Schlagwort: Virtual Reality

  • «Die Immobilienbranche hat die besten Jahre der Digitalisierung noch vor sich»

    «Die Immobilienbranche hat die besten Jahre der Digitalisierung noch vor sich»

    Zur Person
    Giuseppe Giglio verantwortet als Chief Digital Officer der Steiner AG die digitale Transformation und die Entwicklung neuer digitaler Produkte. Zuvor war er bei der Swisscom verantwortlich für die Digitalisierung der Vertriebskanäle und den Aufbau von Supportplattformen für den Privatkundenbereich.

    Herr Giglio, was ist Ihre Aufgabe bei der Steiner AG?
    Ich bin gemeinsam mit meinem Team von rund 25 Personen für die digitale Unternehmensentwicklung zuständig. Unser Ziel: das Unternehmen technologisch fit zu halten und erfolgreich in neuen digitalen Märkten zu etablieren. Dafür hat die Steiner AG vor einem Jahr die Kompetenzen für den digitalen Bereich gebündelt und mir die Verantwortung übertragen.

    Sie waren zuvor ausserhalb der Immobilienbranche tätig. Wo steht aus Ihrer Sicht die Digitalisierung im Immobilienbereich im Vergleich zu anderen Branchen?
    Andere Branchen konnten früher von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren. Der Immobilienbereich steht noch am Anfang dieser Reise. In den vielen Gesprächen, die ich mit unterschiedlichen Unternehmen aus unserer Branche führen durfte, spüre ich aber eine grosse Veränderungsbereitschaft. Es herrscht eine Art Aufbruchstimmung. Der Immobilienbereich hat die besten Jahre der Digitalisierung noch vor sich. Dieser Umstand war es auch, der mich persönlich zum Wechsel bewogen hat.

    Wurde diese Aufbruchstimmung durch die Coronapandemie beflügelt?
    Die Pandemie hat sicher einen gewissen Druck auf das Vorantreiben digitaler Themen ausgeübt. Ich glaube aber, dass die Immobilienbranche selbst ohne Corona an diesem Punkt stehen würde. Unternehmen wollen den Anschluss nicht verpassen und wettbewerbsfähig bleiben.

    Wo hat die Steiner AG punkto Digitalisierung die Nase vorn?
    Das Unternehmen konnte sich nicht zuletzt wegen seiner modernen IT-Infrastruktur sehr rasch an die neuen Marktbedingungen der letzten zwei Jahre anpassen. So konnten wir zum Beispiel problemlos von jetzt auf gleich die Belegschaft von den Büros ins Homeoffice schicken und den operativen Betrieb jederzeit sicherstellen. Wir sind erfolgreicher und stärker aus der Pandemie herausgekommen. Auch hat die Steiner AG schon sehr früh bei ihren Eigenentwicklungen konsequent auf BIM gesetzt. Heute können wir auf über zehn Jahre Erfahrung in dieser Technologie zurückgreifen und kennen alle Tricks und Stolperfallen.

    Welche Digitalisierungsthemen werden aktuell besonderes nachgefragt?
    Die Energie- und Klimaziele 2030 fordern die Branche entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Insofern werden Themen zur Transparenz bezüglich Umweltkennzahlen stark nachgefragt. Daneben fassen Online-Kollaborationsplattformen – die in anderen Branchen bereits zum Standard gehören – allmählich auch in der Immobilienindustrie Fuss.

    Wie stark hat sich BIM heute bereits durchgesetzt?
    Wir stellen fest, dass BIM oder Teile von BIM bei grösseren Projekten sehr häufig zur Anwendung kommen. Bei Renovationen beziehungsweise Bestandesbauten registrieren wir in den letzten Monaten ebenfalls eine hohe Nachfrage. Bei kleineren Projekten oder auch explizit im Bereich des Gebäudebetriebs haben wir Aufholbedarf. Die Digitalisierung ist stets mit Prozessveränderungen und Investitionen verbunden – viele Firmen sind hier noch vorsichtig. Wir müssen den Entscheidungsträgern die Vorteile von BIM aufzeigen und Beweise erbringen.

