Schlagwort: Arealtransformation

  • Eine Million Quadratmeter Neustart für Lugano

    Eine Million Quadratmeter Neustart für Lugano

    Der Nuovo Quartiere Cornaredo liegt nördlich des Stadtzentrums und wird als neues Eingangstor zu Lugano entwickelt. Das interkommunale Projekt, das Lugano gemeinsam mit Nachbargemeinden trägt, soll den Stadtraum grundlegend neu ordnen. Wohnen, Dienstleistungen, Handel, Freizeit und aufgewerteter öffentlicher Raum bilden das Rückgrat des Vorhabens. Kein Schlafquartier, sondern ein urbaner Knoten mit Alltagsfunktionen und wirtschaftlicher Dynamik.

    Wo Fussball und Stadtentwicklung aufeinandertreffen
    Parallel zum Wohn- und Gewerbeanteil entsteht im selben Gebiet das PSE mit Stadion, Sporthalle, Verwaltung und Parkflächen. Das Baufeld B1a allein umfasst rund 55’000 Quadratmeter mit gemischten Nutzungen, Gebäuden unterschiedlicher Höhen sowie kommerziellen und tertiären Angeboten. Damit wird Cornaredo zu einem der wichtigsten Reallabore für urbane Entwicklung im Tessin. Selten treffen Sport- und Eventinfrastruktur, privater Hochbau und öffentlicher Raum auf so engem Raum zusammen.

    Komplexität als Programm
    Das Projekt ist kein isoliertes Immobilienprojekt. Es ist ein Transformationssystem, in dem Städtebau, Strassenraum, öffentlicher Verkehr und private Bauvorhaben aufeinander abgestimmt werden müssen. Verzögerungen, Rekurse und politische Debatten sind nicht die Ausnahme, sondern Teil des Prozesses. Genau das macht das Projekt für Investoren, Entwickler und Planer so relevant. Es zeigt, wie schwierig und wertvoll die Entwicklung grosser Areale in topografisch sensiblen Räumen ist.

    Ein Gradmesser für das Tessin
    Für Lugano ist Cornaredo strategisch zentral. Hier entscheidet sich, wie die Stadt mit Wachstum umgeht. Verdichtet, vernetzt und funktional vielfältig oder weiterhin kleinteilig und verkehrslastig. Gelingt die Umsetzung mit planerischer Qualität und Nutzungsdurchmischung, wird Cornaredo kein gewöhnliches Quartier, sondern ein Referenzprojekt für die nächste Entwicklungsphase des gesamten Kantons. Die Südschweiz beobachtet genau, was im Norden Luganos entsteht.

    Was noch fehlt
    Der eigentliche Prüfstein liegt vor Lugano, nicht hinter ihm. Planungsqualität über Jahre sichern, private und öffentliche Investitionen bündeln und eine belastbare Realisierungsperspektive schaffen. Das sind die drei Aufgaben, an denen Cornaredo gemessen wird. Die Weichen sind gestellt. Ob das Projekt hält, was es verspricht, zeigt sich in den nächsten Entwicklungsphasen.

  • Urbaner Wandel auf dem Wellisareal

    Urbaner Wandel auf dem Wellisareal

    Zwischen Bahnhof und Altstadt liegt eines der spannendsten Transformationsgebiete der Region. Aus Hallen, Lagern und Werkhöfen wächst ein urbanes Quartier mit eigenem Charakter. Das Areal übernimmt damit eine Schlüsselrolle als Eingangstor nach Willisau.

    Die Fläche ist in etwa so gross wie die historische Altstadt. Aus dem vormals abgeschlossenen Produktionsstandort wird ein offenes Stück Stadt. Wege, Plätze und Freiräume verbinden künftig Bahnhof, Altstadt und Quartier. Die bisherige Barriere wird zur städtischen Nahtstelle.

    Mischung statt Monofunktion
    Die Entwicklung setzt klar auf Nutzungsmischung. Geplant sind mehrere hundert Wohnungen in unterschiedlichen Grössen und Typologien, ergänzt durch Flächen für Gewerbe, Dienstleistungen und quartiernahe Angebote. Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit rücken näher zusammen.

    Sie schafft über den Tag hinweg Frequenz, erhöht die Auslastung der Infrastruktur und reduziert Abhängigkeiten von einer einzigen Nutzungsart. Gleichzeitig öffnet sie Spielräume für neue Arbeitsformen, kleinteilige Dienstleister und lokale Anbieter.

