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  • Bern erhält neuen RBS-Bahnhof

    Bern erhält neuen RBS-Bahnhof

    Der bestehende Bahnhof für den Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) war der erste unterirdische Bahnhof der Schweiz und wurde 1965 eröffnet. Geplant wurde er für täglich rund 16‘000 Fahrgäste. Heute frequentieren aber rund 60‘000 Passagiere täglich den kleinen, viergleisigen Bahnhof. Damit stiess er bereits mit dem Ausbau des Fahrplans 2014 an seine Kapazitätsgrenzen. Eine Verdichtung der Fahrpläne ist für den RBS mit dem in die Jahre gekommenen Bahnhof unmöglich. Und das ist ein Problem: Laut Prognosen wird die Nachfrage im öffentlichen Verkehr bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent steigen.

    Im Rahmen des Projekts «Zukunft Bahnhof Bern» entschied man sich deshalb für einen Neubau des RBS-Bahnhofs. So können künftig nicht nur mehr, sondern auch längere Züge anhalten. «Mit dem neuen RBS-Bahnhof können die Kapazitäten dank rund 12 Meter breiten Mittelperrons mit entsprechend mehr Platz aufgefangen werden. Zudem kann der RBS künftig bis zu 180 Meter lange Züge – das entspricht drei aneinandergehängten Zugkompositionen – einsetzen. Heute verkehren hier maximal sogenannte Doppeltraktionen, also zwei aneinandergehängte Züge», sagt Stefan Häberli, Mediensprecher, Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS. Zudem soll dank der neuen Mittelperrons der Komfort für die Reisende gesteigert und die Sicherheit erhöht werden. Denn die heutigen Perrons seien zu kurz und zu schmal.

    Der neue RBS-Bahnhof entsteht seit dem Jahr 2017 rund 20 Meter unterhalb der Gleise 2 bis 7 des SBB-Bahnhofs. Für den Tiefbahnhof werden zwei grosse unterirdische Räume mit je zwei Gleisen gebaut sowie der bereits erwähnte 12 Meter breite Mittelperron. Über Rolltreppen und mit Liften gelangen die Passagiere von der Perronebene zur Unterführung Mitte, die zu den Gleisen des Fern- und S-Bahnverkehrs sowie in die Stadt führt. Für die Einfahrt in den RBS-Bahnhof entsteht ein neuer zweigleisiger Tunnel mit einer Länge von 700 Metern. Der geplante Tunnel zweigt aus dem bestehenden RBS-Schanzentunnel ab und verläuft grösstenteils unter dem Strassen- und Bahnareal. Der bestehende, unter dem Länggassquartier verlaufende RBS-Tunnel sowie der heutige RBS-Bahnhof werden aufgegeben.

    Bauvergabe an regionale Unternehmen
    Die Hauptarbeiten wurden von der RBS an zwei regionale Bauunternehmen vergeben: Der Rohbau des eigentlichen unterirdischen Bahnhofs wird von der Marti AG ausgeführt. Seit August 2021 wird von einem Zugangsstollen vom Installationsplatz Laupenstrasse im Gleisfeld westlich des Bahnhofs Bern her gearbeitet. Für den Zufahrtstunnel in Richtung Eilgutareal und Bahnhof Bern zeichnet die Frutiger AG verantwortlich. Die Bauarbeiten laufen seit September 2020 von der Baugrube Hirschenpark aus. Der bestehende Zufahrtstunnel zum Bahnhof Bern wurde bei laufendem Bahnbetrieb bis auf das Gewölbe ausgegraben. Später wird dieser mit dem neuen Zufahrtstunnel verbunden.

    Mit dem Projekt «Zukunft Bahnhof Bern» wird auch die Strasse entlastet. Abgestimmt auf den Ausbau des Bahnhofs will die Stadt Bern den Verkehr im Bahnhofumfeld neu organisieren und gestalten. So werden Massnahmen zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs im Bahnhofumfeld getroffen. Der Fuss- und Veloverkehr soll dafür ausgebaut werden.

    Die Fahrgäste sowie die Anwohnenden der RBS-Baustellen würden die Bauarbeiten relativ gut tolerieren, wie Häberli sagt: «Die Fahrgäste des RBS waren bisher nur bedingt von den Bauarbeiten betroffen, da das oberste Ziel darin besteht, diese ohne grössere Einschränkungen für den Bahnverkehr durchzuführen.» Nächsten Sommer werde jedoch eine grössere Einschränkung in Form eines mehrwöchigen Streckenunterbruchs zwischen Bern und Worblaufen notwendig sein, da ein Teil des Gewölbes des bestehenden Schanzentunnels (Zugangstunnel in den heutigen Bahnhof) freigelegt und abgerissen werde. Dieser Schritt sei nötig, damit dieser Abschnitt später mit dem neuen Tunnel verbunden werden könne. «Während dieser Zeit werden auf dem Abschnitt Bahnersatzbusse verkehren», so Häberli.

