Schlagwort: Renaturierung

  • Der Flughafen Zürich beginnt mit Renaturierung

    Der Flughafen Zürich beginnt mit Renaturierung

    Der Glattabschnitt auf der Westseite des Flughafens Zürich soll laut einer Medienmitteilung ökologisch aufgewertet und renaturiert werden. Die im Frühjahr 2025 beginnende  Revitalisierung im Abschnitt zwischen Opfikon und Rümlang verfolge das Ziel, die Artenvielfalt zu erhöhen und die Naherholung zu fördern.

    Das Projekt soll ein Ausgleich für Eingriffe in die Landschaft durch mehrere aktuelle und geplante Bauprojekte im Rahmen der Flughafenerweiterung sein. Der Glattraum werde für die Bevölkerung zu einem attraktiven, grossräumigen Erholungsraum.

    Als Grundlage dient das vom Kanton Zürich erarbeitete Konzept Landschaftsentwicklung Glattraum Rümlang/Oberglatt. Vorgesehen sei eine Gesamtmassnahme zur Aufwertung der Glatt statt mehrerer Kleinprojekte. Dadurch entstehe „ein zusammenhängendes Projekt, das neben dem Natur- und Artenschutz auch dem Landschaftsschutz dient“.

    Konkret soll der Abschnitt von Tolwäng bis Fromatt einen natürlichen Wasserlauf erhalten. Zudem soll der Gewässerraum verdoppelt werden, um mehr Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu schaffen. Das Revitalisierungsprojekt soll zwischen 2025 und 2028 umgesetzt werden.

  • Strabag schliesst Renaturierung an der Reuss ab

    Strabag schliesst Renaturierung an der Reuss ab

    Das Schlieremer Bauunternehmen Strabag führt laut einer Medienmitteilung im Auftrag des Kantons Uri ein Projekt zur Renaturierung der durch Dammbauten in der Vergangenheit vom Zugang an den Fluss Reuss getrennten Flächen durch. So soll ein ehemaliger Auenwald bei Erstfeld revitalisiert und durch verschiedene Baumassnahmen wieder mit der Reuss verbunden werden. Das Revitalisierungsprojekt startete im September 2023 und wird voraussichtlich Ende April 2024 abgeschlossen, heisst es von der Strabag AG. Für die Umsetzung führen bis zu fünf Fachkräfte mit Hilfe von zwei oder drei Baggern die Renaturierungsarbeiten durch.

    Der Kanton Uri wolle mit dem Vorhaben die Vielfalt und Struktur der Reuss und der Auenlebensräume verbessern, heisst es weiter. Dabei sollen sowohl wechselfeuchte, nasse Gebiete als auch trockenere Standorte berücksichtigt werden, um eine breite Tier- und Pflanzenwelt zu fördern, die den örtlichen Bedingungen entspricht. Das Projekt dient auch dem Hochwasserschutz bei Erstfeld.

    Um die verbliebene Rest-Aue besser durchfluten zu lassen und so wieder der natürlichen Dynamik der Reuss preiszugeben, wird der vorhandene Damm am linken Ufer zurückversetzt und ein Seitengerinne hinter dem Auenwald angelegt, heisst es zur Durchführung von Strabag. Zur Förderung gezielter Überschwemmungsbereiche während Hochwasserereignissen innerhalb des Auenbereichs werden Durchstiche im bestehenden Damm realisiert und gezielt ökologische Uferverbauungen im Nebenarm sowie strömungslenkende Elemente wie eine Leitinsel und Sandbänke im Hauptstrom installiert.

    Um sicherzustellen, dass die Leitinsel nicht weggespült wird, wurden Holzstämme mit Wurzelteller in die Bachsohle eingebaut und mit Blocksteinen und Geschiebematerial überschüttet, so die Strabag.

  • Reuss-Projekt soll vor Hochwasser schützen und Lebensräume sichern

    Reuss-Projekt soll vor Hochwasser schützen und Lebensräume sichern

    Über 135’000 Menschen leben und arbeiten im Reusstal. Nicht zuletzt mit dem boomenden Arbeits- und Lebensraum Luzern Nord wird sich die Region stark weiterentwickeln.

    Hochwasser verursacht grosse Schäden
    Von der Reuss geht aktuell jedoch ein beträchtliches Hochwasser-Risiko aus. Die heutigen Dämme sind über 150-jährig – es besteht die Gefahr, dass sie schweren Hochwassern nicht mehr standhalten. Allein das Hochwasser im Jahr 2005 verursachte entlang der Reuss und der Kleinen Emme an Gebäuden und öffentlichen Infrastrukturen Schäden in der Höhe von 345 Millionen Franken.

