Schlagwort: Verkehrsplanung

  • Städte warnen vor technokratischer Verkehrspolitik

    Städte warnen vor technokratischer Verkehrspolitik

    Der Schweizerische Städteverband anerkennt den Versuch, nach den politischen Turbulenzen rund um den Autobahnausbau und die Finanzengpässe bei der Bahn eine koordinierte Planung vorzulegen. Gleichzeitig kritisiert er den engen Kreis der Beteiligten. Städte und Gemeinden seien zwar in der Begleitgruppe vertreten gewesen, aber zu wenig in die inhaltliche Ausgestaltung eingebunden, obwohl sie die Konsequenzen von Infrastrukturentscheiden unmittelbar tragen.

    Die Resultate überraschen. Aufschiebungen wichtiger öV‑Projekte in Basel und die Depriorisierung des Bypass Bern Ost widersprechen aus Sicht vieler Städte den raumplanerischen Prioritäten. So überlagert die Logik kurzfristiger Kapazitätserweiterungen teilweise die langfristigen Prinzipien nachhaltiger Entwicklung.

    Paradigmenwechsel gefordert
    Ein wesentlicher Punkt der ETH‑Analyse, dass neue Infrastrukturen allein kaum zusätzlichen Nutzen bringen, blieb im öffentlichen Diskurs bisher weitgehend unbeachtet. Entscheidend sei die intelligente Nutzung bestehender Systeme durch Digitalisierung, betriebliche Optimierung und multimodale Verknüpfung.

    Für den Städteverband ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Eine Verkehrspolitik der Zukunft müsse Lenkungs‑ und Preisinstrumente wie Mobility Pricing, Anreizsysteme für effiziente Nutzung und eine konsequente Kostenwahrheit stärker in den Vordergrund rücken. «Verkehr 45» liefere dafür kaum Grundlagen.

    Zielbild statt Etappendenken
    Der Verband warnt davor, dass politische Beschlüsse allein auf dem ETH‑Gutachten basieren. Stattdessen solle die Diskussion über Mobilität und Raum 2050 auf einer breiten, interdisziplinären Basis geführt werden. Dies unter Einbindung von Kantonen, Städten, Gemeinden und der Fachwissenschaft. Nur so lasse sich verhindern, dass bestehende Hierarchien zwischen Strassen‑ und Schienenprojekten verfestigt werden.

    Finanzierung mit offenen Flanken
    Auch finanziell zeichnet der Bericht ein Spannungsfeld. Der Bahninfrastrukturfonds reicht für die geplanten Ausbauten nicht aus. Der Städteverband begrüsst die Variante mit zusätzlichen 24 Milliarden Franken, warnt jedoch vor Sparmassnahmen bei BIF und NAF. Ohne verlässliche Finanzierung drohe ein strategischer Stillstand im Bahnausbau.

    Breite Debatte statt Schnellverfahren
    Die von Bundesrat Rösti angestrebte Vernehmlassungsvorlage bis Januar 2026 wird von den Städten als zu ambitioniert beurteilt. Ein ernsthafter Einbezug der betroffenen Agglomerationen innerhalb weniger Wochen sei kaum realistisch.

    Der Bericht «Verkehr 45» kann zwar als Etappensprung für die nationale Infrastrukturplanung gelten, doch nur, wenn nun eine offene, wissenschaftlich fundierte und kommunal verankerte Debatte über Mobilität, Raum und Klimaziele folgt.

  • 3D-Datenplattform optimiert Verkehrs- und Infrastrukturprojekte

    3D-Datenplattform optimiert Verkehrs- und Infrastrukturprojekte

    Die in Baden ansässige iNovitas AG und die Geoinfra Ingenieure AG mit Sitz in Wetzikon haben einen digitalen Zwilling des Strassennetzes im Zürcher Oberland geschaffen. Wie aus einer gemeinsamen Mitteilung hervorgeht, sollen etwa 800 Kilometer der Strassen in der hochauflösenden infra3D-Datenplattform zur Verfügung stehen. Interessierte Nutzergruppen können die Daten ab sofort lizensieren und für ihre Planungs- und Entscheidungsfindungen einsetzen, heisst es in der Mitteilung.

    Die beiden Unternehmen haben das Strassennetz der Gemeinden Bäretswil, Bauma, Bubikon, Dürnten, Fehraltorf, Fischenthal, Gossau, Greifensee, Grüningen, Hittnau, Hombrechtikon, Männedorf, Mönchaltorf, Oetwil a.S., Russikon, Rüti, Seegräben, Stäfa, Uetikon a. S, Wald, Wetzikon, Wila und Wildberg digitalisiert. Die Region Zürcher Oberland erhält mit dem Projekt eine präzise und aktuelle Basis für Verkehrs-, Stadt- und Raumplanungen. Damit können datenbasierte Simulationen verbessert und Begehungen vor Ort reduziert werden.

