mit nur einem Mausklick zwischen den beiden Anlageklassen hin- und herzubewegen.»

  • «Digitalisierung first» bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe

    «Digitalisierung first» bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe

    Heute beantworten Dieter Sommer, CEO Privera, Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG und Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe, die Frage:

    Wie treibt Ihr Unternehmen die Digitalisierung voran?

    Dieter Sommer, CEO Privera: Wir sind seit geraumer Zeit daran, unsere Systeme und Prozesse zu digitalisieren. Wir waren beispielsweise einer der ersten Dienstleister, der – zusammen mit einem externen Partner – ein Mieterportal lancierte und den gesamten Bewerbungsprozess für MietinteressentInnen digitalisierte. Als Dienstleister liegt die Digitalisierung im Bereich von Neubauten nicht in unserer Kompetenz. Als innovativer Partner können wir hier aber Unterstützung für Investoren und Ersteller bieten.

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    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Die Livit bekennt sich zur digitalen Ausrichtung mittels verschiedener bereits realisierter und in den nächsten Jahren umzusetzender Projekte. Hinsichtlich der Digitalisierung in Neubauten entscheiden die Eigentümer, in welcher Ausprägung sie die Digitalisierung vorantreiben und umsetzen wollen. Building Information Modeling (BIM) ist in der Schweiz zwar noch nicht sehr fortgeschritten, wird aber inskünftig die vernetzte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden wesentlich beeinflussen. Bei bestehenden Gebäuden wird aktuell stark auf die Digitalisierung von Mietpreismodellierungen, Grundrissplänen und 3D-Modellierung gesetzt.

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    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Bei Steiner befasst sich ein spezialisiertes Team professionell mit den Themenkomplexen BIM, Digitalisierung, Automatisierung etc. Damit sorgen wir für ein strukturiertes Vorgehen im digitalen Bereich. Seit längerem werden alle von Steiner entwickelten Projekte nach der innovativen BIM-Methode konzipiert. BIM ist ein modellbasierter Prozess, um Gebäude und Infrastrukturen auf Basis von digitalen Informationen optimal planen, bauen und betreiben zu können. Die frühzeitige Integration der Ausführungsabteilung bereits in der Entwicklungsphase hat sich dabei als klarer Vorteil für die spätere Umsetzung herausgestellt. Zum Bereich Digitalisierung zählen auch weitere neue Technologien wie Smart Home, die wir bei immer mehr Neubauprojekten integrieren.

  • Nationalrat spricht sich für 70 Prozent Mieterlass aus

    Nationalrat spricht sich für 70 Prozent Mieterlass aus

    Der Nationalrat hat am Dienstag eine Motion der Wirtschaftskammer angenommen. Betriebe, die aufgrund des Coronavirus vom Bundesrat geschlossen wurden, sollen für die Zeit der Schliessung nur 30 Prozent Miete bezahlen. Um Vermieter zu schützen, die dadurch in eine Notlage geraten könnten, soll ein Fonds eingerichtet werden. Dieser soll 20 Millionen Franken umfassen.

    Der Ständerat hat sich am Montag für eine andere Lösung ausgesprochen. Diese würde einen zweimonatigen Mieterlass für Kleinunternehmen sowie Selbständige vorsehen, die eine Bruttomiete von höchstens 5000 Franken pro Monat bezahlen. Fällt die Miete höher aus und Vermieter und Mieter einigen sich auf eine Mietzinsreduktion, soll der Bund einen Drittel der Miete übernehmen. Der Nationalrat lehnte diesen Vorschlag ab.

    Nun muss abgewartet werden, ob die 70:30-Lösung vom Ständerat angenommen wird. Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat sich bislang vor einem solchen behördlichen Eingriff in bestehende Mietverträge gescheut. Auch Marcel Hug, CEO des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (SVIT), hat sich im Interview mit ImmoInvest gegen diese Lösung ausgesprochen.

