Kategorie: immoKolumne

immoKolumne – Meinungen, Fachwissen & Impulse von C-Level-Expertinnen und -Experten der Schweizer Immobilienbranche.

  • Von Daten zu KI in der Immobilienwelt

    Von Daten zu KI in der Immobilienwelt

    Gerade deshalb lohnt sich der Blick zurück. Denn in den letzten 30 Jahren hat sich die Art, wie Immobilien geplant, betrieben und gesteuert werden, grundlegend verändert.

    Vor 30 Jahren waren viele Prozesse noch erstaunlich analog. Daten lagen in Ordnern und Papierdokumenten, Entscheidungen basierten stark auf Erfahrung, weniger auf systematischen Analysen. Bald begann eine Phase, in der sich die Branche Schritt für Schritt entwickelte: Prozesse wurden digitaler, Daten wichtiger, Gebäude und Unternehmen zunehmend vernetzt.

    In diesem Umfeld entstand Mitte der 1990er-Jahre auch pom+ als Spin-off der ETH Zürich – mit der Idee, Aufgaben, Daten und Prozesse im Bau- und Immobilienbereich stärker zu integrieren. Dreissig Jahre später feiert pom+ Jubiläum und die Grundfrage ist nach wie vor sehr aktuell: Wie lassen sich Immobilien, Organisation und Technologie sinnvoll zusammendenken?

    Technologisch stehen wir heute an einem neuen Wendepunkt. Die Digitalisierung der Immobilien schreitet weiter voran: Cloud-Technologien, IoT und digitale Modelle ermöglichen immer präzisere Abbildungen von Gebäuden. Der sogenannte Digital Twin entwickelt sich zunehmend zur Realität und schafft neue Möglichkeiten zur Automatisierung von Prozessen.

    Parallel dazu verändert sich die Art, wie Unternehmen arbeiten. Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren viele Prozesse verändern – insbesondere dort, wo grosse Mengen Informationen verarbeitet und Entscheidungen heute noch manuell getroffen werden müssen. Unterschiedliche Daten können einfacher analysiert, fertige Ergebnisse automatisiert erstellt und Entscheidungen auch mit Einbezug des Menschen massiv beschleunigt werden. Assistenzsysteme, sogenannte Agents, werden Teil des Arbeitsalltags.

    Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Branche ein interessantes Spannungsfeld: Die technologische Entwicklung schreitet schnell voran, die Umsetzung in den Unternehmen hingegen deutlich langsamer.

    Seit 2016 misst die pom+Consulting AG jedes Jahr im Rahmen der Digital Real Estate & Construction Studie den digitalen Reifegrad der Bau- und Immobilienwirtschaft. Aktuell liegt der Digital Real Estate Index bei 4,3 von 10 Punkten – eine leichte Erholung gegenüber dem Vorjahr, aber definitiv kein Quantensprung.

    Künstliche Intelligenz rückt, wenig überraschend, immer stärker in den Fokus. Gemäss der aktuellen Studie zählt Artificial Intelligence & Machine Learning, neben Platforms & Portals sowie Data Analytics erneut zu den am häufigsten eingesetzten Technologien. Die Bewertung von KI fällt jedoch deutlich differenzierter aus als in Vorjahren: Rund zwei Drittel der Befragten sehen darin einen hohen Nutzen. In der letztjährigen Erhebung waren es noch 75 Prozent. Mit häufigerem Einsatz von KI werden zwar die Möglichkeiten der Technologie, aber auch ihre Grenzen deutlich sichtbarer und dadurch Erwartungen realistischer.

    Technologie allein entscheidet also nicht über den Erfolg. Der entscheidende Faktor bleibt die Organisation: Datenqualität, Umsetzungsstärke, klare Verantwortlichkeiten – und die Bereitschaft, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Parallele zu den letzten 30 Jahren.

    Auch damals ging es nicht nur um neue Technologien, sondern um neue Denkweisen. Künstliche Intelligenz könnte damit zum nächsten grossen Entwicklungsschritt der Branche werden – nicht, weil sie alles verändert, sondern weil sie hilft, die wachsende Komplexität von Immobilien und Organisationen besser zu beherrschen.

