Schlagwort: CO2-Emissionen

  • EMPA gewinnt Building Award 2025

    EMPA gewinnt Building Award 2025

    Rund 8 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entfallen auf die Zementherstellung, ein enormer Hebel für den Klimaschutz. Die Empa setzt genau hier an. Mit CO₂-speicherndem Beton, dem speziell entwickelte Kohlenstoff-Pellets aus Pflanzenkohle beigemischt werden. Diese ersetzen einen Teil der konventionellen Gesteinskörnung. Der Clou, die Pellets nehmen CO₂ auf und können als dauerhafte Kohlenstoffsenke wirken, ohne die Baustoffeigenschaften negativ zu beeinflussen. Damit wird der Beton nicht nur klimaneutral, sondern potenziell CO₂-negativ und bleibt dabei praxistauglich einsetzbar im Hoch- und Infrastrukturbau.

    Ausgezeichnete Ingenieurleistung mit Perspektive
    Für diese Innovation wurde die Empa Ende Juni 2025 mit dem Building Award in der Kategorie «Forschung, Entwicklung, Start-ups» ausgezeichnet. Dem bedeutendsten Preis für Bauingenieurwesen in der Schweiz. Die Preisverleihung im KKL Luzern würdigte herausragende Projekte, die Wissenschaft und Praxis zusammenbringen. Die Empa überzeugte mit einer Lösung, die das Potenzial hat, die Emissionsbilanz ganzer Bauprojekte signifikant zu verbessern und das mit Blick auf industrielle Umsetzbarkeit.

    Pilotprojekt bereits geplant
    Das Empa-Team um Pietro Lura und Mateusz Wyrzykowski entwickelt die CO₂-negativen Pellets bereits mit Partnern für den Markteinsatz weiter. Erste Anwendungen sind in Vorbereitung, unter anderem in der NEST-Unit «Beyond Zero», einem Modul des experimentellen Forschungsgebäudes der Empa und Eawag. Dort werden CO₂-reduzierte und -negative Baustoffe unter realen Bedingungen getestet, was die praktische Relevanz der Forschung zusätzlich unterstreicht.

    CO₂ als Rohstoff der Zukunft
    Die Beton-Innovation ist Teil einer umfassenderen Strategie. Mit der Forschungsinitiative «Mining the Atmosphere» verfolgt die Empa ein visionäres Ziel, den Umbau der Wirtschaft hin zu einem CO₂-basierten Stoffkreislauf. Das Konzept, CO₂ wird direkt aus der Atmosphäre abgeschieden und in chemische Grundstoffe wie Methan oder Methanol umgewandelt. Diese wiederum ersetzen fossile Rohstoffe in der Produktion von Baumaterialien oder Energieträgern. Am Ende ihres Lebenszyklus sollen die Produkte in speziellen Lagerstätten gebunden werden, ein langfristiger Speicher für Kohlenstoff.

    Weitblick für Bau, Energie und Wirtschaft
    Der Ansatz reicht weit über das Bauwesen hinaus. Mit synthetischem Methan könnten künftig saisonale Energieungleichgewichte überwunden und CO₂-intensive Materialien ersetzt werden. Voraussetzung ist eine enge Verzahnung von Materialforschung, Prozessentwicklung und wirtschaftlicher Skalierbarkeit. Die Empa fordert deshalb neben technologischem Fortschritt auch regulatorische Rahmenbedingungen, die CO₂-Bindung wirtschaftlich attraktiv machen.

    Innovationskraft als Hebel für die Transformation
    Die Auszeichnung der Empa markiert mehr als einen wissenschaftlichen Erfolg. Sie steht sinnbildlich für den Wandel im Bauwesen. CO₂-speichernde Materialien sind keine ferne Vision mehr, sondern konkrete Werkzeuge für die Bauwende. Damit könnte die Branche vom Problemverursacher zum Teil der Lösung werden und Gebäude künftig helfen, das Klima aktiv zu stabilisieren.

  • Ökobilanz-Rechner unterstützt nachhaltiges Bauen

    Ökobilanz-Rechner unterstützt nachhaltiges Bauen

    Die Umweltproduktedeklarationen (EPD) nach SN EN 15804 ermöglichen es, die ökologischen Auswirkungen eines Baustoffs über seinen gesamten Lebenszyklus transparent darzustellen. Bauherren erhalten so eine fundierte Entscheidungsgrundlage für nachhaltiges Bauen, die über einzelne Umweltparameter hinausgeht und eine umfassende Bewertung erlaubt.

