Schlagwort: Standortpolitik

  • 2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    Wettingen ist ins Zentrum einer wirtschaftspolitischen Weichenstellung gerückt. Der Aargauer Regierungsrat will den Richtplan im Gebiet Tägerhardächer anpassen und so die planerischen Voraussetzungen für einen möglichen Campus von Hitachi Energy schaffen.

    Der Schritt ist gross. Denn es geht nicht nur um ein einzelnes Bauvorhaben. Es geht um die Frage, ob der Aargau seine industrielle Substanz halten und zugleich ausbauen kann. Im besten Fall bleiben rund 1000 bestehende Arbeitsplätze im Kanton, zusätzlich könnten bis zu 2000 neue Stellen entstehen.

    Warum gerade Tägerhardächer
    Der Standort ist kein Zufall. Hitachi Energy prüft mehrere Optionen für den Ausbau seiner Kapazitäten und den Zusammenzug heutiger Arbeitsplätze. Das Gebiet Tägerhardächer gilt dabei als eine bevorzugte Variante.

    Aus Sicht der Standortförderung spricht viel für Wettingen. Das Areal liegt im Raum Zürich, Limmattal und Baden, ist verkehrlich stark angebunden und ermöglicht eine zusammenhängende, ausbaufähige Campuslösung. Hinzu kommt die Nähe zu einem bestehenden Cluster von Unternehmen aus dem Energiesektor. Das erhöht die Strahlkraft des Standorts weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

    Der Preis des Fortschritts
    Wo Entwicklung möglich wird, entstehen Konflikte. Für das Vorhaben müssten 10,7 Hektaren Siedlungsgebiet festgesetzt werden. Das Gebiet liegt heute im Landwirtschaftsraum und wird teilweise von einem Siedlungstrenngürtel überlagert.

    Genau hier entzündet sich die Kritik. Im Mitwirkungsverfahren wurden vor allem der Verlust von Kulturland, die Reduktion von Fruchtfolgeflächen, Eingriffe in den Siedlungstrenngürtel sowie Verkehrsfragen kritisch beurteilt. Der Regierungsrat hält dennoch fest, das Vorhaben sei aus kantonaler Sicht zweckmässig und räumlich abgestimmt. Parallel soll versucht werden, Landwirtschaftsflächen andernorts aufzuwerten, damit der Verlust begrenzt bleibt.

    Die Region denkt weiter als bis zur Werkhalle
    Entscheidend ist nun, ob Wachstum und Lebensqualität zusammenfinden. Denn ein Campus dieser Grössenordnung wirkt nicht nur auf den Arbeitsmarkt. Er verändert Verkehrsströme, Siedlungsräume und die Erwartungen an die Infrastruktur.

    Darum soll die Erschliessung nicht nur für das Auto funktionieren. Der öffentliche Verkehr sowie Fuss- und Veloverbindungen sollen so gestaltet werden, dass die Belastung für Nachbargemeinden möglichst tief bleibt. Das ist mehr als Begleitmusik. Es ist die Bedingung dafür, dass wirtschaftliche Dynamik regional akzeptiert wird.

    Noch ist nichts entschieden
    Der politische Wille ist sichtbar. Auch Wettingen und Baden Regio unterstützen die Richtplananpassung. Doch der definitive Standortentscheid des Unternehmens steht aus. Fällt er gegen Wettingen, werden die entsprechenden Beschlüsse hinfällig.

    Gerade darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Dossiers. Zukunft fällt nicht einfach vom Himmel. Sie muss planerisch vorbereitet, politisch getragen und regional austariert werden. Wettingen hat nun die Chance, genau das zu beweisen.

  • Neuer Amtsleiter soll Wirtschaft und Arbeit strategisch weiterentwickeln

    Neuer Amtsleiter soll Wirtschaft und Arbeit strategisch weiterentwickeln

    Die Regierung des Kantons St.Gallen hat laut einer Mitteilung Daniel Müller auf den 1. Mai zum neuen Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit gewählt. Er folgt auf Karin Jung, die das Amt seit 2018 geleitet und Anfang Jahr ihren Rücktritt bekanntgegeben hat. Müller übt ihre Aufgaben derzeit interimistisch aus.

    Der 50-Jährige ist seit 2018 für den Kanton tätig. Bisher war er Leiter der Standortförderung. Der Audio- und Videoelektroniker und Informationstechniker hat Betriebswirtschaft an der OST – Ostschweizer Fachhochschule absolviert. Vor seiner Zeit beim Volkswirtschaftsdepartement war er unter anderem für die Universität St.Gallen tätig.

