Schlagwort: Urban Land Institute

  • Klimaschutzmaßnahmen trotz ökonomischer Herausforderungen

    Klimaschutzmaßnahmen trotz ökonomischer Herausforderungen

    Die dritte Ausgabe beinhaltet die Erkenntnisse von Fachleuten zu den entscheidenden ESG-Kernthemen, die für dieses Jahr strategische Entscheidungen beeinflussen werden. Der Bericht basiert auf Roundtable-Interviews mit den Mitgliedern des ULI Americas Sustainable Development Council, dem ULI Europe Sustainability Council und dem ULI Asia Pacific Resilient Cities Council. Er verweist auf fünf Aspekte, die 2023 die Entscheidungen im Immobiliensektor prägen werden.

    Anpassung der ESG-Strategie an makroökonomische Herausforderungen
    Eine erhöhte Inflation und die Gefahr einer Rezession sind erhebliche Hürden, die Unternehmen davon abhalten können, einen entscheidenden Fortschritt bei der Dekarbonisierung im Gebäudebereich zu erzielen. Dennoch werden die führenden Unternehmen im Immobiliensektor die makroökonomischen Probleme durch die Rückstellung von Kapital für Fortschritte im Bereich ESG meistern. Höhere Energiekosten und die Entschlossenheit von Investoren, mehr für grüne Energie zu zahlen, sind nur zwei Faktoren, die den ökonomischen Nutzen der Nachhaltigkeit stärken. 

    Einbindung des Transformationsrisikos in Transaktionen und Bewertungen
    Führende Immobilienunternehmen beginnen damit, das Geschäftsrisiko der Dekarbonisierung in die Wertermittlungen von Immobilien zu integrieren, insbesondere im Hinblick auf ihre Exitstrategie. Rasche Fortschritte bei der Messung des Transformationsrisikos werden dadurch erzielt, dass sich immer mehr Unternehmen den mit dem Klimawandel verbundenen politischen, marktbezogenen, rechtlichen und technologischen Risiken stellen.

    Kooperationen schließen
    Eine Kooperation über die gesamte Wertschöpfungskette im Immobiliensektor hinweg ist wesentlich für die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele. Diese Kooperation beinhaltet die Zusammenarbeit des Immobiliensektors mit Regierungen, Community-Mitgliedern, Mietern und den Beteiligten der Wertschöpfungsketten. Hierdurch gelingt es der Immobilienbranche häufig das „S“ in ESG voranzubringen und so sicherzustellen, dass bei Gebäuden und Gemeinschaften Personen sowie ihre Bedürfnisse und Werte an erster Stelle stehen.

    Eine Antwort auf die Herausforderungen weltweit auftretender Flutkatastrophen finden
    Der durch den Klimawandel bedingte Anstieg des Meeresspiegels und vermehrte Starkregenereignisse zeigen, dass Stürme stärker werden und Überflutungen zunehmend die Küstenregionen sowie im Inland liegende Orte bedrohen. Die Branche sucht nach präziseren Daten-Tools, um diese Risiken zu quantifizieren und zu bewerten, und benötigt aktuelle Überflutungskarten von den örtlichen und staatlichen Behörden.

    Reaktion auf den staatlichen Einfluss
    Weltweit reagiert die Immobilienbranche auf politische Vorgaben für Klimaschutzmaßnahmen auf lokaler und staatlicher Ebene sowie in der Bauindustrie und im Rahmen der Portfolios. Diesen Umweltvorschriften fehlt es jedoch häufig an Einheitlichkeit. Dementsprechend investiert die Immobilienbranche vermehrt in Compliance, einschließlich einer Aufstockung des Personals, sowie in die Erkennung von Möglichkeiten zur Steigerung der Wertschöpfung in ihren Unternehmen. 

    Der Bericht bietet einen Überblick über die vielfältigen Herausforderungen, die Entwickler und Investoren überwinden müssen, um einen Ausgleich zwischen der Umsetzung längerfristiger Maßnahmen zur Bewältigung des Klimarisikos und kurzfristiger Investitionsrendite zu finden. Der Bericht betont die Notwendigkeit einer Kooperation über die gesamte Wertschöpfungskette im Immobiliensektor hinweg, die Bedeutung einer Nachhaltigkeitsanalyse bei der Bewertung und die Entwicklung hin zu einer transparenteren, durchgängigeren und in sich stimmigen Regulierung.

