Schlagwort: Bevölkerungswachstum

  • Starker Immobilienmarkt im Aargau zeigt hohe Preise und niedrige Leerstände

    Starker Immobilienmarkt im Aargau zeigt hohe Preise und niedrige Leerstände

    Der aktuelle Immobilienbarometer der Aargauischen Kantonalbank (AKB) attestiert dem Aargauer Immobilienmarkt ein «starkes Momentum». Die hohe Anziehungskraft des Kantons als Wohnort äussere sich «in weiterhin überdurchschnittlich steigenden Immobilienwerten», schreiben die Fachleute der AKB im Barometer. Konkret haben sie eine Zunahme der Preise für Wohneigentum um 4,6 Prozent im Jahresvergleich festgestellt.

    Unter den einzelnen Regionen des Aargau stechen dabei Aarau/Seetal mit um 5,1 Prozent gestiegenen Hauspreisen und Rheinfelden/Fricktal mit um 6,1 Prozent teureren Eigentumswohnungen hervor. In der Mehrheit der 230 Gemeinden des Kantons müssen den Recherchen der Fachleute zufolge mehr als 1 Million Franken für ein freistehendes Einfamilienhaus mit Umschwung auf den Tisch gelegt werden. Noch höher fallen die Preise in den Einzugsmärkten der umliegenden Grosszentren aus.

    Bei den Angebotsmieten haben die Fachleute der AKB eine Steigung von 4,7 Prozent Jahresvergleich festgestellt. Für eine moderne 4,5-Zimmer-Wohnung beträgt die Miete damit im Mittel rund 2200 bis 2300 Franken ohne Nebenkosten. Die Leerstandsquote liegt aktuell kantonsweit bei 1,3 Prozent.

    Die Immobilienfachleute der Kantonalbank gehen auch für die Zukunft von steigenden Preisen bei Wohneigentum und Angebotsmieten aus. Sie stützen sich dabei auf ein anhaltend starkes Bevölkerungswachstum bei gleichzeitig weiterhin stockender Bautätigkeit. Zudem erwarten sie weitere Leitzinsreduktionen, die sich positiv auf die Rendite von Investitionen in Immobilien gegenüber Vergleichsanlagen wie Bundesobligationen auswirken.

  • Preise für Berner Immobilien bleiben im Aufwärtstrend

    Preise für Berner Immobilien bleiben im Aufwärtstrend

    «Wohnen im Kanton Bern bleibt teuer», überschreibt die Berner Kantonalbank (BEKB) eine Mitteilung zu ihrem aktuellen Immobilienbarometer. Es wird von der BEKB halbjährlich in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Immobiliendienstleister IAZI erstellt. Der Herbstausgabe 2024 zufolge haben die Preise für Wohnungen und Häuser im Kanton Bern im Jahresvergleich 3,3 Prozent zugelegt.

    Auch Angebotsmieten liegen im Aufwärtstrend. Als Hintergrund für steigende Mieten und Preise am Wohnungsmarkt verweisen die Fachleute von BEKB und IAZI auf ein starkes Bevölkerungswachstum im Kanton bei gleichzeitig geringer Neubautätigkeit. «Die Arbeitslosenquote im Kanton bleibt auf einem historisch tiefen Niveau und die Zahl der offenen Stellen nimmt stetig zu», heisst es zudem in der Mitteilung. Solange dies so bleibe, sei nicht mit einer Entspannung des Wohnungsmarkts zu rechnen.

    Innerhalb der einzelnen Regionen des Kantons haben die Fachleute eine Normalisierung der Preisdynamik in Tourismusregionen beobachtet. Die Preise in den Oberländer Regionen und insbesondere Obersimmental-Saanen seien in den vergangenen Jahren stark durch den Zweitwohnungsmarkt getrieben worden. Zum Ende des dritten Quartals 2024 wurde hier eine Beruhigung registriert. Im Oberaargau sind die Preise dagegen im Jahresvergleich durchschnittlich um 3,9 Prozent gestiegen. Dies führen die Fachleute auf eine Verlagerung der Nachfrage nach Wohneigentum in Regionen mit vergleichsweise moderatem Preisniveau zurück.

