Schlagwort: Konjunktur

  • Schweizer Unternehmen starten optimistischer ins Jahr

    Schweizer Unternehmen starten optimistischer ins Jahr

    Der KOF Geschäftslageindikator steigt im Januar bereits den zweiten Monat in Folge und signalisiert eine deutlich günstigere Ausgangslage als vor einem Jahr. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Geschäftslage markant aufgehellt, was auf eine Belebung von Nachfrage und Auslastung hinweist.

    ​Auch Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Grosshandel, Gastgewerbe und Baugewerbe verzeichnen steigende Geschäftslageindikatoren, während der Detailhandel zumindest leicht zulegt. In den übrigen Dienstleistungen bleibt die Lage weitgehend stabil, einzig der Projektierungsbereich meldet eine leichte Abkühlung. Insgesamt zeigt sich damit eine breit abgestützte Verbesserung quer durch die Schweizer Wirtschaft.

    Gewerbe als Stimmungsanker
    Mit Blick auf die nächsten sechs Monate überwiegt in vielen Branchen der Optimismus. Besonders das Verarbeitende Gewerbe rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftstätigkeit und bestätigt damit seine Rolle als Stimmungsanker zu Jahresbeginn.

    ​Zudem haben sich die Erwartungen im Detailhandel, im Baugewerbe, in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Projektierungsbereich aufgehellt. Etwas zurückhaltender beurteilen hingegen Gastgewerbe, Grosshandel und die übrigen Dienstleistungen die kommenden Monate, bleiben aber mehrheitlich in einem moderat positiven Erwartungsrahmen.

    Mehr Rekrutierungen
    Viele Unternehmen planen, zusätzliches Personal einzustellen. Besonders sichtbar ist dies im Gastgewerbe, das seine Belegschaften ausbauen möchte, aber zunehmend Schwierigkeiten hat, geeignete Mitarbeitende zu finden.

    ​Am häufigsten berichten das Baugewerbe und der Projektierungsbereich über Fachkräftemangel, was bestehende Kapazitätsengpässe verstärkt in den Fokus rückt. Für Kader und HR-Verantwortliche bedeutet dies, dass der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte in mehreren Schlüsselbranchen weiter zunimmt.

    Moderate Dynamik ohne neue Inflationssignale
    Trotz der konjunkturellen Aufhellung bleiben die Lohnerwartungen stabil. Wie bereits in der Oktoberumfrage rechnen die Unternehmen für die nächsten zwölf Monate durchschnittlich mit einem Anstieg der Bruttolöhne um 1.3%, mit überdurchschnittlichen Zuwächsen im Gastgewerbe, im Projektierungsbereich und im Baugewerbe.

    ​Auch bei den Konsumentenpreisen erwarten die Firmen keine Trendwende. Die erwartete Inflationsrate liegt nun bei 0.9% und damit praktisch auf dem Niveau der Oktoberumfrage (1.0%). Für die Geld- und Lohnpolitik ergibt sich damit ein Bild moderater, gut verankerter Preis- und Lohnentwicklung.

    Breite Basis in der Realwirtschaft
    Die Umfrage stützt sich auf rund 4’500 Unternehmen aus Verarbeitendem Gewerbe, Bau und zentralen Dienstleistungssektoren, was einer Rücklaufquote von etwa 56% entspricht.

    ​Für Führungskräfte liefert der KOF Geschäftslageindikator damit ein robustes Stimmungsbild. Die Schweizer Privatwirtschaft startet breit abgestützt, vorsichtig zuversichtlich und ohne erkennbare Inflationsdynamik ins Jahr 2026. Bei gleichzeitig zunehmendem Druck auf den Arbeitsmarkt in wichtigen Bau- und Dienstleistungsbereichen.

  • Raiffeisen befürchtet Wohnungsnot

    Raiffeisen befürchtet Wohnungsnot

    Die Leerstände sinken in allen Schweizer Kantonen rapide. Damit steigen neben den Preisen für Eigenheime jetzt auch die Mieten. Knappheit ausserhalb der besten Lagen sei am Mietwohnungsmarkt ein noch jüngeres Phänomen, schreibt der Raiffeisen Economic Research in der Übersicht zu seiner aktuellsten Immobilienstudie Schweiz/4Q22. Entsprechend überschreibt er sie mit dem Titel „Betongold verliert an Glanz“.

