Schlagwort: Lehmbau

  • Schweizer Bauprojekt setzt auf nachhaltige Lehmarchitektur im Ausland

    Schweizer Bauprojekt setzt auf nachhaltige Lehmarchitektur im Ausland

    Der Startschuss für den Bau der neuen Schweizer Botschaft in der Kameruner Hauptstadt Yaoundé ist erfolgt, und die Dietiker Oxara AG ist laut einer Mitteilung massgeblich daran beteiligt. Das öffentliche Gebäude wird aus gepressten Lehmsteinen gebaut. Für den lokal im Überfluss verfügbaren roten Grundstoff liefert Oxara seinen Stabilisator Oxabrick Loko.

    Der Entwurf für das Botschaftsgebäude stammt von den Basler Architekturbüros Caesar Zumthor Architekten und Nord Architekten und umfasst Kanzlei, Residenz und Verbindungsbau, die sich um einen Hof gruppieren. Die Gebäude sollen mit lokalen Ressourcen nachhaltig gebaut werden.

    Auf seiner Internetseite hat das 2019 gegründete Unternehmen Oxara eine Serie begonnen, in der es über den Fortgang der Bauarbeiten berichtet. „Im westlichen Afrika wird Lehm als Zeichen von Armut und Ländlichkeit empfunden und in den Städten dominiert Beton als Statussymbol“, wird Oxaras Projektleiter Jonathan Ensslin dort zitiert. „Es hat daher Signalwirkung, dass die neue Schweizer Botschaft mit Lehm gebaut wird.“

    Der ungiftige mineralische Aktivator von Oxara macht aus Lehm einen stabilen und wasserabweisenden Baustoff. Unternehmensangaben zufolge werden Lehmbauten damit schneller, weniger arbeitsintensiv und skalierbar. Gleichzeitig sind sie zirkulär und CO2-arm.

    Tests im Oxara-Labor hatten ergeben, dass das Material für die Verwendung mit Oxabrick Loko gut geeignet ist. Doch vor Ort liessen sich die Laborergebnisse zunächst nicht reproduzieren. Mithilfe des dort ansässigen Materialforschers Berardin Beauderic Kenne Diffo, der Oxara bereits während seines Doktorats an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich kennengelernt hatte, konnten die Mischverhältnisse angepasst werden. Derzeit wird eine Probemauer mit rund 7000 Lehmsteinen fertiggestellt. Danach soll mit den Bauarbeiten für die neue Botschaft begonnen werden.

  • Lehm feiert sein Comeback

    Lehm feiert sein Comeback

    Lehm ist seit Jahrtausenden bewährt, besteht aus lokalem Ton, Schluff und Sand, ist ohne energieintensive Brennprozesse verwendbar und fast unbegrenzt verfügbar. Im Gegensatz zu Beton, dessen Herstellung mit dem Brennen von Kalkstein erhebliche CO₂-Emissionen verursacht, punktet Lehm mit minimalem Energieaufwand bei Gewinnung und Verarbeitung. Nach Abschätzung verschiedener Quellen fallen bei der Betonherstellung pro Tonne im Durchschnitt 800–900 kg CO₂ an, bei Lehm oft nur ein Zehntel davon und meist gar keine, sofern natürlich getrocknet wird.​

    Der Lehmpavillon in Horw
    Im Rahmen von «Think Earth» kooperieren die ETH Zürich, die HSLU und Industrieunternehmen, Lehm und Holz als Materialbasis in innovative Anwendung zu bringen. Ein Meilenstein ist der Lehmpavillon in Horw. Lehm- und Holzelemente werden mit recyceltem Oulesse, einem von Oxara entwickelten Mischabbruchstoff, in Hybridform kombiniert. Die Prototypen entstehen im engen Austausch mit Bauindustrie und Studierenden. Das Ziel ist modulare, vorfabrizierte Lehmbauteile mit zuverlässiger Festigkeit, vielseitig einsetzbar und rückbaubar, für mehrgeschossigen Wohnungsbau und flexible Architektur.​

    Vorteile, Herausforderungen und Kreislaufpotenzial
    Lehm ist nicht nur energiesparend, sondern auch speicherfähig für CO₂, insbesondere wenn organische Zuschläge beigegeben werden– so kann er sogar klimapositiv wirken.​ Lehmbaustoffe lassen sich bei Gebäude-Rückbau leicht trennen und wiederverwenden. Der Recyclingprozess ist nicht aufwendig und ermöglicht echte Kreislaufwirtschaft.

