Schlagwort: Mischnutzung Quartier

  • Grossareal vor Neuausrichtung zwischen Wohnen und Arbeit

    Grossareal vor Neuausrichtung zwischen Wohnen und Arbeit

    Die HIAG Immobilien AG will das alte Metalli-Industrieareal an der Birs in Dornach über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren in ein gemischtes Areal für Wohnen, Arbeiten und Freizeit umgestalten. Der Masterplan für das neue Wydeneck-Areal sieht für die Fläche von über 130‘000 Quadratmetern eine Wohnnutzung von 70 Prozent vor. Für Gewerbe und Wirtschaft sind mindestens 30‘000 Quadratmeter vorgesehen. Das schafft das Potenzial von 600 Arbeitsplätzen.

    Aus der Sicht der Standortförderung Schwarzbubenland ist das zu wenig. Sie fordert laut einer Mitteilung, dass das Areal für die Ansiedlung möglichst vieler hochwertiger Arbeitsplätze attraktiv gemacht werden soll. Die Konzentration auf die Wohnnutzung berge „die Gefahr, durch kurzfristige Renditeüberlegungen wertvolle Wirtschaftsflächen für die Zukunft zu verlieren“.

    Die Vertreter der Standortförderung, von HIAG Immobilien und der Gemeinde haben sich deshalb zu einem Gespräch über die Zukunft des Geländes getroffen. HIAG verwies darauf, „dass dank eines flexiblen und zukunftsgerichteten Bau- und Zonenreglements im Grundsatz auch ein höherer Gewerbeanteil möglich sei“.

    Swissmetal wird bis Ende 2026 das Areal verlassen. Dann können die bestehenden Zwischennutzungen erweitert werden. Grössere bauliche Veränderungen sollen im Einklang mit dem Ausbau der Infrastruktur erfolgen. So soll ab 2030 die neue S-Bahn-Haltestelle Dornach-Apfelsee das Areal direkt an den öffentlichen Verkehr anschliessen.

  • Experimentierfeld genossenschaftliches Stadtleben

    Experimentierfeld genossenschaftliches Stadtleben

    Als Innovations- und Lernplattform versteht «mehr als wohnen» das Hobelwerk nicht nur als Siedlung, sondern als Reallabor für neue Wohnformen, Partizipationsmodelle und genossenschaftliche Governance. Für Fachleute aus Planung, Wohnungsbau und Stadtentwicklung bietet das Quartier Anschauungsmaterial für zentrale Fragen der künftigen Stadtentwicklung. Im Fokus steht etwa, wie viel Gemeinschaft der Alltag tatsächlich verträgt und wie sich Mischnutzungen so organisieren lassen, dass sie langfristig robust funktionieren. Ebenso wird sichtbar, wie ein Quartier zugleich sozial offen, ökologisch ambitioniert und dennoch wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden kann.

    Das Hobelwerk liegt auf dem früheren Areal der Schreinerei Kälin & Co. AG unmittelbar beim Bahnhof Oberwinterthur und damit an einer gut erschlossenen, vormals gewerblich geprägten Lage. Bauherrin ist die Baugenossenschaft mehr als wohnen, die nach dem Hunziker Areal ihr zweites grosses Projekt realisierte und das Areal zwischen 2018 und 2023 in zwei Etappen entwickelt hat.

    ​Auf rund 16 000 m² sind fünf Neubauten und mehrere umgenutzte Bestandsbauten entstanden, insgesamt etwa 158 Wohnungen plus Gewerbe- und Gemeinschaftsflächen. Die Siedlung gilt als Modell für sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Stadtentwicklung und wurde mehrfach architektur- und energiepreislich ausgezeichnet.

    Städtebau, Architektur und Nutzungsmix
    Die unterschiedlichen Baukörper, darunter lange Riegel entlang der Gleise, ein Hofhaus, ein Quaderbau und ein kleiner Wohnturm, schaffen ein kleinteiliges Quartier mit Höfen, Gassen, Spiel- und Gartenflächen. Mehrere Büros, unter anderem pool Architekten, Ramser Schmid, Pascal Flammer, Baubüro in situ und Studio Vulkan, sorgen für Vielfalt im Detail bei gleichzeitig klarer Gesamtfigur.

    ​Der Nutzungsmix reicht von klassischen 1,5- bis 6,5-Zimmer-Wohnungen über Clusterwohnungen und Micro-Co-Living bis zu Wohnateliers für Kulturschaffende und verschieden grosse, teilweise günstige Gewerbeflächen. Im Erdgeschoss liegen unter anderem Kita, Bäckerei, Co-Working, Ateliers, Waschsalons, Gemeinschaftsräume und Allmendflächen, die als erweitertes «Wohnzimmer» der Siedlung funktionieren.

    Wohnkonzepte und Alltagsorganisation
    Die Genossenschaft kombiniert etablierte und experimentelle Wohnformen wie Micro-Co-Living für ein bis zwei Personen mit gemeinsamen Küchen und Aufenthaltsflächen, grosszügige Clusterwohnungen für WGs, klassisch geschnittene Familienwohnungen sowie inklusive Wohnprojekte, etwa mit Partnerorganisationen wie jawohn. Ergänzt wird das Wohnangebot durch Gästezimmer, Gästewohnungen und zuschaltbare Zimmer, die flexibel zugemietet werden können.

    ​Die Allmende spielt eine zentrale Rolle mit Laubengänge, Dachterrassen, Gemeinschaftsräume und der überdachte Hobelwerkplatz erleichtern informelle Begegnung und geteilte Nutzung. Bewohnende gestalten das Quartier in Quartiergruppen und Partizipationsformaten aktiv mit, ein Kernbestandteil der «mehr als wohnen»-DNA.

    Bestand, Freiraum und Identität
    Die alte Hobelwerkhalle und die Z-Halle wurden erhalten, sanft umgebaut und bilden heute das Zentrum mit einem überdachten Platz für Märkte, Feste, Kultur- und Quartierveranstaltungen. So bleibt die industrielle Vergangenheit als räumliche und narrative Schicht präsent und verleiht dem Areal eine klare Identität.

    ​Die Freiraumgestaltung mit Gemüsegärten, Kieswegen, Spielflächen und Begrünung von Höfen und Fassaden zielt auf hohe Aufenthaltsqualität, Hitzereduktion und Biodiversität. Autoarme Erschliessung und eine Mobilitätsstation mit Bikes und Anhängern stärken den Alltag ohne eigenes Auto.

    Nachhaltigkeit, Governance und Lerncharakter
    Das Projekt setzt auf energieeffiziente Bauweise, robuste, langlebige Materialien und gezielte Wiederverwendung von Bauteilen, kombiniert mit einem niedrigen Ressourcen- und Flächenverbrauch pro Kopf. Dafür erhielt das Hobelwerk mehrere Auszeichnungen, unter anderem als eines der besten Neubauprojekte der Schweiz und für seine energieeffiziente, ressourcenschonende Konzeption.