    Welche Vorteile bringt BIM?
    BIM schafft die Grundlage für echte Vernetzung von Immobilienprojekten. Konsequent und durchgängig angewendet, lassen sich in einer frühen Phase Planungsfehler vermeiden – und es kann schneller und dadurch günstiger auf neue Rahmenbedingungen reagiert werden. Digitales Planen ermöglicht zudem ein effizientes Betreiben. Die Vorteile für den Gebäudebetrieb sind exponentiell grösser.

    « Künstliche Intelligenz ist bereits heute nicht mehr wegzudenken »

    Können Sie ein Beispiel für Smart Home nennen?
    Bekannteste Beispiele sind die intelligente Steuerung der Gebäudetechnik wie Licht, Heizung und Sicherheitslösungen, etwa Türschlösser oder Alarmanlagen. Solche Lösungen sind mittlerweile weit verbreitet.

    Was sind die Vorteile von Smart Home?
    Man spricht heute von «Ambient Assisted Living». Smarte Technologie im Wohnbereich erlauben es beispielsweise älteren Menschen auch bei gesundheitlichen Einschränkungen länger in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus zu verbleiben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. So beispielsweise mit Hilfe von Sensoren, die registrieren, wenn jemand umfällt und direkt einen Alarm auslösen. Es gibt auch die Möglichkeit, Licht/Storen etc. barrierefrei über die Sprache und nicht über komplizierte Bedienelemente zu steuern. Diese Thematik birgt nicht zuletzt auch auf Investorenseite viel Potenzial.

    Welches genau?
    Ein smartes Zuhause kann den Verbrauch der Haushalttechnik wie Heizung oder Kühlung messen und steuern, was zu einer Reduzierung des Stromverbrauchs führt. Dies resultiert in tieferen Betriebskosten.

    Wie und wo setzt man Zukunftstechnologien wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR), Artificial Intelligence (AI) schon heute ein?
    AR und VR sind derzeit noch Nischenthemen, die oft als Marketinginstrumente zum Einsatz kommen. Sie eignen sich hervorragend zur Visualisierung von Visionen und sind Nährboden für Inspiration.

    AI hingegen ist bereits öfters Realität als man denkt: Beispielsweise bei der Kostenermittlung oder Erkennung von Anomalien im Gebäudebetrieb. Da diese Abläufe meist im Hintergrund ausgeführt werden, bemerkt der Anwender oftmals nicht, dass eine künstliche Intelligenz oder ein Algorithmus im Spiel ist. Wenn man heute digital plant und baut, ist Künstliche Intelligenz nicht mehr wegzudenken.

    Was ist nötig, damit AR und VR ebenfalls alltagstauglich werden?
    Wir müssen Projekte mit einem «Digital-First-Mindset» anpacken. Je früher ein Projekt digital angegangen wird, desto profitabler wird es in der Gesamtbetrachtung. Wir brauchen noch mehr Praxisbeispiele, die aufzeigen, dass Projekte mit einer solchen Denkweise erfolgreicher werden. Gerade VR ist in einer frühen Phase hilfreich, um die Zusammenarbeit zu verbessern und um erfolgskritische Entscheide rasch herbeizuführen. Ich bin überzeugt, dass sich AR und VR im Immobilienbereich in den nächsten fünf Jahren durchsetzen werden.

    Welche Digitalisierungslösungen werden von Partnern und Subunternehmern der Steiner AG am meisten nachgefragt?
    Viele Unternehmen stehen noch am Anfang ihrer Digitalisierungsreise. Deshalb sind Schulungen, BIM-Management sowie die Bestandsaufnahmen von Immobilien für die digitale Inventarisierung des Immobilienportfolios zurzeit besonders gefragt.