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  • Real Estate Brains: Der stationäre Einzelhandel ist angezählt

    Real Estate Brains: Der stationäre Einzelhandel ist angezählt

    Am Dienstagmorgen gab es per Internet zum zweiten Mal das neu geschaffene Format «Real Estate Brains». Das Thema lautete «Ist der Handel tot – es lebe der Handel!». Im Detail: Wie gross ist aktuell das Problem für die Vermieter? Wer profitiert vom sich wandelnden Handel? Wie sieht der Einzelhandel nach der Corona-Krise aus? Die Branchenprofis Susanne Eickermann-Riepe, Partner & German Real Estate Leader bei PwC (Pricewaterhouse Coopers), Marcel Stoffel, CEO Swiss Council of Shopping Places und Nico Schröder, Bereichsleiter Innovation bei Aachener Grundvermögen mit Sitz in Köln (D) präsentierten in Kurzreferaten ihre Thesen.

    «Der Handel hatte es schon vor der Krise schwer»

    Susanne Eickermann-Riepe, Partner & German Real Estate Leader bei PwC, ist überzeugt: «Es gibt immer mehr Lösungen als man denkt.» Man müsse sich vorbereiten – auch für eine nächste Welle der Entscheidungen im 3. und 4. Quartal. Es sei wichtig, seine Möglichkeiten genau zu kennen und bereit zu sein, schnelle Entscheidungen zu treffen.  Vermietern und Mietern rät sie, fair zu bleiben: «Man wird sich auch nach der Krise daran erinnern, wie ein Unternehmen die Krise gemanagt hat.» Vermieter müssten zudem bedenken, dass der Ersatz von Mietern, die man in der Krise verliert, teuer werden könne.

    Immobilienbewerter könnten zurzeit zwar die Bonität der Mieter und das Risiko der Branche analysieren: «Allerdings haben wir momentan keinen aktiven Markt. Man muss mit einer längeren Vermarktungsdauer rechnen sowie mit Mietanpassungen oder Mietausfall im Betriebsbereich. Auf der Finanzseite ergeben sich auf Mieter- und Vermieterseite Liquiditätsprobleme.» Die Banken seien hier ein wichtiger Partner und im besten Fall Teil solidarischer Lösungen.

    Laufende Transaktionen würden weitestgehend wegen zahlreicher Unsicherheiten gestoppt oder verschoben. PwC schätzt, das BIP in Deutschland werde im 2020 bei -5,8 % bis  -9,3% liegen. Bei den möglichen Szenarien sei man am Best Case (V-Kurve) bereits vorbei. «Wir sind aktuell eher in einem Base Case 1 (U-Kurve) oder Base Case 2 (W-Kurve), wo die U-Form darauf hindeutet, dass wir in den nächsten zwei Jahren noch Beeinträchtigungen sehen werden», sagt die Expertin. Unternehmen sollten am besten mit einem U-Szenario planen.

    Abschliessend hält Eickermann-Riepe fest: «Der Handel hatte es schon vor der Corona-Krise schwer. Jetzt wird es ernst. Vor allem der Non-Food-Handel leidet.» Der Onlinehandel dürfte auch in Zukunft stark bleiben. Auch bei den Lebensmitteln dürfte er zunehmen. Der Non-Food-Handel könnte vermehrt auf Kurzzeit-Mieten setzten; will heissen, dass Flächen nur für eine gewisse Zeit gemietet werden.

    «Concept- und Pop-Up-Stores sind die Zukunft»

    Marcel Stoffel, CEO Swiss Council of Shopping Places, macht deutlich, dass die Branche bereits vor dem Lockdown mit Problemen wie Umsatzrückgängen zu kämpfen hatte – vor allem in den Non-Food-Märkten. Generell sehe man schon länger eine Transformation im Retail bei den Shoppingcentern – auch ausgelöst durch die Multichannel-Thematik. Temporär geschlossene Geschäfte machten sich teils Gedanken über eine Umnutzung, wenn es keine Nachvermietung im Retail gebe. Auch die Repositionierung vom reinen Shoppingcenter zu einem Mixed-Use-Center sei immer öfters Thema.

