Schlagwort: Denkmalschutz

  • Wenn Baudenkmäler Koffer packen

    Wenn Baudenkmäler Koffer packen

    Auf einem 6500 Quadratmeter grossen Areal nördlich des historischen Bahnhofsgebäudes entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 57 Wohnungen in Grössen von 2,5 bis 5,5 Zimmern. In den Erdgeschossen sind Gewerbe- und Gastronomieflächen vorgesehen, dazu ein kleiner Gewerbebau und eine Tiefgarage mit 59 Auto- und 92 Veloabstellplätzen. Zwischen den beiden Häusern entsteht ein parkähnlicher Freiraum mit Spielplatz.

    Weniger, aber sozial
    Das Projekt ist kleiner geworden. Ursprünglich plante die SBB vier Gebäude mit 90 Wohnungen, ein Drittel davon preisgünstig. Das Stellwerk neben dem Bahnhofsgebäude muss jedoch bestehen bleiben, wodurch ein ganzes Gebäude wegfällt. Von den verbleibenden 57 Wohnungen sollen 20 preisgünstig angeboten werden. Das entspricht 35 Prozent und liegt sogar leicht über der ursprünglichen Quote.

    Der letzte Güterschuppen der Schweiz
    Was Wohnungsbau fordert, verlangt Platz. Vier bestehende Bauten müssen weichen, darunter der Güterschuppen von 1928. Den entwarf Meinrad Lorenz, damaliger Chefarchitekt der SBB, als einer von nur vier Bauten dieses Typs in der ganzen Schweiz. Nach dem Abbruch des baugleichen Schuppens in Heerbrugg ist jener in Wollishofen das letzte erhaltene Exemplar seiner Art. Er steht im kantonalen Denkmalschutzinventar.

    Ein Holzbau packt seine Sachen
    Verschwinden wird der Güterschuppen trotzdem nicht. Er wird in Einzelteile zerlegt, fachgerecht aufgearbeitet und beim Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland in Bauma an der Töss wieder aufgebaut. Dort wird er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erhält eine museale Funktion im Rahmen des Projekts «Depotareal Bauma 2020». Die Bewilligungsunterlagen für den Rückbau liegen bereits weitgehend vor.

    Geschichte wiederholt sich
    Dieser Umzug ist nicht der erste in der Geschichte des Bahnhofs Wollishofen. Das heutige Bahnhofsgebäude war einst das erste Bahnhofsgebäude der Stadt Zug, 1864 errichtet und 1897 Stein um Stein an den Zürichsee versetzt. Was im 19. Jahrhundert die Knappheit von Baumaterialien erzwang, wird heute zu einem bewussten Akt der Erhaltung. Wollishofen schreibt damit ein weiteres Kapitel einer ungewöhnlichen Baugeschichte.

  • Was als Schnäppchen galt, wird zum Milliardenprojekt

    Was als Schnäppchen galt, wird zum Milliardenprojekt

    Als die Stadt Zürich die Sanierung der Zeughäuser auf dem Kasernenareal in Zürich-Aussersihl ankündigte, klang das noch nach einem überschaubaren Vorhaben. Die erste Kostenschätzung belief sich auf rund 55 Millionen Franken. Heute steht eine Zahl im Raum, die selbst geübte Stadtparlamentarierinnen aufhorchen lässt, knapp 200 Millionen Franken. Eine Vervielfachung, die erklärt werden muss.

    Marode Substanz treibt die Kosten
    Der Haupttreiber ist die Bausubstanz selbst. Die historischen Zeughäuser sind in einem weit schlechteren Zustand als ursprünglich angenommen. Schadstoffsanierungen, statische Eingriffe und die denkmalpflegerischen Anforderungen summieren sich zu einem Aufwand, der im Vorfeld schlicht unterschätzt wurde. Dazu kommen gestiegene Baukosten und ein erweitertes Nutzungskonzept, das höhere technische Standards erfordert.

    Kultur, Gewerbe und Gemeinschaft
    Was nach der Sanierung entstehen soll, hat Substanz. Der Stadtrat plant eine Mischung aus Kulturnutzung, Kleingewerbe und öffentlich zugänglichen Räumen. Ein lebendiger Begegnungsort mitten in Zürich-Aussersihl. Die soziale Durchmischung ist explizit Teil des Konzepts. Damit soll das Kasernenareal als Ganzes aufgewertet werden, nicht nur die Zeughäuser selbst.

