Kategorie: Bewertungen & Marktanalysen

  • Orientierung im angespannten Immobilienmarkt

    Orientierung im angespannten Immobilienmarkt

    Bilanz erinnert daran, dass es im Schweizer Immobilienmarkt weiterhin «brodelt». Die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage bleibt gross, die Bautätigkeit reicht vielerorts nicht aus, um den Bedarf an Wohneigentum zu decken. Laut Immobilienumfragen erwarten Fachleute auch für 2026 weiter steigende Preise, insbesondere bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen, während Bodenpreise in Zentren wie Zürich neue Höchstwerte erreichen. Parallel dazu warnen Marktindikatoren wie der UBS Swiss Real Estate Bubble Index vor zunehmenden Überbewertungsrisiken, auch wenn Expertinnen und Experten eine akute Blasengefahr derzeit noch als moderat einstufen.

    Warum Bilanz die «Top Immobilienexperten 2026» kürt
    Gerade in diesem Umfeld gewinnen lokale Marktkenntnis und professionelle Unterstützung an Gewicht. Bilanz und das Marktforschungsinstitut Statista haben deshalb erneut die «Top Immobilienexperten in der Schweiz 2026» identifiziert. Ausgezeichnet wurden 125 Unternehmen, die in Bereichen wie An- und Verkauf, Vermietung, Bewirtschaftung, Immobilienbewertung, Bauherrenvertretung, Finanzierung und Proptech überdurchschnittlich oft empfohlen wurden. Die Bestenliste soll Eigentümern wie auch Käufern helfen, geeignete Partner zu finden, von der Vermarktung eines Eigenheims bis zur Finanzierung eines Neukaufs.

    Empfehlungen von Profis und Kunden
    Für das Ranking hat Statista Branchenexperten sowie Kunden befragt, die in den letzten Jahren Immobilienleistungen in Anspruch genommen haben. Auf Basis von über 2’000 Teilnehmenden wurden die 125 meistempfohlenen Unternehmen identifiziert und alphabetisch in die Liste aufgenommen. Zusätzliche Kennzahlen wie Unternehmensgrösse flossen ergänzend ein. Bilanz betont, dass das Ranking keine vollständige Marktübersicht ersetzt, aber eine fundierte Orientierungshilfe in einem komplexen Markt bietet.

  • Holzbau als Investment

    Holzbau als Investment

    Holz- und Hybridbauten haben sich als ernstzunehmende Alternative zum energetisch hochwertigen Massivbau etabliert. Studien von Wüest Partner und Durable im Auftrag von Lignum und BAFU zeigen, dass Holzbauten bei Erstellungskosten und Performance mit Massivbauten mithalten können, obwohl sie im Median leicht teurer sind. Für Investoren wird Holzbau damit zu einem Baustein, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, ohne auf wirtschaftliche Solidität zu verzichten.

    Kosten, Lebenszyklus und Risikoprofil
    Im Kostenvergleich liegen die Baukosten von Holzbauten im Median rund 10 Prozent über jenen von Massivbauten. Im unteren Preissegment nähern sich die Werte jedoch stark an. Die energetische Standards wie Minergie-P beeinflussen die Kosten stärker als die Wahl der Tragstruktur. Kurz- bis mittelfristig profitieren Holzbauten von hoher Kostensicherheit, tieferen Betriebs- und Wartungskosten sowie einem besseren Rückbau- und Reuse-Profil. Über sehr lange Zeiträume von 80 Jahren wirken sich die höhere Dauerhaftigkeit mineralischer Bauweisen kostenseitig positiv aus, sodass deren Lebenszykluskosten tiefer liegen.

    Ökologischer Vorsprung und Green Premium
    Ökologische Auswertungen zeigen, dass Holzbauten die grauen Treibhausgasemissionen gegenüber einem mineralischen Zwilling im Mittel um etwa 20 Prozent reduzieren, bei einzelnen Bauteilen gar deutlich mehr. Besonders gross ist der Effekt bei Aufstockungen, wo Holzbau gegenüber Ersatzneubauten markante CO₂-Einsparungen ermöglicht und gleichzeitig zusätzliche Flächen schafft. Internationale Metastudien zu zertifizierten Green Buildings weisen zudem auf Preis- und Mietprämien sowie tiefere Kapitalisierungsraten hin.Ein Indiz dafür, dass der Markt Nachhaltigkeit als Risikopuffer honoriert.

    Zeit als Renditetreiber
    Der Green Premium im Holzbau entsteht vor allem durch Prozessvorteile. Hoher Vorfertigungsgrad, modulare Systeme und digitale Planung verkürzen die Bauzeit erheblich. Für Investoren bedeutet dies früheren Ertragseingang und eine Reduktion der Bau- und Projektkosten über den Faktor Zeit. Modellrechnungen veranschlagen bei sechs Monaten Zeitgewinn Einsparungen im Bereich von rund 200 Franken pro Quadratmeter. Gleichzeitig sinken Termin-, Koordinations- und Witterungsrisiken, was sich in stabileren Budgets und kalkulierbareren Cashflows niederschlägt.

    Strategische Rolle im Portfolio
    Institutionelle Investoren wie spezialisierte Nachhaltigkeitsfonds sehen den Hauptmehrwert des Holz- und Hybridbaus weniger in Mieten als in ökologischen Vorteilen, der Reduktion von Stranded-Asset-Risiken und einer robusten ESG-Positionierung. Im Bestand punktet Holzbau insbesondere bei Aufstockungen und Nachverdichtung, wo seine Leichtigkeit und Vorfertigung zu überlegenen Gesamtwirtschaftlichkeiten führen. Für renditeorientierte Anlegerinnen und Anleger lohnt sich Holzbau daher vor allem dort, wo Prozessvorteile, ESG-Strategie und Standortqualität zusammenwirken.

  • Wo steht die Schweizer PropTech-Branche?

    Wo steht die Schweizer PropTech-Branche?

    In der Schweiz sind heute rund 430 PropTech-Unternehmen aktiv, viele davon mit Wurzeln an ETH oder EPFL. Dies ist ein Hinweis auf den ausgeprägten DeepTech- und Forschungsfokus. Ein grosser Teil der Firmen befindet sich noch in frühen Entwicklungsphasen, etwa die Hälfte erwirtschaftet weniger als 0.5 Millionen Franken Jahresumsatz. Dennoch erwarten Mehrheiten der Unternehmen steigende Erlöse, was die Mischung aus jungen Startups, wachsenden Scale-ups und etablierten Technologiefirmen prägt.

