Schlagwort: Regulierung

  • Früh prüfen, günstig scheitern

    Früh prüfen, günstig scheitern

    SSbD ist ein ganzheitlicher Innovationsrahmen der Europäischen Union. Neue Chemikalien, Materialien, Produkte und Technologien sollen von Beginn an so entwickelt werden, dass sie sicher für Mensch und Umwelt sind – und das über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dahinter steckt ein klares Prinzip: Risiken früh erkennen und günstig korrigieren, statt spät und teuer reagieren. Die EU nennt es treffend «fail early and fail cheap».

    64 Prozent Übereinstimmung mit EU-Recht
    Die Empa untersuchte im Rahmen des EU-Projekts IRISS 15 zentrale EU-Verordnungen, die für die europäische Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette relevant sind. Darunter die Chemikalien-, Batterie- und Verpackungsverordnung sowie die Abfallrahmenrichtlinie. 64 Prozent dieser regulatorischen Anforderungen sind bereits im SSbD-Rahmen abgedeckt. «SSbD verlangt in vielen Fällen genau jene Daten und Bewertungen, die Unternehmen später ohnehin für die regulatorische Konformität brauchen», erklärt Studienautor Akshat Sudheshwar von der Empa.

    PFAS als mahnendes Beispiel
    Die Risiken der sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS wurden bei ihrer Einführung mehrheitlich erkannt, jedoch über Jahrzehnte ignoriert. Heute reichern sie sich in Organismen an, sind in der Umwelt nicht abbaubar und verursachen enorme Kosten. Mit einem SSbD-Ansatz hätten diese Risiken früh adressiert werden können. Das Beispiel zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn Unternehmen Sicherheit und Nachhaltigkeit erst nachträglich einplanen.

    Mehraufwand, der sich rechnet
    SSbD erhöht den Aufwand in der frühen Entwicklungsphase, das räumt auch Sudheshwar ein. Wer früh investiert, vermeidet spätere Kosten durch Produktverbote, Sanierungspflichten oder Marktanpassungen. Zentrales Erfolgskriterium für Unternehmen ist die Fähigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit früh zusammenzudenken und die nötige Expertise in beiden Bereichen aufzubauen.

    Grenzen und politischer Handlungsbedarf
    Verlässliche Daten, toxikologische Informationen und robuste Methoden fehlen bislang. Der SSbD-Rahmen anerkennt diese Lücke ausdrücklich und ist anpassungsfähig. Auf politischer Ebene empfiehlt die Studie Anreize für Unternehmen und regulatorische Erleichterungen sowie Patentverlängerungen oder wirtschaftliche Vorteile könnten den Einstieg erleichtern. Langfristig soll SSbD häufiger Eingang in EU-Verordnungen finden, nicht zwingend als Pflicht, sondern als strategische Orientierung.

  • Group of 15: Gemeinsames Plädoyer für eine geeinte Immobilienwirtschaft

    Group of 15: Gemeinsames Plädoyer für eine geeinte Immobilienwirtschaft

    Die Schweizer Immobilienbranche wird mancherorts mit Argusaugen betrachtet – vor allem bei der Frage, wie es um den Wohnungsmarkt bestellt ist. Gibt es genügend Wohnraum an den zentralen Standorten? Warum steigen die Mietzinse in den Metropolregionen stark und ständig? Welchen Einfluss haben Gemeinden, Kantone und Bundesbern auf die Aktivitäten der institutionellen Immobilienwirtschaft? Und mit welcher Stimme spricht überhaupt die Branche im ganzen Land?

    Die professionelle, institutionelle wie kommerzielle Immobilienwirtschaft steht zweifelsohne unter Beobachtung. Sie befindet sich unbestritten in einem grossen Spannungsfeld: zwischen wachsender Regulierung, gesellschaftlichem Wandel zugleich und vielerorts dem Ruf nach Innovation, Erneuerung und Gerechtigkeit. Die Köpfe und Planer des 25. Symposiums der 2001 gegründeten Group of 15, der Denkfabrik der Schweizer Immobilienwirtschaft, stellten im Vorfeld des Anlasses die zu beantwortenden Fragen: Was bedeutet Zukunftsfähigkeit in einem Markt, der zunehmend kontrovers diskutiert wird? Wie lassen sich wirtschaftliche Anreize mit sozialer Verantwortung und nachhaltiger Stadtentwicklung vereinen? Und: Wie viel staatlicher Eingriff ist nötig – oder zu viel?

