SwissPropTech hat ein neues Mitglied. Zum Jahresanfang 2022 hat sich Betterhomes dem Innovationsnetzwerk der Schweizer Immobilien- und Baubranche angeschlossen, informiert das Maklerunternehmen aus Zürich in einer Mitteilung. Im Rahmen seiner Mitgliedschaft will Betterhomes Wissen weitergeben und eine geplante Expansion vorantreiben. Bisher ist Betterhomes mit seiner Technologieplattform für Makler- und Kundensoftware in der Schweiz, Deutschland und Österreich aktiv.
„Wir verfolgen das ehrgeizige Ziel, in den nächsten acht Jahren 30 Länder in Europa zu erschliessen“, wird Betterhomes-CEO Cyrill Lanz in der Mitteilung zitiert. „Zu den grössten Herausforderungen dabei zähle ich nicht so sehr die Technologie, sondern vielmehr das organische Wachstum im Vertrieb und die kulturellen Unterschiede in den verschiedenen Ländern.“ Derzeit bereitet das Unternehmen zudem einen neuen Webauftritt und ein neues Learning Management System für seine Technologie-Plattform Betternet 3.0 vor.
Für SwissPropTech ist der Eintritt von Betterhomes „ein starkes Signal für unsere Branche“, erläutert Lars Sommerer, Managing Director von SwissPropTech, in der Mitteilung. „Ein digitaler ‚Immobilienfairmittler‘ der ersten Stunde anerkennt die Wichtigkeit von Innovation und Digitalisierung und möchte seine Erfahrungen und Expertise nun auch weitergeben.“
Es gibt einige Gründe, warum es sich für ein Unternehmen in der Immobilienwirtschaft lohnt, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen.
Attraktivität für Mitarbeiter: High Potentials und gut ausgebildete Mitarbeiter wollen in Unternehmen arbeiten, welche agil und digital sind. Um beim künftigen «War for Talents» mithalten zu können ist eine digitale Unternehmens-DNA fast schon ein «Hygienefaktor».
Schaffung von Effizienz und Transparenz: Mit neuen Lösungen – etwa im Bereich Artificial Intelligence und Data Analytics – können Ressourcen richtig gebündelt, Anlageentscheidungen fundiert getroffen oder Vermietungs- und Verkaufsprozesse schneller und kosteneffizienter abgewickelt werden.
Minimierung von Risiken: Durch den gezielten Einsatz von Technologien können Daten generiert, strukturiert und analysiert werden, um so Entscheidungsgrundlagen zu verbessern und damit Risiken zu minimieren.
Neue Optionen der Monetarisierung: Disruptive neue Technologien wie etwa die Blockchain-Technologie sind «Business Enablers» und fördern die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Ökosysteme und Kooperationen.
Verbesserung der User Experience: Neue Technologien wie Virtual oder Augmented Reality ermöglichen ein ganz neues Nutzererlebnis. Diese Art von «Convenience» wird künftig Standard werden und der Kunde vermutlich nicht mehr darauf verzichten wollen.
Einen Überblick über neue Technologien und PropTech-Lösungen finden Sie hier: https://hubs.li/H0RQjYL0
Das Wort Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Mehr und mehr Unternehmen setzen sich den «grünen» Hut auf – entweder um für Investoren attraktiv zu sein, als Arbeitgeber bei einer umweltbewussteren Generation zu punkten, oder ganz einfach, weil es die Gesetzeslage früher oder später erforderlich macht. PropTech-Unternehmen werden zum Mittel der Stunde, denn vor allem in der Immobilienbranche braucht es einen wesentlichen Wandel. Gemäss einer Studie von PwC (2019) ist der Immobilienwirtschaft 40% des weltweiten Energieverbrauchs zuzurechnen und 30% des gesamten Kohlendioxid-Ausstosses. PropTechs können hier innovative Tech-Lösungen für etablierte Unternehmen der Immobilienwirtschaft bieten, um ihren CO2-Fussabdruck zu minimieren.