  • Künstliche Intelligenz: Unbedingt, aber…

    Künstliche Intelligenz: Unbedingt, aber…

    Ob das englische “AI” oder das deutsche “KI”– Künstliche Intelligenz ist aktuell allgegenwärtig. Wie ihre Auswirkungen bewertet werden, hängt stark von der jeweiligen Perspektive ab: Für die einen überwiegen die Chancen, andere sehen primär Risiken. Unbestritten ist jedoch: Die Technologie ist gekommen, um zu bleiben.

    Für uns als digitale Immobilienplattformen ist der offene Umgang mit technologischer Innovation seit jeher Teil unserer DNA. Mit ImmoScout24 und Homegate gestalten wir den Immobilienmarkt seit über zwei Jahrzehnten aktiv mit. Unser Grundsatz gilt dabei auch hier: KI darf kein Selbstzweck sein, sondern soll als ein nie dagewesener “Enabler” wirken. Denn das wahre Potential in den zwei Buchstaben liegt in der beschleunigten Entwicklung sowie smarten Erweiterung und Aufwertung innovativer Produkte, die echten Mehrwert schaffen und tägliche Effizienzgewinne erzielen können.

    Gerade im professionellen Immobiliensektor zeigen sich die Vorteile von KI in der produktiven Integration in bestehende, etablierte Prozesse. Während dies uns als Plattformen eine agilere Entwicklung marktnaher Produkte ermöglicht, schafft es für Makler:innen sowie Bewirtschafter:innen neue Effizienzgewinne in ihrem operativen Alltag. Entscheidend ist nicht die Technologie an sich, sondern ihr realer Beitrag.

    Zwei Beispiele aus dem SMG Real Estate Ökosystem verdeutlichen dies:

    • Unsere KI-basierte Inseratetexterstellung spart im Durchschnitt 14 Minuten pro Inserat. Hochgerechnet auf ein ganzes Portfolio oder eine Vermarktungsoffensive entsteht so ein substanzieller Produktivitätsgewinn. Die gewonnene Zeit kann gezielt dort investiert werden, wo sie den grössten Unterschied macht – in Beratung, Verhandlung und Kundenbeziehung. Wer stattdessen auf ImmoScout24 oder Homegate als Privatperson selbst inseriert, kann mit dieser neuen intelligenten Funktion fehlende Vermarktungserfahrung teilweise kompensieren.
    • Der neue “Insight Hub” für Immobilienprofis gibt KI-gesteuert Antworten auf bisher schwer einzugrenzende Fragen rund um Potenzial und Performance von Inseraten. Wöchentlich erhalten Makler:innen und Bewirtschafter:innen eine Übersicht derjenigen Inserate mit dem grössten Verbesserungspotenzial, inklusive konkreter Handlungsempfehlungen und dem erwarteten Sichtbarkeits-Plus.

    Dies als kleiner Auszug, hinzu kommen zahlreiche aktuelle Entwicklungen bei SMG Real Estate, darunter mit “Agentic AI” ein digitaler Begleiter für Immobilienprofis rund um ihren Arbeitsalltag – von der Transkription von Gesprächsnotizen bis zur nahtlosen CRM-Anbindung. Aber dazu mehr in naher Zukunft. Gleichzeitig erfordert technologische Innovation kontinuierliche Investition – insbesondere in Cybersecurity. Denn von KI profitieren nicht nur die richtigen Akteure. Modernste Schutzmechanismen, Zwei-Faktor-Authentifizierung, integrierte Zugriffskontrollen, etc. sind essenziell, um Daten zu sichern und Betrugsversuche wirksam zu verhindern. Vertrauen bleibt die zentrale Währung im Immobilienmarkt – ganz besonders im digitalen.

    Aber dank diesen gezielten, anhaltenden Investitionen in KI-Anwendungen gestalten wir als SMG Real Estate unsere Rolle als „Digital Shaper“ der Schweizer Immobilienbranche aktiv weiter. Unser Ziel ist und bleibt es in allererster Linie, Immobilienprofis nicht nur effizienter zu machen, sondern nachhaltig erfolgreicher. Dafür steht auch unsere Vision: „Next-Gen Swiss Real Estate – digital and simple.“

  • Immobilienbewirtschaftung im Wandel

    Immobilienbewirtschaftung im Wandel

    Wir erleben es tagtäglich, die Immobilienbewirtschaftung verändert sich, rasant, spürbar und manchmal auch überraschend. Was früher vor allem Verwaltung war, ist heute ein komplexes Zusammenspiel aus Strategie, Technologie und Beziehungspflege.

