Schlagwort: Innovationsoekosystem

  • Zürich erfindet sich neu

    Zürich erfindet sich neu

    Regierungsrätin Carmen Walker Späh sprach es offen aus, viele gute Ideen schaffen es nie in den Markt. Es fehlt nicht an Kreativität, sondern an der richtigen Unterstützung zur richtigen Zeit. Der Kanton Zürich hat deshalb dieses Jahr den Schritt gemacht und sich dem internationalen Programm «MIT REAP» angeschlossen. Ziel ist es, Finanzierung gezielter zu lenken, Akteure enger zu vernetzen und Skalierung systematisch zu fördern. Denn Zürich hat sich in den Bereichen KI, Robotik, Life Sciences und New Space Economy bereits als Hotspot etabliert. Nun geht es darum, diesen Vorsprung zu sichern.

    Ohne Leute geht gar nichts
    Markus Müller, Co-Leiter der Standortförderung, brachte es auf den Punkt mit einem Zitat des Medtech-Unternehmers Andy Rihs: «Ohni Lüt gaht nüt.» Kapital allein baut keine Zukunft. Was Zürich stark macht, ist die Fähigkeit, neue Ideen mit dem richtigen Know-how und den passenden Kapazitäten zusammenzubringen. Zürich soll eine führende Rolle in der New Space Economy übernehmen. Denn Innovation ist laut Müller das, was aus «gut» langfristig «führend» macht.

    Zukunft denkt man nicht allein
    Zukunftsforscherin Martina Kühne gab den Gästen drei Impulse mit auf den Weg. Weiter denken als bis morgen, Zukunftsbilder in der Mehrzahl entwickeln und Zukunft gemeinsam gestalten. Jedes Zukunftsbild sei wie ein Turngerät, an dem man sich gedanklich austoben kann. Wer das tut, kann Ideen für eine mögliche und wünschbare Zukunft entwickeln. Denn Zukunft, so Kühne, passiert nicht einfach.

    Kollaboration als Katalysator
    Was diese Theorie in die Praxis übersetzt, zeigt das ETH-Spin-off Sevensense. 2021 überzeugte das junge Start-up ABB mit seiner 3D-Vision-Technologie für autonome Roboter. Heute stammen rund 80 Prozent der von ABB verkauften autonomen Roboter von Sevensense. Ein Beweis dafür, wie wirkungsvoll das Zusammenspiel von etabliertem Kapital und frischem Erfindergeist ist.

    Organe im All, Muskeln im Labor
    Noch wagemutiger denkt «Prometheus Life Technologies». Das Start-up nutzt Schwerelosigkeit im All, um Organe dreidimensional wachsen zu lassen. Ermöglicht hat das ein Parabelflugprogramm im Innovationspark, in enger Zusammenarbeit mit dem Center for Space and Aviation der Universität Zürich. Nicht weniger ambitioniert ist Muvon, das gemeinsam mit der ZHAW an einer automatisierten Methode zur Muskelregeneration mit körpereigenen Zellen arbeitet. Gelingt die Skalierung, könnte damit Belastungsinkontinenz behandelt werden, von der ein bedeutender Anteil der Frauen über 40 in Europa betroffen ist.

    Eine Plattform, die selbst innoviert
    Samuel Mösle, Co-Leiter der Standortförderung, zog im Abschlussgespräch eine klare Linie. Die drei vorgestellten Start-ups bewegen sich an den Grenzen der vorstellbaren Zukunft. Die Innovations-Plattform wird künftig mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz interaktiver und vernetzender. Nach fünf Jahren ist die Initiative am Ende ihrer eigenen Start-up-Phase angelangt. Samuel Mösles Fazit trifft es präzise: «Es steht nicht nur Innovation drauf, es steckt auch Innovation drin.»

  • Wirtschaftsraum Zürich zieht internationale Unternehmen in wachsender Zahl an

    Wirtschaftsraum Zürich zieht internationale Unternehmen in wachsender Zahl an

    Die Greater Zurich Area AG zieht in ihrem Jahresbericht 2025 ein positives Fazit. 98 ausländische Unternehmen sind dem Ruf der Standortmarketingagentur für den Wirtschaftsraum Zürich gefolgt und haben sich für einen neuen Standort in dem Verbund aus neun Kantonen sowie der Stadt Zürich und der Region Winterthur entschieden. 29 von ihnen betreiben Forschung und Entwicklung, 24 wollen ihren Hauptsitz in der Schweiz einrichten. Zusammen planen sie für die kommenden fünf Jahre 1295 neue Arbeitsplätze.

    Die GZA agiert im Auftrag der Stiftung Greater Zurich Area Standortmarketing, positioniert den Wirtschaftsraum Zürich international und unterstützt ansiedlungswillige Unternehmen. Dabei bearbeitet sie besonders intensiv die Fokusökosysteme Life Sciences, Künstliche Intelligenz und Robotik. „Innovation entscheidet, ob gute Arbeitsplätze, unternehmerisches Know-how und industrielle Kompetenz in unserer Region verankert bleiben“, so Verwaltungsratspräsident Dr. Balz Hösly in seinem Vorwort. „Für einen Hochkostenstandort wie die Greater Zurich Area ist das keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit.“

    Mit 20 Ansiedlungen war 2025 die Blockchain-Technologie die stärkste Fokusindustrie, gefolgt von Biotech und Pharma (15) und Künstlicher Intelligenz (8). Viele dieser Projekte liegen in den Sparten Robotik, Künstliche Intelligenz, autonome Systeme sowie Food & Agritech.