Dennoch müssen PropTechs künftig nicht nur den «nachhaltigen» Beweis antreten, sondern auch zeigen, dass sich der Einsatz der Technologie ökonomisch rechnet. Insbesondere mit Visualisierungslösungen können Unternehmen dem Ziel der Klimaneutralität näherkommen und zugleich die Effizienz steigern. Projekte in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu verstehen und sich aufgrund von Plänen genau vorzustellen wie das Endresultat aussehen wird, ist oft schwierig. Hier kommt die Virtual Reality-Lösung HEGIAS zum Einsatz: 3D-Pläne und IFC-Files können per Drag n‘ Drop in einem Internet-Browser zu jedem Zeitpunkt der Planungs- und Bauphase in der virtuellen Welt von einer oder mehreren Personen ortsunabhängig begangen, materialisiert und möbliert werden.
Die Pandemie hat uns zudem gezeigt, dass eine Erstbesichtigung einer Immobilie nicht vor Ort stattfinden muss, damit sich ein Käufer oder Mieter ein grundsätzliches Bild verschaffen kann. Hier punkten durchdachte Lösungen mit gutem User Interface (UI) und einer tollen User Experience (UX), welche zusätzlich einen absolut «nachhaltigen» Mehrwert bieten: SAM beispielsweise ist ein vor Ort positionierter Service-Roboter und ermöglicht es Interessenten, sich live und frei durch die Immobilie zu bewegen. REMOTELY360° ist ein onlinebasiertes Tool für Erstbesichtigungen, mit dem ein Interessent in Echtzeit durch die Immobilie begleitet wird. Und VIEW2GO ermöglicht Live-Besichtigungen von Immobilien und deren Umgebung – Dokumentation inklusive – und spart dadurch Zeit, Geld und CO2.
Das Thema Künstliche Intelligenz hat den «Laborstatus» definitiv hinter sich gelassen. KI-basierte Lösungen werden immer stärker in den Arbeitsalltag integriert. Dabei geht es im Kern nicht um die «lernende» Technologie selbst, sondern um die dahinterliegenden Daten. Die technologische Lösung übernimmt das Sammeln, Speichern, Verarbeiten und Nutzen der eingeflossenen Daten. Entscheidend für künftige Innovationen wird hier das Zusammenspiel zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz sein. Jene Unternehmen, die KI sinnvoll nutzen, werden für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sein und entscheidende Wettbewerbsvorteile erlangen.
Auch im Facility Management haben KI-basierte Lösungen Einzug gefunden. Die Gebäudereinigung ist ein sehr kostspieliges Thema und Reinigungsmittel, Energie und Zeit werden oftmals mehr als nötig eingesetzt – dies ist nicht nur unökologisch, sondern auch unökonomisch. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz kann der Ressourceneinsatz optimiert und Kosten deutlich reduziert werden.
Das Schweizer Startup Soobr bietet hier eine nutzungsorientierte KI-Lösung. Dabei werden die bestehenden Leistungs- und Gebäudedaten in die Software eingelesen, worauf die KI basierend auf Faktoren wie Raumdistanzen, Raumpriorität, Anzahl und Dauer der Reinigung die Planung der täglichen Touren vornimmt. Über Raumsensoren kann zusätzlich die Belegung der einzelnen Räume in die Einsatzplanung integriert werden, um so die Reinigung gezielt dort auszuführen, wo sie wirklich notwendig ist. Die ausführenden Reinigungsmitarbeitenden werden mittels App auf mobilen Geräten durch die jeweiligen Touren geführt wobei Sie die KI mit Feedback und Dokumentationen speisen können. Die dynamische Tourenplanung erhöht die Effizienz, spart Kosten und Zeit bei der Tourenplanung ein und steigert die Transparenz für die Datenauswertung.
«Real Estate Brains» heisst das neue Online-Format von Immobilienprofis für Immobilienprofis aus der DACH-Region, welches ein Gemeinschaftsprojekt von Swiss Circle, SwissPropTech und Builtworld ist. Die erste Ausgabe stiess auf reges Interesse: 140 Branchenprofis verfolgten am Dienstagmorgen online die Referate von Dr. Christoph Schumacher, Global Head Real Estate bei Credit Suisse Asset Management, Thomas Schnabel, Rechtsanwalt und Partner bei Osborne Clarke sowie Dr. Stefan Fahrländer, Gründer und Partner von Fahrländer und Partner. Durch die kurzweilige Stunde führte Roman H. Bolliger, CEO Swiss Circle.