    „Trotz der ökonomischen Herausforderungen hat die Immobilienbranche dieses Jahr die Chance, Wertpotenziale durch Investitionen in die Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit von Gebäuden zu heben“, sagt Marta Schantz, Co-Executive Director am ULI Randall Lewis Center for Sustainability in Real Estate. „Die gesetzlichen Vorgaben unterstützen zunehmend ein größeres Engagement beim Klimaschutz. Die Immobilienbranche sollte die Zusammenarbeit mit den an der Wertschöpfungskette Beteiligten intensivieren, um diesen Prozess zu beschleunigen. Unser diesjähriger Ausblick bietet Immobilienexperten, die sich für dieses Jahr über Nachhaltigkeitsthemen informieren möchten, eine Hilfestellung.“ 

    „Unser Ziel ist es, Unternehmen dabei zu unterstützen, ESG- und Nachhaltigkeitsstrategien mit messbaren Ergebnissen zu entwickeln, zu erweitern und zu verwalten, um die ESG-Ziele zu erreichen“, sagt Matthew Hardy von Ferguson Partners, der für Australien und Neuseeland sowie für die weltweiten Initiativen im Hinblick auf ESG und Nachhaltigkeit verantwortlich ist. „Es ist klar, dass ESG-Strategien für die ethische und treuhänderische Verantwortung von grundlegender Bedeutung sind. Wir sind stolzer Partner des ULI beim Austausch von Best Practices, die bei der sich verschärfenden Klimakrise diesen so dringend benötigten Fortschritt beschleunigen.“ 

    Den vollständigen „ULI Global Sustainability Outlook 2023“ finden Sie anbei.
    ULI-SustainabilityOutlook_2023_Digital-Final_DE_komprimiert.pdf

  • Potenzial für Co-Living in Europa Best-Practice-Leitfaden von ULI und JLL

    Potenzial für Co-Living in Europa Best-Practice-Leitfaden von ULI und JLL

    In den letzten Jahren hat sich Co-Living zu einem leistungsfähigen Instrument zur Förderung eines Lebensstils entwickelt, von dem Menschen, die dort wohnen sowie Kommunen gleichermaßen profitieren können. In Europa hat sich der Sektor, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau, durch Investitionen in Co-Living-Immobilien von rund 1,2 Milliarden Euro zwischen 2020 und Mitte 2022 sehr schnell entwickelt. Der Leitfaden bietet detaillierte Einblicke und Best-Practice-Beispiele, die die Immobilienbranche und andere Interessensgruppen mit spezifischen Empfehlungen zu politischen Rahmenbedingungen für Co-Living-Projektentwickler, Design und Konzeptionierung von Co-Living-Modellen, Betrieb und Technologie sowie Finanzkennzahlen zur Verbesserung der Transparenz unterstützen sollen. 

    Zu den wichtigsten Empfehlungen des Berichts
    Die Branche muss die Vorteile des gemeinschaftlichen Wohnens – Effizienzsteigerungen, soziale Auswirkungen, Zufriedenheit der dort wohnenden Menschen, Engagement für die Gemeinschaft – nachweisen und sie den Personen mit politischer Entscheidungsbefugnis und der Öffentlichkeit vermitteln. 
    Die Planungsrichtlinien sollten die Flexibilität des Sektors bewahren, aber die Gewissheit in Bezug auf bevorzugte Standorte, Zimmergrößen, Umfang von Gemeinschaftsflächen, betriebliche Richtwerte und Beiträge für erschwinglichen Wohnraum erhöhen.
    Die Betreibenden sollten sich in der Nachbarschaft engagieren, indem sie der Öffentlichkeit Zugang zu Gemeinschaftsbereichen, beispielsweise Co-Working-Möglichkeiten gewähren, Rabatte bei lokalen Unternehmen anbieten und Unternehmen vor Ort in das Gebäude integrieren.
    Es sollten Wege zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks in der Branche gefunden werden, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