    So hat sich das israelische Food-Tech-Unternehmen Aleph Farms für Kemptthal ZH als Ausgangspunkt für seine europäischen Aktivitäten entschieden. Vor Ort trifft es auf Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Givaudan, Migros Industrie und Bühler. Tik Tok eröffnete ein Büro in Zürich und findet dort die Nähe zu Marken, Agenturen, Medien und Personen, die Inhalte für soziale Medien schaffen. Die kanadische Firma Blockstream baut ihre Bitcoin-Infrastruktur in Lugano mit der Einrichtung ihres dortigen Hauptsitzes und der Übernahme von Elysium Lab aus. Das Pekinger Unternehmen Baidu Apollo hat Zürich als seinen ersten europäischen Standort für seine Robotaxis gewählt.

    Internationale Sichtbarkeit ist auch das Ziel des Zurich AI Festivals, das von der GZA mitverantwortet und 2026 weitergeführt wird. Gleichzeitig werde die Integration des Kantons Aargau per 2027 vorbereitet, so GZA-Geschäftsführer Lukas Huber. Überhaupt stellt er die Rolle der assoziierten Kantone für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts heraus: Sie „schaffen mit ihren Rahmenbedingungen, ihren Clustern und ihrer Standortentwicklung die Grundlage dafür, dass dieses Marketing erfolgreich sein kann. Wir machen Promotion – die Kantone sind hervorragende Produktmanager.“

  • Ein Panorama der digitalen Immobilienwirtschaft

    Ein Panorama der digitalen Immobilienwirtschaft

    PropTech steht für digitale, technologische und datenbasierte Lösungen, die Prozesse, Produkte oder Geschäftsmodelle der Immobilienbranche verbessern, automatisieren oder transformieren. Dazu gehören Softwareplattformen, KI-Analysen, Smart-Building-Systeme, digitale Transaktionsmodelle, datenbasierte Sanierungs- und Bewertungswerkzeuge, Energieoptimierungslösungen sowie immersive Technologien wie 3D-Visualisierungen, Augmented Reality und digitale Zwillinge. PropTech erstreckt sich damit über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie. Von Planung und Entwicklung über Bewirtschaftung bis hin zu Sanierung und Transaktion.

    Verwischte Grenzen des Begriffs
    Mit der wachsenden Bekanntheit von PropTech wächst auch der Wunsch vieler Startups, Teil dieses Feldes zu sein. Unternehmen aus benachbarten Bereichen wie FinTech, GreenTech, Bau-Tech, InsurTech oder generische Softwareanbieter positionieren sich zunehmend als PropTech, selbst wenn Immobilien nur ein Randthema sind. Das führt dazu, dass Tools nachträglich als Immobilienlösungen gerahmt werden und die Branche in Karten, Reports und Rankings grösser erscheint, als sie im engeren Sinne ist. Die PropTech Map Switzerland zeigt damit nicht nur die Stärke des Ökosystems, sondern auch seine begriffliche Unschärfe.

    Cluster, Kategorien und regionale Hotspots
    Die Karte offenbart eine klare geografische Konzentration. Besonders dicht vertreten sind PropTech-Unternehmen in den Regionen Zürich, Zug, Lausanne und Basel. Alles Standorte mit Hochschulen, Technologieparks und hoher wirtschaftlicher Dichte. Viele Firmen sind Spin-offs von ETH und EPFL, was den starken Forschungs- und Technologiefokus der Schweizer Szene unterstreicht. Inhaltlich spannt die Map einen breiten Bogen von Asset Management, Bau und Entwicklung über digitale Marktplätze, Vermietungs- und Verkaufsplattformen, 3D- und Smart-Building-Technologien bis hin zu Energie- und Klimatools, Blockchain-Anwendungen, Finanzplattformen und spezialisierten Softwarediensten.

    Wachstum, Internationalisierung und mehr Professionalität
    Die kontinuierlich steigende Zahl der Einträge zeigt, jährlich kommen Dutzende neue Unternehmen hinzu, ergänzt um etablierte Marktakteure, die ihr Geschäftsmodell digital erweitern, sowie internationale Anbieter, die sich den Schweizer Markt erschliessen. Viele PropTechs agieren längst über die Landesgrenzen hinaus und skalieren ihre Lösungen in europäische und globale Märkte. Parallel dazu professionalisiert sich das Ökosystem. Die PropTech Map bildet nicht nur Logos ab, sondern die thematische Ausrichtung und Positionierung der Unternehmen.  Die Map wird so zu einem zentralen Orientierungspunkt für Investoren, Immobilienunternehmen, Verwaltungen und Hochschulen.

    Hier finden Sie die PropTech Map Switzerland