    «Verordnungswahn eindämmen»
    Für den in Basel geborenen Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger ist klar: der staatliche Einfluss auf die Bau- und Immobilienbranche ist riesengross – und gehört eingedämmt. Der Professor für politische Ökonomie sowie Direktor und Gründer des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern und ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied von economiesuisse kritisierte Bern und seine Behörden. Dort grassiere Subventionitis und Klientelpolitik in Reinform. «Der Bund ist doppelt so gross wie die Staatsquote impliziert», sagte er vor den rund 300 Gästen des Symposiums im Zürcher Kunsthaus.

    Der Schweizer Staat wachse mehr als doppelt so schnell wie die Produktivität der Wirtschaft und häufe mittlerweile «implizite Schulden von über 300 Prozent der Wirtschaftsleistung» auf, so Schaltegger weiter. Seine Forderung: der «Sturzenegger-Ansatz», eine Grundreinigung der Staatsfinanzen à la Argentinien. Zugleich plädierte er dafür, die Regulierungstätigkeit des Bundes stark zurückzuschrauben. Er verwies dabei auf seit den 1970er Jahren stark zugenommene Zahl an Verordnungen und Dekrete. Von diesen Bundesentscheidungen beträfen viele natürlich auch auch den hiesigen Bau- und Immobiliensektor.

    Heilmittel Künstliche Intelligenz?
    Prof. Dr. Christian Kraft, Leiter des Kompetenzzentrums Immobilien an der Hochschule Luzern, widmete sich danach dem Thema der baulichen (Un-)Ordnung und zugleich der Frage, ob eventuell Künstliche Intelligenz die Investitions­sicherheit im „Chaos der Deutschschweizer Baugesetze“ fördern könne. Seine Antwort: ein klares Jein. Die aktuelle, teils standortgebundene Unsicherheit habe vor allem auch mit längeren Bewilligungsdauern für Immobilienprojekte auf Stufe BZO zu tun. So habe sich zwischen 2011 und 2024 etwa die mittlere Bewilligungsdauer von einst unter 100 Tagen auf nun fast 200 Tage im Mittel erhöht. Hinzu komme, dass in letzter Zeit (seit 2020) ein starker Anstieg von 20 bis 30 Prozent bei den Planungs- und Baukosten von Mehrfamilienhäusern festzustellen sei, so Kraft.

    Gelungener Quartiersmix und fatale Einsprachen
    Im Anschluss zeigte Dr. Sibylle Wälty, Dozentin an der ETH Zürich und Gründerin von Resilientsy, auf, welche Mehrwerte das Konzept der „10-Minuten-Nachbarschaften“ in der Nutzungsplanung schaffen können. Ihr Forschungs- und Beratungsfokus richtet sich dabei auf einen austarierten Mix aus Wohn- und Arbeitsbevölkerung sowie weitere wichtige Faktoren für lebenswerte Stadtquartiere. Danach beleuchtete Dr. Wolfgang Müller, Partner & Head Real Estate bei der Firma MLL Legal Ltd., den „Raum für Widerspruch“. Er erläuterte, wo die aktuelle Rechtsprechung Einsprechenden und „Projektverhinderen“ Hand bietet und welche Schlüsse daraus Politik wie auch die Immobilienbranche ziehen könnten und sollten.