    Mit dem Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» will der Kanton Luzern den Hochwasserschutz und Renaturierungsmassnahmen aufeinander abstimmen und einen mehrfachen Nutzen generieren. Es soll Menschen, Tiere, Infrastrukturen und Güter schützen, die Reuss und ihren Gewässerraum ökologisch aufwerten und die Lebensqualität der Bevölkerung erhalten und steigern.

    Verbreiterung der Reuss schützt vor Hochwasser
    Das geplante Reuss-Projekt sieht an geeigneten Stellen eine Verbreiterung des Gewässers vor. Das führt zu einer Absenkung des Wasserspiegels und sorgt damit für den Hochwasserschutz. Höhere Dämme böten weniger Schutz als eine breitere Reuss, und eine tiefere Reuss würde das Grundwasser im Reusstal und damit das Trinkwasser im Kanton Luzern gefährden. Wo Siedlungen und Infrastrukturen den benötigten Platz für die Aufweitung beschränken, werden bestehende Dämme erhöht und vereinzelt flache Dämme neu geschaffen.

    Das Reuss-Projekt gliedert sich in fünf geografische Abschnitte. Auf allen sollen spezifische Schutz- und ökologische Massnahmen realisiert werden.

    Bau wird rund zwölf Jahre dauern
    Die öffentliche Auflage des Projekts fand im Herbst 2019 statt. Im Juni 2022 hat der Regierungsrat das Projekt bewilligt, aufgrund von Beschwerden ist es jedoch noch nicht rechtskräftig. Daher wird sich das Projekt zeitlich nach hinten verschieben. Nach der rechtskräftigen Projektbewilligung wird der Regierungsrat einen Sonderkredit für die Realisierung des Vorhabens beantragen, über den die Bevölkerung abstimmen wird. Die Bauarbeiten zur Ausführung des Projekts werden rund zwölf Jahre in Anspruch nehmen.

  • «Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen»

    «Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen»

    Zur Person
    Stephan Attiger (FDP) leitet seit 2013 das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Auf nationaler Ebene vertritt der 54-Jährige als Präsident der Bau- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK) und als Vorstandsmitglied der Energiedirektorenkonferenz (ENDK) die Anliegen des Kantons. Der gebürtige Badener arbeitete lange Zeit in den Führungsetagen verschiedener Schweizer Unternehmen, bevor er in die Politik wechselte. Er war unter anderem von 2006 bis 2013 Stadtpräsident der Stadt Baden und von 2009 bis 2013 Grossrat des Kantons Aargau.

    Sie leiten das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
    In den letzten Monaten waren meine Arbeitstage covidbedingt eher untypisch: Ich war häufig im Homeoffice, physische Treffen waren selten, und offizielle Anlässe fanden fast gar nicht statt. Aber auch sonst ist nicht jeder Tag gleich, und der Ablauf hängt stark vom Terminkalender ab. Grundsätzlich bespreche ich am frühen Morgen mit meinen engsten Mitarbeitenden die kurzfristig anstehenden Themen und was mittel- und langfristig ansteht. Danach folgen Meetings auf verschiedenen Stufen: Regierungsrat, Departement, Abteilungen, bilaterale Gespräche und Sitzungen mit Externen. Zwischendurch studiere ich Akten.

    Welche Meilensteine haben Sie in Sachen Bau bislang erreicht?
    Da gibt es einerseits zahlreiche grössere und kleinere Bauten, die ich einweihen durfte – nicht nur im Strassenbau, sondern auch im Umweltbereich wie etwa Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte. Auch Letztere wirken sich direkt und positiv auf die Wohn- und Standortattraktivität aus. Daneben haben wir wichtige Grundlagen für die Planung und spätere Umsetzung von Mobilitätsvorhaben geschaffen. Mit der letzten Revision des Richtplans und der neuen kantonalen Mobilitätsstrategie mobilitätAARGAU wollen wir die Siedlungs- und die Verkehrsentwicklung aufeinander abstimmen. Sie setzt deshalb gezielt räumliche Akzente und differenzierte Ziele pro Raumtyp für die einzelnen Verkehrsmittel. Das wiederum wirkt sich auf den Tief- und den Hochbau aus. Als Kanton nehmen wir auch eine Vorbildfunktion ein.