    Die Ansprüche aller Beteiligten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Eigentümerinnen und Eigentümer erwarten transparente Berichte, umfassende Reportings und Unterstützung bei Nachhaltigkeitsthemen. Mietende wünschen sich digitale Services, die jederzeit funktionieren, schnelle Reaktionen und ein hohes Mass an Flexibilität.

    Gleichzeitig soll alles effizienter, nachhaltiger und datenbasierter werden. Moderne Tools erleichtern vieles. Sie helfen, Prozesse zu optimieren und bessere Entscheidungen zu treffen. Aber sie ersetzen nicht das, was unsere Arbeit im Kern ausmacht, den menschlichen Kontakt. Gerade in der Kommunikation, bei Konflikten oder komplexen Anliegen sind Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl nicht einfach durch KI zu ersetzen.

    Was ebenfalls auffällt, der Fachkräftemangel trifft unsere Branche härter, als man oft wahrhaben will. Menschen mit Know-how in digitaler Transformation oder Nachhaltigkeit sind rar. Und wer sie findet, hat Mühe, sie zu halten. Zu häufig fehlen Entwicklungsmöglichkeiten oder echte Anreize. Dabei wären motivierte und gut ausgebildete Mitarbeitende der Schlüssel, um den Wandel wirklich zu gestalten, statt ihm nur hinterherzulaufen.

    Zwar reden viele von Digitalisierung, doch in der Praxis gibt es noch viel zu häufig manuelle Abläufe, Excel-Tabellen und Schnittstellen, die nicht miteinander kommunizieren. Der Wille ist da, aber die Umsetzung kostet Zeit, Geld und manchmal auch Mut. Denn nicht jede digitale Lösung bringt sofort den gewünschten Nutzen und nicht jeder Prozess lässt sich einfach automatisieren.

    Trotz allem birgt der Wandel grosse Chancen. Wenn wir es schaffen, Technologie gezielt einzusetzen, Talente zu fördern und den menschlichen Faktor als Stärke zu begreifen, dann kann die Immobilienbewirtschaftung noch viel gewinnen an Effizienz, Qualität und Attraktivität als Berufsfeld.

    Eines steht fest, Zukunftsfähig bleibt, wer Innovation und Empathie verbindet. Denn am Ende sind es nicht Systeme oder Tools die Werte schaffen, es sind die Menschen, die sie mit Leben füllen.

  • Eigentum fördern statt verhindern

    Eigentum fördern statt verhindern

    Die Schweiz ist und bleibt das Land der Mieterinnen und Mieter. Der Traum vom Eigenheim rückt für viele immer weiter in die Ferne. Steigende Preise, höhere Zinsen und striktere Hypothekarvorschriften haben das Eigenheim für breite Bevölkerungsschichten unerreichbar gemacht. Gerade junge Familien oder Menschen mit mittleren Einkommen scheitern zunehmend an den Hürden des Systems. Dabei ist Wohneigentum weit mehr als ein Statussymbol. Es ist eine Form der Altersvorsorge, ein Beitrag zur Eigenverantwortung und Stabilität in einer zunehmend unsicheren Zeit. Wer in den eigenen vier Wänden lebt, spart langfristig Kosten und entlastet das Rentensystem. 

    Die Abschaffung des Eigenmietwerts ist deshalb kein Dammbruch, sondern ein notwendiger Türöffner. Sie beendet eine Ungerechtigkeit, bei der fiktive Einkommen besteuert werden, die real gar nicht existieren. Die Kritik, dadurch würden «Steuerschlupflöcher» entstehen, greift zu kurz. Entscheidend ist, dass die Reform mit klaren und fairen Regeln umgesetzt wird. 

    Wird die Schweiz damit zum Land der privilegierten Eigentümer? Nein, im Gegenteil. Erst durch eine Entlastung beim Eigenmietwert schaffen wir die Voraussetzungen, dass mehr Menschen den Schritt ins Eigentum überhaupt schaffen können. Das Ziel muss sein: Eigentum für viele statt Privilegien für wenige. 

    Unterstützung ja, Verstaatlichung nein
    Das primäre Ziel einer sinnvollen Wohnpolitik muss die Schaffung von geeignetem und bezahlbarem Wohnraum sein. Doch der Staat kann das nicht allein leisten. Öffentliche Bauträgerschaften sind oft schwerfällig, unflexibel und teuer. In Städten wie Zürich zeigt sich, dass eine zunehmende Verstaatlichung des Wohnungsmarktes zu Engpässen und zu einer künstlichen Verknappung führt. 