    Die Visualisierung zeigt den neuen RBS-Bahnhof.

    Die Anwohnenden würden regelmässig über die anstehenden Bauarbeiten und vor allem teils notwendigen Nachtarbeiten informiert. Dies geschehe mit regelmässigen Anwohnerschreiben und über den direkten Austausch mit Vertretern und Vertreterinnen der Anwohnerschaft. «Das Interesse an den Bauarbeiten ist generell sehr hoch, wir erhalten regelmässig Anfragen für Baustellenführungen. Aus diesem Grund werden wir am 3. September auch einen Tag der offenen Baustelle durchführen, an dem Interessierte die Baustellen besichtigen und direkt Fragen an die Fachpersonen stellen können», sagt der Kommunikationsspezialist

    Findlinge und
    Öl-Altlasten verzögern die
    Bauarbeiten

    Die Herausforderung während des Baus: Der SBB- und der bestehende RBS-Bahnhof müssen während der Bauzeit uneingeschränkt in Betrieb bleiben. Im Bahnhof Bern laufen zudem gleichzeitig mehrere grosse Bauprojekte. Ausserdem wird der bestehende RBS-Bahnhof mit nur sieben Metern Überdeckung unterfahren – die ersten 400 Meter Tunnel führen durch den bestehenden RBS-Schanzentunnel. Dieser wird unter laufendem Betrieb von Emch+Berger in einer Planergemeinschaft saniert.

    Ursprünglich war die Eröffnung des neuen RBS Bahnhofs auf Ende 2027 geplant. Verschiedene Faktoren wie hydrologische Schwierigkeiten, Öl-Altlasten im Bereich der Laupenstrase oder die Corona-Pandemie sorgten für eine Verzögerung der Bauarbeiten. «Der Zugang zur unterirdischen Baustelle für den künftigen RBS-Bahnhof liegt mitten im Gleisfeld westlich des Bahnhofs Bern an der Laupenstrasse und ist mittels eines schmalen Zugangsschachts bzw. -stollens erschlossen. Die Platzverhältnisse auf der unterirdischen Baustelle sind sehr eng. Das ist logistisch eine gewaltige Herausforderung, da jeder Bauschritt entsprechend gut koordiniert werden muss. Die geologischen Verhältnisse auf dieser Baustelle sind komplex. So erforderten die Verhältnisse des Baugrundes resp. der sogenannten Sohle im Schacht Laupenstrasse aus Sicherheitsgründen eine zusätzliche Verankerung, die ursprünglich nicht vorgesehen war. Zudem erschwerten Findlinge bei der Erstellung des Zugangsschachtes zur unterirdischen Baustelle die Bauarbeiten», erklärt Häberli.

    Deshalb benötigt der RBS für die letzte Bauphase mehr Zeit. So soll die Inbetriebnahme aktuell voraussichtlich Mitte 2029 erfolgen. Die Unterführung Mitte soll 2028 eröffnet werden. Die Terminverzögerung hat Einfluss auf die Finanzen: Statt den bisherigen 614 Millionen Franken wird der RBS-Bahnhof rund 730 Millionen Franken kosten. Die Mehrkosten werden von Bund und Kanton übernommen.

    Bauherr:
    Regionalverkehr Bern-Solothurn RBS
    Investitionsvolumen:
    CHF 730 Mio.
    Zeitraum:
    2017–2029
    Beteiligte Bauunternehmen:
    Marti AG, Frutiger AG, Emch+Berger

  • «Wir wollen ein aktives sozialesZusammenleben fördern»

    «Wir wollen ein aktives soziales
    Zusammenleben fördern»

    Zur Person
    Alec von Graffenried (1962) ist seit 2017 Stadtpräsident von Bern. Von 2000 bis 2007 amtete er als Regierungsstatthalter des Amtsbezirks Bern. Von 2007 bis 2015 vertrat er die Grünen im Nationalrat. Zwischen 2007 und 2016 war von Graffenried bei Losinger Marazzi in Bern verantwortlich für nachhaltige Entwicklung (2007–2011) und Direktor «Immobilienentwicklung Mitte» (2012–2016). Der Vater von vier Kindern lebt mit seiner Familie im Berner Quartier Murifeld.

