Schlagwort: Lehm

  • Altbewährte Baustoffe neu interpretiert

    Altbewährte Baustoffe neu interpretiert

    Nachhaltige Baustoffe wie Lehm, Holz und Stroh überzeugen durch ihre positive Klimabilanz. Während sie wachsen, nehmen sie CO₂ auf und speichern es langfristig. In der Schweiz fallen jährlich rund fünfzig Millionen Tonnen lehmhaltiges Aushubmaterial an, Ein Potenzial, das nur begrenzt genutzt wird, da der Grossteil deponiert wird. Könnte dieser Boden als Baumaterial genutzt werden, liesse sich der Stoffkreislauf direkt schliessen. Ressourceneinsparung, weniger Transportaufwand und geringere Kosten für Entsorgung sind die Folge. Holz ist gleichermassen nachhaltig. Schweizer Wälder liefern einen wachstumsstarken, robusten Baustoff, der inzwischen bis zu siebzehn Prozent der Tragkonstruktionen bei Neubauten ausmacht, vor allem im städtischen Wohnungsbau und bei Aufstockungen.

    Vorfertigung und Hybridbau
    Die moderne Wiederentdeckung traditioneller Materialien basiert auf Hightech-Fertigungsmethoden. Vorgefertigte Module, der gezielte Einsatz von Robotern und die Beimischung von natürlichen Zusatzstoffen erlauben schnellere und effizientere Prozesse. Lehm kann heutzutage als Flüssiglehm wie Beton in Schalungen gegossen oder als Stampflehm mit Armierungen für mehrgeschossige Gebäude verwendet werden. Kombiniert man Lehm und Holz in hybriden Wand- oder Fassadenelementen, entstehen tragfähige und klimafreundliche Strukturen. In der Forschung wird an Materialoptimierungen gearbeitet, damit Lehm und Stroh noch leistungsfähiger werden . Etwa durch natürliche Zuschläge wie Trasskalk oder innovative Armierungen.

    Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven
    Die schweizweite Marktdurchdringung ist bei Lehm und Stroh noch gering, was vor allem an fehlender industrieller Entwicklung, unzureichender Standardisierung und hohen Startkosten liegt. Holz hingegen ist bereits breit akzeptiert, wobei die Forstwirtschaft mit dem Klimawandel hadert. Nadelhölzer geraten unter Druck, Laubhölzer gewinnen an Bedeutung, brauchen aber neue Verarbeitungstechnologien. Gleichzeitig müssen Umweltstandards sichergestellt und Biodiversität in den Wälder gewahrt werden, damit die CO₂-Speicherung erhalten bleibt. Forschungsprojekte untersuchen, wie Holz mittels biologischer Substanzen wie Schellack oder pflanzlicher Gerbstoffe widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse gemacht werden kann.

    Kreislaufwirtschaft, Gesundheit und Akzeptanz
    Innovative Baustoffe bieten nicht nur ökologische, sondern auch gesundheitliche Vorteile. Natürliche Materialien verbessern das Raumklima, reduzieren Allergierisiken und vermeiden Schadstoffbelastungen. Die Produktion ist oft energiearm und die Bauteile können nach dem Lebensende wiederverwertet werden. Webplattformen wie der „Atlas of Regenerative Materials“ vernetzen Unternehmen und Projekte, um die Akzeptanz und Vertrauensbildung in biobasierte Gebäude zu stärken.

    Innovation als Motor
    Die Kombination aus traditionellem Know-how, moderner Forschung und digitaler Vorfertigung schafft neue Chancen für das nachhaltige Bauen. Nur durch die Kopplung von Naturmaterialien, kreislauffähigen Strukturen und ökologischer Verantwortung kann das Bauwesen einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Chancen dafür waren nie besser und der Baustoff der Zukunft liegt im Boden, im Wald und auf den Feldern der Schweiz.

  • Innovatives Projekt erforscht Kreislaufwirtschaft mit Lehm

    Innovatives Projekt erforscht Kreislaufwirtschaft mit Lehm

    Das Konsortium des Erasmus+-Projekts «Crafting Clay – Exploring Circularity with Local Earth» hat sich laut einer Mitteilung zu seiner Auftaktveranstaltung an der Universität Liechtenstein getroffen. An der Partnerschaft sind ihre Architekturschule sowie jene der Katholischen Universität Löwen in Belgien und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens sowie die Amsterdamer Academie von Bouwkunst beteiligt. Koordiniert wird das Projekt von Dr. Carmen Rist-Stadelmann und Professor Urs Meister aus dem Fachbereich Handwerk & Struktur der Liechtenstein School of Architecture.

    Das Projekt will über drei Jahre erforschen, wie die Nutzung lokaler Erde zur Zirkularität im Bauwesen beitragen kann. Gefördert wird es mit 400’000 Euro von der Liechtensteiner Agentur für internationale Bildungsangelegenheiten. Die nationale Einrichtung betreut und koordiniert dort unter anderem das europäische Programm Erasmus+.

    Da es mittlerweile möglich ist, den weitestgehend in Vergessenheit geratenen Baustoff Lehm mit modernen mechanischen Verfahren und zusammen mit anderen Materialien herzustellen, sollen dessen neue Möglichkeiten auch hinsichtlich einer Kreislaufwirtschaft analysiert werden. Vor dem Hintergrund des Klimawandels sollen so Alternativen im Bauwesen definiert und etabliert werden.