    Baustoff Kreislauf Schweiz stellt seinen Mitgliedern unabhängig verifizierte Durchschnitts-EPD für verschiedene Betonsorten und Gesteinskörnungen zur Verfügung. Diese Daten bilden eine verlässliche Basis für nachhaltige Bauprojekte.

    Ökobilanz-Rechner als digitales Hilfsmittel
    Zur Berechnung von CO₂-Emissionen, Energieverbrauch und weiteren Umweltindikatoren wurde ein branchenspezifischer Ökobilanz-Rechner entwickelt. Dieses verifizierte Berechnungstool bietet der Bauindustrie eine praxisnahe Möglichkeit, Umweltproduktedeklarationen zu ermitteln und zu optimieren.

    Das Onlinetool unter oekobilanz-rechner.ch ermöglicht eine orientierende Analyse, ersetzt jedoch keine vollständige EPD-Erstellung. Auf Wunsch können die eingegebenen Daten zur Erstellung einer offiziell verifizierten Umweltproduktedeklaration weiterverarbeitet werden.

    Transparenz und Optimierung für die Baubranche
    Mit dem Ökobilanz-Rechner steht der Bauwirtschaft ein wertvolles Instrument zur Verfügung, um nachhaltige Materialentscheidungen datenbasiert zu treffen. Durch die optimierte Erfassung und Bewertung von Umweltauswirkungen trägt das Tool zur Reduktion des ökologischen Fussabdrucks im Bauwesen bei und unterstützt eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft.

  • Klima Charta Zug+: Unterstützung für KMU im Kanton Zug

    Klima Charta Zug+: Unterstützung für KMU im Kanton Zug

    Rund 50% der CO2-Emissionen im Kanton Zug stammen aus der Wirtschaft, was den dringenden Handlungsbedarf in diesem Bereich verdeutlicht. Die Zuger Wirtschaftskammer, das Institut WERZ (OST), das Technologie Forum Zug und der Switzerland Innovation Park Central haben gemeinsam mit dem Kanton Zug die Klima Charta Zug+ gegründet, um insbesondere KMU in der Umsetzung klimaschonender und wirtschaftlicher Massnahmen zu unterstützen.

    Beratung, CO2-Fussabdruck und Massnahmen
    Das Beratungsangebot der Klima Charta bietet Unterstützung und Werkzeuge, um CO2-Emissionen im eigenen Unternehmen zu erkennen und zu reduzieren. Der Kanton Zug übernimmt 50% der Beratungskosten und hat dafür 1,6 Millionen Franken zugesagt, rund 60 Prozent des Budgets. Die restlichen Mittel kommen aus der Privatwirtschaft. Die Geschäftsstelle der Initiative, beim Zuger Umweltinstitut WERZ angesiedelt, bietet Fachwissen und Beratung, von Energieeinsparungen über Emissionssenkungen bis hin zu praxisorientierten Lösungen für konkrete Herausforderungen im Unternehmen.

    Klimaschutz als Standortvorteil
    Klimaschutz ist längst mehr als ein Trend – er wird zum wichtigen Unternehmens- und Standortvorteil. Die Klima Charta Zug+ unterstützt KMU dabei, Emissionen zu reduzieren und nachhaltige Standards zu setzen. Gleichzeitig entsteht eine wachsende Charta-Community, in der engagierte Zuger Unternehmen Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Die Bereitschaft, in klimafreundliche Innovationen zu investieren, stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und des Kantons.

    Konkrete Unterstützung für KMU
    Alex Beck, Co-Leiter der Initiative, betont: «Wir haben als Wirtschaft die Pflicht,
    eine intakte Umwelt für die nächsten Generationen zu schaffen.» Unternehmen, die ihre CO2-Emissionen senken möchten, erhalten durch die Klima Charta individuelle und praxistaugliche Lösungen – von nachhaltigen Heizsystemen bis hin zur Bereitstellung von Solarstrom für E-Ladestationen.

    Nachhaltige Investitionen für eine klimafreundliche Zukunft
    Als Teil der Klima Charta Zug+ erfüllen Unternehmen die steigenden Anforderungen im Klimaschutz und positionieren sich als verantwortungsbewusste Akteure. Alex Beck betont, dass die Vorbildwirkung einzelner Firmen eine «Eigendynamik» schafft, die über das Unternehmen hinauswirkt. Durch die Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz wird eine Kultur des Engagements gefördert, die eine nachhaltige Entwicklung für den Kanton Zug ermöglicht.

