Schlagwort: Wasserstoffproduktion

  • Effizienzschub für Wasserstoff

    Effizienzschub für Wasserstoff

    Die Elektrolyse, die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mittels Stroms ist ein bewährtes Verfahren, aber energietechnisch noch nicht ausgereizt. Zwar liegt die theoretisch benötigte Spannung bei 1,23 Volt, in der Praxis sind jedoch oft 1,5 bis 1,6 Volt notwendig. Diese Diskrepanz ist kostspielig und bremst die wirtschaftliche Nutzung.

    Ein Forschungsteam um Franz Geiger hat nun eine zentrale Ursache identifiziert. Vor der Sauerstofffreisetzung müssen sich die Wassermoleküle um ihre Achse drehen, um ihre Sauerstoffatome zur Elektrode auszurichten. Erst dann kann die Sauerstoffentwicklungsreaktion erfolgen. Diese Rotation erfordert eine erhebliche Menge  Energie vergleichbar mit der, die Wassermoleküle im flüssigen Zustand zusammenhält.

    Sichtbarmachung durch Lasertechnologie
    Ermöglicht wurde dieser Einblick durch ein neuartiges Analyseverfahren, die phasenaufgelöste zweite harmonische Generation. Mit dieser Lasertechnologie konnten die Forschenden in Echtzeit beobachten, wann und wie viele Moleküle ihre Orientierung ändern. Diese Daten liefern erstmals eine präzise energetische Quantifizierung der Rotation. Ein Meilenstein für die Weiterentwicklung effizienterer Elektrolyseverfahren.

    Besonderes Augenmerk galt dabei der Hämatit-Elektrode, einem kostengünstigen Eisenoxid, das trotz vielversprechender Eigenschaften bislang unter geringer Effizienz litt. Die neue Analyse legt nun offen, wo Optimierungspotenzial besteht.

    Basischer pH-Wert als Hebel zur Effizienzsteigerung
    Ein weiterer Schlüsselfaktor, der pH-Wert der Lösung. Die Studie zeigt, dass ein basisches Milieu, also ein pH-Wert über 9, die für die Molekülrotation nötige Energie erheblich reduziert. Damit steigt die Effizienz der Sauerstoffentwicklungsreaktion deutlich. Unterhalb dieser Schwelle läuft die Elektrolyse kaum noch ab.

    Diese Erkenntnis eröffnet neue Perspektiven für die industrielle Wasserstoffproduktion. In Kombination mit gezielten Katalysatoren und fortschrittlichen Zellmaterialien lassen sich Elektrolyseanlagen künftig ressourcenschonender und wirtschaftlicher betreiben.

  • Grüner Wasserstoff: Studie identifiziert Kanada als Top-Standort

    Grüner Wasserstoff: Studie identifiziert Kanada als Top-Standort

    Forschende des Paul Scherrer Instituts (PSI) haben sich der Frage gewidmet, wo Wasserstoff effizient und kostengünstig hergestellt werden kann, mit dem Ziel den Klimawandel zu stoppen und zukünftig keine neuen Treibhausgase mehr auszustossen. Laut einer Mitteilung haben die Forschenden geografische und ökonomische Daten und Prognosen zusammengestellt, um den Aufbau einer Wasserstoffökonomie zu beschreiben. Dafür haben sie vier Szenarien mit einem Wasserstoffbedarf zwischen 111 und 614 Megatonnen pro Jahr analysiert. Die Studie ist aktuell in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ zu lesen.

    Für die Herstellung von Wasserstoff gibt es verschiedene Technologien. Bei der sogenannten Polymerelektrolytmembran-Elektrolyse (PEM) wird der Wasserstoff in einem Elektrolyseur aus Wasser gewonnen. Der grosse Vorteil bei diesem Verfahren besteht darin, dass die Energie für die Umsetzung aus grünem Strom gewonnen werden kann. Zu lösen ist die Frage, wo der hohe Bedarf an Ökostrom am ehesten zu decken ist.

    „Wir haben dazu vor allem ökonomische Kriterien angelegt“, wird Tom Terlouw, Doktorand am PSI und Erstautor der Studie, in der Mitteilung zitiert. „Sprich, wo ist die Produktion am günstigsten?“ Dabei kristallisierten sich zwei Schwerpunkte heraus: Wo gibt es genug Wind oder Sonne, um den enormen Bedarf an Ökostrom zu decken? Und wo gibt es ausreichend freie Flächen, um die zur Produktion notwendigen Anlagen aufzustellen? Hier erwies sich Kanada als optimal. „Dort existieren viele freie Flächen, die sehr windig und daher ideal zum Aufstellen von Windturbinen sind“, ergänzt Terlouw. Weiterhin bieten sich die zentralen USA, Teile Australiens, die Sahara, Nordchina und Nordwesteuropa an. Mitteleuropäische Länder wie die Schweiz sind dagegen weniger geeignet, da dort weder freie Flächen noch ausreichende Sonneneinstrahlung vorhanden sind. Des Weiteren weisen die Forscher darauf hin, dass auch bei der Herstellung von grünem Wasserstoff noch Restemissionen an Treibhausgasen aus der Herstellung und dem Transport der benötigten Materialien entstehen. Um diese Restemissionen auszugleichen, müssten entsprechende Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre gefiltert werden, heisst es in der Studie.

  • Energieunternehmen wollen Ausbau von Wasserstoff vorantreiben

    Energieunternehmen wollen Ausbau von Wasserstoff vorantreiben

    Der am Donnerstag neu gegründete Verein der Schweizer H2-Produzenten will sich für bessere Standortbedingungen zur Produktion von grünem Wasserstoff stark machen. Dem Verein gehören bisher sieben Energieunternehmen an. „Gemeinsam werden sie der CO2-neutralen Wasserstoffproduktion in der Schweiz zum Durchbruch verhelfen“, heisst es in ihrer Medienmitteilung.

    Wichtige Anwendungsbereiche fänden sich unter anderem im Schwerlastverkehr, als Ersatz für Diesel auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken und in der Chemieindustrie. Vorzugsweise erfolge die Produktion direkt ab einem Wasser- oder Windkraftwerk. Denn nur, wenn der für die Produktion von Wasserstoff notwendige Strom aus erneuerbaren Quellen stamme, sei er CO2-neutral.

    Während das benachbarte Ausland die Wasserstofftechnologie als unverzichtbaren Bestandteil der Energiewende anerkenne und sie entsprechend staatlich fördere, tue sich die Schweiz damit noch schwer. „Zudem ist die Herstellung von Wasserstoff in der Schweiz bisher nur an einer beschränkten Anzahl von Standorten möglich“, wird Arthur Janssen, Präsident des neuen Vereins sowie Leiter Innovation und Strategie bei der Basler Energieversorgerin IWB, in der Mitteilung zitiert.

    Zusätzlich zu diesen regulatorischen Hürden verfügten nur wenige Akteure über ausreichendes Wissen. Deshalb wollen sich die Vereinsmitglieder gegenseitig bei Planung und Bau neuer Produktionsanlagen unterstützen. Auch mit Universitäten und Forschungsinstituten wolle der Verein eng zusammenarbeiten.

    Zu den Gründungsmitgliedern zählen: Elektrizitätswerk Altdorf, Oiken, St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke, Satom, SIG und die Gemeinschaftsunternehmen Swiss H2 Generation AG (von ENGIE Services AG und Groupe E) sowie greenH2 (Fritz Meyer AG und IWB).