    Laut Stoffel dürfte sich mit den vielen Erst-Nutzern von Online-Shopping dieser Absatzkanal etablieren. Eine noch vor dem Lockdown von Shopping Places durchgeführte Umfrage mit 173 Experten im Zeitraum vom 25. Februar bis 9. März 2020 zeigt: 60,8 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Umsätze weiter sinken werden. 72,3 Prozent prognostizieren eine sinkende Nachfrage bei Retailflächen und 82,3 Prozent gehen von weiteren Geschäftsschliessungen in Shoppingcentern der Agglomerationen aus. Im stationären Handel dürften vor allem Bijouterien, Optiker, Sportartikel, Drogerien/Apotheken sowie Lebensmittel gute Chance haben. Der Bekleidungsindustrie, Unterhaltungselektronik und Papeterie werden geringe Chancen zugesprochen. Im Bereich Umnutzung von Flächen könnte die Kosmetik-/Beauty-Branche einspringen wie auch Anbieter von Fitnessaktivitäten oder Co-Working-Gemeinschaften sowie Gastronomie-Konzepte und Angebote aus dem medizinischen Bereich.

    «In den letzten acht Jahren wurden in der Schweiz rund 5000 Geschäfte geschlossen, die Schliessungen dürfte sich weiter beschleunigen. Der klassische Retail wird sich zugunsten von Concept- und Pop-Up-Stores, Showrooms oder Retail-Labs hin verschieben», sagt Stoffel. Service- und Dienstleistungsanbieter würden in den Shoppingcentern zunehmen wie auch alle Angebote rund um das Thema Erlebnis/Freizeit. «Die gesamte Umnutzungsthematik hat für Eigentümer und Investoren zur Folge, dass man zukünftig mit tieferen Mieten rechnen muss und gleichzeitig für die Bewerkstelligung der Umnutzung höhere Investitionen anfallen.» Er sieht langfristig vor allem mittelgrosse Shoppingcentern mit Flächen von 20’000 bis 25’000 Quadratmetern bedroht: Sie seien zu gross für regionale Nahversorgungscentern und zu klein für weitere Nutzungen wie Healthcare etc.

    «Der Mensch rückt wieder in den Fokus»

    Die Aachener Grundvermögen misst seit zwei Jahren mit Lasergeräten die Passantenfrequenz in den Fussgängerzonen Deutschlands, wie Nico Schröder, Bereichsleiter Innovation bei Aachener Grundvermögen, sagt. Die Daten sind kostenfrei im Internet abrufbar und würden in dieser Zeit deutlich zeigen: Die Menschen bleiben wie angeordnet zu Hause. Solche Messungen seien auch in der Schweiz vorgesehen, die Installation aufgrund der herrschenden Corona-Krise aber noch nicht möglich.

    Die Gruppe der über 64-Jährigen mache normalerweise in den Zentren rund 20 Prozent aus. Nach der Lockerung dürften vor allem die Jüngeren wieder in die Innenstädte strömen: «Menschen sind soziale Wesen, sie vermissen während des Lockdowns den persönlichen Austausch und das Beisammensitzen.» Dies könnte nach der Krise eine echte Chance für den Einzelhandel sein: «Händler, die sich wieder auf den Menschen fokussieren statt auf Rabattschlachten könnten in Zukunft profitieren», sagt Schröder.

    Die Gastronomie hat bereits in der Zeit vor der Krise floriert. Sie wird auch danach stark sein, ist Schröder überzeugt. Aachener Grundvermögen ist vor allem in beliebten Shoppingstrassen grösserer deutscher Innenstädte aktiv. Sie führt rund 350 Einzelhandelsimmobilien – knapp 85 Prozent davon sind in Deutschland. Ihre Mieter sind hauptsächlich klassische Modehändler, Filialen von Schuhketten oder Anbieter von Konsumentenelektronik. Als mögliche Gewinner im Einzelhandel nennt er Anbieter von Retail-Experience.

  • Nachhaltige Bauten in den Alpen für Architekturpreis nominiert

    Nachhaltige Bauten in den Alpen für Architekturpreis nominiert

    Der Architekturwettbewerb «Constructive Alps» wird bereits zum 5. Mal von der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein durchgeführt. Ausgezeichnet werden Bauten in den Alpen, die klimafreundliches Bauen und Baukultur verbinden. In den Alpen verbrauchen private Haushalte genau so viel Energie wie der gesamte Verkehrssektor. Alte, schlecht isolierte Gebäude sind die grössten Energieverschwender.