    Funding, Segmente und Nachhaltigkeitsdruck
    Duch die hohe Zahl abgeschlossenere Finanzierungsrunden im 2024 und Schätzungen zufolge flossen in den letzten Jahren mehrere hundert Millionen Franken in Schweizer PropTechs. Besonders gefragt sind Lösungen für Smart Buildings, Energieeffizienz, digitale Transaktionen, Datenanalyse und KI-basierte Services. Rund ein Fünftel der Unternehmen bewegt sich im Digital Brokerage, gefolgt von Smart-Building-Lösungen und Daten- beziehungsweise KI-Produkten. Stark an Bedeutung gewinnt der Bereich Sustainability und Lifecycle Management, getrieben von ESG-Vorgaben und Netto-Null-Strategien. Ein signifikanter Anteil der PropTechs integriert ökologische Nachhaltigkeit heute als Kernfunktion ihrer Angebote.

    Internationalisierung und Sichtbarkeit im Startup-Ökosystem
    Zwischen 30 und 40 Schweizer PropTech-Unternehmen sind bereits in europäischen oder globalen Märkten aktiv, exportieren ihre Technologien oder testen sie in internationalen Pilotprojekten. Parallel tauchen PropTechs regelmässig in Rankings der vielversprechendsten Schweizer Startups auf und gehören dort zu den wachstumsstärksten Jungunternehmen. Damit verschiebt sich das Bild von der Nische hin zu einem sichtbaren Wachstumssegment im nationalen Innovationsökosystem.


    Langsame Adoption trifft steigenden Digitalisierungsdruck
    Trotz skalierbarer Produkte bleibt die Kundengewinnung anspruchsvoll. Entscheidungs- und Beschaffungsprozesse in der Immobilienwirtschaft dauern oft ein bis anderthalb Jahre, was Markteintritte verzögert und Roll-outs streckt. Gleichzeitig nimmt der Druck zu, Prozesse zu digitalisieren, Daten besser zu nutzen und Gebäude nachhaltiger zu betreiben. Von regulatorischen Anforderungen bis zu steigenden Energiepreisen. Für PropTechs entsteht daraus ein Spannungsfeld zwischen langen Zyklen auf Kundenseite und hohem Tempo bei Technologie- und Kapitalanforderungen.

    Europa als Wachstumshebel und Chance für die Schweiz
    Der europäische PropTech-Markt wächst dynamisch und soll sein Volumen bis zum Ende des Jahrzehnts deutlich ausbauen, angetrieben von Investitionen in KI, Smart Buildings und nachhaltige Sanierungstechnologien. Europa hält heute einen substanziellen Anteil am globalen PropTech-Markt, wovon die Schweiz mit ihrer hohen Innovationsdichte, starken Hochschullandschaft und exportfähigen Lösungen überproportional profitieren kann. Insgesamt zeigt sich, die Szene ist klein, aber hochgradig innovationsstark. Sie ist dabei, sich zu professionalisieren, international auszurichten und die Immobilienbranche langfristig zu verändern.

    Fact & Figures PropTech Schweiz 2025

  • Angebotsmieten steigen im Januar nur verhalten

    Angebotsmieten steigen im Januar nur verhalten

    Der Homegate-Mietindex für Angebotsmieten, der vom Immobilienmarktplatz Homegate in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erhoben wird, misst die monatliche, qualitätsbereinigte Veränderung der Mietpreise anhand der aktuellen Marktangebote. Für den Januar 2026 zeigt der Index eine leichte Steigerung von 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Verglichen mit Januar 2025 konnten die Angebotsmieten schweizweit um 2,2 Prozent zulegen.

    Auf kantonaler und städtischer Ebene zeigt sich dabei ein ungewohnt differenziertes Bild. Zum Jahresauftakt waren die Mieten in der Hälfte der Kantone rückläufig, insbesondere in Nidwalden (minus 2,7 Prozent) und Schwyz (minus 2 Prozent). In mehreren Kantonen folgte diese Entwicklung auf eine Phase von ein bis drei Monaten mit zuvor starken Zunahmen. Im Vorjahresvergleich legten die Angebotsmieten jedoch in allen Kantonen zu, besonders in Graubünden (plus 7,7 Prozent), Glarus (plus 6,4 Prozent) und dem Wallis (plus 6,2 Prozent).

    Auch in den Städten zeigten sich im Januar rückläufige Tendenzen. Gegenüber Dezember 2025 weisen alle Städte gleichbleibende oder gesunkene Werte auf. Besonders stark sanken Mieten in Genf (minus 1,2 Prozent) und Lugano (minus 1 Prozent). Allein Zürich verzeichnete auch im Januar einen Mietzuwachs (plus 0,5 Prozent). Wie auch in den Kantonen liegen allerdings die Angebotsmieten in allen Städten über dem Vorjahresspiegel. Besonders in Lugano (plus 7,6 Prozent) und Luzern (plus 3,8 Prozent) sind die Mieten 2025 höher geworden.

    Bei Homegate handelt es sich um eine Plattform der SMG Swiss Marketplace Group. In dieser sind die digitalen Marktplätze von TX Group, Ringier und Mobiliar vereint.

  • Mängelrechte und Bauhandwerkerpfandrecht wichtige Änderungen

    Mängelrechte und Bauhandwerkerpfandrecht wichtige Änderungen

    Kohler Law ist eine neue Boutique-Kanzlei mit Schwergewicht Bau- und Immobilienrecht, Staats- und Verwaltungsrecht sowie Vertragsrecht. Mit über 15 Jahre Erfahrung in Zürcher und Aargauer Anwaltskanzleien berate und vertrete ich Privatpersonen, Unternehmen und öffentliche Institutionen. Als Einzelanwalt garantiere ich einen direkten Ansprechpartner, hohe Verfügbarkeit und eine bedürfnisgerechte Beratung. Effiziente, praktikable und nachhaltige Lösungen stehen bei mir im Vordergrund.

    Kaufvertragsrecht
    Für bewegliche Sachen, die bestimmungsgemäss in ein unbewegliches Werk integriert werden (z. B. Baustoffe), besteht neu eine Rügefrist für offene und verdeckte Mängel von mindestens 60 Tagen. Die Verjährungsfrist für Mängelrechte beträgt wie bisher fünf Jahre, wobei eine Verkürzung der Frist weiterhin zulässig bleibt.

