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  • Potenzial für Co-Living in Europa Best-Practice-Leitfaden von ULI und JLL

    Potenzial für Co-Living in Europa Best-Practice-Leitfaden von ULI und JLL

    In den letzten Jahren hat sich Co-Living zu einem leistungsfähigen Instrument zur Förderung eines Lebensstils entwickelt, von dem Menschen, die dort wohnen sowie Kommunen gleichermaßen profitieren können. In Europa hat sich der Sektor, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, durch Investitionen in Co-Living-Immobilien von rund 1,2 Milliarden Euro zwischen 2020 und Mitte 2022 sehr schnell entwickelt. Der Leitfaden bietet detaillierte Einblicke und Best-Practice-Beispiele, die die Immobilienbranche und andere Interessensgruppen mit spezifischen Empfehlungen zu politischen Rahmenbedingungen für Co-Living-Projektentwickler, Design und Konzeptionierung von Co-Living-Modellen, Betrieb und Technologie sowie Finanzkennzahlen zur Verbesserung der Transparenz unterstützen sollen. 

    Zu den wichtigsten Empfehlungen des Berichts
    Die Branche muss die Vorteile des gemeinschaftlichen Wohnens – Effizienzsteigerungen, soziale Auswirkungen, Zufriedenheit der dort wohnenden Menschen, Engagement für die Gemeinschaft – nachweisen und sie den Personen mit politischer Entscheidungsbefugnis und der Öffentlichkeit vermitteln. 
    Die Planungsrichtlinien sollten die Flexibilität des Sektors bewahren, aber die Gewissheit in Bezug auf bevorzugte Standorte, Zimmergrößen, Umfang von Gemeinschaftsflächen, betriebliche Richtwerte und Beiträge für erschwinglichen Wohnraum erhöhen.
    Die Betreibenden sollten sich in der Nachbarschaft engagieren, indem sie der Öffentlichkeit Zugang zu Gemeinschaftsbereichen, beispielsweise Co-Working-Möglichkeiten gewähren, Rabatte bei lokalen Unternehmen anbieten und Unternehmen vor Ort in das Gebäude integrieren.
    Es sollten Wege zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks in der Branche gefunden werden, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

    In dem Bericht heißt es, immer mehr Städte hätten Schwierigkeiten, angemessenen, erschwinglichen Wohnraum für eine schnell wachsende Stadtbevölkerung bereitzustellen, die sich zunehmend aus kleinen Haushalten und Alleinstehenden zusammensetzt.  Dabei stützt man sich auf neue Forschungsergebnisse, die zeigen, dass gemeinschaftliches Wohnen eine Chance zur Bewältigung der Herausforderungen im Wohnungswesen ist: Es ermöglicht kleineren Haushalten und Alleinstehenden, die oft neu in einer Stadt sind, ein integriertes Leben. Der vorhandene Wohnungsbestand in diesen Städten ist häufig nicht auf diese Gruppen zugeschnitten, besonders dann nicht, wenn man die sozialen Probleme berücksichtigt, mit denen diese konfrontiert sind, z.B. Einsamkeit oder das Fehlen eines sozialen Netzwerks.

    Der Bericht hebt die Möglichkeit hervor, die ESG-Vorteile zu erkennen, die durch die gemeinsame Nutzung von Einrichtungen und öffentlichen Räumen und die Umnutzung von stillgelegten Gebäuden und Flächen erzielt werden können: Erschwinglichkeit, Energieeffizienz, soziales Engagement und Wohlbefinden. Auf der Basis der Gesamtkosten (Miete, Rechnungen, Abonnements usw.) kann gemeinschaftliches Wohnen durchaus eine Alternative zu anderen Wohnformen sein, insbesondere, wenn man bedenkt, dass keine Vorabinvestitionen zur Einrichtung von Räumen oder für Kautionen erforderlich sind.  

    Diese Chance wird von den 175 Marktteilnehmenden, die im Rahmen des Berichts befragt wurden, klar erkannt. Die stärksten Wachstumsimpulse für den Sektor sind die Nicht-Bezahlbarkeit von Wohnraum (49 %) und der hohe Anteil jüngerer Menschen (49 %), gefolgt von der Zahl der Einpersonenhaushalte (40 %), dem Wunsch nach Flexibilität (34 %) und Urbanisierung (34 %).

