Schlagwort: Materialforschung

  • Ohne Materialforschung gäbe es keinen Fortschritt

    Ohne Materialforschung gäbe es keinen Fortschritt

    Materialforschung ist für Tanja Zimmermann das Rückgrat des technischen Fortschritts. Rund zwei Drittel aller Innovationen basieren direkt auf neuen oder verbesserten Materialien, von Batterien über medizinische Sensoren bis zu Baustoffen. Entsprechend breit ist der Ansatz der Empa, die als nationales Kompetenzzentrum Materialien für Bau, Energie und Gesundheit entwickelt. Dies von Grundlagenprojekten im Labor bis zu Machbarkeitsstudien mit Industriepartnern. Dazu gehören effizientere Energiespeicher, neue Photovoltaik-Technologien und zweidimensionale Nanomaterialien wie MXene, die künftig Elektronik und Sensorik kompakter und leistungsfähiger machen könnten.

    ​Anwendungen für Energie, Gesundheit und Bau
    Im Gesundheitsbereich arbeitet die Empa an textilen Sensoren, die Langzeit-EKGs ohne klassische Gel-Elektroden ermöglichen und so Hautreizungen vermeiden. Weitere Projekte zielen auf intelligente Materialien im Operationssaal, etwa Kleber, die undichte Stellen im Bauchraum verschliessen und dank integrierter Sensorik frühzeitig vor Lecks warnen.

    Beim Bauen stehen Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz im Zentrum. Neue Betone und Verbundwerkstoffe sollen mit deutlich weniger Zement und Stahl dieselbe Tragfähigkeit erreichen und so den CO₂-Fussabdruck der Bauwerke spürbar senken. Parallel dazu entwickelt die Empa hoch temperaturbeständige Materialien für Drohnen, die direkt in Brandherde fliegen können, sowie kohlefaserverstärkte Kunststoffe, die heute zunehmend Brücken und grosse Tragwerke leichter und langlebiger machen.

    CO₂ als Rohstoff
    Mit der Initiative «Mining the Atmosphere» geht die Empa noch einen Schritt weiter. Ziel ist es, CO₂ nicht nur einzusparen, sondern gezielt aus der Atmosphäre zu holen und als Rohstoff zu nutzen. Forschende untersuchen, wie Kohlenstoff aus CO₂ in keramische Werkstoffe wie Siliziumkarbid oder in Baustoffe wie Beton eingebaut werden kann, sodass Gebäude selbst zu Kohlenstoffsenken werden. Langfristig sollen solche Ansätze helfen, einen Teil der historischen Emissionen zu kompensieren und den Übergang von einer CO₂-emittierenden zu einer CO₂-bindenden Gesellschaft zu schaffen. Ein «Jahrhundertprojekt», das enorme Mengen an erneuerbarer Energie und eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie voraussetzt.

    Hightech aus der Natur
    Auch in der Holzforschung setzt Zimmermann auf Kombination aus Naturprinzipien und Hightech. Holz sieht sie als einzige grosse, heimische, nachwachsende Ressource der Schweiz, leicht, stabil und vielseitig modifizierbar. Das Spektrum reicht von feuerhemmend mineralisiertem Holz über antimikrobielle Oberflächen bis zur Nutzung fibrillierter Zellulose, deren Nanofasern transparente Gele, hochporöse Schwämme oder Barrierefilme für Lebensmittelverpackungen bilden können. Solche Zellulose-Schwämme können Öl selektiv aus Wasser aufnehmen oder CO₂ aus der Luft binden. Als Sprühbeschichtung verlängern sie die Haltbarkeit von Früchten und Gemüse, ohne Plastikfolien zu benötigen. In neueren Projekten entstehen «lebende Materialien», etwa gedruckte Strukturen aus Nanozellulose und Kieselalgen, die als biologische Sensoren Wasserqualität überwachen sollen.

    Langfristige Projekte wie «CarboQuant»
    Mit «CarboQuant» unterstützt die Werner Siemens-Stiftung ein weiteres Langfristprojekt an der Empa. Ein Labor, das Kohlenstoff-Nanostrukturen für Quantentechnologien untersucht. Ziel ist es, Graphen-Nanobänder und Nano-Graphene so präzise zu gestalten, dass sich ihre Quanteneffekte für elektronische Bauteile bei Raumtemperatur nutzen lassen. Etwa für Sensorik, Kommunikation oder künftige Quantencomputer. Solche Vorhaben zeigen, warum Stiftungen und öffentliche Förderer für die Empa zentral sind. Viele Materialinnovationen brauchen Jahre bis Jahrzehnte, bevor sie skaliert und wirtschaftlich nutzbar sind. Für Zimmermann bleibt dennoch klar, ohne diesen langen Atem und ohne Materialforschung gäbe es weder die Technologien, die die Energiewende möglich machen, noch viele der Lösungen, die unseren Alltag heute bereits selbstverständlicher erscheinen lassen, als sie es sind.

