Schlagwort: Transparenz

  • Wie Daten den Bau transformieren

    Wie Daten den Bau transformieren

    „Am Anfang dachte ich auch, das sei ein EU-Ding“, sagt Prof. Dr. Adrian Wildenauer, Experte für digitales Bauen. „Aber die Auswirkungen auf die Schweizer Bauwirtschaft sind enorm.“

    Der Produktpass verlangt, dass jedes Bauprodukt, von Zement über Holz bis zu Fensterprofilen,  digital dokumentiert wird. Angaben zu Herkunft, Zusammensetzung, Energieverbrauch und Recyclingfähigkeit müssen transparent auffindbar sein, meist über QR-Code oder Datenlink.

    Dieser Wandel trifft auf eine Branche, in der Materialdaten bisher oft verstreut liegen. Wer künftig ohne DPP produziert, verliert den Zugang zum europäischen Markt. Für Schweizer Hersteller bedeutet das, ohne Daten keine Lieferung und damit keine Umsätze. Der Anpassungsdruck ist entsprechend hoch.

    Datenqualität als Schlüssel
    Viele Unternehmen besitzen bereits wertvolle Informationen, aber in unterschiedlichen Systemen und Formaten. Wildenauer sieht darin die kritische Schwachstelle: „Ich sehe schon, dass Hersteller zunehmend zu Datenhändlern werden. Aber nicht jede kleine Firma kann sich eine vollständige Datenhaltung leisten.“

    Er plädiert für eine nationale Koordinationsstelle, die Normen, Tools und Standards für die Bauwirtschaft bündelt. „Wir müssen das helvetisieren“, sagt er. „Schnell, pragmatisch und gemeinsam.“ Nur mit einer schweizweit abgestimmten Datenstrategie gelingt es, Fragmentierung und Doppelarbeit zu vermeiden.

    Transparenz schafft Vertrauen
    Der digitale Produktpass ist mehr als eine regulatorische Auflage. Er schafft Markttransparenz und neue Qualitätsmassstäbe. Wenn Schweizer Produkte in den europäischen Datenbanken erscheinen, stärkt das Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit. Besonders in einem globalen Umfeld, das auf CO₂-Reduktion und Kreislaufwirtschaft setzt, kann dieser Schritt den entscheidenden Unterschied machen.

    Mit der Offenlegung des gesamten Lebenszyklus von Materialien, von der Gewinnung über die Nutzung bis zum Rückbau, rückt die Ressourceneffizienz ins Zentrum. „Das alte Prinzip ‚Make, Take, Waste‘ hat ausgedient“, erklärt Wildenauer. „Wer Materialien wiederverwendet, spart Ressourcen und wird unabhängiger.“

    Neue Kompetenzen entstehen
    Die Datenorientierung verändert Berufe und Prozesse im Bauwesen. Entstehen werden Profile wie Datenmanager, Materialzertifizierer oder Spezialisten für Rückverfolgbarkeit. Diese neuen Tätigkeitsfelder verbinden technisches und digitales Know-how mit baulicher Praxis und Nachhaltigkeit.

    Für Unternehmen beginnt der Wandel jetzt. „Nicht als kopfloses Huhn herumrennen“, rät Wildenauer. „Einfach anfangen. Welche Daten habe ich, welche fehlen?“ Eine erste Bestandsaufnahme genügt, um Ordnung ins System zu bringen. Künstliche Intelligenz kann später helfen, Muster zu erkennen und Prozesse zu automatisieren. Aber ohne saubere Basisdaten bleibt der Nutzen begrenzt.

    Digitalisierung als Chance
    Der digitale Produktpass markiert eine neue Ära der Transparenz und Effizienz im Bauwesen. Er fordert Umdenken, bietet aber enorme Chancen. Unternehmen, die früh handeln, sichern sich eine starke Marktposition und gewinnen Vertrauen bei Investoren, Auftraggebern und Endkunden.

    Wildenauer bringt es auf den Punkt: „Das ist keine Bedrohung, sondern eine Einladung, Ordnung zu schaffen und gemeinsam das Bauen resilienter und nachhaltiger zu gestalten.“

  • Digitale Grundstücksinformationen im Aufbruch

    Digitale Grundstücksinformationen im Aufbruch

    Der ÖREB-Kataster ist längst ein zentrales Werkzeug für die Raumplanung und Projektentwicklung in der Schweiz. Er gibt interaktiv Auskunft über öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen, von Bauzonen bis zu Schutzgebieten. Nun will der Bundesrat die gesetzlichen Grundlagen dafür modernisieren. Die Regeln zur Aufnahme von Informationen in den Kataster sollen vereinfacht, Zuständigkeiten geklärt und Doppelspurigkeiten mit dem Grundbuch reduziert werden.

