Schlagwort: Stahlbeton

  • Innovative Messtechnik erleichtert Bauwerkskontrolle bei Stahlbeton

    Innovative Messtechnik erleichtert Bauwerkskontrolle bei Stahlbeton

    Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben eine Methode entwickelt, mit der Korrosion im Bewehrungsstahl von Stahlbetonbauwerken entdeckt werden kann, ohne dass dafür der Beton aufgebrochen werden muss. Die Methode von Maschinenbauingenieur Lukas Bircher und seinem Team setzt auf elektrochemische Messungen, informiert die ETH in einer Mitteilung. Konkret haben die Forschenden eine aus zwei aufblasbaren Dichtungen mit Elektroden in der Mitte bestehende Sonde erfunden. Im zugehörigen Kabel ist eine Wasserleitung eingebaut.

    Die Sonde wird in die Drainagerohre eingeführt, die Dichtungen werden aufgepumpt und anschliessend wird Wasser in den abgedichteten Bereich eingeleitet. Durch die Löcher in der Entwässerungsleitung stellt das Wasser eine Verbindung zwischen den Elektroden in der Sonde und dem Boden her. Dadurch entsteht eine elektrolytisch leitende Verbindung zum Stahl im Bauwerk, die eine lokale elektrochemische Messstelle bildet. „Mit der Messzelle zeichnen wir elektrische Signale auf, die unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob der Bewehrungsstahl korrodiert ist oder nicht“, wird Bircher in der Mitteilung zitiert.

    Derzeit muss die Sonde noch händisch nach und nach durch die Drainagerohre geleitet werden, um eine umfassende Zustandserfassung des Stahls zu ermöglichen. Im nächsten Schritt wolle das Team die Messung „mehr automatisieren und die Inspektionssonde robuster machen“, erläutert Bircher. Da sich das Konzept bereits bewährt hat, wird er gemeinsam mit dem Materialingenieur Federico Martinelli-Orlando und dem Bauingenieur Patrick Pfändler ein Start-up namens Talpa-Inspection gründen.

  • Neue Messtechnik erkennt Korrosion in Stahlbeton ohne Eingriffe

    Neue Messtechnik erkennt Korrosion in Stahlbeton ohne Eingriffe

    Stützmauern, Tunnel und Brücken aus Stahlbeton prägen das Schweizer Stadtbild und die Infrastruktur. Doch viele dieser Bauwerke haben bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel – und chemische Veränderungen im Beton setzen dem verbauten Stahl zu. Beginnt der Bewehrungsstahl zu rosten, verliert das Bauwerk an Stabilität. Besonders problematisch sind die Schäden an unzugänglichen Stellen, wo herkömmliche Prüfmethoden versagen.

    Elektrochemische Messungen als neue Lösung
    Bislang mussten Ingenieure Teile des Betons aufbrechen, um Korrosionsschäden zu überprüfen. Ein aufwendiges und oft unzureichendes Verfahren. Talpa hat eine neue Methode entwickelt, die über Drainagerohre funktioniert. Eine spezielle Sonde wird in das Rohr eingeführt und misst mithilfe von elektrochemischen Signalen die Korrosionswahrscheinlichkeit im umgebenden Stahlbeton.

    «Das gab es bisher nicht», erklärt Lukas Bircher, einer der Entwickler. «Bisher musste man ganze Betonflächen abtragen, um Schäden zu finden und konnte trotzdem leicht einen kritischen Bereich übersehen.» Mit der neuen Technik können nun ganze Mauerabschnitte systematisch geprüft werden, ohne Zerstörung oder aufwendige Bauarbeiten.

    Messungen im laufenden Betrieb – ohne Baustelle
    Das Verfahren wurde bereits erfolgreich getestet, unter anderem an einer 200 Meter langen Stützmauer in Zürich-Höngg. Das Prinzip ist eine Sonde die in das Drainagerohr eingeführt und mit aufblasbaren Dichtungen fixiert wird. Anschliessend leitet das System Wasser in den Messbereich, wodurch eine leitfähige Verbindung zwischen den Elektroden der Sonde und dem Stahl im Beton entsteht. Anhand der aufgezeichneten elektrischen Signale kann das Team erkennen, ob und in welchem Ausmass Korrosion vorliegt.

    Alle 25 Zentimeter wird eine neue Messung vorgenommen, um den Zustand des gesamten Mauerabschnitts zu erfassen. «So können wir gezielt diejenigen Bereiche identifizieren, die tatsächlich eine Gefahr darstellen», sagt Bircher. «Das spart nicht nur Zeit, sondern auch hohe Kosten für unnötige Eingriffe.»

    50 Jahre nach dem Bauboom – Sanierungsbedarf wächst
    Viele der heute betroffenen Stahlbetonbauten stammen aus der Boomphase zwischen 1960 und 1980. Besonders Stützmauern aus den 1970er-Jahren enthalten häufig Hohlräume, die Korrosion begünstigen. Bislang mussten Schäden aufwendig durch Stichproben ermittelt werden, mit hohem Risiko, kritische Stellen zu übersehen. Die neue Methode bietet erstmals eine flächendeckende und zuverlässige Analyse.

    Von der Forschung zum Start-up Talpa-Inspection
    Die Technologie hat so grosses Potenzial, dass Bircher gemeinsam mit zwei Kollegen das Start-up Talpa-Inspection gründet. Der Name «Talpa», lateinisch für «Maulwurf», steht sinnbildlich für die innovative Art, tief verborgene Schäden sichtbar zu machen. Unterstützt durch ein ETH Pioneer Fellowship entwickelt das Team die Technologie weiter und bereitet den Markteintritt vor.

