Schlagwort: Elektronik

  • Computermaus aus Holz

    Computermaus aus Holz

    Leiterplatten sind das unsichtbare Grundgerüst der Elektronik. Bislang meist auf fossilen Kunststoffen aufgebaut. Ihre konventionelle Herstellung nutzt glasfaserverstärktes Epoxidharz.  Einen erdölbasierten Werkstoff, der am Ende seines Lebenszyklus kaum recycelbar ist und aufwendig entsorgt werden muss. Angesichts wachsender Mengen an Elektronikabfall wird dieses Recyclingproblem immer drängender.

    Am «Cellulose and Wood Materials»-Labor der Empa entstand deshalb ein Trägermaterial auf der Basis von Holz, das sich vollständig biologisch abbauen lässt. Unter der Leitung von Thomas Geiger entwickelte das Team im EU-Projekt HyPELignum eine Technologie, bei der Lignocellulose – ein bislang wenig genutztes Nebenprodukt der Holzverarbeitung – in eine robuste, funktionale Platte verwandelt wird.

    Funktion und Kreislauf schliessen
    Im Kern besteht das neue Material aus einer Mischung von Cellulosefibrillen und Lignin. Durch fein abgestimmte mechanische Prozesse entsteht ein stabiles Geflecht, das in einer «hornifizierten» Platte aushärtet. Die daraus gefertigten Leiterplatten können mit Leiterbahnen bedruckt und mit elektronischen Komponenten bestückt werden.

    Zentrale Herausforderung bleibt die Feuchtigkeitsresistenz. Denn gerade die Offenheit für Wasser macht das Material am Lebensende biologisch abbaubar. Ein Zielkonflikt, den das Empa-Team künftig noch besser auflösen will. Bei ihrem Erstversuch gelang es bereits, eine voll funktionsfähige Computermaus und weitere Geräte zu bauen. Nach Gebrauch könnten diese unter geeigneten Bedingungen kompostiert werden und wertvolle Metalle und Bauteile werden einfach zurückgewonnen.

    Von der Forschung in die Praxis
    Die Entwicklerinnen und Entwickler am Empa-Labor kooperieren eng mit Firmen wie Profactor, um die neuen Platinen in serienreife Produkte zu überführen. Das Potenzial für die Industrie ist gross. Gerade bei kurzlebigen Elektronikartikeln entsteht so eine Lösung, die Ressourcen schont, Entsorgungskosten senkt und den ökologischen Fussabdruck minimiert.

    Das Projekt HyPELignum legt ausserdem Wert auf nachhaltige Gesamtstrategien. Nicht nur Ausgangsmaterialien und Produktion, sondern auch Lebenszyklus-Analysen und Industriepartnerschaften stehen im Fokus. Mit Demonstrationsgeräten und geplanter industrieller Skalierung soll bis 2026 der Sprung von der Laborlösung zum marktreifen Produkt gelingen.

  • Neue Messtechnik erkennt Korrosion in Stahlbeton ohne Eingriffe

    Neue Messtechnik erkennt Korrosion in Stahlbeton ohne Eingriffe

    Stützmauern, Tunnel und Brücken aus Stahlbeton prägen das Schweizer Stadtbild und die Infrastruktur. Doch viele dieser Bauwerke haben bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel – und chemische Veränderungen im Beton setzen dem verbauten Stahl zu. Beginnt der Bewehrungsstahl zu rosten, verliert das Bauwerk an Stabilität. Besonders problematisch sind die Schäden an unzugänglichen Stellen, wo herkömmliche Prüfmethoden versagen.

    Elektrochemische Messungen als neue Lösung
    Bislang mussten Ingenieure Teile des Betons aufbrechen, um Korrosionsschäden zu überprüfen. Ein aufwendiges und oft unzureichendes Verfahren. Talpa hat eine neue Methode entwickelt, die über Drainagerohre funktioniert. Eine spezielle Sonde wird in das Rohr eingeführt und misst mithilfe von elektrochemischen Signalen die Korrosionswahrscheinlichkeit im umgebenden Stahlbeton.

    «Das gab es bisher nicht», erklärt Lukas Bircher, einer der Entwickler. «Bisher musste man ganze Betonflächen abtragen, um Schäden zu finden und konnte trotzdem leicht einen kritischen Bereich übersehen.» Mit der neuen Technik können nun ganze Mauerabschnitte systematisch geprüft werden, ohne Zerstörung oder aufwendige Bauarbeiten.