    „Daten sind die Grundlage für fundierte Entscheidungen“, wird Hannes Eugster, CEO und Gründer der iNovitas AG, in der Mitteilung zitiert. „Mit der digitalen Erfassung der Region Zürich Oberland stellen wir eine präzise und sofort verfügbare Datenbasis bereit, die von verschiedensten Akteuren genutzt werden kann – sei es für Verkehrsplanung, Infrastrukturprojekte oder Stadtentwicklung“.

    Patrick König, Mitglied der Geschäftsleitung der Geoinfra Ingenieure AG, betont die Bedeutung des digitalen Projekts: „Der Zugang zu georeferenzierten, hochauflösenden 3D-Daten bedeutet einen Paradigmenwechsel für die Infrastrukturplanung. Unsere Zusammenarbeit mit iNovitas ermöglicht es, dass Verwaltungen und Unternehmen in der Region Zürich Oberland von einer datengetriebenen, effizienten und nachhaltigen Planung profitieren“.

  • Teilüberdeckungen der A2 in Luzern-Süd

    Teilüberdeckungen der A2 in Luzern-Süd

    Am 16. November 2024 boten das Bundesamt für Strassen, der Kanton Luzern, LuzernPlus und die Stadt Kriens im Schappe Kulturquadrat in Kriens eine Plattform, um den Zwischenstand zu den Teilüberdeckungen der A2 zu präsentieren. Besucherinnen und Besucher konnten sich direkt mit den Planungsteams austauschen, Anregungen geben und Fragen stellen.

    Die Planungen, die 2024 in die zweite Phase gingen, zielen darauf ab, die Zielvorstellungen zu schärfen, die rechtlichen Grundlagen vorzubereiten und Finanzierung sowie technische Anforderungen zu klären. Die Ergebnisse der laufenden Studien werden Ende 2025 erwartet.

    Räume mit Potenzial
    Die Testplanung von 2023 identifizierte drei mögliche Standorte für Teilüberdeckungen. Die Entwürfe zielen darauf ab, Stadtgebiete zu verbinden, die Lebensqualität durch weniger Lärm zu steigern und neue Stadträume zu schaffen.

    • Grosshof/Luzernerstrasse: Fokus auf eine engmaschige Vernetzung der Wege und die Aufwertung öffentlicher Räume.
    • Arsenal/Schlund: Potenziale für LuzernSüd durch die Überdeckungen und die Entwicklung neuer Nutzungsmöglichkeiten.
    • Schlund/Horwerstrasse: Möglichkeiten für die Quartierentwicklung und eine sanfte Transformation des Gewerbequartiers Wyssmatt durch die Verlängerung des Tunnels Schlund.

    Technische Herausforderungen
    Neben den Vertiefungsstudien analysiert eine Machbarkeitsstudie die technischen Rahmenbedingungen der geplanten Teilüberdeckungen. Diese sind unabhängig vom Gesamtsystem Bypass Luzern, werden jedoch eng mit weiteren Projekten der Region abgestimmt.

    Perspektiven und nächste Schritte
    Die Teilüberdeckungen der A2 bieten die Chance, städtische Räume neu zu gestalten und Synergien zwischen Verkehrs- und Quartierentwicklung zu schaffen. Mit den Ergebnissen der Studien wird eine fundierte Grundlage für die weitere Planung und Umsetzung gelegt, die die Interessen der Bevölkerung und der beteiligten Institutionen berücksichtigt.

    Die Teilüberdeckungen der Autobahn A2 in Luzern-Süd zeigen, wie Infrastrukturprojekte zur Stadtentwicklung und Lebensqualität beitragen können. Der Austausch mit der Bevölkerung und die intensiven Planungen setzen den Rahmen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Gestaltung der Region Luzern-Süd.

  • Verkehrs- und Siedlungskonzept für 2025 Seeland Biel

    Verkehrs- und Siedlungskonzept für 2025 Seeland Biel

    Die Region seeland.biel/bienne arbeitet derzeit an der Aktualisierung des Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzepts 2025 (RGSK 2025) sowie des Agglomerationsprogramms der 5. Generation (AP5). Diese beiden Planungsinstrumente zielen darauf ab, die Siedlungs-, Landschafts- und Verkehrsplanung in der Region harmonisch aufeinander abzustimmen und stehen bis zum 11. März 2024 zur öffentlichen Mitwirkung offen.