    Die Stadt Bern betreibt eine aktive Baupolitik. Welches sind die Leuchttürme der nächsten Jahre?
    Für die Stadt Bern ist es wichtig, im Immobilienmarkt aktiv zu sein. Traditionell war vor allem von der Wohnbaupolitik die Rede, und hier bleiben wir selbstverständlich sehr aktiv. Für den Werkplatz brauchen wir aber auch Gewerbezonen, in denen bestehende Gewerbe weiterexistieren und neue Gewerbe dazukommen können.

    Eine Herausforderung ist es, Industrieflächen zu erneuern und zu verdichten. Dafür braucht es neue Konzepte und Ideen. Wenn der private Sektor hier etwas weniger aktiv ist, kann ich mir auch vorstellen, dass die Stadt hier mit einer aktiven Bodenpolitik eingreift. Das ist für uns eine Zukunftsaufgabe.

    Mit dem Projekt Zukunft Bahnhof Bern wird einiges ändern. Was heisst das für die Stadt Bern?
    Die Stadt Bern hat nur 143’000 Einwohnerinnen und Einwohner, aber fast 193’000 Arbeitsplätze – also einen extrem hohen Anteil an Pendlerinnen und Pendlern. Viele von ihnen pendeln über den Bahnhof Bern, der täglich von über 200’000 Personen genutzt wird. Aktuell wird er für rund CHF 1,3 Mia. mit einem neuen Tiefbahnhof ergänzt. Das ist eine herausfordernde Baustelle. Der Bahnhof ist eng gebaut zwischen der Schanze und der Altstadt. Bauen im Betrieb ist immer anspruchsvoll, aber in diesen sehr beengten Verhältnissen ist es noch eine Stufe anspruchsvoller als an anderen Orten.

    Ist Bern auf dem Weg zur digitalen Smart City?
    Die Digitalisierung schreitet unaufhaltbar voran. Smart heisst für mich, durch digitale Lösungen nachhaltiger zu werden, weniger Ressourcen zu brauchen und natürlich einen Mehrwert zu bieten. Damit die Leute mitmachen bei der Digitalisierung, müssen digitale Lösungen auch «gäbig» sein. In meinen Augen bietet Digitalisierung schon heute vieles, was «gäbig» ist. In diesem Sinn wird es natürlich in Zukunft weitergehen.

    In Zukunft wollen wir Lösungen von Anfang an digital entwickeln und nur digital entwickeln. Wichtig ist uns, die ganze Gesellschaft mitzunehmen auf unseren digitalen Weg. Jene Menschen, die noch nicht digital unterwegs sind, möchten wir unterstützen.

    Die Stadt Bern steht durch den Bau von neuem Wohnraum vor einem grossen Innovationsschub. Wie gehen Sie diese Herausforderung an?
    Wie in allen Städten haben wir einen angespannten Wohnungsmarkt. Wir schaffen es nicht, genügend Wohnungen zu bauen. Leider nimmt der Wohnflächenkonsum auch immer etwas zu. Was mir persönlich wichtig, aber in der Immobilienentwicklung nicht immer mitgedacht ist: Dass wir nicht nur Wohnraum zur Verfügung stellen, sondern zum sozialen Miteinander animieren. Wir wollen keine anonyme Schlafstadt sein, sondern ein aktives soziales Zusammenleben fördern. Das geht am besten, wenn die Bevölkerung Verantwortung übernehmen kann für ihr eigenes Wohnumfeld. Je mehr Gestaltungsspielraum Menschen haben, desto mehr übernehmen sie auch Verantwortung für ihre Umgebung und in der Gesellschaft – das stärkt unser soziales System.

    Wie sieht es mit dem Fusionsprojekt «Kooperation Bern» der anliegenden Gemeinden aus?
    Wir sind im Austausch mit Ostermundigen, unserer zweitgrössten Nachbarsgemeinde, und haben einen Vorschlag für eine Fusion erarbeitet. Ziel dabei ist, dass Ostermundigen als neuer Stadtteil ein gutes Stadtteilleben hat und gleichzeitig mitprofitieren kann von den Vorteilen, die eine Stadt als grössere Einheit bietet. In einem Jahr stimmt Ostermundigen darüber ab, ob unser Angebot für sie stimmt. Ich hoffe sehr auf ein Ja und dass wir danach gemeinsam einen ersten Schritt machen können in Richtung Zukunft der Stadtregion Bern.

