Schlagwort: Stadtraum

  • Zukunft bauen heisst Verantwortung übernehmen

    Zukunft bauen heisst Verantwortung übernehmen

    Herr Binkert, Sie sind seit Jahrzehnten in der Immobilienentwicklung tätig. Was treibt Sie persönlich an, und welche Vision verfolgen Sie für die Zukunft der Architektur und Immobilienentwicklung?Immobilienentwicklung ist auch Raumentwicklung. Mit jedem Bauwerk verändern wir unsere Umwelt, den Raum um uns herum. Diese Veränderung soll eine Verbesserung sein, nicht eine Verschlechterung. Mich beschäftigt die Frage nach den Regeln, die wir beachten müssen, damit unsere gebaute Umwelt nachhaltig, lebenswert und zukunftsfähig bleibt. Ich sehe die Zukunft der Immobilienentwicklung in einer kreativen, ganzheitlichen Planung, die gesellschaftliche Bedürfnisse mit technologischen Möglichkeiten verbindet und dabei den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt stellt.

    Welches Projekt hat Sie besonders geprägt?
    Jedes Projekt erweitert den Erfahrungshorizont – aber Greencity Zürich war für mich ein Wendepunkt. Dort entwickelten wir für Losinger Marazzi erstmals konkrete Regeln, wie ein Stadtteil geplant, gebaut und betrieben werden muss, um als wirklich nachhaltig zu gelten. Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie tiefgreifend Nachhaltigkeit wirken kann, wenn sie systematisch gedacht und umgesetzt wird. Dass daraus Losinger Marazzi als erster «Grüner Generalunternehmer» der Schweiz hervorging, war ein starkes Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich ein Erfolgsmodell sein kann.

    Als Präsident der 2000-Watt-Smart-Cities Assoziation setzen Sie sich für nachhaltige und energieeffiziente Städte ein. Wie integrieren Sie Nachhaltigkeitsaspekte konkret in Ihre Projekte?
    In Greencity Zürich haben wir erstmals umfassende Regeln für Planung, Bau und Betrieb eines nachhaltigen Stadtteils entwickelt. Daraus entstand das Label «2000-Watt-Areal», das schweizweit über 50 Stadtquartiere zertifizieren konnte. Heute entwickeln wir es unter Autorisierung des Bundesamts für Energie weiter – mit Blick auf die Smart City. So konnten wir kürzlich das erste Projekt in Indien zertifizieren.

    Die grösste Herausforderung bleibt die Balance zwischen ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit – insbesondere international. In China sind gesellschaftliche Forderungen schwer umsetzbar, in Brasilien fehlt oft das Umweltverständnis, in den Emiraten ist Wirtschaftlichkeit kein Thema. Auch in der Schweiz braucht es Empathie, Verständnis und einen langen Atem, um tragfähige, nachhaltige Lösungen durchzusetzen.

    Sie haben internationale Erfahrung, unter anderem in den USA und Indien. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sehen Sie in der Stadtentwicklung zwischen der Schweiz und diesen Ländern?
    Der Hauptunterschied liegt im Wachstumstempo: Schwellenländer mit schnell wachsender Bevölkerung brauchen rasch und günstig viel neuen Raum – oft auf Kosten der Qualität. Nachhaltigkeit ist dort ein Versprechen für die Zukunft, dem oft mit Skepsis begegnet wird. Nachhaltigkeit kostet kurzfristig viel, bringt aber erst langfristig Erträge, dafür decken sie dann die Kosten gemäss unseren Annahmen um ein Vielfaches.

    In der westlichen Welt – wo das Wachstum stagniert oder rückläufig ist – stehen andere Werte im Vordergrund: Soziale Gerechtigkeit, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität. Nachhaltige Entwicklung wird hier zunehmend als Voraussetzung für Lebensqualität verstanden. Die Forderung, dass der Westen auch für die nachhaltige Entwicklung in den Schwellenländern aufkommen müsse, bringt allerdings auch wohlhabende Länder wie die Schweiz an ihre Grenzen.

