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  • CUREM Online-Panel: Die Schweiz im «perfekten Sturm»

    CUREM Online-Panel: Die Schweiz im «perfekten Sturm»

    Erstmals in seiner Geschichte nimmt Curem unter seinem Managing Director Andreas Loepfe zu einer Tagesaktualität Stellung. So stehen für einmal nicht langfristige Themen wie etwa das Real Estate Management im Fokus, sondern das Corona-Virus, das sich rasend schnell verbreiten und noch schnellere Entscheidungen abverlangt. Rolf Frey, Leiter Indirekte Immobilien, Maerki Baumann und Co. AG, verdeutlichte dies anhand der Nachfrage nach Dividendentiteln: «Vor Corona war die Nachfrage gross. Man musste investieren. Dann jedoch brach der Markt zusammen. Viele Leute brauchten Geld und mussten verkaufen. Viele Immobilientitel waren überbewertet. Teilweise wurden 500’000 Titel pro Tag gehandelt. Dieser Verkaufsdruck führte zu Kurseinbrüchen.»

    Dreigeteilter CH-Markt
    Jan Eckert, CEO Switzerland von Jones Lang LaSalle Ltd, erzählte von einem Hongkong-Kollegen, der 16 Wochen Home-Office hinter sich hat: «Und es funktioniert recht gut.» Seine Beobachtung: «Alle grossen Vermietungsverhandlungen ab 5’000 Quadratmetern laufen weiter. Bei kleineren Deals warten man ab. Einzig direkt von Corona betroffene Unternehmen wie Airlines oder Hotels verzichten ganz auf neue Flächen. Aktuell würde «der berühmteste Makler der Nation» Jan Eckert, den Markt dreiteilen: Es läuft weiter wie bisher (I), rigoroses Repricing (II) und gestoppte Deals (III).

    Zurückhaltende Käuferschaft
    Claude Ginesta, CEO und Inhaber von Ginesta Immobilien AG, zeigt die Wirkung der aktuellen Situation bei private Immobilienanlagen: «Viele Kunden sind bereit, ihre Zusagen aufrechtzuerhalten. Wir sehen aber auch, dass nur wenige neue Liegenschaften auf den Markt kommen. Viele Investoren hoffen auf einen günstigeren Kaufpreis in den nächsten Monaten. Verkäufer vertrauen dagegen weiter auf die noch immer starke Immobilien-Währungen. Die Käufer halten sich aber ganz klar zurück. Entwicklungsprognosen sind daher im Moment schwierig.»

    Bitte kein Ausgangsverbot!
    Für Béatrice Schaeppi, CEO von Schaeppi Grundstücke Verwaltungen AG, hat sich die Lage massiv verändert: «Wir haben einen gewaltigen Mehraufwand, da vieles neu geregelt werden muss. Die anstehenden Wohnungswechsel Ende dieses Monats können jedoch weitgehend durchgeführt werden. Die Mieter sind durch immer wieder neue Weisungen des BAG etwas verunsichert. Es läuft aber im Allgemeinen sehr gut. Bei der Wohnungsübergabe wird Abstand gehalten, wir tragen Handschuhe, sicher gibt es einige Mieter die nicht anwesend sein wollen, was den administrativen Aufwand massiv erhöht. Ein Ausgangsverbot würde uns momentan massiv treffen. So suchen wir täglich nach neuen kreativen Lösungen.»

    Stabiles Zins-Niveau
    Dr. Stefan A. Heitmann, Founder & CEO von MoneyPark AG, spricht puncto Hypothekargeschäft von einem sehr volatilen Kapitalmarkt, aber kaum veränderten Prognosen: «Die Hypothekarzinsen bleiben attraktiv. Sie sind zwar kürzlich gestiegen, dann gab es eine Gegenbewegung dank FED-Massnahmen. Die Swap-Sätze (Refinanzierungssatz für Banken; Anm. d. Red.) sind im Jahresvergleich auf einem tiefen Niveau. Wir verändern unsere Prognose aktuell nicht gross, da der Schweizer Hypothekarmarkt stark reguliert, gesund und tief belegt ist. Wenn keine lange Rezession stattfindet, erwarten wir eine Delle in unserem strukturell gesunden Markt.»

    Stabil, aber …
    «Die Schweizer Volkswirtschaft ist einem «perfekten Sturm» ausgesetzt», sagt Dr. Adriel Jost, Head of Economics bei Wellershoff & Partners. Er vergleicht sie mit einem stabil gebauten Haus. «International sind dagegen viele Häuser nur notdürftig reparierte. Die internationale Unternehmens- und Staatsverschuldung ist gigantisch – siehe etwa die USA. So gesehen war die Schweiz während der letzten 10 Jahre sehr verwöhnt. Durch die kritische Weltwirtschaftslage wird sich zeigen wie gesund und sicher die Banken wirklich sind.»

    Blosse Symptom-Bekämpfung
    Prof. Dr. Thorsten Hens, Professor für Finanzmarktökonomie an der Universität Zürich, verweist auf die Historie der Aktienmärkte, die immer wieder von Abstürzen gekennzeichnet war. «Viele Staaten haben via ihre Nationalbanken massive Hilfsprogramme gestartet. Die eingepumpte Liquidität kann jedoch nur die Symptome bekämpft, nicht das effektive Problem. Wir vermuten, dass wir nicht aus der Finanzkrise der 30iger Jahre lernen können, da sich die Märkte insgesamt nicht schnell genug erholen. Es ist zu erwarten, dass wir in eine Rezession gleiten. Oder anders gesagt: Nicht ganz freie Gesellschaften kommen mit einer Corona-Krise besser zurecht, weil man die Leute zwingen kann. Die Leute wollen aus der Finanzkrise lernen, aber die Corona-Krise wiegt stärker und langfristiger.»