    Für einen effektiven Klimaschutz ist das Sanieren und wenn nötig auch das Bauen von neuen Gebäuden mit regionalen und ökologischen Baustoffen essenziell. Mit dem Architekturpreis tragen die in der Alpenkonvention verbundenen Alpenländer (Die Schweiz, Frankreich, Deutschland, Österreich, Slowenien, Liechtenstein, Italien und Monaco) dazu bei, ihre klimapolitischen Ziele umzusetzen.

    Von 328 eingereichten Projekten kamen 28 Gebäude in die engere Auswahl, darunter neun Schweizer Projekte. So zum Beispiel das landwirtschaftliche Zentrum in Salez im Rheintal oder das Casa Mosogno in der Tessiner Gemeinde Onsernone. Unter den Auserwählten finden sich Wohnhäuser, Gewerbebauten, Berggasthäuser, Kindergärten, kulturelle Zentren sowie eine Kapelle. Davon handelt es sich bei einem Projekt um einen Ersatzneubau, elf Projekten sind Sanierungen und sechzehn Projekte Neubauten. Die achtköpfige Jury traf die Auswahl mittels Videokonferenzen.  

    Schweizer Projekte kommen gut an

    Jurypräsident Köbi Gantenbein sagt: «Die Jury hat grosse Freude an den 28 Perlen der Architektur, die ökonomische und soziale Zuversicht für den ländlichen Raum in den Alpen in eigensinnige und klimavernünftige Architektur übersetzen.» Die Jury wird nun die ausgewählten 28 Gebäude zwischen Slowenien und Frankreich vor Ort besichtigen und mit den Bauherrschaften, Architekturbüros und Nutzerinnen und Nutzern Gespräche führen. Die Universität Liechtenstein unterstützt die international besetzte Jury bei der qualitativen Prüfung der Objekte.

    Relevant für das Juryurteil ist nicht nur die Klimafreundlichkeit der Bauten, gemessen in Energiekennzahlen und grauer Energie für den Bau, sondern auch deren Beitrag für ein zukunftsgerichtetes Leben und Wirtschaften in den Alpen. Sinnliche Apsekte werden genauso bewertet wie Ökologie, Ökonomie, Kultur und Soziales. Es geht dabei auch um die Anbindung der Gebäude an das öffentliche Verkehrsnetz oder das Verwenden von ökologischen Baustoffen.

    Am 6. November wird im Alpinen Museum Bern das Preisgeld an drei Preisträger verliehen. Zudem werden der Katalog und die Ausstellung eingeweiht, welche anschliessend als Wanderausstellung zum nachhaltigen Bauen in den Alpen von Ljubljana bis Nizza unterwegs sein wird.

  • Der Logistikimmobilienmarkt erweist sich in der Coronavirus-Krise als standhaft

    Der Logistikimmobilienmarkt erweist sich in der Coronavirus-Krise als standhaft

    Der Logistikimmobilienbericht Schweiz 2020 ist unter dem Titel «Hohes Anlageinteresse in dynamischem, aber wenig liquiden Marktumfeld» erschienen.

    Wie fragil die globalen Logistikketten sind und wie wichtig eine funktionierende Grundversorgung ist, zeigt sich in der Coronakrise deutlich. Im aktuellen Marktumfeld dürfte sich die zunehmende Diversifikation im Schweizer Logistikimmobilienmarkt weiter verstärken. David Schoch, Director Research & Consulting bei CBRE Switzerland, sagt: «Die vielen Händler, die ihr Sortiment bis anhin nur stationär angeboten haben, müssen sich gerade jetzt neu erfinden. Dieser Strukturwandel wird die Nachfrage nach Logistikflächen für den Online-Handel weiter verstärken.»

    Alexandre Monney, Fondsmanager des Immobilienfonds «Procimmo Swiss Commercial Fund», ist grundsätzlich positiv gestimmt: «Der Markt profitiert von der Dynamik der Schweizer Industrie- und KMU-Struktur. Die Nachfrage nach Logistikflächen entwickelt sich gut, während das Angebot begrenzt ist, insbesondere im grossflächigen Marktsegment, was wiederum den Druck auf die Mieten aufrechterhält.»  Über die starken Fundamentaldaten hinaus bietet die Logistik laut Monney trotz der starken Renditekompression in den letzten Jahren immer noch attraktive Erträge im Vergleich zu anderen Vermögenswerten und eine grosse Chancen zur Risikostreuung.

