Schlagwort: Menschen

  • Nachhaltigkeit und Lebensqualität im Einklang

    Nachhaltigkeit und Lebensqualität im Einklang

    In einer neuen Studie, veröffentlicht im «Journal of Cleaner Production», zeigen Forscher der Empa, dass ein gutes Leben für mehr als zehn Milliarden Menschen innerhalb der planetaren Grenzen möglich ist. Mit einem technischen Ansatz und dem sogenannten Donut-Modell haben sie errechnet, dass die Menschheit nachhaltig leben kann, ohne dabei auf einen angemessenen Lebensstandard zu verzichten. Hauke Schlesier und Harald Desing vom Empa-Labor «Technologie und Gesellschaft» sowie Malte Schäfer von der Technischen Universität Braunschweig haben dieses Potenzial aufgezeigt.

    Der Donut als Modell für Nachhaltigkeit
    Das Donut-Modell, bestehend aus zwei konzentrischen Kreisen, dient als Grundlage der Studie. Der äussere Kreis repräsentiert die planetaren Grenzen wie Biodiversität, Klima und Landnutzung. Der innere Kreis symbolisiert die menschlichen Grundbedürfnisse. Der Raum zwischen den Kreisen, der Donut, stellt die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen dar, um einen angemessenen Lebensstandard zu erreichen. Diese theoretische Basis wurde nun empirisch bestätigt.

    Ressourcen effizient nutzen
    Die Studie zeigt, dass ein ökologisches Leben für über zehn Milliarden Menschen möglich ist, allerdings sind tiefgreifende Veränderungen notwendig. Besonders im Energiesystem und in der Landwirtschaft besteht dringender Handlungsbedarf. Der vollständige Verzicht auf fossile Brennstoffe und eine Umstellung auf pflanzenbasierte Ernährung sind entscheidend. Ein nachhaltiger Umgang mit Phosphor und Stickstoff sowie der Verzicht auf Landnutzungsänderungen sind weitere zentrale Massnahmen.

    Ein ausgewogener Lebensstandard
    Ein wesentlicher Bestandteil der Transformation ist die Angleichung des Lebensstandards. Während der globale Süden von einer erheblichen Anhebung des Lebensstandards profitieren würde, müsste der Ressourcenverbrauch im globalen Norden reduziert werden. Dies betrifft insbesondere Wohnfläche und individuelle Mobilität, ohne dabei das Wohlbefinden zu mindern. Öffentlicher Verkehr und Gesundheitsversorgung könnten ausgebaut werden, ohne die Umwelt signifikant zu belasten.

    Enger Spielraum für Nachhaltigkeit
    Die Forscher betonen, dass der Donut des nachhaltigen Lebens zwar existiert, aber sehr schmal ist. Der technische Fortschritt und der Wandel hin zur Kreislaufwirtschaft bieten jedoch Potenzial für zusätzlichen ökologischen Spielraum. «Unser Modell basiert auf dem heutigen Technologiestand. Zukünftige Innovationen könnten den Donut erweitern», erklärt Schlesier.

    Die Studie der Empa liefert einen kraftvollen Beweis dafür, dass Nachhaltigkeit und Lebensqualität miteinander vereinbar sind. Sie zeigt den Weg zu einem ökologischen und sozial gerechten Leben für alle Menschen auf unserem Planeten.

  • Neues Zuhause für Senioren Greencity 2026

    Neues Zuhause für Senioren Greencity 2026

    Im Süden Zürichs entsteht ein visionäres Wohnprojekt, das älteren Menschen ein lebendiges und sicheres Umfeld bietet. Die Überbauung auf dem Baufeld B6 in Greencity kombiniert privates und städtisches Engagement. Losinger Marazzi AG entwickelt das Projekt für die Anlagestiftungen der Pensimo Management AG, die insgesamt 179 Wohnungen für ältere Menschen bereitstellen. Davon übernimmt die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW) 60 Wohnungen, während die restlichen 119 Wohnungen von Pensimo an Mieter*innen ab 55 Jahren vermietet werden. Diese Zusammenarbeit stellt eine neue Partnerschaft dar und ermöglicht allen Mietenden den Zugang zu den Dienstleistungen der SAW.

