Schlagwort: Nachhaltige Technologie

  • Auf dem Weg zur KI-Revolution

    Auf dem Weg zur KI-Revolution

    Die Debatte um den Stromverbrauch von KI-Systemen ist kein reines Politikum. Rechenzentren und hochskalierte Hardware verschlingen enorme Energiemengen und die stetige Vergrösserung von Modellen verstärkt diese Tendenz weiter. «Wir können nicht unbegrenzt skalieren», erklärt Klimovic, «daher ist die Forschung nach nachhaltigeren Lösungen unerlässlich.»

    Sparsame Modellarchitekturen
    Ein Ansatz ist die Einführung von Sparsity (Dichte-Reduktion) in neuronalen Netzen. Modelle aktivieren dabei nur relevante Teile ihres Systems, während klassische Ansätze stets das gesamte Netz nutzen. «Mixture-of-Experts»-Modelle folgen dieser Logik. Sie verteilen Anfragen gezielt auf spezialisierte Module. Das spart Energie, ohne Qualitätseinbussen zu verursachen.

    GPUs sine wertvoll, aber oft ungenutzt
    Ein zentrales Problem sieht Klimovic in der geringen Auslastung von GPUs, obwohl diese enorm viel Strom verbrauchen. Engpässe entstehen insbesondere bei der Datenvorverarbeitung durch sowie bei der Kommunikation zwischen mehreren GPUs. Oft liegt die Rechenauslastung bei unter 50 Prozent. Damit wertvolle Ressourcen nicht brachliegen, braucht es neue Softwarelösungen.

    Effizienz durch intelligente Frameworks
    Ihre Forschungsgruppe entwickelt Systeme, die Automatisierung und Optimierung in den Vordergrund stellen.

    Sailor ist eine Plattform, die Trainings-Jobs automatisch über GPUs parallelisiert und dadurch die GPU-Effizienz steigert.

    Modyn und Mixtera sind Systeme für eine intelligentere Datenauswahl, die Modelle schneller und mit weniger Daten trainieren.

    DeltaZip  ist eine Plattform, die feingetunte Modellvarianten effizient verwaltet. Sie komprimiert Unterschiede zwischen Modellen («Deltas»), wodurch Ladezeiten sinken und Inferenz schneller und ressourcenschonender abläuft.

    Nachhaltigkeit in Training und Inferenz
    Nicht nur beim Training, sondern auch in der Anwendung, der sogenannten Inferenz, spielen Effizienzgewinne eine Schlüsselrolle. Angesichts der Milliarden täglicher Interaktionen mit Chatbots wird die Schonung von Energie- und Hardware-Ressourcen zu einer global dringenden Aufgabe.

    Wissenschaftliche Freiheit und Open Science
    Klimovic betont die Bedeutung der akademischen Forschung. Weniger durch wirtschaftliche Zwänge getrieben, kann sie langfristige Innovationen verfolgen. Sie hebt die Rolle der Schweizer KI-Initiative hervor, die 2023 gestartet ist und auf dem nahezu klimaneutralen Supercomputer Alps des CSCS basiert. Mit über 10 Millionen GPU-Stunden und 20 Millionen Franken Förderung ist sie die weltweit grösste Open-Science- und Open-Source-Initiative für KI-Grundlagenmodelle.

    Die KI-Revolution ist nur dann nachhaltig, wenn Effizienz zur Leitlinie wird. Bei Algorithmen, Hardware und Systemarchitekturen. Projekte wie Sailor, Modyn oder DeltaZip zeigen konkrete Wege auf, wie sich enorme Energieeinsparungen mit technischer Exzellenz verbinden lassen. Für Klimovic steht fest, «Hochwertige KI bedeutet in Zukunft nicht nur Intelligenz, sondern auch Ressourcenschonung.»

  • Unterwasser-Kraftwerke auf dem Meeresgrund

    Unterwasser-Kraftwerke auf dem Meeresgrund

    Pumpspeicher-Kraftwerke sind eine bewährte Methode zur Energiespeicherung, stossen an Land jedoch an Grenzen. Das Projekt StEnSea überträgt dieses Prinzip auf den Meeresgrund, wo Platz und Bedingungen ideal für diese Technologie sind. Der Prototyp besteht aus einer hohlen Betonkugel, die durch Wasserzu- und -abfluss Strom speichert oder erzeugt.

    Feldversuch und Funktionsweise
    Im Bodensee wurde erfolgreich eine drei Meter grosse Kugel getestet. Nun soll eine 400-Tonnen-Betonkugel mit einem Durchmesser von neun Metern vor Long Beach, Kalifornien, verankert werden. Die Kugel wird leergepumpt, um Energie zu speichern, und erzeugt Strom, indem Wasser zurückströmt und eine Pumpturbine antreibt.

    Die Leistung des Prototyps liegt bei 0,5 MW, die Kapazität bei 0,4 MWh. Das Fraunhofer-Team plant, das System auf Kugeln mit einem Durchmesser von 30 Metern zu skalieren, die eine Leistung von 30 MW und eine Kapazität von 120 MWh erreichen können.

    Vorteile und Einsatzmöglichkeiten
    Wassertiefen von 600 bis 800 Metern sind für diese Speichertechnologie ideal. Hier ermöglichen Druck und Wandstärke kosteneffiziente Konstruktionen. Mögliche Standorte gibt es weltweit, beispielsweise vor Norwegen, Portugal oder der US-Küste. Die Technologie eignet sich auch für tiefe Seen oder geflutete Tagebaue.