    Langer Weg bis zur Eröffnung
    Der Zeitplan ist ambitioniert und die Geschichte des Projekts mahnt zur Vorsicht. Frühestens 2034 sollen die sanierten Zeughäuser bezugsbereit sein. Bis dahin braucht es einen Kreditbeschluss des Gemeinderats, ein genehmigtes Bauprojekt und einen reibungslosen Bauablauf. Drei Faktoren, bei denen in Zürich erfahrungsgemäss selten alle gleichzeitig reibungslos funktionieren.

    Denkmal verpflichtet
    Die Zeughäuser sind Teil des geschützten Kasernenareals. Ein Ensemble, das die Stadtgeschichte sichtbar macht. Abreissen steht nicht zur Debatte. Wer historische Bausubstanz erhalten will, muss bereit sein, dafür zu zahlen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie die Stadt diesen Auftrag finanziert und transparent, nachvollziehbar und mit einem klaren Mehrwert für alle Zürcherinnen und Zürcher kommuniziert.

  • Historisches Bäderquartier erhält neue Nutzungsperspektive

    Historisches Bäderquartier erhält neue Nutzungsperspektive

    Die Verenahof AG mit Sitz in Baden will den Gebäudekomplex im Badener Bäderquartier wiederbeleben. Dazu hat sie am 5. Februar einen Vertrag mit der Stadt abgeschlossen. Dieser bildet laut einer Mitteilung die Grundlage für die Entwicklung und Nutzung des Komplexes und soll Planungssicherheit bieten.

    Die Verenahof AG hat dafür in Zusammenarbeit mit der Stadt und der kantonalen Denkmalpflege ein Nutzungskonzept erarbeitet. Dieses sieht vor, betreutes Wohnen für ältere Menschen mit kulturellen Angeboten und öffentlich zugänglichen Nutzungen zu verbinden. Die technische Machbarkeit wurde bereits geprüft. Nun sollen unter Leitung der Verenahof AG innerhalb von zwölf Monaten ein Baugesuch und ein Kostenvoranschlag erarbeitet werden.

    „Das Konzept für Angebote in den Bereichen Prävention, Rehabilitation und gesundes Altern passt hervorragend an diesen für Baden historisch wertvollen Ort“, wird Stadtammann Markus Schneider in der Mitteilung zitiert. „Seit den Römern wird im Bäderquartier in die Gesundheit investiert – für Baden und die Region ist es bedeutend, dass dieses Angebot auch in Zukunft weiter ausgebaut wird.“

    Der Komplex steht seit der Schliessung der Hotels Verenahof, Bären und Ochsen in den Jahren 1987 und 2004 leer. Seit 2019 steht er unter nationalem Schutz. Die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden als Eigentümerin der Verenahof AG hat mehrere Nutzungen geprüft, darunter auch für eine Rehabilitationsklinik. Diese möglichen Nutzungen stiessen sich an den wirtschaftlichen und baulichen Rahmenbedingungen sowie den denkmalpflegerischen Anforderungen.

  • Historisches Thermalbad erhält grüne Zukunft

    Historisches Thermalbad erhält grüne Zukunft

    Die Stadt Baden und der Kanton Aargau haben der Genossenschaft Bad zum Raben die Baubewilligung für den Umbau des Bads zum Raben erteilt. Der Umbau wird laut einer Mitteilung der Genossenschaft Denkmalpflege, Wasserhygiene, Brand- und Hochwasserschutz sowie einen zweckmässigen Betriebsablauf vereinen. Der Umbau soll, nach der Sicherung der Finanzierung, Ende 2026 starten und Anfang 2028 fertiggestellt werden.