    Welche Trends sehen Sie in der zukünftigen Stadt- und Arealentwicklung und wie stellen Sie sich die Wohnformen der Zukunft vor, insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel, die zunehmende Urbanisierung und Verdichtung?
    Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Bauwirtschaft muss dringend aufholen in Bereichen wie Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz. Noch immer bauen wir «brick and mortar» – wie zur Römerzeit. Dabei haben sich die menschlichen Grundbedürfnisse kaum verändert, die technischen Möglichkeiten aber sehr wohl. Die Megatrends – demografischer Wandel, Gesundheit, Future of Work, Klimakrise – erfordern neue Antworten auf die Frage, wie wir wohnen. Wir müssen den Mut aufbringen, den Status-Quo zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und Lösungen auszuprobieren, die es in der Vergangenheit noch nicht gab.

    Die «Verhäuselung der Schweiz» kann nicht so weitergehen. Was in einer Schweiz mit 6 Mio. Einwohnern und beschränkter Mobilität noch funktionierte, führt heute zum Kollaps. Wir müssen uns wieder vermehrt als Teil des Universums verstehen, in dem wir nur eine von vielen Arten sind – nicht als Dominatoren. Wir sehen täglich die Folgen unseres kurzsichtigen Umgangs mit endlichen Ressourcen, mit abnehmender Biodiversität und der Verschleuderung von Energie.

    Wir werden in Zukunft zusammenrücken, Platz für Andere schaffen, effizienter und suffizienter leben. Damit das unsere Lebensqualität nicht schmälert, müssen wir dazu die technologischen Möglichkeiten, die sich uns heute schon bieten, und jene, die wir zukünftig entwickeln werden, besser nutzen. Wir werden urbaner leben als heute, wir werden die Bedürfnisse des täglichen Lebens in Fussgängerdistanz befriedigen, wir werden besser vernetzt sein.

    Wir haben mittlerweile 9 Millionen Einwohner erreicht in der Schweiz. Die Immobilienbranche redet seit längerem von einer 10-Millionen-Schweiz. Sind wir aus Ihrer Sicht genug vorbereitet darauf und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?
    Auch die Vorstellung der 10-Millionen-Schweiz ist bereits überholt. Wenn wir unserer alternden Gesellschaft ein komfortables Leben ermöglichen wollen, brauchen wir zusätzliche junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte, dann brauchen wir die 12-Millionen-Schweiz! Den zu erwartenden Migrationsströmen von Klimaflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen müssen wir nachhaltige Lösungen anbieten, ohne aber unsere Kultur und Geschichte zu gefährden. Je schneller und besser wir uns darauf vorbereiten, desto mehr werden wir auch davon profitieren können.

    Wir sind auf die exogenen Paradigmenwechsel schlecht vorbereitet. Wir nehmen den Sog der Grossstädte zwar wahr, stellen diesem aber keine Alternativen gegenüber. Wir arbeiten immer noch mit Zonenplänen, obwohl diese unsere Produktion und unsere Lebensart nicht mehr abzubilden vermögen. Wir starren gebannt auf die erfolgreichen Publikumsmagnete Zürich, Basel und Genf, statt die schlummernden Qualitäten von Kleinstädten wie Lenzburg, Brugg, Wetzikon oder Glarus wahrzunehmen und zu nutzen. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

    Unsere Vision der Smart City Switzerland ist nicht eine Megacity mit ausufernder Agglomeration – ganz im Gegenteil: Wir schlagen vor, wieder kleinteiliger zu werden. Nicht die grossen Schweizerstädte sollen wachsen, sondern die mittelgrossen und die gut vernetzten kleineren Städte werden verdichtet und urbanisiert – mit viel Grünraum dazwischen. Zur Urbanisierung gehört die Verbesserung des Angebots, die kulturelle Aufwertung, insbesondere aber auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Und dort, wo die Forschung zur Siedlungsentwicklung Lücken im Städtenetz ortet, müssen wir auch den Mut aufbringen, neue Städte zu bauen.

