Kategorie: Ostschweiz

  • DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

    DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

    Der Getreidesiloturm von 1939 wurde abgebrochen, sein Beton jedoch nicht entsorgt. Im nahegelegenen Betonwerk wurde das Material nach einer eigens entwickelten Rezeptur aufbereitet und im Neubau zu 75 bis 95 Prozent als Rezyklat wiederverwendet. Rund 60 Prozent des neuen Gebäudes bestehen aus dem alten Turm. Bauherrin ist die Gutgrün AG aus Chur, die bewusst auf kurzfristige Gewinne verzichtete, um das Nachhaltigkeitskonzept konsequent umzusetzen.

    52 Wohnungen, drei Zertifikate
    Das Projekt umfasst 37 Mietwohnungen auf elf Etagen im neuen Wohnturm sowie 15 Loftwohnungen im sanierten historischen Mühlegebäude. Die Architekten vom Büro Ritter Schumacher haben alle verbauten Materialien in einem Gebäuderessourcenpass erfasst. Ein vorausschauender Ansatz, der zukünftige Lebenszyklen bereits heute transparent macht. Für diese Leistung wurde das Projekt mit drei DGNB-Zertifikaten ausgezeichnet. DGNB-Platin für den Rückbau, DGNB-Gold für den Neubau des Turms und DGNB-Gold für die Sanierung des Altbaus.

    Brandschutz neu erfunden
    Die 30 Meter hohe Photovoltaik-Fassade stellt herkömmliche Brandschutzvorschriften vor ein Problem. Sie verlangen in jedem Geschoss Abschottungen, die ein Feuerspringen von Etage zu Etage verhindern. Das hätte die Fassade unterbrochen und ihre Effizienz empfindlich gemindert.

    Die PV-Fläche wird nirgends durch Fenster unterbrochen und ist durchgängig vom Boden bis zum Dach geführt. Fachplaner, ausführende Firmen und Versicherung entwickelten gemeinsam eine massgeschneiderte Lösung. Feuer kommt von innen nicht an die Fassade und von der Fassade nicht in die Wohnungen.

    Allianz statt Konflikt
    Das Projekt wurde im Allianzmodell gebaut. Bauherrschaft, Planer und ausführende Firmen sassen von Beginn an gemeinsam am Tisch. Probleme aus der Baupraxis flossen so direkt in die Planung ein. Die Grundhaltung waren Vertrauen und Fairness statt reiner Risikoabsicherung. Auch ein Detail zeugt vom unkonventionellen Geist, die Graffiti, die das leerstehende Gebäude zierten, wurden als Dekorelemente im Treppenhaus erhalten.

    Ein Signal für die Branche
    Gegen das Umbau-Projekt gab es keinen einzigen Einspruch. Das ist für ein Bauprojekt dieser Grössenordnung aussergewöhnlich. Die Mühle Grüsch zeigt, dass zirkuläres Bauen auch in einer Randregion funktioniert und dass Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu wirtschaftlicher Tragbarkeit ist.

  • 80 Zentimeter bremsen 63-Millionen-Projekt aus

    80 Zentimeter bremsen 63-Millionen-Projekt aus

    Die Sekundarschulgemeinde Arbon beantragte eine Ausnahmebewilligung für das geplante Schulzentrum Lärche. Konkret geht es um das Attikageschoss, mit 4 Meter statt der im Baureglement festgelegten 3,2 Meter. Die maximal zulässige Gesamthöhe von 16 Metern wird mit 15,5 Metern trotzdem unterschritten. Ein technischer Grenzfall, kein Grundsatzproblem.

    Ein Mann, eine Einsprache
    Gegen das Ausnahmegesuch hat der Architekt Gustav Maurer Einsprache erhoben. Er bezeichnet das aus einem Wettbewerb hervorgegangene Projekt als «ausgewiesene Fehlplanung» und hält es angesichts der Weltwirtschaftslage für verantwortungslos. Maurer behauptet, das geforderte Bauvolumen liesse sich für 43 Millionen Franken realisieren . Das sind rund 20 Millionen weniger als der vom Volk bewilligte Kredit von 62,9 Millionen Franken.

    Zeitplan gerät ins Wanken
    Die Sekundarschulbehörde wollte das Baugesuch im November einreichen. Wegen der Einsprache und der dadurch ausgelösten Rechtsunsicherheit gerät dieser Termin ins Wanken. Verzögert sich das Verfahren, drohen Folgekosten in Millionenhöhe,  durch steigende Baupreise, längere Planungsaufwände und verschobene Baufreigaben.

    Klare Worte des Schulpräsidenten
    Sekundarschulpräsident Robert Schwarzer findet deutliche Worte. Maurer wende sich seit Jahren gegen nahezu alles, was in Arbon gebaut werden solle. Das Einspracherecht sei als Grundrecht unbestritten, was hier aber praktiziert werde, sei «Ausdruck von Schikane und Willkür». Allfällige millionenschwere Folgekosten schienen dem Einsprecher gleichgültig zu sein.

    Rückhalt aus der Bevölkerung
    Das Projekt hat demokratische Legitimation. Fast 60 Prozent der Stimmberechtigten sprachen sich im September 2025 für den 62,9-Millionen-Kredit aus. Der Spatenstich war für September 2026 geplant, der Bezug für das Schuljahr 2028/29. Ob dieser Fahrplan hält, entscheidet sich jetzt vor dem Rechtsdienst. Nicht an der Urne.

  • Graubünden baut grösser, teurer, länger

    Graubünden baut grösser, teurer, länger

    128 Baustellen bedeuten nicht Entlastung, sondern Konzentration. Statt vieler kleiner Eingriffe stehen 2026 aufwendige Infrastrukturprojekte im Vordergrund, die mehr Arbeitskräfte, längere Bauzeiten und höhere Budgets erfordern. Bei 67 der 128 Baustellen werden Lichtsignalanlagen eingesetzt, um den Verkehr geordnet durchzuleiten. Das Tiefbauamt Graubünden hat klare Prioritäten gesetzt.

    La Punt befreit vom Durchgangsverkehr
    Das grösste Projekt ist die Umfahrung La Punt im Engadin. Ein 584 Meter langer Tunnel führt künftig unter dem Dorfzentrum hindurch, eine 55 Meter lange Brücke quert den Inn. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 80 Millionen Franken, die Bauzeit auf acht Jahre bis 2033. Nach dem Spatenstich im September 2025 werden 2026 die Voreinschnitte im Gebiet Arvins erstellt. Für La Punt ist es eine Befreiung und für das Engadin ein Qualitätssprung.

    Neuer Tunnel für die Surselva
    Zwischen Disentis und Curaglia ersetzt ein rund 500 Meter langer Neubau den maroden Tunnel Las Ruinas samt zwei dazugehörigen Galerien. Drei Jahre dauern die Arbeiten, der Verkehr bleibt während der gesamten Bauzeit in Betrieb. Weil der neue Tunnel teils direkt neben dem bestehenden verläuft, sind nächtliche Sperren unumgänglich. Ein Eingriff, der Rücksicht verlangt, aber notwendig ist.

    Malix fünf Jahre Arbeit vor dem Abschluss
    Auf der Julierstrasse zwischen Chur und Malix stehen die Zeichen auf Finale. Das Teilstück liegt in einem Rutschgebiet und wurde über fünf Jahre stabilisiert, verbreitert und begradigt. Bis Juli sollen die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Als sichtbares Zeichen des Neubeginns erhält die Strecke einen Velostreifen. Ein Projekt, das aus der Not entstand und als modernes Strassenstück endet.

    Infrastruktur als Investition
    Graubünden zeigt mit seiner Bausaison 2026, dass Infrastruktur kein Selbstläufer ist. Wer 1360 Kilometer Kantonsstrassen durch alpines Gelände, Rutschgebiete und Hochwasserzonen betreibt, muss kontinuierlich investieren. Weniger Baustellen, grössere Projekte, das ist keine Sparübung, sondern eine strategische Entscheidung für nachhaltige Qualität.

  • Der Weg ist frei für Wil West

    Der Weg ist frei für Wil West

    Im zweiten Anlauf sagt die Stimmbevölkerung von St. Gallen Ja zu Wil West. Der Entscheid ist knapp, aber klar genug, um Planungssicherheit zu schaffen. Das Votum zeigt, die Region will wachsen. Gebündelt, planbar und abgestimmt über Kantonsgrenzen hinweg.

    Mit dem Landverkauf gibt St. Gallen ein ehemaliges Gutsareal der Psychiatrie Wil an den Kanton Thurgau ab. Das Wirtschaftsgebiet liegt künftig vollständig auf Thurgauer Boden, bleibt aber im unmittelbaren Einflussraum der Regio Will. Damit entsteht eine klarere Ausgangslage für Investitionen, Infrastruktur und langfristige Ansiedlungsstrategien.

    Konzentration statt Zersiedelung
    Wil West steht für ein Leitbild, das viele Regionen beschäftigt, wirtschaftliches Wachstum ermöglichen, ohne die Landschaft weiter zu zersiedeln. Statt immer neue Gewerbezonen an Ortsrändern zu streuen, bündelt der Standort künftig Firmen, Dienstleistungen und produktive Arbeitsplätze an einer verkehrstechnisch gut erschlossenen Lage.

    Geplant ist kein beliebiges Industrieareal, sondern ein moderner Arbeitsstandort. Angestrebt sind hochwertige Betriebe, die Wertschöpfung und qualifizierte Jobs bringen, ohne übermässig viel Fläche zu verbrauchen. Damit wird das Entwicklungspotenzial der Region genutzt. Für die Raumplanung ist das Projekt damit auch ein Instrument, um Wachstum zu kanalisieren, statt es dem Zufall zu überlassen.

    Infrastruktur als Entwicklungstreiber
    Besonders stark wirkt Wil West über die Infrastruktur. Mit dem Projekt verknüpfen Bund, Kantone und Region den Ausbau der Autobahn, den öffentlichen Verkehr sowie Fuss- und Veloverbindungen. Der geplante Autobahnanschluss an die A1 und eine bessere Anbindung an Bahn und Bus machen das Areal für Unternehmen attraktiv und entlasten zugleich die bestehenden Ortszentren.

    Nachhaltigkeit als Standortfaktor
    Die erste Version von Wil West ist an Bedenken gescheitert, wie Kulturlandverlust, Verkehr und ökologische Auswirkungen. In der überarbeiteten Variante spielt Nachhaltigkeit eine deutlich sichtbarere Rolle. Verdichtete Bauweisen, sorgfältigere Flächennutzung und mehr Grün- und Freiräume sollen den ökologischen Fussabdruck verringern.
    Für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, wird genau das zum Standortfaktor. Immer mehr Firmen achten bei der Wahl ihres Standorts auf Energie- und Flächenverbrauch, Erreichbarkeit ohne Auto und ein attraktives Umfeld für Mitarbeitende.
    Wil West hat die Chance, hier einen neuen Standard für Arbeitszonen zu setzen, wenn Qualitätssicherung, Etappierung und Kriterien für Ansiedlungen konsequent durchgezogen werden.

    Chancen nutzen, Erwartungen managen
    Mit dem Ja zur Vorlage steigen nun auch die Erwartungen. Politik und Verwaltung müssen Tempo aufnehmen, ohne in Hektik zu verfallen. Die Region braucht klare Leitplanken, welche Branchen sollen kommen? Welche Dichte ist gewünscht? Wie wird die Entwicklung über Jahrzehnte gesteuert, ohne bei jedem Konjunkturwechsel die Strategie zu wechseln?

  • Neues Verkaufskonzept setzt auf Erlebnis und Begegnung

    Neues Verkaufskonzept setzt auf Erlebnis und Begegnung

    Rohner gestaltet seine Verkaufsfläche in Balgach um. Der Standort wird laut einer Mitteilung von CEO Hermann Lion um eine neue Verkaufsfläche erweitert und soll im September 2026 eröffnet werden. Das Ziel sei „ein Raum, der Marken und Menschen verbindet. Der inspiriert, überrascht und zeigt, dass moderner Handel weit mehr ist als nur Verkauf.“

    Damit reagiert die 1873 gegründete Traditionsfirma auf ihre Wahrnehmung, „dass Menschen wieder bewusster einkaufen und echten Kontakt suchen – nach Jahren, in denen vieles digital geworden ist“, so Lion auf Anfrage. „Der stationäre Handel hat dann Zukunft, wenn er mehr bietet als reine Transaktion.“ Deshalb investiere das Textilunternehmen „gezielt in ein Konzept, das Erlebnis, Qualität und Begegnung verbindet. Es ist ein Statement für die Stärke des physischen Handels – und für unsere Region“.

    Die neue Verkaufsfläche wird vom Zürcher Büro Susanne Fritz Architekten gestaltet: „Klare Linien. Natürliche Materialien. Licht, das Geschichten erzählt“, so Lion. Susanne Fritz hat bereits den kompletten Gebäudekomplex in Balgach saniert, erweitert und einer neuen Nutzung zugeführt. Dabei wurde der gesamte Markenauftritt der Rohner AG modernisiert und auch architektonisch neu gestaltet, inklusive des vorhandenen Ladenraums. „Trotz geringerer Dichte der Warengestelle konnte damit der Umsatz pro Quadratmeter gesteigert werden“, heisst es in einer Präsentation dieser Arbeiten.

    Nun entsteht laut Lion auf der neuen Verkaufsfläche etwas, „das wir so in unserer Region noch nicht gesehen haben“. An diesem Ort sollen verschiedene Marken gemeinsam sichtbar werden. Geplant seien Shop-in-Shop-Konzepte für andere Textilmarken, aber auch für Accessoires, Lifestyle-Produkte, Outdoor- oder Designmarken. „Wichtig ist uns, dass die Partner eine Geschichte erzählen können und ins Gesamterlebnis passen, ob lokale Manufaktur oder internationale Brand mit klarer Haltung.“

  • St.Gallen verhindert Planungsstillstand in Gemeinden

    St.Gallen verhindert Planungsstillstand in Gemeinden

    In vielen St.Galler Gemeinden laufen derzeit umfassende Revisionen von Richt- und Rahmennutzungsplanung, während teilweise noch das Baugesetz von 1972 gilt. Das führte dazu, dass zwischen Auflage und Genehmigung neuer Nutzungspläne über Jahre keine neuen planerischen Grundlagen in Kraft gesetzt werden konnten und  wichtige Projekte blieben blockiert. Der IV. Nachtrag zum Planungs- und Baugesetz schliesst diese Lücke und setzt die Motion zur Vermeidung eines Planungsstillstands um. Ziel ist es, die Entwicklungsfähigkeit der Gemeinden zu sichern und gleichzeitig Rechtsklarheit zu schaffen.