    Identität aus der industriellen Vergangenheit
    Das Wellisareal bleibt als Ort erkennbar. Teile der bestehenden Bausubstanz werden erhalten und neu bespielt. Die industrielle Prägung liefert damit nicht nur Geschichte, sondern auch Identität. Sie unterscheidet das Quartier klar von grünen Wiesenentwicklungen am Ortsrand.

    Neue Bauten ergänzen den Bestand, ohne ihn zu überdecken. Ein Hochpunkt markiert das Areal in der Silhouette von Willisau. Entscheidend ist dabei nicht die Höhe allein, sondern die Wirkung im Stadtraum. So entsteht ein Bild, das auch in der Wahrnehmung von Bewohnern, Besuchern und Investoren verankert bleibt.

    Freiraum als Standortfaktor
    Das Projekt denkt Dichte konsequent mit Freiraum zusammen. Grosszügige Grünflächen, Bäume, Plätze und Wege strukturieren das Quartier und sorgen für Aufenthaltsqualität. Statt Innenhof als Restfläche rückt der Freiraum ins Zentrum der Konzeption.

    Für künftige Nutzer ist das mehr als ein Komfortthema. Beschattete Aufenthaltsbereiche, durchdachte Aussenräume und differenzierte Kleinklimate werden zu harten Standortfaktoren. Sie beeinflussen Vermietbarkeit, Image und langfristige Wertentwicklung. Ein robustes Freiraumkonzept unterstützt zudem die Anpassungsfähigkeit des Quartiers über den Lebenszyklus hinweg.

    Mobilität neu austariert
    Die Lage direkt am Bahnhof und nahe der Altstadt erlaubt einen verkehrsarmen Ansatz. Der Fuss- und Veloverkehr hat Vorrang, Angebote des öffentlichen Verkehrs liegen in Gehdistanz. Das Projekt reduziert bewusst die Zahl der Parkplätze und setzt auf alternative Mobilitätsformen.

    Für Kommunen und Investoren bedeutet das, weniger Flächenverbrauch für Autos, mehr Raum für Wertschöpfung und Lebensqualität. Gleichzeitig steigt der Druck, Mobilität als integriertes Angebot zu denken. Von Sharing-Lösungen über Logistik bis hin zu Quartierservices.

  • Thun Nord formt ein neues Stadtquartier

    Thun Nord formt ein neues Stadtquartier

    Der kantonale Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord gilt als bedeutendster Wirtschaftsstandort des Berner Oberlands und zählt zu den vier Premium-Standorten des Kantons Bern. Das Areal zwischen Selve und Lerchenfeld, heute noch stark militärisch geprägt, soll Schritt für Schritt für neue Nutzungen geöffnet werden. Damit entsteht Raum für Arbeiten, Wohnen und Mobilität, verbunden durch eine neue öffentliche Erschliessung.

    Werkstatt-Verfahren als Meilenstein
    Im Jahr 2025 führte die Stadt Thun gemeinsam mit Armasuisse Immobilien, Ruag Real Estate AG und der BLS ein Werkstatt-Verfahren durch. Es markiert einen wichtigen Etappenschritt in der Transformation des Gebiets. Die Aufgabe war, Wege aufzeigen, wie sich der Standort zu einem modernen, vernetzten Stadtteil entwickeln kann. Neben der künftigen S-Bahn-Haltestelle Thun Nord steht die Schaffung eines lebendigen urbanen Umfelds im Zentrum.

    Freiräume als Grundgerüst
    Im Fokus der planerischen Überlegungen stehen Freiräume als verbindendes Element zwischen den geschlossenen Militärarealen südlich des Areals. Die drei interdisziplinären Teams entwickelten im Dialog mit Fachleuten, Eigentümerschaft und Interessengruppen mehrere Ansätze. Trotz unterschiedlicher Konzepte entstand ein gemeinsamer Kern. Freiraum, Aare, Alpenbrücke und Allmendstrasse bilden das tragende Gerüst, an das künftige Quartierstrukturen anschliessen. Auch die neue Bahnhaltestelle nimmt Bezug auf den Bestand. Die markanten Sheddachhalle soll dabei als Rückgrat und Identitätsträger dienen.

    Von der Idee zur Umsetzung
    Nun startet die nächste Phase. In einer sogenannten Synthese arbeiten Stadt, Eigentümerschaft und Projektpartner an der weiteren Präzisierung von Freiraum und Quartierstruktur. Sie bildet die Grundlage für die nächsten, aufeinander abgestimmten Planungen, etwa Infrastrukturvorhaben oder die nötigen Planungsinstrumente. Damit nimmt Thun Nord Gestalt an, als zukunftsweisendes Quartier, das wirtschaftliche Stärke und räumliche Qualität verbindet.