    Messungen im laufenden Betrieb – ohne Baustelle
    Das Verfahren wurde bereits erfolgreich getestet, unter anderem an einer 200 Meter langen Stützmauer in Zürich-Höngg. Das Prinzip ist eine Sonde die in das Drainagerohr eingeführt und mit aufblasbaren Dichtungen fixiert wird. Anschliessend leitet das System Wasser in den Messbereich, wodurch eine leitfähige Verbindung zwischen den Elektroden der Sonde und dem Stahl im Beton entsteht. Anhand der aufgezeichneten elektrischen Signale kann das Team erkennen, ob und in welchem Ausmass Korrosion vorliegt.

    Alle 25 Zentimeter wird eine neue Messung vorgenommen, um den Zustand des gesamten Mauerabschnitts zu erfassen. «So können wir gezielt diejenigen Bereiche identifizieren, die tatsächlich eine Gefahr darstellen», sagt Bircher. «Das spart nicht nur Zeit, sondern auch hohe Kosten für unnötige Eingriffe.»

    50 Jahre nach dem Bauboom – Sanierungsbedarf wächst
    Viele der heute betroffenen Stahlbetonbauten stammen aus der Boomphase zwischen 1960 und 1980. Besonders Stützmauern aus den 1970er-Jahren enthalten häufig Hohlräume, die Korrosion begünstigen. Bislang mussten Schäden aufwendig durch Stichproben ermittelt werden, mit hohem Risiko, kritische Stellen zu übersehen. Die neue Methode bietet erstmals eine flächendeckende und zuverlässige Analyse.

    Von der Forschung zum Start-up Talpa-Inspection
    Die Technologie hat so grosses Potenzial, dass Bircher gemeinsam mit zwei Kollegen das Start-up Talpa-Inspection gründet. Der Name «Talpa», lateinisch für «Maulwurf», steht sinnbildlich für die innovative Art, tief verborgene Schäden sichtbar zu machen. Unterstützt durch ein ETH Pioneer Fellowship entwickelt das Team die Technologie weiter und bereitet den Markteintritt vor.

    Zukunftsperspektiven, Automatisierung und Skalierung
    Aktuell erfolgt die Messung noch teilweise manuell, doch das Team arbeitet bereits an einer automatisierten Version. Ziel ist es, die Sonde robuster zu machen und den Messvorgang weiter zu beschleunigen. Die Nachfrage ist gross. Allein in der Schweiz gibt es über 1’000 Kilometer potenziell betroffener Stahlbetonbauwerke.

    «Unsere Methode bietet eine echte Chance, die Lebensdauer bestehender Bauwerke zu verlängern», sagt Bircher. «Wir hoffen, dass sie sich bald als Standardverfahren für die Bauwerksdiagnostik etabliert.»

  • IneltecSchweizer Elektrobranche feiert ein kraftvolles Comeback

    IneltecSchweizer Elektrobranche feiert ein kraftvolles Comeback

    Nach einem siebenjährigen Unterbruch öffnet die ineltec am 11. und 12. September ihre Tore und bietet der Schweizer Elektrobranche einen zentralen Treffpunkt. Die Hallen 1 und 2 der Messe Zürich erwarten 162 Ausstellerinnen sowie ein fachkundiges Publikum, das sich auf 11.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche über die neuesten Entwicklungen und Trends informieren kann.

    Noëlle Marti, die neue Leiterin der Elektromesse, zeigt sich begeistert über die Resonanz: «Alle Teilnehmenden können sich auf volle Hallen in der Messe Zürich freuen. Wir sind überwältigt von den vielen positiven Rückmeldungen und dem Ansturm auf die Tickets.» Die ineltec 2024 ist mehr als nur eine Messe – sie bietet eine Plattform für Wissenstransfer, Netzwerken und innovative Technologien.

    Innovation und Wissenstransfer im Fokus
    Die Neuausrichtung der ineltec zielt auf eine Konzentration des Wesentlichen. Innovation, Wissenstransfer und der direkte Austausch zwischen Menschen und Technologien. Im Gegensatz zu früheren Jahren wurde bewusst auf überdimensionierte Standflächen verzichtet, um die Veranstaltung kompakter und fokussierter zu gestalten. Das Motto «Zurück zu den Wurzeln, aber mit einem modernen Twist» beschreibt den Geist der diesjährigen Messe treffend.