    Zwei Wege für mehr Planungssicherheit
    Die Regierung verfolgt dafür zwei Ansätze. Einerseits können Sondernutzungspläne, die materiell noch auf dem alten Recht beruhen, weiterhin genehmigt werden, bis die neue Rahmennutzungsplanung vom Amt für Raumentwicklung und Geoinformation genehmigt ist. Ist ein solcher Plan mit der künftigen Ordnung kompatibel, kann er ohne Neustart des Verfahrens in einen PBG-konformen Sondernutzungsplan überführt werden. Andererseits dürfen Sondernutzungspläne nach neuem Recht bereits ab der öffentlichen Auflage des revidierten Rahmennutzungsplans aufgelegt und genehmigt werden. Sie treten je nach Vereinbarkeit mit dem alten Recht entweder sofort oder erst mit Inkraftsetzung der neuen Planung in Kraft.

    Verlängerte Frist für Ortsplanungsrevisionen
    Zusätzlich schlägt die Regierung vor, die Frist für die Anpassung der kommunalen Rahmennutzungsplanung an das neue Planungs- und Baugesetz pauschal von 2027 auf 2030 zu verlängern. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass viele Gemeinden ihre umfangreichen Planungsarbeiten nicht innerhalb von zehn Jahren abschliessen können. Auf begründetes Gesuch hin kann die Frist zudem individuell weiter verlängert werden. Die neuen Bestimmungen verbinden Rechtssicherheit mit Flexibilität und bilden damit eine wichtige Grundlage für geordnete Siedlungsentwicklung, verlässliche Investitionsentscheide und die Umsetzung der raumplanerischen Ziele des Kantons.

  • Solarkraftwerk oberhalb Klosters nimmt Teilbetrieb auf

    Solarkraftwerk oberhalb Klosters nimmt Teilbetrieb auf

    Die ersten 15 Prozent von Madrisa Solar speisen Strom ins Netz ein. Die ersten 500 Solartische tragen laut einer Mitteilung 3000 bifaziale Solarmodule. Der Strom wird für den Betrieb der benachbarten Klosters-Madrisa Bergbahnen verwendet.

    Das Solarkraftwerk auf 2000 Metern oberhalb von Klosters Dorf soll im Vollausbau auf einer Fläche von 150‘000 Quadratmetern mit rund 20‘000 Solarmodulen eine Leistung von 11 Megawattpeak erzielen. Von den 17 Gigawattstunden Strom sollen 40 Prozent im Winterhalbjahr zwischen Oktober und März erzeugt werden. Die Inbetriebnahme der Gesamtanlage ist für Herbst 2027 vorgesehen. Im Herbst 2026 sollen bereits 50 bis 60 Prozent der Leistung zur Verfügung stehen.

    Die Madrisa Solar AG ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Repower, EKZ und der Gemeinde Klosters, die je zu einem Drittel beteiligt sind. Mit Madrisa Solar speist das erste Solarkraftwerk des nationalen Solarexpresses Strom ins Netz.

  • Erfolg für Suissetec im Fall EKS

    Erfolg für Suissetec im Fall EKS

    Seit Jahren engagiert sich Suissetec für „gleich lange Spiesse“ zwischen klassischen Beratungs-, Planungs- und Installationsbetrieben und den zunehmend auch im Gebäudetechnikmarkt aktiven Energiedienstleistern. Im konkreten Fall nutzte EKS Kundendaten aus der Grundversorgung, also aus dem Monopolbereich, zur Bewerbung von Solaranlagen, einem Angebot im freien Markt. Dieser unzulässige Wettbewerbsvorteil verstösst gegen das Stromversorgungsgesetz.

    Nach einer Strafanzeige von Suissetec 2017 kam es am 31. März 2025 zur rechtskräftigen Verurteilung zweier ehemaliger EKS-Mitarbeitender. Vergleichbare Verfahren gegen Repower und Groupe e endeten ebenfalls mit Schuldsprüchen.

    Konsequente Trennung von Marktbereichen
    Das Urteil verdeutlicht: Der Monopolbereich der Energiegrundversorgung muss strikt von den kommerziellen Aktivitäten der Energiedienstleister, etwa in Gebäudetechnik oder Solaranlagen, getrennt bleiben. Unternehmen stehen in der Pflicht, organisatorische und technische Vorkehrungen zu treffen, damit es zu keiner Durchmischung kommt.

    Obwohl im konkreten Fall nur Mitarbeitende und nicht das Unternehmen selbst belangt wurden, unterstreicht das Gericht, dass sich auch Unternehmen strafbar machen können, wenn sie gegen ihre Fürsorgepflicht verstossen.

    Signalwirkung für die Branche
    Für Suissetec ist das dritte Urteil in dieser Sache ein Meilenstein. Direktor Christoph Schaer betont: «Der Fall EKS ist für uns nun abgeschlossen. Gleichzeitig erwarten wir, dass dieses Urteil die Basis für einen kompetitiven, aber fairen Wettbewerb zwischen allen Marktteilnehmenden darstellt.»

    Damit will der Verband nicht nur Missbräuche verhindern, sondern auch die Energiedienstleister, als wichtige Mitglieder von Suissetec, verstärkt für die Bedeutung sauberer Trennlinien sensibilisieren. Ziel ist ein konstruktives Miteinander im Markt, das fairen Wettbewerb mit klaren Regeln ermöglicht.

  • Neue Solaranlage stärkt erneuerbare Energieproduktion im Alpenraum

    Neue Solaranlage stärkt erneuerbare Energieproduktion im Alpenraum

    Die Swisspower AG hat vom Kanton Graubünden die Bewilligung für den Bau der alpinen Photovoltaik-Grossanlage Alpin Parsenn erhalten. Wie es in einer Regierungsmitteilung heisst, ist der Bescheid mit Auflagen verbunden, die jedoch nicht näher benannt werden.

    Die Swisspower AG fungiert als Gesamtprojektleiterin. Sie vertritt Energie Wasser Bern (ewb), die Industriellen Werke Basel (IWB) und das Elektrizitätswerk Davos AG (EWD).

    Das Projekt, das bis vor Kurzem noch unter dem Namen Parsenn Solar lief, war am 17. Dezember 2023 vom Davoser Stimmvolk abgesegnet worden. Laut seiner Medienmitteilung vom November 2024 erwartete Swisspower den Erhalt der kantonalen Baubewilligung noch vor Ablauf des vergangenen Jahres; die laufenden Arbeiten seien vollständig auf den Baubeginn im Sommer 2025 ausgerichtet.

    Wie es jetzt vonseiten der Kantonsregierung heisst, wird die Solaranlage in 2500 Meter Höhe im infrastrukturell bereits erschlossenen Skigebiet Parsenn und auf knapp 14 Hektaren Fläche errichtet. Mit 1493 Modultischen soll sie jährlich rund 12,1 Gigawattstunden Strom produzieren. In der früheren Mitteilung war noch von mehr als 10 Gigawattstunden die Rede, die künftig rund 2200 Vierpersonenhaushalte versorgen sollen. Die logistische Erschliessung erfolgt über bestehende Zufahrtswege. Zusätzlich ist der Einsatz von Helikoptern und Schreitbaggern für eine minimalinvasive Montage vorgesehen.

    Swisspower mit Sitz in Zürich war im Jahr 2000 als Gemeinschaftsunternehmen von Schweizer Gemeinde- und Stadtwerken gegründet werden, die ihre Gebiete mit Elektrizität, Erdgas, Wärme und Trinkwasser versorgen. Die Allianz wird von 22 Aktionärspartnern aus der ganzen Schweiz getragen.

  • Neuer Energiepark macht Energiewende erlebbar

    Neuer Energiepark macht Energiewende erlebbar

    Die Fachhochschule Graubünden (FHGR) hat auf dem Kuhrerhof und in der Rheinmühle in Chur den neuen Energiepark Grischa eingerichtet. Der Park soll als ein Erlebnis- und Forschungszentrum auf dem Gebiet der Energie- und Umweltforschung tätig sein, heisst es in einer Mitteilung.

    In ein landwirtschaftliches Umfeld eingebettet sollen hier Arbeiten zu Photovoltaik, Kleinwasserkraft, Holzvergasung, Windkraft und Biogas an einem Standort zusammentreffen. Ziel ist, einem breiten Publikum zu vermitteln, wie erneuerbare Energien erzeugt, gespeichert und genutzt werden können. „Im Energiepark Grischa wird die Energiewende vom abstrakten Konzept zur greifbaren Realität“, wird Steffi Giaracuni, Projektleiterin am Institut für Multimedia Production der FH Graubünden, in der Mitteilung zitiert. „Hier können Menschen sehen, hören und spüren, wie erneuerbare Energien entstehen – und wie wir sie gemeinsam in unseren Alltag integrieren können.“

    In einer ersten Umsetzungsphase werden Arbeiten zum Thema Holz, Wasser und Sonne vorgestellt, bis 2026 sollen Biogas, Windkraft und innovative digitale Vermittlungsinstrumente folgen.

    Das Projekt wird von der FH Graubünden, dem Bundesamt für Energie, der Stiftung Klima Grischa und weiteren regionalen Partnern getragen. Bereits am 28. August stellen sich Expertinnen und Experten aus Energiepolitik, Innovationsförderung, Stadtentwicklung, lokalen Energielösungen und Landwirtschaft in einem Wissenschaftscafé den Fragen der Bevölkerung zur Energiezukunft der Schweiz.

  • Holzgigant und Wahrzeichen des ESAF 2025

    Holzgigant und Wahrzeichen des ESAF 2025

    Die Idee entstand 2021 im „Säntis Innovations-Cluster Holz“. Aus der „Holzvision Max“ wurde ein Grossprojekt, an dem über 220 Firmen und Institutionen beteiligt sind, unterstützt von einem Patronatskomitee mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Tourismus und Sport. Rund 1000 Fachkräfte aus Waldwirtschaft, Holzindustrie, Holzbau und Schreinerei arbeiteten mit, darunter viele Lernende, die in überbetrieblichen Kursen einzelne Elemente fertigten. Das Holz,  vorwiegend Fichte und Tanne, stammt aus Schweizer Wäldern, im Rahmen regulärer Forstnutzung.

    Technik und Konstruktion
    Für die Stabilität sorgen Stützen und Fachwerke im Rumpf und in den Beinen. Das Gerippe ist teilweise mit Brettschindeln gedeckt, während die Wandelemente offen gestaltet sind. Allein 18’727 Schrauben wurden verbaut. Das Tragwerk besteht aus 40 Kubikmetern Brettschichtholz, ergänzt durch Rundholz aus dem Toggenburg. Das Projekt ist auf eine Lebensdauer von bis zu 25 Jahren ausgelegt.

    Finanzierung und Kooperation
    Die Gesamtkosten liegen bei rund 4 Millionen Franken. Dank der breiten Unterstützung aus der Branche, in Form von Materialspenden, Arbeitsleistung und finanzieller Beteiligung, ist das Projekt gesichert. Für die Nachnutzung wird ein Käufer gesucht. Der Restwert beträgt rund 1,3 Millionen Franken, hinzu kommen Kosten für Lagerung und Wiederaufbau.

    Touristische Perspektiven
    Nach dem ESAF könnte Muni Max in Tourismusdestinationen wie Elm, Braunwald oder Herisau aufgestellt werden. Geplant ist, ihn begehbar zu machen mit Treppen, Lift, Ausstellungsflächen und einer Aussichtsplattform. So soll er nicht nur als Symbol für Schweizer Holz und Handwerk, sondern auch als nachhaltiger Besuchermagnet dienen.

    Symbol für die Branche
    Muni Max ist mehr als ein Blickfang. Er zeigt, wie die Schweizer Holzwirtschaft Tradition und Innovation verbindet, die regionale Wertschöpfungskette stärkt und junge Fachkräfte in ein ambitioniertes Projekt einbindet. Am ESAF in Mollis wird er das eigentliche Stadion, mit 56’500 Plätzen das grösste temporäre Stadion der Welt, optisch überragen.

    Mit Muni Max hat die Schweizer Holzbranche ein Projekt geschaffen, das weit über den Anlass hinausstrahlt, ein starkes Zeichen für Handwerkskunst, Zusammenarbeit und die Zukunftsfähigkeit eines traditionsreichen Rohstoffs.

  • Energiestandort mit Zukunftspotenzial

    Energiestandort mit Zukunftspotenzial

    Mit dem Kauf des ehemaligen Legler-Areals durch die Hochdruckkraftwerk Diesbach AG und der gleichzeitigen Beteiligung der Gemeinde Glarus Süd beginnt ein neues Kapitel für das traditionsreiche Fabrikareal im Glarnerland. Die Betreiberin des lokalen Wasserkraftwerks hat sich das Areal inklusive Kraftwerkzentrale gesichert. Die Gemeinde erwirbt gleichzeitig landwirtschaftliche Flächen von der bisherigen Eigentümerin und wird mit einem Aktienanteil von 40 % zur grössten Aktionärin.

    Energie trifft Standortentwicklung
    Der Erwerb dient nicht nur dem Erhalt des historischen Kraftwerks, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für eine langfristige Arealentwicklung. «Wir können Flächen von 50 bis zu mehreren 1’000 Quadratmetern anbieten», sagt Verwaltungsratspräsident Weber-Thedy.

    Die Gemeinde Glarus Süd sichert zwei Sitze im Verwaltungsrat und eine wichtige Bodenreserve von fast 30’000 Quadratmetern Landwirtschaftsland, die für Ersatzmassnahmen oder ökologische Ausgleichsflächen vorgesehen sind. Damit schafft die Gemeinde Raum für zukünftige Entwicklungen.

    Langfristige Perspektive mit Zwischennutzung
    Das Potenzial des Legler-Areals ist unbestritten, doch eine neue Nutzung braucht Zeit und setzt auf sorgfältige Planung. Ziel ist eine Mischnutzung mit Wohnen und Arbeiten, die zur Landschaft und zur Gemeinde passt. Erste Umsetzungsschritte werden nicht vor den nächsten zehn Jahren erwartet.
    Bis dahin wird das Areal sinnvoll zwischengenutzt. Die grossen Hallen werden als Lagerräume vermietet. Die flexibel aufteilbar, wenn auch aufgrund baulicher Einschränkungen nur für bestimmte Zwecke geeignet sind.

    Nachhaltigkeit als Leitmotiv
    Das Hochdruckkraftwerk fokussiert sich auf eine umweltfreundliche Energieproduktion und wird das Werk 2025 nach modernsten Standards erneuern. Frühere Diskussionen über den Ausbau wurden zugunsten eines sensiblen Umgangs mit dem Landschaftsbild vertagt, aber das Rauschen des Diesbachfalls soll erhalten bleiben.

    Ein Impuls für das Glarnerland
    Der Erwerb des Legler-Areals ist mehr als ein Eigentümerwechsel. Er ist ein Beispiel für vorausschauende Standortentwicklung, getragen von lokaler Energieproduktion, öffentlicher Beteiligung und einer langfristigen Perspektive. Die Gemeinde Glarus Süd bekennt sich aktiv zur Entwicklung des Areals und minimiert gleichzeitig das Risiko des Verfalls einer markanten Liegenschaft.