  • Bellinzona transformiert

    Bellinzona transformiert

    Die historischen SBB-Werkstätten, Herzstück der Tessiner Industriegeschichte, machen Platz für ein Quartier, das als Modell für nachhaltige Stadtentwicklung, innovative Nutzungsmischung und hochqualitative Lebensräume fungiert. Die politische, wirtschaftliche und städtebauliche Bedeutung des Projekts reicht weit über die Grenzen von Bellinzona hinaus.

    Historische Kontinuität
    Die SBB-Officine prägten mehr als ein Jahrhundert den Stadtkern und sorgten für tausende von Arbeitsplätzen sowie eine eigenständige industrielle Identität. Mit der Standortverlagerung und dem Ersatzneubau der SBB-Industrieanlagen in Arbedo-Castione bis 2028 entsteht in zentralster Lage von Bellinzona eine seltene Entwicklungschance. Über 100’000 Quadratmeter werden für eine umfassende städtebauliche Neuordnung frei, mit einer Balance zwischen Tradition, Innovation und strategischer Stadtentwicklung.

    Partizipativer Leitprozess
    Die Umgestaltung des Geländes setzt ganz auf partizipative Verfahren. Der Entwicklungsprozess begann mit einem internationalen städtebaulichen Wettbewerb. Fünf europäische Planungsteams traten gegeneinander an, schlussendlich überzeugte das Projekt „Porta del Ticino – Urban Living Lab“ durch seinen Mut zu Grünraum, Multifunktionalität und attraktiver Dichte. Öffentliche Konsultationen und ein breit angelegter Einwohnerdialog sicherten breite Akzeptanz und politische Rückendeckung. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass 65 Prozent der Bevölkerung das siegreiche Leitbild unterstützen. Insbesondere jüngere Generationen formulieren hohe Erwartungen an Innovation und Lebensqualität.

    Urbane Struktur, Mischung und Entwicklungsphasen
    Das Masterplan-Konzept sieht eine klare lineare Dreigliederung des Areals vor. Zwei Randzonen bündeln Wohnungen, auch Genossenschaften, Verwaltungs- und Forschungsnutzungen, Hochschulen, Gewerbe und Hotelangebote. Im Zentrum entsteht mit der grosszügigen Almenda ein öffentlicher Grün- und Begegnungsraum, der als sozialer, kultureller und ökologischer Fokus dient. Der Umsetzungszeitraum für die Realisierung des Quartiers erstreckt sich über Jahre, um Schritt für Schritt lebendige, resiliente Wohn-, Arbeits- und Forschungslandschaften aufzubauen. Dies garantiert eine flexible Steuerung der Marktdynamik und vermeidet Leerstände oder exzessive Immobilienrenditeorientierung.

    Die markante „Kathedrale“, ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1919, bleibt als kultureller Magnet bestehen und wird als Begegnungs- und Veranstaltungsort transformiert. Eine würdige Perspektive für ein Wahrzeichen industrieller Arbeitskultur.

    Ein Reallabor des Urbanen Wandels
    Der Bebauungsplan verpflichtet zu höchsten Nachhaltigkeitsstandards, mit der angestrebten Erreichung des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) . Fossile Heizträger sind ausgeschlossen, flächendeckende Photovoltaik und Begrünung, Regenwassernutzung im Sinn der „Schwammstadt“, energieeffiziente Fernwärme und aktive Förderung von Elektromobilität sind integrale Bestandteile. Ein Energieplan unterstützt die Zielsetzung, einen Grossteil des Quartierstrombedarfs vor Ort zu decken. Breite Grünzüge, Biodiversität, urbanes Gärtnern, ressourcenschonende Bauweise und emissionsarme Mobilität runden das ökologische Profil ab.

    Besonderes Augenmerk liegt auf generationenübergreifenden Wohnmodellen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Startup-Förderung und dem neuen Innovationspark, der Bellinzona

    Modellcharakter und regionale Strahlkraft
    Das Projekt verbindet soziokulturelle Werte, nachhaltige Infrastruktur, unternehmerische Innovationen und ambitionierte Wohn- und Lebensqualitäten zu einem neuen urbanen „Motor“ der Region. Mit der Kombination aus partizipativer Governance, vielseitigen Nutzungsangeboten und resilienten Freiräumen setzt Bellinzona beispielhaft Massstäbe für die Schweizer und europäische Stadtentwicklung der nächsten Jahrzehnte.