    Hier die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Immobilienbericht:

    Sinkende Spitzenrenditen

    Die Top-Renditen sind auf 4,1% (netto) gesunken und werden durch den anhaltenden Anlagedruck in einem spätzyklischen Marktumfeld weiter zu den tiefen Renditen anderer Assetklassen aufschliessen. Die Differenz zwischen erstklassigen Logistikimmobilien und Büroliegenschaften liegt damit noch bei rund 150 bis 200 Basispunkten. Bei einzelnen Investoren kann eine allgemeine Lockerung der Anlagestrategien konstatiert werden. Bereits in Logistik investierte Schweizer Immobilienfonds, Aktiengesellschaften und Anlagestiftungen haben angekündigt, ihre Allokation in Logistikimmobilien in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen.

    Steigendes Mietangebot bei hohem Eigennutzeranteil

    Das Angebot ist im Vorjahresvergleich von 390’000 m2 (Angebotsquote von 1,6%) auf 465’000 m2 (Angebotsquote von 1,9%) angestiegen und wird nach wie vor durch Kleinflächen dominiert. Damit ist jedoch nicht auf einen Nachfragerückgang zu schliessen, denn ein Grossteil der geschätzten Nettoabsorption von rund 200’000 m2 pro Jahr wird durch Neuentwicklungen abgedeckt. Der Schweizer Logistikbestand ist nach wie vor durch eine hohe Eigennutzerquote von rund 60 – 70% geprägt.

    Divergierende Angebotsmieten

    Die teuersten und die günstigsten Angebotsmieten haben sich weiter auseinander divergiert. Die grossflächigen Angebote ab 1’000 m2 zeigen dabei das stärkste Mietzinswachstum.

    Hohe Bauinvestitionen in der französisch-sprachigen Schweiz

    Die anhaltend hohen Neubauvolumen zeugen von einer guten Nachfrage nach Flächen mit entsprechender Qualität und Grösse. Die Investitionen in Lagerhallen und Depots haben in der letzten Dekade insbesondere in der Romandie zugenommen. Die Kantone Waadt und Freiburg fungieren dabei immer mehr als Bindeglied zwischen der Deutsch- und Westschweiz für duale Logistikkonzepte.

    Teil der Schweizer Flächennachfrage fällt aufs grenznahe Ausland

    Die grossen Anbieter von Heimelektronik dominieren die nationale Nachfrage nach Verteilzentren. Dennoch verzeichnen die ausländischen Online-Riesen das höchste Umsatzwachstum. Alleine Zalando und Amazon betreiben unweit der Schweizer Grenze E-Fulfillment-Center mit knapp 800’000 m2.

    Umnutzung von suburbanen Detailhandelsimmobilien

    Insbesondere in den bestehenden Einkaufsgebieten ausserhalb der Städte könnten sich durch die Schwierigkeiten im stationären Handel Opportunitäten für Logistiknutzungen auftun, die dort von guten bau- und zonenrechtlichen Rahmenbedingungen profitieren. 

  • Real Estate Brains: Führt Corona zur Immobilienkrise?

    Real Estate Brains: Führt Corona zur Immobilienkrise?

    «Real Estate Brains» heisst das neue Online-Format von Immobilienprofis für Immobilienprofis aus der DACH-Region, welches ein Gemeinschaftsprojekt von Swiss Circle, SwissPropTech und Builtworld ist. Die erste Ausgabe stiess auf reges Interesse: 140 Branchenprofis verfolgten am Dienstagmorgen online die Referate von Dr. Christoph Schumacher, Global Head Real Estate bei Credit Suisse Asset Management, Thomas Schnabel, Rechtsanwalt und Partner bei Osborne Clarke sowie Dr. Stefan Fahrländer, Gründer und Partner von Fahrländer und Partner. Durch die kurzweilige Stunde führte Roman H. Bolliger, CEO Swiss Circle.