    Von 9 bis 17 Uhr stehen an beiden Messetagen Vorträge, Innovationen und Workshops im Mittelpunkt. Der Speakers Corner wird zum Dreh- und Angelpunkt des fachlichen Austauschs. Nach Messeschluss laden After-Work-Events zum ungezwungenen Networking ein, bei denen sich die Teilnehmenden in entspannter Atmosphäre begegnen und den Tag Revue passieren lassen können.

    Vertiefende Veranstaltungen für Fachleute
    Die elf Veranstaltungen der Branchenverbände und Aussteller bieten detaillierte Einblicke in aktuelle Themen der Elektrobranche. Ob neue Planungstools, elektrische Anlagen, künstliche Intelligenz oder Elektromobilität – Fachleute können sich auf eine breite Palette an Innovationen und Trends freuen, die sie direkt in den Berufsalltag integrieren können.

    Besonderes Highlight
    Beim Startup Pitch am Mittwochnachmittag treffen innovative Jungunternehmen auf das Fachpublikum. Die Startup Academy Schweiz unterstützt die Unternehmen durch Mentoring und fördert den Austausch zwischen kreativen Köpfen und erfahrenen Branchenexpert.

    Nachwuchsförderung im Zentrum der ineltec
    Auch der Nachwuchs steht im Fokus der ineltec. Unter der Schirmherrschaft von EIT.swiss werden geführte Nachwuchstouren organisiert, bei denen Lernende spielerisch mit den Ausstellern in Kontakt kommen und Einblicke in die neuesten Technologien erhalten. Diese Initiative ermöglicht es jungen Talenten, erste wertvolle Verbindungen für ihre berufliche Zukunft zu knüpfen und den Grundstein für eine Karriere in der Elektrobranche zu legen.

    Die ineltec bietet nicht nur erfahrenen Fachkräften, sondern auch Berufsanfängern wertvolle Informationen und Orientierungshilfen. Auf der Website ineltec.ch finden alle Besucher gezielte Informationen zu 14 aktuellen Themen der Elektrobranche, Produktneuheiten, Unternehmensprofilen und Veranstaltungsangeboten.

  • Regierungsrat Zürich lädt zur öffentlichen Mitwirkung an den Agglo-Programmen der fünften Generation ein

    Regierungsrat Zürich lädt zur öffentlichen Mitwirkung an den Agglo-Programmen der fünften Generation ein

    Um Bundesmittel zu erhalten, müssen die Agglomerationsprogramme bestimmte Anforderungen erfüllen. Diese beinhalten die Analyse des aktuellen Zustands sowie die Identifikation von Entwicklungstrends in den Bereichen Siedlung, Landschaft und Verkehr. Auf dieser Basis werden Zukunftsszenarien entwickelt und notwendige Massnahmen abgeleitet. Diese Massnahmen können dann zu 30 bis 50 Prozent vom Bund mitfinanziert werden, sofern sie umsetzungsreif sind.

    Die Programme umfassen verschiedene Regionen und fokussieren sich auf spezifische Schwerpunkte. Im Limmattal liegt der Fokus auf multimodalen Umsteigepunkten und der Elektrifizierung des Busverkehrs. In der Stadt Zürich und dem Glattal werden Verkehrsdrehscheiben und Velonetze ausgebaut. Winterthurs Massnahmen konzentrieren sich auf den öffentlichen Verkehr und die fussgänger- und veloverträgliche Stadtentwicklung.

    Das neue Programm für das Unterland und das Furttal legt den Schwerpunkt auf die siedlungsverträgliche Gestaltung von Strassenräumen. Im Zürcher Oberland stehen die Verkehrserreichbarkeit der regionalen Zentren und multimodale Umsteigepunkte im Vordergrund.

    Beteiligung und Mitwirkungsverfahren
    Das öffentliche Mitwirkungsverfahren wurde am 3. Juli 2024 durch Regierungsbeschluss Nr. 765/2024 gestartet und läuft vom 5. August bis zum 20. September 2024. In dieser Zeit sind Städte, Gemeinden, Planungsregionen, Transportunternehmen, Verbände sowie die Öffentlichkeit zur Stellungnahme eingeladen. Auch Nachbarkantone und angrenzende Agglomerationsprogramme wie Schaffhausen und Obersee sind zur Mitwirkung aufgerufen.

