Schlagwort: Papierfabrik

  • Die Transformation des Papieri-Areals

    Die Transformation des Papieri-Areals

    Das Papieri-Areal im solothurnischen Biberist darf auf eine lange Industriegeschichte zurückblicken: Im Jahr 1862 begann seine Existenz als Standort der Papierfabrik «Papieri». Nach fast 150 Jahren stellte die Fabrik im Jahr 2011 den Betrieb ein, zuletzt im Besitz des internationalen Papierkonzerns SAPPI. In Folge erwarb die HIAG aus Zürich das 60’000 Quadratmeter umfassende Areal – mit dem Ziel, ein lebhaftes und vielseitiges Quartier zu erschaffen.

    Der hier stark verankerte Industrie-Esprit soll aber nicht verloren gehen: Das «Papieri» soll weiterhin gewerblich-industriell genutzt werden. Der Standort und Rahmenbedingungen des Areals sind hierfür nach wie vor optimal geeignet. Vom Bahnhof Biberist Ost aus ist das Gelände in wenigen Schritten erreichbar. Zudem wird es durch die Bushaltestellen Biberist Emmenbrücke sowie Biberist Derendingenstrasse (BSU) erschlossen. Weiter sind mittelfristig attraktive Fussgänger- und Veloverbindungen projektiert.
    Die HIAG hat in enger Absprache mit Kanton, Gemeinden und weiteren Anspruchsgruppen eine nachhaltige Entwicklungsstrategie ausgearbeitet. Bereits 2013 wurde in Zusammenarbeit mit fünf Architekturbüros ein städtebaulicher Studienauftrag durchgeführt. Die Erkenntnisse dieses Studienauftrags bildeten die Grundlage für den Masterplan, der 2015 in Abstimmung mit der Gemeinde Biberist fertiggestellt wurde. Derzeit läuft die Teilzonenplanrevision. Diese befindet sich in der kantonalen Vorprüfung.

    Die langfristige Planung sieht eine Aufteilung des Areals in zwei Teile vor: Das Areal «West» in der Nähe des Bahnhofs Biberist Ost umfasst rund ein Drittel der Gesamtfläche und soll ein für die Öffentlichkeit zugänglicher Bereich mit stillem Gewerbe, Dienstleistungen, Freizeit, Kultur und Wohnen werden. Noch sind keine konkreten Wohnprojekte geplant. Aber: «Die zukünftigen Nutzungsvorschriften erlauben im westlichen Areal einen Wohnanteil», sagt Dominik Ulrich, Projektentwickler der HIAG Immobilien Schweiz AG. Der östliche Bereich in Richtung Derendingen hingegen werde zum Arbeitsplatzgebiet für die produzierende Industrie transformiert.

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    Der Zugang zum öffentlich zugänglichen Westbereich des Areals erfolgt bereits heute vom Südwesten her. Zukünftig bildet dort der dreieckig angelegte Papier-Platz den Arealauftakt. Eingefasst wird der Platz durch das markante Bestandsgebäude Fabrikstrasse 1. Bis Mitte 2023 wird dieses für die geplanten Übergangsnutzungen fit gemacht: Im Erdgeschoss werden Flächen zwischen 160 und 1000 Quadratmeter an Gewerbe- und Dienstleistungsanbieter vermietet. Die Räume in den Obergeschossen eignen sich ideal für Gewerbe und Lager sowie Ateliers. Im Nachbargebäude stehen ausserdem Büros zur Verfügung. «Die Übergangsnutzung des Gebäudes 1 ist für bis zu zehn Jahre angedacht. Das Ziel ist die Etablierung von Nutzungen, die langfristig Bestand haben werden», erklärt Ulrich. Für die Öffnung des Areals war die Demontage des Maschinenparks Voraussetzung. Die Maschinen konnten in den letzten Jahren erfolgreich verkauft und an neue Besitzer überführt werden.

    Die Mitte des Areals und damit das Zent-rum bildet der Platz am Kanal: Derzeit laufen hier Rückbauten, um Freiflächen und Durchbrüche in den Hallenstrukturen zu schaffen. Bisher wurden bereits 17‘000 Tonnen Material rückgebaut. Die HIAG legt Wert auf Nachhaltigkeit: 14‘000 Tonnen davon werden vor Ort zu Granulat verarbeitet und wiederverwendet. Die Rückbauarbeiten sollen Ende dieses Jahres beendet sein. Ab Mitte 2023 ist der Neubau eines modernen Gebäudes geplant, welches rund 15‘000 Quadratmeter Nutzfläche für Gewerbe, Produktion und Büros bietet. Die ersten Mieter können voraussichtlich Ende 2024 einziehen. Laut Ulrich laufen aktuell konkrete Verhandlungen mit Mietinteressenten.

