Kategorie: Schweiz

  • Der Sonnenhof soll Bülachs Mitte neu erfinden

    Der Sonnenhof soll Bülachs Mitte neu erfinden

    Das Sonnenhof-Areal liegt zentral zwischen Bahnhof- und Schaffhauserstrasse und umfasst gut 20’000 Quadratmeter. Heute prägen ein Einkaufszentrum aus den 1970er-Jahren, weitere Gewerbe- und Wohngebäude sowie eine grosse versiegelte Parkplatzfläche das Bild. Genau diese Struktur soll nun grundlegend verändert werden.

    Geplant ist ein neuer, gemischt genutzter Quartierteil mit einer öffentlichen Passage, begrünten Höfen und Plätzen, Gewerbe, Gastronomie und einem Kultur- und Begegnungszentrum. Das bestehende Einkaufszentrum soll dabei nicht verschwinden, sondern modernisiert und in das neue Gefüge eingebunden werden.

    Verdichtung mit urbanem Anspruch
    Kern des Projekts sind rund 240 Mietwohnungen in unterschiedlichen Preisklassen und mit verschiedenen Grundrissen. Dazu kommen rund 12’000 Quadratmeter für gewerbliche, kulturelle und öffentliche Nutzungen in den Erdgeschossen und an den Passagen.

    Städtebaulich setzt das Projekt auf Dichte und Orientierung. Vier höhere Gebäude sollen das Areal markieren und ihm eine klar erkennbare Adresse geben. Im Gestaltungsplan ist an der nordöstlichen Ecke eine maximale Gebäudehöhe von 55 Metern möglich. Das zeigt, wie deutlich sich der Sonnenhof vom bisherigen Massstab abheben wird.

    Freiraum statt Asphalt
    Besonders stark ist die Botschaft im Aussenraum. Wo heute Hitze speichernder Belag dominiert, sollen künftig entsiegelte Flächen, Bäume, Höfe und klimaresistente Bepflanzung das Mikroklima verbessern. Regenwasser soll versickern und verdunsten können, Dächer werden begrünt und mit Photovoltaik ergänzt.

    Auch verkehrlich will sich das Projekt neu ausrichten. Die oberirdischen Parkplätze wandern grösstenteils in die Tiefgarage, während Wege und Plätze vor allem auf Fuss- und Veloverkehr ausgerichtet werden. Trotzdem bleiben auf dem gesamten Areal rund 450 Auto-Parkplätze vorgesehen.

    Kultur als Teil der Entwicklung
    Auffällig ist die Verbindung von Immobilienentwicklung und öffentlicher Nutzung. Mit dem geplanten Kultur- und Begegnungszentrum KUBEZ soll am Sonnenhof nicht nur gebaut, sondern auch ein regionaler Treffpunkt für Kultur, Bildung und Freizeit geschaffen werden. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit der Stadt Bülach und umliegenden Gemeinden.

    Gerade das macht den Sonnenhof mehr als zu einer klassischen Überbauung. Das Areal soll nicht nur Wohnraum liefern, sondern eine neue Mitte schaffen, die den Alltag der Stadt erweitert und die Verbindung zwischen Bahnhof, Zentrum und Quartier stärkt.

    Ein langer Weg zur neuen Mitte
    Noch ist der Sonnenhof ein Planungsprojekt. 2026 soll der private Gestaltungsplan eingereicht werden, 2027 wäre die Genehmigung vorgesehen. Die erste Etappe könnte 2029 starten und 2031 fertig sein, die Gesamtfertigstellung ist gemäss Projektstand für 2034 vorgesehen.

    Das zeigt die eigentliche Dimension solcher Vorhaben. Die Transformation eines zentralen Areals braucht nicht nur Kapital und Entwurfskraft, sondern vor allem Zeit, Verfahren und politische Abstimmung. Wenn der Sonnenhof gelingt, gewinnt Bülach nicht einfach neue Wohnungen. Die Stadt gewinnt ein neues Stück Urbanität.

  • Luzern stösst Zug vom Steuerthron

    Luzern stösst Zug vom Steuerthron

    Luzern senkt den effektiven Unternehmenssteuersatz 2026 von 11,91 auf 11,66 Prozent und überholt damit Zug, das neu bei 11,71 Prozent liegt. Damit ist Luzern laut PwC erstmals der Kanton mit den tiefsten Unternehmenssteuern der Schweiz.

    Die Differenz ist klein, die Botschaft umso grösser. Im Steuerwettbewerb zählt nicht nur die absolute Höhe, sondern auch die symbolische Wirkung. Wer an der Spitze steht, sendet ein klares Signal an mobile Unternehmen und Investoren.

    Die Schweiz bleibt in Bewegung
    Acht Kantone senken ihre Unternehmenssteuern leicht, vier erhöhen sie minimal. Insgesamt zeigt der Steuervergleich 2026 damit ein Land, das im internationalen Wettbewerb weiterhin aktiv bleibt und seine Attraktivität nicht einfach verwaltet.

    Auffällig ist dabei, dass die 2024 eingeführte OECD-Mindeststeuer die kantonalen Steuersätze bisher kaum verändert hat. PwC spricht von einer eher abwartenden Haltung gegenüber den neuen globalen Rahmenbedingungen. Gerade deshalb gewinnt der inner-schweizerische Wettbewerb weiter an Gewicht.

    Zürich und Bern geraten unter Druck
    Am anderen Ende der Skala stehen Bern und Zürich. Bern weist laut PwC einen effektiven Satz von 20,54 Prozent auf, Zürich liegt trotz leichter Senkung noch bei 19,47 Prozent. Beide Kantone zählen damit weiterhin zu den steuerlich teuersten Standorten für Unternehmen in der Schweiz.

    Das ist aus Standortsicht heikel. Denn hohe wirtschaftliche Qualität, gute Erreichbarkeit und starke Arbeitsmärkte reichen nicht immer aus, wenn die fiskalische Differenz fast doppelt so hoch ausfällt wie in Luzern. Der Steuerfaktor bleibt ein harter Hebel im Wettbewerb um Neuansiedlungen und Expansionen.

    Mehr als ein Steuerranking
    Die Zentralschweiz behauptet laut PwC ihre Rolle als besonders attraktiver Unternehmensraum. Luzern und Zug rangieren im internationalen Vergleich am unteren Ende der Steuerbelastung, in der EU besteuert nur Ungarn Unternehmen noch tiefer als Luzern.

    Damit wird klar, worum es wirklich geht. Nicht um einen reinen Zahlendreher zwischen zwei Kantonen, sondern um die strategische Positionierung ganzer Wirtschaftsräume. Luzern hat sich mit einem kleinen Schritt an die Spitze gesetzt. Im Standortwettbewerb kann genau das den Unterschied machen.

  • Zürich schärft sein Innovationsprofil

    Zürich schärft sein Innovationsprofil

    Der Kanton Zürich gehört zu den stärksten Wirtschaftsregionen Europas. Doch auch ein Spitzenstandort gerät unter Druck, wenn Fachkräfte fehlen, Entwicklungskosten steigen und der globale Wettbewerb härter wird.

    Genau hier setzt der Regierungsrat an. Er will den Innovationsstandort nicht mit Einzelaktionen aufladen, sondern mit verlässlichen Rahmenbedingungen stärken. Dieser Zürcher Weg soll Forschung, Unternehmertum und Anwendung enger verzahnen.

    Fünf Felder mit Hebelwirkung
    Für die Jahre 2027 bis 2030 definiert der Regierungsrat fünf Schwerpunkte. Halbleiter, Raumfahrt, Umwelttechnologien, Gesundheit und Risikokapital. Die Auswahl ist kein Zufall. Alle fünf Bereiche verbinden technologische Dynamik mit realen Wachstumschancen.

    Zugleich zeigen sie, wohin Zürich denkt. Nicht in kurzfristigen Trends, sondern in Feldern, in denen sich industrielle Stärke, Forschungskompetenz und neue Märkte überlagern. Das macht die Strategie wirtschaftspolitisch relevant.

    Vom Labor in den Markt
    Besonders interessant ist der Fokus auf Umsetzung. Innovation soll schneller in die Anwendung kommen. Genau hier verlieren viele starke Forschungsstandorte an Tempo.

    Bei Halbleitern geht es um Zugang zu Chip-Design, Reinräumen und Technologietransfer. In der Raumfahrt will Zürich Entwicklung und Skalierung neuer Anwendungen erleichtern. Im Gesundheitsbereich sollen digitale Lösungen rascher getestet, validiert und in Einrichtungen überführt werden. Der Anspruch ist klar. Nicht nur erfinden, sondern auch anwenden.

    Nachhaltigkeit wird zum Standortfaktor
    Spannend ist auch der Blick auf Umwelttechnologien. Nachhaltige Mobilität und kreislauffähiges Bauen werden nicht nur als ökologische Aufgabe verstanden, sondern als wirtschaftliche Chance.

    Das ist ein wichtiges Signal. Wer Versorgungssicherheit, Klimaziele und Standortqualität zusammen denkt, verschiebt Nachhaltigkeit aus der Nische ins Zentrum der Standortpolitik. Gerade für Zürich kann daraus ein neues Profil mit internationaler Strahlkraft entstehen.

    Kapital entscheidet mit
    Innovative Unternehmen brauchen mehr als gute Ideen. In der Wachstumsphase brauchen sie Kapital, das Skalierung ermöglicht. Darum setzt die Strategie auch beim Risikokapital an.

    Für die erste Etappe beantragt der Regierungsrat einen Rahmenkredit von 23 Millionen Franken. Das ist kein riesiger Betrag. Aber er markiert einen politischen Richtungsentscheid. Zürich will seine Innovationskraft nicht nur verwalten, sondern gezielt in Wertschöpfung und Arbeitsplätze übersetzen.

  • Das Netz wird zum Nadelöhr der Schweiz

    Das Netz wird zum Nadelöhr der Schweiz

    Mit 11 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen hat die Energiekommission des Ständerates die Gesetzesänderung zur Beschleunigung beim Aus- und Umbau der Stromnetze angenommen. Die Kommission macht damit klar, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur politisch nicht mehr als Nebenschauplatz behandelt werden soll.

    Das ist mehr als ein technischer Schritt. Die Kommission betont ausdrücklich die herausragende Bedeutung einer einheimischen, erneuerbaren Energieversorgung und verlangt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen dieser Bedeutung endlich folgen. Das Stromnetz wird damit vom Begleiter zum strategischen Rückgrat der Energiepolitik.

    Freileitung vor Erdkabel
    In einem zentralen Punkt setzt die Kommission einen klaren Akzent. Leitungen des Übertragungsnetzes sollen in erster Linie als Freileitungen realisiert werden. Erdkabel bleiben die Ausnahme und sollen nur in besonderen Fällen geprüft werden. In Bauzonen soll dieser Grundsatz jedoch nicht gelten.