    In dem Bericht heißt es, immer mehr Städte hätten Schwierigkeiten, angemessenen, erschwinglichen Wohnraum für eine schnell wachsende Stadtbevölkerung bereitzustellen, die sich zunehmend aus kleinen Haushalten und Alleinstehenden zusammensetzt.  Dabei stützt man sich auf neue Forschungsergebnisse, die zeigen, dass gemeinschaftliches Wohnen eine Chance zur Bewältigung der Herausforderungen im Wohnungswesen ist: Es ermöglicht kleineren Haushalten und Alleinstehenden, die oft neu in einer Stadt sind, ein integriertes Leben. Der vorhandene Wohnungsbestand in diesen Städten ist häufig nicht auf diese Gruppen zugeschnitten, besonders dann nicht, wenn man die sozialen Probleme berücksichtigt, mit denen diese konfrontiert sind, z.B. Einsamkeit oder das Fehlen eines sozialen Netzwerks.

    Der Bericht hebt die Möglichkeit hervor, die ESG-Vorteile zu erkennen, die durch die gemeinsame Nutzung von Einrichtungen und öffentlichen Räumen und die Umnutzung von stillgelegten Gebäuden und Flächen erzielt werden können: Erschwinglichkeit, Energieeffizienz, soziales Engagement und Wohlbefinden. Auf der Basis der Gesamtkosten (Miete, Rechnungen, Abonnements usw.) kann gemeinschaftliches Wohnen durchaus eine Alternative zu anderen Wohnformen sein, insbesondere, wenn man bedenkt, dass keine Vorabinvestitionen zur Einrichtung von Räumen oder für Kautionen erforderlich sind.  

    Diese Chance wird von den 175 Marktteilnehmenden, die im Rahmen des Berichts befragt wurden, klar erkannt. Die stärksten Wachstumsimpulse für den Sektor sind die Nicht-Bezahlbarkeit von Wohnraum (49 %) und der hohe Anteil jüngerer Menschen (49 %), gefolgt von der Zahl der Einpersonenhaushalte (40 %), dem Wunsch nach Flexibilität (34 %) und Urbanisierung (34 %).

    Gleichzeitig nennt der neue Leitfaden von ULI und JLL einige der Herausforderungen, mit denen der Sektor konfrontiert ist, und die sich zum Teil aus seiner langjährigen Historie der informellen Wohngemeinschaften ergeben, die für ihre Mitglieder nicht immer nur Vorteile boten. Die ersten zweckgebundenen Co-Living-Projekte, bei denen es sich in der Praxis um kleine Privaträume ohne Gemeinschaftsräume oder -einrichtungen handelte, führten zu einer nicht durchweg positiven Wahrnehmung, ein Umstand, der auch die Zusammenarbeit mit Personen mit politischer Entscheidungsbefugnis und planenden Institutionen beeinträchtigt.  

    Als weitere Hindernisse für die künftige Entwicklung des Sektors nannten die Marktteilnehmenden, die am European Co-Living Best Practice Guide mitwirkten, fehlende Bestände (38 %) und negative planerische Eingriffe (36 %), gefolgt von einem begrenzten Marktbewusstsein (27 %), einem Mangel an Betreibenden (24 %) und der Verfügbarkeit von Grundstücken (22 %).

    Die Erkenntnisse aus der neuen Studie machen deutlich, dass der Sektor zwar hauptsächlich als Lösung für eine demographische Nischengruppe von Personen mit Hochschulabschluss angesehen wurde, Co-Living tatsächlich jedoch verschiedene demographische Gruppen anspricht, darunter internationale Geschäftsreisende und aktive Personen im Rentenalter, die in die Städte zurückkehren möchten, um Kulturangebote und Gastronomie leicht erreichen zu können.  Die große demographische Reichweite und Anziehungskraft sorgt für ein beträchtliches Potenzial im Bereich Co-Living und die Möglichkeit, dass sich der Sektor zu einem wichtigen Teilbereich des Wohnens entwickelt. Co-Living kann auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten werden und gleichzeitig einen Beitrag zu einer immer anspruchsvolleren ESG-Agenda leisten, wobei der Schwerpunkt auf der Wiederverwendung und Umwidmung bestehender Immobilien, der Verringerung des CO2-Fußabdrucks nicht nur der Gebäude, sondern auch der dort wohnenden Menschen sowie der Förderung ihres Wohlbefindens und deren Integration in die weitere Umgebung liegt.