    Anstand und Rücksicht im Wohnungsbau
    Nach der Kaffeepause ging der Symposiumsvortrag von Paolo Di Stefano mit dem Titel „Mehr Freiheit und Selbstverantwortung“ nach- wie eindrücklich darauf ein, wie Immobilieninvestoren „vom Problem zur Perspektive“ kommen und Wohnimmobilien „zukunftsfähig“ machen können. Der erfahrene Leiter Immobilien Schweiz bei Swiss Life Asset Managers (mit rund 37’000 Wohneinheiten schweizweit im Bestand) zeigte dabei u.a. ein gelungenes Beispiel für Bestandssanierung ohne Leerkündigungen an der Schmiede in Zürich-Wiedikon. Zudem präsentierte er mit dem Au-Park in Wädenswil ein fast fertiges grosses Neubauprojekt, in dem neben rund 200 Mietwohnungen auch viele Einheiten im Stockwerkeigentum von Swiss Life Asset Managers realisiert werden.

    Er plädierte und appellierte zugleich eindringlich an die Vertreterinnen und Vertreter der Immobilienwirtschaft am Symposium mit einer Stimme mit der Politik wie mit der Bevölkerung zu sprechen. Dabei wies er auch durchaus selbstkritisch darauf hin, dass beispielsweise die gegenwärtige Vertretung des Bauernstandes im Schweizer Nationalrat und Ständerat weitaus gewichtiger und einflussreicher sei als die der Bau- und Immobilienbranche. Di Stefano warnte davor, dass im „politischen Powerplay“ spekulative Gebäudeinvestoren und langfristig orientierte institutionelle Investoren zuweilen in einen Topf geworfen würden. Dem gelte es gemeinsam argumentativ entgegenzuwirken und aufzuzeigen, dass „anständiges Bauen auch Rücksichtnahme“ bedeute.

    «Einfach gute und überzeugende Projekte machen»
    Den Abschluss des Group-of-15-Grossanlasses im Zürcher Kunsthaus bildete ein leicht gepfefferter Zukunftstalk von Tagungsmoderator Rainer Maria Salzgeber mit Nationalrat Beat Walti (FDP) und der grünliberalen Regierungsrätin Esther Keller (Kanton Basel-Stadt). Sie stimmten überein, dass Regulierungen im Bausektor nicht weiter wild wachsen dürften und man vor allem Ermessensspielräume bei Immobilienprojekten möglich machen müsse. Beide warnten vor einer „unheiligen politischen Allianz zwischen Links und Rechts“, welche durchaus kontraproduktive Folgen auf die Immobilienwirtschaft haben könne.

    Beat Walti, der seit 2023 Präsident des VIS Verband Immobilien Schweiz ist, welcher die Interessen von institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherern sowie privaten Immobilienunternehmen in Bundesbern vertritt, forderte von der Immobilienbranche, der er eingangs warnend eine „gelbe Karte“ vorhielt: „Zeigen Sie, was Sie bauen und machen, um damit auch Vertrauen zu schaffen – bei der Politik und bei der breiten Bevölkerung“. Esther Keller, Vorsteherin im städtischen Basler Bau- und Verkehrsdepartement, stimmte dem zu und fasste in ihrem Schluss-Statement kurz und knapp ihre Forderung zusammen: „Machen Sie einfach gute und überzeugende Projekte“.

  • G15 Symposium: Fortschritt statt Vorschrift – Fesseln lösen, Zukunft gestalten

    G15 Symposium: Fortschritt statt Vorschrift – Fesseln lösen, Zukunft gestalten

    Die Schweiz gilt trotz ihrer vermeintlichen Resilienz nicht mehr als Insel, auf der globale Branchenimpulse wirkungslos bleiben. Themen wie Digitalisierung, Wohnraumverknappung und Klimadruck verschärfen den Handlungsdruck für Marktteilnehmer. Gleichzeitig bleibt die Regulierung ein zentrales Spannungsfeld. Wie viel staatlicher Eingriff ist angemessen, damit Innovation nicht zum Stillstand kommt, aber Fehlentwicklungen korrigiert werden? Genau diesem Wechselspiel widmet sich das Symposium der Group of Fifteen mit bieten Positionen und multiperspektivischen Beiträgen.​

    Positionen von Reputation bis Regulierung
    Das diesjährige Podium versammelt Experten verschiedenster Disziplinen. Prof. Dr. Christian A. Schaltegger widmet sich der Gratwanderung zwischen Image, Einfluss und Innovation. Für ihn ist ein vertrauensvolles Umfeld essentiell, damit die Branche nachhaltige und zukunftsgerichtete Investmentmodelle entwickeln kann.