    Zukunftsperspektiven, Automatisierung und Skalierung
    Aktuell erfolgt die Messung noch teilweise manuell, doch das Team arbeitet bereits an einer automatisierten Version. Ziel ist es, die Sonde robuster zu machen und den Messvorgang weiter zu beschleunigen. Die Nachfrage ist gross. Allein in der Schweiz gibt es über 1’000 Kilometer potenziell betroffener Stahlbetonbauwerke.

    «Unsere Methode bietet eine echte Chance, die Lebensdauer bestehender Bauwerke zu verlängern», sagt Bircher. «Wir hoffen, dass sie sich bald als Standardverfahren für die Bauwerksdiagnostik etabliert.»

  • Macht dieser umweltfreundliche Verbundwerkstoff Stahlbeton überflüssig?

    Macht dieser umweltfreundliche Verbundwerkstoff Stahlbeton überflüssig?

    Die Produktion von Zement gilt als besonders schädlich für das Klima, weshalb die Bauindustrie nach Alternativen sucht, um den CO2-Ausstoss zu verringern. Forscher des Deutschen Instituts für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf haben eine solche Alternative entwickelt. Der neue Verbundwerkstoff aus Naturstein, Carbonfasern und Biokohle könnte eine umweltfreundliche Alternative zu Stahlbeton darstellen und besticht durch eine ausgezeichnete CO2-Bilanz.

    Gemeinschaftsprojekt DACCUSS-Pre
    Die Verwendung von Pflanzenmaterialien wie Holz, Stroh oder anderen Pflanzenfasern als Baumaterial ermöglicht eine effiziente Bindung von Kohlenstoff. Doch für das Team im Projekt DACCUSS-Pre reicht eine kurzfristige Speicherung nicht aus. Sie arbeiten an einem neuen Baustoff namens CFS (CarbonFaserStein), der aus pflanzlichen Carbonfasern, Biokohle und Hartgestein besteht. Dieser Baustoff soll nicht nur alle technischen Anforderungen erfüllen, sondern langfristig auch mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen, als bei seiner Herstellung freigesetzt wird.

    CFS erzielt diese Bindung von Kohlenstoff auf drei verschiedene Arten
    Die Umwandlung von kohlenstoffreicher Biomasse wie Algen in Carbonfasern ermöglicht es, Kohlenstoff langfristig im Baustoff zu speichern. Der Hartgestein im CFS trägt zusätzlich zur Bindung von CO₂ bei. Während des Herstellungsprozesses entsteht Steinstaub, der die Verwitterung des Gesteins beschleunigt und dadurch Kohlendioxid aus der Luft durch chemische Reaktionen im Stein bindet. Als Isolationsschicht zwischen den Steinplatten wird Biokohle verwendet, ein weiteres dauerhaftes und kohlenstoffreiches Material, das aus Pflanzenteilen gewonnen wird.

    Gebäudefassade umgesetzt
    In enger Kooperation mit der Firma TechnoCarbon Technologies hat das Projekt bereits erhebliche Fortschritte gemacht – ein erster Prototyp in Form eines Bauelements für Hauswände wurde erfolgreich umgesetzt. Dieses besteht aus den zuvor genannten Komponenten Carbonfasern, Hartgestein und Biokohle. Zwei Natursteinplatten dienen als Aussenwände des Bauelements. Die Carbonfasern verstärken die Seitenwände mithilfe von technischen Geweben und übernehmen die Zugbelastung, ähnlich wie Bewehrungsstahl bei Stahlbeton. Die Biokohle wiederum dient als Füllmaterial und wirkt als effektive Dämmung.

    BIO-Carbonfasern aus Rohstoffen
    Die am DITF Denkendorf entwickelten Carbonfasern bestehen aus Lignin, das aus Biomasse gewonnen wird. Diese Fasern zeichnen sich durch ihre Wirtschaftlichkeit aufgrund niedriger Rohstoffkosten und ihre Effizienz bei der Kohlenstoffbindung aus. Im Vergleich zu herkömmlichem Betonstahl rosten sie nicht, was ihre Lebensdauer verlängert. Obwohl die Herstellung mehr Energie erfordert als die von Stahl, ist die Menge im Bauwesen so gering, dass die Gesamtbilanz von Energie und CO2-Emissionen positiver ausfällt als bei Stahlbeton. Die Nutzung von Solarenergie und Biomasse bei der Herstellung sowie die natürliche Verwitterung des Steinmehls führen dazu, dass die CO2-Bilanz des neuen Baustoffs sogar negativ ist. Somit können Gebäude errichtet werden, die aktiv zur CO2-Reduktion beitragen.

    Umweltauswirkungen der Hausfassade
    Die Forscher aus Denkendorf berichten begeistert über den neuen Demonstrator für ein Wandelement im Hochbau. Dieses besteht aus Gabbro, einem Naturstein aus Indien, der nicht nur optisch ansprechend ist, sondern auch eine hohe Belastbarkeit aufweist, wie Belastungstests bestätigen. Die Deckschicht der Steinplatten wird aus biobasierten Carbonfasern hergestellt, wobei die Biokohle von der renommierten Convoris GmbH stammt, die für ihre exzellenten Wärmedämmwerte bekannt ist.