«Die Spreu trennt sich vom Weizen»
Den Anfang machte Dr. Stefan Fahrländer von Fahrländer und Partner. Er hielt fest: «Der Lockdown hat massive Auswirkungen auf die Staatshaushalte und grossen Einfluss auf die Nutzer- und Transaktionsmärkte.» Grundsätzlich verhielten sich die Länder ähnlich. Die Regulierung werde nicht abnehmen – im Gegenteil: «Es besteht die Gefahr, dass die Regulierung stärker zunehmen wird wie auch die Besteuerung.»
Dr. Stefan Fahrländer, Gründer und Partner, Fahrländer und Partner
Man müsse zwischen kurzfristigen und mittelfristigen Wirkungen unterscheiden, sagte Fahrländer. Kurzfristig, das heisst bei einer Dauer von 2-3 Monaten, dürfte sich der Wohnflächenmarkt in der DACH-Region rasch wieder erholen. Die primären Auswirkungen werde man im gehobenen Segment spüren. Der Geschäftsflächenmarkt hingegen sei von Ausfällen und Reduktionen bei Mietzinseinnahmen betroffen. «Hier ist mit kurzfristigen Ertragsausfällen zu rechnen», sagte Fahrländer. Bei einer kurzen Dauer könne der Leerstand bei Geschäftsflächen steigen und das Konsumverhalten sowie die Büroraumnachfrage eine leichte dauerhafte Verschiebung erfahren. Bei den Transaktionsmärkten würden die laufenden Deals aber weitergehen. Die Budgetziele 2020 sollten erreicht werden können.
Anders sieht es gemäss Fahrländer bei einer Dauer der Krise von 6 Monaten und mehr aus: Der Wohnflächenmarkt dürfte dann zusammenrücken, es sei vor allem in der Peripherie mit Leerständen zu rechnen. Der Geschäftsflächenmarkt sähe sich mit massiven Ausfällen durch Konkurse und Kapazitätsabbau konfrontiert. Das Konsumverhalten und die Büroraumnachfrage würden sich durch einen langanhaltenden Lockdown dauerhaft stark verschieben. Fahrländer hielt fest: «Die Spreu trennt sich vom Weizen. Die Risikoaversion drückt auf Bauland- und Projektpreise. Wer verkaufen muss, muss Preisnachlässe gewähren. Teilweise werden Aktien- und Rohimmobilien vom Markt genommen, da jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist.»
Die Gretchenfrage formulierte Fahrländer so: «Wie lange dauern die Einschränkungen an?» Wie stark die Rezession sein werde und wie man die Verschuldung weginflationieren könne, bleibe abzuwarten. Er ist aber positiv gestimmt, dass die Immobilienbranche trotz allem gut wegkommen werde. Denn Immobilien könnten sich tatsächlich als «das Betongold» von morgen erweisen, wie Roman H. Bolliger festhielt.
«Es wird Anpassungen im Bürosektor und im Einzelhandel geben»
Die durch das Coronavirus verursachten massiven Einschränkungen in der Real-Estate-Branche hat Dr. Christoph Schumacher, Global Head Real Estate, Credit Suisse Asset Management, zunächst unterschätzt. Heute sagt er: «Die Volatilität an der Börse sehen wir auch in den Immobilienmärkten. Mit dem Lockdown waren wir als Branche vor allem im Einzelhandel und im Hotelbereich eingeschränkt.» Schumacher ist grundsätzlich derselben Ansicht wie Fahrländer: «Wir müssen mittel- und langfristige Konsequenzen unterscheiden.» Im Moment sehe er, dass die meisten Transaktionen, die begonnen wurden, auch zu Ende gebracht werden. «Gerade beim Core-Immobiliengeschäft werden die Massnahmen erfreulicherweise so umgesetzt, wie sie schon vor der Krise beschlossen wurden.»