  • Greencity Vergé setzt neue Massstäbe in Sachen Nachhaltigkeit

    Greencity Vergé setzt neue Massstäbe in Sachen Nachhaltigkeit

    Vergé ist mehr als ein Wohnprojekt, es ist eine Antwort auf die drängenden Fragen des urbanen Zusammenlebens und der ökologischen Verantwortung. Im Süden Zürichs auf einem ehemals industriell genutzten Areal gelegen, steht Vergé für den Übergang zu einem neuen Verständnis von Wohnen, das sowohl die Bedürfnisse seiner älteren Bewohnerinnen und Bewohner berücksichtigt als auch aktiv zur urbanen Lebensqualität beiträgt.

    Der Entwurf von Vergé verbindet moderne Architektur mit ökologischer Nachhaltigkeit. Durch die Verwendung nachwachsender und leichter Materialien setzt das Projekt nicht nur gestalterische Akzente, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des ökologischen Fussabdrucks. Die Gestaltung des Innenhofs als sozialer Treffpunkt und die sorgfältige Auswahl der Bepflanzung fördern die Biodiversität und bieten den Bewohnern einen Rückzugsort im Einklang mit der Natur.

    Ein oft unterschätzter Hebel liegt in der Wahl der Materialien für die Innenwände. Wenn man nichttragende Innenwände aus Leichtbau anstelle von Beton erstellt, kann dies laut Lennart Rogenhofer, Chief Climate Officer der Losinger Marazzi AG zu einer Reduktion von CO2-Emissionen um etwa 50% führen. Ähnliche Einsparungen ergeben sich, wenn anstelle einer Beton-Putz-Fassade eine Holzfassade verwendet wird. Diese entspricht dem Ziel, nachhaltige und wenig verarbeitete Rohstoffe zu nutzen. Zudem hat sich Losinger Marazzi grundsätzlich dazu entschieden, in ihren Projekten so weit wie möglich CO2-reduzierten Beton einzusetzen. Die Reduktion der grauen Emissionen mit einer schlankeren Tragstruktur, die die Betonmenge durch Optimierung der Deckenstärken und Stützenraster minimiert, ist schwer zu quantifizieren. Rogenhofer erklärt: «Das liegt daran, dass kein ’nicht optimiertes‘ Projekt als Vergleich existiert.». Greencity mit dem letzten Baufeld Vergé zeigt eindrucksvoll, dass der Immobiliensektor eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der Klimaziele spielt. Durch den Einsatz von Wärmerückgewinnungstechnologien und die Einbindung in das Nahwärmenetz wird eine weitestgehend autonome Energieversorgung angestrebt, wobei die Zertifizierung nach dem SNBS Gold Standard angestrebt wird.

    Durch die Fokussierung auf nachhaltiges und energieeffizientes Bauen kann nicht nur die Lebensqualität der Bewohner verbessert, sondern auch ein entscheidender Schritt in eine nachhaltigere Zukunft gemacht werden.

    Das Projekt wird durch Losinger Marazzi erbaut und diese hat sich seit fast 20 Jahren als Vorreiterin in Sachen Nachhaltigkeit in der Immobilien- und Baubranche positioniert und setzt konsequent ihre Klimastrategie um, die der Strategie des Mutterkonzerns Bouygues Construction folgt. Seit Ende 2023 ist das Unternehmen SBTi zertifziert und bleibt weiterhin führend im Bereich Nachhaltigkeit. Diese Zertifizierung bestätigt, dass die firmeneigenen CO2-Reduktionsziele für direkte und indirekte Unternehmensemissionen (inkl. Scope 3) gemäss internationalen Standards (GHG Protocol) berechnet wurden und im Einklang mit den Pariser Klimazielen stehen. Eine externe, unabhängige Prüfungsgesellschaft überprüft zudem, dass die zertifizierten Unternehmen ihre Ziele nicht durch CO2-Kompensation, sondern durch tatsächliche CO2-Reduktion erreichen. Aus diesem Grund wurde bereits im Jahr 2021 ein CO2-Absenkpfad erstellt, um die strategischen Entscheidungen zu lenken.