    Beim Grundstückskauf mit Neubauten, die noch zu errichten oder maximal zwei Jahre alt sind, erhalten Käufer erstmals ein zwingendes kostenloses Nachbesserungsrecht. Zudem können offene und verdeckte Mängel neu auch innerhalb von mindestens 60 Tagen nach Entdeckung angezeigt werden. Die Mängelrechte bei allen Arten von Grundstückkäufen verjähren fünf Jahre nach Eigentumsübergang, wobei diese Frist nicht verkürzt werden darf.

    Werkvertragsrecht
    Bei unbeweglichen Werken gilt künftig eine 60-tägige Rügefrist für offene und verdeckte Mängel. Dies umfasst auch Mängel beweglicher Werke, die in ein unbewegliches Werk integriert wurden, oder Mängel an Werken von Architekten/Ingenieuren, die Grundlage für die Erstellung eines unbeweglichen Werks bilden. Neu ist ebenfalls ein zwingendes kostenloses Nachbesserungsrecht vorgesehen; vertragliche Ausschlüsse oder Begrenzungen, etwa auf Höchstbeträge, sind unwirksam. Die fünfjährige Verjährungsfrist kann nicht zulasten des Bestellers verkürzt werden; sie beginnt mit der Abnahme des Werks.

    Bauhandwerkerpfandrecht
    Das Pfandrecht sichert Unternehmern die Zahlung offener Werklohnforderungen. Für Eigentümer kann dies die Kreditwürdigkeit einschränken oder ein Doppelzahlungsrisiko bedeuten. Neu gilt: Eine Sicherheit, die Hauptforderung und Verzugszinsen für zehn Jahre abdeckt, verhindert die Eintragung des Pfandrechts. Damit wird eine klare, praktisch umsetzbare Regelung eingeführt, die frühere Probleme unbeschränkter Zinsgarantien löst.

    Inkrafttreten und Übergangsrecht
    Die Änderungen gelten ab 1. Januar 2026. Kauf- und Werkverträge vor diesem Datum unterstehen weiterhin dem alten Recht; Nachbesserungsansprüche für vor 2026 abgeschlossene Neubauten bestehen nur, wenn vertraglich vereinbart. Zwingende Verjährungsfristen und die neue Sicherheitsregel im Bauhandwerkerpfandrecht gelten jedoch unabhängig vom Vertragsdatum.

    Empfehlungen
    Es empfiehlt sich auf jeden Fall, sämtliche Vertragsvorlagen dem neuen Recht anzupassen. Beim Verkauf noch zu bauender Liegenschaften sollten die Kauf- und Werkverträge aufeinander angepasst werden, um Widersprüche zwischen der Haftung aus Kauf- und Werkvertrag zu vermeiden. Dies gilt besonders für im Jahr 2025 abgeschlossene Werkverträge, wenn die Liegenschaft erst im Jahr 2026 veräussert wird. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die SIA-Norm 118 zu richten, da diese – anders als die gesetzlichen Bestimmungen – ein vorgehendes Nachbesserungsrecht des Unternehmers enthält.

  • Operative Erholung zeigt Wirkung im Industrieumfeld

    Operative Erholung zeigt Wirkung im Industrieumfeld

    Die Schindler-Gruppe hat laut einer Mitteilung im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 10,947 Milliarden Franken erreicht, ein Rückgang um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Lokalwährungen wurde hingegen ein Zuwachs um 1,3 Prozent verbucht. Der Auftragseingang lag bei 11,313 Milliarden Franken (- 0,9 Prozent, in Lokalwährungen + 3,1 Prozent). Das bereinigte Betriebsergebnis in Lokalwährungen stieg sogar um 12,3 Prozent. Beim Konzerngewinn hat Schindler 1,073 Milliarden Franken erwirtschaftet, ein Zuwachs von 6,2 Prozent.

    „2025 markiert das letzte Jahr unserer operativen Erholung“, wird Schindler-CEO Paolo Compagna zitiert. „Vier Jahre nachdem wir uns besonderen Herausforderungen im Jahr 2022 stellen mussten, freut es mich sagen zu können, dass wir aus dieser Phase als stärkeres und widerstandsfähigeres Unternehmen hervorgegangen sind.“

    Für das laufende Jahr erwartet Schindler „in Lokalwährungen ein Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich“. Als EBIT-Marge werden 13 Prozent angestrebt (2025: 12,6 Prozent, bereinigte EBIT-Marge 13,3 Prozent). „Unsere Priorität für 2026 ist es, gezielt zu wachsen und den Fokus auf die weitere Verbesserung der operativen Margen beizubehalten“, heisst es von Compagna.

  • Kanton Zürich wächst weiter

    Kanton Zürich wächst weiter

    Der Kanton Zürich wächst weiter, aber der grosse Wachstumsschub der vergangenen Jahre ist vorerst vorbei. Ende 2025 zählte die zivilrechtliche Wohnbevölkerung 1’628’081 Personen – ein Plus von knapp 13’000 Einwohnenden oder 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Abgesehen von den Corona-Jahren ist das der geringste Zuwachs seit 2005 und damit ein klares Signal für eine Phase moderaterer Dynamik.

    Zuwanderung wichtigste Wachstumstreiber
    Getragen wird das Bevölkerungswachstum weiterhin vor allem von der Zuwanderung aus dem Ausland. Über 80 Prozent der Zunahme gehen auf Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zurück, die sich neu im Kanton niederlassen. Der Wanderungssaldo mit dem Ausland ist im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht zurückgegangen, bewegt sich aber wieder etwa auf dem Niveau vor dem Krieg in der Ukraine. Der Binnenwanderungssaldo mit den übrigen Kantonen bleibt leicht negativ und verändert sich seit einigen Jahren kaum noch. Zürich verliert innerhalb der Schweiz in etwa so viele Menschen, wie es gewinnt.

    Geburten und Todesfälle
    Der Geburtensaldo macht weniger als ein Fünftel des Wachstums aus. Erste Schätzungen zeigen zwar leicht steigende Geburten und etwas tiefere Todesfallzahlen, doch insgesamt bleibt der Überschuss gering. Damit bestätigt sich der Trend, dass die Bevölkerung vor allem «von aussen» wächst, während die demografische Dynamik im Innern abflacht.

