Schlagwort: Ressourceneffizienz

  • Kreislaufwirtschaft strategischer Aufschwung

    Kreislaufwirtschaft strategischer Aufschwung

    Die Kreislaufwirtschaft entwickelt sich zu einem festen Bestandteil der Unternehmensstrategien in der Schweiz. Der Anteil der Firmen, die sie in ihrer Unternehmensstrategie verankert haben, stieg innerhalb von vier Jahren von 11 auf 27 Prozent. Besonders grosse Unternehmen zeigen hohe Dynamik. Bei Betrieben mit über 250 Mitarbeitenden ist die Verankerung bereits in mehr als der Hälfte der Fälle Realität. Mittlere Unternehmen folgen mit 39 Prozent, kleinere hingegen bleiben mit 23 Prozent deutlich zurück.

    Umsetzung bleibt fragmentiert
    Trotz klarer Fortschritte in der strategischen Wahrnehmung bleibt die operative Umsetzung verhalten. Nur 15 Prozent der Unternehmen erzielen mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit zirkulären Produkten und das nach lediglich marginalem Anstieg seit 2020. Ähnlich zurückhaltend agieren die Firmen bei Investitionen. Lediglich sieben Prozent investieren mehr als zehn Prozent ihrer Mittel in Massnahmen der Kreislaufwirtschaft. Auch die Breite der Aktivitäten ist mit durchschnittlich wenigen Massnahmen begrenzt.

    Fokus auf Energie statt Wertschöpfungsketten
    Besonders häufig setzen Unternehmen Massnahmen rund um den Energieverbrauch oder den Umstieg auf erneuerbare Energien um. Deutlich seltener finden sich Aktivitäten entlang der Lieferketten oder beim Einsatz von Rohstoffen, obwohl gerade dort zentrale Hebel für Ressourceneffizienz liegen würden. Laut Studienautor Tobias Stucki wird damit viel Potenzial verschenkt, zumal aktuelle geopolitische Risiken die Abhängigkeit von Rohstoffen erneut in den Mittelpunkt rücken.

    Branchen- und Regionenvergleich
    Zwischen den Branchen zeigen sich markante Unterschiede. Besonders stark engagieren sich Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Elektronik und Medizinaltechnik. Bau, Immobilien und persönliche Dienstleistungen bleiben in frühen Phasen der Transformation. Auch regional zeichnet sich ein gemischtes Bild ab. In der strategischen Verankerung liegen die Zentralschweiz und die Ostschweiz an der Spitze, während das Tessin Schlusslicht bleibt. Bemerkenswert ist jedoch, dass Tessiner Unternehmen im Hinblick auf Umsatzanteile mit zirkulären Produkten deutlich überdurchschnittlich abschneiden.

    Politische und gesetzliche Rahmenbedingungen
    Die Politik hat die Rahmenbedingungen für die Kreislaufwirtschaft in den letzten Jahren entscheidend erweitert. Seit dem 1. Januar 2025 ist sie explizit im Umweltschutzgesetz verankert. Damit rückt die Ressourcenschonung in den Fokus über die Abfallbewirtschaftung hinaus. Kantone wie Zürich und Bern haben mit Volksentscheiden und Strategien die Weichen gestellt. Zürich verabschiedete eine umfassende Kreislaufwirtschaftsstrategie, Bern verankerte die Zielsetzung in Regierungsrichtlinien und einem neuen Sachplan Abfall. Auch weitere Kantone wie Basel-Stadt, Genf oder Waadt treiben eigene Initiativen voran.

    Kreislaufwirtschaft als Zukunftsfrage
    Die Studie verdeutlicht ganz klar, dass die strategische Relevanz der Kreislaufwirtschaft in der Schweiz zunimmt. Trotzdem bleibt die konsequente Umsetzung weitgehend auf erste Schritte beschränkt. Der Übergang zum zirkulären Wirtschaften erfordert massive Investitionen, tiefgreifende Umstellungen in Lieferketten sowie neue Formen der Kooperation. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Kreislaufwirtschaft nicht als Lippenbekenntnis stehenbleibt, sondern zu einem zentralen Pfeiler für Klima, Ressourcen und Wettbewerbsfähigkeit wird.