    Gleichzeitig nennt der neue Leitfaden von ULI und JLL einige der Herausforderungen, mit denen der Sektor konfrontiert ist, und die sich zum Teil aus seiner langjährigen Historie der informellen Wohngemeinschaften ergeben, die für ihre Mitglieder nicht immer nur Vorteile boten. Die ersten zweckgebundenen Co-Living-Projekte, bei denen es sich in der Praxis um kleine Privaträume ohne Gemeinschaftsräume oder -einrichtungen handelte, führten zu einer nicht durchweg positiven Wahrnehmung, ein Umstand, der auch die Zusammenarbeit mit Personen mit politischer Entscheidungsbefugnis und planenden Institutionen beeinträchtigt.  

    Als weitere Hindernisse für die künftige Entwicklung des Sektors nannten die Marktteilnehmenden, die am European Co-Living Best Practice Guide mitwirkten, fehlende Bestände (38 %) und negative planerische Eingriffe (36 %), gefolgt von einem begrenzten Marktbewusstsein (27 %), einem Mangel an Betreibenden (24 %) und der Verfügbarkeit von Grundstücken (22 %).

    Die Erkenntnisse aus der neuen Studie machen deutlich, dass der Sektor zwar hauptsächlich als Lösung für eine demographische Nischengruppe von Personen mit Hochschulabschluss angesehen wurde, Co-Living tatsächlich jedoch verschiedene demographische Gruppen anspricht, darunter internationale Geschäftsreisende und aktive Personen im Rentenalter, die in die Städte zurückkehren möchten, um Kulturangebote und Gastronomie leicht erreichen zu können.  Die große demographische Reichweite und Anziehungskraft sorgt für ein beträchtliches Potenzial im Bereich Co-Living und die Möglichkeit, dass sich der Sektor zu einem wichtigen Teilbereich des Wohnens entwickelt. Co-Living kann auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten werden und gleichzeitig einen Beitrag zu einer immer anspruchsvolleren ESG-Agenda leisten, wobei der Schwerpunkt auf der Wiederverwendung und Umwidmung bestehender Immobilien, der Verringerung des CO2-Fußabdrucks nicht nur der Gebäude, sondern auch der dort wohnenden Menschen sowie der Förderung ihres Wohlbefindens und deren Integration in die weitere Umgebung liegt.

  • HSLU erarbeitet Empfehlungen für nachhaltige Hochhäuser

    HSLU erarbeitet Empfehlungen für nachhaltige Hochhäuser

    Forschende verschiedener Fachbereiche der HSLU haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie sich ein Hochhaus sozial nachhaltig gestalten lässt, informiert die HSLU in einer Mitteilung. Dazu wurden architektonische, soziale und wirtschaftliche Aspekte untersucht. Aus ihren Erkenntnissen haben die Forschenden Planungs- und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Das interdisziplinäre Hochschulprojekt wurde von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, Innosuisse, gefördert.

    Ein nachhaltiges Hochhaus biete „sowohl eine hohe individuelle als auch kollektive Lebensqualität und hat das gemeinschaftliche Zusammenleben heute und für künftige Generationen im Blick“, wird Projektinitiator Alex Willener in der Mitteilung zitiert. Um diese Anforderungen zu erfüllen, müsse das Gebäude sowohl seinen Bewohnenden als auch den Menschen in seinem Umfeld von Nutzen sein, den sozialen Zusammenhalt fördern und dazu noch wirtschaftlich tragbar sein, schreibt die HSLU.

    In einem Hochhaus leben Menschen mit unterschiedlichen Lebensstilen und Erwartungen unter einem Dach. Die Forschenden raten dazu, das Zusammenleben dieser Unterschiede bereits bei der Planung zu berücksichtigen und im fertiggestellten Gebäude zu fördern. Damit ein Hochhaus auch in der Umgebung akzeptiert wird, solle es dem ganzen Quartier etwas bieten. Als Beispiele werden in der Mitteilung Arztpraxen, Kinderkrippen oder ein Quartiertreffpunkt genannt. Um das Hochhaus an sich verändernde Bedürfnisse anpassen zu können, empfehlen die Forschenden bereits beim Bau darauf zu achten, dass Räume mit wenig Aufwand zusammengelegt oder neu unterteilt werden können. hs