    «Die Spreu trennt sich vom Weizen»

    Den Anfang machte Dr. Stefan Fahrländer von Fahrländer und Partner. Er hielt fest: «Der Lockdown hat massive Auswirkungen auf die Staatshaushalte und grossen Einfluss auf die Nutzer- und Transaktionsmärkte.» Grundsätzlich verhielten sich die Länder ähnlich. Die Regulierung werde nicht abnehmen – im Gegenteil: «Es besteht die Gefahr, dass die Regulierung stärker zunehmen wird wie auch die Besteuerung.»

    Dr. Stefan Fahrländer, Gründer und Partner, Fahrländer und Partner

    Man müsse zwischen kurzfristigen und mittelfristigen Wirkungen unterscheiden, sagte Fahrländer. Kurzfristig, das heisst bei einer Dauer von 2-3 Monaten, dürfte sich der Wohnflächenmarkt in der DACH-Region rasch wieder erholen. Die primären Auswirkungen werde man im gehobenen Segment spüren. Der Geschäftsflächenmarkt hingegen sei von Ausfällen und Reduktionen bei Mietzinseinnahmen betroffen. «Hier ist mit kurzfristigen Ertragsausfällen zu rechnen», sagte Fahrländer. Bei einer kurzen Dauer könne der Leerstand bei Geschäftsflächen steigen und das Konsumverhalten sowie die Büroraumnachfrage eine leichte dauerhafte Verschiebung erfahren. Bei den Transaktionsmärkten würden die laufenden Deals aber weitergehen. Die Budgetziele 2020 sollten erreicht werden können.

    Anders sieht es gemäss Fahrländer bei einer Dauer der Krise von 6 Monaten und mehr aus: Der Wohnflächenmarkt dürfte dann zusammenrücken, es sei vor allem in der Peripherie mit Leerständen zu rechnen. Der Geschäftsflächenmarkt sähe sich mit massiven Ausfällen durch Konkurse und Kapazitätsabbau konfrontiert. Das Konsumverhalten und die Büroraumnachfrage würden sich durch einen langanhaltenden Lockdown dauerhaft stark verschieben. Fahrländer hielt fest: «Die Spreu trennt sich vom Weizen. Die Risikoaversion drückt auf Bauland- und Projektpreise. Wer verkaufen muss, muss Preisnachlässe gewähren. Teilweise werden Aktien- und Rohimmobilien vom Markt genommen, da jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.»

    Die Gretchenfrage formulierte Fahrländer so: «Wie lange dauern die Einschränkungen an?» Wie stark die Rezession sein werde und wie man die Verschuldung weginflationieren könne, bleibe abzuwarten. Er ist aber positiv gestimmt, dass die Immobilienbranche trotz allem gut wegkommen werde. Denn Immobilien könnten sich tatsächlich als «das Betongold» von morgen erweisen, wie Roman H. Bolliger festhielt.

    «Es wird Anpassungen im Bürosektor und im Einzelhandel geben»

    Die durch das Coronavirus verursachten massiven Einschränkungen in der Real-Estate-Branche hat Dr. Christoph Schumacher, Global Head Real Estate, Credit Suisse Asset Management, zunächst unterschätzt. Heute sagt er: «Die Volatilität an der Börse sehen wir auch in den Immobilienmärkten. Mit dem Lockdown waren wir als Branche vor allem im Einzelhandel und im Hotelbereich eingeschränkt.» Schumacher ist grundsätzlich derselben Ansicht wie Fahrländer: «Wir müssen mittel- und langfristige Konsequenzen unterscheiden.» Im Moment sehe er, dass die meisten Transaktionen, die begonnen wurden, auch zu Ende gebracht werden. «Gerade beim Core-Immobiliengeschäft werden die Massnahmen erfreulicherweise so umgesetzt, wie sie schon vor der Krise beschlossen wurden.»

