Schlagwort: Solarfassade

  • Regionale Metzgerei setzt auf Nachhaltigkeit und kurze Transportwege

    Regionale Metzgerei setzt auf Nachhaltigkeit und kurze Transportwege

    Die Metzgerhuus Stadt und Land AG in Füllinsdorf arbeitet fast bei voller Kapazität. Die regionale Kleinmetzgerei verarbeitet laut Geschäftsführer Raffael Jenzer pro Woche bereits rund 30 Rinder, 30 Kälber, 70 Schweine und 20 Schafe. Die Transportwege sind kurz: Die Tiere stammen von über 300 landwirtschaftlichen Betrieben aus dem Baselbiet. Das Fleisch wird von 13 Metzgern in der Region sowie über 125 direktvermarktenden Bauernbetrieben genutzt.

    Das im Juni 2025 eröffnete Metzgerhuus umfasst zudem einen Selbstbedienungsladen, der jeden Tag zugänglich ist. Er bietet 500 Produkte regionaler Lieferanten an. Zudem haben im Metzgerstübli bereits rund 80 Veranstaltungen mit über 1000 Besuchenden stattgefunden. Auch die ersten Kochkurse sind bereits erfolgreich angelaufen.

    Das Gebäude des Metzgerhuuses selbst ist ein Kraftwerk. Es produziert dank Solarfassade, Solarmodulen auf dem Dach, Wärmerückgewinnung und starker Dämmung mehr Energie als es verbraucht. Entsprechend ist es Minergie A-zertifiziert.

    Die regionale Kleinmetzgerei wurde von fünf Metzgerfamilien aus den Baselland und Basel-Stadt, dem Metzgermeisterverband beider Basel und der Genossenschaft Basler Metzger und dem Bauernhof gegründet, die zusammen 4 Millionen Franken Kapital aufbrachten. Sie wollten das Vieh der Region nicht länger zum Schlachten ins Mittelland fahren.

    Die beiden Basel unterstützten das Vorhaben im Rahmen des Projekts zur regionalen Entwicklung „Genuss aus Stadt und Land“ (PRE) mit 2,5 Millionen Franken. 120 Darlehensgeber unterstützten das Metzgerhuus mit insgesamt fast 1 Million Franken. Wer heute noch das Metzgerhuus finanziell unterstützen will, kann sogenannte Solar-Einkaufsgutscheine kaufen: Für 1000 Franken können Interessierte sich an Solarmodulen beteiligen; der Ertrag wird in Gutscheinen für Fleisch zurückgezahlt. 

  • Energie 360° erhält grünes Licht für Solarfassade

    Energie 360° erhält grünes Licht für Solarfassade

    Energie 360° hat laut einer Medienmitteilung grünes Licht für seine geplante Photovoltaikfassade erhalten. Damit und mit der geplanten Solaranlage auf dem Dach kann es seinen Hauptsitz entsprechend umbauen. So will der Spezialist für nachhaltige Energie und Mobilität rund die Hälfte seines jährlichen Strombedarfs selbst decken.

    Mit den Bauarbeiten wurde Ende März 2023 begonnen. Nach Baubeginn änderte die Gebäudeversicherung Kanton Zürich ihre Bewilligungspraxis für Photovoltaikfassaden. Seitdem braucht es den Nachweis, dass sich ein Brand der Solarmodule nicht über mehr als zwei Stockwerke ausbreiten kann.

    In Ermangelung einer geeigneten Prüfanlage in der Schweiz wurden bei der Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen Leipzig (MFPA Leipzig) zwei Brandversuche durchgeführt. Sie machten deutlich, dass Stahlbleche als horizontale Brandriegel zwischen den einzelnen Modulen wirken. Diese Konstruktion erfüllt die von der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen vorgegebenen Testkriterien.

    «Energie 360° wird als erstes Unternehmen unter den neuen Auflagen eine PV-Fassade realisieren», wird CEO Jörg Wild zitiert. «Die Photovoltaikanlagen machen den Hauptsitz in Altstetten zum grünen Kraftwerk.»

  • «NEST bietet die ideale Umgebung, um unsere Innovation weiterzuentwickeln»

    «NEST bietet die ideale Umgebung, um unsere Innovation weiterzuentwickeln»

    Gebäude sind für mehr als 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich. Ein Grossteil wird dabei für die Sicherstellung des Nutzerkomforts aufgewendet – also für die Heizung und die Kühlung. Gerade im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen im Energiemarkt stellt sich die grosse Frage, wie wir unseren Energieverbrauch künftig decken können. Es müssen Wege gefunden werden, neue Energiequellen zu erschliessen und gleichzeitig den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken. Einer davon könnte die bessere Nutzung der Fassadenflächen sein. 