  • Ressourceneffizient bauen mit Holz

    Ressourceneffizient bauen mit Holz

    Die manuelle Herstellung von Holzschindeln im Alpenraum hat Forschende der Empa und der ETH Zürich zu einem neuartigen Ansatz inspiriert. Sie entwickelten ein Verfahren, bei dem Holzstäbe aus gespaltenem Holz zu Werkstoffplatten verarbeitet werden. Im Gegensatz zur herkömmlichen Verarbeitung kann dabei auch Laubholz niedriger Qualität verwendet werden. Ziel ist es, Platten mit mechanischen Eigenschaften herzustellen, die denen von Massivholz nahekommen.

    Energie- und Materialeffizienz durch spanlose Verarbeitung
    In der traditionellen Schindelproduktion werden Holzstämme entlang der Faser gespalten. Ein Verfahren mit minimalem Energieaufwand und praktisch ohne Abfall. Dieses Prinzip wird nun auf industrielle Anwendungen übertragen. Durch einen zweistufigen Spaltprozess und eine neu entwickelte Vorrichtung mit mehrschneidigem Spaltkopf können mehrere Holzstäbe gleichzeitig produziert werden, auch aus Laubholzarten, die bislang überwiegend verbrannt wurden.

    Künstliche Intelligenz für die Holzsortierung
    Ein zentrales Element des neuen Verfahrens ist der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Bewertung der Holzstäbe. Eine Linienkamera erfasst hochauflösende Bilder jedes Stabs, die von einem neuronalen Netzwerk analysiert werden. So lassen sich wichtige Eigenschaften wie Steifigkeit unabhängig von Holzart, Form oder Grösse ermitteln. Diese datenbasierte Selektion soll künftig eine gezielte Anordnung der Stäbe ermöglichen, um die mechanischen Eigenschaften der Platten weiter zu optimieren.

    Platten für tragende Bauteile mit Potenzial
    Bereits ohne Sortierung zeigen die ersten Demonstratoren eine hohe Ressourceneffizienz und gute mechanische Eigenschaften. Die Forschenden sehen in dem Verfahren grosses Potenzial für tragende Bauteile im Bauwesen. Herausforderungen bestehen derzeit noch bei der Verklebung, der Skalierung und der Vorhersagbarkeit der Materialeigenschaften. Dennoch bietet das Verfahren eine aussichtsreiche Perspektive für den Einsatz von Holz in einer sich wandelnden Bauwirtschaft.

    Forschung wird strategisch gebündelt
    Das Projekt ist Teil der Initiative «Mainstreaming Wood Construction», die den verstärkten Einsatz von Holz im Bau fördert. Im Zuge dessen ist ein neues Forschungszentrum geplant. Das «Center for Wood Materials and Structures» soll die Kompetenzen von Empa und ETH Zürich bündeln und neue Impulse für die Holzverarbeitung entlang der gesamten Wertschöpfungskette setzen.

  • Forschung am ressourceneffizienten Bauen im NEST vorangetrieben

    Forschung am ressourceneffizienten Bauen im NEST vorangetrieben

    Das Modul STEP2 im Forschungs- und Innovationsgebäude NEST an der Empa hat am 29. August Einweihung gefeiert, informiert die Empa in einer Mitteilung. Im neuen Modul werden neue Technologien für ressourcenschonendes Bauen erprobt. Die im STEP2 installierten Ansätze wurden von der Empa in Zusammenarbeit mit Forschungs- und Industriepartnern entwickelt. Als Hauptpartner fungierten dabei BASF und das Architekturbüro ROK.

    STEP2 wartet unter anderem mit einer geräuschdämmenden Rippen-Filigrandecke aus Beton und einer im 3D-Druck gefertigten Betontreppe auf. Die Fassade mit integrierter Beschattung und kontrollierter natürlicher Lüftung ist als Versuchsplattform konzipiert. Als erstes wird hier ein Fensterelement mit 3D-gedruckter Struktur getestet. Alle Innovationen dienen dazu, den Material- und Energieverbrauch beim Bauen zu senken und die Kreislaufwirtschaft zu fördern.

    „Gleichzeitig ist es uns ein grosses Anliegen, dass wir Lösungen entwickeln, die marktfähig sind und in der Baubranche tatsächlich eine Zukunft haben“, wird Enrico Marchesi, Innovation Manager im NEST, in der Mitteilung zitiert. Hauptpartner BASF will STEP2 nutzen um „das breite Chemie-Know-how von BASF in Zusammenarbeit mit den anderen Partnern in konkrete, neue und nachhaltige Lösungen für den Bausektor einfliessen zu lassen“, erläutert Olivier Enger, Senior Innovation Manager bei BASF. „In der Praxis eines solchen Bauprojekts erfordert das engste Zusammenarbeit aller Beteiligten von der Konzeption bis zur Umsetzung“, meint Architekt Silvan Oesterle von ROK.