    Die Verbindung von Energieinfrastruktur, Immobilienentwicklung und öffentlichem Engagement macht das Projekt zu einem Leuchtturm für die Region. mit Vorbildcharakter für vergleichbare Standorte in der Schweiz.

  • Digitale Gästeplattform stärkt den Standort Glarus

    Digitale Gästeplattform stärkt den Standort Glarus

    Der GlarnerlandPass bündelt Meldewesen, Gästekarte und Reisebegleiter in einem integrierten System und vernetzt Tourismus, Kultur und Gewerbe auf einer gemeinsamen Plattform. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen der Tourismus-Neuausrichtung, die mit dem Zusammenschluss aller Organisationen per 2024 begann. Unter der neuen Dachmarke «Glarnerland» entsteht vor den Toren Zürichs ein alpines Gesamterlebnis mit starker regionaler Identität, das digital sichtbar, kombinierbar und buchbar wird.

    Gästezentrierung und digitale Nähe
    Die Anwendung begleitet den Gast entlang der gesamten Customer Journey und ermöglicht interaktive Kommunikation in Echtzeit. Berücksichtigt werden nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Tagesgäste, Zweitwohnungsbesitzer und Einheimische. Für Gäste mit Übernachtung ist der öffentliche Verkehr im gesamten Kanton im Pass inbegriffen. Ein starkes Zeichen für nachhaltige Mobilität.

    Wertschöpfung durch lokale Vernetzung
    Tourismusbetriebe, Gewerbe und Kulturinstitutionen werden aktiv eingebunden. In Workshops und Fokusgruppen entsteht ein gemeinsames Verständnis für digitale Prozesse, neue Produkte werden entwickelt und zusätzliche Vertriebskanäle erschlossen. Diese enge Zusammenarbeit stärkt die regionale Wirtschaft und sorgt für echte Wertschöpfung im Glarnerland.

    Nachhaltige Steuerung und moderne Technologie
    Die Plattform erlaubt eine flexible Lenkung der Besucherströme und liefert über die gesammelten Daten wertvolle Impulse für eine nachhaltige Destinationsentwicklung. Technologisch basiert das System auf bewährten, modularen Lösungen führender Destinationen und nutzt die Anbindung an discover.swiss.

    Sichtbarkeit durch ESAF 2025
    Mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025 bietet sich eine ideale Gelegenheit, den Pass einem breiten Publikum vorzustellen. Die Kombination aus alpiner Authentizität, digitaler Innovation und integrativer Standortstrategie macht das Projekt zu einem Vorzeigemodell für die Zukunft des Tourismus.

  • Das Landolt-Areal im Wandel

    Das Landolt-Areal im Wandel

    Welche Bedeutung hat die Entwicklung des Landolt-Areals für den Wirtschaftsstandort Glarus? Welche Impulse erwarten Sie konkret für die lokale Wirtschaft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze?
    Das Areal ist heute bereits gut ausgelastet mit vielen verschiedenen KMU. Mit dem mittelfristigen Wegzug der Firma Landolt wird der Altbestand frei. Besonders interessant dabei ist die Shedhalle, welche wir bereits saniert und das Dach mit einer grossen PV-Anlage ausgestattet haben. Wir sind dabei, neue Mieter anzusiedeln und bieten einen sehr attraktiven Standort mit optimaler Logistikanbindung. Hier entstehen neue attraktive Arbeitsplätze.

    Zwischennutzungen wie der geplante Mobility-Hub sind ein zentrales Element im Konzept. Welche Chancen sehen Sie in diesen temporären Nutzungen zur Belebung des Areals während der Entwicklungsphase?
    Dies ist einer der wichtigsten Teile der Transformation. Die bestehenden Mietenden möchten wir, wenn möglich, alle behalten. Wir pflegen einen direkten Kontakt zu ihnen, damit diese sich auch innerhalb des Areals weiterentwickeln können. Die Gebäude mit Zwischennutzungen werden günstig aber nicht lange vermietet, sei dies als Lager, Parking oder Hub, aber ohne grosse Investitionen von unserer Seite. Hier ist auch Platz für Kreativität.

    Wie sind der Kanton Glarus und die Standortförderung in das Projekt eingebunden? eingebunden? Gibt es eine strategische Abstimmung mit kantonalen Entwicklungszielen?
    Wir stehen in einem regelmässigen Austausch mit der Standortförderung und sind zuversichtlich aufgrund der guten Lage und der Grösse der angebotenen Fläche, auch grössere KMU für den Kanton Glarus gewinnen zu können. Bereits sind mehrere Betriebe interessiert, sich hier niederzulassen.

    Die partizipative Planung wird betont. Wie konnten sich Anwohnerinnen und Anwohner resp. Gewerbetreibende konkret einbringen und welche Erkenntnisse aus diesem Prozess fliessen in die nächsten Schritte ein?
    Mit gut abgestützter Behördenvertretung und einem Fachgremium aus Wirtschaft und Städtebau sowie einem internationalen Planerteam wurden der Städtebau, die Bezüge zu den Nachbarn sowie die Nutzung und Bebauungsverteilung des Areals neu bearbeitet. Viele der alten Spinnereigebäude sollen erhalten und mit neuem Leben erfüllt werden.

    Das heute reine Gewerbeareal wird mit verschieden gewerblichen Angeboten ergänzt, und auch ein kleiner Anteil Wohnen wird möglich. Die sehr attraktive Lage zwischen den Bachläufen Chli Linthli und dem Mühlibach lädt auch Spaziergänger und Anwohner ein, diesen schönen und idyllischen Ort zu erleben.

    Zusammen mit der Gestaltungskommission und der Denkmalpflege erarbeiten die Planenden zurzeit das Richtprojekt. Bis nach dem Sommer 2025 werden die zukünftige Gestalt des Areals, das erweiterte Gewerbeangebot und die Wohnungsvielfalt aufgezeigt werden können. Wir sind sehr froh über die sehr gute Zusammenarbeit und überzeugt, dass durch den sorgsamen Umgang mit dem Bestand und den neuen Gebäuden ein grosser Mehrwert für die Arealnutzenden, aber auch für die Anwohnenden entsteht.

    Die Entwicklung erfolgt in vier Etappen. Wie stellen Sie sicher, dass das Areal bereits in den Zwischenphasen lebendig, nutzbar und attraktiv bleibt und nicht zu einer langjährigen Baustelle wird?
    Wie bereits angesprochen wird ein Teil in den bestehenden Industriegebäuden neu genutzt. Die sehr alten Bestandsbauten, welche mittelfristig nach dem Auszug der Firma Landolt leer stehen, sollen nach einem Umbau oder einer Modernisierung rasch wieder vermietet werden. Dazu wurden die verschieden Talentzonen definiert, und diese bilden die Etappen. Mit der Fertigstellung der jeweiligen Zonen wird die Entwicklung sukzessiv abgeschlossen.

    Der Innovationscampus am Chli Linthli soll sich unabhängig und bedarfsorientiert entwickeln. Welche Zielgruppen möchten Sie hier ansprechen und welche Branchen könnten sich hier ansiedeln?
    Dieses Areal ist heute voll besetzt mit einem breiten Angebot an Gewerbe. Hier wird der Bedarf der Zukunft untergebracht werden. Die Idee ist, ein vielfältiges Angebot an Gewerbe entstehen zu lassen, welches eine gute Vernetzung innerhalb dieses Areals braucht und wie ein Campus funktioniert. Wir sind aber auch offen für andere Ideen. Welche das sind, wird die Zukunft zeigen.

    Wie schaffen Sie auf dem Areal langfristig Identität und Bindung? Welche Rolle spielen dabei soziale, kulturelle oder ökologische Angebote für die künftigen Nutzerinnen und Nutzer?
    Das Areal hat heute bereits eine reichhaltige Geschichte. Dies sieht man hier überall. Mit einer neuen Nutzung und dem richtigen Umgang wird die Kultur gewahrt aber auch neu definiert. Mit unserm Ziel der Nachhaltigkeit wird dieser Prozess auch Ressourcen schonen. Mit dem Einsatz von natürlichen Baustoffen und einer einfachen Architektur wird für die Nutzenden bezahlbarer Arbeits- und Wohnraum geschaffen, welcher gesund und lebenswert ist. Das Areal bietet mit seinen Wasserläufen, dem Grünraum, den neu geschaffen Quartierplätzen etc. viel Raumqualität, aber auch einen sehr attraktiven Ort zum Arbeiten, Wohnen und Bleiben.

  • Das Möbeliareal Glarus nimmt Gestalt an

    Das Möbeliareal Glarus nimmt Gestalt an

    Nach der Umzonung von der Industrie- in die Mischzone Wohnen und Arbeiten wurde der Grundstein für eine neue Nutzung gelegt. Mit der Einreichung des Überbauungsplans wird diese Vision nun konkret.

    Dialog als Basis für nachhaltige Entwicklung
    Ein intensives Dialogverfahren, das 2022 lanciert wurde, bildete die Grundlage für das nun vorliegende Richtprojekt. In diesem kooperativen Prozess wurden zentrale Fragen zu Städtebau, Nutzungsmix, Freiraum und Ökologie gemeinsam mit Fachleuten, Nachbarn und Interessierten erörtert. Die Ergebnisse münden in eine sorgfältige Planung, die ein Gleichgewicht zwischen historischen Bauten und neuen architektonischen Elementen anstrebt. Die ehemaligen Produktionsgebäude der ag möbelfabrik horgenglarus werden ab 2027 verfügbar und können in die erste Bauetappe integriert werden.

    Ein neuer Stadtbaustein im Zentrum von Glarus
    Die möbeliareal ag verfolgt mit dem Projekt das Ziel, einen lebendigen, offenen und durchmischten Ort zu schaffen. Bestehende Bauten wie die sanierte ehemalige Polsterei, ein Hans-Leuzinger-Bau sowie der etablierte Coworking-Space RAUMSTATION zeigen bereits heute, wie neue Nutzungen in bestehende Strukturen integriert werden können. Der geplante Neubau ergänzt die Anlage mit spannungsvollen Freiräumen und gibt dem Areal eine neue städtebauliche Lesbarkeit.

    Vorgesehener Baustart im 2027
    Der Überbauungsplan, basierend auf dem Richtprojekt von agps architecture ltd. und Böe Studio GmbH, wurde Ende 2023 zur Vorprüfung bei der Gemeinde eingereicht. Nach einer allfälligen Überarbeitung wird der rechtskräftige Plan erwartet. Danach könnten erste Baugesuche folgen, der Baustart in Etappen ist ab 2027 vorgesehen. Damit geht ein Entwicklungsprozess weiter, der mit fundierten Marktanalysen und planerischen Studien vorbereitet wurde und nun in eine konkrete Realisierungsphase übergeht.

    Perspektiven für urbane Lebensräume
    Mit dem Möbeliareal entsteht inmitten des Kantonshauptorts ein Projekt mit Vorbildcharakter. Historisch verwurzelt, sozial durchmischt, architektonisch weitsichtig geplant und wirtschaftlich tragfähig. Der sorgfältig orchestrierte Übergang vom industriellen Produktionsstandort zu einem vielfältigen Lebensraum zeigt beispielhaft, wie Standortentwicklung im Spannungsfeld von Tradition und Zukunft gelingen kann.

  • Vom Randgebiet zum urbanen Quartier mit Vision

    Vom Randgebiet zum urbanen Quartier mit Vision

    Buchholz steht für einen urbanen Neuanfang. Auf einer Fläche von rund 36’300 m² formt sich ein eigenständiges Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten, Bewegung und Begegnung kombiniert. Die bisher heterogene Struktur weicht einem klar gegliederten Nutzungsmix, der räumliche Qualität mit ökologischer Verantwortung verbindet. Kernstück der Entwicklung ist die «Grüne Mitte». Ein Zentrum mit Schule, Sportanlagen und Freiraum, umrahmt von Wohnhochhäusern und Gewerbebauten.

    Vom Industriegelände zum lebendigen Quartier
    Die Entwicklung geht auf einen erfolgreichen Studienauftrag des Zürcher Architektur- und Planungsbüros helsinkizurich zurück. Auf dieser Grundlage entstand ein fein austariertes Richtprojekt mit einer Überbauungsstrategie, die eine etappierte Vertiefung der Planung vorsieht. Die Realisierung erfolgt in drei Abschnitten – abgestimmt auf die unterschiedlichen Interessen der Eigentümerschaft. Besonderes Augenmerk gilt dem baulichen Erbe: Elemente wie der denkmalgeschützte Pulverturm werden behutsam eingebunden und respektvoll in den städtebaulichen Kontext integriert.

    Quartierleben unten, Lebensqualität oben
    Gewerbliche Nutzungen und Gemeinschafts-flächen in den Sockelzonen entlang der Buchholzstrasse prägen das öffentliche Gesicht des Quartiers. Darüber eröffnen lichtdurchflutete Wohnungen weite Ausblicke in die Landschaft. Begegnungsräume, Höfe und Erschliessungsachsen fördern die soziale Interaktion. Die abgestufte Öffentlichkeit erlaubt zugleich Rückzug und Teilhabe, ein Prinzip, das dem urbanen Leben gerecht wird.

    Blau-grüne Infrastruktur als Rückgrat
    Im Quartier Buchholz ist Nachhaltigkeit kein Versprechen, sondern Realität. Ein durchdachtes Wassermanagement mit Regenrückhalt und Verdunstungsflächen entlastet die Infrastruktur und verbessert das Mikroklima. Begrünte Dächer, durchlässige Beläge und klimaaktive Freiräume schaffen Lebensqualität, sind ökologisch wirksam und gestalterisch überzeugend.

    Starke Identität, klare Adresse
    Mit der neuen Promenade entlang der Buchholzstrasse entsteht nicht nur eine funktionale Erschliessung, sondern auch eine identitätsstiftende Adresse für den neuen Stadtteil. Das Quartier positioniert sich damit zwischen dem landschaftlichen Raum der Linth und dem städtischen Zentrum – offen, durchlässig, zukunftsgewandt.

    Stadtentwicklung mit Wirkung
    Buchholz steht exemplarisch für eine Stadtentwicklung, die langfristig denkt und differenziert handelt. Das Projekt schafft neuen Wohnraum und eine moderne Form von urbaner Qualität am Rand von Glarus – vernetzt, nachhaltig und mit Blick auf das Ganze.

  • Chur West das Tor zur Zukunft

    Chur West das Tor zur Zukunft

    Das erklärte Ziel war es, ein urbanes, lebendiges und attraktives Quartier zu schaffen, das über 400 Menschen neuen Wohn- und Arbeitsraum bietet. Angesichts des knappen Wohnungsangebots in Chur ist dies eine wegweisende Entwicklung für Familien, Paare und Einzelpersonen.