  • Schweizer Geburtenrate auf historischem Tiefstand

    Schweizer Geburtenrate auf historischem Tiefstand

    Das Bundesamt für Statistik hat die Zahlen zu den natürlichen Bevölkerungsbewegungen in der Schweiz für das Jahr 2023 veröffentlicht. Die Geburtenzahl erreichte einen historischen Tiefstand. Zwischen 2021 und 2023 sank die Zahl der Lebendgeburten um mehr als 10 % auf 80’024 Geburten. Das natürliche Bevölkerungswachstum betrug nur noch 8’200 Personen, etwa die Hälfte des Durchschnitts der letzten zehn Jahre. Die zusammengefasste Geburtenziffer erreichte 1.33 – ein noch nie dagewesener Wert in der Schweiz.

    Geburtenentwicklung: Detaillierte Analyse
    Der Rückgang betrifft sowohl Kinder mit schweizerischer als auch mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Die Geburten von Schweizer Kindern sanken um 8 %, bei Kindern mit ausländischer Staatsangehörigkeit um 5 %. Besonders stark ging die Zahl der dritten Kinder zurück (über 11 %). Der Rückgang betrifft vor allem jüngere Mütter: Bei Teenagern und Frauen unter 25 Jahren lag der Rückgang bei über 30 %, während Frauen über 45 Jahre mehr Kinder zur Welt brachten.

    Ursachen des Geburtenrückgangs
    Die Ursachen für den Rückgang der Geburtenrate in der Schweiz sind vielschichtig und komplex. Ein wesentlicher Faktor ist die Individualisierung und die damit einhergehenden veränderten Lebensweisen. Immer mehr Menschen wenden sich von traditionellen Familienmodellen ab und suchen nach Sinn und Erfüllung ausserhalb der Elternschaft.

    Wirtschaftliche Kosten spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Die hohen Wohnkosten, die Ausgaben für Kinderbetreuung und die Opportunitätskosten, die durch Einkommensverluste entstehen, belasten viele Familien. Diese finanziellen Belastungen machen es für viele Paare schwierig, sich für Kinder zu entscheiden.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wohnungskrise. Die Knappheit an bezahlbarem Wohnraum erschwert es jungen Familien, geeigneten Wohnraum zu finden, was die Familiengründung zusätzlich behindert.

    Auch geopolitische Unsicherheiten und die sogenannte Öko-Angst tragen zum Geburtenrückgang bei. Viele Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft und haben ökologische Bedenken, die ihre Entscheidung, Kinder zu bekommen, negativ beeinflussen.

    Schliesslich spielt auch die Familienpolitik eine Rolle. Im internationalen Vergleich bietet die Schweiz weniger grosszügige Familienförderung. Andere Länder wie Frankreich unterstützen Familien stärker und fördern damit auch die Geburtenrate.

    Ein Rückgang der Geburtenrate hat erhebliche Auswirkungen
    Der Rückgang der Geburtenrate könnte erhebliche Auswirkungen auf verschiedene Bereiche haben. Ein besonders betroffenes Gebiet ist der Arbeitsmarkt. Der bestehende Arbeitskräftemangel könnte sich weiter verschärfen, was die Schweiz stärker auf Zuwanderung angewiesen macht, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

    Auch die Sozialversicherungen könnten unter dem Geburtenrückgang leiden. Eine steigende Lebenserwartung bei gleichzeitig sinkenden Geburtenzahlen könnte zu erheblichen Ungleichgewichten in den Sozialversicherungssystemen führen. Dies könnte langfristig die finanzielle Stabilität der Renten- und Gesundheitssysteme gefährden.

    Der Immobilienmarkt würde ebenfalls beeinflusst werden. Die Nachfrage nach kleineren Wohnungen könnte steigen, während grosse, abgelegene Häuser an Attraktivität verlieren könnten. Dies würde zu einer Verschiebung der Nachfrage führen, wobei zentral gelegene und gut erreichbare kleine Wohnungen bevorzugt werden. Gleichzeitig könnte der Bedarf an öffentlichen Infrastrukturen, wie Schulen, sinken, während die Nachfrage nach Einrichtungen zur Kinderbetreuung möglicherweise steigen würde, um die Bedürfnisse der arbeitenden Eltern besser zu unterstützen.

