Schlagwort: genossenschaftliches Wohnen

  • Genossenschaftlicher Wohnraum für neues Basler Stadtquartier

    Genossenschaftlicher Wohnraum für neues Basler Stadtquartier

    Die Basler Wohngenossenschaft (BWG) und die Vivanta AG, eine Tochter der UTILITA Anlagestiftung für gemeinnützige Immobilien, werden laut einer Mitteilung ab 2028 auf dem Wolf-Areal in Basel mit dem Bau zweier Wohngebäude beginnen. Sie waren im Frühjahr 2025 aus dem Wettbewerb je mit einstimmigem Jury-Votum als Sieger hervorgegangen. Jetzt hat die SBB als Eignerin des Geländes am ehemaligen Güterbahnhof dafür zwei Baufelder im Baurecht vergeben. Die BWG plant in ihrem Bau mit rund 150 Genossenschaftswohnungen. Das Angebot von Vivanta sieht etwa 120 preisgünstige Wohneinheiten vor.

    Die SBB entwickelt im Wolf-Areal auf rund 160’000 Quadratmetern ein neues Stadtquartier. Die erste Entwicklungsetappe startet 2028 mit den beiden genannten Bauten im Westen des Geländes. Dabei wird für den Neubau MF02 das Siegerprojekt Janus der Architekturbüros M-AP aus Lausanne und Experience aus Paris umgesetzt. Der Neubau MF03 mit dem Projektnamen Binaria stammt von der Basler Parabase GmbH und der Confirm AG aus Zürich.

    Die Juryberichte für die beiden Gebäude auf den Baufeldern MF02 und MF03 verdeutlichen, dass neben architektonischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Projektanforderungen auch Kreislauffähigkeit und Ressourcenschonung zu den zentralen Bewertungskriterien gehörten. Dort heisst es: „Reparierbarkeit, Unterhalt und zukünftige Demontage (Design for Disassembly) sind durch die Wahl geeigneter Materialien und deren Fügung sicherzustellen.“

    Eine Blockrandbebauung soll laut Projektbeschrieb urbane Wohnqualität schaffen. Grün- und Freiräume werden nach dem Schwammstadt-Prinzip gestaltet. Sie sollen ein angenehmes Mikroklima und eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung ermöglichen. Die auf dem Baufeld zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energiequellen wie Wärmerückgewinnung aus Abwasser, Erdsonden und Photovoltaikanlagen sind laut Ausschreibung „vollumfänglich zu nutzen“.

  • Experimentierfeld genossenschaftliches Stadtleben

    Experimentierfeld genossenschaftliches Stadtleben

    Als Innovations- und Lernplattform versteht «mehr als wohnen» das Hobelwerk nicht nur als Siedlung, sondern als Reallabor für neue Wohnformen, Partizipationsmodelle und genossenschaftliche Governance. Für Fachleute aus Planung, Wohnungsbau und Stadtentwicklung bietet das Quartier Anschauungsmaterial für zentrale Fragen der künftigen Stadtentwicklung. Im Fokus steht etwa, wie viel Gemeinschaft der Alltag tatsächlich verträgt und wie sich Mischnutzungen so organisieren lassen, dass sie langfristig robust funktionieren. Ebenso wird sichtbar, wie ein Quartier zugleich sozial offen, ökologisch ambitioniert und dennoch wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden kann.

    Das Hobelwerk liegt auf dem früheren Areal der Schreinerei Kälin & Co. AG unmittelbar beim Bahnhof Oberwinterthur und damit an einer gut erschlossenen, vormals gewerblich geprägten Lage. Bauherrin ist die Baugenossenschaft mehr als wohnen, die nach dem Hunziker Areal ihr zweites grosses Projekt realisierte und das Areal zwischen 2018 und 2023 in zwei Etappen entwickelt hat.

    ​Auf rund 16 000 m² sind fünf Neubauten und mehrere umgenutzte Bestandsbauten entstanden, insgesamt etwa 158 Wohnungen plus Gewerbe- und Gemeinschaftsflächen. Die Siedlung gilt als Modell für sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Stadtentwicklung und wurde mehrfach architektur- und energiepreislich ausgezeichnet.

    Städtebau, Architektur und Nutzungsmix
    Die unterschiedlichen Baukörper, darunter lange Riegel entlang der Gleise, ein Hofhaus, ein Quaderbau und ein kleiner Wohnturm, schaffen ein kleinteiliges Quartier mit Höfen, Gassen, Spiel- und Gartenflächen. Mehrere Büros, unter anderem pool Architekten, Ramser Schmid, Pascal Flammer, Baubüro in situ und Studio Vulkan, sorgen für Vielfalt im Detail bei gleichzeitig klarer Gesamtfigur.

    ​Der Nutzungsmix reicht von klassischen 1,5- bis 6,5-Zimmer-Wohnungen über Clusterwohnungen und Micro-Co-Living bis zu Wohnateliers für Kulturschaffende und verschieden grosse, teilweise günstige Gewerbeflächen. Im Erdgeschoss liegen unter anderem Kita, Bäckerei, Co-Working, Ateliers, Waschsalons, Gemeinschaftsräume und Allmendflächen, die als erweitertes «Wohnzimmer» der Siedlung funktionieren.

    Wohnkonzepte und Alltagsorganisation
    Die Genossenschaft kombiniert etablierte und experimentelle Wohnformen wie Micro-Co-Living für ein bis zwei Personen mit gemeinsamen Küchen und Aufenthaltsflächen, grosszügige Clusterwohnungen für WGs, klassisch geschnittene Familienwohnungen sowie inklusive Wohnprojekte, etwa mit Partnerorganisationen wie jawohn. Ergänzt wird das Wohnangebot durch Gästezimmer, Gästewohnungen und zuschaltbare Zimmer, die flexibel zugemietet werden können.

    ​Die Allmende spielt eine zentrale Rolle mit Laubengänge, Dachterrassen, Gemeinschaftsräume und der überdachte Hobelwerkplatz erleichtern informelle Begegnung und geteilte Nutzung. Bewohnende gestalten das Quartier in Quartiergruppen und Partizipationsformaten aktiv mit, ein Kernbestandteil der «mehr als wohnen»-DNA.

    Bestand, Freiraum und Identität
    Die alte Hobelwerkhalle und die Z-Halle wurden erhalten, sanft umgebaut und bilden heute das Zentrum mit einem überdachten Platz für Märkte, Feste, Kultur- und Quartierveranstaltungen. So bleibt die industrielle Vergangenheit als räumliche und narrative Schicht präsent und verleiht dem Areal eine klare Identität.

    ​Die Freiraumgestaltung mit Gemüsegärten, Kieswegen, Spielflächen und Begrünung von Höfen und Fassaden zielt auf hohe Aufenthaltsqualität, Hitzereduktion und Biodiversität. Autoarme Erschliessung und eine Mobilitätsstation mit Bikes und Anhängern stärken den Alltag ohne eigenes Auto.

    Nachhaltigkeit, Governance und Lerncharakter
    Das Projekt setzt auf energieeffiziente Bauweise, robuste, langlebige Materialien und gezielte Wiederverwendung von Bauteilen, kombiniert mit einem niedrigen Ressourcen- und Flächenverbrauch pro Kopf. Dafür erhielt das Hobelwerk mehrere Auszeichnungen, unter anderem als eines der besten Neubauprojekte der Schweiz und für seine energieeffiziente, ressourcenschonende Konzeption.