    Ein zentrales Ziel ist es, die Rechtssicherheit zu erhöhen. So wird etwa die bisherige Annahme gestrichen, dass der Katasterinhalt als allgemein bekannt gilt. Dies ist ein wichtiger Schritt zur besseren Abgrenzung von Verantwortung und Haftung.

    Zukunftsmodell Nationales Grundstücksinformationsportal
    Neu soll der Kataster auch generell-abstrakte und behördenverbindliche Anordnungen wie Bau- und Abstandslinien enthalten. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung von Nutzungspotenzialen, etwa bei Arealentwicklungen oder Neubauprojekten in der Nähe von Strassen und Gewässern.

    Künftig sollen alle Informationen aus dem ÖREB-Kataster zentral über ein nationales Portal zugänglich gemacht werden. Eine enorme Erleichterung für alle Akteure, die mit Grundstücken arbeiten. Damit erhalten Investoren, Behörden, Planungsbüros und Projektentwickler auf einen Klick transparente Daten zur Eigentums- und Nutzungsstruktur.

    Weichenstellung bis Sommer
    Die Vernehmlassung zur Gesetzesänderung läuft bis zum 30. Juni 2025. Damit ist nun der Weg offen für ein Grundstücksinformationssystem, das den digitalen Anforderungen der modernen Raum- und Standortentwicklung gerecht wird. Der Bund setzt damit ein starkes Signal für Planungsvereinfachung, Investitionssicherheit und datenbasierte Standortförderung.

  • Nachhaltigkeitsstandard für Schweizer Immobilienfonds eingeführt

    Nachhaltigkeitsstandard für Schweizer Immobilienfonds eingeführt

    Der Schweizer Immobiliensektor verantwortet etwa ein Viertel aller CO2-Emissionen. Um die Situation und das Marktverhalten übersichtlicher zu gestalten, hat der Verband Swiss Sustainable Finance jetzt einen Standardfragebogen zur Nachhaltigkeit von Immobilienfonds erarbeitet. Dieser soll den Immobilienhandel transparenter gestalten und in Bezug auf Nachhaltigkeit zu belastbaren Entscheidungen führen, heisst es in einer Mitteilung. Investoren können Fragen zur Nachhaltigkeit einheitlich beantworten und damit die Vergleichbarkeit der Angebote erhöhen. Die so erhaltene Transparenz ist sowohl für Banken und Vermögensverwalter als auch für potentielle Investoren interessant. Zudem gibt der Fragebogen Auskunft über die Einhaltung von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) im Immobiliensektor.

    „Ein Standardfragebogen erhöht die Vergleichbarkeit und reduziert den Aufwand für alle Beteiligten“, wird Sabine Döbeli, CEO von Swiss Sustainable Finance, in der Mitteilung zitiert. „Gleichzeitig kann über eine regelmässige Weiterentwicklung unter Einbezug aller Akteure in der Wertschöpfungskette von Immobilieninvestments dafür gesorgt werden, dass der Fragebogen an aktuelle Entwicklungen angepasst wird und immer die relevantesten Informationen enthält.“  (mehr …)

  • Effiziente Werkvertragsprüfung mit KI

    Effiziente Werkvertragsprüfung mit KI

    Baumeister sind pragmatische Macher, deren Hauptaugenmerk auf der Umsetzung von Bauprojekten liegt. Juristische Fachkenntnisse sind dabei oft nicht ihre Stärke. Dennoch ist der regelmässige Abschluss und die sorgfältige Prüfung von Werkverträgen unerlässlich. Häufig wird dieser wichtige Schritt aufgrund hoher Anwaltskosten vernachlässigt, was Bauunternehmen unvorteilhafte Vertragsbedingungen und im Streitfall hohe Verluste einbringen kann.

    Einführung der neuen Dienstleistung
    Um diesem Problem entgegenzuwirken, bietet der SBV seinen Mitgliedern nun eine innovative Lösung an. Werkverträge können ab sofort für eine Pauschale überprüft werden – unabhängig vom Umfang des Vertrags oder der Anzahl der Klauseln. Diese Dienstleistung wird durch den Einsatz künstlicher Intelligenz ermöglicht.