    Es braucht die privaten Bauherrschaften, die schnell und effizient auf die Bedürfnisse der Bevölkerung reagieren können. Die Aufgabe des Staates liegt nicht im Bauen selbst, sondern in der Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen: schnellere Bewilligungsverfahren, flexible Umnutzungen und eine Planung, die Innovation zulässt statt verhindert. 

    Ein modernes Instrument wäre der Systemwechsel bei der staatlichen Wohnbauförderung. Weg von Subventionen an Gebäude, hin zu Wohnungsgutscheinen für Menschen, die tatsächlich Unterstützung benötigen. So kann Hilfe gezielt dort ankommen, wo sie gebraucht wird, ohne den Markt zu verzerren. 

    Wie viel Staat braucht die Immobilienwelt noch und wie viel Markt verträgt sie? Die Antwort ist einfach: Der Staat soll Rahmen setzen, aber nicht Mauern ziehen. Er soll Anreize schaffen, nicht blockieren. 

    Blick nach vorn
    Die Abschaffung des Eigenmietwerts ist kein isolierter Schritt, sondern Teil einer grösseren Entwicklung: hin zu mehr Eigenverantwortung, zu fairen Chancen für Mieter, die Eigentum anstreben, und zu einem funktionierenden Wohnungsmarkt, der auf Vertrauen und Innovation basiert, nicht auf Bürokratie. 

    Ob daraus der erste Dominostein für weitere steuerliche Entlastungen wird, hängt vom politischen Willen ab. Sicher ist aber: Wer die Menschen in den eigenen vier Wänden stärken will, stärkt das Fundament unseres Landes. 

  • Makler der Zukunft

    Makler der Zukunft

    Die Immobilienwelt steht vor einem epochalen Umbruch. Während klassische Makler einst unangefochtene Vermittler zwischen Angebot und Nachfrage waren, haben sich die Machtverhältnisse in den letzten Jahren radikal verschoben. Digitale Marktplätze dominieren den Erstkontakt, kontrollieren die Sichtbarkeit und beginnen zunehmend, in den Transaktionsprozess selbst einzugreifen.

    Besonders deutlich zeigt sich dies am Beispiel der grossen Plattformen wie SMG. Mit Preiserhöhungen, aggressiver Datenpolitik und der Integration eigener Tools verwandeln sie sich vom reinen Insertions- in eine allumfassende Transaktionsplattform. Makler, die bisher als unabhängige Berater und Marktkenner agierten, werden dadurch in die Rolle von reinen Zulieferern gedrängt, abhängig, eingeschränkt und austauschbar.

    Das Problem geht tiefer als bloss steigende Kosten bzw. reduzierte Margen. Es ist ein Systemwechsel, Plattformen horten Daten, priorisieren Inhalte nach eigenen Regeln und verschieben die Kundenbeziehung weg vom Makler hin zu sich selbst. Damit droht die Immobilienwirtschaft in ein „Uber-Modell“ abzugleiten. Makler werden zu Dienstleistern ohne direkten Kundenzugang, während Plattformen die Wertschöpfung abschöpfen.

    Heisst das, dass der Beruf Makler ausgedient hat? Nein, aber er muss sich neu erfinden. Die Zukunft des Maklers liegt nicht mehr allein im Zugang zu Käufern und Verkäufern, sondern in der Vertrauensbildung, Beratungskompetenz und individuellen Begleitung. Gerade in einem komplexer werdenden Markt, geprägt von regulatorischen Veränderungen, steuerlichen Fragen und hohen Investitionsvolumina, suchen Kunden nach persönlicher Expertise, Verlässlichkeit und diskreter Betreuung.

    Die Branche muss jedoch aktiv handeln, um nicht marginalisiert zu werden. Dazu gehören:

    • Unabhängigkeit bewahren: Insertionsstrategien diversifizieren, alternative Plattformen fördern und sich nicht ausschliesslich auf Monopolisten stützen.
    • Technologie nutzen statt fürchten: Eigene digitale Tools aufbauen, die Kundennähe stärken, anstatt diese an Dritte abzugeben.
    • Netzwerke und Kooperationen: Durch Brancheninitiativen und kollektives Handeln kann die Abhängigkeit von Plattformen reduziert werden.
    • Kundenzentrierung: Den Mehrwert der persönlichen Beratung klar kommunizieren – von der Wertermittlung bis zur emotionalen Begleitung in Kauf- und Verkaufsprozessen.