Dr. Christoph Schumacher, Global Head Real Estate, Credit Suisse Asset Management
Zurückhaltung sieht Schumacher aktuell bei neuen Transaktionen. Es gebe aber auch solche, die in der Krise Opportunitäten sehen: «Vor allem Familienbetriebe und Anleger, die auf erstaunlich viel Liquidität sitzen, steigen jetzt in den Immobilienmarkt ein.» Dabei seien vor allem börsennotierte Immobilien von Interesse und gerade in den volatilen Märkten von England und Asien sehe man derzeit Discounts von bis zu 40 Prozent und mehr. Bei den nicht börsennotierten Immobilien, wo die Credit Suisse sehr aktiv ist, seien die Möglichkeiten beispielsweise aufgrund der Lock-up-Perioden beschränkt. In Deutschland sei bei den Immobilienfonds durch die gesetzlichen Vorgaben mit den verlängerten Rückgabefristen weniger Druck zu spüren, was sei sehr positiv sei.
Ein wichtiger Aspekt bei der Credit Suisse sind die Mieter. Die Wohnmietportfolios seien nicht betroffen, aber man habe das eine oder andere Shoppingcenter, wo gerade kleinere Mieter im Einzelhandel unter Druck stehen. Vielen habe man deshalb die Aprilmiete erlassen, sagte Schumacher. «Das war eine einmalige Aktion, um den Mietern Zeit zu verschaffen und die Interessen der Anleger zu wahren, indem drohenden Insolvenzen entgegengewirkt werden konnte.» Für Anleger mache der Erlass weniger als 1 Prozent der Mieterträge aus. Schumacher ist überzeugt: «Die Zeit nach der Krise wird eine andere sein. Wir selber haben trotz vieler Sparmassnahmen das Digitalisierungsbudget hoch gelassen. Wir glauben das PropTec und Digitalisierung langfristig verstärkt auf der Agenda stehen. Es wird Anpassungen im Bürosektor und Einzelhandel geben. Alles in allem werden wir gestärkt rausgehen und auch mittelfristig rechnen wir mit mehr Interesse im Immobiliensektor.»
«Die Rechtslage ist schwierig»
Thomas Schnabel, Rechtsanwalt und Partner bei Osborne Clarke, ist aktuell « an der Front ». Er leitet den Sektor Real Estate and Infrastructure in Deutschland. Zu seinen Mandanten zählen unter anderem Fondsgesellschaften, Projektentwickler, und Einzelhandelsunternehmen sowie eine Vielzahl von Unternehmen als Mieter. Deshalb bekommt er derzeit viel von der Mieterseite mit.
Thomas Schnabel, Rechtsanwalt und Partner, Osborne Clarke
In Deutschland hat der Bundestag erlassen, dass Vermieter von April bis Juni keine fristlose Kündigung aufgrund Zahlungsverzugs aussprechen können, wenn der Mieter seine Miete wegen der Coronakrise nicht bezahlen kann. «Hier sehe ich vor allem die Gastronomie, Hotellerie und den Einzelhandel betroffen», führte Schnabel aus. Er sieht aber auch das Problem der Vermieterseite. In England beispielsweise würden die Mieten quartalsweise anfallen. «Ende März wären die Mieten für das 2. Quartal 2020 fällig gewesen. Bezahlt ein Mieter nicht, fehlen hier also Einnahmen für ein ganzes Quartal.»
In Deutschland sei Aussetzen das Wort der Stunde: «Viele verzichten im April auf die Miete.» Ob die Miete ganz erlassen oder gestundet werde, müsse individuell entschieden werden. «Die Rechtslage ist in Deutschland extrem schwierig. Es gibt keine klaren Richtlinien», sagte Schnabel. Die Diskussion unter den Juristen drehe sich aktuell immer um dieselben Themen: Zur Mietminderung würde zum einen das Vorliegen des Mangels an der Mietsache berechtigen. Beruht die Schliessung auf einer behördlichen Anordnung, sei für die Mietminderung entscheidend, ob die Anordnung einen Mangel an der Mietsache darstelle. Und als dritte Option komme die Mietminderung aufgrund Einschränkung der Gebrauchsüberlassung in Frage.
«Mittlerweile werden von den Juristen Entscheide von 1915 ausgegraben und anhand dieser versucht, die damaligen Urteile auf heute zu translatieren», so Schnabel. Für den Rechtsanwalt ist klar: «Anstatt am Ende die Gerichte entscheiden zu lassen, wer die besseren Argumente hat, müssen wir gemeinsam Lösungen suchen und diskutieren, was man kurz-, mittel- und langfristig macht.»
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