    Kooperation mit Legartis
    In Zusammenarbeit mit dem Zürcher Unternehmen Legartis hat der SBV eine Plattform entwickelt, auf der Mitglieder ihre Werkverträge und Allgemeinen Geschäftsbedingungen hochladen können. Die Rechtsabteilung des SBV prüft die Dokumente mithilfe der spezialisierten Software und liefert innerhalb von maximal 48 Stunden ein fundiertes Feedback.

    Funktionsweise der KI-gestützten Prüfung
    Das KI-Modell wurde mit tausenden Werkverträgen trainiert und kann daher Zusammenhänge erkennen und Abweichungen unabhängig von der Formulierung hervorheben. Die Mitglieder können zudem individuelle Vorgaben festlegen, beispielsweise bei speziellen Konditionen mit Bauherren. Simon Lüscher betont: «Unsere Mitglieder können mit einer präzisen Werkvertragsprüfung ihre rechtlichen Risiken massiv reduzieren und Klarheit in den Vereinbarungsdschungel bringen.» Mit dieser neuen Dienstleistung setzt der SBV einen bedeutenden Schritt in Richtung Digitalisierung und unterstützt seine Mitglieder dabei, rechtliche Risiken zu minimieren und Verträge sicherer abzuschliessen. Die Kooperation und der Einsatz von künstlicher Intelligenz ermöglichen eine schnelle, kostengünstige und effektive Vertragsprüfung, die auf dem Markt ihresgleichen sucht.

  • Optimierung der IT-Kosten und mehr Cyber-Sicherheit für die Baubranche

    Optimierung der IT-Kosten und mehr Cyber-Sicherheit für die Baubranche

    Die Problematik unzureichend integrierter IT-Systeme in der Baubranche führt häufig zu erhöhten Kosten und Sicherheitsrisiken. Die Tecnotest AG mit fast hundertjähriger Erfahrung in der Prüfung von Bauwerken und Baustoffen sah sich mit hohen IT-Kosten und wiederkehrenden Performance-Problemen konfrontiert. Zudem bestand ein deutlicher Nachholbedarf beim Schutz vor Cyber-Bedrohungen.

    Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entwickelte das Unternehmen eine umfassende IT-Strategie mit dem Ziel, die Kosteneffizienz, die Systemleistung, die Cybersicherheit und die Transparenz der IT-Ausgaben zu verbessern. Dies war besonders wichtig, da das Unternehmen mit komplexen Labortestanwendungen arbeitet, die eine hohe Zuverlässigkeit der IT-Systeme erfordern.

    Die Strategie wurde in Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Schweizer IT-Dienstleister in mehreren Workshops entwickelt. Ein zentraler Schritt war die Migration aller E-Mail-Konten in die Microsoft 365 Cloud, wodurch die Sicherheit deutlich erhöht und flexible Arbeitsmöglichkeiten geschaffen wurden. Damit wurde der Übergang zu einer hybriden Cloud-Infrastruktur eingeleitet.

    Zudem wurde die technische Infrastruktur vor Ort komplett neu organisiert und dokumentiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen nun modernisierte, standardisierte Endgeräte, die mit aktuellen Sicherheitstools ausgestattet sind. Diese Infrastruktur wird rund um die Uhr überwacht und die Windows-Geräte der Nutzerinnen und Nutzer erhalten automatisch die neuesten Sicherheitsupdates. Zudem werden alle Unternehmensdaten automatisch in einer Schweizer Cloud und an mehreren unabhängigen Standorten gesichert, was ein externes Backup mit lokaler Datenhaltung einschliesst. Durch diese Massnahmen konnte die IT-Landschaft grundlegend verbessert und auf die zukünftigen Anforderungen der Branche vorbereitet werden.

  • Meilenstein der Transparenz über Treibhausgasemissionen der Immobilienbranche

    Meilenstein der Transparenz über Treibhausgasemissionen der Immobilienbranche

    Immobilien sind nach dem Verkehr und der Industrie mit einem Anteil von 23.9% der drittgrösste Verursacher von Treibhausgasemissionen in der Schweiz. Zur Erreichung der Klimaziele von Netto-Null führt daher kein Weg an nachhaltigen Immobilien vorbei. Immobilien sieht man allerdings nicht an, ob sie umweltfreundlich sind oder nicht. Früh entstanden daher Labels und Ratings, die Auskunft geben sollen über die Nachhaltigkeit von Immobilien.