    Der Makler der Zukunft ist nicht überflüssig, sondern notwendiger denn je, wenn er sich vom reinen Vermittler zum strategischen Berater, Dateninterpreten und Vertrauenspartner entwickelt. Wer diese Chance nicht ergreift, läuft Gefahr, in der digitalen Welt irrelevant zu werden.

    Die Entscheidung liegt bei der Branche selbst, Resignation oder Neugestaltung.

  • Der Beruf als Standortförderer ist erklärungsbedürftig

    Der Beruf als Standortförderer ist erklärungsbedürftig

    Noch kann der Beruf als Standortförderin/Standortförderer nicht erlernt werden. Doch gibt es bereits seit Mitte der 80er Jahren auf lokaler Städte-, ja sogar Gemeindeebene die Anlauf- und Kontaktstellen für Wirtschafts- und Gewerbeanliegen, früher noch als Wirtschaftsförderung bezeichnet. In den 90er Jahren war die Region Winterthur als Pionierin bekannt, nicht zuletzt auch nach dem Niedergang der dortigen Industrie.

    So war ich ab 1998 als erster Standortförderer sowie Leiter Hochbau der Stadt Schlieren, neben der Städte Winterthur und Zürich, regelrecht allein im Wind unterwegs. Doch mein seit 1981 erworbener Immobilienrucksack und mein MAS Real Estate Management, den ich ebenfalls als einer der ersten absolviert habe, ermöglichten mir den Spagat im Nischensegment der Standortförderung. Zu den Klassikern im Job des Standortförderers/der Standortförderin gehören Firmenansiedlungen, Cluster- und Arealentwicklung, „One Stop Shopp“ durch die Verwaltung bei Baubewilligungen, Bestandespflege und Startupförderung sowie vieles mehr.

    In der Schweiz verfügt heute primär jeder der 26 Kantone über eine Standortförderung. Leider verfügen längst nicht alle der 172 Städte und Gemeinden mit mehr als 10’000 Einwohnern über eine Standortförderungsstelle, geschweige eine Wirtschaftsstrategie. Dort ist eine auf der Verwaltung intern bestimmt Person zuständig. In den meisten Fällen ist das der/die Stadtschreiber/in oder höchstenfalls der/die Stadt- oder Gemeindepräsident/in, dies mehr oder weniger freiwillig und nicht spezifisch dafür weitergebildet. Dies will aber auch heissen, dass ich diese Gemeindeführungsorgane sehr schätze, wie auch diejenigen der Stadt Schlieren, wo ich nun auf 28 Dienstjahre zurückblicken darf. Die Schlieremer Kennzahlen zeigen ein eigenes, von vielen Seiten anerkanntes, recht erfolgreiches Bild. Die Stadt hat bei den juristischen Personen seit 1998 um 100% von 650 auf 1‘388 zulegen können. Dies bedeutet auch eine Zunahme an Arbeitsplätzen von rund 12’000 auf 21’000. Die Einwohnerzahl ist von 12‘000 auf 20‘100 um 70% gestiegen. Dabei vertrete ich die 1:1 Situation (Einwohner im Verhältnis zu den Arbeitsplätzen) im Gegensatz zu anderen bekannten schweizerischen Grossstädten.

    Es würde mich freuen, wenn nach meiner Pensionierung mehr Immobilienfachleute den Beruf des/der Standortförderer/in wählen und sich dazu auch in Verbänden einbringen, ERFAS und Netzwerke pflegen. Was es braucht, ist Vertrauen in die örtlichen Standortförderungspersonen.

  • Mietverhältnis beenden: Zwischen Schlichtungsverfahren, Erstreckung und Ausweisung

    Mietverhältnis beenden: Zwischen Schlichtungsverfahren, Erstreckung und Ausweisung

    Schlichtungsverhandlung Kündigung Mietwohnung
    Kündigt der Vermieter die Mietwohnung, kann der Mieter die Kündigung innert 30 Tagen nach Erhalt bei der Schlichtungsbehörde anfechten und eine Erstreckung verlangen. Können sich die Parteien nicht auf einen Vergleich einigen, kann die Schlichtungsbehörde einen Entscheidvorschlag unterbreiten oder dem Mieter die Klagebewilligung für das Mietgericht ausstellen. 