    Wiederanstieg der Geburten im Jahr 2024?
    Die ersten Zahlen zu den Geburten im Jahr 2024 lassen keinen Trendwechsel erwarten. Zwischen Januar und April 2024 wurden 24’300 Babys geboren, eine stabile Zahl im Vergleich zu 2023. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Geburtenzahlen auf diesem niedrigen Niveau stabilisieren werden.

    Der Rückgang der Geburtenrate in der Schweiz ist ein komplexes Phänomen mit weitreichenden Folgen. Um den Herausforderungen zu begegnen, sind umfassende Massnahmen und eine vorausschauende Planung erforderlich. Dies betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den sozialen Zusammenhalt und die Gestaltung unserer Lebensräume.

  • Projekt «Wachstum 2050» des Kantons Zürich

    Projekt «Wachstum 2050» des Kantons Zürich

    Mit Blick auf die Prognosen, die ein Wachstum um 450’000 Personen bis 2050 im Kanton Zürich vorhersagen, ist die hohe Attraktivität und Standortqualität des Kantons offensichtlich. Die folgenden Jahre werden geprägt sein von der Herausforderung, das Wachstum zu gestalten und sinnvoll zu managen, weshalb dies ein Schwerpunkt der Regierungspolitik 2023-2027 ist. Das Projekt «Wachstum 2050» wird von der Baudirektion koordiniert und zielt darauf ab, die strategischen Herausforderungen zu identifizieren und eine konsolidierte gesamtkantonale Zielsetzung zu erarbeiten. Alle Politikbereiche sind betroffen, weshalb eine interdisziplinäre Zusammenarbeit auf direktionübergreifender Ebene sowie mit Gemeinden, Regionen und anderen Stakeholdern vorgesehen ist. Der Projektbericht und die Umsetzungsagenda sollen bis zum Frühjahr 2027 vorliegen, um eine nachhaltige Planung und Umsetzung sicherzustellen.

  • Arealentwicklung – Strategien für eine lebendige Stadt

    Arealentwicklung – Strategien für eine lebendige Stadt

    Die Stadt Zürich ist einem stetigen Wandel unterworfen, der von steigendem Bevölkerungswachstum und zunehmender Nachfrage nach Wohnund Gewerbeflächen geprägt ist. Eine ausgewogene Stadtentwicklung, die die Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigt und ökologische sowie soziale Aspekte einbezieht, ist entscheidend. Das Amt für Städtebau spielt eine bedeutende Rolle bei der Planung und Umsetzung dieser Entwicklung. Durch die Koordination öffentlicher und privater Interessen sowie die Ausarbeitung städtebaulicher Projekte trägt das Amt dazu bei, dass Zürich eine lebendige und attraktive Stadt bleibt. Dabei wird das baukulturelle Erbe gepflegt und Platz für zukunftsweisende Bauprojekte geschaffen. Ein zentrales Instrument für die langfristige Entwicklung der Stadt ist der kommunale Richtplan. Dieser legt strategische Ziele und Massnahmen für eine nachhaltige Arealentwicklung fest und dient als Leitfaden für die Koordination verschiedener Interessen und Akteure. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums bis 2040 ist eine gezielte Planung und Verdichtung im Bestand unumgänglich. Der kommunale Richtplan definiert Gebiete, die für eine bauliche Verdichtung geeignet sind, sowie Flächen für öffentliche Freiräume, kommunale Bauten und Anlagen. Dabei steht die Schaffung einer lebenswerten Umgebung im Vordergrund, die den Bedürfnissen der Bewohner gerecht wird und nachhaltige Stadtentwicklung ermöglicht. Insgesamt stellt die Arealentwicklung und Raumplanung in Zürich eine komplexe Herausforderung dar, die eine enge Zusammenarbeit verschiedener Akteure erfordert. Das Amt für Städtebau engagiert sich für eine ausgewogene und zukunftsorientierte Entwicklung der Stadt, welche die Identität bewahrt und den Bedarf an Wohn-, Arbeits- und Erholungsraum deckt.

  • Immobilienbranche in der Schweiz: Herausforderungen und Chancen im Zeitalter der 10-Millionen-Bevölkerung

    Immobilienbranche in der Schweiz: Herausforderungen und Chancen im Zeitalter der 10-Millionen-Bevölkerung

    Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz wird voraussichtlich die 9-Millionen-Grenze in der ersten Jahreshälfte 2024 überschreiten und könnte bis Mitte der 2030er-Jahre die magische 10-Millionen-Marke erreichen. Dieser rapide Anstieg ist historisch beispiellos und wird hauptsächlich durch internationale Migration angetrieben, während die Bautätigkeit nicht Schritt halten kann.

