Schlagwort: Zuwanderung

  • 10 Millionen und dann

    10 Millionen und dann

    Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweiz über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ab. Sie will die ständige Wohnbevölkerung langfristig unter 10 Millionen halten und sieht ab 9,5 Millionen zusätzliche Massnahmen vor. Der politische Fokus liegt auf Zuwanderung. Der räumliche Effekt könnte jedoch viel breiter ausfallen.

    Denn Arbeitsmärkte lassen sich nicht einfach an der Landesgrenze stoppen. Wenn Unternehmen weiterhin Fachkräfte brauchen, aber weniger Menschen in der Schweiz wohnen können oder sollen, steigt der Druck auf grenznahe Wohn- und Pendelräume. Das verändert nicht nur Statistiken. Es verändert ganze Regionen.

    Der Wohnungsmarkt weicht aus
    Das Muster ist längst sichtbar. In der Genferseeregion wächst der Arbeitsmarkt stark, während Wohnraum auf Schweizer Seite chronisch knapp bleibt. Die Folge ist eine immer stärkere Ausdehnung des Metropolraums nach Frankreich.

    Die Preisdifferenz erklärt die Dynamik. Im Kanton Genf lagen die Angebotsmieten zuletzt bei 384 Franken pro Quadratmeter und Jahr, im grenznahen Frankreich je nach Lage nur bei 190 bis 260 Franken. Bei Wohneigentum ist der Abstand noch grösser. In Genf liegen die Angebotspreise bei rund 13’500 Franken pro Quadratmeter, im nahen Frankreich bei etwa 3’500 bis 6’000 Franken.

    Wenn Entlastung neue Lasten schafft
    Was für die Schweiz wie eine Bremse wirken soll, kann Grenzregionen zusätzlich anheizen. Mehr Grenzgänger bedeuten mehr Nachfrage nach Wohnraum ausserhalb der Schweiz, höhere Preise in den Nachbargemeinden und wachsenden Druck auf Schulen, Verkehr und kommunale Dienste. Genau davor warnen bereits Stimmen aus Hochsavoyen.

    Auch infrastrukturell ist das keine Nebenfrage. Neue Verkehrsangebote wie der Léman Express haben das grenzüberschreitende Pendeln deutlich erleichtert und rund um die Haltestellen neue Entwicklungsdynamik ausgelöst. Der Raum wächst damit nicht weniger. Er wächst nur anders.

    Was das für Standorte bedeutet
    Für die Standortpolitik ist das eine heikle Wahrheit. Wachstum verschwindet nicht, nur weil man es politisch deckeln will. Es sucht sich neue Wege über Pendlerachsen, Wohnstandorte und funktionale Wirtschaftsräume.

  • Kanton Zürich wächst weiter

    Kanton Zürich wächst weiter

    Der Kanton Zürich wächst weiter, aber der grosse Wachstumsschub der vergangenen Jahre ist vorerst vorbei. Ende 2025 zählte die zivilrechtliche Wohnbevölkerung 1’628’081 Personen – ein Plus von knapp 13’000 Einwohnenden oder 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Abgesehen von den Corona-Jahren ist das der geringste Zuwachs seit 2005 und damit ein klares Signal für eine Phase moderaterer Dynamik.

    Zuwanderung wichtigste Wachstumstreiber
    Getragen wird das Bevölkerungswachstum weiterhin vor allem von der Zuwanderung aus dem Ausland. Über 80 Prozent der Zunahme gehen auf Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zurück, die sich neu im Kanton niederlassen. Der Wanderungssaldo mit dem Ausland ist im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht zurückgegangen, bewegt sich aber wieder etwa auf dem Niveau vor dem Krieg in der Ukraine. Der Binnenwanderungssaldo mit den übrigen Kantonen bleibt leicht negativ und verändert sich seit einigen Jahren kaum noch. Zürich verliert innerhalb der Schweiz in etwa so viele Menschen, wie es gewinnt.

    Geburten und Todesfälle
    Der Geburtensaldo macht weniger als ein Fünftel des Wachstums aus. Erste Schätzungen zeigen zwar leicht steigende Geburten und etwas tiefere Todesfallzahlen, doch insgesamt bleibt der Überschuss gering. Damit bestätigt sich der Trend, dass die Bevölkerung vor allem «von aussen» wächst, während die demografische Dynamik im Innern abflacht.