    Regierungsrätin Carmen Walker Späh betont die Bedeutung der Programme: „Von einer modernen Infrastruktur profitieren alle. Eine effiziente Infrastruktur ist der Lebensnerv der Wirtschaft.“
    Die Entwürfe der Agglomerationsprogramme und weitere relevante Unterlagen sind ab dem 5. August unter zh.ch/ap5 abrufbar.

  • Innovation und Vernetzung in der Schweizer Elektrobranche

    Innovation und Vernetzung in der Schweizer Elektrobranche

    Die neu lancierte ineltec 2024 bietet auf 11’000 Quadratmetern Fläche eine Plattform für über 140 Ausstellende, die ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen aus den Bereichen Elektrotechnik, Gebäudeautomation, E-Mobilität und mehr präsentieren. Die Messe zieht nicht nur eine Vielzahl von Fachleuten an, sondern auch Entscheidungsträger aus der gesamten Branche, die auf der Suche nach innovativen Lösungen und nachhaltigen Technologien sind. Besonders die Themen E-Mobilität und smarte Gebäudetechnologien stehen im Fokus, da diese Bereiche in den kommenden Jahren entscheidende Entwicklungen erwarten lassen.

    Interaktive Plattformen für den fachlichen Austausch
    Neben der herkömmlichen Messeerfahrung bietet die ineltec reloaded auch digitale Zugänge über ihre Content-Plattform ineltec.ch, wo Aussteller und Besucher sich bereits im Vorfeld vernetzen und informieren können. Zusätzlich sorgen die beiden Marktplätze mit Bistros und einer Interaktionszone für einen lebendigen Austausch und bieten Raum für tägliche Veranstaltungen wie Innovation Pitches und moderierte Gespräche. Diese Formate sind darauf ausgelegt, den Teilnehmern neue Impulse und praktisches Wissen für den Arbeitsalltag zu vermitteln.

    Fokus auf Nachwuchs und Netzwerkbildung
    Ein weiterer Schwerpunkt der ineltec 2024 liegt auf der Förderung des Nachwuchses und der Vernetzung der Branchenteilnehmer. Die Veranstaltungen, wie die Startup Pitches und die After Work Events, bieten nicht nur eine Bühne für neue Ideen, sondern auch wertvolle Gelegenheiten zum Networking. Ziel ist es, eine Brücke zwischen den etablierten Unternehmen und innovativen Neugründungen zu schlagen und gleichzeitig junge Talente aktiv in die Branche einzubinden.

    Zukunftsorientierte Diskussionen und Weiterbildung
    Die ineltec 2024 setzt auch ein starkes Augenmerk auf Weiterbildung und Diskussionen zu zentralen Branchenthemen wie der Integration von KI in die Gebäudeautomation und die Auswirkungen von ESG-Richtlinien auf die Elektrotechnik. Durch die Teilnahme an diesen Gesprächsrunden und Präsentationen erhalten die Fachbesucher wertvolle Einblicke in die zukünftige Entwicklung der Elektrobranche und können sich so auf die kommenden Herausforderungen vorbereiten.

    Die ineltec 2024 verspricht, ein unverzichtbarer Termin für alle Fachleute der Elektrobranche zu werden, indem sie nicht nur ein Schaufenster für technologische Neuerungen bietet, sondern auch als eine zentrale Plattform für fachlichen Austausch und Weiterbildung dient.

  • Holcim kooperiert mit dem grössten Klima-Inkubator in Nordamerika

    Holcim kooperiert mit dem grössten Klima-Inkubator in Nordamerika

    Holcim arbeitet neu mit Greentown Labs zusammen, um die Entwicklung neuer Klimatechnologien für nachhaltiges Bauen zu beschleunigen. Die Terawatt genannte Premium-Partnerschaft mit Greentown Labs verschafft Holcim laut seiner Medienmitteilung bevorzugten Zugang zu vielversprechenden Start-ups, die sich auf innovative und nachhaltige Gebäudelösungen konzentrieren. Dadurch wolle Holcim zu einem frühen Anwender von Spitzentechnologien zur Dekarbonisierung des Bauwesens werden.