    „Wir freuen uns sehr über diesen wichtigen Meilenstein. Die Baubewilligung gibt uns Planungssicherheit und ist die Grundlage fürs weitere Fundraising“, so Andreas Rudow, Co-Präsident der Genossenschaft Bad zum Raben, in der Mitteilung. „Mit dem bewilligten Projekt fällt die Geldsuche leichter.“

    Die Gesamtkosten für den Umbau werden etwa 4,5 Millionen Franken betragen. Während 1 Million Franken bereits durch Eigenmittel, Spenden und erste Förderzusagen abgedeckt sind, soll die restliche Finanzierung durch Beiträge der öffentlichen Hand, Stiftungsfundraising, Spenden sowie dem Verkauf von Genossenschaftsanteilen gesichert werden. Die Genossenschaft Bad zum Raben sucht ausserdem weiterhin zusätzliche Genossenschafterinnen und Genossenschafter und verkauft symbolisch Bauteile des künftigen Bades.

    Der Umbau soll die historische Bausubstanz bewahren und mit einem nachhaltigen Badebetrieb und flexibler Nutzung die Vermittlung von Geschichte und Kultur ermöglichen. Im Bad zum Raben soll es neben vier Becken mit naturbelassenem Thermalwasser ein kleines Bistro, eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen, Räume für Kunst und Erholung sowie eine Bäder-Mediathek geben. Der Eingangsbereich soll Einblicke in die Geschichte des alten Badgasthauses und dem historischen Wassersystem bieten. Nach dem Umbau soll zudem Thermalwasser für die Warmwasserproduktion der Duschen im Bad sowie für die Wohnungen in den ehemaligen Hotelgeschossen genutzt werden.

  • Neues Zentrum für Gesellschaftswissenschaften

    Neues Zentrum für Gesellschaftswissenschaften

    Die Alte Gewerbeschule, einst im Stil der deutschen Neurenaissance erbaut, bleibt nach der umfassenden Erneuerung architektonisch und kulturell prägend. Der Kanton Basel-Stadt investiert rund 63 Millionen Franken in die Sanierung, die sich an strengen Denkmalschutzvorgaben und aktuellen Standards für Barrierefreiheit und Energieeffizienz orientiert. Fachstellen und Generalplaner arbeiten eng mit der kantonalen Denkmalpflege zusammen, um Fassade, Innenräume und historische Details zu bewahren.

    Mit der Sanierung werden acht universitäre Fachbereiche, das Dekanat und zentrale Dienste am Petersplatz konzentriert, was den wissenschaftlichen Dialog und die Nutzung gemeinsamer Ressourcen stärkt. Die UVB Gesellschaftswissenschaften erhält eine neue, moderne Bibliothek im Innenhof und attraktive Lern- sowie Arbeitsbereiche im Hochparterre. Damit entsteht ein universitäres Zentrum für Geistes- und Kulturwissenschaften mit hoher Aufenthaltsqualität und optimaler Infrastruktur.

    Sanierung unter dem Zeichen der Zukunftsfähigkeit
    Die Bauarbeiten begannen im November 2025 und dauern bis Sommer 2029. Das Gebäude wird dabei energetisch modernisiert, erdbebensicher gemacht, Altlasten werden. Die neue Raumgestaltung vereint Funktionalität und Denkmalschutz. Charakteristische Bauelemente werden restauriert, technische Infrastruktur und Nutzungsflexibilität auf das Niveau eines modernen Campus gebracht. Sie erfolgt unter Federführung der kantonalen Denkmalpflege und spezialisierter Architekten, begleitet durch eidgenössische Expertengremien, um einen maximalen Schutz der historischen Substanz sicherzustellen.

    Die Alte Gewerbeschule Basel wird zum innovativen Brückenschlag zwischen akademischer Exzellenz und historischer Identität. Ein starkes Signal für die Zukunft des urbanen Lernens.

  • Digitaler Zwilling macht Unsichtbares sichtbar

    Digitaler Zwilling macht Unsichtbares sichtbar

    Im Herzen des Projekts steht ein digitaler Co-Pilot, der als intelligenter Assistent agiert und restauratorische Entscheidungen unterstützt. Mittels Laserscans und photogrammetrischer Aufnahmen entsteht ein präziser 3D-Zwilling der Kathedrale, ergänzt um detaillierte Daten zu jedem Stein. Alter, Materialzusammensetzung und Zustand werden wissenschaftlich dokumentiert.​

    Gleichzeitig werden die mechanischen Lasten im Bauwerk mit Methoden wie Thrust Network Analysis simuliert. Schäden werden nicht nur sichtbar, sondern im Raum verortet und in ihrer Entwicklung nachvollziehbar. Die XR-Technologien zeigen Restauratoren, Ingenieuren und Architekten interaktive Hologramme direkt am Originalbauwerk.​