    Prof. Dr. Christian Kraft beleuchtet mittels empirischer Beispiele, inwiefern der Einsatz von KI helfen kann, Investitionsentscheidungen trotz regulatorischer Unsicherheiten abzusichern. Seine Erfahrungen zeigen, dass datenbasierte Entscheidungshilfen immer wichtiger werden. Dabei jedoch sowohl neue Chancen als auch Risiken schaffen.

    Nutzungskonzepte und Partizipation als Hebel
    Dr. Sibylle Wälty von der ETH Zürich bringt mit dem 10-Minuten-Nachbarschaftsmodell eine neue stadtplanerische Perspektive ein. Sie zeigt, wie verdichtete, heterogene Quartiere urbane Qualitäten stärken und nachhaltigen Mehrwert erzielen. Der Aspekt der sozialen Akzeptanz und die frühzeitige Einbindung lokaler Akteure stehen dabei im Mittelpunkt.

    Rechtsexperte Dr. Wolfgang Müller schildert den oft unterschätzten Einfluss von Einsprechrechten und deren Wirkung auf Projektträgerschaft und Zeithorizonte, zwischen demokratischer Mitsprache und Innovationsbremse.

    Transformative Ansätze und Branchendialog
    Wichtig wird der Blick nach vorn. Paolo Di Stefano präsentiert praxistaugliche Strategien, damit Immobilienportfolios auch unter veränderten Rahmenbedingungen resilient bleiben. Im «Zukunftstalk» diskutieren Nationalrat Beat Walti und Regierungsrätin Esther Keller, wie die Branche in zehn Jahren aussehen könnte. Insbesondere, wie Gesetzgebung, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel ineinandergreifen sollten, um Fortschritt statt Stillstand zu ermöglichen.

    Plattform für Dialog und Transformation
    Die Group of Fifteen ist mehr als ein Branchennetzwerk. Sie bietet eine unabhängige Dialogplattform, die Fachleute aus Immobilien, Recht, Politik und Wissenschaft regelmässig zusammenbringt, um neue Denkansätze zu entwickeln. Die den Transformationsprozess der Branche konstruktiv unterstützen, Orientierung bieten und das Bewusstsein schärfen und dass letztlich die Zusammenarbeit, Offenheit und Engagement die Grundlage für echte Innovation bilden.

    Weitere Informationen finden Sie unter:
    https://group-of-fifteen.ch/

  • Wirtschaftliche Resilienz der Schweiz im Fokus

    Wirtschaftliche Resilienz der Schweiz im Fokus

    Die Schweiz steht vor neuen Herausforderungen, doch ihre wirtschaftliche Stärke beruht auf klaren Erfolgsfaktoren wie Eigenverantwortung, Dezentralität, Innovationskraft und internationale Vernetzung. Diese Kernpunkte stellte Wirtschaftsminister Albert Rösti in seiner Keynote eindrücklich heraus. Mit dem Verweis auf historische Wurzeln und aktuelle Risiken machte er deutlich, Wohlstand ist kein Selbstläufer. Statt auf Etatismus zu setzen, brauche es ordnungspolitische Klarheit und die Rückbesinnung auf bewährte Prinzipien wirtschaftlicher Freiheit.

    Zollschocks und Verhandlungsgeschick
    Staatssekretärin Helene Budliger Artieda gewährte Einblicke in die weltwirtschaftlichen Verhandlungen und betonte: «Die jüngsten US-Zölle kamen überraschend. Doch die Schweiz bleibe handlungsfähig, weil sie ihre Handelsbeziehungen breit diversifiziert und aktiv pflegt.» Offenheit gegenüber Partnern wie der EU, den USA und China sei nicht Beliebigkeit, sondern strategische Notwendigkeit. Die Resilienz der Schweizer Wirtschaft gründe auf dieser breiten Basis und einem klaren Blick für geopolitische Realitäten.