    Durch die Kombination unterschiedlicher Ansätze mit praktischem Fachwissen aus der Bauindustrie wird das Projekt den Angaben zufolge «eine einzigartige und bereichernde Grundlage für neues Wissen im europäischen Kontext» schaffen, «sowohl in der akademischen Welt als auch für die Baupraxis». Die Ergebnisse werden im Rahmen eines Symposiums, über die Internetseiten der teilnehmenden Partneruniversitäten und in einer Publikation im Zürcher Park Books Verlag vorgestellt.

  • Empa forscht zu Lehm als nachhaltigem Baustoff

    Empa forscht zu Lehm als nachhaltigem Baustoff

    Laut einer Mitteilung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) setzt Lehm im Vergleich zu Beton deutlich weniger CO2 frei 1. Ellina Bernard vom Beton & Asphalt-Labor der Empa in Dübendorf und der Professur für Nachhaltiges Bauen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich arbeitet daran, Lehm als nachhaltige Alternative zu Beton zu etablieren. Ihr Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) mit einem Ambizione-Grant unterstützt.

    Lehm ist ein nachhaltiger Baustoff, der in unterschiedlicher geologischer Zusammensetzung überall auf der Welt vorkommt. Er könnte Beton sowohl in nichttragenden Konstruktionen als auch in tragenden Wänden von Wohnbauten ersetzen. Für einen Einsatz in großem Maßstab will Bernard mit ihrem Team daher zum einen Standards für die Zusammensetzung und mechanische Belastbarkeit definieren. Zum anderen müssen Zusatzstoffe gefunden werden, die die Belastbarkeit des Materials erhöhen. Hier wird derzeit noch herkömmlicher Zement benutzt, der den ökologischen Fußabdruck von Lehm aber wieder „in den roten Bereich“ drückt, schreibt die Empa.

    Bernard hat in Zusammenarbeit mit dem Geologen Raphael Kuhn in Magnesiumoxid einen vielversprechenden Ansatz gefunden. In ersten Laborexperimenten mit Lehmrezepturen wurde eine Druckfestigkeit von bis zu 15 Megapascal erreicht, informiert die Empa 1. Lehm mit Zementzusatz bringt es auf bis zu 20 Megapascal.

  • Kriens: Alte Ziegelei soll in neuem Glanz erstrahlen

    Kriens: Alte Ziegelei soll in neuem Glanz erstrahlen

    Die Alte Ziegelei unterhalb des Bellparks in Kriens ist stadtbekannt. Sie wurde in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Zwischen 1889 und 1899 erweiterte Luzern seinen Häuserbestand um 25 Prozent, die Nachfrage nach gebrannten Ziegeln war hoch. Mangelhafte Lehmvorkommen und eine unbeständige Geschäftsführung führten die Ziegelei im Jahr 1900 jedoch in den Konkurs.

    Nach mehreren Besitzerwechseln wurde das Gebäude in den 1920er-Jahren zu einem Wohnhaus umgebaut. Seither hat es mehrere bauliche Veränderungen erfahren und ist dadurch historisch gewachsen. Zwischenzeitlich wurde es ins Verzeichnis der schützenswerten Gebäude des Kantons Luzern aufgenommen. Bis vor kurzem wohnten und arbeiteten in der Alten Ziegelei junge Familien, Kreative, Handwerkerinnen und Lebenskünstler.

    Das Gebäude hat einen hohen Sanierungsbedarf. Als Grundeigentümerin entschloss sich die Schmid Immobilien AG zur Sanierung der Alten Zieglei und ein Bauprojekt in einem begleiteten Verfahren zu entwickeln.

    Die Alte Ziegelei ist stadtbekannt und steht seit über 100 Jahren in Kriens.

    Ein Fachgremium aus Vertretenden der Bauherrschaft, der Denkmalpflege und der Stadt Kriens sowie externen Architekten und Ingenieuren beurteilte die Projektentwürfe von vier eingeladenen Architekturteams. Die Projekte sollten den Bezug zur Geschichte der Alten Ziegelei erfüllen, die Interessen der Denkmalpflege umsetzen und die wirtschaftlichen Interessen der Eigentümerin berücksichtigen. Das Siegerprojekt stammt von Seiler Linhart Architekten aus Luzern.

    Es sieht vor, die historisch gewachsenen dreiseitigen Anbauten des Gebäudes zu entfernen und die Alte Ziegelei auf ihren Kern zurückzubauen. Die historischen Fassaden sollen saniert und das zentrale Element des natürlich belichteten Innenhofs wiederhergestellt werden. An der Ost- und Westseite soll das Wohngebäude mit einer Laubenkonstruktion ergänzt werden. Geplant sind insgesamt 18 Wohnungen, verteilt auf die drei Obergeschosse, und vier Ateliers im Erdgeschoss. Auch nach der Sanierung soll das gemeinschaftliche Leben unter einem Dach in der Alten Ziegelei im Vordergrund stehen.

    Die Bauarbeiten starten im Frühling 2023 und sollen bis Ende 2024 dauern. Die Investition beträgt rund elf Millionen Franken.