    Vergleichbarkeit ist zentral
    Was anfänglich viel zur Förderung und zum besseren Verständnis der Nachhaltigkeit von Immobilien beigetragen hat, ist mittlerweile selbst zum Problem geworden. Die Vielfalt von Labels und Initiativen im Nachhaltigkeitsbereich überfordert viele Marktteilnehmer. Zudem lassen sich die einzelnen Ratings kaum miteinander vergleichen. Etliche Ratings umfassen mehrere Dutzend Indikatoren, so dass letztlich nicht mehr klar ist, was sie überhaupt ausdrücken wollen. Viele Anlagegefässe im Immobilienbereich sind heute zudem als nachhaltig etikettiert und wenden ESG-Kriterien an, ohne dass jedoch Klarheit besteht, wie nachhaltig die jeweiligen Immobilien sind.

    Der Trend geht in Richtung Offenlegung von Umweltkennzahlen
    Anleger verlangen jedoch immer präzisere Informationen und wollen verschiedene Anlageprodukte nicht nur bezüglich Rendite oder Risiken, sondern auch bezüglich Nachhaltigkeit miteinander vergleichen können. Der Trend geht heute daher in Richtung direkter Offenlegung von Umweltkennzahlen, wie zum Beispiel Energieverbrauch oder Treibhausgasemissionen. Im letzten Jahr haben die Verbände AMAS und KGAST ihre Mitglieder zur Veröffentlichung der wichtigsten Kennzahlen in den Jahresberichten von Immobilienfonds und Immobilien-Anlagestiftungen mit Abschlussdatum ab Ende 2023 verpflichtet bzw. aufgefordert. 

    Weshalb braucht es einen Standard?
    Allerdings ist die Berechnung dieser Kennzahlen alles andere als einfach. Für dieselben Liegenschaften können unterschiedliche Werte resultieren, je nach Berechnungsmethodik. Eine Standardisierung ist daher nötig. REIDA hat sich dieser Aufgabe angenommen und einen Standard für die Ermittlung der wichtigsten umweltrelevanten Kennzahlen im Immobilienbereich erarbeitet. Nach diesem REIDA-Standard wurde im Jahr 2022 ein Benchmarking mit 3984 Bestandsliegenschaften beziehungsweise 36 Immobilienportfolios durchgeführt, die total über knapp 23 Mio. m2 Energiebezugsfläche verfügen.

    Was wurde gemessen?
    Erfasst und bilanziert werden nur real gemessene Verbrauchswerte. Dies stellt einen grossen Unterschied zu anderen Erhebungen dar, bei denen vielfach keine Verbrauchsdaten vorliegen und die daher zumeist mit berechneten Werten (Schätzungen auf Basis von Richtgrössen) operieren. Für jedes der Immobilienportfolios wird zusammen mit den Ergebnissen auch der Abdeckungsgrad ausgewiesen. Dieser beschreibt den Anteil der Liegenschaften im Portfolio, für welche gemessene Energieverbrauchsdaten vorliegen. Im Durchschnitt beträgt der Abdeckungsgrad aller 36 Portfolios 83.1%. Die Offenlegung des Abdeckungsgrades dient ebenfalls der Transparenz, ist aber noch wenig verbreitet. Eine Analyse der Jahresberichte von kotierten Immobilienfonds durch pom+Consulting im Jahr 2022 hat etwa ergeben, dass nur 25% derselben, quantitative Angaben zum Abdeckungsgrad enthielten.

    Benchmarking-Resultate und deren Einordung
    Der mittlere Energieverbrauch im REIDA-Benchmarking-Portfolio beläuft sich auf 97.4 kWh pro m² Energiebezugsfläche. Die Bandbreite liegt zwischen 59 und 146 kWh/ m². Für Portfolios am unteren Rand der Werte dürften Spezialsituationen verantwortlich sein – z.B. dass Single Tenants viel Energie selbst einkaufen, was gemäss aktueller Methodik in der Energiekennzahl noch nicht berücksichtigt wird. In einer Online-Umfrage der Universität Lausanne, die 66 Portfolios von institutionellen Investoren mit gut 31 Mio. m² Gebäudefläche analysiert hat, wurde für das Bezugsjahr 2020 ein etwas höherer Wert von 105.5 kWh/m² Energiebezugsfläche ausgewiesen – allerdings ohne Verwendung einer einheitlichen Berechnungsmethodik.