  • ESA stärkt neues Innovationszentrum am Paul Scherrer Institut

    ESA stärkt neues Innovationszentrum am Paul Scherrer Institut

    Die ESA hat mit der Eröffnung des ESDI einen entscheidenden Schritt zur Stärkung der Schweizer Raumfahrtforschung und -entwicklung unternommen. In direkter Nachbarschaft zum PSI im Park Innovaare angesiedelt, soll das ESDI als Dreh- und Angelpunkt für neue, bahnbrechende Technologien dienen, die sowohl für die Weltraumforschung als auch für industrielle Anwendungen in der Schweiz und Europa von Bedeutung sind.

    Fokus auf Quanten- und Materialforschung im Phi-Lab
    Ein zentrales Element des ESDI ist das Phi-Lab, das von Jennifer Wadsworth geleitet wird und sich auf die Förderung innovativer Forschungsprojekte spezialisiert. Ab 2025 werden hier gezielt Programme in der Quanten- und Materialforschung finanziell unterstützt. Wadsworth betont die Möglichkeit, dass das Phi-Lab diverse Teams aus Industrie, Start-ups und Forschung vereint, um komplexe technologische Herausforderungen zu lösen, die mit konventionellen Fördermassnahmen kaum umsetzbar sind.

    Standortvorteile durch Park Innovaare und PSI
    Der Standort des ESDI im Park Innovaare, einer neuen Drehscheibe für High-Tech-Innovationen, ermöglicht Zugang zu fortschrittlichen Fertigungseinrichtungen. Zusätzlich bringt das benachbarte PSI Expertise in Bereichen wie Vakuumtechnik und Strahlenschutz mit, die durch die Nutzung der PSI-Teilchenbeschleuniger bereits an Weltraumbedingungen angepasst sind. Diese Synergie eröffnet dem ESDI und seinen Partnern eine Infrastruktur für Prototypenentwicklungen und Tests unter realistischen Weltraum-Bedingungen.

    Stärkung der Schweizer Innovationslandschaft
    Mit dem ESDI wird die ESA ihre Zusammenarbeit mit Schweizer Innovationsakteuren weiter vertiefen. Die Unterstützung durch das Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und den ETH-Bereich garantiert die nachhaltige Entwicklung dieses Projekts. Die geplante Eröffnungsfeier im Frühling 2025 markiert den offiziellen Startpunkt für eine Ära der engeren Verbindungen zwischen ESA, der Schweizer Forschung und Industrie, die weit über den Weltraumsektor hinausgehen könnten.

    Langjährige Partnerschaft zwischen ESA und PSI
    Die Verbindung zwischen ESA und PSI hat eine lange Tradition. Bereits seit Jahren werden am PSI Materialtests im Rahmen der Weltraumforschung durchgeführt. Ein Beispiel dafür ist die JUICE-Mission, bei der der vom PSI entwickelte Detektor RADEM eingesetzt wird, um Strahlungsverhältnisse im Jupitersystem zu analysieren. Thierry Strässle, Stabschef am PSI, sieht im ESDI eine entscheidende Rolle für die Schweiz: «Das ESDI wird ein zentraler Knotenpunkt für die Raumfahrtforschung und das High-Tech-Ökosystem der Schweiz sein.»

  • Materialforschende arbeiten an klimafreundlichem Beton

    Materialforschende arbeiten an klimafreundlichem Beton

    Eine Gruppe von Materialforschenden um Franco Zunino vom Institut für Baustoffe der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich forscht an Zusammensetzungen für Beton, mit denen dessen CO2-Ausstoss deutlich reduziert werden kann. Der weltweit wichtigste Baustoff ist für bis zu 9 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich, informiert der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einer Mitteilung. Er unterstützt die Forschungen mit einem Ambizione-Stipendium für Zunino.