    Damit rückt die politische Priorität sichtbar auf Tempo und Umsetzbarkeit. Denn je komplexer die Interessenabwägung, desto länger dauern Verfahren. Genau hier will die Vorlage ansetzen und Planungsprozesse straffen.

    Mehr Spielraum beim Ersatz
    Besonders relevant ist der Blick auf den Bestand. In den kommenden Jahren erreicht ein grosser Teil der Netzinfrastruktur das Ende seiner Lebensdauer. Laut Swissgrid sind bereits heute strukturelle Engpässe spürbar und zwei Drittel des 6700 Kilometer langen Übertragungsnetzes sind über 40 Jahre alt.

    Die Kommission will deshalb den Ersatz bestehender Hoch- und Höchstspannungsleitungen erleichtern, auch auf bestehenden oder direkt angrenzenden Trassees. Dieses Prinzip soll neu auch für Teile des Verteilnetzes über 36 kV gelten. Das ist ein Signal mit Wirkung. Nicht jeder Netzausbau beginnt auf der grünen Wiese. Vieles entscheidet sich im schnelleren Ersatz des Bestehenden.

    Die stille Hürde der Energiewende
    Hinzu kommt ein Detail mit grosser Wirkung. Künftig sollen Transformatorenstationen unter bestimmten Bedingungen auch ausserhalb der Bauzone möglich sein, wenn innerhalb der Bauzone kein verhältnismässiger Standort gefunden wird. Auch das zeigt, wo die Energiewende im Alltag hängen bleibt. Oft nicht an der Strategie, sondern am Grundstück.

    Der Vorstoss trifft deshalb einen wunden Punkt. Die Schweiz hat die Produktion erneuerbarer Energie beschleunigt, doch das Netz droht zum Flaschenhals zu werden. Wenn Verfahren weiter Jahre dauern, bremsen nicht fehlende Ideen die Wende, sondern fehlende Leitungen.

  • 10 Millionen und dann

    10 Millionen und dann

    Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweiz über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ab. Sie will die ständige Wohnbevölkerung langfristig unter 10 Millionen halten und sieht ab 9,5 Millionen zusätzliche Massnahmen vor. Der politische Fokus liegt auf Zuwanderung. Der räumliche Effekt könnte jedoch viel breiter ausfallen.

    Denn Arbeitsmärkte lassen sich nicht einfach an der Landesgrenze stoppen. Wenn Unternehmen weiterhin Fachkräfte brauchen, aber weniger Menschen in der Schweiz wohnen können oder sollen, steigt der Druck auf grenznahe Wohn- und Pendelräume. Das verändert nicht nur Statistiken. Es verändert ganze Regionen.

    Der Wohnungsmarkt weicht aus
    Das Muster ist längst sichtbar. In der Genferseeregion wächst der Arbeitsmarkt stark, während Wohnraum auf Schweizer Seite chronisch knapp bleibt. Die Folge ist eine immer stärkere Ausdehnung des Metropolraums nach Frankreich.

    Die Preisdifferenz erklärt die Dynamik. Im Kanton Genf lagen die Angebotsmieten zuletzt bei 384 Franken pro Quadratmeter und Jahr, im grenznahen Frankreich je nach Lage nur bei 190 bis 260 Franken. Bei Wohneigentum ist der Abstand noch grösser. In Genf liegen die Angebotspreise bei rund 13’500 Franken pro Quadratmeter, im nahen Frankreich bei etwa 3’500 bis 6’000 Franken.

    Wenn Entlastung neue Lasten schafft
    Was für die Schweiz wie eine Bremse wirken soll, kann Grenzregionen zusätzlich anheizen. Mehr Grenzgänger bedeuten mehr Nachfrage nach Wohnraum ausserhalb der Schweiz, höhere Preise in den Nachbargemeinden und wachsenden Druck auf Schulen, Verkehr und kommunale Dienste. Genau davor warnen bereits Stimmen aus Hochsavoyen.

    Auch infrastrukturell ist das keine Nebenfrage. Neue Verkehrsangebote wie der Léman Express haben das grenzüberschreitende Pendeln deutlich erleichtert und rund um die Haltestellen neue Entwicklungsdynamik ausgelöst. Der Raum wächst damit nicht weniger. Er wächst nur anders.

    Was das für Standorte bedeutet
    Für die Standortpolitik ist das eine heikle Wahrheit. Wachstum verschwindet nicht, nur weil man es politisch deckeln will. Es sucht sich neue Wege über Pendlerachsen, Wohnstandorte und funktionale Wirtschaftsräume.

  • 2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    Wettingen ist ins Zentrum einer wirtschaftspolitischen Weichenstellung gerückt. Der Aargauer Regierungsrat will den Richtplan im Gebiet Tägerhardächer anpassen und so die planerischen Voraussetzungen für einen möglichen Campus von Hitachi Energy schaffen.

    Der Schritt ist gross. Denn es geht nicht nur um ein einzelnes Bauvorhaben. Es geht um die Frage, ob der Aargau seine industrielle Substanz halten und zugleich ausbauen kann. Im besten Fall bleiben rund 1000 bestehende Arbeitsplätze im Kanton, zusätzlich könnten bis zu 2000 neue Stellen entstehen.

    Warum gerade Tägerhardächer
    Der Standort ist kein Zufall. Hitachi Energy prüft mehrere Optionen für den Ausbau seiner Kapazitäten und den Zusammenzug heutiger Arbeitsplätze. Das Gebiet Tägerhardächer gilt dabei als eine bevorzugte Variante.

    Aus Sicht der Standortförderung spricht viel für Wettingen. Das Areal liegt im Raum Zürich, Limmattal und Baden, ist verkehrlich stark angebunden und ermöglicht eine zusammenhängende, ausbaufähige Campuslösung. Hinzu kommt die Nähe zu einem bestehenden Cluster von Unternehmen aus dem Energiesektor. Das erhöht die Strahlkraft des Standorts weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

    Der Preis des Fortschritts
    Wo Entwicklung möglich wird, entstehen Konflikte. Für das Vorhaben müssten 10,7 Hektaren Siedlungsgebiet festgesetzt werden. Das Gebiet liegt heute im Landwirtschaftsraum und wird teilweise von einem Siedlungstrenngürtel überlagert.

    Genau hier entzündet sich die Kritik. Im Mitwirkungsverfahren wurden vor allem der Verlust von Kulturland, die Reduktion von Fruchtfolgeflächen, Eingriffe in den Siedlungstrenngürtel sowie Verkehrsfragen kritisch beurteilt. Der Regierungsrat hält dennoch fest, das Vorhaben sei aus kantonaler Sicht zweckmässig und räumlich abgestimmt. Parallel soll versucht werden, Landwirtschaftsflächen andernorts aufzuwerten, damit der Verlust begrenzt bleibt.

    Die Region denkt weiter als bis zur Werkhalle
    Entscheidend ist nun, ob Wachstum und Lebensqualität zusammenfinden. Denn ein Campus dieser Grössenordnung wirkt nicht nur auf den Arbeitsmarkt. Er verändert Verkehrsströme, Siedlungsräume und die Erwartungen an die Infrastruktur.

    Darum soll die Erschliessung nicht nur für das Auto funktionieren. Der öffentliche Verkehr sowie Fuss- und Veloverbindungen sollen so gestaltet werden, dass die Belastung für Nachbargemeinden möglichst tief bleibt. Das ist mehr als Begleitmusik. Es ist die Bedingung dafür, dass wirtschaftliche Dynamik regional akzeptiert wird.

    Noch ist nichts entschieden
    Der politische Wille ist sichtbar. Auch Wettingen und Baden Regio unterstützen die Richtplananpassung. Doch der definitive Standortentscheid des Unternehmens steht aus. Fällt er gegen Wettingen, werden die entsprechenden Beschlüsse hinfällig.

    Gerade darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Dossiers. Zukunft fällt nicht einfach vom Himmel. Sie muss planerisch vorbereitet, politisch getragen und regional austariert werden. Wettingen hat nun die Chance, genau das zu beweisen.

  • Der stille Aufstieg südlich des Gotthards

    Der stille Aufstieg südlich des Gotthards

    Das Regional Innovation Scoreboard 2025 der EU bestätigt dem Tessin den Status «Innovation Leader». Nur Zürich schneidet in der Schweiz besser ab. Hinter dem Rang stecken messbare Treiber. Die Hochschulen USI und SUPSI bilden das akademische Rückgrat, ergänzt durch Institute wie das IDSIA für künstliche Intelligenz und das nationale Hochleistungsrechenzentrum. Gleichzeitig investieren KMU im Kanton überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung.

    Drei Kompetenzzentren, ein Park
    Der Switzerland Innovation Park Ticino bündelt die Kräfte an drei Standorten. Das Swiss Drone Base Camp am Flughafen Riviera testet Drohnentechnologie im realen Luftraum. In Lugano treibt das Lifestyle Tech Competence Center die Digitalisierung von Mode, Food und Wellness voran. In Bellinzona forscht das Life Sciences Competence Center an Biomedizin und Onkologie. Ab 2032 zieht der Park in das Nuovo Quartiere Officine, ein 120’000 Quadratmeter grosses Stadtentwicklungsgebiet im Herzen der Kantonshauptstadt.

    Lugano setzt auf digitale Infrastruktur
    Die Stadt Lugano hat einen eigenen Weg eingeschlagen im Bereich Krypto. Über 400 Betriebe akzeptieren bereits digitale Zahlungsmittel, mehr als 100 Fintech- und Blockchain-Unternehmen haben sich angesiedelt. Im März 2026 startete Phase II in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Tether. Fünf Millionen Franken fliessen bis 2030 in digitale Resilienz, KI-Ökosysteme und dezentrale Stadtinfrastruktur. Lugano positioniert sich damit als drittgrösster Finanzplatz der Schweiz mit technologischem Ehrgeiz.

    60 Millionen Franken und ein klares Signal
    Der Grosse Rat hat Ende 2023 ein deutliches Zeichen gesetzt. Eine Kreditlinie von 60 Millionen Franken sichert die Innovationsförderung, die Forschungskooperation und die regionale Wirtschaftspolitik bis 2027. 25 Millionen fliessen direkt in Innovation und Forschungssynergien. Die Fondazione Agire, seit über 10 Jahren Innovationsagentur des Kantons, begleitet jährlich 20 Startup-Ideen über ihren Boldbrain-Accelerator und coacht KMU bei der Digitalisierung.

    Was die Immobilienbranche daraus lesen muss
    Standortförderung entfaltet ihren vollen Wert erst, wenn sie über Strategiepapiere hinauswächst. Das Tessin steht vor der Aufgabe, Flächenverfügbarkeit, Verfahrenssicherheit und urbane Qualität im gleichen Tempo zu entwickeln wie seine Innovationsprojekte. Für Investoren bedeutet das eine Region im Aufbruch mit hohem Potenzial und gleichzeitigem Bedarf an Geduld. Wer den Süden der Schweiz heute auf dem Radar hat, findet einen Standort, der liefern will und die Mittel dafür bereitstellt.