    Ein grünes Herzstück für Greencity
    Das Baufeld B6 ist das letzte Kapitel der nachhaltigen Entwicklung des Quartiers Greencity. Seit 2014 verwandelt Losinger Marazzi das Areal der ehemaligen Sihlpapier-Fabrik in das erste 2000-Watt-Areal der Schweiz. Der Innenhof des neuen Gebäudes wird mit begrünten Flächen, Bäumen und Sitzgelegenheiten ausgestattet und lädt zum Verweilen ein. Arkadengänge im Erdgeschoss schaffen geschützte Zugangsbereiche zu Gewerbeflächen, die auf 3500 Quadratmetern Einrichtungen wie ein Ärztezentrum, ein Fitnessstudio, eine Bäckerei oder ein Café bieten könnten, so René Büchi, verantwortlicher Portfoliomanager bei Pensimo.

    Umfassende Dienstleistungen der SAW
    Die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich stellt allen Mietenden ein umfassendes Dienstleistungspaket zur Verfügung. Dieses umfasst einen 24-Stunden-Notruf, erweiterte Hauswartung, Wäscheservice, Sozialdienst und verschiedene Veranstaltungen in der Siedlung. Bei Bedarf können die Mietenden auch Haushaltshilfe und ambulante Pflegeleistungen in Anspruch nehmen. Andrea Martin-Fischer, Direktorin der SAW, betont: «Unser Ziel ist es, den Mietenden bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes und sicheres Wohnen zu ermöglichen.»

    Nachhaltigkeit im Fokus
    Die Nachhaltigkeitsziele von Greencity werden konsequent auf das neue Alterswohnungsprojekt übertragen. Herbert Heinen, Projektmanager bei Losinger Marazzi, erläutert: «Eine optimierte Tragstruktur, Leichtbauwände, eine Holzfassade und ein Energiekonzept mit 100 Prozent erneuerbaren Energien reduzieren die CO2-Emissionen erheblich und bringen das Gebäude dem Netto-Null-Ziel im Betrieb nahe.» Zudem streben Pensimo und Losinger Marazzi die Zertifizierung mit dem SNBS-Gold-Label an. Der Baustart wurde im März 2024 vorbereitet und das von JSWD Architekten aus Köln entworfene Gebäude soll Ende 2026 fertiggestellt werden.

    Mit diesem Pionierprojekt setzt Greencity neue Massstäbe für nachhaltiges, altersgerechtes Wohnen und zeigt, wie private und öffentliche Partnerschaften zukunftsweisende Lösungen schaffen können.

  • Wohnlabor der OST hilft beim Älterwerden in eigenen vier Wänden

    Wohnlabor der OST hilft beim Älterwerden in eigenen vier Wänden

    Das Wohnlabor SimDeC (Akronym für Simulation im Bereich Dementia Care) der OST – Ostschweizer Fachhochschule will den Wunsch vieler Schweizerinnen und Schweizer erfüllen: möglichst lang selbstbestimmt daheim wohnen bleiben. Wie lang das ist, entscheide sich schleichend im Alltag, so Josef Huber in einem Blog-Beitrag und einer aktuellen Medienmitteilung der OST. Er ist Leiter des SimDeC und Dozent im CAS Lebensweltorientierte Demenzpflege an der OST. „Flaschen gehen zu schwer auf, die Pfeffermühle bereitet Schmerzen beim Berühren oder Produkte und Lebensmittel sind herausfordernd verpackt.“ Dabei gebe es eine „unfassbare Vielfalt und Vielzahl technischer Lösungen“. Doch werde das Wissen über Technik mit Betroffenen in der Gesellschaft eher nicht geteilt. Zudem fehle ihnen und den Angehörigen oft die Kraft für eigene Recherchen.

    Als Innovationszentrum zum Mitmachen und Anfassen schafft das Wohnlabor genau hierbei Abhilfe, für Privatpersonen ebenso wie für Gemeinden, Städte und Spitäler. „Wenn ein Problem an uns herangetragen wird, machen wir eine aktuelle Marktübersicht und entwickeln gemeinsam eine fachlich und ethisch reflektierte, kriterienorientiert begründete Entscheidung.“ Wie Huber betont, sei es wichtig, massgeschneiderte Lösungen für einzelne Fälle zu finden. „Als Forscherinnen und Forscher lernen wir wiederum aus den Rückfragen.“

    Um Menschen mit Demenz, ihr Lebensumfeld und ihre Betreuungsteams geht es auch im CAS Lebensweltorientierte Demenzpflege der OST. Der neunmonatige Kurs vermittelt die Kompetenz, die Situation von Personen mit Demenz professionell einzuschätzen und geeignete Interventionen anzubieten. Nächster Start ist am 23. Oktober.