    Robuste Fundamente, kluge Zurückhaltung
    In mehreren Panels wurde deutlich, die Schweiz verfügt über starke institutionelle Rahmenbedingungen, doch sie muss wachsam bleiben. Ökonom Gunther Schnabl und Ex-Finanzdirektor Serge Gaillard warnten vor einem Aufweichen der Schuldenbremse und mahnten zu fiskalischer Disziplin. Gleichzeitig lobten sie das Niveau der politischen Debatten in der direkten Demokratie, die breite Beteiligung an wirtschaftlichen Grundsatzfragen ermögliche.

    Wirtschaftsmodell zwischen Globalplayern und KMU
    Die Schweizer Stärke liegt nicht nur in multinationalen Konzernen, sondern ebenso in regional verwurzelten KMU. Diese Kombination, so Historiker Tobias Straumann, sorge für Innovationskraft und Stabilität. Vertreterinnen wie Suzanne Thoma (Sulzer) und Urs Furrer (SGV) forderten praxisnahe Lösungen für die Fachkräftesicherung und weniger regulatorische Hürden. Die neue Verhandlungsbasis mit der EU biete Chancen, müsse aber klug umgesetzt werden.

    Wachsamkeit ist kein Widerspruch zu Stärke
    Die Schweiz steht auf einem starken Fundament, doch dieses verlangt Pflege. Institutionelle Stabilität, hohe Innovationsfähigkeit, aussenwirtschaftliche Offenheit und politische Souveränität machen den Standort zukunftsfähig. Das Wirtschaftspodium sendet ein klares Signal, Selbstvertrauen ja, Selbstzufriedenheit nein. Wer die Schweiz stärken will, muss Spielräume klug nutzen, statt auf vermeintliche Sicherheiten zu bauen.

  • Erkenntnisse vom «Fokus Standort» des Kantons Zürich

    Erkenntnisse vom «Fokus Standort» des Kantons Zürich

    Um den Kanton Zürich langfristig als attraktiven Wirtschaftsstandort zu positionieren, setzt die Volkswirtschaftsdirektion auf Dialog und Zusammenarbeit. Beim «Fokus Standort» wurden aktuelle Trends und Herausforderungen analysiert, darunter Digitalisierung, Fachkräftemangel und regulatorische Entwicklungen.

    Die Diskussion basierte auf der «Trendanalyse Standort Kanton Zürich», die vier zentrale Einflussfaktoren identifizierte: Künstliche Intelligenz und Automatisierung, demografischer Wandel, zunehmende Regulierungsdichte sowie die wirtschaftliche Unsicherheit im Verhältnis zur EU.

    Workshops zu zentralen Standortthemen
    In vier themenspezifischen Workshops wurden Herausforderungen und Lösungsansätze vertieft behandelt.

    Fachkräfte: Wie kann die Arbeitsmarktsituation durch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, technologische Innovationen und längere Lebensarbeitszeiten stabilisiert werden?

    Technologie: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in Unternehmen und Bildungseinrichtungen, und wie können digitale Kompetenzen gezielt gefördert werden?

    Regulierung: Wie lassen sich Unternehmen trotz steigender administrativer Anforderungen entlasten, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?

    Mobilität: Welche Konzepte können Wegdistanzen reduzieren und nachhaltige Verkehrslösungen fördern?

    Die erarbeiteten Massnahmen sollen nun in Arbeitsgruppen weiterentwickelt und in konkrete Handlungsempfehlungen überführt werden.

    Demografischer Wandel und Arbeitskräftemangel
    Regierungsrätin Carmen Walker Späh eröffnete die Diskussion zur demografischen Entwicklung. Sie betonte, dass der steigende Renteneintritt und die geringe Zahl an Nachwuchskräften eine grosse Herausforderung für den Arbeitsmarkt darstellen. Neben einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien technologische Effizienzsteigerungen sowie eine längere Lebensarbeitszeit zentrale Lösungsansätze.

    In der abschliessenden Paneldiskussion mit führenden Wirtschafts- und Branchenvertreter wurden weitere Strategien gegen den Arbeitskräftemangel erörtert. Der Kanton Zürich setzt damit gezielt auf einen konstruktiven Austausch, um den Wirtschaftsstandort zukunftssicher zu gestalten.