  • Eigentümerwechsel soll Wachstum im Geothermiemarkt beschleunigen

    Eigentümerwechsel soll Wachstum im Geothermiemarkt beschleunigen

    Die Investmentgesellschaft Dundee AG hat laut einer Mitteilung die Bohrfix Erdsonden AG übernommen. Das Unternehmen gilt demnach mit jährlich circa 240’000 Bohrmetern und 1150 Bohrungen weltweit zu den etabliertesten und erfolgreichsten unabhängigen Anbieter von Erdsondenbohrungen in der Schweiz. 

    Mit dem neuen Eigentümer erhält das Bohrunternehmen eine leicht veränderte Führungsstruktur. Per sofort ist Hans Rosenberger, Verwaltungsratspräsident der Dundee AG, Präsident des Verwaltungsrats der Bohrfix Erdsonden AG. Operativ wird diese weiter von Sascha Jordi geleitet. Jordi ist seit 1998 Bohrmeister und seit Juni 2025 als Projektleiter bei der Bohrfix Erdsonden AG tätig. Vinzenz Schönenberger bleibt wie bisher kaufmännischer Geschäftsleiter und Delegierter des Verwaltungsrats. Trotz veränderter Führungsstruktur werden alle bestehenden Mitarbeitenden übernommen. Für Kunden und Auftraggeber ändert sich operativ nichts.

    „Mit der Übernahme der Bohrfix Erdsonden AG investieren wir in ein Unternehmen mit hervorragender Marktstellung, erfahrenem Team und grossem Wachstumspotenzial im Bereich Geothermie und erneuerbarer Energien. Wir freuen uns auf diese spannende Partnerschaft“, wird Hans Rosenberger zitiert.

    Hintergrund der Übernahme ist die Entscheidung des vorherigen Eigentümers Alban Berisha, sich vollständig auf die Weiterentwicklung seines Investment- und Immobilienportfolios zu konzentrieren. Der neue Eigentümer plant, die marktführende Position der Bohrfix Erdsonden AG weiterzuentwickeln und ausserdem in Zukunft in Wachstum, Technik und Personal zu investieren.

  • Bellinzona wagt den grossen Umbau

    Bellinzona wagt den grossen Umbau

    Innerstädtische Transformationsflächen dieser Grösse gibt es in der Schweiz kaum. Das FFS-Areal im Herzen von Bellinzona bietet eine Chance, die Städte wie Zürich oder Basel längst nicht mehr haben. Der neue Stadtteil soll nicht auf der grünen Wiese entstehen, sondern die historische Stadt mit dem Bahnhofsumfeld und neuen Entwicklungszonen verweben. Nutzungsdurchmischung, Biodiversität und grosszügige Freiräume stehen im Zentrum des Masterplans.

    Den internationalen Wettbewerb gewann das Team sa_partners, TAMassociati und Franco Giorgetta. Ihr Entwurf bricht das bisher geschlossene Industriegelände auf und organisiert es um die «Almenda». Einen 6,4 Hektaren grossen zentralen Grünraum, der als ökologisches und soziales Rückgrat das gesamte Quartier strukturiert. Die denkmalgeschützte «Cattedrale», seit 1919 Revisionsstandort für Lokomotiven, bleibt als identitätsstiftender Fixpunkt erhalten und wird zum Ankerbau des neuen Stadtteils.

    Innovation als Herzstück
    Das Quartier wird künftig auch Heimat des Switzerland Innovation Park Ticino sein. Der Park wurde im November 2024 offiziell als Standort des Switzerland Innovation Park Zurich anerkannt und wird von USI, SUPSI, BancaStato, der Tessiner Handelskammer sowie dem Arbeitgeberverband AITI mitgetragen. Ab 2032 zieht der Park mit seiner Zentrale auf eine 25 000 Quadratmeter grosse Fläche innerhalb des neuen Quartiers.

    Drei Kompetenzzentren sind bereits aktiv, Swiss Drone Base in Lodrino für Drohnentechnologie, ein Hub in Bellinzona für Life Sciences und ein Standort in Lugano für Lifestyle Tech. Zusammen mit postgradualen Ausbildungsangeboten von USI und SUPSI entsteht ein Innovationscluster mit überregionaler Strahlkraft. Bellinzona positioniert sich damit als Standort zwischen Verwaltung, Technologie und urbaner Lebensqualität und als ernstzunehmende Alternative zu den grossen Schweizer Technologiepolen.

    Rückschlag im Herbst 2025
    Der Weg ist nicht frei. Im Oktober 2025 annullierte das kantonale Verwaltungsgericht den Detailbebauungsplan des Gemeinderats von April 2023. Die finanziellen Aspekte waren unzureichend dargelegt, insbesondere die Kosten für den Erwerb der öffentlichen Flächen und die Altlastensanierung, die auf 30 bis 50 Millionen Franken geschätzt wird. Der Planungsprozess muss teilweise von vorne beginnen.

    Parallel laufen bereits die Bauarbeiten für die neue FFS-Werkstätte in Arbedo-Castione, ein Grossprojekt von 755 Millionen Franken mit geplanter Inbetriebnahme 2028. Erst mit dem Umzug der Officine wird das Areal frei. Die erste Realisierungsphase startet voraussichtlich frühestens zwischen 2030 und 2035. Die Gesamttransformation dürfte sich über 20 bis 40 Jahre erstrecken. Der Zeitdruck ist real, die Komplexität hoch.

    Modell für die mittlere Schweiz
    Porta del Ticino zeigt, wie mittelgrosse Zentren jenseits der Metropolräume mit grossen Industriearealen umgehen können. Nicht monofunktional überbauen, sondern als urbanen Transformationsraum mit langfristiger regionaler Wirkung entwickeln. Was in Bellinzona entsteht, kann Massstab sein für andere Städte im gleichen Grössenbereich. Von Aarau bis Chur, von Schaffhausen bis Sion.

    Ob die planerische Qualität über Jahre gesichert, Investitionen gebündelt und die Vision in eine belastbare Realisierungsperspektive umgesetzt werden kann, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Der eigentliche Prüfstein hat gerade erst begonnen.

  • Kanton Bern plant Grossbau im Berner Seeland

    Kanton Bern plant Grossbau im Berner Seeland

    Am Schermenweg in Bern hat das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt seit Jahrzehnten seinen Hauptsitz. Die Gebäude dort zeigen statische Mängel und sind in einem Zustand, der eine Totalsanierung unter laufendem Betrieb verunmöglicht. Hinzu kommt ein zweiter Standort in Ostermundigen, wo der Kanton jährlich über eine Million Franken Miete bezahlt.

    Dreimal umziehen oder einmal bauen
    Der Entscheid fiel zugunsten eines Neubaus. Alle drei Standorte werden aufgelöst, die rund 400 Mitarbeitenden an einem einzigen Ort zusammengeführt. Das neue Gebäude auf der Buechlimatt in Münchenbuchsee bietet auf einer Grundstücksfläche Platz für Büros, Prüfstellen und den gesamten Kundenbetrieb. Fahrzeugzulassungen, Führerprüfungen, administrative Abläufe: Alles unter einem Dach, erstmals seit Jahrzehnten.

    Ein Wettbewerb, ein Sieger, ein Holzbau
    2021 schrieb der Kanton einen offenen Projektwettbewerb aus. Dreissig Teams reichten Entwürfe ein, das Zürcher Planerteam aus Studiomori Architektur und KNTXT Architekten überzeugte die Jury. Ihr Projekt trägt den programmatischen Namen «Einer für alle». Es setzt auf einen unterhaltsarmen Holzbau, der sich organisch in den ländlichen Dorfrand von Münchenbuchsee einfügt. Kein Statement aus Beton und Glas, sondern ein Gebäude, das die Klimastrategie des Kantons Bern sichtbar macht. Holz als Baustoff reduziert die CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus.

    Die Politik entscheidet
    Die Berner Regierung hat im April 2026 den Verpflichtungskredit von 132,9 Millionen Franken beim Grossen Rat beantragt. Dieser entscheidet voraussichtlich im Herbst 2026. Dass der Betrag seit der Wettbewerbsphase 2021 von damals rund 104 Millionen Franken auf 132,9 Millionen gestiegen ist, dürfte im Parlament Fragen aufwerfen. Bauteuerung und gestiegene Planungsanforderungen gelten als Hauptgründe. Wer die Mietkosten und den Sanierungsstau gegenrechnet, kommt auf einen klaren betriebswirtschaftlichen Befund zugunsten des Neubaus.

    Einzug frühestens 2031
    Verläuft die parlamentarische Beratung planmässig, folgen Baueingabe Mitte 2026 und Baubeginn 2028. Die Inbetriebnahme ist für 2030 bis 2031 geplant. Für Münchenbuchsee bedeutet das ein neues Arbeitsplatzzentrum mit mehreren hundert Beschäftigten am Dorfrand. Für den Kanton Bern bedeutet es das Ende eines langen Verwaltungsumbaus. Und für die Schweizer Bauwirtschaft steht das Projekt exemplarisch für einen Trend, der 2026 an Fahrt gewinnt. Öffentliche Bauten aus Holz, gebaut für die nächste Generation.

  • 11. Mai an dem die Schweiz ihre Grenzen überschreitet

    11. Mai an dem die Schweiz ihre Grenzen überschreitet

    Seit der ersten Erfassung des ökologischen Fussabdrucks 1961 hat sich der Schweizer Overshoot Day um mehr als sieben Monate nach vorne verschoben, von Ende Dezember auf Mitte Mai. Würde die gesamte Weltbevölkerung so leben wie die Schweiz, bräuchte es 2026 die Ressourcen von 2.8 Erden. Der ökologische Fussabdruck der Schweiz liegt bei 4.15 globalen Hektar pro Person, die verfügbare Biokapazität beträgt gerade einmal 1.48 Hektar. Die Lücke wächst.

    Wohnen als unterschätzter Treiber
    Wohnen ist einer der stärksten Treiber des Schweizer Overshoots, neben Mobilität, Ernährung und importierten Gütern. Zwischen 1990 und 2021 stieg die Wohnfläche in der Schweiz um 54 Prozent, die Bevölkerung hingegen nur um 31 Prozent. Individuelle Verhaltensänderungen können dabei nur rund 20 Prozent der Einsparungen bewirken. Die grossen Hebel liegen anderswo.

    Gebäude als Rohstofflager
    Der Gebäudesektor verursacht über 40 Prozent des globalen Treibhausgasausstosses. Neben der Betriebsenergie Heizen, Kühlen, Strom, entscheidet vor allem die graue Energie darüber, wie gross der Fussabdruck eines Gebäudes wirklich ist. Sie umfasst die gesamte Energie von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zum Rückbau. Solange Abbruch günstiger ist als Wiederverwertung, bleibt das Potenzial der Kreislaufwirtschaft ungenutzt.