    Für die Entwicklung eines klimafreundlichen Betons setzen die Forschenden auf zwei Ansätze. Im ersten geht es darum, den besonders CO2-intensiven Zementanteil des Betons um 60 bis 70 Prozent zu senken. Dazu werden neuartige chemische Zusatzstoffe eingesetzt, insbesondere sogenannte polymere Dispergiermittel. Im zweiten Ansatz wird der Einsatz von Bindemitteln reduziert.

    Bei ihren Forschungen arbeitet die Gruppe „eng mit einem grossen Zementhersteller zusammen“, erläutert der SNF. Eine Alternative zu Beton ist nach Ansicht von Zunino unrealistisch. So brauche es „einen Wald in der Grösse Indiens“, um Beton durch Holz zu ersetzen. Auch ein komplett neuer Baustoff werde sich  „auf der Strasse in Nigeria, wo der Beton vielleicht auch mal mit den blossen Händen zusammengemischt wird“, kaum durchsetzen können. Mit einem klimafreundlichen und alltagstauglichen Beton aber hätte „die Industrie eine Lösung in der Hand, um ihre CO2-Ziele umzusetzen und CO2-Abgaben zu sparen“.

  • Materialforschende arbeiten an klimafreundlichem Beton

    Materialforschende arbeiten an klimafreundlichem Beton

    Eine Gruppe von Materialforschenden um Franco Zunino vom Institut für Baustoffe der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich forscht an Zusammensetzungen für Beton, mit denen dessen CO2-Ausstoss deutlich reduziert werden kann. Der weltweit wichtigste Baustoff ist für bis zu 9 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich, informiert der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einer Mitteilung. Er unterstützt die Forschungen mit einem Ambizione-Stipendium für Zunino.

    Für die Entwicklung eines klimafreundlichen Betons setzen die Forschenden auf zwei Ansätze. Im ersten geht es darum, den besonders CO2-intensiven Zementanteil des Betons um 60 bis 70 Prozent zu senken. Dazu werden neuartige chemische Zusatzstoffe eingesetzt, insbesondere sogenannte polymere Dispergiermittel. Im zweiten Ansatz wird der Einsatz von Bindemitteln reduziert.

    Bei ihren Forschungen arbeitet die Gruppe „eng mit einem grossen Zementhersteller zusammen“, erläutert der SNF. Eine Alternative zu Beton ist nach Ansicht von Zunino unrealistisch. So brauche es „einen Wald in der Grösse Indiens“, um Beton durch Holz zu ersetzen. Auch ein komplett neuer Baustoff werde sich  „auf der Strasse in Nigeria, wo der Beton vielleicht auch mal mit den blossen Händen zusammengemischt wird“, kaum durchsetzen können. Mit einem klimafreundlichen und alltagstauglichen Beton aber hätte „die Industrie eine Lösung in der Hand, um ihre CO2-Ziele umzusetzen und CO2-Abgaben zu sparen“.

  • Materialforschende arbeiten an klimafreundlichem Beton

    Materialforschende arbeiten an klimafreundlichem Beton

    Eine Gruppe von Materialforschenden um Franco Zunino vom Institut für Baustoffe der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich forscht an Zusammensetzungen für Beton, mit denen dessen CO2-Ausstoss deutlich reduziert werden kann. Der weltweit wichtigste Baustoff ist für bis zu 9 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich, informiert der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einer Mitteilung. Er unterstützt die Forschungen mit einem Ambizione-Stipendium für Zunino.

    Für die Entwicklung eines klimafreundlichen Betons setzen die Forschenden auf zwei Ansätze. Im ersten geht es darum, den besonders CO2-intensiven Zementanteil des Betons um 60 bis 70 Prozent zu senken. Dazu werden neuartige chemische Zusatzstoffe eingesetzt, insbesondere sogenannte polymere Dispergiermittel. Im zweiten Ansatz wird der Einsatz von Bindemitteln reduziert.

    Bei ihren Forschungen arbeitet die Gruppe „eng mit einem grossen Zementhersteller zusammen“, erläutert der SNF. Eine Alternative zu Beton ist nach Ansicht von Zunino unrealistisch. So brauche es „einen Wald in der Grösse Indiens“, um Beton durch Holz zu ersetzen. Auch ein komplett neuer Baustoff werde sich  „auf der Strasse in Nigeria, wo der Beton vielleicht auch mal mit den blossen Händen zusammengemischt wird“, kaum durchsetzen können. Mit einem klimafreundlichen und alltagstauglichen Beton aber hätte „die Industrie eine Lösung in der Hand, um ihre CO2-Ziele umzusetzen und CO2-Abgaben zu sparen“.