    Das globale Speicherpotenzial wird auf 817.000 GWh geschätzt, was deutlich über der Kapazität konventioneller Pumpspeicher-Kraftwerke liegt. Anwendungen reichen von Arbitragegeschäften bis zur Stabilisierung von Stromnetzen durch Regelreserve.

    Wirtschaftlichkeit und Skalierung
    Mit Speicherkosten von rund 4,6 Cent pro Kilowattstunde und einer Lebensdauer der Betonkugel von bis zu 60 Jahren ist die Technologie kosteneffizient. Die Effizienz pro Speicherzyklus liegt bei 75 bis 80 Prozent. Ein Pilotpark mit sechs Kugeln könnte jährlich 520 Speicherzyklen erreichen.

    Perspektiven für die Energiewende
    Bernhard Ernst, Projektleiter am Fraunhofer IEE, betont die Bedeutung der StEnSea-Technologie: «Mit der globalen Energiewende steigt der Speicherbedarf enorm. Unsere Unterwasser-Kugelspeicher sind eine kostengünstige Lösung für kurze bis mittlere Speicherzeiträume.»

    Die StEnSea-Kugelspeicher bieten eine zukunftsweisende Technologie für die Energiespeicherung. Mit dem Testlauf vor der kalifornischen Küste macht das Fraunhofer-Team einen wichtigen Schritt hin zur Skalierung und Kommerzialisierung. Die Technologie hat das Potenzial, die Energiespeicherung weltweit nachhaltig zu revolutionieren.

  • Der Bau eines CO2-neutralen Zementwerks in Lägerdorf

    Der Bau eines CO2-neutralen Zementwerks in Lägerdorf

    Der Bau des neuen Holcim-Zementwerks in Lägerdorf markiert einen entscheidenden Schritt in der globalen Bemühung, die CO2-Emissionen der Zementindustrie zu reduzieren. Mit einer geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2028 wird das Werk eines der ersten seiner Art sein, das vollständig CO2-neutral operiert. Die Beteiligung hochrangiger politischer und wirtschaftlicher Führungskräfte, darunter Dr. Robert Habeck, Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, sowie Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, unterstreicht die Bedeutung dieses Projekts für die deutsche Industrie und die globale Umweltpolitik.

    Die „pure oxyfuel“-Technologie ist das Herzstück des Projekts. Sie ermöglicht es, nahezu das gesamte bei der Zementproduktion entstehende CO2 aus den Abgasen abzuscheiden. Anstelle herkömmlicher Luft wird in der Verbrennung reiner Sauerstoff verwendet, was die Emissionen drastisch reduziert. Das abgeschiedene CO2 wird anschließend aufbereitet und kann entweder in anderen Industrien weiterverwendet oder sicher gelagert werden. Dieses Verfahren stellt einen signifikanten Fortschritt im Bemühen dar, die Zementherstellung nachhaltiger zu gestalten.

    Dr. Cetin Nazikkol, Mitglied des Vorstandes von thyssenkrupp Decarbon Technologies, hebt hervor, dass Zement ein fundamentaler Baustoff ist, dessen Produktion jedoch erhebliche Mengen an CO2 freisetzt. Die innovative Technologie von thyssenkrupp bietet hier eine zukunftsfähige Lösung, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Das Werk in Lägerdorf wird modellhaft zeigen, wie die Zementindustrie transformiert werden kann, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren und gleichzeitig die industrielle Produktion aufrechtzuerhalten.

    Das Engagement für eine klimaneutrale Zukunft wird auch von den lokalen Regierungsvertretern geteilt. Ministerpräsident Günther betont, dass Schleswig-Holstein an der Spitze der Energiewende steht und das Projekt in Lägerdorf ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg ist. Diese Entwicklung wird nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch neue Technologien fördern und nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Region und darüber hinaus anregen.

  • Kolbenmaschine soll mehr Strom aus Abwärme generieren

    Kolbenmaschine soll mehr Strom aus Abwärme generieren

    Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat ihrem ehemaligen Doktoranden Andyn Omanovic ein Entrepreneur Fellowship zugeprochen. Es soll zur Entwicklung einer neuartigen Kolbenmaschine beitragen, mit der die Gewinnung von Strom aus Abwärme gesteigert werden kann, erläutert die Empa in einer Mitteilung. Die Realisierung des Projekts wird die von Omanovic und dem Hydraulikexperten Wolfgang Schneider als Ausgründung der Empa und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) entstandene etavalve GmbH aus Zürich übernehmen.

    Derzeit findet die Umwandlung von Abwärme in Strom mehrheitlich mit Turbinen statt. Turbinen seien jedoch „vor allem für hohe Temperaturen und bei Leistungsanforderungen von mehreren hundert Megawatt effektiv“, erläutert Omanovic in der Mitteilung. „Aber für Temperaturbereiche von etwa 500 bis 900 Grad, bei denen die Abwärme unregelmässig anfällt, und bis zum Leistungsbereich von einigen Megawatt ist unsere Kolbenmaschine besser geeignet.“

    Mit der Energieversorgerin IWB in Basel hat das Jungunternehmen bereits eine Partnerin für einen ersten Praxistest gefunden. Bis Anfang 2025 will etavalve eine Pilotmaschine entwickelt haben, die IWB im Prozess der Umwandlung von Biomasse in Pflanzenkohle einsetzen wird. Das bei der sogenannten Pyrolyse anfallende Schwachgas enthält Methan und gasförmige Schadstoffe und muss gesetzlich vorgeschrieben verbrannt werden. Wenig später soll eine erste Kleinserie von Kolbenmaschinen für die Verbrennung von Schwachgasen folgen.