    Demnach spiegele sich die Ende der 2010er Jahre eingeleitete starke Drosselung der Wohnungsproduktion nun zeitverzögert wider. „Das höhere Zinsniveau und die Bauteuerung mindern die Anreize für den Wohnungsbau zusätzlich“, wird Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, zitiert. „Gleichzeitig treiben der akute Fachkräftemangel und der Krieg in der Ukraine die bereits starke Zuwanderung kräftig nach oben.“ Seine düstere Prognose: „Wir steuern mit Vollgas auf eine Wohnungsnot zu.“

    Diese ist laut der Studie in einigen Mietwohnungsmärkten bereits Realität. Demnach weisen die Kantone Genf, Zürich und Zug bereits Leerstandsquoten von deutlich unter 1 Prozent auf, so Neff. Bis 2024 dürfte das landesweit der Fall sein. Bis dahin drohten auch Bestandsmieterinnen und -mietern Mietzinserhöhungen um bis zu 10 Prozent.

    Dagegen sind die Angebotspreise für Einfamilienhäuser im dritten Quartal 2022 erstmals seit langem leicht gesunken, um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Eine dauerhafte Entspannung werde sich angesichts sehr knappen Wohneigentum jedoch nicht einstellen, so Neff.

    Bei den Renditeliegenschaften sieht Raiffeisen eine „Zeitenwende“ und „dunkle Wolken“ aufziehen: Mit dem abrupten Ende der Negativzinsära spreche Vieles für einen deutlichen Nachfragerückgang bei Anlageobjekten.

  • Auswirkungen der Pandemie auf Industrie und Bau werden schwächer

    Auswirkungen der Pandemie auf Industrie und Bau werden schwächer

    Einer Mitteilung des Bundesamts für Statistik (BFS) zufolge ist die Produktion des sekundären Sektors der Schweiz im dritten  Quartal 2020 im Jahresvergleich um 4,4 Prozent gesunken. Die Umsätze der Schweizer Unternehmen in Industrie und Baubranche gingen gleichzeitig um 6,3 Prozent zurück. Die Coronavirus-Pandemie hinterlasse somit „im sekundären Sektor weiterhin Spuren“, schreiben die Analysten des BFS. Im Vergleich zum Vorquartal seien die Rückgänge aber „nur etwa halb so gross“ ausgefallen.

    In der Industrie fiel die Produktion im Berichtsquartal im Jahresvergleich um 5,1 Prozent geringer aus. Dabei wurde über die drei Monate hinweg eine Abschwächung des Rückgang beobachtet. Er war im Juli mit 6,7 Prozent am stärksten ausgefallen. Im August lag die Produktion um 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert, im September schwächte sich das Minus auf 3,8 Prozent ab.

    Im Baugewerbe ging die Produktion im dritten Quartal 2020 gegenüber dem dritten Quartal 2019 um 0,4 Prozent zurück. Dabei wurde im Hochbau ein Rückgang um 7,2 Prozent verzeichnet. Die Produktion in Tiefbau und sonstigem Baugewerbe legte gleichzeitig hingegen um 4,6  beziehungsweise 2,9 Prozent zu.

    Die Umsätze in der Industrie fielen im Berichtsquartal um 7,9 Prozent geringer als im Vorjahresquartal aus. In den einzelnen drei Monaten wurden dabei schrittweise schwächere Rückgänge zwischen 9,7 Prozent im Juli und 5,6 Prozent im September beobachtet.

    Die Umsätze im Baugewerbe fielen im dritten Quartal 2020 um 0,6 Prozent hinter den Vorjahreswert zurück. Hier reichte die Spanne von einem Minus von 6,9 Prozent im Hochbau bis zu einem Plus von 5,1 Prozent im Tiefbau.