    Regulierung zieht an
    Der gesetzliche Rahmen verdichtet sich. Das Klima- und Innovationsgesetz ist seit Januar 2025 in Kraft und schafft Förderanreize für den Ersatz fossiler Heizsysteme und Energieeffizienzmassnahmen. Die MuKEn 2025, verabschiedet im August 2025, definieren erstmals Grenzwerte für die graue Energie bei Neubauten und erhöhen die Anforderungen an Photovoltaik und erneuerbare Heizsysteme. Verbindlich werden sie jedoch erst, wenn die Kantone sie in ihre Energiegesetze überführen.

    Systemwandel statt Symbolpolitik
    Die Botschaft des Overshoot Days ist eindeutig, kleine Anpassungen reichen nicht. Gefragt sind skalierbare Lösungen in Energie, Mobilität, Materialwirtschaft und Arealentwicklung. Die Bau- und Immobilienbranche kann als Querschnittsbranche in allen diesen Bereichen Wirkung erzielen, wenn Daten präzise erfasst, Materialien dokumentiert und zirkuläre Prozesse standardisiert werden. Gebäude als Rohstofflager statt Deponielieferanten, das ist die Richtung.

  • Schweizer Holz soll Pflicht werden

    Schweizer Holz soll Pflicht werden

    Die Schweizer Wälder produzieren jährlich 10,4 Millionen Kubikmeter Holz, verbraucht werden davon gerade einmal 5 Millionen. Insgesamt landen aber 10 Millionen Kubikmeter Holz auf Schweizer Baustellen. Der Rest kommt aus dem Ausland, weil er deutlich günstiger ist. Ein Ressourcenpotenzial, das brach liegt, obwohl die Nachfrage vorhanden wäre.

    Was der Nationalrat fordert
    Nationalrat Daniel Ruch (FDP/VD), von Beruf Waadtländer Forstunternehmer, hat eine Motion eingereicht, die das Waldgesetz ändern soll. Bei Bauten, die mit Bundesgeldern subventioniert werden, soll künftig Schweizer Holz eingesetzt werden, ohne dass den Bauherrschaften dadurch Mehrkosten entstehen. Der Nationalrat hat die Motion angenommen, jetzt liegt der Ball beim Ständerat.

    Der Bundesrat bremst
    Bundesrat Martin Pfister, der den rekonvaleszenten Umweltminister Albert Rösti an der Debatte vertrat, stellte sich gegen eine direkte Subventionierung. Der Bund fördere nachhaltiges Holz bereits bei eigenen Bauten und Anlagen. Eine gesetzliche Grundlage dafür besteht seit der Waldgesetz-Revision von 2017. Für neue Subventionen fehle angesichts der angespannten Bundesfinanzen der Spielraum, und Wettbewerbsverzerrungen seien zu vermeiden.

    Kein neues Thema, aber neuer Druck
    Bereits 2021 nahm der Nationalrat eine ähnliche Motion zur vollständigen Wertschöpfungskette der Holzwirtschaft mit 151 zu 29 Stimmen an, ebenfalls gegen den Willen des Bundesrats. Einzelne Kantone wie Thurgau und Zug haben auf kantonaler Ebene schon Holzförderung in ihre Gesetzgebung integriert. Der Handlungsdruck wächst.

    Was auf dem Spiel steht
    Holz ist der einzige vollständig erneuerbare Baustoff der Schweiz. Wer ihn konsequent einsetzt, stärkt die regionale Wertschöpfung, reduziert Transportemissionen und schützt den Wald vor Überalterung. Ob der Ständerat die Motion stützt oder abbremst, entscheidet, ob diese Logik endlich auch rechtlich verankert wird.

  • Zürich bündelt Wirtschaftsförderung in einem Gesetz

    Zürich bündelt Wirtschaftsförderung in einem Gesetz

    Der Weg war lang. Die Volkswirtschaftsdirektion entwickelte die Gesetzesgrundlage seit 2020, die Vernehmlassung lief 2022, im Herbst 2025 stimmte der Kantonsrat mit 114 zu 59 Stimmen zu. Am 30. April 2026 setzt der Regierungsrat das Standortförderungs- und Unternehmensentlastungsgesetz per 1. Juli 2026 in Kraft. Was vorher Stückwerk war, hat jetzt eine klare gesetzliche Heimat.

    Was das Gesetz bündelt
    Das Gesetz fasst sechs zentrale Aufgabenbereiche unter einem Dach zusammen, die Standortentwicklung, Stärkung der Innovationsfähigkeit, Pflege ansässiger Unternehmen, Ansiedlung neuer Betriebe, Standortpromotion und wirtschaftliche Aussenbeziehungen. Zugleich wird das bisherige Gesetz zur administrativen Entlastung aufgehoben und vollständig integriert. Damit endet ein Doppelspurrennen zwischen zwei separaten Regelwerken.

    Der Druck dahinter
    Energieknappheit, Fachkräftemangel, die OECD-Mindeststeuer und das ungeklärte Verhältnis zur EU setzen den Wirtschaftsstandort Zürich unter Druck. Eine gesetzlich verankerte Standortförderung soll die Reaktionsfähigkeit des Kantons erhöhen und sicherstellen, dass Massnahmen schnell und zielgerichtet umgesetzt werden können. Das Gesetz enthält auch eine Grundlage, damit sich der Kanton rasch an Bundesprogrammen zur Krisenunterstützung beteiligen kann.

    Unternehmensentlastung als Kernstück
    Die bisherige Koordinationsstelle wird zur Fachstelle Unternehmensentlastung aufgewertet. Sie prüft künftig systematisch alle neuen und geänderten kantonalen Gesetze und Verordnungen auf ihre Auswirkungen auf Unternehmen. Die sogenannte Regulierungsfolgenabschätzung hat ein klares Ziel, unternehmensfreundliche Regulierungen und ein digital abgewickelter Vollzug, der Zeit und Aufwand spart.

    Zürich als Vorbild
    Damit positioniert sich Zürich als Kanton, der wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nicht dem Zufall überlässt. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh hat das Gesetz massgeblich geprägt, es ist eines der letzten grossen Projekte ihrer zwölf Amtsjahre. Der Startschuss fällt am 1. Juli 2026, in dem Moment, in dem Walker Späh ihr Regierungspräsidialjahr bereits läuft.

  • Wirtschaftsraum Ticino zwischen Energie, Wohnen und Investitionen

    Wirtschaftsraum Ticino zwischen Energie, Wohnen und Investitionen

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    Am 108. immoTable Ticino in Savosa diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Immobilienwirtschaft, Energie, Planung und Investment über die Zukunft des Wirtschaftsraums Ticino. Im Zentrum standen dabei nicht nur einzelne Projekte, sondern die grundlegende Frage, wie sich das Tessin als moderner Wirtschafts- und Immobilienstandort weiterentwickeln kann.

    Die Diskussion machte deutlich, dass das Tessin heute weit mehr ist als Ferien- und Zweitwohnungsregion. Hohe Lebensqualität, strategische Lage und spannende Entwicklungspotenziale treffen auf Herausforderungen bei Verfahren, Wohnraum, Mobilität und regionaler Zusammenarbeit.

    Roberto Fantoni von Volta RE zeigte auf, wie stark sich der Energiemarkt verändert hat. Während die Einspeisevergütung für Photovoltaikstrom in den letzten Jahren massiv gesunken ist, entstehen mit Energiegemeinschaften, virtuellen Zusammenschlüssen und lokalen Stromgemeinschaften neue Modelle für Immobilienbesitzer, Gemeinden und Arealentwicklungen. Besonders die neuen CLE Modelle ab 2026 könnten den Immobilienmarkt nachhaltig verändern. Gleichzeitig wurde klar, dass Eigentümer und Verwaltungen zunehmend Lösungen suchen, welche Energiekosten senken, Gebäude energetisch aufwerten und Investitionen vereinfachen.

    Monique Bosco-von Allmen von CASSI rückte die Wohnfrage ins Zentrum. Sie machte deutlich, dass das Tessin im Bereich gemeinnütziger Wohnbau im schweizweiten Vergleich stark zurückliegt und die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum, demografischen Wandel und nachhaltige Wohnformen dringend an Bedeutung gewinnt. Thematisiert wurden unter anderem Gentrifizierung, steigende Mietkosten, die geringe Quote gemeinnütziger Wohnungen sowie die Frage, wie Politik, Gemeinden und private Akteure gemeinsam neue Wohnmodelle fördern können. Gleichzeitig wurde betont, dass Wohnen weit mehr sei als nur ein Dach über dem Kopf, sondern eng mit sozialem Gleichgewicht, Generationendialog und Lebensqualität verbunden ist.

    Manuel Gamper von Leading Investors zeigte das Tessin aus Sicht nationaler und internationaler Investoren. Das Tessin bleibe attraktiv, befinde sich aber in einem anspruchsvolleren Marktumfeld, das deutlich mehr Professionalität, Datenkompetenz und strategisches Denken verlange. Besonders wichtig seien Planbarkeit, Geschwindigkeit, grössere Volumen und ein professionelles Ökosystem entlang der gesamten Immobilienwertschöpfungskette. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Tessin trotz seiner begrenzten Marktgrösse über interessante Renditen und erhebliches Entwicklungspotenzial verfügt, wenn Projekte qualitativ hochwertig, flexibel und langfristig ausgerichtet werden.

    Die Zukunft des Wirtschaftsraums Ticino entscheidet sich nicht allein über einzelne Bauprojekte oder Investments, sondern über Zusammenarbeit, Qualität, Innovation und die Fähigkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Energie, Mobilität und Wohnen gemeinsam zu denken.

    Der nächste immoTable findet am 18. Juni 2026 im StartUp Space in Schlieren statt.

  • Bauen neu denken, Freiburg sucht Pioniere

    Bauen neu denken, Freiburg sucht Pioniere

    Ab 2029 gelten in der Schweiz neue Grenzwerte für Treibhausgasemissionen und Vorgaben zur grauen Energie im Bauwesen. Festgelegt durch die Revision der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich. Der Druck auf die Baubranche wächst. Wer heute nicht in neue Prozesse und Materialien investiert, riskiert morgen teure Anpassungen unter Zeitdruck. Der Kanton Freiburg hat dies erkannt und handelt vorausschauend. Bereits 2023 hat er eine Roadmap zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet, die strukturelle Veränderungen im Bauwesen als Priorität setzt.

    Innovation entlang der ganzen Wertschöpfungskette
    Das Thema des diesjährigen Aufrufs lautet «Bauen neu denken, hin zu kreislauforientierten und umweltgerecht konzipierten Systemen». Gesucht sind Projekte, die den ökologischen Fussabdruck von Gebäuden bereits in der Planungsphase reduzieren, durch lokale biobasierte Materialien, rückbaubare Konstruktionssysteme oder digitale Werkzeuge zur Materialnachverfolgung. Die Schweizer Charta Kreislauforientiertes Bauen, die von zwölf führenden Organisationen aus der Bau- und Immobilienbranche getragen wird, formuliert das Ziel klar: «Bis 2030 soll der Anteil nicht erneuerbarer Primärrohstoffe auf 50 Prozent der Gesamtmasse sinken.»