    Gibt es genügend Wohnraum in und um Bern?
    Eigentlich haben wir sehr viel Wohnraum, wenn man den Kreis um Bern etwas grösser zieht und bereit ist, 20 oder 30 Minuten zu fahren. In der Kernstadt herrscht jedoch Wohnungsnot. Wir haben hier nur etwa 0.5 Prozent Leerwohnungsbestand. Offensichtlich ist es den Leuten wichtig, in der Kernstadt zu wohnen. Dieser Nachfrage wollen wir gerecht werden, namentlich im Bereich des preisgünstigen Wohnraums, der natürlich besonders fehlt.

    Wie sieht es denn genau aus mit günstigen Wohnungen in der Stadt Bern?
    Durch die allgemeine Wohnungsnot ist der günstige Wohnraum natürlich auch knapp. Der günstige Wohnraum ist nicht der, der neu gebaut wird. Wir profitieren heute von den Leistungen der Vergangenheit und haben sehr günstige Wohnungen aus den 50er- und 60er-Jahren, die laufend erneuert werden. Aber wie gesagt zu wenige – auch deshalb wollen wir heute neue Wohnungen bauen, die unseren Kindern und Kindeskindern in ein paar Jahrzehnten als günstiger Wohnraum zur Verfügung stehen.

    Konnten mit der BO-Revision des Zwischennutzungsartikels der Stadt Bern die Zwischennutzungen weiter vereinfacht werden?
    Zwischennutzungen in der Stadt Bern sind wichtig, weil die Verfahren viel zu lange dauern. Der Zwischennutzungsartikel ist erst dieses Jahr in Kraft getreten. Um zu sehen, welche Wirkung er entfaltet, ist es jetzt noch zu früh – dafür braucht es noch ein paar Monate oder Jahre Zeit.

    Wichtig finde ich, dass man nicht nur an die definitive Endnutzung denkt, sondern experimentiert und ausprobiert, Provisorien zulässt und flexibel reagiert, wenn sich eine neue Nutzung entwickelt. Das versuchen wir an möglichst vielen Orten zu ermöglichen, sei es im öffentlichen Raum oder im Immobilienbereich.

  • «Zukunft Bahnhof Bern» schreitettrotz Verzögerungen voran

    «Zukunft Bahnhof Bern» schreitet
    trotz Verzögerungen voran

    Der Kanton und die Stadt Bern, der Bund, die SBB und der RBS spannen zusammen und haben gemeinsam das Projekt «Zukunft Bahnhof Bern» (ZBB) geplant. Das Gesamtprojekt ist in verschiedene Teilbereiche gegliedert:

    • Die SBB sind für den Bau der neuen unterirdischen Passage «Unterführung Mitte» verantwortlich. Die Arbeiten hierzu laufen seit dem Jahr 2017. Die neue Unterführung wird von der bestehenden Unterführung, dem Bubenbergplatz und von der Länggasse her zugänglich sein.
    • Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) baut einen neuen RBS-Bahnhof unterhalb des SBB-Bahnhofs.
    • SBB Immobilien baut das Bubenbergzentrum 10-12 neu.
    • Die Stadt Bern trifft abgestimmt auf den Ausbau des Bahnhofs Massnahmen, um den Verkehr im Bahnhofumfeld neu zu organisieren und zu gestalten. Dazu gehört auch eine Verlängerung der neuen «Unterführung Mitte» vom neuen Bahnhofzugang Bubenberg direkt zum Hirschengraben.

    Mit diesem Grossprojekt verbessert der Kanton Bern seine Erreichbarkeit und fördert die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Reisende profitieren künftig von mehr Platz und kürzeren Wegen innerhalb des Bahnhofs, in die Stadt und zu den Trams und Bussen. Die Publikumsanlagen im Bahnhof Bern werden so ausgebaut, dass sie der Entwicklung der Reisendenzahlen in Zukunft gerecht werden. «Vor Baustart 2016 gab es täglich ungefähr 270’000 Ein- und Aussteigende pro Tag im Bahnhof Bern. Anfang 2020 waren es bereits 320’000 und die Prognosen sprechen von rund 375’000 Ein- und Aussteigenden ab 2030. Entsprechend ist der Ausbau konzipiert», erklärt Angela Disch, Gesamtprojektleiterin SBB Infrastruktur.

    Der Umbau sei eine «Operation am offenen Herzen», sagt Disch und führt aus: «Schliesslich bauen wir unter anderem direkt unterhalb der befahrenen Gleise eine komplett neue Personenunterführung – und darunter entsteht auch noch der neue RBS-Bahnhof.» Eine der grössten He-rausforderungen sei es, die Bedürfnisse der verschiedenen Bauherrinnen und der Reisenden aufeinander abzustimmen. Ausserdem brauche es viel Rücksicht auf die Anwohnenden. «Nicht zuletzt sind in diesem urbanen Raum Flächen für Logistik, Maschinen und Baumaterial Mangelware», sagt Disch.