    Klima als Herausforderung
    Das Team der ETH Zürich korreliert lokale Wetterextreme wie windgetriebenen Regen mit den realen Schadensbildern an den Sandsteinen. Sensoren messen Feuchtigkeit und Mikroklima; die daraus gewonnenen Daten fliessen in Modelle, die künftige Entwicklungen bei zunehmender Klimaänderung prognostizieren. So entstehen Strategien für den langfristigen Erhalt der Bausubstanz, angepasst an die individuellen klimatischen Belastungen am Standort.​

    Neue Standards für Bauwerke weltweit
    Das Projekt «Heritage++» ist ein Vorbild für die Digitalisierung im Denkmalschutz. Die Kombination aus digitalem Zwilling, XR und KI ist übertragbar auf Brücken, Schlösser und weitere historische Bauten. Die öffentliche App zum Jubiläum der Kathedrale vermittelt Restaurierung transparent und partizipativ an die Besucher. Der Denkmalschutz wird nicht nur effizienter, sondern für alle erlebbar.

  • Shanghai verlegt Shikumen-Komplex mit Robotern

    Shanghai verlegt Shikumen-Komplex mit Robotern

    Die Stadt Shanghai stellt mit diesem Projekt ihre Fähigkeit unter Beweis, Denkmalschutz und Stadtentwicklung zu vereinen. Der Huayanli-Komplex, errichtet zwischen 1920 und 1930, ist Teil des Zhangyuan-Viertels, das auf eine über 140-jährige Geschichte zurückblickt. Mit einer Gesamtfläche von 4’030 Quadratmetern und drei Backstein-Holz-Bauten ist er nicht nur architektonisch bedeutsam, sondern auch ein bedeutendes Zeugnis städtischer Identität.

    Die vorübergehende Umsiedlung ist notwendig, um darunter eine dreistöckige unterirdische Anlage von über 53’000 Quadratmetern zu errichten. Diese wird kulturelle und kommerzielle Räume, mehr als 100 Parkplätze und Verbindungen zu drei U-Bahn-Linien schaffen . Ein ehrgeiziges Vorhaben in einem dicht bebauten historischen Umfeld.

    Robotergestützte Präzisionsarbeit im historischen Kern
    Angesichts der engen Gassen und geringen Platzverhältnisse setzte das Bauteam auf eine Kombination aus fortschrittlichen Technologien und massgeschneiderter Robotik. Insgesamt 432 selbstfahrende Roboter bewegen das Ensemble mit einer Geschwindigkeit von rund 10 Metern pro Tag. Eine logistische Meisterleistung, die minimale Störungen bei maximaler Präzision ermöglicht.

    Darüber hinaus kamen miniaturisierte Roboter für Gründungsarbeiten zum Einsatz, die sich dank Fernsteuerung durch schmale Türen und Flure bewegen. Unterstützt von BIM und Punktwolken-Scans, wurden präzise 3D-Modelle des Bestands erstellt, um potenzielle Kollisionen und statische Herausforderungen frühzeitig zu identifizieren.

    Smarte Erdbewegung und minimalinvasive Eingriffe
    Eine weitere technische Innovation stellen die eigens entwickelten Erdbewegungsroboter mit faltbaren Greifarmen dar. Diese können sich in Räumen mit weniger als 1,2 Metern Breite bewegen und nutzen Deep-Learning-Algorithmen, um zwischen Ton und Hindernissen zu unterscheiden. Dadurch wird das Bauprojekt trotz der beengten Verhältnisse mit hoher Effizienz und minimaler Gefährdung des historischen Bestands vorangetrieben.

