Schlagwort: gemeinschaftliches Wohnen

  • Potenzial und Herausforderungen neuer Wohnkonzepte

    Potenzial und Herausforderungen neuer Wohnkonzepte

    Im Fokus stehen selbst ausgebaute Wohneinheiten, die oft in grossen Hallen entstehen und von Gruppen oder Einzelpersonen gemeinschaftlich genutzt werden. Bewohnerinnen und Bewohner legen Wert auf nachhaltiges und individuelles Wohnen, verzichten auf übermässige private Flächen und teilen stattdessen Gemeinschaftsräume.

    Die untersuchten Projekte in Zürich und Bern zeigen, dass solche Wohnformen einen deutlich geringeren Wohnflächenverbrauch pro Person aufweisen als der Schweizer Durchschnitt. Die hohe Flexibilität im Innenausbau ermöglicht individuelle Anpassungen, bringt aber auch hohe zeitliche und finanzielle Aufwände mit sich.

    Rechtliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen
    Für die erfolgreiche Umsetzung dieser Konzepte sind klare, aber flexible Rahmenbedingungen sowie eine unterstützende Begleitung durch Bauträger und Behörden entscheidend. Besonders baurechtliche Hürden und Finanzierungsfragen erfordern angepasste Lösungen, um solche Projekte wirtschaftlich tragfähig zu machen.

    Innovative Nischenlösungen mit Potenzial
    Obwohl diese gemeinschaftlichen Wohnformen aktuell eine Nische darstellen, bieten sie spannende Ansätze für eine nachhaltigere und diversifizierte Wohnraumnutzung. Ihr langfristiges Potenzial für den erschwinglichen Wohnungsmarkt bleibt jedoch noch offen.

    Die Studie wurde von den Fachhochschulen OST und FHNW in Zusammenarbeit mit dem BWO, der Stiftung Solidaritätsfonds, dem Migros-Kulturprozent und weiteren Partnern durchgeführt. Sie ordnet sich in die Forschungsschwerpunkte «Bezahlbares Wohnen» und «Anpassungen des Wohnungsbestands an veränderte Bedürfnisse» ein.

  • Barrierefreie Architektur

    Barrierefreie Architektur

    «Architektur kann brutal sein», sagt Anna Puigjaner, Professorin an der ETH Zürich. Treppen, enge Flure und standardisierte Wohnkonzepte schliessen viele Menschen aus. Sie trennen diejenigen, die können, von denen, die nicht können. Die Normen der Architektur, die oft an die klassische Kernfamilie angepasst sind, berücksichtigen die Vielfalt der Lebensformen kaum. In der Schweiz lebt jedoch nur ein Viertel der Menschen in einer Kernfamilie, während alternative Wohnformen wie Alleinerziehende, Patchwork-Familien oder kinderlose Paare weitgehend ignoriert werden.

    Sorgearbeit sichtbar machen
    Ein zentraler Ansatz von Puigjaner ist, Care-Arbeit aus dem privaten Raum in die öffentliche Infrastruktur zu integrieren. Aktuelle Architektur macht Pflege, Hausarbeit und alltägliche Tätigkeiten zu einer Herausforderung für viele Menschen, insbesondere ältere oder gesundheitlich eingeschränkte. Puigjaner fordert, dass Sorgearbeit wie Kochen, Waschen oder Kinderbetreuung öffentlich zugänglicher wird, um die Abhängigkeiten zu verringern.

    Beispiele wie die «Manzanas del Cuidado» in Bogotá zeigen, wie Bibliotheken in multifunktionale Versorgungszentren umgewandelt wurden. Hier finden sich Küchen, Kinderbetreuung und Wäscheservices unter einem Dach. In Tokio und Singapur fördern öffentliche Küchen den sozialen Austausch und reduzieren Pflegekosten.

    Architektur, die verbindet
    Puigjaner plädiert für eine Architektur, die Begegnungen fördert und Gewohnheiten integriert, die Unterstützung normalisieren. Eine Umgebung, in der Menschen gemeinsam kochen oder sich gegenseitig helfen können, schafft Interdependenzen, statt Abhängigkeiten zu verstärken. Ein solches Konzept hilft nicht nur älteren Menschen, sondern auch allen anderen in verschiedenen Lebenssituationen.

    Die Zukunft der inklusiven Architektur
    «Unsere gebaute Umwelt sollte keine Barrieren schaffen, sondern Möglichkeiten eröffnen», sagt Puigjaner. Dies erfordert ein Umdenken in der Planung von Städten und Gebäuden. Öffentliche Infrastrukturen wie Gemeinschaftszentren, inklusive Wohnungen und multifunktionale Stadtquartiere könnten nicht nur soziale Isolation verringern, sondern auch bestehende Machtstrukturen aufbrechen.

    Architektur hat die Macht, Barrieren zu beseitigen und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Durch die Integration von Sorgearbeit in die öffentliche Infrastruktur und das Schaffen von inklusiven Räumen kann eine neue, verbindender Architektur entstehen, die allen Menschen ein unabhängigeres und erfüllteres Leben ermöglicht.