    Kollaboration als Bedingung
    Einzelkämpfer haben hier keine Chance. Jedes eingereichte Projekt muss mindestens drei Unternehmen umfassen, wobei die Mehrheit ihren Sitz im Kanton Freiburg haben muss. Akademische Partner wie die Hochschule für Technik und Architektur HTA-FR können beigezogen werden, um Wissenstransfer und Reproduzierbarkeit der Lösungen sicherzustellen. Nicolas Huet von INNOSQUARE betont, dass die Herausforderungen die Zirkularität zu bewältigen, die Innovation gemeinsam erfolgen muss.

    Finanzierung mit Eigenverantwortung
    Die NRP-Förderung deckt maximal 65 Prozent des Gesamtbudgets, der Rest liegt bei den beteiligten Unternehmen, 10 Prozent in bar, 25 Prozent als Eigenleistung. Diese Struktur ist kein Hindernis, sie ist Programm. Sie stellt sicher, dass nur Projekte eingereicht werden, hinter denen die Unternehmen wirklich stehen. Alain Lunghi, stellvertretender Direktor der WIF, sieht Vorausschau als entscheidenden Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit der Freiburger Unternehmen.

    Jetzt einreichen
    Projekte können einzeln oder im Konsortium über www.promfr.ch/de/nrp  eingereicht werden. Der Aufruf wird getragen von der Wirtschaftsförderung WIF, der Handels- und Industriekammer Freiburg, der HTA-FR sowie der Innovationsplattform INNOSQUARE. Die Frist läuft am 9. September 2026 ab. Wer die Bauwende als Chance begreift, hat noch Zeit zum Handeln.

  • Wer blockiert, zahlt

    Wer blockiert, zahlt

    Die Mehrheit der Baubewilligungsverfahren in der Schweiz läuft innerhalb angemessener Fristen ab. Doch es gibt Ausreisser und die wirken sich gravierend aus. Einsprachen und Rekurse können Projekte jahrelang blockieren oder ganz verhindern. Heute kann sogar Einsprache erheben, wer von einem Projekt gar nicht direkt betroffen ist, etwa weil die geplante Fassadenfarbe des Nachbarn missfällt. Das ist einer der strukturellen Schwachpunkte, den der Bundesrat nun adressiert.

    Wohnungsbau wird zum Staatsziel
    Der stärkste Hebel des Reformpakets liegt im Raumplanungsgesetz. Wohnungsbau im Rahmen der Siedlungsentwicklung nach innen soll dort als nationales Interesse verankert werden. Das klingt technisch, hat aber konkrete Wirkung. Bei der Interessenabwägung erhielte der Wohnungsbau mehr Gewicht gegenüber dem Ortsbildschutz oder dem Denkmalschutz. Projekte, die heute an lokalen Schutzinteressen scheitern, hätten damit bessere Realisierungschancen.

    Einsprachen mit Konsequenzen
    Wer missbräuchlich Einsprache erhebt, also mit dem einzigen Ziel, ein Projekt zu verzögern, soll künftig die Verfahrenskosten tragen. Der Bundesrat prüft, die Kantone gesetzlich zu verpflichten, solche Kosten den Einsprechenden aufzuerlegen. Gleichzeitig soll die Beschwerdelegitimation für Privatpersonen vor Bundesgericht eingeschränkt werden. Pauschale Gebühren für abgewiesene Einsprachen lehnt der Bundesrat hingegen ab. Der Zugang zum Rechtsschutz soll nicht vom Portemonnaie abhängen.

    Die Grenzen des Bundes
    Trotz des politischen Willens sind die Eingriffsmöglichkeiten des Bundes begrenzt. Baubewilligungsverfahren liegen in der Hoheit der Kantone. Verbindliche Fristen für kantonale Verfahren oder die Pflicht zur Einführung digitaler Bewilligungsprozesse kann der Bund nicht verordnen. Er empfiehlt den Kantonen, solche Massnahmen eigenverantwortlich einzuführen, da sie langfristig nachweislich beschleunigend wirken. Der Branchenverband Bauenschweiz unterstützt diese Stossrichtung und fordert schlankere Prozesse bei gleichzeitig hoher Planungsqualität.

    Vernehmlassung
    Der Reformbericht erfüllt fünf Postulate aus National- und Ständerat und ist Teil des Aktionsplans Wohnungsknappheit des Bundes. Das UVEK erhält nun den Auftrag, bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten. Bis konkrete Gesetzesänderungen in Kraft treten, dürften noch Jahre vergehen.

  • Zürich erfindet sich neu

    Zürich erfindet sich neu

    Regierungsrätin Carmen Walker Späh sprach es offen aus, viele gute Ideen schaffen es nie in den Markt. Es fehlt nicht an Kreativität, sondern an der richtigen Unterstützung zur richtigen Zeit. Der Kanton Zürich hat deshalb dieses Jahr den Schritt gemacht und sich dem internationalen Programm «MIT REAP» angeschlossen. Ziel ist es, Finanzierung gezielter zu lenken, Akteure enger zu vernetzen und Skalierung systematisch zu fördern. Denn Zürich hat sich in den Bereichen KI, Robotik, Life Sciences und New Space Economy bereits als Hotspot etabliert. Nun geht es darum, diesen Vorsprung zu sichern.

    Ohne Leute geht gar nichts
    Markus Müller, Co-Leiter der Standortförderung, brachte es auf den Punkt mit einem Zitat des Medtech-Unternehmers Andy Rihs: «Ohni Lüt gaht nüt.» Kapital allein baut keine Zukunft. Was Zürich stark macht, ist die Fähigkeit, neue Ideen mit dem richtigen Know-how und den passenden Kapazitäten zusammenzubringen. Zürich soll eine führende Rolle in der New Space Economy übernehmen. Denn Innovation ist laut Müller das, was aus «gut» langfristig «führend» macht.

    Zukunft denkt man nicht allein
    Zukunftsforscherin Martina Kühne gab den Gästen drei Impulse mit auf den Weg. Weiter denken als bis morgen, Zukunftsbilder in der Mehrzahl entwickeln und Zukunft gemeinsam gestalten. Jedes Zukunftsbild sei wie ein Turngerät, an dem man sich gedanklich austoben kann. Wer das tut, kann Ideen für eine mögliche und wünschbare Zukunft entwickeln. Denn Zukunft, so Kühne, passiert nicht einfach.

    Kollaboration als Katalysator
    Was diese Theorie in die Praxis übersetzt, zeigt das ETH-Spin-off Sevensense. 2021 überzeugte das junge Start-up ABB mit seiner 3D-Vision-Technologie für autonome Roboter. Heute stammen rund 80 Prozent der von ABB verkauften autonomen Roboter von Sevensense. Ein Beweis dafür, wie wirkungsvoll das Zusammenspiel von etabliertem Kapital und frischem Erfindergeist ist.

    Organe im All, Muskeln im Labor
    Noch wagemutiger denkt «Prometheus Life Technologies». Das Start-up nutzt Schwerelosigkeit im All, um Organe dreidimensional wachsen zu lassen. Ermöglicht hat das ein Parabelflugprogramm im Innovationspark, in enger Zusammenarbeit mit dem Center for Space and Aviation der Universität Zürich. Nicht weniger ambitioniert ist Muvon, das gemeinsam mit der ZHAW an einer automatisierten Methode zur Muskelregeneration mit körpereigenen Zellen arbeitet. Gelingt die Skalierung, könnte damit Belastungsinkontinenz behandelt werden, von der ein bedeutender Anteil der Frauen über 40 in Europa betroffen ist.

    Eine Plattform, die selbst innoviert
    Samuel Mösle, Co-Leiter der Standortförderung, zog im Abschlussgespräch eine klare Linie. Die drei vorgestellten Start-ups bewegen sich an den Grenzen der vorstellbaren Zukunft. Die Innovations-Plattform wird künftig mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz interaktiver und vernetzender. Nach fünf Jahren ist die Initiative am Ende ihrer eigenen Start-up-Phase angelangt. Samuel Mösles Fazit trifft es präzise: «Es steht nicht nur Innovation drauf, es steckt auch Innovation drin.»

  • 300 Wohnungen werden fit gemacht – niemand muss ausziehen

    300 Wohnungen werden fit gemacht – niemand muss ausziehen

    Zwischen 1974 und 1990 in drei Etappen erbaut, prägt das «Untere Bühl» den alten Ortskern von Oberwinterthur bis heute. Die Anlage gilt als schützenswert, einige Gebäude befinden sich noch weitgehend im Originalzustand. Ein Teil wurde bereits 2015 saniert, die übrigen holen diesen Schritt nun nach. Das Baugesuch wurde bewilligt, der Baustart ist für Anfang 2027 vorgesehen.

    Niemand muss das Feld räumen
    Was das Projekt auszeichnet, ist seine soziale Konsequenz. BNP Paribas hat die Sanierung als Asset Manager der AXA Anlagestiftung von Beginn an so konzipiert, dass alle Mieterinnen und Mieter in ihren Wohnungen bleiben können. Die Mieterschaft wurde früh eingebunden, mit Workshops zu Aussenraum und Gestaltung inklusive. «Unsere Mieterinnen und Mieter sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Siedlung», sagt Pascal Messmer, Asset Manager bei BNP Paribas. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Projekt.

    Anbauten, die sich nicht aufdrängen
    Für die Erweiterung setzt die AXA auf bernath+widmer Architekten, die aus einer kooperativen Testplanung als Sieger hervorgingen. Die An- und Neubauten werden mehrheitlich aus Holz gebaut und nehmen den Charakter der bestehenden Gebäude bewusst auf. Es entstehen rund 80 schwellenfreie Wohnungen mit 1 bis 3 Zimmern. Eine Ergänzung zu den heute mehrheitlich grossen Bestandswohnungen. Im Erdgeschoss sind Wohnateliers, Gemeinschaftsflächen und eine Gewerbefläche geplant.

    Park bleibt und wird lebendiger
    Der parkähnliche Aussenraum mit Gemeinschaftsgärten, Spielplätzen und dem Kindergarten von 1977 bleibt erhalten. Das Landschaftsarchitekturbüro ghiggi paesaggi greift das ursprüngliche Freiraumkonzept von Fred Eicher auf und entwickelt es weiter. Neue Bepflanzung und begrünte Dachflächen stärken die Biodiversität und schaffen Lebensraum für Kleintiere und Insekten. Auf den Dächern der Neubauten ist teilweise eine Begrünung geplant. Der zentrale Pavillon soll künftig öffentlich genutzt werden, etwa als Kita.