    Wie verändert die Digitalisierung die Branche Ihrer Meinung nach in den nächsten fünf Jahren?
    Ich glaube, dass die Digitalisierung uns alle näher zusammenbringt. Bauherrschaft, Öffentlichkeit sowie Unternehmen arbeiten und tauschen sich auf der gleichen Plattform aus und gestalten das Projekt aktiv mit. Dies führt zu einer Demokratisierung von Immobilienprojekten, was wiederum zu erfolgreicheren und nachhaltigeren Ergebnissen führt.

  • Steiner AG geht strategische Partnerschaft mit HEGIAS ein

    Steiner AG geht strategische Partnerschaft mit HEGIAS ein

    Das dynamische Startup HEGIAS bietet die weltweit erste automatisierte und browserbasierte Lösung zur Visualisierung und Kommunikation mit Virtual Reality (VR) für die Planungs-, Bau- und Immobilienbranche. Das stark wachsende Unternehmen wurde 2017 gegründet und beschäftigt derzeit rund 20 Mitarbeitende an den beiden Standorten Zürich und Lugano. «Mit der Steiner AG haben wir einen starken Partner an unserer Seite, der uns bei der Verwirklichung unserer Wachstumsambitionen unterstützt», zeigt sich Patrik Marty, CEO von HEGIAS, erfreut. Giuseppe Giglio, Chief Digital Officer bei der Steiner AG, ergänzt: «Die neue virtuelle Kollaborationsumgebung wird es allen Projektbeteiligten ermöglichen, gleichzeitig und ortsunabhängig am selben Modell zu arbeiten.» Dies vereinfacht und beschleunigt bisherige Abläufe und trägt zu einer deutlichen Fehlerreduktion bei. 
      
    Ajay Sirohi, CEO der Steiner Gruppe, ist überzeugt, dass die Kooperation zum langfristigen Erfolg beider Unternehmen beitragen wird: «Die Kombination der digitalen Expertise von HEGIAS mit unserer ausgewiesenen Erfahrung im BIM- und Baubereich ermöglicht es uns, gemeinsam passgenaue Innovationen für den Markt zu entwickeln. Mit der ersten strategischen Partnerschaft im Digitalbereich können wir unsere Kompetenzen in diesem Gebiet ausbauen und die Zukunft der Immobilienindustrie aktiv mitgestalten. Künftig planen wir weitere Kollaborationen mit innovativen Start-Ups, um den digitalen Wandel unseres Unternehmens fortzuführen und im Bereich der Zukunftstechnologien nachhaltig zu wachsen.» 

  • 5 gute Gründe für einen Tech-Check

    5 gute Gründe für einen Tech-Check

    Es gibt einige Gründe, warum es sich für ein Unternehmen in der Immobilienwirtschaft lohnt, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen.

    Attraktivität für Mitarbeiter: High Potentials und gut ausgebildete Mitarbeiter wollen in Unternehmen arbeiten, welche agil und digital sind. Um beim künftigen «War for Talents» mithalten zu können ist eine digitale Unternehmens-DNA fast schon ein «Hygienefaktor».

    Schaffung von Effizienz und Transparenz: Mit neuen Lösungen – etwa im Bereich Artificial Intelligence und Data Analytics – können Ressourcen richtig gebündelt, Anlageentscheidungen fundiert getroffen oder Vermietungs- und Verkaufsprozesse schneller und kosteneffizienter abgewickelt werden.

    Minimierung von Risiken: Durch den gezielten Einsatz von Technologien können Daten generiert, strukturiert und analysiert werden, um so Entscheidungsgrundlagen zu verbessern und damit Risiken zu minimieren.

    Neue Optionen der Monetarisierung: Disruptive neue Technologien wie etwa die Blockchain-Technologie sind «Business Enablers» und fördern die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, Ökosysteme und Kooperationen.

    Verbesserung der User Experience: Neue Technologien wie Virtual oder Augmented Reality ermöglichen ein ganz neues Nutzererlebnis. Diese Art von «Convenience» wird künftig Standard werden und der Kunde vermutlich nicht mehr darauf verzichten wollen.