    Städte und kleine Gemeinden wachsen am stärksten
    Räumlich zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Mehr als zwei Drittel des Wachstums entfallen auf Städte mit über 10’000 Einwohnenden. Die Stadt Zürich allein nimmt fast ein Drittel der kantonalen Zunahme auf und wächst um 4’008 Personen. Dahinter folgen Dübendorf und Uster, während Winterthur mit einem Plus von 355 Personen das schwächste Wachstum seit der Jahrtausendwende verzeichnet.

    Relativ zur Gemeindegrösse legen hingegen die kleinen Gemeinden am stärksten zu. Flaach, Hüntwangen und Wila verzeichnen Wachstumsraten zwischen 4 und gut 5 Prozent und unterstreichen damit, dass auch ländlich geprägte Gemeinden im Kanton vom Zuzug profitieren können.

    Regionen verschieben sich
    Alle Regionen des Kantons wachsen, aber in unterschiedlichem Tempo. An der Spitze liegen Weinland und Furttal mit Wachstumsraten von 1,1 bzw. 1,0 Prozent. Doppelt so hoch wie in der Region Winterthur, die 2025 das Schlusslicht bildet. Wuchsen zuletzt vor allem die stadtnahen Gebiete im Norden und Osten überdurchschnittlich, liegen nun die Stadt Zürich und das Limmattal über dem Kantonsmittel, während das Glattal und die Region Winterthur zurückfallen.

    Ausländische Bevölkerung stark europäisch geprägt
    Ende 2025 lebten im Kanton rund 472’000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Ein Anteil von 29 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Ihr Bestand nimmt weiter zu, wenn auch mit 1,5 Prozent so langsam wie selten seit Einführung der vollen Personenfreizügigkeit mit der EU im Jahr 2007. Fast zwei Drittel stammen aus einem EU- oder EFTA-Staat, über 80 Prozent aus Europa.

  • Preise für Immobilien bleiben hoch

    Preise für Immobilien bleiben hoch

    Die Preise für Immobilien bleiben auch 2026 im Aufwärtstrend. Prognosen der Zürcher Kantonalbank (ZKB) gehen von einer Preissteigerung um 4,5 Prozent aus. Die Abschaffung des Eigenmietwerts habe darauf keinen Einfluss, auch die Babyboomer ändern nichts an der Situation, heisst es in einer Mitteilung zur jüngsten Studie Immobilien aktuell.

    Auf dem Wohnungsmarkt gesamt wachse infolge von Wohnungsknappheit und Zuwanderung der Druck auf Eigentümer, Mietende und Handwerker. Die Schweiz sei auf Zuwanderung angewiesen, doch verschärfe der Zuzug „die Wohnraumnachfrage in ohnehin angespannten Märkten“. Jeder vierte Zugezogene ziehe in die fünf grössten Städte – jeder zehnte nach Zürich.

    Infolge eines Nachfragestaus bei Mietwohnungen rechnen die Experten der ZKB mit einer gleichbleibend angespannten Lage. Die Wohnungsleerstände zeigten ein Rekordtief und wirkten sich besonders auf das Umzugsverhalten junger Erwachsener aus. Im Jahr 2023 seien 15 Prozent weniger Menschen im Alter zwischen 21 und 25 Jahren umgezogen als noch 2020. „Viele bleiben im Hotel Mama, weil kein passender Wohnraum verfügbar ist“, heisst es.

    Der demografische Wandel wird sich nicht preissenkend auswirken. „Babyboomer erhöhen bis 2035 das Angebot an Einfamilienhäusern voraussichtlich um rund 14%, beim Stockwerkeigentum um 10%“, heisst es. „Der demografische Wandel wird den Markt zwar verändern, aber keinen Preiseinbruch auslösen“, wird Ursina Kubli, Leiterin Immobilien Research bei der ZKB, zitiert. Die Preise von Zweitwohnungen sind 2019 und 2024 um 40 Prozent gestiegen, bleiben aber nach einem leichten Rückgang 2025 auf hohem Niveau.

    Die Prognosen der ZKB stützen sich auf Untersuchungen der Eigenmietwertsabschaffung, der Angebotsbeschränkung bei Mietwohnungen, einer möglichen Verkaufswelle durch die Babyboomer-Generation, von Markteinflüssen durch Zuwanderung und vom geänderten Ferienwohnungsmarkt.