    Seit dem Aufstieg von der 5-Millionen-Schweiz im Jahr 1955 wurde mehr Wohnraum geschaffen, und die Verkehrsinfrastruktur wurde massiv ausgebaut, was dazu beitrug, dass die Mieten im Verhältnis zu den Löhnen nur moderat stiegen. Diese Ära des sinkenden Wohnkosten, grösserem Flächenkonsum pro Person und mehr Wohnkomfort scheint jedoch vorbei zu sein. Aufgrund des Bautätigkeitsrückgangs könnten bis 2034 mindestens 150.000 Wohnungen fehlen, um den Flächenkonsum stabil zu halten.

    Dies wird voraussichtlich dazu führen, dass die Mieten schneller steigen als die Einkommen. Die Angebotsmieten könnten bis Mitte der 2030er-Jahre insgesamt um 25 bis 30 Prozent real ansteigen, ähnlich wie zwischen 2002 und 2012. Insbesondere in Zentrumslagen wird die Mietpreisentwicklung aufgrund hoher Einwanderung noch stärker ausfallen als in der Peripherie.

    Auch die Wohnimmobilienpreise, sei es für Eigenheime oder Mehrfamilienhäuser, werden voraussichtlich bei moderaten Zinsen stärker steigen als die Einkommen. Toplagen werden aufgrund des Wachstums weiterhin stark nachgefragt sein, und die Agglomerationen rund um die Grosszentren werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen, was die Zahlungsbereitschaft in diesen Gebieten erhöht. Wohnimmobilien könnten somit an vergangene Wertsteigerungen anknüpfen oder diese sogar übertreffen.

    Allerdings gibt es auch Risiken. Wenn sich die Wohnsituation für viele Haushalte verschlechtert, könnte die Politik zusätzliche Regulierungen einführen, was die Situation verschärfen würde. In einem solchen Szenario könnte die Bautätigkeit weiter zurückgehen, und die Bausubstanz sowie die Nachhaltigkeit könnten leiden, da Anreize für umfassende und energetische Sanierungen fehlen. Die Zukunft der Immobilienbranche in der Schweiz hängt daher von einer ausgewogenen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung ab.

  • «Eine Grossstadt mit kleinstädtischem Charme»

    «Eine Grossstadt mit kleinstädtischem Charme»

    Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen für die Stadt?
    Winterthur verzeichnet ein starkes Wachstum. Dieses birgt Chancen, aber auch Herausforderungen. Immer mehr Menschen möchten nach Winterthur ziehen. Das erfordert eine grössere Anzahl verfügbarer Arbeitsplätze, denn kurze Arbeitswege bedeuten Lebensqualität. Zudem müssen wir mehr Verkehrs- und Bildungsinfrastruktur zur Verfügung stellen. Das ist mit Kosten verbunden – auch wenn wir durch die wachsende Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner mehr Steuereinahmen generieren. Dennoch sind grössere Investitionen nötig, um das Wachstum aufzufangen. Mit «Winterthur 2040» haben wir definiert, wo verdichtet werden soll. Bis 2040 rechnen wir mit rund 135’000 Einwohnenden.

    Sie haben es bereits erwähnt: Die Stadt Winterthur zählt aktuell über 120’000 Einwohner. Sie verzeichneten vergangenes Jahr das stärkste Bevölkerungswachstum seit Jahrzehnten. Woran liegt das?
    Winterthur ist einfach eine super Stadt! Wir liegen hervorragend erschlossen. Wir bieten sehr viele Grünflächen, eine hohe Lebensqualität sowie ein vielseitiges Kulturangebot. Unsere Bildungsinstitutionen ziehen darüber hinaus vor allem junge Leute an. Dies bringt dem regionalen Arbeitsmarkt gut ausgebildete Fachkräfte. Natürlich profitieren wir auch von unserer Zugehörigkeit zum Wirtschaftsraum Zürich. Und wir sind eine moderne Technologiestadt, was für Unternehmen inte-
    ressant ist. Kurz gesagt: Winterthur ist eine Grossstadt, die alles bietet, aber dennoch den kleinstädtischen Charme behalten hat.