    Einen Überblick über neue Technologien und PropTech-Lösungen finden Sie hier: https://hubs.li/H0RQjYL0

  • Diese Visualisierungstrends wirbeln die Immobilienbranche auf

    Diese Visualisierungstrends wirbeln die Immobilienbranche auf

    Anwendungen und Tools wie 360°-Rundgänge, interaktives Design oder Virtual Reality (VR) sind nicht neu. Aber das, was zwei Schweizer und ein deutsches Start-up daraus gemacht haben, schon. So zum Beispiel das Zürcher Start-up Coding Mind AG mit ihrem Produkt «Remotely360°»: Die Gründer, Alexandros Tyropolis und Danijel Veljkovic, haben die 360°-Rundgänge revolutioniert: «Diese virtuellen Rundgänge gibt es seit rund 10 Jahren. Aber uns gingen die bestehenden Lösungen auf dem Markt nicht weit genug: Die Touren werden vor allem als Marketingtool wahrgenommen. Einmal ins Internet eingepflegt, überlässt man Mietinteressenten danach sich selbst. Aufkommende Fragen bleiben unbeantwortet – allfällige Missverständnisse können nicht geklärt werden», analysiert der CEO, Alexandros Tyropolis.

    Deshalb können sich bei der Lösung von Remotely360° die Vermarkter und die Interessenten digital im Objekt treffen: «Der Immobilienbewirtschafter erhält alle Informationen zum Objekt eingeblendet. Dank der Integration von Google Streetview und Google Maps kann zudem die Umgebung gezeigt werden», erklärt der CEO. Im Chat könnten weiterführende Unterlagen umgehend versendet werden. Der integrierte Grundriss zeige an, wo im Objekt man sich gerade aufhalte. Mit diesem Angebot gehört das Unternehmen zu den sogenannten First Movern: «Uns sind weltweit nur eine Handvoll Start-ups bekannt, die ähnliche Ideen verfolgen», sagt der Jungunternehmer. Insbesondere grosse Player im Bereich von 360°-Touren hätten es verschlafen, den Gedanken weiter zu spinnen und sich zu fragen, wie 360°-Touren im Prozess der Vermarktung tiefer greifen könnten. Zu den Kunden von Remotely360° zählen unter anderem Firmen wie die CBRE Group, Crédit Suisse und Swiss Finance & Property Funds AG.

    Um das Tool zu nutzen, ist in einem ersten Schritt die Digitalisierung der Immobilie notwendig. «Wir pflegen ein Netzwerk an Fotografen, die das Objekt bei Bedarf mit einer 360°-Kamera ablichten», erklärt Tyropolis. Der Kunde könne dies aber auch problemlos selber erledigen: «Unsere Lösung ist mit sämtlichem 360°-Kameras kompatibel.» Danach sei nur noch ein Internetbrowser erforderlich. Das Hosting der Touren ist kostenlos. Wer von weiterführenden Tools profitieren möchte, bezahlt Fr. 24.90 pro Objekt und Monat.
    Das Start-up wurde während der Coronapandemie gegründet. Ob diese dem Tool einen Schub verliehen hat, können die Macher deshalb nicht abschliessend beantworten. «Corona sensibilisiert definitiv und hat die Akzeptanz auch bei konservativeren Markteilnehmern erhöht», sagt Tyropolis. In Zukunft soll die innovative Lösung auch für weitere Anwendungen im Lebenszyklus einer Immobilien wie etwa Übergabeprotokolle genutzt werden können. «Die gleichzeitige Implementierung eines Handwerkerofferten-Tools ist in Planung. Ein Meilenstein wäre darüber hinaus die Verbindung von Visualisierung und Foto. Wir arbeiten daran, um Böden, Farben oder Ausstattung in die 360°-Tour zu integrieren», verrät Tyropolis die Zukunftspläne.