    Erstreckung Mietverhältnis
    Falls die Kündigung gültig ist, schlägt die Schlichtungsbehörde in der Regel eine Erstreckung vom Mietverhältnis vor, diese beträgt für Wohnräume maximal vier Jahre. Das Mietrecht bestimmt in Art. 272a OR wann eine Erstreckung ausgeschlossen ist. Zusätzlich hat das Bundesgericht mehrfach bestätigt, dass der Mieter bereits vor der Schlichtungsverhandlung konkrete Suchbemühungen nach einem Ersatzobjekt nachweisen muss. Ohne konkrete Suchbemühungen besteht kein Anspruch auf Erstreckung. 

    Bei einer letztmaligen Erstreckung endet das Mietverhältnis definitiv, eine weitere Erstreckung ist nicht möglich. Dagegen kann der Mieter bei einer erstmaligen Erstreckung bis 60 Tage vor Ablauf der ersten eine zweite Erstreckung verlangen. Möchte der Vermieter eine letztmalige Erstreckung, muss dies in der Vereinbarung explizit stehen, sonst gilt eine erstmalige Erstreckung. 

    Ausweisungstitel
    Einigen sich die Parteien auf einen definitiven Auszugstermin, sollte der Vermieter auf einen Ausweisungsbefehl im Vergleich bestehen. Damit kann der Vermieter direkt beim Gemeindeammann die Ausweisung verlangen, falls der Mieter auf den vereinbarten Zeitpunkt doch nicht auszieht. 

    Empfehlungen für Vermieter
    Ist eine Erstreckung ausgeschlossen, kann es für den Vermieter unter Umständen trotzdem sinnvoll sein, eine kurze letztmalige Erstreckung zu gewähren. So kann ein langwieriges Gerichtsverfahren mit entsprechender «kalten Erstreckung» vermieden werden. In einer Vereinbarung sollte der Vermieter darauf achten, dass eine letztmalige Erstreckung klar formuliert ist und auf einen Ausweisungsbefehl bestehen. 

  • Wie der Mieterverband den Wohnungsbau sabotiert

    Wie der Mieterverband den Wohnungsbau sabotiert

    Die Initiative des Mieterverbandes, für die am 3. Juni 2025 die Unterschriftensammlung begonnen hat, klingt auf den ersten Blick wie eine Wohltat: tiefere Mieten, mehr Schutz für die Mieterinnen und Mieter, mehr Mitspracherecht. Doch wer sich nicht von wohlklingenden Titeln blenden lässt, erkennt: Diese Initiative bekämpft Symptome – und zementiert die Ursachen.

    Natürlich sind steigende Angebotsmieten eine reale Belastung, vor allem in den Ballungszentren. Doch der Eindruck, es handle sich um eine Verschwörung der Vermieterseite, greift zu kurz. Die Zahlen sind eindeutig: Laut dem Bundesamt für Wohnungswesen fehlen jährlich bis zu 10’000 Wohnungen – bei gleichzeitiger Zunahme der Haushalte um rund 50’000 Einheiten. Dass die Angebotsmieten steigen, ist nicht überraschend – sondern Folge eines wachsenden Nachfrageüberhangs.

    Und genau hier liegt das Problem der Initiative. Sie will die Preisbildung administrativ korrigieren, anstatt die strukturellen Engpässe auf dem Wohnungsmarkt zu beseitigen. Eine Kappung der Renditen mag kurzfristig populär erscheinen – langfristig aber entzieht sie dem Wohnungsbau wichtige Investitionsanreize. Private Anleger – darunter Pensionskassen und Versicherungen – tragen heute einen grossen Teil der Neubautätigkeit. Wer ihre Rentabilität beschneidet, verschreckt Kapital und riskiert eine weitere Verknappung.

    Die Mär vom renditegierigen Investor greift ins Leere. Über die Hälfte der Mietwohnungen in der Schweiz gehört Pensionskassen, Versicherungen oder Vorsorgeeinrichtungen – also letztlich der Bevölkerung selbst. Wer ihre Rendite beschneidet, gefährdet unsere Altersvorsorge. Der Wohnungsmarkt ist kein Spielplatz für sozialromantische Experimente, sondern ein komplexes System, das Angebot und Nachfrage in Einklang bringen muss. Wer diesen Mechanismus aushebelt, löst keine Probleme – er verschärft sie.