  • JURA ECO3 – der sichtbar nachhaltige Zement

    JURA ECO3 – der sichtbar nachhaltige Zement

    Klinker ist der wichtigste Bestandteil von Zement und besteht aus gemahlenem Kalk- und Mergelgestein, welches bei 1450° Celsius gebrannt wird. Der Kohlenstoff aus dem Kalkstein wird beim Brennvorgang in die Atmosphäre freigesetzt. Dies macht rund zwei Drittel der CO2-Emissionen pro Tonne Klinker aus. Einige Zementhersteller ersetzen Klinker mit Hüttensand oder Flugasche, um die CO2-Emissionen zu senken. Allerdings sind diese Stoffe reduziert verfügbar oder müssen importiert werden.

    «In unserem neuesten Zement JURA ECO3 ersetzen wir einen erheblichen Anteil des Klinkers durch Ton», erklärt Emanuel Meyer, Leiter des Technical Competence Center TCC der JURA Materials-Gruppe. «Ton wird bei einer halb so hohen Temperatur gebrannt als Klinker und generiert zwei Drittel weniger CO2-Emissionen. Den Ton gewinnen wir aus der eigenen Tongrube. Der JURA ECO3 Zement enthält zudem am wenigsten graue Energie im Vergleich zu allen anderen Schweizer Zementen. Wird ein Beton mit JURA ECO3 Zement produziert, entstehen insgesamt ca. 20 % weniger CO2-Emissionen pro m3 Beton verglichen mit Hochbaubetonen mit Portlandkalksteinzement.»

    Zertifiziert und erprobt
    Der JURA ECO3 ist der einzige in der Schweiz zugelassene CEM II/C-M (Q-LL) Zement mit Festigkeitsklasse 42.5 N, extern geprüft und zertifiziert nach
    SN EN 197-5. Er ist für den Hochbau (Betonsorten A-C) freigegeben. Die Tiefbauzulassung folgt «Das Produkt bedient den steigenden Bedarf an nachhaltigen Lösungen», erklärt Ralf Schumann, Commercial Director Cement der JURA Materials-Gruppe, «ob von Architekten oder Investoren wie Städten und Gemeinden, Pensionskassen und Versicherungen, bei denen die Klimabilanz eines Bauprojekts eine immer grössere Rolle spielt. Dank dem JURA ECO3 können sie diese wesentlich verbessern.»

    Der JURA ECO3 Zement ist von ecobau als eco1 Produkt zertifiziert. Er eignet sich für Minergie (A-/P-)-ECO Projekte und entspricht der 1. Priorität ecoBKP/ecoDevis. Mit seinem warmen Erdfarbton setzt er auch visuell ein Zeichen für nachhaltiges Bauen. Der JURA ECO3 Zement ist demnächst im KBOB*-Rechner zu finden. Mit diesem können die Umweltwirkungen von einem m³ Beton nach Wahl berechnet werden.

    *KBOB = Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren

    Nebst kleinem CO2-Fussabdruck weist Beton aus JURA ECO3 Zement mit kalziniertem Ton einen wärmeren Farbton auf und setzt auch visuell ein Zeichen für nachhaltiges Bauen. ECAP– Baustelle, Couvet (zVG)

  • NEST-Projekt setzt auf CO2-Speicherung in Gebäuden

    NEST-Projekt setzt auf CO2-Speicherung in Gebäuden

    In der Schweiz ist der Bausektor für rund 28% der CO2-Emissionen verantwortlich. Angesichts dieses hohen Anteils rückt die Idee, Gebäude als Kohlenstoffsenken zu nutzen, in den Fokus der Forschung. Die neue Empa-Initiative „Mining the Atmosphere“ zielt darauf ab, CO2 aus der Atmosphäre in Baustoffen zu binden und langfristig zu speichern. Das Projekt „Beyond Zero“ im NEST soll bis 2026 demonstrieren, wie solche Gebäude realisiert und betrieben werden können.

    Bestehende Technologien wie emissionsarmer Beton oder kohlenstoffnegative Isolationsmaterialien bieten bereits vielversprechende Ansätze. Reto Largo, Geschäftsführer von NEST, betont jedoch, dass das Ziel über das Erreichen einer Netto-Null-Bilanz hinausgeht. Die Vision ist es, Gebäude als effektive CO2-Senken zu nutzen. Gerade bei mineralischen Baustoffen wie Beton, einem der meistverwendeten Materialien, wird ein enormes Potenzial gesehen.