    Als Aushublehm oder als Nebenprodukt („Filterkuchen“) aus der Kies- und Aushubwäsche ist Lehm bereits heute regional im Überfluss vorhanden. Bislang scheitert eine breite Anwendung vor allem an fehlender Normierung und Marktreife. Daran arbeiten die Projektpartner von «Think Earth» nun intensiv.​

    Noch sind Lehmbau-Hybridlösungen kostenintensiver als konventioneller Betonbau, aber Fortschritte in der industriellen Fertigung, Materialmischung und Qualitätssicherung bringen sie zunehmend in Reichweite für die Masse.​

    Von der Nische zum Standard?
    Die Forscherinnen und Forscher um HSLU und ETH Zürich arbeiten an der Standardisierung und Normierung der neuen Lehm-Hybridbauelemente, sodass ein Markteintritt in den nächsten zehn Jahren realistisch wird. Die Industrie zeigt grosses Interesse. Insbesondere, weil «Abfall» beim Aushub zum zentralen Rohstoff wird. Mit Lehm, Holz und intelligenten Hybridtechnologien steht ein Bauprinzip bereit, das natürliche Ressourcen schont, Klimavorteile bietet und dennoch architektonische Vielfalt ermöglicht.​ Lehm erlebt ein Innovations- und Image-Revival. «Think Earth» und der Lehmpavillon zeigen, wie Forschung und Bauwirtschaft gemeinsam Lösungen für die Bauwende liefern. Kleiner ökologischer Fussabdruck, Kreislaufpotenzial und Wohngesundheit sind mehr als ein Trend – sie markieren den Weg zu urbaner Baukultur im 21. Jahrhundert.

  • Mit Holz und Lehm in die Zukunft

    Mit Holz und Lehm in die Zukunft

    Holz und Lehm, zwei bewährte Baustoffe, stehen im Mittelpunkt des „Think Earth – Regeneratives Bauen“ Projekts. Unter der Leitung der ETH Zürich und in Zusammenarbeit mit der Empa sowie weiteren Hochschulen und Industriepartnern werden moderne Bautechniken entwickelt, die die Umweltbelastung im Bauwesen reduzieren. Während Holz für Tragfähigkeit und Steifigkeit sorgt, bringt Lehm zusätzliche Masse, die zur Wärmeregulierung, Brandsicherheit und Schwingungsdämpfung beiträgt.

    Wiederverwendbare Holzverbindungen stärken die Kreislaufwirtschaft
    Um Holz nachhaltig zu nutzen, muss die Wiederverwendbarkeit erhöht werden. Derzeit liegt sie bei nur 10 Prozent. Das Projekt zielt darauf ab, diesen Wert auf 90 Prozent zu steigern, indem effiziente, flexible Holzverbindungen entwickelt werden. Forschende der Empa und ETH Zürich arbeiten an Methoden zur einfachen Demontage von Holztragwerken und entwickeln digitale Werkzeuge, die die Wiederverwendung von Holzbauteilen fördern.

    Rissfreie Lehmbauweisen durch grüne Zusatzstoffe
    Lehm ist nahezu unbegrenzt verfügbar und hat eine hervorragende CO₂-Bilanz. Ein häufiges Problem stellt jedoch das Schwinden beim Trocknen dar, wodurch Risse entstehen. Forschende der Empa und ETH Zürich untersuchen biobasierte und biologisch abbaubare Zusatzstoffe, die das Schwinden verhindern, ohne die Rezyklierbarkeit zu beeinträchtigen. Diese innovativen Zusatzstoffe werden in Zusammenarbeit mit BASF Schweiz AG und Eberhard Bau AG grosstechnisch getestet, um den Einsatz von Lehm im Hochbau zu ermöglichen.

  • Partnerschaft zur Entwicklung nachhaltiger Lehmbau-Baustoffe

    Partnerschaft zur Entwicklung nachhaltiger Lehmbau-Baustoffe

    Die ERNE AG mit Hauptsitz in Laufenburg und die Oxara AG aus Dietikon spannen für die Entwicklung nachhaltiger Baustoffe auf Lehmbasis zusammen. Die beiden Unternehmen haben bereits eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, informiert ERNE in einer Mitteilung. Die Bauunternehmung will über die Partnerschaft mit der Ausgründung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) die Schweizer Baulandschaft verändern und einen neuen Standard für Nachhaltigkeit setzen.

    „Die ERNE Unternehmensgeschichte ist geprägt von Innovationsfreude und kreativen Lösungen“, wird Markus Meier, Geschäftsführer der ERNE AG Bauunternehmung, in der Mitteilung zitiert. „Oxara ist deshalb der ideale Partner für uns, um mit der gemeinsamen Entwicklung von nachhaltigen Baustoffen einen Beitrag an die CO2-Reduktion in der Branche zu leisten.“ ERNE ist eigenen Angaben zufolge bereits seit längerem am Lehmbau interessiert, hat aber noch kein geeignetes Bindemittel gefunden.

    Dieses Manko soll mit Oxara behoben werden. Die Gründer des Unternehmens haben eine patentierte Technologie für Zusatz- und Bindemittel entwickelt, mit der aus Bauschutt und Aushubmaterial kreislauffähige, zementfreie und ungebrannte Baustoffe hergestellt werden können. Sie weisen im Vergleich zu herkömmlichen Ziegeln und Beton bis zu 90 Prozent weniger CO2-Emissionen auf und sind für den Bau von drei- bis sechsstöckigen Gebäuden geeignet.