  • Quotenspielraum nutzen, bevor sich das Fenster schliesst

    Quotenspielraum nutzen, bevor sich das Fenster schliesst

    Dass die Immobilienquoten in vielen institutionellen Portfolios die gewählten oder regulatorischen Grenzen bereits erreicht oder teilweise sogar überschritten haben, steht ausser Zweifel. In der jahrelangen Niedrigzinsphase wurde das Immobilien-Exposure zum Teil massiv ausgebaut, weil die regelmässigen Cashflows als geeignetes Substitut für Obligationenerträge galten.

    Ohne einen neuen Franken die Immobilienquote gerissen
    Mit den Kursrückgängen an den Aktien- und Anleihemärkten im Jahr 2022 trat der sogenannte Denominator-Effekt zutage: Die Immobilienquote stieg (ungewollt) weiter, ohne dass ein einziger Franken neu in Immobilien investiert worden wäre, einzig weil die Anteile der anderen Assetklassen relativ zu den Immobilien an Wert verloren. Durch diese passiven Wertverschiebungen sieht sich nun mancher Investor mit einer ausgeschöpften oder gar überhöhten Immobilienquote konfrontiert. Ohne anderslautende Vorgaben gilt für schweizerische Pensionskassen zum Beispiel höchstens 30 Prozent in Immobilien zu investieren, davon maximal ein Drittel im Ausland.

    Vor diesem Hintergrund scheint es zunächst einmal nicht umsetzbar, bei sich bietenden Opportunitäten zuzugreifen und weitere Immobilieninvestments – sei es direkt oder über Fonds – zu tätigen. Ihnen sind scheinbar die Hände gebunden. Das ist ausgerechnet in einer Marktphase wie dieser, in der man antizyklisch agieren könnte, sehr ungünstig.

    Keiner will, aber manche müssen verkaufen
    Nach vielen Jahren, in denen die Immobilienpreise von Rekord zu Rekord geeilt sind, wird es in den kommenden Monaten relativ günstige Kaufangebote am Markt geben. Warum? Verlieren die Immobilienmärkte etwa an Attraktivität? Keineswegs, strukturell sind und bleiben Immobilien im DACH-Raum oder auch in den USA höchst attraktiv. Denn die Nachfrage vor allem nach Wohnimmobilien in den grossen Städten steigt und steigt und kann durch Neubau nicht gedeckt werden. In Deutschland ist man weit von dem Ziel entfernt, die 400’000 neuen Wohnungen pro Jahr zu fertigzustellen, die sich die Bundesregierung vorgenommen hatte. In der Schweiz, in den USA oder in Österreich ist es im Grundsatz nicht anders. Raiffeisen-Chefvolkswirt Martin Neff warnt sogar vor Wohnungsnot in der Schweiz.

    Am Potenzial für die Cashflows hat sich ebenfalls nichts geändert. Ja, die Renditeerwartungen sind gestiegen, was zum Teil etwas niedrigere Bewertungen zur Folge hat. Aber die Immobilie als Assetklasse an sich ist nicht der entscheidende Faktor für das sich ergebende Opportunitätsfenster, sondern die spezifische Situation vieler Eigentümer.

    Spätestens Mitte 2024 schliesst sich das Fenster wieder
    Grosse Bestandshalter müssen in den kommenden Monaten zum Teil Milliarden an auslaufenden Verbindlichkeiten wie Bankdarlehen oder Anleihen refinanzieren, aufgrund der Zinswende aber zu deutlich teureren Konditionen. Mitunter wird das benötigte Fremd- und Eigenkapital auch gar nicht zur Verfügung stehen. Dann wird Liquidität benötigt – und die Eigentümer sind zum Verkauf eines Teils ihres Portfolios gezwungen.