    Für die Entwicklung und den Einsatz neuer CO2-negativer Baumaterialien ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener Experten erforderlich. Neben den Empa-Laboren unter der Leitung von Mateusz Wyrzykowski, Gruppenleiter Betontechnologie, wird das NEST-Team auch vom Architekturbüro OOS unterstützt. Andreas Derrer, Gründungspartner von OOS, hebt die Bedeutung realer Bauvorhaben hervor, die eine ganzheitliche CO2-Bilanzierung und Potentialanalyse ermöglichen. „Beyond Zero“ soll Antworten auf die Frage geben, ob und wie Gebäude zukünftig zur Senkung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre beitragen können. Dieses Projekt markiert einen signifikanten Schritt in der Entwicklung nachhaltiger Baukonzepte und könnte weitreichende Implikationen für die Immobilienbranche haben.

  • Beton als nachhaltiger Umweltschützer

    Beton als nachhaltiger Umweltschützer

    Auch die größten Umweltsünder können zur Verbesserung beitragen, und diese Hoffnung erstreckt sich auch auf den „Klimasünder Beton“. Weltweit entfallen 6 bis 8 Prozent der von Menschen verursachten CO2-Emissionen auf die Produktion von Zement, einem unverzichtbaren Bindemittel für den vielseitigen Baustoff. Gleichzeitig hat Zement die Fähigkeit, das bei seiner Herstellung freigesetzte CO2 wieder chemisch zu binden, zumindest teilweise. Dieser Prozess, bekannt als „Karbonatisierung“, verwandelt Calciumhydroxid im Beton nach der Herstellung durch Einwirkung von CO2 in Kalkstein. Es ist jedoch ein langwieriger Prozess, der von verschiedenen Faktoren abhängt.

    Experten der Empa haben in Zusammenarbeit mit Partnern unter der Leitung der ETH Zürich im Projekt „DemoUpCARMA“ erforscht, ob und wie dieser Prozess in einem realen Betonwerk genutzt und beschleunigt werden kann. Sie haben eine spezielle Anlage in der Firma Kästli Bau AG im Kanton Bern installiert, die Recyclingmaterial aus abgebauten Betonkonstruktionen verwendet. Das CO2, das dieses Material „aufnimmt“, stammt aus der nahe gelegenen Kläranlage und wird in verflüssigtem Zustand geliefert. Es wird in einem speziellen Silo im Werk gespeichert und dann kontinuierlich dem Recycling-Granulat ausgesetzt, um die Aufnahme präzise zu messen.

    Die Forscher haben die Prozesse untersucht, die bei der CO2-Aufnahme des Recycling-Granulats ablaufen, und auch untersucht, wie sich Recyclingwasser, das bei der Reinigung von Betonfahrzeugen und Mischanlagen anfällt, zur Bindung von Kohlendioxid nutzen lässt. Tests haben überraschende Ergebnisse erbracht: Das behandelte Material zeigte deutliche Veränderungen unter dem Mikroskop, darunter die Bildung von Calciumcarbonat an der Oberfläche und eine Verringerung des Calciumgehalts in C-S-H, dem Hauptprodukt der Zementhydratation. Dies führte zu einer Steigerung der Druckfestigkeit des Recyclingbetons.

    Praxisversuche mit verschiedenen in der Schweiz häufig verwendeten Betontypen bestätigten diese Erkenntnisse. Das Recycling-Granulat mit karbonatisierten Beton-Granulaten erreichte höhere Festigkeiten als Vergleichsbetone mit unbehandeltem Recyclingmaterial. Die Ergebnisse zeigen, dass das Verfahren Beton auf zweifache Weise klimafreundlicher machen kann: durch die Aufnahme von CO2 und die Erhöhung der Festigkeit, was die Verwendung von Zement in Recyclingbetonen reduzieren könnte.

    Die Untersuchungen zeigen auch, dass die Feuchtigkeit einen wichtigen Einfluss auf die CO2-Aufnahme hat. Trockenere Recycling-Mischungen nehmen CO2 schneller auf als zu feuchte Mischungen. Dies wirft die Frage auf, ob der Prozess der Aussenlagerung von Recycling-Granulaten technisch optimiert werden sollte.

    Die positiven Ergebnisse zeigen, dass das Verfahren das Potenzial hat, die CO2-Emissionen im Betonsektor erheblich zu reduzieren. Es könnte bis zu 10 Prozent der Emissionen aus der Zementherstellung einsparen und den Zementgehalt in Recyclingbetonen um 5 bis 7 Prozent reduzieren, was zu einer Gesamtersparnis von gut 15 Prozent führen könnte.