  • Von Menschen, Technologien und Organisationen

    Von Menschen, Technologien und Organisationen

    Der richtige Einsatz von Innovationen macht den Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen aus. Zahlreiche Praxisbeispiele zeigen, dass die Effekte innovativer Arbeitsgeräte schnell verpuffen, wenn nicht auch in die Anwendenden und in Betriebsabläufe investiert wird.

    Ein gesamtheitlicher Ansatz in der Unternehmensentwicklung ist das MTO-​Konzept, das auf die Wechselwirkung der drei Aspekte Mensch, Technik und Organisation fokussiert. Das Modell basiert auf der Einsicht, dass Unternehmen kontinuierlich neue Wege finden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Innovative Technologien erweisen sich aber als nutzlos, wenn sie von den Menschen nicht getragen respektive nicht in die Abläufe innerhalb der Gesamtorganisation eingebettet sind.

    Der Zusammenhang zwischen Menschen, Technologie und Prozessen besteht darin, dass Menschen Technologie nutzen, um Prozesse durchzuführen und ihre Ziele zu erreichen. Technologie kann die Effizienz und Produktivität von Prozessen verbessern, während Menschen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen, um die Technologie optimal zu nutzen und die Prozesse zu steuern.

    Das MTO-​Modell strebt danach, die Arbeitssysteme so zu gestalten, dass sie sowohl die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Mitarbeitenden als auch die Anforderungen der Organisation erfüllen. Eine optimale Abstimmung führt zu besseren Arbeitsergebnissen, da jede Interaktion zwischen Mensch, Technik und Organisation einen erheblichen Einfluss auf die Effizienz, Leistung und Zufriedenheit der Mitarbeitenden hat.

    Die Kombination einer ganzheitlichen Unternehmensentwicklung mit einer starken Innovationsorientierung ist die Voraussetzung für langfristigen Erfolg. Unternehmen, die Menschen, Technologien und Organisation in ihre strategische Ausrichtung integrieren, sind besser positioniert, um den Herausforderungen der sich ständig wandelnden Geschäftswelt zu begegnen und nachhaltiges Wachstum zu erreichen.

  • Regio Energie Solothurn vergibt 2023 zwei Preise

    Regio Energie Solothurn vergibt 2023 zwei Preise

    Regio Energie Solothurn hat im Rahmen des alljährlich stattfindenden Energieforums nicht wie üblich nur einen Preis für Energieeffizienz, Klimaschutz und Nachhaltigkeit verliehen. In diesem Jahr wurden stattdessen laut einer Mitteilung zwei Organisationen ausgezeichnet: der Verein Restessbar Solothurn und die Stiftung Discherheim Solothurn.

    Der Verein Restessbar rettet Lebensmittel. Seit 2017 sammeln seine Mitglieder ehrenamtlich bei Partnerfirmen Früchte, Gemüse, Gebäck und Getränke ein, die sonst im Abfall landen würden. Danach werden sie sortiert und auf zwölf Touren pro Woche an rund 300 Personen verteilt. Damit werden jährlich rund 26 Tonnen noch konsumierbare Lebensmittel vor der Entsorgung bewahrt. Ausserdem betreibt der Verein Aufklärungsarbeit gegen Food Waste und unterstützt Schüler bei der Erarbeitung eines Kochbuchs.

    Im Discherheim werde „darauf geachtet, dass alles, was man tut, eine möglichst lange Wirkung hat“, so Regio Energie Solothurn. An den drei Standorten der Stiftung, die Menschen mit Beeinträchtigungen Wohn- und Arbeitsplätze bietet, gelte dies auch hinsichtlich Energieeffizienz und Ressourcenschonung, sowohl bei der Umrüstung der Heizquelle als auch der Flotte von sechs Fahrzeugen auf elektrische Antriebe. Der Strom dafür kommt aus einer eigenen Photovoltaikanlage. Zudem leisten Biotop, Hecken, Naturwiese, Insektenhotels und Vogelhäuser einen Beitrag zur Biodiversität.