    Die Koordination dieser Planungen über Gemeindegrenzen hinweg ist für die Region seeland.biel/bienne eine zentrale Aufgabe. Das RGSK und das AP verfolgen das gemeinsame Ziel, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern, die sowohl den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft entspricht als auch sorgsam mit dem knappen Boden umgeht und dabei die Umwelt schützt. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines wachsenden Bevölkerungszuwachses und steigender Mobilitätsbedürfnisse.

    Das RGSK legt als regionaler Richtplan verbindliche Vorgaben für die Ortsplanungen der Gemeinden fest und fokussiert auf die räumliche und verkehrliche Entwicklung. Das AP schafft die Grundlage für die Mitfinanzierung von Verkehrsprojekten durch den Bund, wobei bereits frühere Generationen des Programms Bundesbeiträge in Millionenhöhe auslösten.

    Das RGSK 2025 wird in zwei Etappen überarbeitet, wobei die erste Etappe bis 2025 die Entwicklung eines neuen Zukunftsbildes für verschiedene Teilräume, die Überprüfung von Vorranggebieten für Siedlungserweiterungen und die Aktualisierung von Maßnahmen umfasst.

    Das AP5 setzt seinen Schwerpunkt auf die Entwicklung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Freiräumen und Klimaschutz. Es integriert langfristige Ziele und Strategien, einschließlich des Klimawandels, und stärkt die Siedlungsentwicklung von innen.

    Bis zum 11. März 2024 haben Gemeinden, Verbände, Organisationen und alle Interessierten die Möglichkeit, sich zu beiden Programmen zu äußern. Nach einer Vorprüfung durch den Kanton im Mai 2024 werden RGSK und AP im Frühjahr 2025 der Mitgliederversammlung von seeland.biel/bienne zur Verabschiedung vorgelegt.

  • Basler Bahnknoten macht sichfit für die Zukunft

    Basler Bahnknoten macht sich
    fit für die Zukunft

    Das regionale Bahnnetz in Basel wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Um den künftigen Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden, benötigt die Bahninfrastruktur des Basler Bahnknotens eine Erneuerung. Heute werden die beiden grossen Bahnhöfe Basel SBB und Badischer Bahnhof mehrheitlich als Sackbahnhöfe betrieben: Passagiere müssen umsteigen, Züge verlieren Zeit und behindern sich bei den Ein- und Ausfahrten oft gegenseitig. Auch das innerstädtische Nahverkehrssystem sowie der Centralbahnplatz sind überlastet. Nebst der Stadt Basel sind sieben von acht Talschaften mit der Bahn verbunden – allerdings weist das S-Bahnsystem Verbesserungspotenzial auf: Die Takte sind ungenügend, und Durchmesserlinien fehlen.

    Kurzfristig sieht der Umsetzungsplan Folgendes vor: Die SBB realisierten bis Ende 2025 den S-Bahn-Viertelstundentakt Basel–Liestal, den Fernverkehr-Halbstundentakt Basel–Delémont–Biel/Bienne sowie mehr Verbindungen im Güterverkehr via Gotthard. Ausserdem bauten sie die Kapazitäten am Bahnhof Basel SBB aus. Bis 2027 werden der Ausbau und die Elektrifizierung der Hochrheinbahn abgeschlossen. Im Horizont bis 2035 sollen der S-Bahn-Viertelstundentakt Basel–Aesch und Basel–Lörrach, die beiden Haltestellen Dornach Apfelsee und Basel Solitude sowie die Bahnanbindung EuroAirport den Betrieb aufnehmen.

    Um den Bahnknoten Basel mittelfristig richtig fit für die Zukunft zu machen, ist eine neue, unterirdische Verbindung namens «Herzstück» mit angepassten Bahnhöfen geplant: Zwischen Basel SBB, Basel Badischer Bahnhof und St. Johann fahren die S-Bahnen dann als Durchmesserlinie ohne Richtungswechsel in Basel SBB oder am Badischen Bahnhof. Damit bieten sie umsteigefreie und schnellere Verbindungen. Der Güter- und Fernverkehr profitiert gleichzeitig von freiwerdenden Kapazitäten auf den bestehenden Strecken. Die unterirdische S-Bahn-Haltestelle «Basel Mitte» mit über 50’000 Reisenden pro Tag wird das Zentrum des Herzstücks. Auch in Basel SBB soll ein Tiefbahnhof entstehen.