    Der Bau von Musterwohnungen erübrigt sich
    Auch das im 2017 gegründete Start-up «Hegias» mit Sitz in Zürich und Lugano will Bauplanern, Architekten, Vermarktern und Behörden das Leben erleichtern. Und zwar mit täuschend echten Rundgängen durch Immobilien, die sich oft noch in der Planungsphase befinden. Nicht selten lautet das erste Wort, dass die drei Gründer Patrik Marty, Tuan Nguyen und Andreas Schmeil, von ihren Kunden hören: «Wow!». Die drei Jungunternehmer setzen bei ihrer Lösung auf Virtual Reality (VR). «Uns fiel auf, dass die VR-Anwendungen von Agenturen statisch, teuer und schwierig mit anderen Interessengruppen zu teilen sind. Wir möchten VR demokratisieren und die Anwendung auch für kleinere Projekte wie zum Beispiel Einfamilienhäuser möglich machen», erklärt Marty, der die Funktion des CEO innehat. So entstand die Idee, eine Software zu entwickeln, mit der jeder ohne Erfahrung und Programmierungskenntnissen Inhalte in die VR bringen, in Echtzeit verändern und gemeinsam mit allen involvierten Personen begehen sowie besprechen kann.

    Hegias VR funktioniere einfach und intuitiv: «Unsere Lösung ist weltweit als erste komplett browser- und cloudbasiert; man zieht lediglich einen 3D-Plan in seinen Internetbrowser und wenige Minuten später kann man diesen begehen – mit oder ohne VR-Brille», erklärt der Jungunternehmer. Mithilfe sogenannter Bibliotheken können die Pläne anschliessend materialisiert und möbliert werden. Die Innovation soll Missverständnisse und Planungsfehler verhindern und den Bau von Musterwohnungen erübrigen. Für Bestandsbauten sind Zusatz-Services wie den Laserscan einer Immobilie und der anschliessenden Erstellung eines 3D-Modells erhältlich.

    Die Akzeptanz in der Immobilienbranche sei sehr gross: «Wir wagen sogar zu sagen, dass alle, die Hegias VR live erlebt haben, nie wieder bauen, ohne das Projekt vorher in der VR zu begehen», ist Marty überzeugt. Heute sei VR noch ein Wettbewerbsvorteil, in wenigen Jahren werde sie jedoch zum Standard werden. Die Lösung sei für die breite Masse und für die Kollaboration entwickelt worden. «Die Anwendung ist komplett automatisiert. Unsere Innovation ist damit deutlich günstiger als die VR-Angebote der Agenturen», sagt der CEO. Eine virtuelle Begehung eines Projekts koste je nach Abonnement und dessen Auslastung weniger als 200 Franken.

    Die Lösung ist bereits in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch) verfügbar. «Der Fokus wird in den kommenden zwei Jahren nebst der Schweiz auf Ländern liegen, die vermehrt Building Information Modeling (BIM) einsetzen. Sprich: Skandinavien, Grossbritannien, die Niederlande und die USA», verrät Marty. Die Pandemie habe den Digitalisierungsschub in der Branche beschleunigt: «Wir spüren, dass vermehrt Lösungen für dezentrale Besprechungen und Begehungen von Immobilienprojekten gesucht werden.» Marty fasst weitere Vorteile des Tools zusammen: «Wettbewerbe lassen sich rein digital durchführen. Auch können Einsprachen abgekürzt und am Ende des Tages kann schneller, effizienter, nachhaltiger und günstiger gebaut werden.»

    Das Potenzial der Anwendung sei noch lange nicht ausgeschöpft. Marty eröffnet: «In fünf Jahren ist auf unserer Plattform die Bestellung von Materialien und Möbeln per Mausklick möglich – selbstverständlich nachdem man sie sich in der virtuellen Realität in Ruhe in seinen eigenen vier Wänden angesehen hat.» Spätestens in zehn Jahren werde die VR fester Bestandteil unseres Lebens sein – davon ist der findige Unternehmer überzeugt.