    Das einstimmig gewählte Siegerprojekt des Teams um Duplex Architekten, Gersbach Landschaftsarchitektur und IBV Hüsler Verkehrsplanung besticht durch eine kühne städtebauliche Vision. Fünf unterschiedlich hohe Bauten, darunter zwei markante Hochpunkte, definieren das neue Quartier. Diese «Dichte in die Höhe» ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern ermöglicht auch grosszügige öffentliche Freiräume, die die Identität des neuen Quartiers massgeblich prägen werden. Vielfältig gestaltete Strassenzüge, Gassen und Platzabfolgen durchziehen das Areal und schaffen eine harmonische Balance zwischen öffentlicher Begegnung und privater Rückzugsmöglichkeit.

    Ein Meilenstein für Chur
    Eine hochkarätige Jury aus Planungsexperten und Vertretern der Eigentümerschaft hat die fünf eingereichten Entwürfe intensiv geprüft und sich einstimmig für den Entwurf von Duplex Architekten entschieden, eine Wahl, die auch vom Churer Stadtrat bekräftigt wurde. Das Siegerprojekt überzeugte nicht nur durch seine klare städtebauliche Haltung, sondern auch durch die innovative Transformation des ehemaligen Industrieareals in ein lebendiges, urbanes Zentrum.

    Besonders hervorzuheben sind die markante architektonische Formensprache, deren Design nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern auch höchste Wohnqualität verspricht. Des Weiteren schaffen die vielfältigen Frei- und Grünräume ein einzigartiges Nebeneinander von Öffentlichkeit und Privatheit, was dem Ort eine zukunftsweisende Identität verleiht. Schliesslich sorgt die hervorragende Vernetzung dafür, dass das Quartier optimal an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist und eine nahtlose Verbindung zu den umliegenden Stadtteilen bildet.

    Von der Vision zur Realität
    Das Siegerprojekt ist derzeit öffentlich im Eingangsbereich des Stadthauses Chur ausgestellt und wird dem neu konstituierten Gestaltungsbeirat zur Beurteilung vorgelegt. Anschliessend wird das Siegerteam den Entwurf weiter konkretisieren. In den kommenden Jahren werden nach Fertigstellung des Quartierplans die konkreten Bauprojekte eingereicht und realisiert. Chur West wird dann nicht nur ein neues Quartier sein, sondern ein pulsierendes, einladendes Eingangstor, das die Stadt neu definiert und ihre Zukunft aktiv gestaltet.

  • Zukunft bauen heisst Verantwortung übernehmen

    Zukunft bauen heisst Verantwortung übernehmen

    Herr Binkert, Sie sind seit Jahrzehnten in der Immobilienentwicklung tätig. Was treibt Sie persönlich an, und welche Vision verfolgen Sie für die Zukunft der Architektur und Immobilienentwicklung?Immobilienentwicklung ist auch Raumentwicklung. Mit jedem Bauwerk verändern wir unsere Umwelt, den Raum um uns herum. Diese Veränderung soll eine Verbesserung sein, nicht eine Verschlechterung. Mich beschäftigt die Frage nach den Regeln, die wir beachten müssen, damit unsere gebaute Umwelt nachhaltig, lebenswert und zukunftsfähig bleibt. Ich sehe die Zukunft der Immobilienentwicklung in einer kreativen, ganzheitlichen Planung, die gesellschaftliche Bedürfnisse mit technologischen Möglichkeiten verbindet und dabei den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt stellt.

    Welches Projekt hat Sie besonders geprägt?
    Jedes Projekt erweitert den Erfahrungshorizont – aber Greencity Zürich war für mich ein Wendepunkt. Dort entwickelten wir für Losinger Marazzi erstmals konkrete Regeln, wie ein Stadtteil geplant, gebaut und betrieben werden muss, um als wirklich nachhaltig zu gelten. Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie tiefgreifend Nachhaltigkeit wirken kann, wenn sie systematisch gedacht und umgesetzt wird. Dass daraus Losinger Marazzi als erster «Grüner Generalunternehmer» der Schweiz hervorging, war ein starkes Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich ein Erfolgsmodell sein kann.

    Als Präsident der 2000-Watt-Smart-Cities Assoziation setzen Sie sich für nachhaltige und energieeffiziente Städte ein. Wie integrieren Sie Nachhaltigkeitsaspekte konkret in Ihre Projekte?
    In Greencity Zürich haben wir erstmals umfassende Regeln für Planung, Bau und Betrieb eines nachhaltigen Stadtteils entwickelt. Daraus entstand das Label «2000-Watt-Areal», das schweizweit über 50 Stadtquartiere zertifizieren konnte. Heute entwickeln wir es unter Autorisierung des Bundesamts für Energie weiter – mit Blick auf die Smart City. So konnten wir kürzlich das erste Projekt in Indien zertifizieren.

    Die grösste Herausforderung bleibt die Balance zwischen ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit – insbesondere international. In China sind gesellschaftliche Forderungen schwer umsetzbar, in Brasilien fehlt oft das Umweltverständnis, in den Emiraten ist Wirtschaftlichkeit kein Thema. Auch in der Schweiz braucht es Empathie, Verständnis und einen langen Atem, um tragfähige, nachhaltige Lösungen durchzusetzen.

    Sie haben internationale Erfahrung, unter anderem in den USA und Indien. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sehen Sie in der Stadtentwicklung zwischen der Schweiz und diesen Ländern?
    Der Hauptunterschied liegt im Wachstumstempo: Schwellenländer mit schnell wachsender Bevölkerung brauchen rasch und günstig viel neuen Raum – oft auf Kosten der Qualität. Nachhaltigkeit ist dort ein Versprechen für die Zukunft, dem oft mit Skepsis begegnet wird. Nachhaltigkeit kostet kurzfristig viel, bringt aber erst langfristig Erträge, dafür decken sie dann die Kosten gemäss unseren Annahmen um ein Vielfaches.

    In der westlichen Welt – wo das Wachstum stagniert oder rückläufig ist – stehen andere Werte im Vordergrund: Soziale Gerechtigkeit, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität. Nachhaltige Entwicklung wird hier zunehmend als Voraussetzung für Lebensqualität verstanden. Die Forderung, dass der Westen auch für die nachhaltige Entwicklung in den Schwellenländern aufkommen müsse, bringt allerdings auch wohlhabende Länder wie die Schweiz an ihre Grenzen.

    Welche Trends sehen Sie in der zukünftigen Stadt- und Arealentwicklung und wie stellen Sie sich die Wohnformen der Zukunft vor, insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel, die zunehmende Urbanisierung und Verdichtung?
    Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Bauwirtschaft muss dringend aufholen in Bereichen wie Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz. Noch immer bauen wir «brick and mortar» – wie zur Römerzeit. Dabei haben sich die menschlichen Grundbedürfnisse kaum verändert, die technischen Möglichkeiten aber sehr wohl. Die Megatrends – demografischer Wandel, Gesundheit, Future of Work, Klimakrise – erfordern neue Antworten auf die Frage, wie wir wohnen. Wir müssen den Mut aufbringen, den Status-Quo zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und Lösungen auszuprobieren, die es in der Vergangenheit noch nicht gab.

    Die «Verhäuselung der Schweiz» kann nicht so weitergehen. Was in einer Schweiz mit 6 Mio. Einwohnern und beschränkter Mobilität noch funktionierte, führt heute zum Kollaps. Wir müssen uns wieder vermehrt als Teil des Universums verstehen, in dem wir nur eine von vielen Arten sind – nicht als Dominatoren. Wir sehen täglich die Folgen unseres kurzsichtigen Umgangs mit endlichen Ressourcen, mit abnehmender Biodiversität und der Verschleuderung von Energie.

    Wir werden in Zukunft zusammenrücken, Platz für Andere schaffen, effizienter und suffizienter leben. Damit das unsere Lebensqualität nicht schmälert, müssen wir dazu die technologischen Möglichkeiten, die sich uns heute schon bieten, und jene, die wir zukünftig entwickeln werden, besser nutzen. Wir werden urbaner leben als heute, wir werden die Bedürfnisse des täglichen Lebens in Fussgängerdistanz befriedigen, wir werden besser vernetzt sein.

    Wir haben mittlerweile 9 Millionen Einwohner erreicht in der Schweiz. Die Immobilienbranche redet seit längerem von einer 10-Millionen-Schweiz. Sind wir aus Ihrer Sicht genug vorbereitet darauf und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?
    Auch die Vorstellung der 10-Millionen-Schweiz ist bereits überholt. Wenn wir unserer alternden Gesellschaft ein komfortables Leben ermöglichen wollen, brauchen wir zusätzliche junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte, dann brauchen wir die 12-Millionen-Schweiz! Den zu erwartenden Migrationsströmen von Klimaflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen müssen wir nachhaltige Lösungen anbieten, ohne aber unsere Kultur und Geschichte zu gefährden. Je schneller und besser wir uns darauf vorbereiten, desto mehr werden wir auch davon profitieren können.

    Wir sind auf die exogenen Paradigmenwechsel schlecht vorbereitet. Wir nehmen den Sog der Grossstädte zwar wahr, stellen diesem aber keine Alternativen gegenüber. Wir arbeiten immer noch mit Zonenplänen, obwohl diese unsere Produktion und unsere Lebensart nicht mehr abzubilden vermögen. Wir starren gebannt auf die erfolgreichen Publikumsmagnete Zürich, Basel und Genf, statt die schlummernden Qualitäten von Kleinstädten wie Lenzburg, Brugg, Wetzikon oder Glarus wahrzunehmen und zu nutzen. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

    Unsere Vision der Smart City Switzerland ist nicht eine Megacity mit ausufernder Agglomeration – ganz im Gegenteil: Wir schlagen vor, wieder kleinteiliger zu werden. Nicht die grossen Schweizerstädte sollen wachsen, sondern die mittelgrossen und die gut vernetzten kleineren Städte werden verdichtet und urbanisiert – mit viel Grünraum dazwischen. Zur Urbanisierung gehört die Verbesserung des Angebots, die kulturelle Aufwertung, insbesondere aber auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Und dort, wo die Forschung zur Siedlungsentwicklung Lücken im Städtenetz ortet, müssen wir auch den Mut aufbringen, neue Städte zu bauen.

    Welche Rollen und langfristige Vision sehen Sie für den Wirtschaftsraum Glarus und welche Schlüsselprojekte werden die kommenden Jahre prägen?
    Glarus Nord ist das wirtschaftliche Rückgrat des Kantons – mit seiner Lage, seiner Infrastruktur und seiner Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich bietet es enormes Potenzial für Produktion und Dienstleistungen. Glarus Süd hingegen punktet mit Natur, Freizeitwert und Lebensqualität. Diese beiden Räume sollten viel stärker im Sinne einer funktionalen Symbiose gedacht werden. Die Vision Glarus 2030 zeigt dafür klare Perspektiven, aber sie muss noch breiter getragen werden. Schlüsselprojekte in Näfels-Mollis und Niederurnen-Oberurnen wären ideale Katalysatoren, werden aber bisher zu wenig genutzt – auch nicht in der kürzlich festgesetzten kommunalen Richtplanung. Eng gefasste kantonale und bundesrechtliche Vorgaben zur Bauzonendimensionierung bremsen dabei die Entwicklung – hier braucht es Spielraum für zukunftsgerichtete Lösungen.

    Eine der Masterarbeiten Ihrer Studenten analysiert Glarus Nord als potenzielles Subzentrum im Wirtschaftsraum Zürich. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial dieser Region ein, insbesondere mit Blick auf Infrastruktur, Branchen, Arbeitsplätze
    und Wohnen?

    Das Potenzial von Glarus Nord ist beeindruckend. Unsere Studien zur Smart City Switzerland zeigen, dass beidseits des Walensees Platz für eine mittelgrosse Stadt vorhanden wäre – ob diese aber in Glarus Nord, Ausserschwyz oder im Sarganserland entsteht, hängt letztlich vom politischen Willen der Bewohner ab.
    Die erwähnte HSLU-Masterarbeit untersucht die Beziehung zwischen der Grossstadt Zürich und umliegenden Subzentren (Knoten zweiter Zentralität). Der heutigen Situation des Brain-Drains und der Salär-Söldner, die zwischen dem ländlichen Raum Glarus und dem städtischen Zürich hin- und herpendeln, wird die Vision der 15-Minuten-Stadt Glarus Nord gegenübergestellt. Die Masterarbeit bestätigt die gegenseitige Abhängigkeit von Raumplanung und Wirtschaftsförderung, von Verdichtung und Nutzungsvielfalt, von Arbeitsplätzen und Wohnraum.

    Was muss aus planerischer und politischer Sicht passieren, damit Glarus nicht nur mitwächst, sondern auch mitgestaltet?
    Aus der Perspektive von Smart City Switzerland muss das Bundesamt für Raumentwicklung ARE die gesamtschweizerische Raumplanung überarbeiten und neue Freiräume für die verdichtete Siedlungsentwicklung schaffen. Auf dieser Grundlage können bestehende Städte verdichtet, oder sogar neue Regionalstädte (Knoten zweiter Zentralität) und Kleinstädte (Knoten dritter Zentralität) entwickelt werden.

    Für Glarus heisst das konkret: aktives Lobbying in Bern, um Glarus Nord als Wirtschaftsstandort zu positionieren. Nur so kann sich der Kanton aus der Rolle des passiven Mitläufers im Finanzausgleich befreien. Es braucht eine klare Entscheidung zwischen Abwarten und aktiver Mitgestaltung. Wer mitgestalten will, muss investieren – in Planung und Entwicklung, Infrastrukturen, Standortmarketing und politische Überzeugungsarbeit.

    Welche Rolle spielt der kantonale Richtplan dabei und welche Einflussmöglichkeiten gibt es auf kommunaler Ebene?
    Der kantonale Richtplan reflektiert die heutige Situation und denkt diese linear weiter. Die Paradigmenwechsel, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, werden darin nicht abgebildet. Der Richtplan bietet auch ungenügende Flexibilität, um auf die neuen exogenen und endogenen Herausforderungen reagieren zu können.

    Die Einflussmöglichkeiten auf die übergeordnete Richtplanung sind beschränkt. Die Kommune ist vom Kanton abhängig, und der Kanton seinerseits vom Bund. Zudem macht die Forderung nach Planbeständigkeit jede Innovation schwierig. Die Reaktionszeiten sind zu lang. Dennoch gibt es Hebel: Pilotprojekte und Entwicklungsschwerpunkte (ESP) ermöglichen es, innovative Ideen zu testen und neue Stadtmodelle zu erproben.

    Der heutige 105. immoTable in Glarus leistet einen wichtigen Beitrag zur dringend nötigen Diskussion, ob Glarus zum Standort für die Zukunft werden will.