  • Zum umweltfreundlichen Spital mit «Best Practices»

    Zum umweltfreundlichen Spital mit «Best Practices»

    Im Gesundheitssektor wurde der Umweltaspekt bisher oft vernachlässigt. Das Forschungsprojekt „Green Hospital – Ressourceneffizienz bei Schweizer Spitälern“ hat dazu beigetragen, das Bewusstsein für umweltrelevante Prozesse in Schweizer Spitälern zu schärfen. Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms „Nachhaltige Wirtschaft: ressourcenschonend, zukunftsfähig, innovativ“ (NFP 73) wurde eine Liste von praxisorientierten Maßnahmen veröffentlicht, um Spitäler in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zu unterstützen.

    Die Studie, geleitet von Matthias Stucki am ZHAW-Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen, hat ergeben, dass insbesondere die Bereiche Wärme, Catering, Gebäudeinfrastruktur und Medikamente für den Großteil der Umweltbelastung durch Spitäler verantwortlich sind. Aber auch andere Faktoren wie Stromverbrauch, Abfallmanagement und die Verwendung von medizinischen Produkten spielen eine Rolle.

    Die aus der Studie abgeleiteten „Best Practices“ wurden aus einer Vielzahl von Literaturquellen und Praxisbeispielen zusammengestellt. Diese Massnahmen zielen darauf ab, die Umweltauswirkungen bei gleichbleibender Qualität der Gesundheitsdienstleistungen zu minimieren. Dabei wurde besonderer Wert auf die Auswahl von Maßnahmen mit hoher Klimarelevanz und großer Umsetzbarkeit gelegt.

    Insgesamt zeigt die Studie, dass die größten Chancen für eine Verbesserung der Umweltbilanz in der Konstruktion von langlebigen und ressourceneffizienten Gebäuden, der Nutzung erneuerbarer Energien und der Einführung von pflanzenbasierten Gerichten im Verpflegungsangebot liegen.

    Dieses Forschungsprojekt stellt einen wichtigen Schritt dar, um die schweizerische Krankenhauslandschaft nachhaltiger zu gestalten und setzt einen Meilenstein für zukünftige Initiativen in diesem Bereich.

  • The Circle erhält Zertifizierung für Nachhaltigkeit

    The Circle erhält Zertifizierung für Nachhaltigkeit

    Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres wird The Circle die LEED-Platinum-Zertifizierung erhalten, informiert HRS in einem Interview auf dem Portal des Immobilienunternehmens aus Frauenfeld. HRS hat das Quartier am Flughafen Zürich als Totalunternehmer in Zusammenarbeit mit Amstein + Walthert als hauptverantwortlichem Gebäudetechnikplaner realisiert. Für den höchsten Standard der vom U.S. Green Building Council entwickelten Klassifizierung für ökologisches Bauen muss ein Projekt 80 oder mehr Punkte erreichen.

    Dabei versuche die LEED-Klassifizierung „sämtliche Aspekte des nachhaltigen Bauens abzubilden“, erläutert Christian Appert von Amstein + Walthert im Interview. Nach Aussage des CEO des Ingenieurdienstleisters mit Sitz in Zürich konnte The Circle gleich in einer ganzen Reihe von Kategorien punkten. Als Beispiele nennt Appert unter anderem Trinkwassereinsparung durch Regenwassertanks, eine Kombination von Photovoltaik und Begrünung auf den Dächern sowie grosszügige Infrastrukturen für Velos. The Circle habe gezeigt, „dass auch grosse Projekte sehr nachhaltig sein können“, meint Appert.

    Mit der Zertifizierung werde The Circle „das grösste LEED-Platinum-Projekt in Europa und eines der zehn bis zwanzig grössten der Welt“, erläutert Rebecca Kull im Interview. Nach Ansicht der COO von HRS ist dies für die Schweiz „ein Superlativ mit grosser Ausstrahlung“. Über Nachhaltigkeit sprechen sei einfach, meint Kull. Entscheidend sei jedoch „die gelebte Sustainability“.