    Inwiefern?
    Wir fördern zum Beispiel in den Aussenräumen unserer Liegenschaften vermehrt Biodiversität und Aufenthaltsqualität. Wir suchen nach guten Lösungen, wie Biodiversitätsthemen bei Neubauten und bei der Pflege bestehender Liegenschaften berücksichtigt werden können. Klimaanpassungs-Massnahmen an Gebäuden und in deren Umfeld leisten einen Beitrag, unsere klimapolitischen Ziele zu erreichen. Ein gutes Beispiel ist zudem der Neubau des Amtes für Verbraucherschutz, bei dem wir als nachhaltigen Baustoff Holz aus den Aargauer Wäldern einsetzen wollen.

    Welches sind aktuell die bedeutendsten Bauprojekte im Hochbau?
    Ein zurzeit laufendes grosses Projekt im Bereich der kantonalen Immobilien ist der Neubau des Polizeigebäudes im Telliquartier in Aarau. Hier sollen die auf zahlreiche Standorte verteilten Einheiten der Kantonspolizei zusammengeführt werden. Die Baubewilligung ist bereits vorhanden. Auch startete der Kanton Ende März das Anhörungsverfahren für den neuen Standort einer Kantonsschule im Fricktal. Die Anhörungen zum erwähnten Neubau für das Amt für Verbraucherschutz und das Projekt zum Zusammenzug der Informatik Aargau in einem Gebäude in Unterentfelden konnten abgeschlossen werden. Alle Baumassnahmen werden nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit umgesetzt. Bei der Planung liegt jeweils ein besonderes Augenmerk auf die im Gebäude gebundene graue Energie, und der Zeitpunkt für neue Nutzeranforderungen wird auf den Instandsetzungszeitpunkt abgestimmt.

    Der Aargau hat eine grosse Anzahl Entwicklungsareale, die Platz für zusätzliche Einwohner bieten könnten. Wie sehen hier die Pläne aus?
    Der kantonale Richtplan bezeichnet 21 Wohnschwerpunkte mit Arealen, die für eine hochwertige Siedlungsentwicklung prädestiniert sind. Diese sollen einen namhaften Beitrag dazu leisten, das erwartete Bevölkerungswachstum der nächsten 10 bis 20 Jahre an geeigneten, gut erreichbaren Orten aufzufangen. Die Areale sollen nicht nur mit einer angemessenen Dichte den haushälterischen Umgang mit dem Boden unterstützen, sondern auch im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung zu qualitativ hochstehenden und attraktiven Wohnstandorten werden. Dies ist die Aufgabe der Gemeinden, die in der Nutzungsplanung die geeigneten Rahmenbedingungen und Anforderungen bestimmen. Der Kanton unterstützt sie dabei.

    Arealentwicklungen stolpern häufig über die Verkehrsproblematik. Helfen Sie hier aktiv bei der Lösungssuche?
    Es ist effektiv so, dass gerade bei Arealentwicklungen hohe Anforderungen an die Verkehrsplanung gestellt werden. Dies, weil viele Unbekannte bestehen bezüglich zukünftiger Ansprüche. Hier muss die Verkehrsplanung ein flexibles Gerüst bereitstellen, um auf die verschiedenen Anforderungen der Investoren reagieren zu können. Soweit der Kanton betroffen ist, übernimmt er einen aktiven Part oder setzt an den Schnittstellen die Rahmenbedingungen.

    Das Projekt zur Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen-Spreitenbach bis Baden schlägt derzeit hohe Wellen. Mit welchen Argumenten versuchen Sie, die Gegner der Verlängerung umzustimmen?
    Die Berichterstattung in den Medien vermittelt leider ein verzerrtes Bild von der allgemein grossen Akzeptanz zu diesem Projekt. In der öffentlichen Anhörung haben die Regionalplanungsverbände und alle Gemeinden im Perimeter der neuen Tramstrecke sowie die meisten Verbände der Limmattalbahn zugestimmt. Eine breite Zustimmung hat auch die konkret vorgeschlagene Linienführung erhalten. Die Vorbehalte aus der Bevölkerung, die aus der Anhörung hervorgegangen sind, nehmen wir sehr ernst. Zum Beispiel haben wir zusätzliche Varianten für die Linienführung aufgenommen. Diese und weitere beanstandete Punkte werden wir bis zur Festsetzung im Richtplan genauer untersuchen und mit den übrigen kantonalen Interessen sowie mit den erwähnten Vorbehalten abwägen.