    Zhang Yi, Generaldirektor der für die Stadterneuerung verantwortlichen Tochtergesellschaft von Shanghai Construction No 2, erläutert das Vorgehen: „Wir haben mehrere kurvige Transportwege für den Erdaushub entworfen und ein Förderbandsystem wie in einer Fabrik implementiert. So lassen sich Störungen reduzieren und gleichzeitig hohe Arbeitsgeschwindigkeiten erzielen.“

    Verknüpfung von Alt und Neu
    Das Vorhaben ist mehr als eine technische Meisterleistung. Es steht exemplarisch für eine städtische Vision, die historisches Erbe nicht als Hemmnis, sondern als Ressource begreift. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Huayanli-Komplex an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren. Allerdings über einer modernen Infrastruktur, die ihn mit den umliegenden Hochhäusern, Einkaufszentren und Wohnquartieren verbindet. Die Integration oberirdischer Erhaltungsmassnahmen mit modernen unterirdischen Einrichtungen bietet ein Modell für die nachhaltige Revitalisierung historischer Quartiere in wachsenden Metropolen. Für Shanghai und für internationale Stadtplaner und Ingenieure, ist dieses Projekt ein Meilenstein. Es zeigt, wie sich kulturelle Identität und urbane Modernisierung zu einem harmonischen Ganzen verbinden lassen.

  • Denkmalschutz und Technik im Einklang

    Denkmalschutz und Technik im Einklang

    Das in Schlieren ansässige Bauunternehmen STRABAG AG übernimmt mit seiner Abteilung Hochbau laut einer Mitteilung „zentrale Aufgaben bei der umfassenden Sanierung des Landhauses Solothurn“. Neben Massnahmen zur Modernisierung der haustechnischen Infrastruktur aus Sanitär, Lüftung, Beleuchtung und Bühnentechnik stehe die Modernisierung des Heizsystems im Fokus.

    Dieses wird mittels einer Wärmepumpe auf eine ressourcenschonende Energiegewinnung umgestellt. Wasser der Aare soll als Wärmequelle sowohl das Landhaus als auch angrenzende öffentliche Gebäude wie Jugendherberge, Schulhaus Kollegium und Stadttheater versorgen.

    Die Lage zwischen Altstadt und dem Fluss Aare erfordere logistische Aufmerksamkeit. So müssten Materialanlieferungen und Entsorgungen vormittags erfolgen, damit die Uferpromenade ab dem Mittag als Flaniermeile genutzt werden kann.

    Zudem gelte es, hohe Anforderungen des Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Das denkmalgeschützte Landhaus gleiche einem „verwinkelten Baukunstwerk mit sechs Ebenen, jede mit eigenem Sanierungsbedarf“. Die Vorgehensweise verlange „Fingerspitzengefühl“, um den historischen Charakter und die Bausubstanz zu erhalten. Insbesondere die originalen Solothurner Kalksteintreppen sollen in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleiben, heisst es. Dafür seien spezielle Schutzvorrichtungen geschaffen worden.

    Das Solothurner Stimmvolk hatte im Oktober 2023 der Instandsetzung zugestimmt. Seit Januar 2025 laufen die Baustellenarbeiten. Bauende ist für Oktober 2026 geplant. Im Januar soll aus Rücksicht auf die Solothurner Filmtage 2026 der Baustellenbetrieb ruhen.

  • Wie unsinnige Vorschriften den Wohnungsbau bremsen

    Wie unsinnige Vorschriften den Wohnungsbau bremsen

    In den Schweizer Städten sind Mietwohnungen knapp und teuer, und die Gründe dafür sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor ist die zunehmend längere Wartezeit zwischen Baugesuch und Baubewilligung. Die Anzahl der Wartetage hat sich in den letzten zehn Jahren im gesamtschweizerischen Durchschnitt um rund 12 Prozent erhöht. Während Baugesuche vor einem Jahrzehnt noch durchschnittlich 118 Tage bis zur Genehmigung benötigten, sind es heute bereits 133 Tage.

    Besonders betroffen sind die Kantone Genf, Freiburg und Basel-Stadt, wo die Prüfung eines Baugesuchs bis zu 188 Tage dauert. Auch im Kanton Zürich ist die Wartezeit mit 152 Tagen beträchtlich. Diese Verzögerungen sind ein Symptom für tiefgreifendere Probleme im Schweizer Bauwesen.

    Unsinnige Vorschriften als Bremsklotz
    Architekten und Fachleute sehen in unsinnigen Bauvorschriften ein zentrales Hindernis für den raschen Neubau von Mietwohnungen in urbanen Zentren. Peter Sturzenegger, Eigentümer des Architekturbüros Isler Architekten AG in Winterthur, nennt den Mehrlängenzuschlag (MLZ) als Beispiel. Diese Vorschrift schreibt vor, dass bei Gebäuden ab 14 Metern Länge der Grenzabstand vergrössert werden muss, was viele Bauprojekte verunmöglicht hat. In Winterthur ist die Aufhebung dieser Vorschrift bis Ende 2025 geplant, doch in anderen Städten wie Zürich bleibt die Zukunft dieser Regel ungewiss.