    Doch am Markt treten kaum Käufer auf, weil vor allem die institutionellen Investoren – siehe oben – ja ihre Quoten ausgeschöpft haben. Dann freuen sich die Schnäppchenjäger, die sich von starren Quoten nicht ausbremsen lassen. Und wenn sich das Fenster wieder schliesst und sich die Preise wieder normalisieren – was gegen Mitte 2024 wahrscheinlich der Fall sein wird –, werden die Institutionellen mit einem gewissen Neid auf die jetzt aktiven Käufergruppen schauen.

    Sich nicht in der starren Quote bequem einrichten
    Doch so weit muss es gar nicht kommen. Dazu braucht es aber die Bereitschaft, sich von dem etwas versteiften Verweis auf die Quoten zu lösen. Umgangssprachlich könnte man sagen, dass es an der Zeit ist, die Strassenseite zu wechseln und eine andere Perspektive einzunehmen, die vor allem die Chancen sieht und nach Wegen sucht, diese wahrzunehmen. Das gilt besonders auch im Interesse der Destinatäre, die aufgrund der angestiegenen Inflation mit einem markanten Kaufkraftverlust ihrer Anlageerträge konfrontiert sind.

    So sieht die Regulierung in der Schweiz durchaus Möglichkeiten vor, die Quotenregelung anzupassen. Demnach sind Pensionskassen dazu verpflichtet, für ihre Anlagegelder eine angemessene Risikoverteilung zu wahren sowie ihre kurz- und langfristigen Verpflichtungen einhalten zu können. Um das zu erreichen, können sie auch von Quotenregelungen abweichen.

    Für die Anlagequoten gilt mit gewissen zwingenden Einschränkungen das Prinzip «Comply or Explain». Also: Erfülle die Vorschriften – oder falls nicht: erläutere, warum. Die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV 2) bietet diesen Spielraum im Rahmen der Asset- und Liability-Verpflichtungen, freilich solange der Grundsatz einer angemessenen Risikoverteilung und der dauernd gewährleisteten Erfüllung der Verpflichtungen gewahrt wird.

    Stiftungsräte sind am Zug
    Allerdings ist das ein strategisches Thema, bei dem besonders auch die Stiftungsräte gefordert sind. Sie müssen die entsprechenden Entscheidungen fällen und in ihren Reglements verankern. Und noch davor müssen die entsprechenden Chancen- und Risikobeurteilungen und eine darauf basierende Diskussion initiiert werden.

    Zeit also, sich über Chancen zu unterhalten und den grossen Herdentrieb zu hinterfragen. Dazu braucht es nur ein bisschen Mut und Entschlossenheit.

  • BKW lanciert digitale Plattform für Energieversorger

    BKW lanciert digitale Plattform für Energieversorger

    Mit ihrer neuen digitalen Plattform Energy Business will das Berner Energie- und Infrastrukturunternehmen BKW laut einer Medienmitteilung Schweizer Energieversorgern Unterstützung in vier Bereichen geben: Cyber-Sicherheit, Recht und Regulierung, innovative Produkte für Endkunden sowie Kundenservice. Zu diesem Zweck hat sie Anfang November die Plattform e4u lanciert.

    Die Energieversorger stünden vor einer anspruchsvollen Zukunft, heisst es dort. „Deshalb wollen wir zusammenspannen mit einem klaren Ziel: Wirtschaftlicher Erfolg durch Skalierung, Synergien und die Nutzung praxiserprobter Lösungen. Wir glauben, dass wir dies nur gemeinsam schaffen können.“ Damit bekenne sich die BKW zu einer langfristigen Partnerstrategie mit anderen Energieversorgern in der Schweiz, schreibt sie in ihrer Mitteilung.

    In einer ersten Phase biete die BKW auf der Plattform Dienstleistungspakete an, die anderen Energieversorger Zugang zu ihren praxiserprobten Kompetenzen ermöglichen. Parallel dazu plane sie verschiedene Bildungsaktivitäten. Zudem offeriere sie auch „individualisierte Beratungsdienstleistungen für komplexe Bedürfnisse“.

    Auf der Plattform könnten sowohl Energieversorger als auch grosse Endverbraucher die Beschaffung ihrer Energie in einem einzigen System abwickeln. Die Plattform selbst sei in enger Zusammenarbeit mit BKW-Kunden entwickelt worden.