    Etappenweise in die Zukunft
    Die Umsetzung erfolgt in Etappen bis voraussichtlich 2028. Ihr Ziel ist ein Immobilienportfolio mit Netto-null-Emissionen bis 2050. Winterthur gewinnt nicht nur sanierten Bestand, sondern 80 neue Wohnungen in einer gewachsenen Siedlung, die weiss, wer sie ist.

  • Wo andere parken, wohnt man bald

    Wo andere parken, wohnt man bald

    Christoph Schoop musste nicht weit suchen. Der Badener Immobilieninvestor sah aus seinem Bürofenster auf das Industriegebiet Dättwil und erkannte das Offensichtliche, riesige Flachdächer, vollständig ungenutzt. Auf dem Dach der Fabrikpassage an der Mellingerstrasse 208, wo heute McDonald’s, Spar und eine Bäckerei den Alltag versorgen, sollen ab Frühjahr 2027 acht sogenannte Wikkelhäuser stehen.

    Eine neue Welt auf dem Dach
    Das Wikkelhouse-Konzept stammt ursprünglich aus Amsterdam und landet nun in der Schweiz. Kompakte Holzwohneinheiten, die fertig produziert per Lastwagen geliefert und mit minimalem Aufwand aufgestellt werden. Jede Einheit bietet 30 bis 35 Quadratmeter, eine eigene Terrasse und Deckenhöhen von bis zu 3,5 Metern. Architekt Andreas Zehnder, der das Projekt für Baden entwarf, formuliert den Mehrwert klar. Statt ein weiteres Stockwerk aufzusetzen, entstehe auf dem Dach eine eigenständige Wohnwelt.

    Schweizer Holz, Urner Fabrik
    Produziert werden die Häuser nicht auf der Baustelle, sondern in einer eigenen Fabrik in Flüelen UR am Ufer des Vierwaldstättersees. Das Rohmaterial ist Schweizer Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Schoop ist Mitgründer und Förderer von Wikkelhouse Schweiz und treibt das Konzept als Kreislaufwirtschaftsmodell voran. Eine Einheit kostet ab CHF 200’000 ab Werk; Transport und Montage kommen dazu.

    Günstig, sonnig, verbunden
    Für Badener Verhältnisse sollen die Mieten tief bleiben. Eine Warteliste existiert bereits, die Anfragen kamen laut Schoop «querbeet», darunter auch Interessenten im AHV-Alter. Und obwohl das Industriegebiet nicht als Wohnlage gilt, überzeugt das Dach mit ganztags Sonne und direktem ÖV-Anschluss. Den Lärmschutz übernimmt das Gebäude selbst.

    Pilot mit Skalierungspotenzial
    Das Projekt in Dättwil ist explizit als Pilotprojekt angelegt. Allein im Industriegebiet sieht Schoop Platz für 50 bis 70 Wikkelhäuser. Derzeit prüft die Stadt Baden die Baubewilligungsfähigkeit. Läuft alles nach Plan, ziehen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner im Frühling 2027 ein. Was heute wie eine Kuriosität klingt, könnte morgen Schule machen.

  • Verdichtet, vernetzt, lebenswert

    Verdichtet, vernetzt, lebenswert

    Die Schweiz zählt heute über 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, die Bevölkerung wächst weiter. Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt, während Bauen ausserhalb bestehender Bauzonen seit der RPG-Revision von 2013 stark eingeschränkt ist. Städte und Gemeinden müssen sich nach innen entwickeln. Dabei bestehen laut Dita Leyh, Professorin für Stadtentwicklung an der OST, rechnerisch genügend Raumreserven. Einfamilienhausquartiere in Bahnhofsnähe, Industriebrachen oder ungenutzte Bahnareale bieten grosses Potenzial. Eine zweite RPG-Revision verschärft die Anforderungen weiter.

    Verdichten, wo der ÖV stark ist
    Besonders sinnvoll ist die Innenentwicklung an ÖV-Knotenpunkten. «Gerade an ÖV-Knotenpunkten ist die innere Verdichtung besonders sinnvoll», sagt Dita Leyh. Denn durch die optimale Anbindung ans Bus- und Bahnnetz entstehe mehr Wohn- und Lebensraum, aber nicht automatisch mehr Verkehr. Ein weiterer Schlüssel liegt in der Neuorganisation des ruhenden Verkehrs. Sammelgaragen am Quartierrand bündeln den Autoverkehr, das Quartierinnere bleibt weitgehend autofrei und gewinnt damit Freiraum für Mensch und Natur. «Je mehr man baulich verdichtet, desto mehr Freiräume müssen im selben Zuge entstehen», so Leyh.

    Nutzungsmix als Qualitätsmerkmal
    Verdichtung ist weit mehr als das blosse Stapeln von Wohnungen. Ein vielfältiger Nutzungsmix, von der Bäckerei über Restaurants bis hin zu Grünanlagen, belebt Quartiere und schafft Wertschöpfung. Damit dieser Mehrwert entsteht, braucht es eine qualitativ hochwertige, interdisziplinäre Planung. Stadtplanung, Verkehrsplanung und Freiraumplanung müssen von Beginn weg gemeinsam am Tisch sitzen, betont Leyh. Das aktualisierte Raumkonzept Schweiz 2050, das der Bundesrat im März 2026 verabschiedete, bestätigt diese Stossrichtung und setzt auf regionale Zusammenarbeit, landschaftliche Qualität und klimagerechte Mobilität.

  • 270 Gründe für Stans

    270 Gründe für Stans

    Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Logis Suisse AG plant im Westen von Stans eine neue Wohnsiedlung. Auf einem 12’700 m² grossen Areal, das die Gesellschaft bereits 2015 erworben hat, entstehen bis 2032 rund 270 preisgünstige Wohnungen, rund 1’000 m² Gewerbefläche sowie zwei Gemeinschaftsräume. Den Studienauftrag, an dem 2025 sieben Generalplanerteams teilnahmen, gewannen Studio Sintzel aus Zürich und die Uniola AG.

    Zwei Häuser, acht Höfe
    Das intern als «Acht Höfe für Stans» bezeichnete Projekt stützt sich auf zwei siebengeschossige Bauten. Trotz ihres Volumens erscheinen sie nach aussen als locker gesetzte Punkthäuser. Kopfelemente nehmen Bezug auf bestehende Gebäude und gliedern die Strassenfronten mit Vorgartenzonen. Offene Höfe mit Durchgängen strukturieren den Aussenraum und ermöglichen Ausblicke in die umliegenden Berge. Ein qualitätsvolles Gegengewicht zur angrenzenden Autobahnlage. Ein bestehender Altbau in der Siedlungsmitte bleibt erhalten und soll künftig als sozialer Treffpunkt dienen.

    Durchmischtes Quartier mit kurzen Wegen
    Das Areal liegt gegenüber dem Einkaufszentrum Länderpark, an einer mehrspurigen Strasse und in unmittelbarer Autobahnnähe. Velo- und Fusswege sollen das neue Quartier dennoch gut mit Stans und Stansstad vernetzen. Mit 0,8 Stellplätzen pro Wohnung liegt Logis Suisse unter dem üblichen Standard, ein klares Bekenntnis zu nachhaltiger Mobilität. Der Wohnungsmix reicht von kompakten 1,5-Zimmerwohnungen für Singles und ältere Menschen bis hin zu grosszügigen 5,5-Zimmerwohnungen für Familien und Wohngemeinschaften. Im Erdgeschoss beleben Atelierwohnungen, Betreuungseinrichtungen und Gewerbeflächen das Quartier.

    Ressourcenschonend gebaut
    Die Bauherrschaft setzte ein Vorbildprojekt in Sachen Ökologie, Sozialraum und Wirtschaftlichkeit als Ziel. Das Tragwerk ist materialeffizient konzipiert, die Grundrisse sind kompakt, und eine Photovoltaikanlage auf den Dächern deckt einen grossen Teil des Strombedarfs vor Ort. Eine eingeschossige Tiefgarage minimiert den Bodenaushub. Baustart ist für 2030 vorgesehen, die Fertigstellung für 2032.

  • Wenn Baudenkmäler Koffer packen

    Wenn Baudenkmäler Koffer packen

    Auf einem 6500 Quadratmeter grossen Areal nördlich des historischen Bahnhofsgebäudes entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 57 Wohnungen in Grössen von 2,5 bis 5,5 Zimmern. In den Erdgeschossen sind Gewerbe- und Gastronomieflächen vorgesehen, dazu ein kleiner Gewerbebau und eine Tiefgarage mit 59 Auto- und 92 Veloabstellplätzen. Zwischen den beiden Häusern entsteht ein parkähnlicher Freiraum mit Spielplatz.

    Weniger, aber sozial
    Das Projekt ist kleiner geworden. Ursprünglich plante die SBB vier Gebäude mit 90 Wohnungen, ein Drittel davon preisgünstig. Das Stellwerk neben dem Bahnhofsgebäude muss jedoch bestehen bleiben, wodurch ein ganzes Gebäude wegfällt. Von den verbleibenden 57 Wohnungen sollen 20 preisgünstig angeboten werden. Das entspricht 35 Prozent und liegt sogar leicht über der ursprünglichen Quote.

    Der letzte Güterschuppen der Schweiz
    Was Wohnungsbau fordert, verlangt Platz. Vier bestehende Bauten müssen weichen, darunter der Güterschuppen von 1928. Den entwarf Meinrad Lorenz, damaliger Chefarchitekt der SBB, als einer von nur vier Bauten dieses Typs in der ganzen Schweiz. Nach dem Abbruch des baugleichen Schuppens in Heerbrugg ist jener in Wollishofen das letzte erhaltene Exemplar seiner Art. Er steht im kantonalen Denkmalschutzinventar.

    Ein Holzbau packt seine Sachen
    Verschwinden wird der Güterschuppen trotzdem nicht. Er wird in Einzelteile zerlegt, fachgerecht aufgearbeitet und beim Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland in Bauma an der Töss wieder aufgebaut. Dort wird er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erhält eine museale Funktion im Rahmen des Projekts «Depotareal Bauma 2020». Die Bewilligungsunterlagen für den Rückbau liegen bereits weitgehend vor.

    Geschichte wiederholt sich
    Dieser Umzug ist nicht der erste in der Geschichte des Bahnhofs Wollishofen. Das heutige Bahnhofsgebäude war einst das erste Bahnhofsgebäude der Stadt Zug, 1864 errichtet und 1897 Stein um Stein an den Zürichsee versetzt. Was im 19. Jahrhundert die Knappheit von Baumaterialien erzwang, wird heute zu einem bewussten Akt der Erhaltung. Wollishofen schreibt damit ein weiteres Kapitel einer ungewöhnlichen Baugeschichte.

  • Zürich testet KI im Baubewilligungsverfahren

    Zürich testet KI im Baubewilligungsverfahren

    Der Kanton Zürich verpflichtet ab April 2027 sämtliche Gemeinden zur Nutzung der Plattform eBaugesucheZH. Damit ist die Basis für die Digitalisierung gelegt, aber eben erst die Basis. Die inhaltliche Bearbeitung der Gesuche läuft weiterhin in unterschiedlichen Systemen ab, je nach Gemeinde oder Kanton. Diese historisch gewachsene Systemlandschaft führt zu Medienbrüchen, manuellen Abstimmungsrunden und Dateninkonsistenzen.