    Überholte Gesetze und ihre Folgen
    Ein weiteres Beispiel für veraltete Bauvorschriften ist die Ausrichtung von Wohnräumen im Kanton Zürich. Das Planungs- und Baugesetz verlangt, dass Wohnräume nicht mehrheitlich nach Nordosten oder Nordwesten ausgerichtet sein dürfen, um Tageslicht zu maximieren und Schimmelbildung zu vermeiden. Pascal Müller von der Müller Sigrist Architekten AG argumentiert jedoch, dass diese Vorschrift im Kontext heutiger urbaner Gegebenheiten, wie Lärmbelastung und Klimawandel, nicht mehr zeitgemäss ist.

    Neben den gesetzlichen Hürden kritisiert Müller auch die Rolle der Gerichte. Die Vielzahl an Rechtsprechungen und Gerichtsentscheiden schafft Unsicherheiten für Bauherren, da sie die Vorschriften ständig verändern und den Spielraum für Planer erheblich einschränken.

    Denkmalschutz und energetische Sanierung
    Der Aargauer Architekt Daniel Huber hebt die restriktiven Vorgaben im Denkmalschutz und die komplexen Anforderungen bei energetischen Sanierungen als weitere Hemmschuhe hervor. Besonders problematisch ist für ihn die uneinheitliche Umsetzung von Bauvorschriften, die stark von der Interpretation der zuständigen Behörden abhängt.

    Die Masse an Vorschriften als zentrales Problem
    Der Schweizer Baumeisterverband sieht die wachsende Zahl und Komplexität der Bauvorschriften als grösste Herausforderung. Jacqueline Theiler, Leiterin Kommunikation des Verbands, erklärt, dass die zunehmende Regulierungsdichte und die damit verbundenen Rechtsmittelverfahren die Baubewilligungsverfahren erheblich verlängern. Besonders problematisch sei die Überinterpretation bestehender Lärmvorschriften durch das Bundesgericht.

    Der Verband setzt nun Hoffnungen auf rasche Gesetzesänderungen durch das Parlament, um den stockenden Wohnungsbau wieder in Schwung zu bringen und die dringend benötigten Wohnungen in der Schweiz zu realisieren.

  • Neuenburg stattet drei historische Bauten mit 33’300 Solardachziegeln aus

    Neuenburg stattet drei historische Bauten mit 33’300 Solardachziegeln aus

    In der Stadt Neuenburg werden gemäss einer Medienmitteilung künftig Dachflächen auf drei denkmalgeschützten Gebäude für die nachhaltige Energiegewinnung genutzt. Hierfür werden das städtische Collège des Parcs sowie die kantonalen Schul- und Universitätsgebäude Beaux-Arts und A.-L. Breguet mit insgesamt 33’300 Solarziegeln von Freesuns ausgestattet. Unterstützt wird das Renovierungsvorhaben vom Forschungs- und Entwicklungszentrum CSEM. Für Stadt und Kanton bedeute es einen weiteren Schritt zur Energiewende.

    Das Collège kann laut der Mitteilung jährlich 150’000 Kilowattstunden Strom selbst erzeugen, was dem Verbrauch von 50 Schweizer Haushalten entspricht. Auf den Kantonsgebäuden liege die installierte Leistung bei 130 Kilowatt Peak für A.-L. Breguet und 95 Kilowatt Peak für Beaux-Arts.

    Architektonische Gegebenheiten hätten spezielle Lösungen erfordert: Beim Collège des Parcs mussten die Ziegel so montiert werden, dass sie den geschwungenen Linien des Dachs folgen, ohne es zu beschädigen.

    Die Umrüstung historischer Bausubstanz auf Solarenergie könnten ein inspirierendes Vorbild für andere Kantone und Gemeinden liefern. Die Ziegel könnten «das Gleichgewicht zwischen kulturellem Erhalt und nachhaltiger Entwicklung ermöglichen», wird Deborah Learoyd, General Manager bei Freesuns, zitiert.