    Städte und kleine Gemeinden wachsen am stärksten
    Räumlich zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Mehr als zwei Drittel des Wachstums entfallen auf Städte mit über 10’000 Einwohnenden. Die Stadt Zürich allein nimmt fast ein Drittel der kantonalen Zunahme auf und wächst um 4’008 Personen. Dahinter folgen Dübendorf und Uster, während Winterthur mit einem Plus von 355 Personen das schwächste Wachstum seit der Jahrtausendwende verzeichnet.

    Relativ zur Gemeindegrösse legen hingegen die kleinen Gemeinden am stärksten zu. Flaach, Hüntwangen und Wila verzeichnen Wachstumsraten zwischen 4 und gut 5 Prozent und unterstreichen damit, dass auch ländlich geprägte Gemeinden im Kanton vom Zuzug profitieren können.

    Regionen verschieben sich
    Alle Regionen des Kantons wachsen, aber in unterschiedlichem Tempo. An der Spitze liegen Weinland und Furttal mit Wachstumsraten von 1,1 bzw. 1,0 Prozent. Doppelt so hoch wie in der Region Winterthur, die 2025 das Schlusslicht bildet. Wuchsen zuletzt vor allem die stadtnahen Gebiete im Norden und Osten überdurchschnittlich, liegen nun die Stadt Zürich und das Limmattal über dem Kantonsmittel, während das Glattal und die Region Winterthur zurückfallen.

    Ausländische Bevölkerung stark europäisch geprägt
    Ende 2025 lebten im Kanton rund 472’000 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Ein Anteil von 29 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Ihr Bestand nimmt weiter zu, wenn auch mit 1,5 Prozent so langsam wie selten seit Einführung der vollen Personenfreizügigkeit mit der EU im Jahr 2007. Fast zwei Drittel stammen aus einem EU- oder EFTA-Staat, über 80 Prozent aus Europa.

  • Schweizer Unternehmen starten optimistischer ins Jahr

    Schweizer Unternehmen starten optimistischer ins Jahr

    Der KOF Geschäftslageindikator steigt im Januar bereits den zweiten Monat in Folge und signalisiert eine deutlich günstigere Ausgangslage als vor einem Jahr. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Geschäftslage markant aufgehellt, was auf eine Belebung von Nachfrage und Auslastung hinweist.

    ​Auch Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Grosshandel, Gastgewerbe und Baugewerbe verzeichnen steigende Geschäftslageindikatoren, während der Detailhandel zumindest leicht zulegt. In den übrigen Dienstleistungen bleibt die Lage weitgehend stabil, einzig der Projektierungsbereich meldet eine leichte Abkühlung. Insgesamt zeigt sich damit eine breit abgestützte Verbesserung quer durch die Schweizer Wirtschaft.

    Gewerbe als Stimmungsanker
    Mit Blick auf die nächsten sechs Monate überwiegt in vielen Branchen der Optimismus. Besonders das Verarbeitende Gewerbe rechnet mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftstätigkeit und bestätigt damit seine Rolle als Stimmungsanker zu Jahresbeginn.

    ​Zudem haben sich die Erwartungen im Detailhandel, im Baugewerbe, in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie im Projektierungsbereich aufgehellt. Etwas zurückhaltender beurteilen hingegen Gastgewerbe, Grosshandel und die übrigen Dienstleistungen die kommenden Monate, bleiben aber mehrheitlich in einem moderat positiven Erwartungsrahmen.

    Mehr Rekrutierungen
    Viele Unternehmen planen, zusätzliches Personal einzustellen. Besonders sichtbar ist dies im Gastgewerbe, das seine Belegschaften ausbauen möchte, aber zunehmend Schwierigkeiten hat, geeignete Mitarbeitende zu finden.

    ​Am häufigsten berichten das Baugewerbe und der Projektierungsbereich über Fachkräftemangel, was bestehende Kapazitätsengpässe verstärkt in den Fokus rückt. Für Kader und HR-Verantwortliche bedeutet dies, dass der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte in mehreren Schlüsselbranchen weiter zunimmt.

    Moderate Dynamik ohne neue Inflationssignale
    Trotz der konjunkturellen Aufhellung bleiben die Lohnerwartungen stabil. Wie bereits in der Oktoberumfrage rechnen die Unternehmen für die nächsten zwölf Monate durchschnittlich mit einem Anstieg der Bruttolöhne um 1.3%, mit überdurchschnittlichen Zuwächsen im Gastgewerbe, im Projektierungsbereich und im Baugewerbe.

    ​Auch bei den Konsumentenpreisen erwarten die Firmen keine Trendwende. Die erwartete Inflationsrate liegt nun bei 0.9% und damit praktisch auf dem Niveau der Oktoberumfrage (1.0%). Für die Geld- und Lohnpolitik ergibt sich damit ein Bild moderater, gut verankerter Preis- und Lohnentwicklung.

    Breite Basis in der Realwirtschaft
    Die Umfrage stützt sich auf rund 4’500 Unternehmen aus Verarbeitendem Gewerbe, Bau und zentralen Dienstleistungssektoren, was einer Rücklaufquote von etwa 56% entspricht.

    ​Für Führungskräfte liefert der KOF Geschäftslageindikator damit ein robustes Stimmungsbild. Die Schweizer Privatwirtschaft startet breit abgestützt, vorsichtig zuversichtlich und ohne erkennbare Inflationsdynamik ins Jahr 2026. Bei gleichzeitig zunehmendem Druck auf den Arbeitsmarkt in wichtigen Bau- und Dienstleistungsbereichen.

  • Verdichtung im Wohnbestand ist bei der Bevölkerung unbeliebt

    Verdichtung im Wohnbestand ist bei der Bevölkerung unbeliebt

    Höhere Gebäude in Städten könnten die Wohnungsnot lindern, sind aber in der Bevölkerung unbeliebt. Dies geht aus einer Befragung des Vergleichsportals Comparis hervor. Demnach sprachen sich 50 Prozent der in einer Umfrage von Comparis Befragten gegen den Bau von höheren Gebäuden mit mehr als sechs Stockwerken aus. Dagegen waren 45 Prozent der im November 2025 schweizweit 1039 befragten erwachsenen Personen damit einverstanden.