    Auch das Vorkaufsrecht für den gemeinnützigen Wohnungsbau ist heikel. Es bedeutet faktisch eine Enteignung mit bürokratischem Umweg – und ein weiterer Schritt hin zu einem staatlich gelenkten Wohnungsmarkt. Ich warne davor: Ein solcher Eingriff mag ideologisch motiviert sein, aber praktisch bringt er vor allem Verzögerung und Ineffizienz. Gemeinnütziger Wohnungsbau hat seine Berechtigung, aber er ersetzt nicht das marktgetriebene Volumen, das wir dringend benötigen.

    Stattdessen braucht es realistische Lösungen. Der SVIT Schweiz hat mit seiner Wohnbauagenda 20 konkrete Forderungen formuliert: schnellere und koordinierte Bewilligungsverfahren, Abbau von Einsprachen, Förderung von Nachverdichtung und flächeneffizientem Wohnraum. Auch das Mietrecht selbst muss differenzierter werden: Es schützt zu stark die Bestandesmieter und zu wenig jene, die dringend eine Wohnung suchen. Das ist weder gerecht noch effizient.

    Kurzum: Die Wohnungsknappheit wird nicht durch mehr Regulierung, sondern durch mehr Wohnungen gelöst. Wer den Neubau behindert, egal ob aus ideologischer Überzeugung oder falschem Gerechtigkeitssinn, vergrössert letztlich nur die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage – und schadet damit genau jenen, die er zu schützen vorgibt.

  • Perspektiven und Einblicke führender Köpfe aus der Immobilienbranche

    Perspektiven und Einblicke führender Köpfe aus der Immobilienbranche

    Die Immobilienbranche steht vor dynamischen Herausforderungen, von regulatorischen Anpassungen über die Digitalisierung bis hin zu Fragen der Nachhaltigkeit und des Fachkräftemangels. Gleichzeitig wächst der Bedarf an fundierten Meinungen, praktischen Einblicken und Orientierungshilfen.

    Mit der neuen immoKolumne auf immo-invest.ch schaffen wir einen Raum für Fachwissen, Erfahrung und Diskurs. In regelmässigen Beiträgen teilen Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der Branche ihre Sichtweisen und geben wertvolle Impulse.

    Vielfältige Themen für eine vernetzte Branche
    Die immoKolumne deckt die ganze Bandbreite der Immobilienwelt ab, darunter:

    • Bauwirtschaft, Bewirtschaftung und Planung/Entwicklung
      Zentrale Themen wie Bauprozesse, nachhaltige Bewirtschaftung oder neue Nutzungskonzepte
    • Finanzen, Gebäudetechnik und Energie
      Von Finanzierungsfragen über Energieeffizienz bis zu zukunftsweisenden Gebäudetechnologien
    • PropTech/Digitalisierung und Marketing
      Digitale Innovationen, neue Vermarktungsansätze und smarte Prozesse
    • Mobilität/Verkehr und Standortförderung
      Impulse für Regionen und neue Möglichkeiten für die Mobilität und Beherbergung
    • Öffentliche Hand, Verbände und Zulieferer
      Politische Rahmenbedingungen, Interessenvertretungen und Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette
    • Verkäufer/Makler, Werbung und Zulieferer
      Akteure, die den Markt gestalten und mit innovativen Produkten und Dienstleistungen unterstützen

    Mit dieser thematischen Vielfalt möchten wir die Perspektiven aus allen Bereichen der Immobilienbranche abbilden und einen Beitrag zur Weiterentwicklung leisten.

    Wer schreibt?
    Die Kolumnen werden von führenden Köpfen der Immobilienbranche verfasst, Persönlichkeiten, die die Branche mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen bereichern. Es sind ausschliesslich Führungspersonen auf C-Level oder vergleichbarer Verantwortungsebene, die praxisnahe Perspektiven liefern.

    Die immoKolumne erscheint fortlaufend auf immo-invest.ch und wird über unsere Kanäle wie den immoNewsletter, LinkedIn und im Rahmen verbreitet.

    Haben Sie ein Thema, das Sie bewegt? Oder möchten Sie selbst einen Beitrag leisten? Kontaktieren Sie uns gerne!