  • Kanton Zürich schafft Schnittstelle zum Innovationspark

    Kanton Zürich schafft Schnittstelle zum Innovationspark

    Der Kanton Zürich hat laut einer Mitteilung die Fachstelle Innovationspark Zürich geschaffen. Damit setzt er einen Regierungsratsbeschluss von April 2025 um, der die Überführung der bisher durch ein externes Mandat geführten Koordinationsstelle in eine Regelorganisation vorsieht. Die Fachstelle ist im Amt für Wirtschaft angesiedelt und hat ihren operativen Betrieb Anfang Jahr aufgenommen.

    Die Fachstelle soll die Umsetzung der Aufgabenteilung zwischen der Volkswirtschaftsdirektion, der Stiftung Innovationspark, der IPZ Property AG und der IPZ Operations AG sicherstellen. Sie soll die kantonalen Projekte koordinieren und die verschiedenen Anspruchsgruppen in den Standortgemeinden, beim Bund, in der Wirtschaft und anderen Partnern einbeziehen.

    Die Fachstelle soll sich zusätzlich zum Innovationspark als dem wichtigsten Arealentwicklungsprojekt im Kanton auch mit der aktiven Entwicklung von Wirtschaftsflächen als einem zentralen Standortfaktor beschäftigen. Dabei geht es um Flächen für das Wachstum, die Transformation und die Ansiedlung von Unternehmen namentlich im oder im Umfeld des Innovationsparks, aber auch im gesamten Kanton.

    Benjamin Grimm ist der erste Leiter der Fachstelle. Der Geograf hat einen Master in Raumentwicklung und Infrastruktursysteme der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sowie einen Master of Advanced Studies in Real Estate der Universität Zürich. Er hat unter anderem beim Bundesamt für Raumentwicklung und beim Amt für Raumentwicklung des Kantons Zürich gearbeitet.

  • Protektionismus als Standortrisiko

    Protektionismus als Standortrisiko

    Was als US-Zollpolitik unter Donald Trump begann, entwickelt sich zur globalen Bedrohung für offene Volkswirtschaften. Für die exportabhängige Schweiz ist diese Entwicklung mehr als nur ein geopolitisches Störfeuer. Sie trifft den Kern des Geschäftsmodells, internationale Vernetzung, stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Märkte.

    Laut einer repräsentativen Umfrage unter 800 Schweizer Unternehmen mit Aussenhandelsbezug rechnen 70 Prozent mit negativen Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Besonders betroffen sind exportstarke Branchen wie die Pharma-, Uhren- und Maschinenindustrie sowie Zulieferbetriebe in der Immobilienwirtschaft, dem Baugewerbe und der Logistik.

    Standortstrategien unter Druck
    Die Reaktionen der Unternehmen zeigen, dass der Protektionismus längst kein abstraktes Risiko mehr ist. Über 60 Prozent der Befragten erwarten höhere Kosten und Engpässe in der Lieferkette. Jede zweite Firma plant Preiserhöhungen, um die Zusatzkosten weiterzugeben. Gleichzeitig setzen viele auf Effizienzsteigerung und die Suche nach neuen Absatzmärkten.

    Besonders Grossunternehmen denken strategisch um. 40 Prozent erwägen den Aufbau eigener Standorte im Ausland, um Handelsbarrieren zu umgehen. Damit entstehen neue Anforderungen an Standortentwicklung, Immobilienprojekte und Investitionsplanung, sowohl im Inland als auch international.

    Klare Forderungen an die Politik
    Die Schweizer Wirtschaft verlangt eine aktive und zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik. Im Fokus stehen, Freihandelsabkommen, insbesondere mit den USA, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern , Regulierungsabbau und steuerliche Entlastung, um die Investitionsbereitschaft im Inland zu stärken.

    Forschung und Innovation als Schlüssel
    Eine breite Unterstützung erfährt auch die Weiterentwicklung der Bilateralen Abkommen mit der EU, insbesondere im Energiesektor. Mehr als 60 Prozent der Firmen sehen hier eine Chance zur Stärkung der Versorgungssicherheit und zur Integration in zentrale europäische Märkte.

    Zukunftstechnologien sichern – gemeinsam mit Europa
    Mit dem wachsenden Protektionismus wächst auch die Sorge, beim Zugang zu Schlüsseltechnologien wie KI, Quantencomputing oder Hochleistungs-Chips abgehängt zu werden. Drei Viertel der befragten Unternehmen sehen hier akuten Handlungsbedarf.

    Aus Unternehmerseite wird der Aufbau eigener Kapazitäten in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern empfohlen. Besonders in technologieintensiven Branchen fordern Unternehmen staatliche Impulse, auch wenn dies einen Paradigmenwechsel in der Schweizer Industriepolitik bedeuten würde.