    Greentown Labs ist der grösste Inkubator für Klimatechnologie-Start-ups in Nordamerika. Das Gründerzentrum mit Standorten in Somerville im US-Bundesstaat Massachusetts und im texanischen Houston beherbergt mehr als 200 Jungunternehmen. Seit seiner Gründung im Jahr 2011 hat er über 525 Start-ups mit Laborräumen, gemeinsam genutzten Büros, Maschinen- und Werkzeugwerkstätten, Elektronik, Software- und Business-Ressourcen und einem grossen Netzwerk an Fachleuten unterstützt. Holcim tritt auch dem Greentown Industry Leadership Council bei, der Greentown strategisch berät, etwa bei der Verkürzung der Zeitspannen von der technologischen Entwicklung bis zur Marktreife.

    «Die Kombination von Holcim MAQER Ventures, unserem Risikokapitalprogramm, mit Greentowns hervorragender Auswahl an erfolgreichen Climate-Tech-Start-ups wird als Katalysator dienen, um neu zu erfinden, wie die Welt für eine regenerative Zukunft baut», wird Holcims Nachhaltigkeitschef Nollaig Forrest zitiert. Über MAQER Ventures arbeitet Holcim eigenen Angaben zufolge mit Hunderten Start-ups in seinem offenen Innovationsökosystem zusammen und forscht in 15 Bereichen, von ultrahochfestem Beton bis zum 3D-Druck.

  • Quantentechnologie aus Kohlenstoff

    Quantentechnologie aus Kohlenstoff

    Sie ist vielversprechend, aber auch verblüffend und verwirrend: Quantentechnologie soll uns in den nächsten Jahrzehnten technologische Durchbrüche verschaffen, etwa kleinere und präzisere Sensoren, hochsichere Kommunikationsnetzwerke und leistungsstarke Computer, die in kürzester Zeit neue Medikamente und Materialien entwickeln helfen, Finanzmärkte steuern und das Wetter vorhersagen können.

    Dafür brauchen wir sogenannte Quantenmaterialien: Stoffe, die ausgeprägte quantenphysikalische Effekte zeigen. Eines davon ist Graphen. Diese zweidimensionale Strukturform des Kohlenstoffs verfügt über ungewöhnliche physikalische Eigenschaften, etwa eine ausserordentlich hohe Zugfestigkeit, Wärme- und Stromleitfähigkeit. Schränkt man das ohnehin zweidimensionale Material räumlich noch mehr ein, etwa zu einem schmalen Band, entstehen kontrollierbare Quanteneffekte.

    Genau dies macht sich das Team von Mickael Perrin zunutze: Im Empa-Labor «Transport at Nanoscale Interfaces», geleitet von Michel Calame, forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Perrins Team an Graphen-Nanobändern. «Nanobänder aus Graphen sind noch faszinierender als Graphen selbst», erklärt Perrin. «Indem man ihre Länge und Breite sowie die Form ihrer Ränder variiert und sie mit anderen Atomen versetzt, kann man ihnen alle erdenklichen elektrischen, magnetischen und optischen Eigenschaften verleihen.»

    Echte Präzisionsarbeit – aufs Atom genau
    Die Forschung an den vielversprechenden Bändchen gestaltet sich nicht immer einfach. Je schmaler das Band, desto deutlicher sind seine Quanteneigenschaften – aber desto schwieriger wird es auch, ein einzelnes Band anzusteuern. Genau das ist aber unabdingbar, um die Besonderheiten und möglichen Anwendungen dieses Quantenmaterials im Detail zu verstehen.

    In einer neuen Studie, die vor kurzem in der Zeitschrift «Nature Electronics» veröffentlicht wurde, ist es Perrin, Jian Zhang und ihrem Team erstmals gelungen, einzelne lange, atomar genaue Graphen-Nanobänder elektrisch leitend zu kontaktieren. Keine triviale Aufgabe: «Ein Graphen-Nanoband, das nur neun Kohlenstoffatome breit ist, misst gerade einmal ein Nanometer in der Breite», sagt Zhang. Um einzelne Bänder zu kontaktieren verwendeten die Forscher ebenso kleine Elektroden: Kohlenstoff-Nanoröhrchen mit einem Durchmesser von ebenfalls nur einem Nanometer.