    Welche Rollen und langfristige Vision sehen Sie für den Wirtschaftsraum Glarus und welche Schlüsselprojekte werden die kommenden Jahre prägen?
    Glarus Nord ist das wirtschaftliche Rückgrat des Kantons – mit seiner Lage, seiner Infrastruktur und seiner Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich bietet es enormes Potenzial für Produktion und Dienstleistungen. Glarus Süd hingegen punktet mit Natur, Freizeitwert und Lebensqualität. Diese beiden Räume sollten viel stärker im Sinne einer funktionalen Symbiose gedacht werden. Die Vision Glarus 2030 zeigt dafür klare Perspektiven, aber sie muss noch breiter getragen werden. Schlüsselprojekte in Näfels-Mollis und Niederurnen-Oberurnen wären ideale Katalysatoren, werden aber bisher zu wenig genutzt – auch nicht in der kürzlich festgesetzten kommunalen Richtplanung. Eng gefasste kantonale und bundesrechtliche Vorgaben zur Bauzonendimensionierung bremsen dabei die Entwicklung – hier braucht es Spielraum für zukunftsgerichtete Lösungen.

    Eine der Masterarbeiten Ihrer Studenten analysiert Glarus Nord als potenzielles Subzentrum im Wirtschaftsraum Zürich. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial dieser Region ein, insbesondere mit Blick auf Infrastruktur, Branchen, Arbeitsplätze
    und Wohnen?

    Das Potenzial von Glarus Nord ist beeindruckend. Unsere Studien zur Smart City Switzerland zeigen, dass beidseits des Walensees Platz für eine mittelgrosse Stadt vorhanden wäre – ob diese aber in Glarus Nord, Ausserschwyz oder im Sarganserland entsteht, hängt letztlich vom politischen Willen der Bewohner ab.
    Die erwähnte HSLU-Masterarbeit untersucht die Beziehung zwischen der Grossstadt Zürich und umliegenden Subzentren (Knoten zweiter Zentralität). Der heutigen Situation des Brain-Drains und der Salär-Söldner, die zwischen dem ländlichen Raum Glarus und dem städtischen Zürich hin- und herpendeln, wird die Vision der 15-Minuten-Stadt Glarus Nord gegenübergestellt. Die Masterarbeit bestätigt die gegenseitige Abhängigkeit von Raumplanung und Wirtschaftsförderung, von Verdichtung und Nutzungsvielfalt, von Arbeitsplätzen und Wohnraum.

    Was muss aus planerischer und politischer Sicht passieren, damit Glarus nicht nur mitwächst, sondern auch mitgestaltet?
    Aus der Perspektive von Smart City Switzerland muss das Bundesamt für Raumentwicklung ARE die gesamtschweizerische Raumplanung überarbeiten und neue Freiräume für die verdichtete Siedlungsentwicklung schaffen. Auf dieser Grundlage können bestehende Städte verdichtet, oder sogar neue Regionalstädte (Knoten zweiter Zentralität) und Kleinstädte (Knoten dritter Zentralität) entwickelt werden.

    Für Glarus heisst das konkret: aktives Lobbying in Bern, um Glarus Nord als Wirtschaftsstandort zu positionieren. Nur so kann sich der Kanton aus der Rolle des passiven Mitläufers im Finanzausgleich befreien. Es braucht eine klare Entscheidung zwischen Abwarten und aktiver Mitgestaltung. Wer mitgestalten will, muss investieren – in Planung und Entwicklung, Infrastrukturen, Standortmarketing und politische Überzeugungsarbeit.

    Welche Rolle spielt der kantonale Richtplan dabei und welche Einflussmöglichkeiten gibt es auf kommunaler Ebene?
    Der kantonale Richtplan reflektiert die heutige Situation und denkt diese linear weiter. Die Paradigmenwechsel, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, werden darin nicht abgebildet. Der Richtplan bietet auch ungenügende Flexibilität, um auf die neuen exogenen und endogenen Herausforderungen reagieren zu können.