    Immobilien- und Möbelanbieter sind erstmals direkt vernetzt
    «Täuschend echt» sind Attribute, die auf die Einrichtungslösung für Immobilienmakler vom deutschen Start-up MockUp Studio zutreffen. Monica Riad, Gründerin und CEO, hat ein Tool entwickelt, mit dem Wohnungen virtuell mit echten Möbeln eingerichtet, Böden verändert, Wandfarben ausprobiert werden können und Deko beliebig austauschbar ist. Das alles in naturgetreuer Qualität, die nicht von echten Fotos zu unterscheiden sei: «Vor allem für Neubauprojekte oder sanierungsbedürftige Wohnungen ist unsere Lösung interessant», erklärt die Geschäftsführerin. Das Tool ermöglicht das Hochladen von Grundrissen und Wohnungsbildern. Daraufhin wird die Wohnung automatisch digitalisiert und kann virtuell eingerichtet werden. «Von der digitalisierten Wohnung lassen sich unkompliziert 2D-Bilder oder auch 360°-Touren erstellen», sagt Riad, die MockUp Studio 2017 gegründet hat.

    Die Nutzer können verschiedene Einrichtungsstile ausprobieren und dank der Zusammenarbeit mit Möbelhändlern die Lieblingsstücke direkt in der Anwendung bestellen – ein absolutes Novum, wie Riad sagt: «Wir sind die Ersten, die Immobilien- und Möbelanbieter direkt verbinden – und das Ganze zu 70 Prozent automatisiert.» Um das Tool zu verwenden, werden lediglich Fotos der Wohnung benötigt – Smartphone-Qualität reicht aus. Die Lösung kostet ab 100 Euro pro Raum. Werden gleich mehrere Objekte digitalisiert, reduziere sich dieser Betrag bis auf 25 Euro. Der nächste Entwicklungsschritt steht kurz bevor: «Ende 2021 bieten wir das Tool auch für Endkunden an», gibt Riad bekannt.

    Die Digitalisierung ist aus der Immobilienbranche schon heute nicht mehr wegzudenken. Die vorgestellten Start-ups dürften mit ihren Ideen und Lösungen den Nerv der Zeit treffen – und die Branche in den kommenden Jahren vielleicht sogar international aufwirbeln.

    Zur Person
    Mario Facchinetti, Gründer von PropTechMarket, hat
    den Überblick im Innovations-
    Dschungel. Als Experte weiss er, worauf es bei der Evaluation und Implementierung von qualitätsgeprüften PropTech-Lösungen ankommt:
    www.proptechmarket.ch

    Marios Tipp
    Visualisierungslösungen machen Immobilien mobil. Das Angebot ist gross und schwer überschaubar. Dieses Frageraster hilft bei der Entscheidungsfindung.

    1. Handelt es sich um einen Neu- oder einen Bestandesbau?
    2. Welcher Qualitätsstufe wird das Objekt zugeteilt: High-End- oder Standardbau?
    3. Wer ist die Zielgruppe: Mieter oder Käufer? Wie steht es um die digitale Affinität?

    Für Neubauten eignen sich Lösungen im Bereich der virtuellen Realität, um Visionen erlebbar zu machen. Diese Technologie hat sich über die letzten Jahre stark entwickelt und wird massentauglich. Für Bestandsobjekte gehören 3D-Visualisierungen immer öfter zum Standard – die Realisierung ist unkompliziert und an die Qualitätsansprüche der Kundschaft anpassbar. Wer solche Touren einfach auf der Objektseite einbindet, hat noch lange nicht den maximalen Mehrwert aus den Modellen herausgeholt. Nebst digitalen Terminvereinbarungen und Besichtigungen über einen integriertem Live-Stream können mit dieser Lösung auch virtuelle Möblierungen unordentlicher oder leerstehender Objekte in 2- oder 3D gezeigt werden.

    Natürlich darf der Kunde bei der Vielzahl von Möglichkeiten nicht ausser Acht gelassen werden. Die Art der Objektvisualisierung sowie deren Einbindung in den Besichtigungsprozess ist an die Zielgruppe das entsprechende Medium (Online-Portale, Printinserate, Social Media, Webseite, Plakate, usw.) anzupassen.