    Höhere Häuser in städtischen Gebieten könnten aus Sicht von Immobilienexperte Harry Büsser von Comparis „eine politische Schneise zu mehr Wohnraum“ sein. „Lassen wir die Personen in den Städten Lift statt Auto fahren“, wird er in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Sie zeige ein Dilemma: Steigende Mieten betreffen alle, doch mögliche Gegenmassnahmen werden mehrheitlich abgelehnt. So seien 68 Prozent der Befragten gegen eine Verdichtung mit weniger Grünflächen und kleineren Abständen. 66 Prozent lehnten neue Bauzonen auf Kosten von Landwirtschafts- oder Grünflächen ab. Lediglich die Einschränkung von Einsprachen habe eine relative Mehrheit gefunden: 47 Prozent sind dafür, 43 Prozent dagegen.

    Die Studie belege zudem, dass Massnahmen zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum je nach  Geschlecht und Alter unterschiedlich bewertet werden. Während 54 Prozent der Männer höhere Gebäude befürworten, liegt der Frauenanteil bei 36 Prozent. Dichtere Bebauungen fanden bei 33 Prozent männlichen Personen gegenüber 22 Prozent der Frauen Zustimmung. Ja zu neuen Bauzonen sagten 39 Prozent der befragten Männer gegenüber 21 Prozent Frauen. Büsser vermutet den Grund dafür in unterschiedliche Rollen und Tätigkeiten. Frauen übernehmen oft die Hauptlast für Familie und Nachbarschaft. Veränderungen im Wohnumfeld würden daher „wohl stärker als Verlust von Lebensqualität wahrgenommen“.

    Den sich verschärfenden Wohnungsmangel bekämen insbesondere die 18- bis 35-Jährigen (65 Prozent) und Stadtbewohner (66 Prozent) zu spüren. Das erklärt Comparis zufolge, weshalb unter ihnen der Ansatz, in die Höhe zu bauen, die meiste Zustimmung fand: 52 Prozent der Befragten in der jungen Bevölkerungsgruppe wären mit einer über sechs Stockwerke hinausreichenden Bauweise einverstanden. Die Umfrage ergab ausserdem, dass höhere Häuser nur direkt in der Stadt akzeptiert werden (54 Prozent). In der Agglomeration befürworten diese nur 39 Prozent.

  • Kartellrecht mit Spielraum für Kooperationen

    Kartellrecht mit Spielraum für Kooperationen

    Die Schweizer Wirtschaft steht hinter einem starken Kartellrecht. Wettbewerbsbeschränkungen sollen verhindert, fairer Wettbewerb gesichert werden. In der Praxis hatten sich die Wettbewerbsbehörden jedoch zunehmend von diesem Wirkungsprinzip entfernt. Statt die tatsächlichen Effekte auf den Markt zu prüfen, wurde primär die Form einer Vereinbarung beurteilt. Bestimmte Abreden galten damit automatisch als unzulässig, selbst wenn sie nachweislich keine schädlichen Auswirkungen hatten.

    Gerade für KMU, Planungsbüros und Unternehmen in der Bauwirtschaft führte dies zu erheblicher Rechtsunsicherheit. Einkaufsgemeinschaften, gemeinsame Forschungsprojekte oder Versicherungspools gerieten ins Fadenkreuz, obwohl sie häufig Effizienzgewinne und bessere Marktleistungen ermöglichten. Mit der nun verabschiedeten Revision reagiert das Parlament auf diesen Missstand und fordert eine Rückkehr zum ursprünglichen Willen des Gesetzgebers.

    Neue Prüflogik in Art. 5 Kartellgesetz
    Kernstück der Revision ist die Präzisierung in Art. 5 Abs. 1 bis Kartellgesetz. Künftig genügt die blosse Einordnung einer Vereinbarung als «harte Abrede» nicht mehr. Es braucht immer eine Gesamtbeurteilung der Erheblichkeit, die qualitative und quantitative Elemente einbezieht . Wie Marktstruktur, Marktanteile und konkrete Rahmenbedingungen im Einzelfall.

    Die Art der Abrede bleibt wichtig, weil sie Hinweise auf ein typisches Schädlichkeitspotenzial gibt. Neu ist aber klar festgehalten, es muss geprüft werden, ob dieses Potenzial im realen Marktumfeld tatsächlich zum Tragen kommt. Für die Praxis bedeutet das, Wettbewerbsbehörden können Kooperationen nicht mehr allein aufgrund ihrer Form sanktionieren, sondern müssen begründen, warum und wo sie den Wettbewerb tatsächlich beeinträchtigen. Das Inkrafttreten der materiellen Anpassungen wird per 1. Januar 2027 erwartet.

    Mehr Spielraum für Kooperationen
    Mit der Revision gelingt eine heikle Balance. Kooperationen, die wettbewerblich unbedenklich oder gar förderlich sind, werden aus der Schusslinie genommen, ohne die Durchsetzungskraft der WEKO zu schwächen. Für Planungsbüros, Ingenieurunternehmen und weitere Akteure der Bauwirtschaft ergibt  dies mehr Klarheit. Insbesondere dort wo die Zusammenarbeit zulässig ist, bei gemeinsamen Beschaffungen, Standardisierungsprojekten oder geteilten Ressourcen.

    Gleichzeitig bleibt der Grundauftrag des Kartellrechts unangetastet. Hardcore-Kartelle, Preisabsprachen oder Auftragsabsprachen werden weiterhin streng verfolgt. Die Revision verschiebt den Fokus nicht weg vom Schutz des Wettbewerbs, sondern zurück auf dessen Kern.  Wirkung statt Form, missbräuchliches Verhalten statt pauschaler Verdacht.

    Institutionelle Reform der Wettbewerbsbehörden
    Mit der materiellen Revision ist der Prozess nicht abgeschlossen. 2026 und 2027 rückt die institutionelle Reform in den Vordergrund. Hier geht es um die Frage, wie Kartellverfahren geführt werden und wie rechtsstaatlich sie ausgestaltet sind.

    Mehrere Elemente stehen dabei im Zentrum. Erstens soll die institutionelle Trennung zwischen Untersuchung und Entscheid geschärft werden. Die Wettbewerbskommission wird zu einer stärker gerichtsähnlichen Instanz mit eigenen Fachressourcen ausgebaut, während das Sekretariat als eigenständige Anklagebehörde agiert.