    Die Einflussmöglichkeiten auf die übergeordnete Richtplanung sind beschränkt. Die Kommune ist vom Kanton abhängig, und der Kanton seinerseits vom Bund. Zudem macht die Forderung nach Planbeständigkeit jede Innovation schwierig. Die Reaktionszeiten sind zu lang. Dennoch gibt es Hebel: Pilotprojekte und Entwicklungsschwerpunkte (ESP) ermöglichen es, innovative Ideen zu testen und neue Stadtmodelle zu erproben.

    Der heutige 105. immoTable in Glarus leistet einen wichtigen Beitrag zur dringend nötigen Diskussion, ob Glarus zum Standort für die Zukunft werden will.

  • So viel CO2 kann aussenliegender Sonnenschutz einsparen

    So viel CO2 kann aussenliegender Sonnenschutz einsparen

    Angesichts steigender Temperaturen und zunehmender Hitzeperioden ist aussenliegender Sonnenschutz als passive Massnahme ein unabdingbarer Baustein, um dem Klimawandel zu begegnen. Klar ist: Die Herausforderung wird immer grösser, für angenehme Temperaturen im Gebäude zu sorgen und es für Nutzer komfortabel zu halten – vor allem, wenn keine Klimaanlagen eingesetzt werden sollen. Denn ihr Einsatz ist energieintensiv und versursacht weitere CO2-Emissionen. Zudem erhitzt die Abwärme der Anlagen das Mikroklima im Stadtraum und verschärft den Temperaturanstieg damit zusätzlich.

    Ist eine Klimatisierung im Gebäude aber erforderlich, trägt der Sonnenschutz zu geringeren Kühllasten bei, und damit zu weniger Energiebedarf und letztlich CO2-Ausstoss.

    „Vor allem die Automatisierung des Sonnenschutzes garantiert ein optimales Ergebnis“ betont Markus Schwab. Der Bauphysiker von Warema berät Architekten und Fachplaner hinsichtlich Energie- und CO2-Einsparpotenziale durch Sonnenschutz-Systeme. „Nutzer steuern den Sonnenschutz oftmals zu spät, nämlich erst, wenn sich der Raum bereits spürbar aufgewärmt hat. Zudem reagiert ein automatisierter Sonnenschutz auch dann, wenn die Nutzer gar nicht anwesend sind“, so Schwab.

    Aber auch in nicht klimatisierten Gebäuden bringen Sonnenschutz-Systeme Vorteile hinsichtlich Energiebedarf und Nutzer-Komfort: Im Sommer wird der direkte Sonnenlichteinfall in den Raum verhindert und damit der Energieeintrag deutlich reduziert. Die Raumtemperatur bleibt angenehm kühl. In kalten Winternächten sorgen beispielsweise geschlossene Rollläden ebenfalls für ein Energie- und damit ein CO2-Einsparpotenzial: Zwischen Fenster und Rollladen bildet sich ein Luftpolster. Dieses reduziert den Wärmedurchgang und hilft, die Wärme im Gebäude zu halten. Zusätzlich lässt sich der Energieeintrag der Sonneneinstrahlung tagsüber nutzen bei gleichzeitigem Schutz vor Blendung. So kann der Heizenergiebedarf durch einen automatisierten Sonnenschutz um bis zu 30% reduziert werden (Studie Hauser im Auftrag IVRSA).

    CO2-Einsparpotenzial und Ausstoss gegenübergestellt
    Sonnenschutz-Produkte können also in ihrer Nutzungsphase CO2-Emissionen einsparen. Es entstehen jedoch auch Treibhausgase: bei der Rohstoffgewinnung, bei Produktion, Logistik und der Nutzung der Produkte sowie bei der Entsorgung. Um die Bilanz zwischen potenzieller Einsparung und Ausstoss zu klären, hat Warema den CO2-Fussabdruck seiner drei gängigsten Sonnenschutz-Lösungen analysiert: den Fenster-System Raffstore, den Vorbau-Rollladen und die Vorbau-Markise. Dabei hat das Unternehmen die gesamte produktbezogene Wertschöpfungskette betrachtet, vom Rohstoff bis zur Entsorgung.