    Die Zersiedelung ist auch im Aargau ein Problem. Haben die Gemeinden bei der Raumentwicklung Fehler gemacht?
    Wichtig ist, dass der Blick in die Zukunft geht. Im heutigen Bestand sollen die Potenziale erkannt werden, die für eine nachhaltige Entwicklung besser genutzt werden können. Die Revision des Raumplanungsgesetzes von 2013 hat gezeigt, dass mit der Siedlungsentwicklung nach innen, also der Nutzung der bestehenden Reserven, die Entwicklungsbedürfnisse der nächsten 20 Jahre abgedeckt werden können. Die Eindämmung der Zersiedelung nehmen wir sehr ernst. Der Richtplan 2015 legt das Siedlungsgebiet abschliessend fest. Der Verbrauch von Fruchtfolgeflächen ist bereits stark zurückgegangen.

    Wie gut oder schlecht funktioniert die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der Raumentwicklung?
    Bei dieser Zusammenarbeit kommt vor allem den Regionalplanungsverbänden eine wichtige Rolle zu. Sie haben auch gemäss Baugesetz die kommunalen Nutzungsplanungen regional abzustimmen. Die Koordination entlang der Gemeindegrenzen funktioniert.

    Wie sieht für Sie eine optimale Bodenressourcennutzung aus?
    Der haushälterische Umgang mit dem Boden ist ein zentrales Anliegen. Das Bauen in die Höhe kann aber nicht schrankenlos erfolgen. Die Siedlungsqualität und das Ortsbild sind immer zu berücksichtigen. Und bei unterirdischen Bauten ist darauf zu achten, dass genügend Flächen bleiben, wo man grosse Bäume pflanzen und Wasser versickern kann. Das ist entscheidend zur Vermeidung von Wärme-Inseln im Siedlungsgebiet und für das Grundwasser. Der Klimawandel stellt uns vor grosse Herausforderungen. Eine optimale Nutzung der Ressource Boden, eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und hochwertige Wohn- und Arbeitsplatzgebiete sind keine Gegensätze.

    Der Kanton Aargau ist bereits heute in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt. Wie sehen hier die Zukunftspläne im Baubereich aus?
    Die Digitalisierung von Bauprojekten mit Building Information Modeling (BIM) ist bei uns ein grosses Thema. Momentan beschäftigen wir uns mit rund 20 BIM-Pilotprojekten. Anfang Jahr wurde so auch die erste Baumeistersubmission als Teil eines Pilotprojekts im Einladungsverfahren ausgeschrieben. Unser Ziel ist, dass BIM ab 2025 bei allen neu startenden Projekten der Abteilung Tiefbau standardmässig für die Projektabwicklung eingesetzt wird. Den gleichen «Fahrplan» haben Astra und SBB.

    Pandemien hatten schon früher Einfluss auf die Stadtplanung. Wird Corona die Stadtplaner in Zukunft vor neue Herausforderungen stellen?
    Unsere Dörfer und kleinen Städte sind als Orte der kurzen Wege bestens geeignet für den Fuss- und Veloverkehr. Das ist eine sehr gute Ausgangslage, auch in Pandemiezeiten. An immer mehr Orten gibt es die Möglichkeit, in Co-Working-Spaces zu arbeiten. So lassen sich lange Reisezeiten vermeiden, auch wenn der Platz für Homeoffice knapp ist. Wichtig sind attraktive öffentliche Räume und gut erreichbare Naherholungsmöglichkeiten. Diese sind nicht erst seit Corona sehr gesucht. Dass diese Pandemie die Stadtplanung völlig auf den Kopf stellt, glaube ich nicht.

    Laut einer Analyse von Wüest & Partner hat der Kanton Aargau neben Genf, Waadt und Zürich das höchste Potenzial an neuem Wohnraum und Entwicklungsarealen. Was wird sich im Aargau in 10 Jahren verändert haben?
    Gemäss unserer Prognose werden wir besonders an gut erreichbaren Lagen, in Bahnhofsnähe, in den Zentren unserer Dörfer und Städte mehr attraktiven Wohnraum erhalten. Bestehende Bauten werden umgenutzt, zum Teil wird neu gebaut. Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen, nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung. Mehr ältere Leute zieht es an zentrale Lagen, wo sie von Dienstleistungen, kurzen Distanzen und vom kulturellen Angebot profitieren können. Aber auch das Wohnen im Grünen wird attraktiv bleiben. Viele der rund 100’000 Einfamilienhäuser im Aargau werden saniert und energetisch auf den neusten Stand gebracht oder sogar durch Neubauten ersetzt werden.