    Der Anteil der erneuerbaren Energie beträgt im REIDA CO2-Benchmarking im Durchschnitt 25.8%, bei einer Bandbreite von 13% bis 54%. Im Durchschnitt betragen die Treibhausgasemissionen der Portfolios, die am REIDA-Benchmarking teilgenommen haben, 13.1 kg CO2-Äquivalente pro m² Energiebezugsfläche. Das Benchmarking berücksichtigt neben Kohlendioxid auch alle anderen Treibhausgase, wie z.B. Methan oder Lachgas, und berechnet daraus CO2-Äquivalente (CO2e). Das REIDA-Portfolio 2022 erzielt damit einen sehr guten Wert – bei einer Bandbreite zwischen 4.1 und 22.4 kg CO2e/m². Die von der Universität Lausanne erhobene Stichprobe gelangte im Mittel zu einem Wert von 19.6 kg CO2e/m². Wiederum ist ein direkter Vergleich mangels einheitlicher Berechnungsmethodik nur mit Vorbehalt möglich.

    Angabe von Unsicherheitsbereichen
    Eine weitere Errungenschaft des REIDA-Benchmarkings ist die Angabe von Unsicherheitsbereichen. Denn die verwendeten Verbrauchs- und Emissionswerte sowie die Berechnungen sind stets mit Unsicherheiten behaftet (z.B. ungenaue Messsensoren, kleine Umrechnungsunschärfen von vermietbarer Fläche auf Energiebezugsfläche). Diese Unsicherheiten werden für jedes Portfolio aggregiert und auf Stufe der Kennzahlen in Form eines Unsicherheitsbereichs ausgewiesen, der anzeigt, wie verlässlich die Kennzahl ist. Die Angabe des Unsicherheitsbereichs erfolgt dabei als doppelte Standardabweichung, was bedeutet, dass der tatsächliche Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% im angegebenen Unsicherheitsbereich liegt. Bei der Kenngrösse der CO2e-Emissionsintensität weisen die einzelnen Portfolios Unsicherheitsbereiche von 0.3 bis zu 5.8 kg CO2e/m² auf.

    Neuer Standard für ESG-Reporting in der Schweiz
    Mit dem CO2-Benchmarking setzt REIDA einen neuen Standard und erreicht dadurch einen Meilenstein im ESG Reporting von Immobilien in der Schweiz. Der Standard soll zudem nicht nur hinsichtlich Methodik und Datenqualität laufend verbessert werden, sondern mit der Zeit auch bisher noch ausgeklammerte Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeit umfassen. Eine der wichtigsten Pendenzen wird es sein, nicht nur die Betriebsphase von Immobilien abzudecken, sondern ihren gesamten Lebenszyklus abzubilden und insbesondere das Thema der grauen Energie einzubauen. Die Ergänzung von Ratings und Zertifikaten – die bezüglich Transparenz und Vergleichbarkeit Grenzen haben – sowie der Übergang zum direkten Ausweisen der eigentlichen Schlüsselkennzahlen sind damit in vollem Gange.

  • ESG-Transparenz von Schweizer Immobilienfonds: Es muss noch besser werden

    ESG-Transparenz von Schweizer Immobilienfonds: Es muss noch besser werden

    Die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit bei Investorinnen und Anleger spiegelt sich in den Jahresberichten der untersuchten Fonds: während 2020 13 % der Befragten das Nachhaltigkeitsthema nicht aufgriffen haben, war es ein Jahr später in sämtlichen Publikationen enthalten. Drei Viertel der Berichte weisen sogar einen ausführlichen oder gar separaten Nachhaltigkeitsteil aus.

    Im Zentrum steht die Umwelt

    Die vier Hauptdimensionen der Nachhaltigkeit Umwelt, Gesellschaft, Governance und Wirtschaft werden in über 75 % der Jahresberichte alle genannt. Der Umwelt kommt dabei mit 90% die bei weitem höchste Bedeutung zu, gefolgt vom Aspekt Governance. Die Bereiche Gesellschaft und Wirtschaft werden in 23% der Berichte nicht behandelt.