  • Erlenpark Näfelsschafft neuen Wohnraum

    Erlenpark Näfelsschafft neuen Wohnraum

    Auf dem über 16’000 m² grossen Areal «Feld» in Näfels realisiert die Gemeinde Glarus Nord zusammen mit der FT3 Architekten AG eine zukunftsweisende Wohnüberbauung. In drei zeilenförmig angeordneten Gebäudegruppen entstehen insgesamt zehn Mehrfamilienhäuser mit rund 98 Wohnungen. Die Wohnungen sind zwischen 1½- und 5½-Zimmer gross und richten sich an Menschen in allen Lebensphasen – von Singles über Familien bis zu Seniorinnen und Senioren. Das vielfältige Wohnangebot soll eine soziale Durchmischung fördern und das Quartier beleben.

    Ruhiger Innenhof als Herzstück der Siedlung
    Die spezielle Geometrie der Parzelle führt zu einer rautenförmigen Anordnung der Gebäude, die einen rund 6’800 m² grossen, begrünten Innenhof umschliessen. Er fungiert als Zentrum der autofreien Siedlung und bietet Raum für Begegnung und Erholung – geschützt vor dem Lärm der umgebenden Verkehrsachsen. Die versetzt angeordneten Wohnbauten sorgen zudem für eine rhythmische Gliederung und schaffen architektonische Qualität sowie eine optimale Besonnung der Wohnungen.

    Autofrei und zentral erschlossen
    Ein zentrales Merkmal des Projekts ist seine konsequent verkehrsfreie Gestaltung. Die Erschliessung und sämtliche Parkierungsanlagen sind an einem zentralen Punkt gebündelt, wodurch das gesamte Wohnumfeld frei von motorisiertem Verkehr bleibt. Das erhöht die Sicherheit, schafft attraktive, lebenswerte Freiräume und entspricht den aktuellen Anforderungen an Wohn- und Städtebau.

    Signal für Standortentwicklung und Baukultur
    Gemeindepräsident Fritz Staub sieht im Erlenpark ein starkes Signal für die Gemeindeentwicklung. Kurz nach Inkrafttreten der Gesamtrevision der Nutzungsplanung NUP II zeige das Projekt exemplarisch, wie hochwertige, flächeneffiziente Wohnbauprojekte im Kanton Glarus umgesetzt werden können. Der Spatenstich erfolgte im April 2025. Die erste Bauetappe wird bis Sommer 2027 abgeschlossen, die zweite und dritte Etappe folgen bis Herbst 2028.

    Modernes Bauen mit Anspruch
    Die Planung und Umsetzung durch die FT3 Architekten AG folgt einer klaren architektonischen Haltung. Zur Strasse hin präsentieren sich die Gebäude geschlossen und kompakt, während sie sich zum Innenhof mit grosszügigen Balkonen öffnen. Die Staffelung der Geschosse unterstützt die natürliche Belichtung und verleiht den Gebäuden eine klare Struktur. Der Erlenpark ist damit ein gelungenes Beispiel für modernes, hochwertiges Bauen im Glarnerland. Ein Projekt mit Signalwirkung für die Standortentwicklung in ländlich geprägten Zentren.

  • Biäsche neu denken

    Biäsche neu denken

    Das Arbeitsgebiet Biäsche vereint Standortqualitäten, die in dieser Form selten sind. Direkt vor der Tür der Autobahnanschluss, ein Güterbahnhof und naturnahe Erholungsräume. Zwischen Gemeindegrenzen, Verkehrsachsen und Naturraum liegt ein Gebiet, das wirtschaftlich gedacht, intelligent geplant und nachhaltig genutzt werden soll. Die Parzellen befinden sich in öffentlicher, privater und kantonaler Hand. Eine Konstellation, die eine integrative Entwicklung erfordert.

    Von der Fläche zur Funktion
    Aktuell fehlt es an planungs- und baurechtlicher Reife. Ohne Erschliessung und Überbauungsplanung bleibt das Potenzial ungenutzt. Deshalb hat ein Testplanungsverfahren unterschiedliche Nutzungsszenarien und Erschliessungsstrategien geprüft. Ziel war es, einen klar positionierten, marktfähigen Wirtschaftsraum zu schaffen, der bereit ist für immissionsarme, wertschöpfungsintensive Betriebe. Die Etappierung dieser Entwicklung ist zentral. Nur mit flexiblen, anschlussfähigen Konzepten kann das Areal langfristig tragfähig erschlossen werden.

    Ein Standort, viele Interessen
    Im Teilgebiet Unterflechsen hält die Gemeinde Glarus Nord 3.8 ha unbebaute Arbeitszonenfläche. Der Kanton Glarus besitzt im angrenzenden Mittelflechsen weitere 2.7 ha. Für dieses Gebiet bestehen konkrete Interessen. Eine Lachszucht und eine neue Strafanstalt stehen zur Diskussion. Ergänzt wird die Fläche durch private Grundstücke sowie bestehende Nutzungen. Diese Vielfalt macht die räumliche Koordination zur planerischen Schlüsselaufgabe.

    Infrastruktur als Entwicklungstreiber
    Verkehrstechnisch ist Biäsche ideal positioniert. Das Gebiet ist durch nationale Verkehrsachsen von SBB und ASTRA erschlossen. Eine zukunftstaugliche Entwicklung setzt jedoch voraus, dass MIV, ÖV, Fuss- und Veloverkehr sowie Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen aufeinander abgestimmt und vorausschauend geplant werden. Nur so kann ein Standort entstehen, der ökonomisch attraktiv und ökologisch verantwortungsvoll ist.

    Richtprojekt als Schlüssel zum Fortschritt
    Nachdem die Testplanung Arealentwicklung Biäsche im Juni 2023 abgeschlossen wurde, werden im Rahmen einer Synthese-Phase bis August 2025 die Konzepte von Ernst Niklaus Fausch Partner AG und Studio Vulkan Landschaftsarchitektur AG als Resultat der Testplanung zu einem Richtprojekt weiterentwickelt. Das Richtprojekt fasst im Sinne einer Synthese die von den Unterzeichnenden als richtig erachteten Parameter der Arealentwicklung zusammen und zeigt in den Grundzügen auf, wie sich das Areal kurz-, mittel- bis langfristig entwickeln soll. Dieses dient als Grundlage für das anschliessende Überbauungsplan- und Perimeterverfahren.

  • Der Wohnpark Glarus Südsetzt neue Massstäb

    Der Wohnpark Glarus Südsetzt neue Massstäb

    Mitten im Glarnerland, eingebettet in die alpine Landschaft und mit direkter S-Bahn-Anbindung nach Zürich, nimmt ein wegweisendes Projekt Gestalt an. Der Wohnpark Glarus Süd ist bereit für die Realisierung. Die Baubewilligung liegt vor, das Konzept steht und das Umfeld ist ideal erschlossen. Auf dem Areal befinden sich bereits heute ein etabliertes Gesundheits- und Präventionszentrum, ein Café, ein Coiffeur- und Kosmetiksalon sowie vielseitig nutzbare Eventflächen. Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Spitexdienste und die Bahn nach Braunwald liegen in Gehdistanz. Die Lage kombiniert naturnahes Wohnen mit urbaner Anbindung.

    Ein Pionierprojekt für neue Lebensformen
    Im Fokus des Projekts steht das Mehrgenerationen-Wohnen, ergänzt durch Co-Living und Co-Working-Angebote. Die 51 Wohnungen sind Teil eines ganzheitlichen Konzepts, das auf soziale Durchmischung, Begegnung und gemeinsame Nutzung ausgerichtet ist. Der Wohnpark wird CO2-neutral betrieben. Die Energie stammt aus eigener Produktion. Das Konzept greift zentrale Herausforderungen wie den demografischen Wandel, den Klimaschutz und den zunehmenden Bedarf an flexiblen Lebens- und Arbeitsformen auf und bietet gleichzeitig attraktive Perspektiven für Investoren, die auf werthaltige, gesellschaftlich relevante Projekte setzen.

    Erfahrung trifft Vision
    Hinter dem Projekt steht die Hacontex AG aus Zollikon. Das Unternehmen mit Wurzeln in der Textilindustrie hat sich in den letzten Jahrzehnten konsequent transformiert. Heute ist Hacontex in der nachhaltigen Energieproduktion und Immobilienentwicklung tätig. Geschäftsführer Hans-Peter Keller und sein Team setzen auf unternehmerischen Mut, regionale Verankerung und wirtschaftliche Weitsicht. Mit Projekten in der Zürcher Agglomeration, im Kanton Schwyz und im Glarnerland adressiert das Unternehmen zukunftsgerichtete Themen, stets im Spannungsfeld von Natur, Technik und Gesellschaft.

    Ein Projekt mit Signalwirkung
    Der Wohnpark Glarus Süd ist mehr als ein Immobilienvorhaben. Er ist ein Impuls für die Region und ein Modell für die nachhaltige Transformation des ländlichen Raums. Mitten in den Bergen entsteht ein Ort für alle Generationen, für Arbeit, Gesundheit, Gemeinschaft und Innovation. Die Kombination aus moderner Infrastruktur, lokaler Verankerung und ökologischer Verantwortung macht das Projekt zu einem Investitionsziel mit langfristigem Mehrwert.

    Mit der Baureife steht der Startschuss unmittelbar bevor. Jetzt wird ein Investor gesucht, der die Vision teilt und den Mut hat, auf ein Projekt zu setzen, das Zukunft nicht nur verspricht, sondern baut.

  • Vom Industriegelände zum Gartenquartier

    Vom Industriegelände zum Gartenquartier

    Das Kartoni-Quartier zeigt, wie visionäre Stadtentwicklung gelingen kann. Auf einem ehemaligen Industrieareal entsteht ein begrüntes Wohnquartier mit rund 150 Wohnungen, ergänzt durch Dienstleistungs- und Kulturangebote. Was heute noch als Planungsskizze vorliegt, soll sich in mehreren Etappen zu einem vielfältigen Lebensraum entfalten, der offen ist für alle Generationen und Lebensentwürfe. Die historische Kulisse von Glarus bildet dabei nicht nur den Rahmen, sondern wird durch moderne Architektur und nachhaltige Bauweise weitergedacht.

    Stadt und Land neu verbunden
    Glarus ist mehr als nur der Hauptort des Kantons, es ist ein Lebensgefühl. Nur eine Stunde von Zürich oder St. Gallen entfernt, bietet Glarus urbane Dichte und gleichzeitig naturnahe Erholung. Das Kartoni-Quartier verstärkt diese Qualität. Es schlägt eine Brücke zwischen dem Ortsteil Ennenda und dem Stadtzentrum, schafft räumlich wie sozial neue Wege und Begegnungsorte. Die 2011 erfolgte Gemeindefusion erhält damit eine architektonisch greifbare Dimension.

    Wasser als verbindendes Element
    Die Linth wird künftig zur Lebensader des Quartiers. Wo früher versiegelte Flächen dominierten, entsteht ein öffentlicher Uferraum mit direktem Zugang zum Wasser. Der renaturierte Kanal verwebt sich mit der Flusslandschaft und schafft ein spielerisches Pendant zur strukturierten Gestaltung des nahegelegenen Volksgartens. Der Ort wird zum Treffpunkt für Spaziergänge, Erholung und gemeinsames Erleben.

    Autofreies Gartenquartier
    Das Kartoni-Quartier setzt auf eine unterirdische Lösung bei der Mobilität. Direkt nach der Linthbrücke führt eine Zufahrt in eine grosszügige Tiefgarage, wodurch das gesamte Quartier oberirdisch autofrei bleibt. Was entsteht, ist ein Gartenquartier, das offen, begrünt und von Wegen durchzogen ist. Die autofreie Gestaltung fördert nicht nur Ruhe und Sicherheit, sondern setzt ein starkes Zeichen für eine neue Art des Zusammenlebens in verdichteten Räumen.

    Mut zur Etappe und ein Plan mit Vision
    Die Entwicklung des Quartiers folgt keinem starren Zeitplan, sondern reagiert flexibel auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Derzeit laufen mehrere Planungsstränge parallel: vom Hänggiturm über Wohnflächen bis hin zur Integration einer Musikschule. Der bereits genehmigte Überbauungsplan wird dabei an neue Anforderungen angepasst, insbesondere in Bezug auf das angrenzende Dorfbachprojekt in Ennenda.

  • Eigentümerpartizipation «Ziegelbrückstrasse» in Glarus Nord 

    Eigentümerpartizipation «Ziegelbrückstrasse» in Glarus Nord 

    Die Gemeinde Glarus Nord möchte Bauherren dazu motivieren, bei komplexeren Bauprojekten partizipative Verfahren durchzuführen. Ihr «Leitfaden Mitwirkung und Kommunikation für Planungsprozesse» skizziert für unterschiedliche Planungssituationen, wie Bedürfnisse der Bevölkerung und künftiger Nutzer frühzeitig antizipiert werden können. Um als gutes Beispiel voranzugehen, initiierte die Gemeinde für das bauliche Verdichtungsgebiet «Ziegelbrückstrasse» zwischen dem Bahnhof Ziegelbrücke, dem Jennyareal und dem Dorfkern Niederurnen einen partizipativen Prozess: Sie involvierte die betroffenen Eigentümer zwischen Oktober 2024 und Februar 2025 in die Erarbeitung eines Leitbildes, das als Grundlage für die Ausarbeitung eines Rahmenplans für das Gebiet diente.  

    Rahmenbedingungen für die Entwicklung gestalten 
    Mit dem Leitbild sollte das bauliche Mass und die Nutzungsmischung definiert werden. Weil das Gebiet zu den dorftbildprägenden Verdichtungs- und Aufwertungsgebieten gehört, standen auch qualitative Eckpunkte einer Entwicklung, die dem Charakter und der Geschichte des Gebiets gerecht werden, zur Diskussion. Die Gemeinde sah auch die öffentliche Hand in der Pflicht, und hielt deshalb die Erwartungen an die Gestaltung und Aufwertung der Kantonsstrasse fest, die durch das Gebiet führt. Damit stellt sie sich mit einer breit abgestützten Grundlage für den Austausch mit dem Kanton auf, der für die Sanierung der Strasse verantwortlich ist. 

    Das gemeinsam erarbeitete Leitbild diente der Gemeinde als Grundlage für einen behördenverbindlichen Rahmenplan. Der Rahmenplan wiederum definiert die Leitlinien, wie in Zukunft mit der neuen eigentümerverbindlichen Nutzungsplanung entlang der Ziegelbrückstrasse gebaut werden darf. Die involvierten Eigentümer gestalteten mit ihrer Mitwirkung beim Leitbild mit, wie und was sie künftig auf ihren Grundstücken bauen können. 

    Ein schlanker Mitwirkungsprozess 
    Die Eigentümer im Gebiet wurden eingeladen, an zwei Abendveranstaltungen mit der Gemeinde teilzunehmen. Der erste Abend diente der Information und Mitwirkung, der zweite der Präsentation der Ergebnisse. Über 56 Eigentümer von 127 Parzellen nahmen die Gelegenheit wahr und beteiligten sich selbst oder mit einer Stellvertretung an den Veranstaltungen. 

