Schlagwort: Wohnbaugenossenschaften

  • Gegenvorschlag zur Initiative «Bezahlbare Wohnungen für Zürich»

    Gegenvorschlag zur Initiative «Bezahlbare Wohnungen für Zürich»

    Im 15. März 2022 wurde die Volksinitiative «Bezahlbare Wohnungen für Zürich» mit rund 8900 gültigen Stimmen der Stadtkanzlei eingereicht. Die Volksinitiative verlangt, dass die Stadt und ihre Wohnbaustiftungen mehr Liegenschaften und Grundstücke kaufen. Das Stiftungskapital der drei städtischen Wohnbaustiftungen Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich (SAW), Stiftung Wohnungen für kinderreiche Familien (SWkF) und Stiftung PWG zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt Zürich sollen deshalb um insgesamt 250 Millionen Franken erhöht werden. Die SAW würde verpflichtet, mit der Kapitalerhöhung bis 2040 um 2000 Wohnungen zu wachsen.

    Für den Kauf oder Bau neuer Wohnungen soll der Stadtrat den Wohnbaustiftungen Darlehen und Bürgschaften gewähren können. Die Möglichkeit einer Bürgschaft stünde auch Wohnbaugenossenschaften offen. Zudem verlangt die Volksinitiative, fünf Prozent der neu erworbenen städtischen Mietwohnungen an sozial benachteiligte Personen zu vermieten. Die Initiative fordert in Form eines ausgearbeiteten Entwurfs eine Änderung der Gemeindeordnung und als Nebenänderung die Anpassung dreier Gemeindebeschlüsse.

    Gegenvorschlag des Stadtrats zur Volksinitiative
    Der Stadtrat hat die Volksinitiative für gültig erklärt und begrüsst die Stossrichtung der Initiative. Er beurteilt es als gerechtfertigt, dass der Erwerb von Liegenschaften in der Gemeindeordnung verdeutlicht wird.

    Ebenso unterstützt er eine Grundsatzbestimmung für die Gewährung von Darlehen und Bürgschaften für den Erwerb von Liegenschaften in Kompetenz des Stadtrats für mehr gemeinnützigen Wohnraum. Dasselbe gilt für die Erhöhung der Stiftungskapitalien. Dennoch lehnt der Stadtrat die Initiative ab und unterbreitet dem Gemeinderat zuhanden der Stimmberechtigten einen Gegenvorschlag. Im Gegenvorschlag ist vorgesehen, dass das Stiftungskapital aller vier städtischen Wohnbaustiftungen erhöht werden soll – auch jenes der jüngsten Wohnbaustiftung, der Stiftung Einfach Wohnen (SEW), zu der es in der Initiative keinen entsprechenden Antrag gibt. Abweichend von der Volksinitiative beantragt der Stadtrat im Gegenvorschlag für Darlehen und Bürgschaften eine beschränkte Kompetenzdelegation an den Stadtrat. Damit wird bei einem Betrag von über 20 Millionen Franken eine Volksabstimmung notwendig.

    Förderung von Alterswohnungen
    Die Forderung der Volksinitiative, die Stiftungskapitalerhöhung für die SAW mit einem konkreten Wachstumsziel zu verknüpfen, wird nicht in den Gegenvorschlag aufgenommen. Die Verankerung eines Wachstumsziels in der Gemeindeordnung für eine einzelne Trägerschaft scheint dem Stadtrat nicht sachgerecht. Der Gemeinderat hat zudem bereits der Volksinitiative «Mehr Alterswohnungen für Zürich [Plus 2000]» zugestimmt. Damit wird dem berechtigten Anliegen der vorliegenden Volksinitiative nach mehr Alterswohnungen aus Sicht des Stadtrats bereits entsprochen.

    Massnahmen zugunsten sozial benachteiligter Menschen
    Der Stadtrat ist sich bewusst, dass es insbesondere für sozial benachteiligte Menschen schwierig ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die quantitative Forderung der Initiative wird aber in der Praxis weitgehend erfüllt. Eine entsprechende Regelung in der Gemeindeordnung würde keinen Mehrwert bringen. Er würdigt das Anliegen, nimmt dieses aber nicht in den Gegenvorschlag auf.

  • Bauen neu denken

    Bauen neu denken

    Heute versammelten sich in Luzern über 500 Vertreter aus Wohnbaugenossenschaften aus der gesamten Schweiz, sowie Behörden, Unternehmen und Experten, zum Forum der Schweizer Wohnbaugenossenschaften. Das Treffen stand unter dem Motto „Bauen neu denken: Herausforderungen Klima, Kreislauf, Kosten“ und widmete sich den Problemen, vor denen die Baubranche steht: Städte erwärmen sich zunehmend, der Bau- und Wohnsektor verbraucht viel Energie, Ressourcen und Raum, während die Mietkosten für viele Haushalte immer belastender werden. Die Frage lautet, wie können Gebäude so konstruiert werden, dass sie die Hitze reduzieren, weniger Ressourcen benötigen und dennoch erschwinglich sind?