    Das birgt durchaus Potenzial, da die Gebäudefassade nach wie vor mehrheitlich ungenutzt und gleichzeitig der zentrale Faktor ist, um Energie entweder ins Gebäude zu lassen oder diese drinnen zu behalten. Forschende der ETH Zürich haben deshalb im Rahmen der NEST-Unit HiLo eine Innovation entwickelt, mit der dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann: eine adaptive Solarfassade, die nicht nur die Stromproduktion optimiert, sondern gleichzeitig auch den Energieverlust reduziert. An der eigentlichen Fassade angebracht, bildet diese eine Art zweite Haut für das Gebäude. Die Innovation trägt so auch den passenden Namen «Solskin». 

    Einfache Architektonische Einbettung 
    «Wir wollten eine Fassade entwickeln, die man sehr einfach an einem Gebäude installieren und optimal in die Architektur integrieren kann», erklärt Bratislav Svetozarevic die Idee hinter der Innovation. Er war von Anfang an massgeblich an der Entwicklung von «Solskin» beteiligt, zunächst 2014 als Doktorand in der «Architecture and Building Systems»-Gruppe von Arno Schlüter an der ETH Zürich und ab 2018 als Post Doc an der ETH und der Empa, wo er an verwandten Themen forschte. 

    «Solskin» besteht aus einer leichten Unterkonstruktion, die an der Fassade befestigt wird. Darauf montiert befinden sich kleine quadratische Dünnschicht-Solarpanels, die farblich an die bestehende Gebäudehülle angepasst werden können. So fügt sich die Solarfassade optimal in das jeweilige Gesamtbild des Gebäudes ein. Gleichzeitig lassen sich die Panels einzeln in alle Richtungen drehen. Denn hinter jedem Modul befindet sich eine Steuerungseinheit, die Svetozarevic und seine Kolleginnen und Kollegen im Laufe der Jahre entwickelt haben. Das Spezielle dabei: die Ausrichtung der Panels erfolgt mit Luftdruck. Die verwendeten Materialien sind sowohl robust wie auch flexibel, damit das System auch starken Windböen und Niederschlag standhält. 

    Realitätscheck 
    Die Idee der flexiblen Ausrichtung ist es, dass die Solarfassade dem Sonnenstand folgen kann und dadurch die Stromproduktion optimiert wird. Gleichzeitig dient «Solskin» auch dazu, das Gebäude im Sommer aktiv zu beschatten und so den Kühlbedarf zu reduzieren oder die Paneele zu öffnen und die Sonnenstrahlen in den Innenraum zu lassen und so im Winter Heizenergie zu sparen. 

    Die ersten Prototypentests an der ETH Zürich haben die Forschenden von der Anwendbarkeit der Innovation überzeugt. Doch würde die innovative Fassade auch an einem realen Gebäude funktionieren? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, wurde «Solskin» an der Fassade der HiLo-Unit angebracht. «HiLo bot uns die Möglichkeit, unser System erstmals an einem belebten Gebäude zu installieren und zu testen. So waren wir in der Lage, die Nutzung und Akzeptanz der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen», erklärt Svetozarevic. Ein wichtiger Faktor, denn neben dem eigentlichen System haben die Forschenden auch einen Algorithmus entwickelt, der die Bedürfnisse der Personen, die in der HiLo-Unit arbeiten, erfasst und so neben der Optimierung der Produktion auch den Nutzerkomfort verbessern kann. Mithilfe der Daten aus dem Betrieb am NEST wird dieser nun weiterentwickelt. 

    Eine strahlende Zukunft 
    Die Ergebnisse der Prototypen und des Pilotprojekts am NEST zeigen eine klare Richtung: Mit «Solskin» lässt sich Energie einsparen – und zwar enorm. Während die Solarproduktion im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen um bis zu 40 Prozent gesteigert werden kann, ist bei der Heiz- und Kühlenergie im Vergleich zu einem konventionellen, nicht anpassungsfähigen Beschattungssystem eine Einsparung von bis zu 80 Prozent möglich. «Wir freuen uns, dass wir am NEST zeigen konnten, dass unser System funktioniert und welches Potenzial es aufweist», meint Svetozarevic strahlend. Von diesem Potenzial zeigten sich auch diverse Fachjurys überzeugt, die «Solksin» ausgezeichnet haben. Unter den Awards befindet sich auch der renommierte Watt d’Or, der vom Bundesamt für Energie jährlich verliehen wird. 

    Im nächsten Schritt geht es nun an die Kommerzialisierung. Zu diesem Zweck hat Bratislav Svetozarevic mit seinem Team 2022 das Spin-Off «Zurich Soft Robotics» gegründet und konnte bereits einen grösseren Auftrag an Land ziehen. Die Firma KELLER Druckmesstechnik AG in Winterthur möchte «Solskin» an ihrem neuen Produktionsgebäude anbringen – und zwar auf einer Gesamtfläche von 1’300m2. 

    Neben der Nutzung an neuen Gebäuden eignet sich die Innovation aber auch ideal für die Aufrüstung von älteren Bauten. Damit birgt «Solskin» grosses Potenzial den gesamten Gebäudepark energetisch zu optimieren und damit eine Antwort darauf zu geben, wie wir auch in Zukunft genügend Energie für den Betrieb unserer Gebäude generieren können.