    Die Nutzung von CO2 in Recyclingwasser zeigt ebenfalls Potenzial, wobei etwa 120 Gramm CO2 pro Kilogramm getrocknetem Material gebunden werden können. Dies führte ebenfalls zu einer geringen Steigerung der Festigkeit von Betonen, denen sie beigemischt wurden.

    Die Umsetzbarkeit dieser Ergebnisse in der Praxis, insbesondere in Betonwerken, ist noch offen und erfordert weitere Untersuchungen. Lebenszyklus-Analysen zeigen jedoch, dass karbonatisiertes Material den Treibhauseffekt netto um rund 13 Prozent reduzieren kann, verglichen mit herkömmlichem Beton mit Zement und ohne Recyclingmaterial. Bei Beton mit Recyclingmaterial liegt die Reduktion immerhin bei 9 Prozent, was ein vielversprechendes Potenzial darstellt.

  • Wärmeverbund Ennetsee nimmt Arbeit auf

    Wärmeverbund Ennetsee nimmt Arbeit auf

    Mit der Öffnung der Transportleitung zwischen Perlen und Rotkreuz hat WWZ den ersten Abschnitt seines Wärmeverbunds Ennetsee in Betrieb genommen. „Ab jetzt fliesst Abwärme von der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Renergia, Perlen ins Verteilnetz Rotkreuz und versorgt erste Liegenschaften in der Gemeinde mit regionaler, umweltfreundlicher und CO2-neutraler Energie für Heizung und Warmwasser“, erläutert der Zuger Energie-, Telekom- und Wasserversorger in einer entsprechenden Mitteilung.

    Nach Fertigstellung soll der Wärmeverbund Ennetsee neben Rotkreuz auch das zu Risch ZG gehörende Dorf Holzhäusern, das Gebiet Bösch in der Gemeinde Hünenberg ZG, Hünenberg See und Cham mit Abwärme aus der KVA Renergia versorgen können. WWZ rechnet damit, dass dann mit dem Wärmeverbund jährlich mehr als 12’000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden. Aktuell arbeitet das Unternehmen an weiteren Fernwärmeleitungen in Rotkreuz und am nächsten Abschnitt der Haupttransportleitung von der Kehrichtverbrennungsanlage bis nach Cham.

  • NEST-Rechenzentrum hilft beim Heizen

    NEST-Rechenzentrum hilft beim Heizen

    Das Projekt ECO-Qube untersucht, wie die elektrische und die thermische Welt mit der IT-Infrastruktur zusammengebracht werden können. Dafür soll das Abwärmepotenzial von Mikro-Rechenzentren für die Gebäudeheizung untersucht werden. Die Feldtests finden im neu installierten Rechenzentrum im Forschungsgebäude NEST der Empa sowie an zwei weiteren Standorten in der Türkei und den Niederlanden statt.

    ECO-Qube ist auf drei Jahre angelegt. Danach will das Team Richtlinien für Planer und Betreiber von Gebäuden bereitstellen. Das Projekt wird durch das EU-Förderprogramm Horizon 2020 unterstützt. Es bringt Forschungs- und Industriepartner aus der Schweiz, der Türkei, Spanien, Deutschland, Schweden und den Niederlanden zusammen. „Unser Ziel ist es, sowohl den Energiebedarf als auch die CO2-Emissionen von kleinen Rechenzentren um je ein Fünftel zu senken“, wird Çağatay Yılmaz, Innovation Manager beim türkischen IT-Lösungsanbieter Lande und Projektleiter von ECO-Qube, in einer Medienmitteilung der Empa zitiert.

    Mithilfe von Big Data-Strukturen und Künstlicher Intelligenz werden Sensordaten der einzelnen IT-Komponenten akkumuliert und mit Luftstromsimulationen zur punktuell genauen Kühlung kombiniert. Gleichzeitig würden die Rechenlasten so verteilt, dass die Anlagen so energieeffizient wie möglich arbeiten.

    Die drei Rechenzentren werden ausserdem in die Energiesysteme der umliegenden Quartiere integriert. Sie sollen möglichst mit erneuerbarer Energie gespeist werden. „Für uns ist es interessant, das Mikro-Rechenzentrum nicht nur als elektrischen Verbraucher zu betrachten, sondern als eine dynamische Komponente im Gesamtsystem“, erklärt Philipp Heer, Leiter der Energieforschungsplattform Energy Hub an der Empa.