    Die Grundlage der Berechnung bildet das international anerkannte Greenhouse Gas Protocol. Analysiert wurden alle drei Scopes, das heisst, sowohl direkte und indirekte Emissionen am Produktionsstandort sowie indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette.

    Bei den drei Sonnenschutzlösungen wurde jeweils eine mittlere, handelsübliche Produktgrösse und Ausführungsvariante angesetzt. Die Berechnung der potenziellen CO2-Einsparung bezieht sich auf einen Raum in einem Nichtwohngebäude (LxBxH 8,25m x 5,4m x 2,8m) mit einem Fensterflächenanteil von 70 Prozent (16,17m2) auf der Westseite. Für die aktive Kühlung wurden 22 Grad Celsius festgelegt. Angenommene Nutzungsdauer des Sonnenschutz-Produkts: 20 Jahre bzw. 10.000 Lastwechsel. Durchgeführt wurden die Berechnungen mit einem Tool der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG).

    Ein klares Argument für den Sonnenschutz
    Das Ergebnis: Die CO2-Emissionen der Sonnenschutz-Produkte liegen zwischen 265 und 293 kg CO2-Äquivalenten (CO2e). Die Fenstermarkise zeigt dabei den geringsten, der Rollladen den höchsten Ausstoss. In allen Fällen sorgen die zugekauften Rohstoffe für den Löwenanteil bei den CO2-Emissionen. Allein diese schlagen mit 82,4 bis 90,6 Prozent der Gesamtemissionen zu Buche. Auffällig ist, dass sich der Energie- und Wartungsbedarf einer motorisierten Lösung kaum auf die Emissionen auswirkt.

    Dem gegenüber steht das Einsparpotenzial während der Nutzungsphase: Es ist bis zu 28 Mal höher als der CO2-Ausstoss. Eine Fenstermarkise kann bei den oben beschriebenen Nutzungsbedingungen bis zu 7297 kg CO2e einsparen, eine Aussenjalousie – im Fachjargon Raffstore genannt – bis zu 5834 kg CO2e und ein Rollladen immerhin noch bis zu 3931 kg CO2e. Damit liegt das Potenzial für die CO2-Einsparung selbst beim Rollladen noch 13 Mal höher als der CO2-Ausstoss im gesamten Lebensweg.

    Mit diesen klaren Zahlen unterstreicht die Analyse noch einmal die Bedeutung des aussenliegenden Sonnenschutzes für das klimaresiliente Bauen – sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung von Bestandsgebäuden. Dabei weist jedes Gebäude individuelle Merkmale auf und muss daher stets für sich betrachtet werden. Für Architekten und Fachplaner stehen daher bei Warema speziell geschulte Berater sowie Bauphysiker bereit: https://architects.warema.com/de-de/.

  • Sorgfältige Transformation des Papierwerd-Areals beschlossen

    Sorgfältige Transformation des Papierwerd-Areals beschlossen

    Das Papierwerd-Areal soll ein öffentlicher Ort werden, der gut an den angrenzenden Stadtraum angebunden ist und zu Aufenthalt und Begegnung sowie zum Austausch einlädt. Der Stadtrat hat in diesem Sinne einer sorgfältigen Transformation zugestimmt, bei der insbesondere auch das Freiraumangebot vergrössert werden soll. Die Entwicklungsrichtung stützt sich auf die Ergebnisse des Dialogverfahrens «Forum Papierwerd» und berücksichtigt wichtige Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Schutzwürdigkeit des Globusprovisoriums und den Gewässerschutz. Wie weit die Umgestaltung des Papierwerd-Areals geht und was diese im Detail beinhaltet, ist noch offen.