    Zweitens ist eine spezialisierte Rechtsmittelinstanz vorgesehen, welche Kartellfälle bündelt, Expertise sichert und die Verfahren beschleunigt. Drittens soll ein unabhängiger Anhörungsbeauftragter («Hearing Officer») eingesetzt werden, der die Einhaltung der Verfahrensrechte überwacht und den Parteien als neutrale Anlaufstelle dient, ohne selbst in die materiellen Entscheide einzugreifen.

    Viertens soll mehr Transparenz geschaffen werden, indem Sondervoten veröffentlicht werden und abweichende Meinungen sichtbar werden, was die Rechtsentwicklung nachvollziehbarer macht. Kartellverfahren gelten nach EMRK als Strafverfahren, greifen tief in die Rechte der betroffenen Unternehmen ein und unterliegen daher hohen rechtsstaatlichen Anforderungen. Genau in diesem Spannungsfeld sieht Bauenschweiz weiterhin erheblichen Reformbedarf.

    Bauenschweiz drängt auf mehr Rechtsstaatlichkeit
    Bauenschweiz begrüsst, dass der Bundesrat den Reformbedarf im Vollzug anerkennt, lehnt die aktuelle Vorlage zur institutionellen Reform aber ab. Aus Sicht des Dachverbands behebt sie die zentralen Defizite nicht ausreichend. Insbesondere die Unabhängigkeit der Entscheidungsinstanz, die klare Trennung von Untersuchung und Urteil sowie der Schutz verfahrensrechtlicher Garantien seien noch nicht genügend sichergestellt.

    Ein kartellrechtlicher Rahmen, der tief in unternehmerische Freiheiten eingreift, braucht robuste Institutionen, nachvollziehbare Verfahren und Vertrauen in die Fairness. Nur so lassen sich Wettbewerbsverstösse konsequent sanktionieren, ohne Investitionsbereitschaft und sinnvolle Kooperationen unnötig zu bremsen.

    Die Botschaft des Bundesrates zur institutionellen Reform wird im Sommer 2026 erwartet, die parlamentarische Beratung dürfte im dritten oder vierten Quartal starten. Bauenschweiz will sich gemeinsam mit einer Wirtschaftsallianz erneut einbringen. Mit dem Ziel, ein Kartellrecht zu verankern, das Wettbewerb schützt, Kooperationen differenziert beurteilt und rechtsstaatlichen Ansprüchen konsequent genügt.

  • Wo Immobilien an Strahlkraft verlieren

    Wo Immobilien an Strahlkraft verlieren

    Zu den Kantonen mit den grössten demografischen Risiken zählen Tessin, Bern, Neuenburg, Jura, Appenzell Ausserrhoden, Nidwalden, Obwalden, Graubünden, Glarus und Schaffhausen. Sie vereinen rund 23 Prozent des gesamten Hypothekarvolumens der Schweiz und sind damit alles andere als Randgebiete. Gleichzeitig sind sie strukturell schwächer für die Zukunft gerüstet.

    Der Kern des Problems liegt in der Altersstruktur. Das Bevölkerungswachstum spielt sich vor allem in den Gruppen über 65 ab. Menschen, die selten umziehen und kaum zusätzlichen Wohnraum nachfragen. Parallel dazu sinkt die Zahl der Erwerbstätigen, also jener Haushalte, die typischerweise Wohneigentum erwerben oder neue Mietverhältnisse eingehen. Die Folge sind weniger Nachfrage, mehr Geduld beim Verkauf und wachsende Preisabschläge. Besonders spürbar ist dies in Märkten mit vielen Einfamilienhäusern und Ferienobjekten, etwa in Teilen des Tessins, von Graubünden oder im Jura.

    Demografie schlägt Preisfantasie
    Die Studie skizziert einen Markt, der sich in den nächsten 20 Jahren deutlich auseinanderentwickeln dürfte. Während die Eigentümerinnen und Eigentümer in den betroffenen Kantonen vielerorts noch von weiter steigenden Preisen ausgehen, zeichnet die Demografie ein anderes Bild. Wenn kaum junge Haushalte nachrücken und die Zuwanderung schwach bleibt, fehlt der Nachfrageschub, der die heutigen Bewertungen rechtfertigt.

    Für Eigentümer bedeutet das, längere Haltedauer, höhere Verkaufsrisiken und je nach Lage auch deutlichere Preisrückgänge. Besonders exponiert sind ältere Einfamilienhäuser in peripheren Gemeinden, die energetisch und qualitativ nicht mehr den Erwartungen neuer Käufergenerationen entsprechen. Wo gleichzeitig viel Angebot auf den Markt kommt, etwa aus Nachlasssituationen, kann der Preisdruck rasch zunehmen.

    Boomkantone als Gegenpol
    Auf der anderen Seite stehen die Wachstumskantone Zürich, Waadt, Luzern, Genf, Thurgau, Aargau, St. Gallen, Wallis, Freiburg, Zug und Basel‑Stadt. Sie sollen gemäss Analyse fast 86 Prozent des künftigen Bevölkerungswachstums aufnehmen. Zwei Drittel des Hypothekarvolumens konzentrieren sich bereits heute in diesen Kantonen, Tendenz steigend.

    Hier trifft Zuwanderung auf wirtschaftliche Dynamik, urbane Zentren und starke Arbeitsmärkte. Für den Immobilienmarkt bedeutet das, anhaltend hohe Nachfrage, tendenziell stabile bis steigende Preise und geringere strukturelle Risiken, trotz Digitalisierung, Zinswende und zunehmenden Regulierungen. Die Polarisierung zwischen «Verlierer‑» und «Gewinner»-Kantonen dürfte sich damit weiter verschärfen.

    Konsequenzen für Banken und Investoren
    Für Banken, Versicherungen und Pensionskassen ist der demografische Blickwinkel mehr als eine Fussnote. In vielen Portfolios sind die regionalen Risiken bisher nur unzureichend abgebildet. Besonders regionale Institute mit starkem Fokus auf ihren Heimkanton tragen in schrumpfenden Regionen erhöhte Klumpenrisiken. Vor allem, wenn ein grosser Teil des Bestands aus Einfamilienhäusern in ländlichen Lagen stammt.