    Im ersten Workshop erhielten sie Einblick in das vorgesehene Planungsinstrument und wurden zu verschiedenen Varianten zu den künftigen Entwicklungsmöglichkeiten konsultiert. Mit der Priorisierung der Varianten konnten sie die Entscheidung zum erwünschten Leitbild beeinflussen. Im zweiten Workshop präsentierte die Gemeinde den auf Basis der erwünschten Variante erarbeiteten Rahmenplan.  

    Ein lohnender Aufwand für die Gemeinde 
    Partizipative Prozesse sind aufwändig, sie kosten Zeit, Geld und politisches Kapital. Für die Gemeinde lohnte sich der aufwändige Weg, weil sich damit die Chancen erhöhen, dass Eigentümer aktiv werden: Mit der frühzeitigen Information über mehr bauliche Möglichkeiten können sie ihre Investitionsplanung anpassen und allfällige bereits vorhandene Absichten auf die Entwicklungsabsichten der Gemeinde abstimmen.  

    Die Diskussion um das Leitbild trägt dazu bei, Eigentümer auf ein gemeinsames Zukunftsbild des Verdichtungs- und Entwicklungsgebiets auszurichten und ihnen zu vermitteln, dass Themen wie die Adressierung von Gebäuden auf die Strasse, die Körnigkeit der Bebauung, die Ausbildung des Sockelgeschosses oder die Materialisierung nicht nur Privatsache sind, sondern auch eine Wirkung auf das Quartierbild haben, und damit die Attraktivität und den Wert des Standorts für alle beeinflussen.  

    Der partizipative Prozess bot der Gemeinde die Gelegenheit, auf ihre Bauberatung aufmerksam zu machen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Grundeigentümer mit Investitionsabsichten ihre Planungen zu einem frühen Zeitpunkt mit der Gemeinde besprechen und abstimmen, bevor sie ein kaum mehr anpassbares Vor- oder Bauprojekt ausgearbeitet haben. Im besten Fall regt der Prozess einige Eigentümer an, grösser zu denken und Kooperationen mit anderen Grundeigentümern einzugehen oder Themen wie die Bereitstellung von Parkplätzen bei Bauprojekten gemeinsam anzugehen. 

    Die Gemeinde konnte die Veranstaltungen auch dazu nutzen, Aufwertungen auf öffentlichem Grund mit den Bedürfnissen und Vorstellungen der Eigentümer abzustimmen und zu testen, welche Akzeptanz Massnahmen wie begrünte Mittelstücke auf der Strasse oder eine Temporeduktion auf gewissen Strassenabschnitten haben. 

    Mehr Planungssicherheit für Grundeigentümer 
    Partizipative Prozesse kosten auch die Teilnehmenden Zeit. Im Fall Ziegelbrückstrasse lohnte sich der Aufwand für die Eigentümer allein deshalb, weil sie über die Mitwirkung am behördenverbindlichen Rahmenplan Entscheidungen zu grundeigentümerverbindlichen Themen beeinflussen konnten: die Grundsatzfrage zur Ausgestaltung der mit der neuen Nutzungsplanung möglichen Dichte und Nutzungsmischung. Der Rahmenplan bietet den Eigentümern zudem mehr Planungssicherheit, da er die Gleichbehandlung im Bewilligungsprozess stärkt.  

    Im Rahmen des Prozesses erhielten die Eigentümer ein besseres Verständnis davon, was die Erwartungen der Gemeinde an bauliche Entwicklungen sind, und konnten sich inspirieren, welche Beiträge sie neben baulichen Entwicklungen an die Quartiersaufwertung leisten können – beispielsweise mit der Gestaltung der Gärten und Strassenvorzonen oder kleineren Erneuerungsprojekten. Mit der Gelegenheit, sich an der Veranstaltung über die Pläne der Nachbarinnen und Nachbarn zu informieren, erhalten Eigentümer schliesslich mehr Sicherheit darüber, dass sie mit ihren Investitionen nicht allein handeln.

  • Bau einer Solaranlage auf 2000 Metern

    Bau einer Solaranlage auf 2000 Metern

    Der Bau des Projekts Madrisa Solar von Repower, den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) und der Gemeinde Klosters hat entsprechend einer gleichlautenden Mitteilung der Partner begonnen. Auf rund 2000 Meter Höhe entsteht oberhalb von Klosters eine Solaranlage mit 12 Megawatt Produktionsleistung. Sie soll pro Jahr rund 17 Gigawattstunden Strom liefern. Über 40 Prozent davon sollen im Winter anfallen. Der produzierte Strom wird von EKZ für die Kundschaft im eigenen Versorgungsgebiet und die Klosters-Madrisa Bergbahnen abgenommen.

    Nachdem sich die Bevölkerung der RGemeinde Klosters im Oktober 2023 für Madrisa Solar ausgesprochen hatte, starteten im Herbst 2024 die ersten Vorarbeiten. Mit der Planung und Umsetzung von Madrisa Solar konnten vorwiegend regional ansässige Unternehmen beauftragt werden. Bis Ende 2025 sollen rund 15 Prozent der Anlage in Betrieb genommen werden. Die vollständige Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant.

    «Nach einer intensiven Planungsphase und nach einem anspruchsvollen Genehmigungsverfahren mit vielen involvierten Parteien erfüllt uns der Start mit grosser Befriedigung», wird Michael Roth, Leiter Produktion & Netz bei Repower und Mitglied der Geschäftsleitung, zitiert. Paul Sidler, der Leiter Erneuerbare Energien bei EKZ, bezeichnet Madrisa Solar als «ein weiteres Engagement für eine sichere und nachhaltige Stromversorgung in der Schweiz. Zudem leistet dieses komplexe Pionierprojekt einen wichtigen Beitrag für den dringend benötigten Winterstrom.»

  • Wie Glarus zu einem architektonischen Juwel wurde

    Wie Glarus zu einem architektonischen Juwel wurde

    Als der Kunsthistoriker und Diplomat Gustav Schneeli im Jahr 1942 auf der Suche nach einem Ort für ein eigenes Museum war, fand er in Glarus den passenden Boden. Der Kunstverein Glarus, der sich seit Jahrzehnten mit der Idee eines eigenen Hauses befasste, erkannte die Gelegenheit zur Zusammenarbeit. Schneeli stellte seine vom Symbolismus und Impressionismus beeinflussten Werke zur Verfügung und versprach 250’000 Franken für eine Stiftung. Der Grundstein für das heutige Kunsthaus.

    Architektonische Klarheit mit Weitblick
    Nach Schneelis Tod im Jahr 1944 entwickelte der Architekt Hans Leuzinger ein Projekt von bemerkenswerter Konsequenz. Der Weg führte von klassischen Ansätzen über zahlreiche Varianten bis hin zu einer fein abgestimmten Lichtführung. Skandinavische Einflüsse, sorgfältige Ortsbesichtigungen und gestalterischer Weitblick formten ein Bauwerk, das sich bewusst von monumentalem Repräsentationswillen distanzierte und sich sensibel in den Glarner Talkessel einfügte.

    Politische Hürden, geduldige Verhandlungen
    Die Umsetzung verlief alles andere als geradlinig. Standortstreitigkeiten, kriegsbedingte Verzögerungen, kritische Stimmen aus der Verwaltung und der Erbengemeinschaft sowie ein drohender Rückzug der Stiftung stellten das Projekt mehrfach infrage. Erst durch diplomatisches Geschick, architektonische Überzeugungskraft und unermüdliches Engagement konnte am letztmöglichen Tag, dem 15. Juli 1950, mit dem Bau begonnen werden.

    Kunst und Architektur als Zeichen der Zeit
    Mit der Eröffnung im Jahr 1952 gelang nicht nur ein architektonischer Wurf, sondern auch ein starkes Signal für den Kulturstandort Glarus. In einem schlichten, aber ausdrucksstarken Gebäude manifestiert sich eine kulturelle Haltung, die bis heute nachwirkt. Die Recherchen von Architekt Reto Fuchs zeigen dieses Meisterwerk und seine bewegte Baugeschichte. Das Kunsthaus Glarus steht für eine meisterliche Architektur, für den Mut zur Haltung und die Idee, Kultur im ländlichen Raum gross zu denken.

  • Neues Gerichtsgebäude für Kreisgericht St.Gallen

    Neues Gerichtsgebäude für Kreisgericht St.Gallen

    Seit 1996 ist das Kreisgericht St. Gallen auf zwei Standorte verteilt. Eine Lösung, die nie für die Dauer gedacht war. Während die Büros in der Liegenschaft Bohl 1 untergebracht sind, finden die Gerichtssitzungen an der Neugasse 3/5 statt. Diese Teilung erschwert nicht nur die Arbeitsabläufe, sondern entspricht auch nicht mehr den heutigen Anforderungen an Sicherheit und Funktionalität. Mit dem geplanten Umzug in die Liegenschaft Schützengasse 1 soll das Gericht nun endlich ein modernes und zusammenhängendes Zuhause erhalten.

    Ein Gebäude für die Zukunft
    Die Schützengasse 1 befindet sich im Besitz des Kantons St. Gallen und wird für den neuen Zweck umfassend instandgesetzt und energetisch saniert. Die Machbarkeitsstudie hat bestätigt, dass sich das Gebäude optimal für die Bedürfnisse eines modernen Gerichtsbetriebs eignet. Durch die Zusammenführung aller Dienstleistungen an einem Standort können nicht nur die Arbeitsabläufe vereinfacht, sondern auch die Sicherheitsanforderungen zeitgemäss umgesetzt werden. Die heutige Mietlösung an der Neugasse 3/5 wird damit obsolet, was langfristig finanzielle Vorteile für den Kanton bringt.

    Finanzierung und Kosten im Überblick
    Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 27 Millionen Franken. In diesem Betrag sind 8,5 Millionen Franken für den Übertrag der Liegenschaft vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen enthalten. Die eigentlichen Kosten für die Instandsetzung und Umnutzung des Gebäudes betragen laut Grobkostenschätzung 19,5 Millionen Franken. Diese Investition wird ergänzt durch eine einmalige Entschädigungszahlung der Stadt St. Gallen in Höhe von 780’000 Franken. Der Wegfall der Mietkosten für die Neugasse 3/5 sorgt zudem für eine nachhaltige Entlastung der kantonalen Finanzen.

    Baubeginn und Zeitplan
    Das Bauvorhaben soll im Jahr 2027 starten. Die Fertigstellung und der Bezug sind für Ende 2028 geplant. Damit wird das Kreisgericht St. Gallen in absehbarer Zeit über ein Gebäude verfügen, das nicht nur den heutigen Anforderungen entspricht, sondern auch künftigen Entwicklungen im Justizbereich Rechnung trägt.

    Das grösste Kreisgericht des Kantons
    Mit jährlich rund 3’300 Gerichtsverfahren ist das Kreisgericht St. Gallen das bedeutendste der sieben Kreisgerichte des Kantons. Es behandelt Fälle in den Bereichen Zivil- und Strafrecht und verfügt über ein eingespieltes Team von aktuell 43 festangestellten Mitarbeitenden. Dazu zählen Kreisrichterinnen und Kreisrichter, Gerichtsschreiberinnen und Gerichtsschreiber sowie Kanzleipersonal und Auditorinnen und Auditoren. Bei der Behandlung der Fälle wirken zudem 14 nebenamtliche Kreisrichterinnen und Kreisrichter mit. Für diese umfassenden Aufgaben braucht es eine Infrastruktur, die den heutigen Anforderungen an Effizienz, Sicherheit und Flexibilität gerecht wird.

    Sicherheit als integraler Bestandteil
    Neben der Zusammenlegung der Standorte ist vor allem das Sicherheitsdispositiv ein zentrales Element des Projekts. Gerichtsbetriebe müssen heute hohen Standards genügen, um die Integrität von Verfahren und den Schutz aller Beteiligten sicherzustellen. Die neue Liegenschaft wird so umgebaut, dass diese Anforderungen erfüllt und alle sicherheitsrelevanten Aspekte berücksichtigt werden können.

    Ein Gewinn für alle Beteiligten
    Der geplante Umzug des Kreisgerichts St. Gallen bedeutet nicht nur eine Aufwertung für den Justizstandort, sondern auch eine nachhaltige Investition in die Qualität und Zukunftsfähigkeit des kantonalen Gerichtswesens. Die Optimierung der Abläufe, die Modernisierung der Infrastruktur und die energetische Sanierung sind Schritte hin zu einem effizienten und ressourcenschonenden Betrieb. Gleichzeitig profitieren die Verfahrensparteien von einer zeitgemässen Umgebung, die Verhandlungen und Abläufe in einem angemessenen Rahmen ermöglicht.

  • Masterplan für das Jenny-Areal

    Masterplan für das Jenny-Areal

    Das rund 30 ha grosse Jenny-Areal der Fritz + Caspar Jenny AG ist tief in der Industriegeschichte des Glarnerlands verankert. Wo seit 1834 Textilproduktion stattfand, entsteht heute ein vielschichtiger Ort mit neuer Perspektive. Die Nähe zum Bahnhof Ziegelbrücke, die Grösse des Geländes und die vorhandene Infrastruktur machen das Areal zu einem Schlüsselstandort für die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung im Kanton.

    Planung mit Weitblick und Partizipation
    Im Rahmen eines mehrstufigen Prozesses wurde ein strategischer Masterplan erarbeitet, basierend auf einer umfassenden Testplanung mit vier interdisziplinären Teams. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine langfristige Entwicklung, die auf regionale Raumordnung, wirtschaftliche Potenziale und soziale Vielfalt abgestimmt ist. Der Siegerentwurf von Blättler Dafflon Architekten mit Tony Fretton Architects und Studio Vulkan überzeugte durch seine starke Verbindung von Natur, Baukultur und offenen Freiräumen.

    Vielfältige Nutzung als Standortstrategie
    Bereits heute vereint das Areal verschiedene Nutzungen. Von der Carlsberg Supply Company über kreative Arbeits- und Wohnformen wie das Loft Z25 bis zur kantonalen Berufsschule Glarus. Der Masterplan baut auf dieser Vielfalt auf und erweitert sie um neue Bildungs-, Dienstleistungs- und Wohnangebote. Auch ein Hotelprojekt wird geprüft. Ziel ist es, das Jenny-Areal als Wirtschafts-, Wohn- und Lernort dauerhaft zu etablieren und nachhaltig zu beleben.

    Baukultur als identitätsstiftendes Element
    Zentral für die Entwicklung ist der respektvolle Umgang mit dem baukulturellen Erbe. Das Areal gehört zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Bestehende Gebäude von architektonischer und historischer Bedeutung sollen erhalten und gezielt integriert werden. Der denkmalgeschützte Reitstall etwa soll als prägendes Element das neue Arealkonzept bereichern und zur Identität des Orts beitragen.