    Was die FHNW-Studie zeigt
    Die Baudirektion beauftragte das Institut Digitales Bauen der FHNW mit einer Potenzialstudie entlang der gesamten Prozesskette. 15 Handlungsfelder wurden identifiziert, von der digitalen Erstinformation bis zur Bauabnahme. Das grösste kurzfristige Potenzial liegt ganz am Anfang.  Chatbots für die Erstberatung, strukturierte Eingabebegleitung und automatisierte Vorabprüfungen könnten die Qualität der eingereichten Gesuche sofort steigern und Rückfragen deutlich reduzieren. Viele Verbesserungen lassen sich bereits mit regelbasierten Systemen erzielen, ohne generative KI.

    Prototyp mit der Stadt Kloten
    Die Innovation-Sandbox für KI des Amts für Wirtschaft testete gemeinsam mit Praxis- und Technologiepartnern, darunter die Stadt Kloten, einen KI-basierten Vorabcheck für das Meldeverfahren. Für einfache Vorhaben wie Solaranlagen oder Wärmepumpen klärt ein regelbasiertes System automatisch Zulässigkeit und Verfahrenswahl, eine KI überprüft anschliessend Vollständigkeit und Qualität der Eingaben. 3336 Tests wurden ausgewertet. Das Resultat stimmt zuversichtlich, auch wenn die zuverlässige Interpretation komplexer Plandarstellungen noch eine offene Herausforderung bleibt.

    Mensch bleibt verantwortlich
    Beide Studien sind sich einig, dass eine vollständige Automatisierung derzeit nicht realistisch ist. Wo Entscheidungslogiken klar definiert sind, sind regelbasierte Systeme der generativen KI vorzuziehen. Die behördliche Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen. Rechtliche Fragen rund um Datenschutz, Haftung, Transparenz und die urheberrechtlich geschützten Baupläne als KI-Trainingsmaterial müssen vor jeder Umsetzung vertieft geprüft werden.

    Die Ergebnisse fliessen nun in die Weiterentwicklung von eBaugesucheZH ein. Einzelne Anwendungen sollen in Pilotgemeinden getestet werden. Zürich zeigt damit, wie ein sorgfältiger, schrittweiser Einsatz von KI in einer komplexen Verwaltungsdomäne funktionieren kann.

  • Bier, Beton und Wohnen – Baden baut auf seiner Geschichte

    Bier, Beton und Wohnen – Baden baut auf seiner Geschichte

    Direkt beim Bahnhof Baden entstehen auf rund 8’000 Quadratmetern vier neue Gebäude, aufgeteilt auf zwei Baufelder. Baufeld A verantwortet Frei Architekten AG aus Aarau, Baufeld B das renommierte Harry Gugger Studio aus Basel. Das Volumen ist beachtlich, 81’888 Kubikmeter umbaut, 22’914 Quadratmeter Nutzfläche, rund 64,5 Millionen Franken Investition. Generalunternehmerin ist die Gross AG aus Brugg.

    Wohnen wo früher Malz dampfte
    136 Mietwohnungen mit 1,5 bis 4,5 Zimmern entstehen im Herzen der Stadt. Im Erdgeschoss prägen Retail- und Gastronomieflächen von insgesamt 2268 Quadratmetern das Quartier. Im Innenhof lädt ein rund 900 Quadratmeter grosser Biergarten zum Verweilen ein. Das Motto der Bauherrin, der Brauerei H. Müller AG in vierter Generation, bringt es auf den Punkt: «brauen – wohnen – geniessen».

    Geschichte bleibt sichtbar
    Nicht alles weicht dem Neubau. Kesselhaus, Sudhaus und Malzsilo bleiben erhalten, als bauliche Zeugen einer Braugeschichte, die 1897 begann. Das Müllerbräu-Bier selbst wird heute von der Schaffhauser Brauerei Falken hergestellt. Auf dem Areal aber gibt es weiterhin eine Spezialitätenbrauerei. Die Vergangenheit des Ortes bleibt damit nicht nur sichtbar, sie bleibt erlebbar.

    Zeitplan und Vermarktung
    Die Baubewilligung datiert von Oktober 2023, der Abbruch startete im April 2024. Seit wenigen Tagen sind die Fassaden der neuen Hochhäuser erstmals sichtbar. Ein Meilenstein für das Projekt. Der Vermarktungsstart der Wohnungen ist für Sommer 2026 geplant, der Erstbezug für Juni 2027.

  • Laufenburg baut Windmühlen am Bahnhof

    Laufenburg baut Windmühlen am Bahnhof

    Das Areal Schützegärte liegt an einer städtebaulich heiklen Stelle. Drei Strassen fassen es ein, ringsum treffen Bautypologien aus verschiedenen Jahrzehnten aufeinander. Genau dieses Chaos ist das Thema. AWW Architekten AG macht das «Gegensätzliche und Bilaterale» zur Grundlage des Konzepts. Die Architektur entsteht aus dem Spannungsfeld des Ortes, nicht gegen ihn.

    Versetzt, gedreht, verankert
    Zwei identische, viergeschossige Gebäudekörper bilden das Ensemble. Sie stehen nicht parallel, sondern versetzt und gedreht zueinander im leicht abschüssigen Terrain. Diese Positionierung ist kein ästhetischer Einfall, sondern eine präzise Reaktion auf Kantenbildung und Raumfluss gegenüber den Nachbarbauten. Ein Ensemble, das sich einfügt und gleichzeitig eigenständig bleibt. Die Gesamtgeschossfläche beträgt rund 4’600 Quadratmeter, das Bauvolumen rund 13’800 Kubikmeter.

    Windmühle als Wohnmodell
    Das architektonische Konzept basiert auf einer kompakten vierspännigen «Windmühlen»-Gebäudeform mit zentralem Treppenhauskern. Die auskragenden Flügel prägen die Fassade und nehmen Bezug auf typische Erkerformen im Quartier. Jede Wohnung ist dreiseitig ausgerichtet. Herzstück sind die «Vierjahreszeiten-Zimmer» mit grosszügige Räume, die als Wintergarten, Studio oder Wohn- und Essbereich nutzbar sind. Zusammen mit Loggien entsteht ein flexibles Raumangebot für unterschiedlichste Lebensentwürfe.

    Grün, gemeinschaftlich, geerdet
    Der Freiraum zwischen den Häusern ist bewusst niederschwellig gehalten. Zugänglich von innen und von der Strasse. Eine Grünschicht aus heimischen Sträuchern und Stauden schützt die Erdgeschosswohnungen und verleiht der Siedlung Charakter. An einer Ecke öffnet sich das Areal zu einer wiesenartigen Situation mit Obstbäumen.Eine Referenz an die lokale Tradition siedlungsnaher Obstgärten. Das Projekt denkt Wohnen und Gemeinschaft als Einheit.

    Nächste Schritte offen
    Die Stadt Laufenburg war nicht am Planungsprozess beteiligt. Stadtschreiber Marco Waser bestätigt, dass die Bauverwaltung lediglich die baurechtlichen Rahmenbedingungen vorgängig klärte. Eine Beurteilung seitens der Stadt liegt bislang nicht vor. Die Grundeigentümerin Erne Immo AG hat sich zum Zeithorizont der Umsetzung noch nicht geäussert.

  • DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

    DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

    Der Getreidesiloturm von 1939 wurde abgebrochen, sein Beton jedoch nicht entsorgt. Im nahegelegenen Betonwerk wurde das Material nach einer eigens entwickelten Rezeptur aufbereitet und im Neubau zu 75 bis 95 Prozent als Rezyklat wiederverwendet. Rund 60 Prozent des neuen Gebäudes bestehen aus dem alten Turm. Bauherrin ist die Gutgrün AG aus Chur, die bewusst auf kurzfristige Gewinne verzichtete, um das Nachhaltigkeitskonzept konsequent umzusetzen.

    52 Wohnungen, drei Zertifikate
    Das Projekt umfasst 37 Mietwohnungen auf elf Etagen im neuen Wohnturm sowie 15 Loftwohnungen im sanierten historischen Mühlegebäude. Die Architekten vom Büro Ritter Schumacher haben alle verbauten Materialien in einem Gebäuderessourcenpass erfasst. Ein vorausschauender Ansatz, der zukünftige Lebenszyklen bereits heute transparent macht. Für diese Leistung wurde das Projekt mit drei DGNB-Zertifikaten ausgezeichnet. DGNB-Platin für den Rückbau, DGNB-Gold für den Neubau des Turms und DGNB-Gold für die Sanierung des Altbaus.

    Brandschutz neu erfunden
    Die 30 Meter hohe Photovoltaik-Fassade stellt herkömmliche Brandschutzvorschriften vor ein Problem. Sie verlangen in jedem Geschoss Abschottungen, die ein Feuerspringen von Etage zu Etage verhindern. Das hätte die Fassade unterbrochen und ihre Effizienz empfindlich gemindert.

    Die PV-Fläche wird nirgends durch Fenster unterbrochen und ist durchgängig vom Boden bis zum Dach geführt. Fachplaner, ausführende Firmen und Versicherung entwickelten gemeinsam eine massgeschneiderte Lösung. Feuer kommt von innen nicht an die Fassade und von der Fassade nicht in die Wohnungen.

    Allianz statt Konflikt
    Das Projekt wurde im Allianzmodell gebaut. Bauherrschaft, Planer und ausführende Firmen sassen von Beginn an gemeinsam am Tisch. Probleme aus der Baupraxis flossen so direkt in die Planung ein. Die Grundhaltung waren Vertrauen und Fairness statt reiner Risikoabsicherung. Auch ein Detail zeugt vom unkonventionellen Geist, die Graffiti, die das leerstehende Gebäude zierten, wurden als Dekorelemente im Treppenhaus erhalten.

    Ein Signal für die Branche
    Gegen das Umbau-Projekt gab es keinen einzigen Einspruch. Das ist für ein Bauprojekt dieser Grössenordnung aussergewöhnlich. Die Mühle Grüsch zeigt, dass zirkuläres Bauen auch in einer Randregion funktioniert und dass Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu wirtschaftlicher Tragbarkeit ist.

  • Das Vertrauen der Konsumenten bricht ein

    Das Vertrauen der Konsumenten bricht ein

    Der Rückgang ist abrupt. Noch im Januar und Februar 2026 bewegte sich der Index bei rund – 30 Punkten und lag damit leicht über dem Vorjahresniveau. Der Einbruch im März auf – 43 Punkte ist damit einer der stärksten monatlichen Rückgänge der letzten Jahre. Die Wende kam schnell und trifft mehrere Bereiche gleichzeitig.