    Für «Zukunft Bahnhof Bern» wird mit Investitionen von gut einer Milliarde Franken gerechnet. Davon fallen rund 730 Millionen auf den RBS-Bahnhof. Das Projekt der SBB ist mit 375 Millionen budgetiert, und die Verkehrsmassnahmen der Stadt Bern sollen mit maximal 112 Millionen Franken zu Buche schlagen – die Stadtberner Stimmberechtigten haben den entsprechenden Kredit im März 2021 genehmigt. Die Kosten werden anteilsmässig vom Bund, dem Kanton Bern sowie der Stadt Bern getragen.

    Während sich die Bauarbeiten am RBS-Bahnhof verzögern, laufen die Arbeiten der SBB nach Plan. Allerdings wirken sich die Verzögerungen der Bauarbeiten des RBS-Bahnhofs auf den Ausbau der Publikumsanlagen aus. Statisch sind die Projekte der RBS und der SBB voneinander abhängig, da der RBS unterhalb der SBB-Baustelle und der bestehenden Perronhalle baut. Die SBB können die Ausbauarbeiten zur neuen Unterführung somit erst 2023 weiterführen, wenn der RBS Teile der Kaverne Nord (eine der beiden unterirdischen Hallen des neuen RBS-Bahnhofs) so weit gebaut hat, dass sie belastbar genug sind. Aus diesem Grund dürften die SBB ihre Ausbauten nach heutigem Stand ab April 2028 in Betrieb nehmen – rund ein Jahr später, als ursprünglich geplant.

    Nach Plan kann das Bubenbergzentrum 10-12 gebaut werden. Die Bauarbeiten starteten im März 2022 (siehe S. 40). Seit dem Jahr 2019 abgeschlossen sind der Bau des Zugangsstollens auf der Grossen Schanze sowie die Perronverlängerung. Ausserdem wurden die Perrons der Gleise 12/13 und 9/10 für ein barrierefreies Ein- und Aussteigen erhöht. Bis März 2023 werden Mikropfahlarbeiten an den Gleisen 1-8 vorgenommen, bevor die Unterführung weiter Richtung Süden ausgebaut werden kann.

    Auch der RBS-Bahnhof vermeldet trotz der Verzögerung Fortschritte: Bei der Kaverne Nord laufen die Ausbrucharbeiten auf der zweiten von vier Ebenen. Mit der definitiven Gewölbesicherung wurde zudem bereits begonnen. Währenddessen wird in der Südkaverne die Logistikkaverne fertiggestellt. Im Januar dieses Jahres konnten die Ausbrucharbeiten für den unteren Tunnelquerschnitt im Raum Hirschenpark/Eilgut abgeschlossen und mit den Betonierarbeiten für das Tunnelgewölbe begonnen werden. Rund 20 Meter unter den Abstellgleisen von SBB und BLS – im Untergrund des Eilguts – stehen die Aushubarbeiten kurz vor dem Abschluss. Hier sollen bis im Sommer 2022 die Bodenplatten eingebaut werden, auf denen später die Gleise für die RBS-Züge verlegt werden.

    Beim städtischen Projekt (Verkehrsmassnahmen Stadt Bern) liegt seit Februar 2022 die Vorprüfung vor, welche durch das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) durchgeführt wurde. Der Gemeinderat der Stadt Bern hat aufgrund der Ergebnisse anschliessend entschieden, ein gartendenkmalpflegerisches sowie ein Baumgutachten für die geplante Umgestaltung des Hirschengrabens in Auftrag zu geben. Ein archäologisches Gutachten soll zudem die genaue Situation der Tränke unter dem Hirschengraben eruieren. Diese Zusatzabklärungen sorgen für eine Verzögerung bei der öffentlichen Auflage des Projekts, die nun Ende 2022 / Anfang 2023 erfolgen dürfte. Die Bauarbeiten kann die Stadt Bern somit frühestens 2024 aufnehmen.

    Die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs Bern war von Anfang an gestaffelt vorgesehen. Das Credo lautet: Was fertig ist, wird in Betrieb genommen. So wird sichergestellt, dass die Öffentlichkeit schnellstmöglich vom neuen Bahnhof profitieren kann. Eine grosse Eröffnung ist also nicht geplant.