    Rechtliche Rahmenbedingungen im Fokus
    Die Umsetzung des Masterplans setzt eine angepasste Nutzungsplanung voraus. Aktuell wartet das Projekt auf die Rechtskraft der Nutzungsplanung II der Gemeinde Glarus Nord. Erste Schritte zur Umzonung sind erfolgt, doch zentrale rechtliche Voraussetzungen stehen noch aus. Mit dem Abschluss dieses Prozesses kann das Entwicklungspotenzial des Jenny-Areals vollständig erschlossen werden . Ein entscheidender Schritt für die Zukunft des Standorts.

  • Wirtschaftsstandort und Lebensraum Kanton Glarus – Ein echt sagenhaftes Lebensgefühl

    Wirtschaftsstandort und Lebensraum Kanton Glarus – Ein echt sagenhaftes Lebensgefühl

    Der Kanton Glarus hat eine lange industrielle Tradition. Welche Impulse setzen Sie, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen?
    Der Kanton Glarus ist seit jeher ausgesprochen wirtschaftsfreundlich. Als einer der ersten Schweizer Kantone regelten wir die Wirtschaftsförderung (1978) gesetzlich. Zudem ist Glarus mit dem Fabrikgesetz (1864) und der obligatorischen Altersversicherung (1916) Schweizer Pionier in der Sozialgesetzgebung. Vor diesem Hintergrund ist das Glarnerland traditionell ein moderner Unternehmensstandort mit wettbewerbsfähigen Vorteilen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die vielleicht erst auf den zweiten Blick auffallen. Zum Beispiel ist das Glarnerland gross genug, um Unternehmen genügend Platz zu bieten, aber auch klein genug, um schnell und unbürokratisch Entscheidungen zu treffen. Die Kontaktstelle für Wirtschaft unterstützt sowohl Unternehmensgründer als auch bestehende Unternehmen oder Firmen, die sich neu ansiedeln möchten, pragmatisch und verlässlich. In unseren drei schweizweit vorbildlich fusionierten Grossgemeinden finden Investoren günstige Immobilien und Arbeitgeber gut ausgebildete, motivierte Mitarbeiter, die gerne in einer intakten Umwelt mit den Vorteilen eines modernen Umfelds leben.

    Wie fördert das Volkswirtschaftsdepartement innovative digitale Geschäftsideen?
    Die Möglichkeiten der digitalen Transformation dienen einerseits dazu, Prozesse und Produkte neu zu gestalten, sie bilden andererseits aber auch die Basis für die Kreislaufwirtschaft. Dabei geht es sowohl um mehr Ressourceneffizienz als auch um Datenmanagement. Dadurch wissen die Mitarbeitenden von morgen, welche Materialien mit welchen Prozessen verbaut wurden. Eine weitere Chance sind die Lieferketten: Neue digitale Prozesse ermöglichen eine robustere, effizientere und transparentere Supply Chain. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir die digitale Transformation in der Glarner Wirtschaft mit Digitalisierungskrediten. Im Förderprogramm stehen bis Ende 2027 zwei Millionen Franken bereit. Gefördert werden innovative Projekte, die neue Technologien in Prozessen und Produktionen berücksichtigen, neue Produkte und Geschäftsmodelle schaffen sowie Kooperationen aufbauen. Konkret führen wir mit der Expertise des Innovationsnetzwerks Ostschweiz (INOS) in teilnehmenden Betrieben eine IST-Analyse durch. Die Analyse wird durch die neue Regionalpolitik (NRP) finanziert und beinhaltet eine Standortbestimmung inklusive Massnahmenplan und Roadmap zur Umsetzung. Diese Grundlagen braucht es für das Gesuch nach finanzieller Unterstützung bis zu 100’000 Franken für einzelbetriebliche und 300’000 Franken für überbetriebliche und/oder branchenweite Projekte.

    Wie wird sich der Immobiliensektor Ihrer Meinung nach im Bereich Industrie und Gewerbe entwickeln?
    Der Druck der Agglomeration ist im Glarnerland spürbar. Das Bevölkerungswachstum ist aber moderat, was einer nachhaltigen Entwicklung entgegenkommt. Bei den Industrie- und Gewerbeflächen verfügt die Gemeinde Glarus Nord über besonders hohe Kapazitäten, die aktuell am Standort Bilten mit mehreren Projekten genutzt werden. Wir setzen mit aktivem Flächenmanagement auf eine nachhaltige Entwicklung mit qualitativen Projekten bei Industrie und Gewerbe.

    Welche Trends sehen Sie in der Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Bereich Wohnen?
    Neubauprojekte im Wohnbereich werden zum Grossteil in den Gemeinden Glarus und Glarus Nord umgesetzt. Das hat auch mit den Nutzungsplanungen zu tun, die dank der Gemeindefusion einen gesamtheitlichen und fortschrittlichen Blick einnehmen können. In Glarus Süd befindet sich die Nutzungsplanung noch im anspruchsvollen politischen Prozess, der auch vom Kanton begleitet wird.

    Wie können Sie sicherstellen, dass die Entwicklung des Immobilienmarkts den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht?
    Wer in einem unserer 29 Dörfer, Ortschaften oder Ortsteilen lebt, schätzt die Eigenheiten seines Wohnorts. Diese zeigen sich zum Beispiel in der Lage oder im Vereinsleben. So lebt es sich in Elm oder Braunwald völlig anders als im Kantonshauptort oder in Näfels. Und dort wieder anders als auf dem Kerenzerberg oder am Walensee. Das schafft Identität und Verbundenheit; dadurch bleiben die Menschen hier. Das deckt sich mit dem moderaten Tempo des Bevölkerungswachstums und den vergleichsweise stabilen Immobilienpreisen.

    Wie können Sie sicherstellen, dass sich Ihr Immobilienmarkt nachhaltig entwickelt?
    Mit unserer einzigartigen Kombination aus Naturverbundenheit und urbaner Nähe, mit der überschaubaren Grösse und dem kompakten Lebens- und Wirtschaftsraum punktet das Glarnerland. Das A und O ist deshalb ein sorgfältiger Umgang mit diesen Vorteilen – sie sind unsere Ressourcen, unser Kapital.

    Welche Infrastrukturprojekte von ASTRA und SBB sind geplant und welche Verbesserungspotenziale erkennen Sie?
    Das Glarnerland wird als ländliche Region wahrgenommen, hat aber durch seine Lage zwischen Zürich und Chur sehr gute Verkehrsanbindungen. Die Stadt Zürich und der Flughafen sind mit Auto oder Zug nur eine Stunde entfernt, eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen führt durch den Kanton, und Privatflugzeuge und -helikopter können in Mollis starten und landen.

    Natürlich setzt sich auch der Kanton Glarus mit den zunehmenden Mobilitätsanforderungen auseinander. In den letzten Jahren hat der Kanton drei von vier grösseren Strassenbauprojekten umgesetzt, um insbesondere den Entwicklungsschwerpunkt Flugplatz Mollis zukunftsgerichtet zu erschliessen. Das vierte Projekt zur optimierten Erschliessung des Industriegebiets im Süden der Gemeinde Glarus steckt in der Planungsphase. Zentrum unserer Bemühungen ist die enge Zusammenarbeit mit dem Bund bei den Umfahrungsprojekten zur Entlastung der heutigen Hauptachse. Vom Bund haben wir die Zusicherung, die Umfahrungen Netstal und Glarus zu einem Gesamtprojekt unter Federführung des ASTRA zu vereinen. Ziel ist, den Kanton Glarus umfassend von den Strassenverkehrsproblemen zu entlasten.

    Beim öffentlichen Verkehr haben wir seit der Landsgemeinde 2025 eine neue gesetzliche Grundlage für das künftige öV-Angebot. Schon heute ist unsere Region mit Direktverbindungen nach Zürich und Rapperswil sowie mit Umsteigevarianten in Ziegelbrücke nach St. Gallen, Chur und Zürich gut erschlossen. Auf diesen Komfort und den an der Landsgemeinde 2025 beschlossenen durchgehenden Halbstundentakt sind unsere Bevölkerung und Unternehmen angewiesen. Dafür setzen wir uns beim Bund und in der Zusammenarbeit mit SBB und SOB konsequent ein. Mit den Firmen kooperieren wir aktiv, um für Mitarbeitende das Pendeln mit dem öV attraktiver zu gestalten – zum Beispiel schafft der Bonus-Pass Anreize, um vom Auto auf den öV zu wechseln.

    Eine zentrale Rolle bei der Mobilität spielen auch die kurzen Wege in und zwischen unseren Ortschaften. Zum Beispiel dauert die Velofahrt von Näfels, Glarus Nord, oder von Schwanden, Glarus Süd, bis zum Kantonshauptort nur 20 Minuten. Dem Trend zum Velo trägt auch das kantonale Veloweggesetz Rechnung, das die Landsgemeinde 2024 beschlossen hat.

    Wie trägt die Standortförderung dazu bei, Glarus als lebenswerte und zukunftsorientierte Region zu präsentieren?
    Der Kanton Glarus erreicht die dritthöchste finanzielle Wohnattraktivität: Neben geringen Wohnkosten bieten wir eine moderate Steuerbelastung und vergleichsweise geringe Krankenkassenprämien. Das sind unsere grossen Pluspunkte bei den finanziellen Faktoren. Dazu kommt die hohe Qualität des Lebensraums, der die Vorteile des Ländlichen mit urbanen Angeboten kombiniert. Das zeigt sich schon auf den ersten Blick bei der Ankunft im Kanton Glarus. Zusammen mit der eindrücklichen Bergwelt prägen die Zeitzeugen der frühen Industrialisierung das Landschaftsbild und Leben in unserem Kanton. Die historischen Industrieareale, Fabrikantenvillen und Arbeitersiedlungen aus dem 19. Jahrhundert und eben die Landschaft sind nicht umsonst auch Kulisse für Filme und TV-Serien. Im Alltag der Menschen zeigt sich das in einem kontrastreichen und lebendigen Umfeld mit zeitgenössischen Siedlungen für Fachkräfte und Familien, die Leben, Arbeiten, Kultur und Freizeit in unseren modernen Gemeinden schätzen.
    Unter diesen Gesichtspunkten betreibt Glarus seit über zehn Jahren aktives und gezieltes Kantonsmarketing. Dieses Jahr nutzen wir unsere Rolle als Gastgeberin des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests (ESAF), um den Kanton Glarus als Lebensmittelpunkt ins Rampenlicht zu stellen. Mit dem bevorstehenden Grossanlass richtet sich der Blick der ganzen Schweiz auf das Glarnerland. Unter dem Motto «Echt sagenhaft» stehen die Themen Arbeiten, Wohnen und Freizeit im Zentrum. Das Gesicht der Kampagne ist der beliebte Glarner Koch und Influencer Noah Bachofen. Er und sein Kollege werden auf ihrer Mission begleitet, einen authentischen Imagefilm über das Glarnerland zu kreieren. Die Kampagne zielt darauf ab, das einzigartige Glarner Lebensgefühl sichtbar und schmackhaft zu machen.

    Wieso bleiben Fachkräfte in der Region und was trägt die Standortförderung dazu bei?
    Natürlich reicht eine gute Kampagne allein noch nicht aus. Einen grossen Beitrag an die hohe Lebensqualität leisten die kommunalen Standortförderungen. Sie entwickeln ihren Wohn- und Freizeitraum mit neuen Projekten und in Zusammenarbeit mit Investoren weiter – Beispiele sind die optimal erschlossenen Entwicklungsschwerpunkte an den Bahnhöfen Näfels/Mollis und Glarus. Die Gemeinden sorgen für zeitgemässe Schulen und familienergänzende Angebote, betreiben Sportanlagen und bieten Detailhandel, Gastronomie, medizinischer Versorgung, Industrie, Gewerbe und Kultur Platz für einen lebendigen und funktionierenden Alltag. Der Kanton stellt den Betrieb der Kantonsschule, der Sportschule sowie der Berufsfachschulen, des Kantonsspitals, der Sicherheit und der sozialen Dienste sicher. Die schlanken Verwaltungsstrukturen ermöglichen einen effizienten und direkten Austausch zwischen den kantonalen Fachstellen und den Verantwortlichen auf Gemeindeebene.

    Welche langfristige Vision haben Sie für den Wirtschaftsstandort Glarus?
    In den kommenden Jahren ist für den Kanton Glarus entscheidend, dass die angestossene Entwicklung koordiniert umgesetzt wird. Es gilt, die privaten Initiativen zu unterstützen und zu begleiten, und gleichzeitig die richtigen Rahmenbedingungen für Unternehmen und Fachkräfte zu schaffen. Wenn das gelingt, ist der Kanton Glarus ein sicherer, vernetzter und wirtschaftsstarker Landsgemeindekanton mit einer starken Mittelschicht, umgeben von intakter Natur.

    Zukunftsgerichtete und effiziente Strukturen sind entscheidend für den Erfolg einer Firma. Das gilt auch für die öffentliche Hand. Glarus ist der einzige Kanton, der seine eigenen Strukturen konsequent den neuen Gegebenheiten angepasst hat. Mit der heutigen sehr effizienten Verwaltung sind wir fit für die Zukunft.

  • immoTable Glarus zeigt Perspektiven für den alpinen Raum

    immoTable Glarus zeigt Perspektiven für den alpinen Raum

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    Monika Schärer eröffnete die Veranstaltung mit einem klaren Impuls. Die Region Glarus ist bereit, sich neu zu erfinden und als Modell für urbane Entwicklung im alpinen Raum zu dienen. Andreas Binkert, Architekt, Dozent und Verwaltungsrat der Nüesch Gruppe, führte die Gäste durch das Raumkonzept Schweiz 2050. Er betonte die Notwendigkeit polyzentraler Strukturen, vorausschauender Standortentwicklung und umweltgerechter Mobilitäts- und Energielösungen. Nach SIA brauche es eine gesamtschweizerische Entwicklungsstrategie bis 2070, die als verbindliche Grundlage für Priorisierung, Interessenabwägung und Investitionssicherheit dient.

    Smart Valley Glarus
    Im Zentrum stand die Frage, wie alpine Regionen wie Glarus vom Wandel profitieren können.  Die Vision eines «Smart Valley Glarus» wurde skizziert, nicht als künstlich geschaffene Stadt, sondern als clusterartig entwickeltes Raumgefüge mit hoher Dichte, gemischter Nutzung und nahtloser Integration bestehender Dörfer. Bildung, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und energieeffizientes Bauen bilden dabei die Grundlagen. Glarus könnte damit zur Pilotregion für eine alpine Smart City werden, in der nachhaltige Lebens- und Arbeitsformen entstehen.

    Standortqualität und Pioniergeist
    Marianne Lienhard, Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons, unterstrich in ihrem Gespräch den ausgeprägten Pioniergeist und die hohe Standortqualität. Der Kanton Glarus sei eine «industrielle Perle mit Bodenhaftung», die wirtschaftlich stark aufgestellt ist und gleichzeitig Raum für Lebensqualität, Erholung und Innovation bietet. Die Heterogenität der Ortschaften und die enge Verbindung der Bevölkerung zu ihren Wohnorten seien entscheidende Standortvorteile, die den sozialen Zusammenhalt stärken.