  • Zweite Etappe des Quadroliths in Baar aktiviert

    Zweite Etappe des Quadroliths in Baar aktiviert

    Übersehen kann man ihn nicht: Der Quadrolith in Baar sticht mit seiner goldenen Fassade sofort ins Auge. Die Pläne des in Baar ansässigen Immobilienunternehmens Alfred Müller sehen auf 30’000 Quadratmetern zwei modern gestaltete Geschäftshäuser mit Raum für 1000 Arbeitsplätze vor. 12’600 Quadratmeter Platz nimmt allein der erste Bau ein, welcher 2018 fertiggestellt wurde. Von Beginn weg wurde ein Bau in zwei Etappen angestrebt.

    Zurzeit werden die verbliebenen 17’250 Quadratmeter bebaut. Als Bezugstermin ist der 30. September 2021 vorgesehen. Die Vermarktung ist bereits im Gange. Mit einem flexiblen Nutzungskonzept sollen Unternehmen aller Grössen angesprochen werden. Die Flächen können individuell eingeteilt und ausgebaut werden. Der U-förmige Neubau grenzt dann direkt an den Hauptsitz der Alfred Müller AG.
    Der Bürokomplex weist einen modularen Aufbau und eine funktionale Architektur auf. Dank der Bauform konnte die Bautiefe beider Gebäude mit jeweils sechs oberirdischen Geschossen bewusst tief gehalten werden. Damit werden optimale Lichtverhältnisse sowie Raumeffizienz sichergestellt. Goldfarbene, vertikale Metallbänder geben der Fassade ihre auffällige Farbe. Die Auskragung der obersten beiden Stockwerke sorgt für ein futuristisches Erscheinungsbild. Zahlreiche Bäume sowie zwei begrünte Innenhöfe prägen darüber hinaus das Aussenbild.

    Im Inneren sind die Treppenhäuser und WC-Anlagen in Naturstein gehalten. Die Böden der Terrassen im 3. und 5. Obergeschoss bestehen aus Feinsteinzeugplatten. Die Raumhöhe variiert je nach Geschoss von 2,40 bis 2,54 Meter. Die Fenster sind raumhoch. Ein umweltverträgliches Wärmepumpen-Heizsystem mit Energiepfählen und Unterstützung durch eine Erdgasheizung sorgt für reduzierte Betriebskosten und verminderte CO2-Emissionen. Dabei werden die mit dem Untergrund verbundenen Beton-Energiepfähle mit Kunststoffrohren versehen, um Wärme oder Kälte mit dem Untergrund auszutauschen. Ausserdem sind Ladestationen für Elektrofahrzeuge im Freien und in der Autoeinstellhalle vorgesehen.

  • Lidl halbiert Fussabdruck

    Lidl halbiert Fussabdruck

    Lidl hat ein selbstgestecktes Umweltziel übertroffen. Bis 2020 habe das Unternehmen seine relativen CO2-Emissionen gegenüber 2013 um 35 Prozent reduzieren wollen, erläutert Lidl Schweiz in einer Mitteilung. Letztendlich sei der CO2-Ausstoss aber um 53 Prozent gesenkt worden. Als besonders wirkungsvolle Massnahme hebt Lidl dabei eine Umstellung im eigenen Transportbereich hervor. Hier will das Unternehmen bis 2030 nur noch mit Bio-Flüssiggas angetriebene Lastwagen einsetzen.

    Lidl Schweiz habe ein CO2-Management eingeführt, bei dem die jährlichen CO2-Emissionen des Unternehmens erfasst werden, wird in der Mitteilung weiter erläutert. Darauf aufbauend leitet das Unternehmen Massnahmen zur Reduzierung des Ausstosses ab. Die verbleibenden Emissionen werden kompensiert.

    Damit habe Lidl Schweiz bereits zum fünften Mal die Bedingungen für eine Zertifizierung mit den Swiss Climate Label CO2-neutral erfüllt, heisst es in der Mitteilung. Ihr zufolge ist Lidl Schweiz das erste Unternehmen seiner Art in der Schweiz, dessen Filialen und Warenverteilzentren alle nach der Energieeffizienznorm ISO 50001 zertifiziert sind.