    Berichterstattung anhand unterschiedlicher Reportingstandards

    Bei der Darstellung der Nachhaltigkeitsaktivitäten der Immobilienfonds kommen verschiedene Reportingrichtlinien zur Anwendung. Die Hälfte der untersuchten Fonds nutzt den Standard des Global Real Estate Sustainability Benchmarks (GRESB). Acht Immobilienanlagegefässe berichten gemäss den Vorgaben der Global Reporting Initiative (GRI), drei weitere halten sich an die Vorgaben des Swiss Sustainable Real Estate Index (SSREI).

    Gefahr von Greenwashing

    Die Kennzahl “Abdeckungsgrad” gibt an, auf welchen Flächenanteil des Immobilienportfolios sich die ausgewiesene Nachhaltigkeits-Performance bezieht. Diese Kennzahl ist wichtig, da sie die Gefahr von Greenwashing reduziert. Aktuell weisen nur rund 25 % der Jahresberichte eine quantitative Angabe zum Abdeckungsgrad aus. Dabei stehen wiederum Umweltkennzahlen im Vordergrund. 3 % der Fonds machen ausschliesslich qualitative Angaben, bei den restlichen 72 % fehlen Angaben zum Abdeckungsgrad zur Gänze.

    Nachhaltigkeitsberichterstattung, so eine wichtige Erkenntnis, ist heute weitgehend Umweltberichterstattung: Dr. Joachim Baldegger, Studienleiter und Head of Service Unit Future Lab bei pom+ dazu: «Noch stehen CO2-Emissionen, Energieverbrauch und Netto-Null ganz oben auf der Zutatenliste für attraktive Immobilienanlagengefässe. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte spielen noch eine untergeordnete Rolle, bergen aber ein grosses Potenzial, einen Wettbewerbsvorsprung zu erreichen.»

  • Ungenutzte Potenziale in der Zusammenarbeit von Standortförderung und Immobilien-Branche

    Ungenutzte Potenziale in der Zusammenarbeit von Standortförderung und Immobilien-Branche

    Auf den ersten Blick unterscheiden sich Standortförderung und Immobilien-Branche deutlich. Während Standortförderungen in der Regel von der öffentlichen Hand – Bund, Kantone, Städte, Gemeinden – getragen werden, sind Immobilien-Dienstleister in den weitaus meisten Fällen private Unternehmen. Das bedeutet, dass erstere Non-Profit-Organisationen und letztere gewinnorientierte Firmen sind. Standortförderer möchten Unternehmen für ihren Wirkungskreis gewinnen und diese möglichst lange behalten; sie sind demnach an einer langfristigen Beziehung interessiert. Immobilien-Akteure hingegen sind in der Regel abschlussorientiert, was zu vergleichsweise kurzen Kundenbeziehungen führt. Was im Mittelpunkt der Aktivitäten steht, wird nur schon aus der Namensgebung klar: Standorte auf der einen, Immobilien auf der anderen Seite.

    Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede
    Auf den zweiten Blick gibt es aber doch gewichtige Gemeinsamkeiten. Da sind in erster Linie die Kunden, die oft dieselben sind, da ein Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Standort immer auch auf der Suche nach einer neuen Immobilie ist. Im umgekehrten Fall gilt dasselbe zwar nicht immer, aber doch in den meisten Fällen. Denn wenn eine Firma eine neue Immobilie benötigt, zum Beispiel weil die bestehende zu klein geworden ist, macht man sich im Zuge des Evaluationsverfahrens meist auch Gedanken über die Vor- und Nachteile eines Standortwechsels. Die zweite Gemeinsamkeit stellt die Immobilie selbst dar: Kein Unternehmen kann ohne die vier klassischen Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Wissen und Boden auskommen. Sowohl Standortförderer als auch Immobilien-Akteure unterstützen ihre Kunden bei der Optimierung des Faktors Boden bzw. Immobilie. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für ihre Kunden und unterstützen sie bei der Erfüllung ihrer Ziele.

    Voneinander profitieren
    Auf Grund der vorhandenen Gemeinsamkeiten besteht ein grosses Potenzial, um voneinander zu profitieren. So können sich zum Beispiel beide Seiten Vorteile im Marketing verschaffen: Die Immobilien-Branche kann als potenter Multiplikator der Botschaft eines Standortförderers dienen, denn Immobilien-Dienstleister stehen in direktem Kontakt mit Firmen, die neue Liegenschaften suchen. Dieser Kanal wird von Standortförderern noch zu wenig genutzt. Umgekehrt ist der Liegenschaftenprofi sehr daran interessiert, die Immobilien-Bedürfnisse von Standortsuchenden möglichst genau zu kennen, um ein wettbewerbsfähiges Angebot bereitstellen zu können. Diese Information kann ihm wiederum die Standortförderung liefern.