    Eva Herzog, Ständerätin (BS) und Präsidentin der Wohnbaugenossenschaften Schweiz, betonte in ihrer Eröffnungsrede die Notwendigkeit von preiswerten Wohnungen angesichts der aktuellen Wohnungsnot, steigender Wohnkosten und höherer Krankenkassenprämien. Sie forderte gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen auf, ihren Teil zur Schaffung von gemeinnützigem Wohnraum beizutragen. Sie appellierte insbesondere an die Politik: „In der aktuellen Session befassen wir uns mit mehreren wohnungspolitischen Vorstößen. Das Parlament hat die Möglichkeit, die Richtung für mehr erschwinglichen Wohnraum und gegen hohe Mieten zu vorgeben. Es ist erfreulich, dass eine erste Motion, die die Wohnungsnot durch Verdichtung und gemeinnützigen Wohnungsbau adressieren möchte, vom Ständerat mit deutlicher Mehrheit weitergeleitet wurde.“

    Daniel Burri, Präsident von WOHNEN SCHWEIZ, wies darauf hin, dass die aktuellen Herausforderungen auch eine große Chance für den gemeinnützigen Wohnungsbau darstellen. „Gemeinnützige Bauunternehmer waren schon immer Pioniere in Bezug auf nachhaltiges Bauen und Wohnen. Die Bereitstellung von langfristig erschwinglichem Wohnraum ist unsere Hauptaufgabe. Wir können nun zeigen, dass wir nach wie vor führend in diesem Bereich sind und auch in Zukunft eine wichtige Rolle auf dem Wohnungsmarkt spielen werden.“

    Key-Speaker Thomas Rau machte deutlich, dass ein einfaches Optimieren des bestehenden Systems nicht ausreicht. Stattdessen ist eine Transformation zu einem komplett neuen Wirtschaftssystem erforderlich, in dem Abfall der Vergangenheit angehört. Experten aus der Praxis und Forschung präsentierten danach neue Ansätze für den Bau: etwa kreislauffähiges Bauen, hitzemindernde Materialien, weniger Technologie, kluger Umgang mit Bestehendem oder Kosteneinsparungen an den richtigen Stellen. Videos mit Auszubildenden aus der Baubranche veranschaulichten, wie sich die nächste Generation von Bauprofis die Zukunft des Bauens vorstellt. Informationen dazu sind auf der Website des Forums der Schweizer Wohnbaugenossenschaften, www.forum-wohnen.ch, zu finden.

    Wie durch beispielhafte Projekte von Genossenschaften sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland demonstriert wurde, ist nachhaltiges, zirkuläres und kosteneffizientes Bauen für Wohnbaugenossenschaften keine Vision für die Zukunft, sondern bereits heute Realität.

  • Wohnungsnot: Bundesrat wartet ab

    Wohnungsnot: Bundesrat wartet ab

    Für Wohnbaugenossenschaften Schweiz ist es unverständlich, dass der Bundesrat angesichts der Wohnungsnot einfach abwarten will. In einer Interpellation wollte Manuela Weichelt, Nationalrätin (Grüne) und Vorstandsmitglied von Wohnbaugenossenschaften Schweiz, wissen, was der Bundesrat gegen die Wohnungsnot zu tun gedenke. Der Bundesrat antwortete, dass er sich bewusst sei, dass ein ungenügendes Wohnungsangebot die Wirtschaftsentwicklung hemmen und zu sozialpolitischen Spannungen führen könne. Er sieht aber die Verantwortung für die Wohnraumversorgung in erster Linie bei der Immobilienwirtschaft. Zwar spiele der gemeinnützige Wohnungsbau eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von preisgünstigen Wohnungen, dieser werde aber mit dem Fonds de Roulement und Bürgschaften bereits gefördert. Allenfalls ist der Bundesrat bereit, weitergehende Massnahmen zu evaluieren, wie dies ein Postulat von Ständerat Damian Müller (FDP) fordert.

    Es braucht sofort Massnahmen
    Die Wohnungsknappheit treibt die Mieten immer weiter in die Höhe. «Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen ist akut und es müssen schnell Massnahmen getroffen werden», betont Manuela Weichelt. «Wir fordern den Bundesrat auf, jetzt zu handeln. Rezepte gegen die Wohnungsnot sind bekannt: Es braucht mehr gemeinnützigen und preisgünstigen Wohnungsbau.» Die aktuelle Situation zeigt, dass die Immobilienwirtschaft nicht für ein genügendes Angebot an bezahlbarem Wohnraum sorgt. «Der Bundesrat anerkennt, dass die gemeinnützigen Wohnbauträger hier einen wichtigen Beitrag leisten. Umso unverständlicher ist es, dass er diese nicht stärker fördern will. Die jetzige Wohnraumförderung genügt nicht, um den Anteil an gemeinnützigen Wohnungen rasch zu erhöhen», erklärt Eva Herzog, Ständerätin Basel-Stadt (SP) und Präsidentin von Wohnbaugenossenschaften Schweiz. Um mehr bauen zu können, sind gemeinnützige Wohnbauträger insbesondere auf geeignetes Bauland angewiesen. Hierfür braucht es eine aktive Steuerung, zum Beispiel mit definierten Anteilen oder Zonen für gemeinnützigen Wohnraum. Der Bund hätte es in der Hand, Land für gemeinnützige Bauprojekte sicherzustellen: Zum Beispiel, indem er nicht mehr benötigte Areale des Bundes und bundesnaher Betriebe dafür zur Verfügung stellte. Oder indem er Gemeinden die Möglichkeit gäbe, mit einem Vorkaufsrecht Land zu kaufen für gemeinnützigen Wohnungsbau. Auch könnte der Bund Gemeinden beim Landkauf unterstützen, etwa mit einem Landerwerbsfonds.