    Trinationale S-Bahn Basel:
    Angebot im Agglomerationskern

    2020
    Zielzustand im Horizont 2030
    Zielzustand im Horizont mit Herzstück.



    Zudem wird so das Nahverkehrssystem in der Innenstadt sowie am Centralbahnplatz entlastet. Das Herzstück lässt Raum für neue Haltestellen im Stadtraum Basel und unterstützt so die raumplanerisch angestrebte Siedlungsentwicklung nach innen. Ausserdem fördert ein gut ausgebautes, grenzüberschreitendes Verkehrsnetz die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

    Im Jahr 2015 wurde auf Empfehlung des Bundesamts für Verkehr (BAV) die Organisation Bahnknoten Basel gegründet. In dieser sind das BAV, die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie die SBB, die DB und Deutschland mit dem Bundeseisenbahnvermögen (BEV) sowie die Rheinhäfen aktiv.

    Sie befassen sich mit der Planung und diskutieren aktuell, ob die Verbindung von Basel Mitte zum Badischen Bahnhof über eine neue Haltestelle Klybeck geführt werden soll. Damit könnten Entwicklungsgebiete im Norden der Stadt erschlossen werden. Ebenfalls offen ist, ob die Anbindung des Herzstücks beim Badischen Bahnhof ebenerdig oder mit einem Tiefbahnhof erfolgen soll. Diese Fragen werden im Rahmen der von 2022 bis 2024 laufenden Vorstudie «Kapazitätsausbau Bahnknoten Basel» geklärt.

  • Siegerprojekt für Quartier Reussbühl West ist gekürt

    Siegerprojekt für Quartier Reussbühl West ist gekürt

    Office of Living Things und dem Büro Dudler für Raum- und Verkehrsplanung entwickelt.

    Das 27’000 Quadratm

    Das Beurteilungsgremium für den Studienauftrag zur Neugestaltung des heute gewerblich-industriell genutzten CKW-Standorts in Reussbühl hat sich einstimmig für das Projekt „Habitat – Quartier im Hain“ entschieden. Es wurde vom Zürcher Architekturbüro Salewski Nater Kretz in Zusammenarbeit mit dem Office of Living Things und dem Büro Dudler für Raum- und Verkehrsplanung entwickelt.

    Das 27’000 Quadratmeter grosse Areal soll sich „zu einem attraktiven, lebendigen und unverwechselbaren Stadtquartier wandeln“, heisst es in einer Medienmitteilung von CKW. Der Energiedienstleister wird seinen dortigen Standort „in einigen Jahren“ aufgeben. In der Ausschreibung wurden Anforderungen hinsichtlich Hitzeentwicklung und Regenwasserbewirtschaftung gestellt. Zudem sollte die Shedhalle von CKW, eine frühere Seidenspinnerei, mindestens zur Hälfte erhalten werden. Auf dem übrigen Areal werden vornehmlich Wohnbauten entstehen.

    Das Siegerprojekt „überzeugt in der Umdeutung und Weiterentwicklung der historischen Landschaft“, die einst von Auen und wassernutzender Industrie geprägt war. Die Gestaltung nach dem sogenannten Schwammstadt-Prinzip nehme diese historischen Bezüge „geschickt“ auf. In den kommenden Monaten wird dieses Projekt weiterentwickelt und bildet dann die Grundlage für den Bebauungsplan Reussbühl West. Die Entwürfe aller Planungsteams sind vom 21. Juni bis 4. Juli bei CKW in Rathausen ausgestellt.

  • Regierung bremst bei Verkehrsplanung für Baden

    Regierung bremst bei Verkehrsplanung für Baden

    Das neue Gesamtverkehrskonzept für den Raum Baden-Wettingen muss in eine planerische Zusatzschlaufe gehen. Der Aargauer Regierungsrat hat laut einer Mitteilung beschlossen, das Konzept auf der Stufe Zwischenergebnis zu belassen. Damit reagiert er auf Vorbehalte, die in der öffentlichen Anhörung geäussert worden sind.

    So wurde in der Anhörung gefordert, dass die Badener Hochbrücke auch künftig mit Autos befahren werden könne. Damit entfiele auch die Notwendigkeit einer neuen Limmatbrücke zwischen Baden und Wettingen. Im Siggenthal wird zudem eine höhere Verkehrsbelastung befürchtet. Mit der planerischen Zusatzschlaufe könne künftig auch die Weiterführung der Limmattalbahn über Killwangen hinaus in die Planungen einbezogen werden.

    Der Regierungsrat macht allerdings eine Ausnahme im Gesamtverkehrskonzept: Der Velosteg zwischen Neuenhof und Würenlos solle bereits jetzt im Richtplan festgesetzt werden. Damit könnten die Bundesmittel für das Vorhaben gesichert werden.

    Das Gesamtverkehrskonzept für den Raum Brugg-Windisch soll dagegen im Richtplan festgesetzt werden. Dazu zählen die Zentrumsentlastung und die Veloroute.