Schlagwort: digitaler Produktpass

  • Digitaler Produktpass bringt Transparenz in die Kreislaufwirtschaft

    Digitaler Produktpass bringt Transparenz in die Kreislaufwirtschaft

    Die Sky-Frame AG mit Sitz in Frauenfeld bietet ihren Kunden rahmenlose Schiebefenster aus Schweizer Produktion an. Dabei spielt die Kreislauffähigkeit der Produkte eine grosse Rolle. Das Unternehmen hat nun einen digitalen Produktpass mit Cradle to Cradle-Kompass lanciert, um darüber zu informieren, inwieweit die verwendeten Produkte dem strengen Kreislaufwirtschaftsprinzip Cradle to Cradle entsprechen.

    Der Digital Product Passport Compass Cradle to Cradle (DPPCCC) ist von epeaswitzerland aus Widnau entwickelt worden. Er basiert auf den digitalen Produktpässen, die laut einer EU-Verordnung für alle Produkte, die im EU-Raum verkauft werden, sukzessive eingeführt werden sollen. Er bewertet die Produkte von Sky-Frame nach einer Reihe von Kriterien, etwa nach ihrer Leistungsfähigkeit, der der Kreislauffähigkeit und dem Energieverbrauch. Er macht die Lieferketten des Unternehmens transparent und belegt die Rücknahmefähigkeit der Produkte des Unternehmens.

    „Die in der Schweiz hergestellten rahmenlosen Fenster und Schiebetüren schaffen ein aussergewöhnliches architektonisches, grenzenloses Raumerlebnis mit spektakulären Ausblicken. Zusammen mit dem Tool ‚Digital Product Passport Compass Cradle to Cradle‘ von epeaswitzerland setzen wir uns für ein neues Mass an Transparenz, Identität, Orientierung und die Einhaltung künftiger EU-Rechtsvorschriften ein“, heisst es von Michael Fuchsberger, Leiter QM & Nachhaltigkeit bei der Sky-Frame AG zu weiteren Aspekten des DPPCCC. So gibt dieser zum Beispiel Auskunft über die Lieferkette oder auch Möglichkeiten zur Rückgabe von Sky-Frame-Produkten. Zudem können die Informationen nach Aspekten wie Materialgesundheit oder auch verschiedenen Bereichen der Eignung für die Kreislaufwirtschaft gegliedert und detailliert angezeigt werden.

    „Als weltweit tätiges Unternehmen hat Sky-Frame mit der Einführung des Digital Product Passport Compass Cradle to Cradle von epeaswitzerland erneut seine Vorreiterrolle unter Beweis gestellt“, heisst es von Albin Kälin, dem Gründer und Geschäftsführer von epeaswitzerland.

  • Wie Daten den Bau transformieren

    Wie Daten den Bau transformieren

    „Am Anfang dachte ich auch, das sei ein EU-Ding“, sagt Prof. Dr. Adrian Wildenauer, Experte für digitales Bauen. „Aber die Auswirkungen auf die Schweizer Bauwirtschaft sind enorm.“

    Der Produktpass verlangt, dass jedes Bauprodukt, von Zement über Holz bis zu Fensterprofilen,  digital dokumentiert wird. Angaben zu Herkunft, Zusammensetzung, Energieverbrauch und Recyclingfähigkeit müssen transparent auffindbar sein, meist über QR-Code oder Datenlink.

    Dieser Wandel trifft auf eine Branche, in der Materialdaten bisher oft verstreut liegen. Wer künftig ohne DPP produziert, verliert den Zugang zum europäischen Markt. Für Schweizer Hersteller bedeutet das, ohne Daten keine Lieferung und damit keine Umsätze. Der Anpassungsdruck ist entsprechend hoch.

    Datenqualität als Schlüssel
    Viele Unternehmen besitzen bereits wertvolle Informationen, aber in unterschiedlichen Systemen und Formaten. Wildenauer sieht darin die kritische Schwachstelle: „Ich sehe schon, dass Hersteller zunehmend zu Datenhändlern werden. Aber nicht jede kleine Firma kann sich eine vollständige Datenhaltung leisten.“

    Er plädiert für eine nationale Koordinationsstelle, die Normen, Tools und Standards für die Bauwirtschaft bündelt. „Wir müssen das helvetisieren“, sagt er. „Schnell, pragmatisch und gemeinsam.“ Nur mit einer schweizweit abgestimmten Datenstrategie gelingt es, Fragmentierung und Doppelarbeit zu vermeiden.

    Transparenz schafft Vertrauen
    Der digitale Produktpass ist mehr als eine regulatorische Auflage. Er schafft Markttransparenz und neue Qualitätsmassstäbe. Wenn Schweizer Produkte in den europäischen Datenbanken erscheinen, stärkt das Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit. Besonders in einem globalen Umfeld, das auf CO₂-Reduktion und Kreislaufwirtschaft setzt, kann dieser Schritt den entscheidenden Unterschied machen.

    Mit der Offenlegung des gesamten Lebenszyklus von Materialien, von der Gewinnung über die Nutzung bis zum Rückbau, rückt die Ressourceneffizienz ins Zentrum. „Das alte Prinzip ‚Make, Take, Waste‘ hat ausgedient“, erklärt Wildenauer. „Wer Materialien wiederverwendet, spart Ressourcen und wird unabhängiger.“

    Neue Kompetenzen entstehen
    Die Datenorientierung verändert Berufe und Prozesse im Bauwesen. Entstehen werden Profile wie Datenmanager, Materialzertifizierer oder Spezialisten für Rückverfolgbarkeit. Diese neuen Tätigkeitsfelder verbinden technisches und digitales Know-how mit baulicher Praxis und Nachhaltigkeit.

    Für Unternehmen beginnt der Wandel jetzt. „Nicht als kopfloses Huhn herumrennen“, rät Wildenauer. „Einfach anfangen. Welche Daten habe ich, welche fehlen?“ Eine erste Bestandsaufnahme genügt, um Ordnung ins System zu bringen. Künstliche Intelligenz kann später helfen, Muster zu erkennen und Prozesse zu automatisieren. Aber ohne saubere Basisdaten bleibt der Nutzen begrenzt.

    Digitalisierung als Chance
    Der digitale Produktpass markiert eine neue Ära der Transparenz und Effizienz im Bauwesen. Er fordert Umdenken, bietet aber enorme Chancen. Unternehmen, die früh handeln, sichern sich eine starke Marktposition und gewinnen Vertrauen bei Investoren, Auftraggebern und Endkunden.

    Wildenauer bringt es auf den Punkt: „Das ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, Ordnung zu schaffen und gemeinsam das Bauen resilienter und nachhaltiger zu gestalten.“