    Aktive Standortentwicklung
    Andreas Mächler von der kantonalen Kontaktstelle für Wirtschaft zeigte auf, wie aktiv Standortentwicklung betrieben wird. Dank revidierter Nutzungsplanung stehen in Glarus Nord mehrere Hektaren Bauland bereit. Gut erschlossen, zentral gelegen und deutlich günstiger als im Landesdurchschnitt. Unternehmen profitieren von attraktiven Rahmenbedingungen, kurzen Wegen zur Verwaltung und einer dynamischen Ansiedlungspolitik.

    Immobilienmarktanalyse
    Andrea Bernhard von Wüst und Partner analysierte die aktuelle Lage am Glarner Immobilienmarkt. Trotz wachsender Nachfrage und fast leergefegtem Angebot stagniert das Preisniveau im Vergleich zu anderen Regionen. Besonders in Glarus Süd ist die Neubautätigkeit gering, die Wohnsubstanz mehrheitlich überaltert. Doch genau hier liegen die Chancen. Verdichtung, flexible Bauzonen und eine gezielte Entwicklung könnten neue Impulse bringen, vorausgesetzt, es gelingt die Balance zwischen Wachstum und Identität.

    Real Estate Award
    Zum Abschluss präsentierte Tim Caspar von der Real Estate Award AG den kommenden Award-Anlass am 2. Oktober 2025. Mit über 400 Entscheidungsträgern, einer Gala und Preisverleihung in fünf Kategorien wird hier die Innovationskraft der Branche sichtbar gemacht. Ein starker Anknüpfungspunkt für alle, die Zukunft mitgestalten wollen.

    Der immoTable Glarus hat gezeigt, der Kanton steht am Beginn einer neuen Etappe. Mit einer klaren Haltung, einem offenen Blick für Kooperation und dem Mut zur Transformation kann Glarus zum Vorbild für nachhaltige Entwicklung im alpinen Raum werden, Als Raum für Investitionen, Innovationen und ein gutes Leben.

  • Glarus – echt sagenhaft

    Glarus – echt sagenhaft

    Auch auf anderen Ebenen, beispielsweise bei der Digitalisierung, ist der Kanton Glarus fortschrittlich. Mit der MINTGL Initiative wird bei Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gefördert. Die Abdeckung mit UHB-Internet über Mobilfunk oder Glasfaser hat stark zugenommen und wird kontinuierlich ausgebaut. Und die Wirtschaft profitiert von Förderbeiträgen zur digitalen Transformation ihrer Produkte und Geschäftsmodelle.

    Raum für die Entwicklung
    Glarus hat infolge der Gemeindestrukturreform aussergewöhnlich grosse Baulandreserven. Durch die geografische Nähe zu Zürich, St. Gallen, Graubünden oder Liechtenstein haben die Unternehmen Zugang zum Know-how der Hochschulen, zu dynamischen Wirtschaftsräumen und zu Fachkräften.

    Die implementierten Nutzungsplanungen in Glarus und in Glarus Nord ermöglichen die zielgerichtete Entwicklung der Schlüsselareale und die unbürokratische Reaktion auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Unternehmen. Enormes Entwicklungspotenzial bieten die Areale rund um die Bahnhöfe Glarus, Näfels und Ziegelbrücke – in unmittelbarer Nähe zum Zentrum und mit hervorragender Verkehrsanbindung. In den Arbeitszonen stehen 170’000 Quadratmeter Landreserven zur Verfügung. Gleichzeitig sind im Kanton Glarus über 2’000 neue Wohnungen geplant – modernster Wohnraum für rund 6’000 Menschen. Das entspricht etwa 15 Prozent der heutigen Bevölkerung.

    Die Kontaktstelle für Wirtschaft unterstützt Investoren bei der Suche nach geeigneten Flächen und Landreserven. Grundlage ist das Arbeitszonenmanagement, das Informationen zu Baureife, Erschliessung und möglichen Naturgefahren liefert. Bei strategisch wichtigen Arealen kann der Kanton selbst aktiv werden – entweder indem er direkt in deren Entwicklung investiert oder als Partner auftritt.

    Fachkräfte für den Erfolg
    Wer Unternehmen ansiedeln will, braucht Platz – auch für Fachkräfte. Genau das bietet Glarus. Hier haben die Menschen die Möglichkeit, dort zu leben, wo sie arbeiten: das Mittagessen mit der Familie zu geniessen, nach Feierabend die Natur zu erleben – und das alles bei tiefen Lebenshaltungskosten, entspanntem Immobilienmarkt und in einem sicheren, gesellschaftlich intakten Umfeld. So verbindet das Glarnerland die wirtschaftliche Stärke der «Greater Zurich Area» mit naturnaher Lebensqualität.

    Auch in der Aus- und Weiterbildung zeigt sich der Kanton Glarus engagiert. Mit dem Pilotprojekt Arbeit 4.0 stärkt er gezielt die Arbeitsmarktfähigkeit von Fachkräften, indem er Aus- und Weiterbildungen mitfinanziert. Ergänzt wird das Engagement durch drei kantonale Berufsfachschulen, zwei Höhere Fachschulen in Ziegelbrücke sowie die Nähe zu den Universitäten und Hochschulen in Zürich, Rapperswil, St. Gallen und Chur. Zusammen mit Angeboten in der Erwachsenenbildung, Berufs- und Laufbahnberatung steht den Menschen im Glarnerland nahezu jeder Aus- und Weiterbildungsweg offen. Einen kompakten Überblick über Bildungsangebote, Förderprogramme und Services bietet die Plattform smartglarus.com – ein digitales Schaufenster für alle, die im Glarnerland lernen, arbeiten oder sich weiterentwickeln wollen.

    Innovation für die Zukunft
    Oft heisst es, Innovation entstehe vor allem an Universitäten und Hochschulen. Das stimmt nur zum Teil. Denn Start-ups brauchen mehr als gute Ideen: Sie sind auf Partner aus Industrie und Wirtschaft angewiesen, die mit Erfahrung und Know-how die Produktentwicklung vorantreiben. Genau das bietet die Glarner Wirtschaft. Wenn es darum geht, zu wachsen, zählen praktische Faktoren: bezahlbare Flächen, qualifizierte Fachkräfte und weiterhin der Zugang zu Hochschulen. All das vereint der Kanton Glarus. Und ist damit ein idealer Standort für Start-ups mit Ambitionen.

    Innovationsförderung ist im Kanton Glarus breit abgestützt – unter anderem durch die Zusammenarbeit mit starken Partnern wie InnoSuisse und dem Innovationsnetzwerk Ostschweiz (INOS). Start-ups und Unternehmen profitieren von Coachings, Fachwissen und finanzieller Unterstützung für die Entwicklung ihrer Produkte und Dienstleistungen. Ein Beispiel: Der schnell wachsende Drohnenhersteller ANAVIA hat sich bewusst für den Standort Näfels entschieden – ein klares Zeichen dafür, wie innovationsfreundlich das Glarnerland ist.

    Kreislaufwirtschaft in der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie

    Im Glarnerland wird Kreislaufwirtschaft gelebt – von der Entwicklung energieeffizienter Maschinen über innovative Verpackungslösungen bis hin zur Nahrungsmittelproduktion und zum Recycling: Der Wirtschaftsraum verbindet industrielle Stärke mit ökologischer Verantwortung. So entsteht ein regionales Ökosystem, das Nachhaltigkeit nicht nur denkt, sondern konkret umsetzt.

    Am Anfang steht die Netstal Maschinen AG, die Hochleistungs-Spritzgiessmaschinen entwickelt. Diese kommen bei der Resilux Schweiz AG in Bilten zum Einsatz – zusammen mit hochpräzisen Formen der Glaroform AG. Resilux produziert damit sogenannte Preforms, also PET-Vorformlinge, sowie fertige Flaschen. Diese wiederum werden in Elm bei den Mineralquellen abgefüllt.

    Nach der Nutzung beginnt der Kreislauf von vorn: Die leeren Flaschen landen im Recyclingwerk von Resilux, wo sie wieder zu hochwertigem Rezyklat verarbeitet werden – bereit für die nächste Produktionsrunde. So entsteht ein regionales Ökosystem, das auf Innovation, Effizienz und Ressourcenschonung basiert. Die Unternehmen profitieren vom gegenseitigen Know-how und treiben so die Kreislaufwirtschaft voran.

    Kunststoff neu gedacht
    Auch die Kunststoff Schwanden AG ist Teil dieses nachhaltigen Netzwerks: Sie entwickelt und fertigt anspruchsvolle Kunststoffteile im Mehrkomponenten-Spritzguss – mit Fokus auf Rezyklate und energieeffiziente Prozesse.

    Wo Ideen in Wellkarton Gestalt annehmen, und Papier im Kreis läuft
    Massgeschneiderte Lösungen liefert die Müller Kartonagen AG. Ihre Wellkartonverpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen werden regional gefertigt – effizient, ressourcenschonend und auf Kundenbedürfnisse, wie beispielsweise Läderach, abgestimmt. Der Rohstoff stammt aus der Papierfabrik Netstal, die jährlich rund 50’000 Tonnen Recyclingpapier produziert – aus Altpapier, das grösstenteils aus der Schweiz stammt, und mit geschlossenen Stoff- und Wasserkreisläufen verarbeitet wird.

    Verpackung ist nur der Anfang. Im Glarnerland wird auch der Inhalt mit Verantwortung produziert: In der Nahrungsmittelindustrie treffen regionale Zutaten auf moderne Verarbeitung – nachhaltig und effizient.

    Traditionell steht der Glarner Schabziger für die lokale Nahrungsmittelproduktion. Heute ist das Spektrum breiter. Lebensmittel von Schokolade bis Lachs übernehmen den Lead. Vom wachsenden Potenzial der Nahrungsmittelindustrie profitiert die gesamte Region.

    Schokoladenkunst mit globalem Erfolg
    Seit der Erfindung der Truffes-Hohlkugel 1970 hat Läderach stetig expandiert – und ist heute in Europa, Asien und Nordamerika präsent. Die neue Fabrik in Bilten ermöglicht die Kontrolle der gesamten Wertschöpfung – von der Kakaobohne bis zum Endprodukt.

    Ebenfalls von Bilten aus vertreibt die GUMA AG die traditionsreiche Stalden-Crème – ein Schweizer Dessertklassiker in vier Sorten mit über 120-jähriger Geschichte.

    Mexikanischer Biss mit Glarner Wurzeln
    MiAdelita produziert seit 1995 frische Mais-Tortillas und Chips – heute als grösste Anbieterin ihrer Art in der Schweiz. Geführt in zweiter Generation, setzt das Unternehmen konsequent auf Regionalität: Der Mais stammt aus der Mühle Landolt im nahen Näfels. Gemeinsam mit dem Delikatessen-Anbieter IMEX entsteht in Bilten ein neuer Produktionsstandort mit rund 40 Arbeitsplätzen.

    Nordatlantischer Lachs aus landbasierter Zucht
    In Mollis plant die Swiss Blue Salmon AG die grösste landbasierte Fischzucht der Schweiz. Mit sieben Prozent Marktanteil soll sie einen wichtigen Beitrag zur klimaschonenden Lebensmittelversorgung leisten. Die Kreislaufanlage wird mit Wasser aus dem Walensee versorgt und passiv gekühlt – ideale Bedingungen für eine nachhaltige Lachszucht. Die Lage im Industriegebiet «Biäsche» bietet zudem eine erstklassige Verkehrsanbindung an Zürich und Chur.

    Überfliegerin – die Aviatikbranche im Glarnerland

    Im Kanton Glarus hat das Fliegen Tradition. 1939 lockte der erste Flugtag tausende Schaulustige an, um den tollkühnen Männern in ihren fliegenden Kisten zuzuschauen. Heute ist die Aviatik einer der zentralen Entwicklungsschwerpunkte im Kanton Glarus. Mit der Einzonung von zusätzlichem Bauland bietet der Flugplatz Mollis neue Flächen für Unternehmen aus der Luftfahrt.

    Für die bauliche Entwicklung des Areals erarbeitet die Gemeinde Glarus Nord bis Sommer 2025 einen Masterplan. Ebenfalls im Sommer schwingen sich auf dem Flugplatz Mollis für einmal Athleten durch die Lüfte – und landen zielsicher im Sägemehl: Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) werden täglich 150’000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

    Hoch hinaus – mit festem Stand im Glarner Boden
    Rund um den Flugplatz Mollis dreht sich alles um Präzision und Höhenflüge. Was die hier angesiedelten Unternehmen verbindet: Sie nutzen die Synergien eines spezialisierten Clusters. Allen voran die Kopter Group. Der Helikopterhersteller will sich mit dem einmotorigen AW09 international etablieren. Der Standort überzeugt mit Raum für Testflüge, kurzen Wegen in der Montage und technikfreundlichem Umfeld.

    Zu den jüngsten Glarner Aviatik-Unternehmen gehört Anavia. Das Start-up entwickelt unbemannte Helikopter – wie den HT-100, der bis zu sechs Stunden fliegt, 60 Kilogramm trägt und ideal ist für Grenzüberwachung, Infrastrukturinspektionen oder Rettungseinsätze. Gründer und Co-CEO Jon Andri Jörg sagt: «Glarus eignet sich hervorragend für unsere Bedürfnisse. Wir erhalten Zugang zu hochqualifizierten Fachkräften. Und die Nähe zum Flugplatz Mollis bietet einen idealen Standort sowohl für Produktion als auch für Tests.»

    Ein weiteres Start-up hat sich 2025 bewusst für den Standort Glarus entschieden: Marenco Aviation arbeitet an einer neuen Generation leichter Helikopter mit Fokus auf alternative Antriebssysteme.
    Ein bewährter Player ist die Rega, die seit 2010 in Mollis eine eigene Basis betreibt. Die strategisch günstige Lage erlaubt schnelle Einsätze im alpinen Raum. Der Ausbau zur permanenten Station zeigt, wie zentral der Standort für die Luftrettung geworden ist.

    Bereits seit 1972 ist die Heli-Linth AG hier aktiv. Sie fliegt Touristen über Gletscher, versorgt Alphütten, transportiert Material – oder rettet gelegentlich Kühe aus unwegsamem Gelände. Für ein umfassendes Flugzeug-Management sorgt die international tätige Linth Air Service AG, die seit über 20 Jahren am Standort verankert ist. Auch die Flugschule Ecoflight hebt hier ab.

    Am Boden bleibt einzig die Sauter, Bachmann AG und das mit gutem Grund: Der Netstaler Spezialist für Zahnräder und Antriebssysteme beliefert auch die Aviatik und profitiert vom direkten Draht zu Partnern am Flugplatz, dem technischen Know-how in der Region und der industriellen Tradition des Glarnerlands.

    Gemeinsam setzen diese Unternehmen auf Qualität, Nähe und ein klares Bekenntnis zum Glarnerland. Sie heben ab und bleiben doch geerdet.