  • Fünf Technologien auf dem Weg zu Netto-Null

    Fünf Technologien auf dem Weg zu Netto-Null

    Die TA-Swiss-Studie hat zum Ziel, Politik und Öffentlichkeit über Chancen, Grenzen und Risiken verschiedener Methoden zur CO2-Entnahme und Speicherung zu informieren. Dabei wurden Aspekte wie Machbarkeit, Klimawirksamkeit, Kosten, Ressourcenverbrauch und Auswirkungen auf Umwelt und Bevölkerung betrachtet.

    Bei den fünf Technologien handelt es sich um:

    • die Speicherung von CO2 als Biomasse im Wald und die Verwendung von Holz
    • die Speicherung in Form von Humus im Boden und den Einsatz von Pflanzenkohle
    • die Abscheidung und Speicherung von CO2 bei der Verbrennung von Biomasse  (BECCS)
    • die Entnahme aus der Luft und Speicherung  (DACCS)
    • die beschleunigte Verwitterung von Abbruchbeton und Gestein (Carbonatisierung)

    Jede der fünf NET wurde anhand des aktuellen Wissensstands und mithilfe von Experteninterviews bewertet. Mögliche Chancen, Risiken, Synergieeffekte und Konflikte wurden aus Systemsicht identifiziert und betrachtet. Darauf basierend wurden allgemeine und spezifische, technologiebezogene Handlungsoptionen und Empfehlungen abgeleitet und zusammen mit ausgewählten Stakeholdern reflektiert.

    Die wichtigsten allgemeinen Empfehlungen der Studie
    Damit der Beitrag von NET zum Netto-Null-Ziel umwelt- und gesellschaftsverträglich umgesetzt werden kann, sollten sich Politik und Gesellschaft frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen. Dies erfordert insbesondere, dass die Öffentlichkeit mittels faktenbasierter und nachvollziehbarer Informationen in die Gestaltung der Einsatzbedingungen der NET einbezogen wird.

    Es braucht eine übergreifende Strategie zur Nutzung begrenzter Ressourcen, wie erneuerbarer Energie, Wasser, Biomasse und Boden, und zur Finanzierung für die Entwicklung und Umsetzung der NET.

    Um das Potential der unterschiedlichen Technologien zu bestimmen, sind weitere Untersuchungen nötig.

    Die langfristig der Atmosphäre entzogene Menge an CO2 muss transparent und einfach erfasst werden können, um einen verlässlichen Bewertungsrahmen zu schaffen und zu vermeiden, dass dasselbe CO2 mehrmals gezählt wird.

    Die Mindestzeitdauer der CO2-Fixierung, ab welcher eine Technologie bzw. ein NET-Projekt im Sinne der Klimastrategie anerkannt wird, sollte reflektiert werden.

    NET können beim Erreichen des Netto-Null-Ziels nur ergänzend zur prioritären Reduktion der Treibhausgasemissionen zum Einsatz kommen. Daher ist es wichtig, dass für die Reduktion von CO2-Emissionen und für die CO2-Entfernung getrennte Ziele gelten.

    Die Schweiz hat momentan eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung von NET. Dieser Wettbewerbsvorteil sollte mit der Förderung der entsprechenden Forschung und Entwicklung, sowie von Demonstrationsprojekten weiter gestärkt werden.

  • hoyou, die erste Schweizer Immobilientausch-Plattform ist live

    hoyou, die erste Schweizer Immobilientausch-Plattform ist live

    «In unserer langjährigen Erfahrung als Immobilienvermittler haben wir oft erlebt: Familien wachsen aus einer zu kleinen Wohnung heraus, ältere Menschen fühlen sich irgendwann in ihrem zu grossen Haus einsam oder können es nicht mehr bewerkstelligen. Diese sich suchenden Bedürfnisse zusammenzubringen, ist unser Ziel», erklärt hoyou Gründerin Christine Hegglin. Um den Suchenden auch persönlichen Support zur Plattform bieten zu können, bildet die Immobilienexpertin und Unternehmerin ein schweizweites Netzwerk an Tauschexperten aus. Aktuell sind es 17 ortsansässige Tauschexperten an 6 Standorten, alles hoyou zertifizierte und selbständige Immobilienmakler.