    Strategieprozess Papierwerd-Areal
    Mit dem Strategieprozess Papierwerd-Areal wurden Grundlagen erarbeitet, um einen breit abgestützten Entscheid über die Zukunft des Areals zu ermöglichen. Kern dieses Prozesses bildet das im Jahr 2022 durchgeführte Dialogverfahren «Forum Papierwerd», an dem sich Fachleute aus verschiedenen Disziplinen, Vertretungen aus Politik, Vereinen und anderen Organisationen sowie der Bevölkerung beteiligten. Aus dem Verfahren ging hervor, dass für die gewünschte Öffnung und Wandelbarkeit des Areals sowohl bauliche wie auch nutzungsbezogene Veränderungen notwendig sind. Festgehalten sind die Ergebnisse in elf zentralen Aussagen, die wichtige Aspekte für die Zukunft des Orts beinhalten.

    Sofortmassnahmen
    Mit der Transformation des Papierwerd-Areals wird so bald als möglich begonnen. Wo Veränderungen im Sinne der Ergebnisse des Dialogverfahrens niederschwellig durchführbar sind, werden ab 2024 (temporäre) Sofortmassnahmen umgesetzt. Geplant sind beispielsweise eine Aufwertung des Freiraums südlich des Globusprovisoriums oder eine offenere, transparentere Gestaltung der Erdgeschossfassade im Eingangsbereich der Bahnhofbrücke.

    Nächste Schritte
    In einer Vertiefungsphase werden bis Anfang 2025 verschiedene bautechnische Fragen geklärt und der Umgang mit der Schutzwürdigkeit des Globusprovisoriums sowie mit dem Gewässerschutz weiter diskutiert. In der anschliessenden Projektphase bis schätzungsweise 2026 wird ein Wettbewerb durchgeführt. Daraufhin folgen die Projektierung und das Bewilligungsverfahren. Sämtliche Arbeiten zum Papierwerd-Areal sollen dabei weiterhin transparent und im Dialog mit den verschiedenen Beteiligten erfolgen.

  • Werkstadt Zürich: Transformation in ein klimafreundliches Quartier

    Werkstadt Zürich: Transformation in ein klimafreundliches Quartier

    Die SBB verwandelt das 42’000 m2 grosse Werkstadt-Areal in Zürich bis 2035 in einen belebten urbanen Stadtraum. Die historische Bausubstanz bleibt erhalten und wird künftig ein spannungsvolles Ensemble mit den Neubauten und Aufstockungen bilden. Die Transformation der ehemaligen SBB-Werkstätten erfolgt äusserst nachhaltig und beinhaltet Massnahmen des klimagerechten Bauens, Ansätze der Kreislaufwirtschaft sowie ein innovatives Energiekonzept.

    Bestand weiterentwickeln
    In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege werden die bestehenden Gebäude in den kommenden Jahren schrittweise umgebaut sowie mit Neubauten und Aufstockungen ergänzt. Als Herzstück des Areals vereint die ehemalige Wagenwerkstätte «Gebäude Q» ab 2023 einen vielfältigen Nutzungsmix unter einem Dach. Durch die Weiterentwicklung entsteht ein spannungsvolles Zusammenspiel zwischen historischer Bausubstanz, baulicher Verdichtung und öffentlicher Nutzung der Aussenräume.

    © SBB AG, Martin Zeller

    Klimagerechte Bauweise
    «Die SBB will ab 2030 klimaneutral sein. Das klimakompatible Bauen ist ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen», sagt Gabriele Bühler, Projektleiterin bei der SBB. Verschiedene Massnahmen des klimagerechten Bauens sind in die Planung eingeflossen. So erlaubt beispielsweise die Anordnung der Neubauten auch künftig eine gute Zirkulation kühler Luftströmungen. Das Dachwasser wird, wo möglich, in einem oberirdischen System versickert und dient auch der Kühlung. Versiegelte Flächen werden möglichst entsiegelt. Die Transformation folgt einem systemischen Ansatz, der die Gebäude über den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Damit wird das Ziel verfolgt, den CO2-Ausstoss möglichst tief zu halten. Um die Zirkularität sicherzustellen, sind sämtliche Bauteile auf der Madaster-Plattform erfasst. Zudem wird besonderes Augenmerk auf die Wiederverwendung von Bauteilen gelegt. 