    Wie steht es hinsichtlich der stark angestiegenen Einwohnerzahlen um den Wohnungsmarkt der Stadt?
    Wir kämpfen wie alle Städte mit einer sehr tiefen Leerstandsquote. Aber wir können immer noch auf ein paar wenige städtische und einige private Baureserven zurückgreifen. Die aktuelle Bau- und Zonenordnung lässt noch einiges zu. Es wird rege gebaut, das sehen wir an der Anzahl Baubewilligungen. Grundsätzlich streben wir eine gut durchmischte Stadt an. Deshalb sind wir bemüht, sowohl günstigen Wohnraum wie auch solchen für höhere Einkommen anzubieten. Meiner Meinung nach soll der Wohnungsmarkt aber nicht von der Stadt reguliert werden, er muss möglichst eigenständig funktionieren.


    Sie haben die Fachstelle Smart City aufgebaut. Womit beschäftigt sich diese und wie funktioniert sie?

    Wir waren die erste Stadt mit einer stadträtlichen Smart-City-Strategie in der Schweiz. Die Smart City setzt soziale und technologische Innovationen gezielt ein, um die Lebensqualität zu sichern, Ressourcen zu schonen und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Es geht also darum, unter Anwendung moderner Technologien den Alltag für die Bevölkerung zu vereinfachen und die Stadt gut zu vernetzen. Dafür haben wir die Fachstelle Smart City Winterthur gegründet. Darüber hinaus positioniert sich die Stadt Winterthur als Living Lab (WinLab), Reallabor respektive Teststadt, in welcher soziale und technologische Innovationen zugunsten einer nachhaltigen Stadtentwicklung erprobt, systematisch getestet und im Erfolgsfall skaliert werden können. Partner aus Forschung und Entwicklung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind zur aktiven Teilnahme eingeladen.


    Nachhaltigkeit ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort.
    Stimmt. Die Stadt der Zukunft, da sind sich Forscherinnen und Forscher verschiedenster Richtungen einig, muss eine nachhaltige Stadt sein. Das bedeutet, die Stadt muss so gestaltet sein, dass sie sich wandelnden Rahmenbedingungen anpassen kann. Dies betrifft nicht nur die «Hardware» wie Infrastruktur, Bauten und Freiflächen, sondern auch die «Software», also die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen. Eine nachhaltige Stadt ist demnach ökonomisch erfolgreich, ökologisch verträglich, sozial stabil und damit: Resilient. Das nachhaltige Winterthur soll darum auch eine ökologische Stadt sein, im Sinne der Lebensqualität für ihre Bewohnerinnen und Bewohner. Dazu gehören möglichst wenig Emissionen, genügend Grünflächen, Freiraum und flexible und vielfältige Fortbewegung. Im Hinblick auf soziale Resilienz ist es uns wichtig, Netzwerke zu stärken und bestehende Benachteiligungen anzugehen.


    Was wurde im Bereich der digitalen Transformation der Stadtverwaltung konkret unternommen und was ist noch geplant?
    Um die digitale Transformation gezielt und ganzheitlich angehen zu können, erarbeitet die Stadt aktuell eine Digitalisierungsstrategie. Diese richtet sich nach den Bedürfnissen der verschiedenen Anspruchsgruppen und orientiert sich an den zur Verfügung stehenden Mitteln und Ressourcen. Unser Ziel ist es, einen schnelleren und möglichst niederschwelligen Kontakt zur Bevölkerung zu schaffen. Aktuell bietet die Stadt über 90 E-Services, die über ein zentrales Portal erreichbar sind. Auch intern wollen wir unsere Arbeitsprozesse noch effizienter gestalten. Höchste Priorität hat dabei aber nicht nur eine einfache Handhabung, sondern insbesondere der Datenschutz und die Datensicherheit. Die grösste Herausforderung ist und bleibt aber die Geschwindigkeit, mit welcher die Digitalisierung voranschreitet. Hier gilt es, Schritt zu halten. Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind gut unterwegs.