    Transparenz schaffen
    Um Synergien schaffen zu können, braucht es in erster Linie Transparenz: Anstatt unter sich zu bleiben, müssen sich Standortförderung und Immobilien-Branche vermengen, gemeinsame Plattformen etablieren und Informationen austauschen. Dazu stehen ihnen sowohl physische als auch digitale Plattformen zur Verfügung. Immobilien-Messen sind eine gute Gelegenheit, um sich Face-to-Face zu treffen, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Auf internationaler Ebene bieten sich dazu jedes Jahr die MIPIM in Cannes jeweils im März und die EXPO REAL in München jeweils im Oktober an. Auf beiden Messen gibt es seit über 20 Jahren einen Schweizer Gemeinschaftsstand, der Schweizer Unternehmen und Standorten einen Auftritt zu einem verträglichen Budget erlaubt. Innerhalb der Schweiz hat sich die IMMO’Messe in Zürich etabliert, die jeweils im Januar ausgerichtet wird. Dort präsentieren sich Immobilien-Investoren und treffen auf Marktteilnehmer jeglicher Ausrichtung. Obwohl sich die IMMO‘ längst als Branchentreffpunkt etabliert hat, sind dort Standorte und deren Vertreter noch selten anzutreffen. Neben den Messen gibt es ein breites Angebot an Kongressen, die rund um Referate und Expertendiskussionen Gelegenheiten für Kontaktpflege bieten. Daneben stehen Standortförderern und Immobilien-Akteuren eine grosse Anzahl an Netzwerkanlässen zur Wahl. Sie werden von Verbänden, Interessengemeinschaften, Standorten und privaten Unternehmen angeboten.

    Online holt auf
    In der heutigen, von der Pandemie beherrschten Zeit, haben Online-Plattformen an Bedeutung gewonnen. Einerseits können sich Branchenexperten durch Auftritte an Webinaren Gehör verschaffen und für eine breite Wahrnehmung sorgen. Als Beispiele können etwa die Diskussionsplattformen Real Estate Brains oder Metropole Insights genannt werden. Andererseits haben sich Online-Datenbanken etabliert, die von Standortförderern und Immobilien-Profis gleichermassen genutzt werden können. So können sich Unternehmen etwa auf swisscircle-member.ch
    präsentieren. Für Personen bietet sich realestate-experts.ch und für grössere Immobilien-Projekte top-projekte.ch an. Nebst diesen Angeboten ist jeder Marktakteur aufgerufen, Social Media Tools wie etwa Linkedin oder Xing für sich zu nutzen.

    Networking
    Es gibt kaum Vorhaben, die man – sei es als Standortförderer oder als Immobilien-Profi – im Alleingang durchziehen kann. In der Regel ist jeder Akteur auf nützliche Informationen, wohlwollende Marktteilnehmer, leistungsfähige Lieferanten und/oder kooperative Partner angewiesen. Deshalb ist ein gutes Netzwerk unerlässlich. Das bedingt ein persönliches Engagement und eine kluge Wahl der Plattformen für die Pflege und den Ausbau seiner Kontakte. Anbieter derartiger Netzwerke sind etwa die SVSM, Swiss Circle, SVIT, RISC, ULI oder Fiabci.

    Ideen zur Verbesserung der Zusammenarbeit
    Es gibt bereits zahlreiche Möglichkeiten, die Zusammenarbeit von Standortförderung und Immobilien-Branche zu intensivieren. Es zeigen sich aber gleichzeitig auch Potenziale, die noch weitgehend ungenutzt sind. So könnten sich Standorte auf den grossen Immobilien-Portalen präsentieren und dort in Kontakt mit Unternehmen auf der Suche nach einer neuen Immobilie treten. Oder es könnten vermehrt Kongresse oder Events organisiert werden, die sich sowohl an Standortförderer und Immobilien-Dienstleister richten. Letztlich werden sich diejenigen Angebote durchsetzen, welche die Wahrnehmung der Teilnehmer im Markt stärken, den Austausch von Erfahrungen erlauben und die Pflege des persönlichen Netzwerks unterstützen.