    Frosch- statt Vogelperspektive
    Dr. Dr. Urs Hausmann, Inhaber von Dr. Urs Hausmann Strategieberatung, fasst abschliessend einige Gedanken seiner Vorredner zusammen und sagt: «Die Schweiz hat eine gute Ausgangslage. Aber es herrscht ein Mangel an Marktinformationen. Wir argumentieren alle aus der Frosch-Perspektive und es ist höchst schwierig, eine Vogelperspektive einzunehmen. Momentan ist eine akkurate Marktanalyse sehr schwierig. Der Immobilienmarkt ist spät-zyklisch und sehr träge. Jetzt ist ein professionelles Risikomanagement bedeutend, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten».

    Es bleibt spannend
    Zusammenfassend lässt sich sagen, das Alte ist aus den Fugen geraten und das Neue noch nicht da. Die Asset-Märkte werden noch von der alten Welt dominiert. Wir wissen heute nicht wie die Banken global reagieren. So gesehen sind Prognosen schwierig und die Meinungen gehen weit auseinander. Es bleibt spannend und wir bleiben dran. (MnM)

  • Credit Suisse: Erste Stimmen eines Crash im Immobilienmarkt

    Credit Suisse: Erste Stimmen eines Crash im Immobilienmarkt

    Durch die Verbreitung des Coronavirus liegen verschiedene Sektoren der Wirtschaft im In- und Ausland still. An eine Rezession 2020 führt kein Weg vorbei, da sind sich die CS-Ökonomen einig. Die Frage ist nur, wie gravierend der wirtschaftliche Rückschlag ausfallen wird. Entscheiden für das Ausmass des Konjunkturschocks dürfte die Dauer des Lockdowns sein. Dieser ist wiederum davon abhängig, wie lange es dauert, bis sich die epidemiologische Lage stabilisiert.

    Verkauf von neuen Wohneinheiten gerät ins stocken
    Welche Auswirkungen die Coronavirus-Krise nach sich zieht lässt sich noch nicht schlüssig beantworten. Trotz den  wieder aufkommenden Befürchtungen über einen Crash erachtet die Credit Suisse den Wohnungsmarkt als stabilen Anker des Immobilienmarktes. Dennoch werden nach Einschätzungen der CS vor allem die Promotoren von Eigentumswohnungen leiden. Sollte die Corona-Krise länger als erwartet dauern, werde der Verkauf von neuen Wohneinheiten erheblich ins Stocken geraten und bei Promotoren zu Liquiditätsproblemen führen. Nach Abflauen der Pandemie dürfte der Markt für Wohneigentum relativ rasch wieder zum Vorkrisenzustand zurückkehren – mit Ausnahme des Luxussegments.

    Verbreitete Unsicherheit, steigende Arbeitslosigkeit
    Wohnungen gewinnen in Zeiten von Home-Office, Social Distancing und geschlossenen Restaurants an Bedeutung. Dennoch rechnen die CS-Experten auch im Mietwohnungssegment mit einer geringeren Nachfrage. Die verbreitete Unsicherheit und die steigende Arbeitslosigkeit werden die Mietwohnungsnachfrage zusätzlich beeinträchtigen. Prognostiziert wird, dass per Stichdatum 1. Juni dieses Jahres zusätzlich 7000 bis 8000  Mietwohnungen leer stehen werden. Ebenso rechnen die CS-Ökonomen, dass sich die Leerstandziffer auf über 2,9% ansteigen und den Druck auf die Angebotsmieten leicht erhöhen wird. Für Besitzer von Mietrenditeliegenschaften, die über grössere Immobilienportfolios verfügen, werde sich dadurch wenig ändern.

    Büroflächenmarkt kommt zum Erliegen
    Die CS-Ökonomen kommen zum Schluss, dass aufgrund der enormen Unsicherheit die Erholung des Büroflächenmarkts relativ rasch zum Erliegen kommt. Sie erwarten, dass die Nettonachfrage nach zusätzlichen Büroflächen in sich zusammenfällt. Unter die Räder kommen dürfte der Retailflächen- sowie der Hotelmarkt. Der Lockdown, beziehungsweise die ausbleibende Nachfrage seitens ausländischer wie inländischer Konsumenten, sorgt  – je länger der Lockdown dauert – für einen weitgehenden Ertragsausfall. Der Anteil des Retailsektors und der Hotellerie am Gesamtbestand des Schweizer Immobilienmarktes  beträgt nur 5 bis 6%. Mit anderen Worten: Der Rückschlag für den Immobiliensektor dürfte sich in Grenzen halten.

    Warnung einer bevorstehenden Krise
    Die Coronavirus-Krise stellt einen Schock dar, wie er in der Wirtschaftsgeschichte nur selten vorkommt. Sofern sei es verständlich, dass erste Stimmen von einer bevorstehenden tiefgreifenden Krise oder Crash im Immobilienmarkt warnen. Dennoch kommen die CS-Ökonomen zum Schluss, dass die Corona-Krise den Schweizer Immobilienmarkt nicht in seinen Grundfesten erschüttern wird. Vor allem aufgrund der höheren Sicherheit der Mietzinseinnahmen. Im Vergleich zu anderen Cashflows werden sich die Investoren hüten, dem Immobilienmarkt den Rücken zu kehren. Ganz im Gegenteil: Man rechnet eher mit einer verstärkten Nachfrage. Unbestritten ist, dass es Blessuren geben wird. Diese würden sich vor allem auf die gewerblichen Immobiliensegmente und dort im speziellen auf den Verkaufsflächenmarkt und den Hotelbereich konzentrieren.