    Sie haben 2017 die Vereinigung der Vereine Winterthur Tourismus und Standortförderung Region Winterthur initiiert. Entstanden ist die neue Organisation House of Winterthur. Welches Fazit ziehen Sie rund sechs Jahre später?
    Wir haben mit House of Winterthur einen Verein gegründet, der uns erlaubt, integriertes Standortmarketing zu betreiben. Wir waren damals die erste Stadt, die das probiert hat. Wir wollen Marketing für die Stadt und die Region Winterthur quasi aus einer Hand betreiben und eine höhere Wertschöpfung generieren. Wir sind mit einer sehr breiten Trägerschaft gut gestartet. Die Trägerschaft ist mit dem Kanton, Gemeinden, Unternehmen, Hotelbetrieben, Restaurants, Kulturinstitutionen und der Stadt sehr breit; die unterschiedlichen Ansprüche zu erfüllen, war eine sehr grosse Herausforderung. Wir haben hier bestimmt nicht alles optimal gemacht. Seit eineinhalb Jahren haben wir einen neuen Direktor und sind daran, den Vorstand neu zusammenzustellen. Von der Idee bin ich nach wie vor überzeugt, wir müssen sie aber noch optimieren und justieren.

  • «Verdichtung oder Verdrängung? Wenn Neubauten ersetzen»

    «Verdichtung oder Verdrängung? Wenn Neubauten ersetzen»

    Für die Stadt Zürich lässt sich seit den 2000er Jahren eine rasante bauliche Dynamik beobachten. Während die in den zurückliegenden Dekaden favorisierte horizontale Erweiterung der Stadt längst an ihre Grenzen gestossen ist und kaum Baulandreserven existieren, wird nunmehr aktiv eine nachhaltige Verdichtung nach Innen mittels Ersatzneubauten gefördert. Ziel ist es, mehr ressourcensparenden Wohnraum zu schaffen, um den bestehenden Bedarf zu decken und das prognostizierte Bevölkerungswachstum aufzufangen. Die Transformation ist tiefgreifend: So wird beispielsweise bis zu einem Drittel des Wohnungsbestandes des Stadtteils Schwamendingen in den nächsten Jahrzehnten durch Neubauten ersetzt. Auch was denkmalpflegerisch geschützt ist, ist Verfügungsmasse.

    Diese Veränderung von niedrig-verdichteten zu hoch-verdichteten Quartieren zieht grundlegende räumliche und soziale Veränderungen nach sich. Der Abriss von Bestandsbauten geht nicht selten mit dem Verlust besonders preisgünstigen Wohnraums und einer Verdrängung der bestehenden Wohnbevölkerung einher; mit einschneidenden Folgen insbesondere für vulnerable Gruppen wie Ältere, kinderreiche Familien und Personen mit niedrigeren Einkommen.

    Wie auch ihre Vorgängerinnen, bezieht sich die aktuelle Erneuerungswelle auf quantitative und wissenschaftliche Argumentationen: Waren es zu Beginn des 20. Jahrhunderts Versprechen von Hygiene, Tugend und Bezahlbarkeit, legitimieren heute die Schlagworte «Nachhaltigkeit», «Qualität» und «Diversität» Abriss und Neubau. Doch was als Handlung in einem Moment nur folgerichtig erscheinen mag, ist oft schon innerhalb weniger Jahrzehnte kaum mehr verständlich.

    «Verdichtung oder Verdrängung?» macht Zusammenhänge sichtbar und rückt Fragen in den Vordergrund. Die Ausstellung ist multiperspektivisch angelegt und liefert keine fertigen Antworten auf die brennenden Fragen, sondern zeigt auf, wie auch rational begründete Argumente stets historisch kontingent sind und Betroffene sowie Beteiligte die resultierende Transformation unterschiedlich begründen, deuten und erleben.

    Das ZAZ BELLERIVE Zentrum Architektur Zürich präsentiert vom 26. Januar bis 26. März 2023 die Ausstellung «Verdichtung oder Verdrängung? Wenn Neubauten ersetzen». Ein Ausstellungs- und Vermittlungsprojekt in Kooperation mit den Studiengängen MAS GTA und MAS in Housing, D-ARCH, ETH Zürich. Mit Gastbeiträgen von Countdown 2030, Mieten-Marta, Newrope/ETH Professur für  Architektur und Urbane Transformation.