    Die Renovierungsprojekte zeigen «exemplarisch, wie wir Dachziegel, Photovoltaik, Energiewende und Erhalt des architektonischen Erbes miteinander verbinden können», wird Matthieu Despeisse, Group Leader Solar Modules am CSEM, zitiert.

    Zwischen September und November 2024 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. CSEM und Freesuns denken an eine Weiterführung ihrer Kooperation.

  • Alternativer Standort für Energiezentrale in Zürich

    Alternativer Standort für Energiezentrale in Zürich

    Die Machbarkeitsstudie vom Swiss Center of Applied Underground Technologies in Zusammenarbeit mit der Amberg Engineering AG, der Rapp AG, sowie Experten der ETH Zürich und der Hochschule Luzern hat bestätigt, dass es in Zürich unterirdische Standorte gibt, die sich für eine Energiezentrale eignen. Besonders im Fokus steht der Bau einer Kaverne unterhalb des ETH-Maschinenlaboratoriums. Der stillgelegte Lettentunnel könnte als Zugangsschacht genutzt werden, um eine Erschliessung ohne gravierende Emissionen zu gewährleisten.

    Darüber hinaus wäre es möglich, den Lettentunnel als Standort für einen Wärmespeicher zu nutzen. Laut den Experten der HSLU könnten auf diese Weise sämtliche CO2-Emissionen von CoolCity vermieden werden. Dies würde es der Stadt ermöglichen, ihre Klimaziele besser zu erreichen als mit dem Standort Selnau, wo die Verbrennung von Gas zur Kompensation von Spitzenlasten vorgesehen ist und überschüssige Wärme in die Limmat abgeführt werden müsste.

    Ein Untergrundstandort hat auch Vorteile bezüglich schneller Realisierbarkeit und Kosten. Der Standort unter der ETH erfordert im Gegensatz zum Standort Selnau keine Genehmigungen vom Denkmalschutz und reduziert die Belastung des Grundwassers auf ein Minimum. Die zusätzlichen Kosten für den Bau einer Energiezentrale schätzen die Ingenieure des SCAUT im Vergleich zum Unterwerk Selnau auf 15 bis 30 Millionen Franken, zuzüglich etwa 20 Millionen Franken für einen Wärmespeicher. Dem gegenüber stehen jedoch die Vorteile eines grossen oberirdischen Gebäudes, das über Jahrzehnte hinweg genutzt werden kann, sowie die klima- und umwelttechnischen Pluspunkte eines unterirdischen Baus.

  • Denkmalschutz in Zug in der Kritik

    Denkmalschutz in Zug in der Kritik

    Das überarbeitete Zuger Denkmalschutzgesetz trat 2019 in Kraft und beschränkt den Schutz auf „äußerst wichtige“ Gebäude. Dies hat zur Folge, dass viele historische Bauten im Kanton Zug, die wertvoll, aber nicht „äußerst wichtig“ sind, gefährdet sind. Kritiker argumentieren, dass dieses strenge Kriterium weltbekannte Denkmäler wie die Kathedrale Notre Dame oder den Kölner Dom betrifft, aber nicht lokale Denkmäler wie den Zurlaubenhof.

    Einspruch und Entscheidung des Bundesgerichts
    Der Zuger Heimatschutz hatte das Gesetz wegen Verstößen gegen das Granada-Abkommen, einem internationalen Vertrag zum Schutz von Baudenkmälern, angefochten. Das Bundesgericht gab ihnen teilweise Recht, jedoch wurde die Entscheidung in einem neueren Fall nicht bekräftigt, wodurch viele Gebäude im Kanton Zug weiterhin gefährdet sind.

    Zukunftsperspektiven
    Nach aktuellen Gerichtsentscheidungen sind viele historische Gebäude in Zug nicht geschützt. Eigentümer und Anwohner, die sich für den Schutz dieser Gebäude einsetzen wollen, stehen nun vor der Herausforderung, die Rechtmäßigkeit der Gesetze anzufechten und die damit verbundenen Prozesskosten zu tragen. Sie können sich auf internationale Abkommen und frühere Gerichtsentscheidungen berufen, aber die Hürden sind hoch. Der Heimatschutz bedauert, dass die frühere Entscheidung des Bundesgerichts nicht bestätigt wurde.