    Immobilien, die sonst nicht auf den Markt kommen
    Ebenfalls einzigartig soll die auf der Plattform angebotene Auswahl an Immobilien sein. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele mit ihrem Haus gar nicht erst auf den Markt gehen wollen, weil dort kaum attraktive Alternativen angeboten werden. Aus Angst, für sein Eigenheim nicht rechtzeitig einen Ersatz zu finden, warten sie erstmal ab. Wenn aber alle warten tut sich nichts auf dem Immobilienmarkt. Das Resultat ist ein ausgetrockneter Markt, obgleich viele verkaufswillige Eigentümer vorhanden sind.» Ein Teufelskreis, den die hoyou Gründerin mit einem attraktiven System, einfachen Funktionen und spannendem Storytelling durchbrechen will.

  • «Die Immobilienbranche hat die besten Jahre der Digitalisierung noch vor sich»

    «Die Immobilienbranche hat die besten Jahre der Digitalisierung noch vor sich»

    Zur Person
    Giuseppe Giglio verantwortet als Chief Digital Officer der Steiner AG die digitale Transformation und die Entwicklung neuer digitaler Produkte. Zuvor war er bei der Swisscom verantwortlich für die Digitalisierung der Vertriebskanäle und den Aufbau von Supportplattformen für den Privatkundenbereich.

    Herr Giglio, was ist Ihre Aufgabe bei der Steiner AG?
    Ich bin gemeinsam mit meinem Team von rund 25 Personen für die digitale Unternehmensentwicklung zuständig. Unser Ziel: das Unternehmen technologisch fit zu halten und erfolgreich in neuen digitalen Märkten zu etablieren. Dafür hat die Steiner AG vor einem Jahr die Kompetenzen für den digitalen Bereich gebündelt und mir die Verantwortung übertragen.

    Sie waren zuvor ausserhalb der Immobilienbranche tätig. Wo steht aus Ihrer Sicht die Digitalisierung im Immobilienbereich im Vergleich zu anderen Branchen?
    Andere Branchen konnten früher von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren. Der Immobilienbereich steht noch am Anfang dieser Reise. In den vielen Gesprächen, die ich mit unterschiedlichen Unternehmen aus unserer Branche führen durfte, spüre ich aber eine grosse Veränderungsbereitschaft. Es herrscht eine Art Aufbruchstimmung. Der Immobilienbereich hat die besten Jahre der Digitalisierung noch vor sich. Dieser Umstand war es auch, der mich persönlich zum Wechsel bewogen hat.

    Wurde diese Aufbruchstimmung durch die Coronapandemie beflügelt?
    Die Pandemie hat sicher einen gewissen Druck auf das Vorantreiben digitaler Themen ausgeübt. Ich glaube aber, dass die Immobilienbranche selbst ohne Corona an diesem Punkt stehen würde. Unternehmen wollen den Anschluss nicht verpassen und wettbewerbsfähig bleiben.

    Wo hat die Steiner AG punkto Digitalisierung die Nase vorn?
    Das Unternehmen konnte sich nicht zuletzt wegen seiner modernen IT-Infrastruktur sehr rasch an die neuen Marktbedingungen der letzten zwei Jahre anpassen. So konnten wir zum Beispiel problemlos von jetzt auf gleich die Belegschaft von den Büros ins Homeoffice schicken und den operativen Betrieb jederzeit sicherstellen. Wir sind erfolgreicher und stärker aus der Pandemie herausgekommen. Auch hat die Steiner AG schon sehr früh bei ihren Eigenentwicklungen konsequent auf BIM gesetzt. Heute können wir auf über zehn Jahre Erfahrung in dieser Technologie zurückgreifen und kennen alle Tricks und Stolperfallen.

    Welche Digitalisierungsthemen werden aktuell besonderes nachgefragt?
    Die Energie- und Klimaziele 2030 fordern die Branche entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Insofern werden Themen zur Transparenz bezüglich Umweltkennzahlen stark nachgefragt. Daneben fassen Online-Kollaborationsplattformen – die in anderen Branchen bereits zum Standard gehören – allmählich auch in der Immobilienindustrie Fuss.

    Wie stark hat sich BIM heute bereits durchgesetzt?
    Wir stellen fest, dass BIM oder Teile von BIM bei grösseren Projekten sehr häufig zur Anwendung kommen. Bei Renovationen beziehungsweise Bestandesbauten registrieren wir in den letzten Monaten ebenfalls eine hohe Nachfrage. Bei kleineren Projekten oder auch explizit im Bereich des Gebäudebetriebs haben wir Aufholbedarf. Die Digitalisierung ist stets mit Prozessveränderungen und Investitionen verbunden – viele Firmen sind hier noch vorsichtig. Wir müssen den Entscheidungsträgern die Vorteile von BIM aufzeigen und Beweise erbringen.