    Nicht nur Lage, Zustand und Tragbarkeit zählen, sondern auch die Frage, wie viele potenzielle Käuferinnen und Käufer in 10, 15 oder 20 Jahren noch vor Ort sein werden. Wer Hypotheken und Immobilienanlagen langfristig steuern will, muss Demografie, Wohnraumnachfrage und lokale Wirtschaftsstruktur systematisch zusammen denken.

    Was Eigentümer jetzt tun können
    Für Eigentümer in den betroffenen Kantonen lohnt sich ein nüchterner Blick auf das eigene Objekt wie Standort, Zielgruppe, energetischer Zustand, mögliche Umnutzung. Wer aktiv bewirtschaftet, modernisiert und frühzeitig über Alternativen nachdenkt, ist klar im Vorteil gegenüber jenen, die nur auf weiter steigende Preise hoffen.

    Der Markt kippt nicht flächendeckend. In vielen Städten der «Verlierer»-Kantone wird Wohnraum knapp bleiben, während ländliche Gebiete stärker unter Druck geraten. Entscheidend wird, wie präzise Marktteilnehmende die Unterschiede innerhalb eines Kantons verstehen und wie schnell sie ihre Strategien an die neue demografische Realität anpassen.

  • Luftverkehr zwischen Wachstum und Klimakosten

    Luftverkehr zwischen Wachstum und Klimakosten

    Die Zivilluftfahrt hat 2024 in der Schweiz eine direkte Wertschöpfung von 9,8 Milliarden Franken erzielt. Diese umfassen die Unternehmen an den Flughäfen und deren Zulieferer. Das zeigt ein Bericht, den die INFRAS AG im Auftrag des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) erarbeitet hat. Mit 68 Prozent entfallen mehr als zwei Drittel der direkten Wertschöpfung auf den Flughafen Zürich und den benachbarten Gebäudekomplex The Circle. Genf folgt mit 19 Prozent, Basel mit 12 Prozent.

    Die gesamte Wertschöpfung, die auch indirekte Folgen etwa über den Tourismus in die Schweiz einschliesst, beträgt danach 24,8 Milliarden Franken.

    Die Zivilluftfahrt ist auch ein Beschäftigungsmotor. Direkt ermöglicht sie eine Beschäftigung von 49‘100 Vollzeitäquivalenten, insgesamt sogar von 150‘200 Vollzeitäquivalenten.

    Die Region Zürich ist dank dem Flughafen die besterreichbare Region in Europa. Die Nordwestschweiz folgt auch dank dem Flughafen Basel auf Platz sechs, der Genferseeraum dank dem Flughafen Genf auf Platz sieben. Auch die anderen Regionen des Landes gehören zu den 15 besterreichbaren unter den 284 untersuchten Regionen in Europa.

    Der Bericht beziffert die externen Kosten der Zivilluftfahrt auf 6,1 Milliarden Franken. Davon entfallen 4,6 Milliarden auf das Klima, 1,1 Milliarden auf vor- und nachgelagerte Prozesse.

  • Senioren verkaufen Eigenheime spät und verkleinern nach Auszug nur wenig

    Senioren verkaufen Eigenheime spät und verkleinern nach Auszug nur wenig

    Der Immobilienbarometer der Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat Trends und Wohnverhalten im Zürcher Immobilienmarkt fürs vierte Quartal 2025 analysiert, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Der Barometer zeigt: Senioren ziehen meist erst in sehr hohem Alter freiwillig aus ihrem Einfamilienhaus (EFH) aus – und wohnen danach oft weiterhin grosszügig.

    Hausübergaben geschehen dabei spät: in der Regel steigt die Wahrscheinlichkeit eines Hausverkaufs erst ab einem Alter von 85 Jahren deutlich. Das durchschnittliche Alter der heutigen EFH-Eigentümer liegt bei 62 Jahren. Auszüge im Alter erfolgen meist zu zweit, nur 22 Prozent betreffen Single-Haushalte. 44 Prozent der EFH-Auszügler bleiben im Anschluss in der gleichen Gemeinde.

    Zwar verkleinern sich ehemalige EFH-Bewohner nach dem Umzug, doch klein wohnen sie deswegen nicht. Mehr als 60 Prozent der 60- bis 70-Jährigen ziehen in Wohnungen mit vier Zimmern oder mehr. Je später der Auszug erfolgt, desto stärker fällt die Verkleinerung aus – allerdings bleibt der Wohnraum häufig weiterhin grosszügig. „Der Wunsch, seine Wohnsituation im Alter zu reduzieren, wird überschätzt. Salopp gesagt will man sich nicht auf einmal in einer kleinen Wohnung auf den Füssen stehen. So zumindest könnten es diejenigen empfinden, die ans grosszügige Wohnen in einem Einfamilienhaus gewohnt sind“, wird Ursina Kubli zitiert, Leiterin Immobilien Research bei der ZKB.

    Laut Barometer haben die Preise für Wohneigentum im Kanton Zürich weiter zugelegt. In der Region Land stiegen die Preise um 4,2 Prozent, in der Region Regio waren es lediglich 2,3 Prozent. Schweizweit stiegen Mieten 2025 um 2,3 Prozent, in der Stadt Zürich waren es bloss 2,2 Prozent. Damit liegt das städtische Mietwachstum ausnahmsweise unter dem Schweizer Durchschnitt.

    Für 2026 erwartet die ZKB weiter steigende Immobilienpreise. Günstige Finanzierungsbedingungen trieben die Nachfrage nach oben, während das Angebot nicht spürbar wachse, erklärt Kubli.

  • Regionale Stärke gleicht Schwäche im asiatischen Markt aus

    Regionale Stärke gleicht Schwäche im asiatischen Markt aus

    Sika vermeldet seine vorläufigen Jahresergebnisse für 2025. Das Unternehmen rechnet für 2025 laut einer Mitteilung mit einem Umsatz von 11,2 Milliarden Franken, was einem Umsatzwachstum von 0,6 Prozent in Lokalwährungen entspricht. Der Umsatz in Franken ging dabei um 4,8 Prozent zurück, der Fremdwährungseffekt beträgt 5,4 Prozent.

    Das organische Wachstum belief sich auf -0,4 Prozent. Besonders stark entwickelten sich die Geschäfte im Nahen Osten und in Afrika mit zweistelligen Zuwächsen. In der Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) wuchs der Umsatz insgesamt um 2,2 Prozent. Auch in der Region Americas legte Sika um 2,2 Prozent zu, trotz eines belastenden sogenannten Shutdowns der Regierung in den USA im vierten Quartal. In der Region Asien/Pazifik sank der Umsatz hingegen um 5,2 Prozent, vor allem wegen eines zweistelligen Rückgangs im chinesischen Baugeschäft. Ohne China verzeichnete die Region ein positives Wachstum.