    Die Präzision, die für einen solchen Versuch unabdingbar ist, beginnt bereits bei den Ausgangsmaterialien. Die Graphen-Nanobänder bezogen die Forschenden vom Empa-Labor «nanotech@surfaces» unter der Leitung von Roman Fasel, mit dem sie bereits seit langem zusammenarbeiten. «Roman Fasel und sein Team arbeiten schon lange an Graphen-Nanobändern und können viele verschiedene Arten davon mit atomarer Präzision aus einzelnen Ausgangsmolekülen synthetisieren», erklärt Perrin. Die Ausgangsmoleküle kamen vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz.

    Will man den Stand der Technik vorantreiben, ist Interdisziplinarität der Schlüssel. So waren an der Studie unterschiedliche internationale Forschungsgruppen beteiligt, jede mit ihrem eigenen Spezialgebiet: Die Kohlenstoff-Nanoröhrchen stellte eine Forschungsgruppe an der Universität Peking her, und für die Interpretation der Ergebnisse arbeiteten die Empa-Wissenschaftler mit Forschenden der «University of Warwick» zusammen. «Ein solches Projekt wäre ohne Zusammenarbeit nicht möglich», betont Zhang.

    Einzelne Bänder mit den Nanoröhrchen zu kontaktieren war eine Herausforderung für die Forschenden. «Die Kohlenstoff-Nanoröhrchen und die Graphen-Nanobänder werden auf separaten Substraten gezüchtet», erklärt Zhang. «Zuerst müssen die Röhrchen auf das Experimentsubstrat übertragen und mit Metallelektroden kontaktiert werden. Dann schneiden wir sie mittels hochauflösender Elektronenstrahllithografie, um sie in je zwei Elektroden zu trennen.» Schliesslich werden die Bänder auf dasselbe Substrat übertragen. Präzision ist dabei unabdingbar: Schon die kleinste Drehung der Substrate kann einen erfolgreichen Kontakt verhindern. «Der Zugang zu einer hochwertigen Infrastruktur am «Binnig and Roher Nanotechnology Center» am IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon war entscheidend, um diese Technologie zu testen und umzusetzen», sagt Perrin.

    Zukunftsmusik
    Den Erfolg bestätigten die Wissenschaftler durch Messungen von Ladungstransport. «Quanteneffekte sind bei tiefen Temperaturen in der Regel deutlicher, deshalb haben wir die Messungen bei Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt im Hochvakuum durchgeführt», erklärt Perrin, und nennt zugleich eine besonders vielversprechende Eigenschaft von Graphen-Nanobändchen: «Dank ihrer extrem kleinen Grösse sind ihre Quanteneigenschaften sehr robust. Wir erwarten, dass sie sogar bei Raumtemperatur noch nachweisbar sind.» Dies, so der Forscher, könnte uns erlauben, Quantentechnologien zu entwickeln, die ohne aufwändige Kühlinfrastruktur auskommen.

  • Jaisli-Xamax baut in Bern unterirdisch

    Jaisli-Xamax baut in Bern unterirdisch

    Das Dietiker Elektrounternehmen Jaisli-Xamax AG hat in der neugestalteten Radio-Onkologie am Inselspital in Bern die Elektroarbeiten zum Anschliessen innovativer Röntgengeräte ausgeführt. Das Besondere an den Bauarbeiten war laut Medienmitteilung, dass der Neubau innerhalb der Berner Universitätsklinik, die zur Insel-Gruppe gehört, unterirdisch gelegen ist. Dort ist ein dreigeschossiges, unterirdisches Gebäude entstanden. Im sogenannten Zwischenbau, der von aussen nicht sichtbar ist, befinden sich Behandlungs- und Untersuchungsräume mit Wartezimmern sowie Technikräume des Tumorzentrums.

    Laut Medienmitteilung des Inselspitals ist in zwei Jahren Bauzeit auf drei Etagen, 20 Meter unter der Erde, ein hochmodernes Zentrum für die radioonkologische Behandlung von Krebspatienten in Betrieb genommen genommen worden. Drei Geräte der neuesten Generation stehen bereit, um Patientinnen und Patienten mit präziser Strahlentherapie zu behandeln.

    Die anspruchsvolle Aufgabe, diese Ethos-Geräte anzuschliessen, lag in den Händen von Jaisli-Xamax. Zu Spitzenzeiten waren dort 20 Mitarbeitende im Einsatz , davon drei Lernende. Bauleiter Eduard Harder wird zitiert, bei Jaisli-Xamax sei man stolz, „dass wir bei einem solch wichtigen und zukunftsweisenden Projekt unseren Beitrag leisten konnten“.