    Welche Vorteile bringt BIM?
    BIM schafft die Grundlage für echte Vernetzung von Immobilienprojekten. Konsequent und durchgängig angewendet, lassen sich in einer frühen Phase Planungsfehler vermeiden – und es kann schneller und dadurch günstiger auf neue Rahmenbedingungen reagiert werden. Digitales Planen ermöglicht zudem ein effizientes Betreiben. Die Vorteile für den Gebäudebetrieb sind exponentiell grösser.

    « Künstliche Intelligenz ist bereits heute nicht mehr wegzudenken »

    Können Sie ein Beispiel für Smart Home nennen?
    Bekannteste Beispiele sind die intelligente Steuerung der Gebäudetechnik wie Licht, Heizung und Sicherheitslösungen, etwa Türschlösser oder Alarmanlagen. Solche Lösungen sind mittlerweile weit verbreitet.

    Was sind die Vorteile von Smart Home?
    Man spricht heute von «Ambient Assisted Living». Smarte Technologie im Wohnbereich erlauben es beispielsweise älteren Menschen auch bei gesundheitlichen Einschränkungen länger in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus zu verbleiben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. So beispielsweise mit Hilfe von Sensoren, die registrieren, wenn jemand umfällt und direkt einen Alarm auslösen. Es gibt auch die Möglichkeit, Licht/Storen etc. barrierefrei über die Sprache und nicht über komplizierte Bedienelemente zu steuern. Diese Thematik birgt nicht zuletzt auch auf Investorenseite viel Potenzial.

    Welches genau?
    Ein smartes Zuhause kann den Verbrauch der Haushalttechnik wie Heizung oder Kühlung messen und steuern, was zu einer Reduzierung des Stromverbrauchs führt. Dies resultiert in tieferen Betriebskosten.

    Wie und wo setzt man Zukunftstechnologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR), Artificial Intelligence (AI) schon heute ein?
    AR und VR sind derzeit noch Nischenthemen, die oft als Marketinginstrumente zum Einsatz kommen. Sie eignen sich hervorragend zur Visualisierung von Visionen und sind Nährboden für Inspiration.

    AI hingegen ist bereits öfters Realität als man denkt: Beispielsweise bei der Kostenermittlung oder Erkennung von Anomalien im Gebäudebetrieb. Da diese Abläufe meist im Hintergrund ausgeführt werden, bemerkt der Anwender oftmals nicht, dass eine künstliche Intelligenz oder ein Algorithmus im Spiel ist. Wenn man heute digital plant und baut, ist Künstliche Intelligenz nicht mehr wegzudenken.

    Was ist nötig, damit AR und VR ebenfalls alltagstauglich werden?
    Wir müssen Projekte mit einem «Digital-First-Mindset» anpacken. Je früher ein Projekt digital angegangen wird, desto profitabler wird es in der Gesamtbetrachtung. Wir brauchen noch mehr Praxisbeispiele, die aufzeigen, dass Projekte mit einer solchen Denkweise erfolgreicher werden. Gerade VR ist in einer frühen Phase hilfreich, um die Zusammenarbeit zu verbessern und um erfolgskritische Entscheide rasch herbeizuführen. Ich bin überzeugt, dass sich AR und VR im Immobilienbereich in den nächsten fünf Jahren durchsetzen werden.

    Welche Digitalisierungslösungen werden von Partnern und Subunternehmern der Steiner AG am meisten nachgefragt?
    Viele Unternehmen stehen noch am Anfang ihrer Digitalisierungsreise. Deshalb sind Schulungen, BIM-Management sowie die Bestandsaufnahmen von Immobilien für die digitale Inventarisierung des Immobilienportfolios zurzeit besonders gefragt.

    Wie verändert die Digitalisierung die Branche Ihrer Meinung nach in den nächsten fünf Jahren?
    Ich glaube, dass die Digitalisierung uns alle näher zusammenbringt. Bauherrschaft, Öffentlichkeit sowie Unternehmen arbeiten und tauschen sich auf der gleichen Plattform aus und gestalten das Projekt aktiv mit. Dies führt zu einer Demokratisierung von Immobilienprojekten, was wiederum zu erfolgreicheren und nachhaltigeren Ergebnissen führt.