    In der Mitte des Areals laufen derzeit die Rückbauarbeiten.
  • Vom Papier zum Quartier

    Vom Papier zum Quartier

    «Der Baufortschritt der fünf Gebäude der ersten Bauetappe verläuft trotz der Pandemie termingerecht», sagt die Verantwortliche für Kommunikation, Kathrin Sonderegger. Beim südlichsten Hochhaus mit Eigentumswohnungen (Papieri-Suites) steht der Rohbau bereits bis zum fünften Obergeschoss. In den ehemaligen Papiermaschinenhallen PM1-4 erfolgen der Einbau neuer Treppenhäuser, Geschossdecken und Wohnungstrennwände sowie die denkmalpflegerische Sanierung der Fassade für die grosszügigen Loftwohnungen und -ateliers (Papieri-Lofts). Der parallel dazu verlaufende Neubau mit 160 Mietwohnungen – davon 30 im preisgünstigen Bereich – ist im Rohbau ebenfalls weit fortgeschritten. Auch die Maschinengasse, die zwischen den beiden Gebäuden entsteht, wird langsam erkennbar. Diese wird Ende 2022 durch die verschiedenen Nutzer der ein- oder zweistöckigen angrenzenden Ateliers belebt. Derzeit im Bau befinden sich die Tiefgaragen 1 und 2, deren Abstellplätze zukunftstauglich mit Ladestationen für Elektroautomobile ausgerüstet werden können.

    Planung der zweiten Bauetappe weit fortgeschritten
    Die frisch sanierte und denkmalgeschützte Lokremise wurde Ende Jahr ihrem neuen Besitzer übergeben. Sonderegger sagt: «Damit wurde nach der Sanierung des Werkstattgebäudes die zweite gewerbliche Umnutzung eines historischen Gebäudes auf dem Areal Realität.» Ende Jahr startete auch der Bau der neuen Ringstrasse (Papieri-Ring), welche zur Haupterschliessung des Areals gehört und die Gebäude der zweiten Bauetappe umrundet. Im Rahmen der zweiten Bauetappe werden neben dem gewerblich genutzten Ersatzbau des Silogebäudes zwei Wohnhochhäuser mit 61 Eigentums- und 36 Mietwohnungen gebaut. In den Erdgeschossen sind Gewerbeflächen und eine Kindertagesstätte geplant. 64 Mikroapartments ergänzen das Wohnangebot.

    CO2-neutrales Energiesystem
    Die Verantwortlichen der Arealentwicklung verfolgen die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft. Erwähnenswert ist die nachhaltige Energieversorgung des Papieri-Areals mit einer autarken, CO2-neutralen Wärme- und Kälteversorgung. Ein signifikanter Stromanteil wird durch das eigene Flusskraftwerk und Photovoltaikanlagen auf den Gebäudedächern erzeugt. Der Bau der Energiezentrale ist abgeschlossen und die Installation der technischen Anlagen in vollem Gange. Ebenfalls als Bestandteil des Energiesystems wurden bereits rund 100 Erdsonden auf eine Tiefe von 320 Meter gebohrt und eingebracht. Das Energiesystem wird im Herbst 2021 in Betrieb genommen, sodass die zwischengenutzten bestehenden Häuser und die sich im Bau befindenden Gebäude bereits diesen Winter mit nachhaltiger Wärme beliefert werden können. «Nebst der Baubewilligung liegt auch die Konzession des Kantons für den Betrieb des Flusskraftwerks vor, dessen Sanierung im Frühsommer 2021 startet. Der Bereich der ehemaligen Abwasserreinigungsanlage (ARA) wird im nächsten Jahr vollständig renaturiert, landschaftlich umgestaltet und mit einem kleinen Flussarm ergänzt», so Sonderegger.

    Grosses Interesse
    Schon jetzt nimmt die Cham Group ein grosses Interesse aus der Bevölkerung wahr: «Die Anwohner informieren sich, was auf dem Areal passiert, und wir bemühen uns um entsprechende Updates», sagt Sonderegger. Leider verunmögliche die Coronapandemie derzeit Veranstaltungen wie der 2019 durchgeführte Tag der offenen Baustelle für Anwohner und Interessierte. Die Reaktionen seien damals überwältigend gewesen. «Dasselbe zeigt sich auch im Verkauf: Das Vertrauen in unsere Arealentwicklung und das Quartier, welches hier entsteht, ist gross. Innert Wochenfrist waren die ersten Wohnungen, die Ende 2019 auf den Markt kamen, reserviert. Über 3000 Personen haben unseren Newsletter abonniert.» Ein Grund für das Vertrauen liege sicher darin, dass die Cham Group als Eigentümerin und Bauherrin vor Ort sein. Das Team hat seine Büros auf dem Areal und ist so am Puls des Geschehens. Auf Anregungen kann reagiert werden, Feedbacks und Inputs fliessen direkt ein, und allfällige Vorbehalte werden entschärft.

    Am 4. Juni 2020 wurde bei der Grundsteinlegung eine Zeitkapsel mit zeittypischen Gegenständen gefüllt und in das Fundament der ersten Bauetappe eingebaut. Sie soll das Bauprojekt für nachfolgende Generationen dokumentieren. Was war der speziellste Gegenstand? Sonderegger erklärt mit einem Lachen: «In Anbetracht dessen, dass wir momentan nicht mal mehr in einem Restaurant Mittagessen können, und viele diese gemeinsame Zeit im Team vermissen, sind wohl die aktuellen Menükarten aus den umliegenden Restaurants Gegenstände von besonderer Relevanz. Wer weiss, ob in 100 Jahren noch Fleisch gegessen wird – dann gehören Hackfleisch-Tätschli vielleicht zu einem vergessenen Essen.»