Schlagwort: Chemikalien

  • Neue Studie analysiert Chemikalien in Plastik

    Neue Studie analysiert Chemikalien in Plastik

    Kunststoffe sind nicht nur ein Umweltproblem, sie sind ein chemisches Risiko. Ob Verpackungen, Kinderspielzeug oder Elektronik. In nahezu allen Kunststoffprodukten sind Chemikalien enthalten, viele davon potenziell schädlich für Mensch und Umwelt. Die neue Studie, an der renommierte Forschungseinrichtungen wie die Empa, die Eawag und norwegische Universitäten beteiligt sind, beleuchtet erstmals systematisch den chemischen Fussabdruck der Plastikwelt.

    PlastChem-Datenbank
    Die begleitende PlastChem-Datenbank verzeichnet über 16’000 Chemikalien, die in Kunststoffen eingesetzt werden, bewusst oder als Verunreinigung. Mindestens 4’200 davon sind laut den Autoren eindeutig gesundheits- oder umweltschädlich. Besonders alarmierend, diese Chemikalien finden sich nicht nur in Spezialanwendungen, sondern auch in alltäglichen Produkten wie Lebensmittelverpackungen, Spielwaren und Baukunststoffen.

    Bioassays statt Blackbox
    Ein innovativer Ansatz zur Risikobewertung liegt in der Anwendung sogenannter Bioassays, biologischer Tests, die die toxische Wirkung freigesetzter Stoffe messen, ohne deren genaue chemische Struktur zu kennen. Das eröffnet neue Wege, auch bislang nicht identifizierte Substanzen besser zu erfassen, eine Notwendigkeit, wenn man bedenkt, dass Kunststoffe oft auch Abbauprodukte und Reaktionsrückstände enthalten, die in keine Liste passen.

    Drei Hebel für sichere Kunststoffe
    Die Studie identifiziert drei zentrale Handlungsfelder:

    • Substitution gefährlicher Stoffe durch sichere Alternativen,
    • Transparenz über chemische Inhalte in Produkten entlang der Wertschöpfungskette,
    • chemisch vereinfachte Polymerdesigns, die Wiederverwendung und Recycling erleichtern.

    Diese Ansätze sind nicht nur technologische, sondern auch politische Aufgaben. Denn bislang fehlt es oft an regulatorischer Klarheit, welche Chemikalien verwendet werden dürfen und welche nicht.

    Impulse für das globale Plastikabkommen
    Die Ergebnisse liefern pünktlich zum UN-Verhandlungsprozess über ein globales Plastikabkommen eine wissenschaftlich fundierte Basis für konkrete Massnahmen. Entscheidend sei, so die Forschenden, dass nun nicht nur Umwelt-, sondern auch Gesundheitsaspekte im Zentrum der Kunststoffstrategie stehen.

    Stimmen aus der Forschung
    «Kunststoffe enthalten nicht nur zu viele Chemikalien, sondern auch zu viele, über die wir fast nichts wissen», sagt Hauptautor Martin Wagner (NTNU). Empa-Forscher Zhanyun Wang ergänzt: «Die chemische Vereinfachung ist ein Schlüssel für eine echte Kreislaufwirtschaft.»

    Die Studie macht deutlich, ein «Business as usual» in der Kunststoffproduktion ist weder ökologisch tragfähig noch gesundheitlich vertretbar. Wer Kunststoffe in Zukunft einsetzen will, muss sie neu denken, vom molekularen Design bis zur globalen Verantwortung.

  • Langlebige Chemikalien belasten Böden

    Langlebige Chemikalien belasten Böden

    Das Departement Life Sciences und Facility Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat im Auftrag des Bundesamts für Umwelt und in Zusammenarbeit mit der Nationalen Bodenbeobachtungsstelle von Agroscope die Belastung der Schweizer Böden durch perfluorierte und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) untersucht. Wie es in einer Mitteilung der ZHAW heisst, wurden von insgesamt 32 PFAS-Verbindungen die beiden häufigsten in allen 146 entnommenen Proben nachgewiesen. Rund 80 Prozent der untersuchten Böden wiesen PFAS-Konzentrationen zwischen 0,5 und 4,1 Mikrogramm pro Kilogramm Boden-Trockensubstanz auf.

    Obwohl die Forschenden die geringsten Konzentrationen an alpinen Standorten gemessen haben, weisen auch abgelegene Gebiete der Schweiz PFAS auf. Ein direkter Zusammenhang des Grads der Belastung mit der Landnutzung wurde hingegen nicht festgestellt. Die Resultate weisen laut ZHAW somit eher auf „einen stark diffusen Eintrag von PFAS auf Schweizer Böden“ hin.

    Bei vielen PFAS handelt es sich um extrem langlebige Chemikalien, die in der Industrie eingesetzt werden oder in Alltagsprodukten wie Reinigungsmitteln vorkommen. Vom Menschen werden PFAS vorwiegend über Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommen. Einige der PFAS wurden im Tierversuch als gesundheitsschädlich erkannt.

    „Welche Gefährdung von Mensch und Umwelt durch die gefundenen PFAS-Konzentrationen vorliegt, kann noch nicht abschliessend beurteilt werden“, heisst es in der Mitteilung. „Aufgrund des allgegenwärtigen Vorkommens in Schweizer Böden“ schlagen die Forschenden aber vor zu prüfen, „ob eine chronische Gefährdung entweder durch direkte Bodenaufnahme oder durch Nahrungsmittel besteht“.