    Wo die Stimmung am stärksten kippt
    Drei der vier SECO-Teilindizes liegen klar unter dem Niveau von März 2025. Die Erwartungen zur wirtschaftlichen Entwicklung sind am stärksten eingebrochen. Auch die erwartete finanzielle Lage der Haushalte und die Bereitschaft zu grösseren Anschaffungen haben deutlich nachgegeben. Einzig der Blick auf die vergangene finanzielle Lage blieb gegenüber dem Vorjahr stabil.

    Geopolitik als Stimmungskiller
    Als zentraler Auslöser gilt der Iran-Krieg und der damit verbundene Anstieg der Ölpreise. Die Inflationserwartungen sprangen im März markant nach oben: von 98,3 auf 121,4 Punkte. Gleichzeitig stiegen die Arbeitslosigkeitserwartungen. Beides belastet das Vertrauen der Haushalte direkt und spürbar.

    Was das für den Konsum bedeutet
    Sinkende Konsumentenstimmung ist kein bloss statistisches Signal. Sie zeigt, dass Haushalte grössere Ausgaben aufschieben und auf Sicherheit setzen. Für Detailhandel, Immobilienmarkt und Bauindustrie bedeutet das, weniger Impulse aus dem Binnenkonsum, zumindest kurzfristig. Trading Economics erwartet eine schrittweise Erholung auf rund – 34 Punkte bis Mitte 2026 und – 26 Punkte bis 2028.

    Ob sich die Stimmung erholt, hängt stark von der geopolitischen Lage und der Preisentwicklung ab. Die Schweizer Wirtschaft zeigt sich bislang robust, doch das Vertrauen der Konsumenten ist ein Frühindikator. Wenn die Kauflaune anhaltend gedämpft bleibt, folgen die Wachstumszahlen meist mit Verzögerung.

  • Das Holz, das sich selbst schützt

    Das Holz, das sich selbst schützt

    Weltweit fallen jährlich Millionen Tonnen Sägemehl an. Der grösste Teil davon wird verbrannt, das im Holz gebundene CO2 gelangt zurück in die Atmosphäre. Genau hier setzt das Forschungsteam um Doktorand Ronny Kürsteiner an, unter der Leitung von Ingo Bungert, Professor für holzbasierte Materialien an der ETH Zürich. Ziel ist das Sägemehl länger im Materialkreislauf halten.

    Der Trick mit dem Wassermelonenkern
    Das Bindemittel ist Struvit, ein kristallines Ammoniummagnesiumphosphat mit bekannten Brandschutzeigenschaften. Das Problem bis anhin war, dass Struvit sich schlecht verbinden lies mit Sägemehl wegen seines Kristallisationsverhaltens. Die Lösung fanden die Forschenden in einem Enzym aus Wassermelonensamen. Es steuert die Kristallisation so, dass grosse Struvit-Kristalle entstehen, die die Hohlräume zwischen den Sägemehlpartikeln ausfüllen und diese fest miteinander verbinden. Das verpresste Material wird danach bei Raumtemperatur getrocknet.

    Dreimal länger als Fichtenholz
    Die Brandtests am Polytechnikum Turin sprechen für sich. In einem Kegelkalorimeter, einem standardisierten Prüfverfahren für Hitzeeinwirkung, fing unbehandeltes Fichtenholz nach rund 15 Sekunden Feuer. Das Struvit-Sägemehl-Komposit brauchte mehr als dreimal so lang. Einmal brennend, bildet das Material rasch eine Schutzschicht aus anorganischem Material und Kohlenstoff, die die weitere Ausbreitung bremst. Dazu setzt das Struvit unter Hitze Wasserdampf und Ammoniak frei, was kühlend wirkt und dem Feuer Sauerstoff entzieht.

    Leichter als Zement, besser für das Klima
    Herkömmliche zementgebundene Spanplatten, heute im Innenausbau weit verbreitet, bestehen zu 60 bis 70 Gewichtsprozent aus Zement. Sie sind schwer und klimaschädlich in der Herstellung. Die neuen Struvit-Sägemehl-Platten kommen mit 40 Prozent Bindemittelanteil aus. Sie sind leichter, haben eine deutlich bessere Klimabilanz und landen nach dem Abbruch nicht auf der Sondermülldeponie.

    Rezyklierbar und düngetauglich
    Das Komposit lässt sich in seine Bestandteile zerlegen. Mechanisch in der Mühle, dann auf etwas über 100 Grad erhitzt, worauf Ammoniak freigesetzt und das Sägemehl abgesiebt wird. Das mineralische Ausgangsmaterial Newberyit fällt als Feststoff aus und kann erneut zu Struvit verarbeitet werden. Wer das Material nicht wieder verbaut, kann es als Langzeitdünger nutzen. Struvit gibt Phosphor, Stickstoff und Magnesium langsam und kontrolliert an den Boden ab.

    Kläranlage als Rohstoffquelle
    Ein weiterer Kreislauf zeichnet sich ab. Struvit entsteht in grossen Mengen als unerwünschtes Nebenprodukt in Kläranlagen, wo es Rohre verstopft und teuer entsorgt werden muss. «Diese Ablagerungen könnten wir als Ausgangsmaterial für unseren Baustoff verwenden», sagt Kürsteiner. Ob sich das Material auf dem Markt durchsetzt, hängt primär von den Bindemittelkosten ab. Ein Problem, das sich mit dieser Quelle lösen liesse.

  • Die Baustelle will auch Flexibilität

    Die Baustelle will auch Flexibilität

    Adrian Dinkelmann, Geschäftsführer Infra Suisse, brachte es auf den Punkt. Vereinbarkeit gelingt nicht durch einzelne Massnahmen, sondern durch eine grundlegende Verankerung in der Unternehmenskultur. Zwei vom Bund geförderte Projekte zeigen konkrete Handlungsfelder auf. Der Rahmen muss so gestaltet sein, dass unterschiedliche Lebensrealitäten der Mitarbeitenden darin Platz finden.

    Nicht alle wollen dasselbe
    Jan Malmström, CEO der JMS-Gruppe, hat in seinem Unternehmen nachgefragt. Das Ergebnis überrascht. Der Wunsch nach Teilzeit ist im Büro stark ausgeprägt, auf der Baustelle deutlich weniger. Aber auch dort besteht ein klares Bedürfnis nach mehr Flexibilität im Alltag. Standardmodelle greifen zu kurz. Wer alle Mitarbeitenden gleich behandelt, verpasst den Kern.

    Co-CEO als Realitätscheck
    Sandra Werneyer und Lea Ott leben bei der werneyer ott architektur gmbh vor, was möglich ist, geteilte Führung im Co-CEO-Modell. Das funktioniert mit hohen organisatorischen und kommunikative Anforderungen. Ihr Auftritt machte deutlich, neue Arbeitsformen sind kein Selbstläufer. Sie verlangen Klarheit darüber, welche Verantwortung wirklich teilbar ist.

    Stereotype bremsen die Branche
    Dörte Resch, Professorin für Angewandte Psychologie an der FHNW, machte klar, Bilderkampagnen allein verändern nichts. Stereotype, die nicht mehr mit der Realität der Bauberufe übereinstimmen, müssen aktiv angegangen werden. Es braucht ein authentisches Berufsmarketing, das die attraktiven Aspekte der Branche für alle sichtbar macht. Caroline Farberger, schwedische Unternehmerin, ergänzte mit einer persönlichen Perspektive. Inklusion beginnt damit, bestehende Denkmuster zu hinterfragen.

    Kultur schlägt Konzept
    Im Podium wurde deutlich, was den Unterschied macht. Olivier Imboden, CEO Ulrich Imboden AG, beschreibt es so. Wenn Mitarbeitende die Werte eines Unternehmens mittragen, wirkt sich das direkt auf dessen Attraktivität als Arbeitgeber aus. Sven Stingelin von der Frutiger AG ergänzte die Baustellen-Perspektive und spricht die Rahmenbedingungen an, die anders sind als im Büro. Thomas Weber von Walo Bertschinger wies darauf hin, dass Projektabläufe den Handlungsspielraum wesentlich prägen. Cornel Müller, Gründer Work-ID AG, zeigte, wie gezieltes Berufsmarketing neue Zielgruppen erschliesst, auch durch frühzeitige Berufsorientierung.

  • Kein Bonus mehr, sondern Pflicht

    Kein Bonus mehr, sondern Pflicht

    Vom ESG-Label zur strategischen Realität
    Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft hat ihre lauten Jahre hinter sich. Nachdem sie sich als Differenzierungsmerkmal einiges an Ansehen erlangt hat, hat sie mittlerweile eher einen Platz als strategisches Kernthema in Form von ESG-Kriterien eingenommen. Doch genau deshalb droht das Thema zwischen Reportingpflichten und Tagesgeschäft leise zu werden. Was zur Norm wird, verschwindet aus dem Rampenlicht. Doch Routine ist kein Schutzschild. Schon gar nicht in einer Branche, die zwar in Jahrzehnten denkt, aber oft in Jahren entscheidet.

    Denn während Nachhaltigkeit vielerorts als erledigte Pflicht abgelegt wird, bleiben die strukturellen Herausforderungen bestehen. Immobilien denken in Zyklen von 30, 40 oder mehr Jahren. Netto-Null bis 2050 ist also keine ferne Vision, sondern ein realer Planungshorizont. Dies bedeutet auch, dass ein Grossteil der heutigen Bestandsliegenschaften nur noch einmal richtig instandgesetzt oder totalsaniert werden können.

    Unsicherheit als neue Planungsrealität
    Die aktuelle geopolitische Lage, volatile Märkte und unklare Rahmenbedingungen erschweren derzeit belastbare Klimaabsenkpfade. In der Praxis führt das oft dazu, dass Entscheide vertagt oder auf die kurzfristig günstigste Lösung reduziert werden. Wer jedoch im linearen Denken verharrt, schränkt sich langfristig selbst ein. Klimaschutzfahrpläne, Graue Energie, Lebenszykluskosten und Klimarisiken müssen integraler Teil jeder Entscheidung sein, um Klimaneutralität wirtschaftlich tragfähig zu erreichen. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.

    In der Praxis zeigt sich: Bestandshalter:innen denken Nachhaltigkeit zunehmend differenziert. Neben klassischen CSR-Ansätzen etabliert sich ein klar risikoorientierter Zugang. Im Fokus stehen belastbare Daten zu Zustand, Verbrauch und Emissionen sowie gebäudespezifische Risikoprofile, die als Steuerungsgrössen in die Portfoliostrategie einfliessen. Damit wird Nachhaltigkeit zum strategischen Entscheidungsfaktor jenseits von Reporting. Besonders der Standort rückt ins Zentrum: Immobilien müssen nicht nur effizient, sondern auch resilient gegenüber Hitze, Wasser, Extremereignissen und sozialen Spannungen sein. Wer diese Risiken systematisch bewertet, kann gezielt steuern. Alle anderen reagieren später auf die Konsequenzen.