    Energiekonzept: 100% erneuerbar
    Mit einer Energielösung, die zu 100% auf erneuerbaren Energien basiert, konnte ewz die öffentliche Ausschreibung der SBB für sich entscheiden. Als Quelle für Wärme und Kälte dient Grundwasser, das in vier Brunnen auf dem Areal gefasst wird. Von dort gelangt das Wasser zu den Energiezentralen in den grösseren Gebäuden, wo sich Wärmepumpen und Kältemaschinen befinden, die es auf die erforderliche Temperatur bringen. Ein Anergienetz verbindet sämtliche Gebäude und sorgt für einen Austausch von überschüssiger Energie zwischen den Gebäudegruppen. So lässt sich beispielsweise Wärme oder Kälte, die in einem Gebäude im Überfluss vorhanden ist, in einem anderen verwenden. Dieses System hat zudem den Vorteil, dass nicht in jedem Gebäude eine Grundwasserbohrung nötig ist. Die kleineren Gebäude sind über ein Nahwärmenetz an die Energiezentralen angeschlossen. Die Wärme- und Kälteerzeugung erfolgt zu 100% CO2-frei, da auch der Reststrom aus erneuerbaren Quellen stammt. Dank des Einsatzes eines monovalenten Energiesystems führt dies im Endausbau zu einer CO2-Reduktion von mehr als 2’100 Tonnen pro Jahr.

    Hoher Eigenverbrauch von Solarstrom
    ewz plant, finanziert, erstellt und betreibt zudem die Trafoanlagen sowie die Mittelspannungsleitungen zur Versorgung des Areals mit elektrischer Energie. «Ein Teil des Stroms, den die Werkstädter*innen auf dem Areal verbrauchen, wird vor Ort mit Photovoltaik produziert», erklärt Markus Fischer, Leiter Verkauf bei ewz Energielösungen. Dafür wollen die SBB und ewz die Dachflächen optimal für die Solarstromproduktion nutzen. Sowohl das Dach des zentralen Gebäudes Q wie auch die Dächer anderer Gebäude, die sich aus statischer Sicht und von ihrer Ausrichtung her für die Solarstromgewinnung eignen, sollen mit Photovoltaikanlagen eingedeckt werden. Die SBB verpflichtet ihre Mietparteien auf dem Areal zur Teilnahme an einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). «Im Endausbau wird der ZEV aus rund 300 Parteien bestehen, die den lokal produzierten Strom vor Ort nutzen. Damit lässt sich eine hohe Eigenverbrauchsquote erzielen, die wesentlich zur Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlagen beiträgt», sagt Markus Fischer. Er rechnet damit, dass der Eigenverbrauch auf dem Werkstadt-Areal im Endausbau bei nahezu 100% liegen wird.

    © SBB AG, Martin Zeller

    Vorteile durch Contracting
    Für die Eigentümerin hat diese Form der Zusammenarbeit unter anderem den Vorteil, dass die finanziellen Risiken und die Aufwände für die Verwaltung sehr tief sind. Fällt eine Anlage aus, sorgt ewz dafür, dass sie schnellstmöglich wieder in Betrieb geht. Damit das System effizient betrieben werden kann, beginnt ewz kurz nach der Inbetriebnahme mit einer energetischen Betriebsoptimierung. In einem kontinuierlichen Prozess werden die Anlagen optimiert und den effektiven Bedürfnissen der Nutzung angepasst, bis sie möglichst wenig Energie und Kosten verschlingen und ein Maximum an Komfort für die Nutzer*innen bieten.

    Die Werkstadt Zürich ist ein gelungenes Beispiel für die weitsichtige Umnutzung eines historischen Industrieareals. Durch die gezielte Erneuerung und Erweiterung des Bestandes und ein wegweisendes Energiekonzept schafft die Bauherrschaft gemeinsam mit den Planenden und ewz Mehrwerte für die künftigen Nutzer*innen wie auch für die Umwelt. Erfahren Sie hier mehr über das innovative Energiekonzept des Werkstadt-Areals.

    www.ewz.ch/energielösungen