    Dr. Christoph Schumacher, Global Head Real Estate, Credit Suisse Asset Management

    Zurückhaltung sieht Schumacher aktuell bei neuen Transaktionen. Es gebe aber auch solche, die in der Krise Opportunitäten sehen: «Vor allem Familienbetriebe und Anleger, die auf erstaunlich viel Liquidität sitzen, steigen jetzt in den Immobilienmarkt ein.» Dabei seien vor allem börsennotierte Immobilien von Interesse und gerade in den volatilen Märkten von England und Asien sehe man derzeit Discounts von bis zu 40 Prozent und mehr. Bei den nicht börsennotierten Immobilien, wo die Credit Suisse sehr aktiv ist, seien die Möglichkeiten beispielsweise aufgrund der Lock-up-Perioden beschränkt. In Deutschland sei bei den Immobilienfonds durch die gesetzlichen Vorgaben mit den verlängerten Rückgabefristen weniger Druck zu spüren, was sei sehr positiv sei.

    Ein wichtiger Aspekt bei der Credit Suisse sind die Mieter. Die Wohnmietportfolios seien nicht betroffen, aber man habe das eine oder andere Shoppingcenter, wo gerade kleinere Mieter im Einzelhandel unter Druck stehen. Vielen habe man deshalb die Aprilmiete erlassen, sagte Schumacher. «Das war eine einmalige Aktion, um den Mietern Zeit zu verschaffen und die Interessen der Anleger zu wahren, indem drohenden Insolvenzen entgegengewirkt werden konnte.» Für Anleger mache der Erlass weniger als 1 Prozent der Mieterträge aus. Schumacher ist überzeugt: «Die Zeit nach der Krise wird eine andere sein. Wir selber haben trotz vieler Sparmassnahmen das Digitalisierungsbudget hoch gelassen. Wir glauben das PropTec und Digitalisierung langfristig verstärkt auf der Agenda stehen. Es wird Anpassungen im Bürosektor und Einzelhandel geben. Alles in allem werden wir gestärkt rausgehen und auch mittelfristig rechnen wir mit mehr Interesse im Immobiliensektor.»

    «Die Rechtslage ist schwierig»

    Thomas Schnabel, Rechtsanwalt und Partner bei Osborne Clarke, ist aktuell « an der Front ». Er leitet den Sektor Real Estate and Infrastructure in Deutschland. Zu seinen Mandanten zählen unter anderem Fondsgesellschaften, Projektentwickler, und Einzelhandelsunternehmen sowie eine Vielzahl von Unternehmen als Mieter. Deshalb bekommt er derzeit viel von der Mieterseite mit.

    Thomas Schnabel, Rechtsanwalt und Partner, Osborne Clarke

    In Deutschland hat der Bundestag erlassen, dass Vermieter von April bis Juni keine fristlose Kündigung aufgrund Zahlungsverzugs aussprechen können, wenn der Mieter seine Miete wegen der Coronakrise nicht bezahlen kann. «Hier sehe ich vor allem die Gastronomie, Hotellerie und den Einzelhandel betroffen», führte Schnabel aus. Er sieht aber auch das Problem der Vermieterseite. In England beispielsweise würden die Mieten quartalsweise anfallen. «Ende März wären die Mieten für das 2. Quartal 2020 fällig gewesen. Bezahlt ein Mieter nicht, fehlen hier also Einnahmen für ein ganzes Quartal.»

    In Deutschland sei Aussetzen das Wort der Stunde: «Viele verzichten im April auf die Miete.» Ob die Miete ganz erlassen oder gestundet werde, müsse individuell entschieden werden. «Die Rechtslage ist in Deutschland extrem schwierig. Es gibt keine klaren Richtlinien», sagte Schnabel. Die Diskussion unter den Juristen drehe sich aktuell immer um dieselben Themen: Zur Mietminderung würde zum einen das Vorliegen des Mangels an der Mietsache berechtigen. Beruht die Schliessung auf einer behördlichen Anordnung, sei für die Mietminderung entscheidend, ob die Anordnung einen Mangel an der Mietsache darstelle. Und als dritte Option komme die Mietminderung aufgrund Einschränkung der Gebrauchsüberlassung in Frage.

    «Mittlerweile werden von den Juristen Entscheide von 1915 ausgegraben und anhand dieser versucht, die damaligen Urteile auf heute zu translatieren», so Schnabel. Für den Rechtsanwalt ist klar: «Anstatt am Ende die Gerichte entscheiden zu lassen, wer die besseren Argumente hat, müssen wir gemeinsam Lösungen suchen und diskutieren, was man kurz-, mittel- und langfristig macht.»