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  • Digitalisierung in der Immobilienbranche: Fortschritt mit Gegenwind

    Digitalisierung in der Immobilienbranche: Fortschritt mit Gegenwind

    Der digitale Reifegrad der Branche ist 2025 leicht gesunken. Das zeigt der Digital Real Estate Index 2025: Auf einer Skala von 1 bis 10 steht der Digitalisierungsgrad der Immobilienbranche derzeit bei 4,0 Punkten, ein Rückschritt im Vergleich zum Vorjahr (2024: 4,6 Punkte). Die Gründe dafür sind vielfältig.  Steigende Komplexität, unzureichende Datenqualität, Kostendruck. Diese Entwicklung betrifft fast alle Unternehmensgrössen und Rollen, aber mit unterschiedlichem Ausmass.

    Der digitale Graben wird tiefer
    Besonders deutlich zeigt sich ein «Digital Divide» bei der Unternehmensgrösse. Obwohl der Rückgang alle Kategorien betrifft, kämpfen vor allem kleine Firmen am stärksten mit Aufwand und Finanzierung der Digitalisierung. Mittelgrosse und grosse Unternehmen können ihren Vorsprung teilweise halten.

    Rollen im Wandel
    Grosse Unterschiede zeigen sich zwischen den verschiedenen Rollen. Facility-Management-Dienstleistende und Bewirtschaftende konnten ihre digitale Reife sogar leicht erhöhen. Anders sieht es bei Planern, Bauunternehmen sowie auf der Eigentümer- und Investorenseite aus: Hier macht sich Ernüchterung in Bezug auf die digitale Reife breit. Insbesondere die durchgängige Nutzung von Building Information Modeling (BIM) über den gesamten Lebenszyklus hinweg bleibt eine grosse Herausforderung. Nutzende und Mietende wiederum schätzen ihre digitale Reife kritischer ein als noch im Vorjahr.

    Gefühlte Stagnation statt Aufbruchstimmung
    Die Wahrnehmung der Branche deckt sich zunehmend mit den gemessenen Werten. Bereits im Vorjahr konnte man eine Zunahme der kritischen Einschätzungen beobachten. Ein Trend, der sich in diesem Jahr sogar noch stärker zeigt. Ein Grossteil der Befragten spricht von Stagnation, weniger von grossen Fortschritten.

    Technologien: Nutzen erkannt, Nutzung beschränkt
    Künstliche Intelligenz hat ihren Platz im Bewusstsein der Branche gefunden. In der Rangfolge der nützlichsten digitalen Technologien belegt Artificial Intelligence & Machine Learning den dritten Platz. Angesichts der rasanten Entwicklung und der zunehmenden Präsenz von KI in Form von Large Language Models (LLM) wenig überraschend. Der tatsächliche Einsatz hinkt allerdings hinterher: nicht einmal bei einem Fünftel der Befragten ist die Technologie bereits im Einsatz. Ähnliches zeigt sich bei Data Analytics. Auch darin sieht die Branche einen hohen Nutzen und bemüht sich um zunehmenden Einsatz, aber das Potenzial ist nach wie vor nicht ausgeschöpft. Plattformen und Portale bleiben der Spitzenreiter unter den Technologien.

    Fazit: Reife bedeutet auch Reflexion
    Der aktuelle Rückgang der digitalen Reife markiert keinen Rückschritt, sondern eine Phase der Einordnung. Denn die Immobilienwirtschaft hat erkannt, dass digitale Reife nicht durch den Kauf von Tools entsteht, sondern durch ihren messbaren Nutzen. Nach einem ersten Digitalisierungsschub folgt Ernüchterung, ausgelöst durch hohe Integrationsaufwände, fehlende Standards und unzureichende Datenstrategien. Gleichzeitig ist das Verständnis für den eigenen Reifegrad gewachsen.

    Damit wird der Blick kritischer, aber auch klarer. Die Erkenntnis wächst, dass viele digitale Initiativen scheitern, weil sie als reine IT-Projekte umgesetzt werden und organisationale wie menschliche Faktoren zu wenig Beachtung finden. Ohne klare Governance, passende Kompetenzen und die konsequente Einbindung der Mitarbeitenden bleibt der Mehrwert begrenzt.

    Eine realistischere Haltung eröffnet die Chance, künftige Schritte gezielter, wirksamer und langfristig erfolgreicher zu gestalten. Echter Fortschritt stellt sich ein, wenn digitale Transformation nicht länger als Projekt mit Enddatum betrachtet wird, sondern als dauerhafte Führungsaufgabe anerkannt wird.