    „Trotz herausfordernder makroökonomischer Bedingungen haben wir im Jahr 2025 ein moderates Wachstum erzielt und unsere Marktposition weiter gestärkt“, wird CEO Thomas Hasler in der Mitteilung zitiert. Das Unternehmen starte das neue Jahr „mit einer schlankeren Kostenstruktur und einer klaren Investitions-Roadmap zur Beschleunigung von Innovation und Digitalisierung“.

    Zentral für die kommenden Jahre ist das Effizienz- und Investitionsprogramm Fast Forward, mit dem Sika Produktionsnetzwerke und Organisationsstrukturen optimiert. Für 2025 erwartet das Unternehmen – trotz einmaliger Programmkosten von rund 90 Millionen Franken – eine EBITDA-Marge von leicht über 19 Prozent.

    An der Generalversammlung vom 24. März 2026 sollen Barbara Frei und Lukas Gähwiler neu in den Verwaltungsrat gewählt werden.

  • Preise für Einfamilienhäuser und Stockwerkeigentum steigen weiter

    Preise für Einfamilienhäuser und Stockwerkeigentum steigen weiter

    Die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum sind im vierten Quartal 2025 weiter gestiegen, heisst es in einer Mitteilung der Raiffeisen zu ihrem neuen Transaktionspreisindex. Preise für Einfamilienhäuser sind im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent gestiegen, Stockwerkeigentum kostet 1,2 Prozent mehr. Verglichen mit dem vierten Quartal 2024 kosteten Einfamilienhäuser damit Ende 2025 insgesamt 5,7 Prozent und Stockwerkeigentum 3,8 Prozent mehr.

    Verglichen zum Vorjahr verzeichneten Einfamilienhäuser in den Regionen Bern (+8 Prozent) und der Ostschweiz (+6,9 Prozent) den höchsten Preisanstieg, in der Nordwestschweiz hielten sich die Preise etwas stabiler (+3,0 Prozent). Stockwerkeigentum wurde besonders in der Innerschweiz (+6,7 Prozent) und der Ostschweiz (+4,3 Prozent) teuer, während Preise in der Region Bern nur knapp anstiegen (+0,8 Prozent) und am Genfersee sogar sanken (-0,5 Prozent).

    Gegliedert nach Gemeindetypen verzeichneten Zentren (+5,4 Prozent) und touristische Gemeinden (+5,3 Prozent) bei Einfamilienhäusern den höchsten Preiszuwachs, in den urbanen Zentren stiegen Preise mit +4,5 Prozent durchschnittlich am wenigsten. Bei Stockwerkeigentum legten besonders touristische Gemeinden mit +4,6 Prozent deutlich zu, die niedrigste Preisdynamik verzeichneten Zentren mit einem durchschnittlichem Preiswachstum von 1,2 Prozent.

    „Im Unterschied zum Mietwohnungsmarkt, wo sich das Mietpreiswachstum aufgrund der rückläufigen Zuwanderung zuletzt etwas beruhigt hat, bleibt die Preisdynamik im Eigenheimmarkt, der stärker von der inländischen Nachfrage geprägt ist, ungebrochen hoch“, wird Fredy Hasenmaile zitiert, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz.

  • Winterthur führt neue Vorgaben für nachhaltiges Beschaffungswesen ein

    Winterthur führt neue Vorgaben für nachhaltiges Beschaffungswesen ein

    In Winterthur gelten ab 1. Juli 2026 neue Richtlinien für Beschaffungen von Gütern und Dienstleistungen. Wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt, werden bei künftigen Einkäufen ab 50’000 Franken in sämtlichen städtischen Departementen neben gesetzlichen Vorgaben sowie bereits geltenden sozialen und wirtschaftlichen Grundsätzen die ökologischen und sozialen Kriterien grosses Gewicht haben. Diese sollen anhand von 13 Kategorien „möglichst konkret und nachvollziehbar überprüft werden“.

    Konkret heisst das, dass Entscheidungen darüber, welche Beschaffungen den Zuschlag erhalten, gemäss den Auswirkungen auf Klima, Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Schadstoffvermeidung und Kreislaufwirtschaft getroffen werden. Grund sei das Energie- und Klimakonzept der Legislatur 2022.

    Insbesondere die Beschaffung von Waren und Dienstleistungen falle bezüglich der Klimabilanz stark ins Gewicht. So liessen sich in dem Sektor negative Auswirkungen auf Klima und Umwelt besonders stark reduzieren.

    Von den erwarteten positiven Auswirkungen auf den Klima- und Ressourcenschutz verspricht sich die Stadt langfristig auch eine Steigerung ihrer wirtschaftlichen Effizienz. Winterthur zähle mit einem Volumen von 400 Millionen Franken im Jahr 2024 für das Beschaffungswesen „zu den wichtigsten regionalen Auftraggeberinnen der Privatwirtschaft“.

    Die Verlagerung von Eignungs- und Zuschlagskriterien auf Lebenszykluskosten, Qualität und Langlebigkeit schaffe mehr Verbindlichkeit und Transparenz. „So leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und fördern eine nachhaltige Wirtschaft“, wird Katrin Cometta, Stadträtin und Vorsteherin des Departements Sicherheit und Umwelt, zitiert.

  • Graue Energie Steilpass für den Mieterschutz

    Graue Energie Steilpass für den Mieterschutz

    Grauen Energie im Kontext
    Die Stärke des Arguments kommt aus der absoluten Aussage, dass «der Erhalt von Bestand und damit von Grauer Energie immer besser ist als der Abriss». Dieser Haltung stimmt gemäss einer Befragung in Fachkreisen die überwiegende Mehrheit der Fachplaner, Architekten und Dienstleister im Immobiliensektor zu. Die Haltung ist allerdings auch bei knapp der Hälfte der Immobilieneigentümer vertreten, wenn auch mit Vorbehalten.

    Genauer nachgefragt differenzieren die Befragten ihre Haltung. Gegen den Erhalt könne eine schlechte Gebäudesubstanz oder schlechte Energieeffizienz, nicht zeitgemässe Nutzungsstruktur, nicht aktivierbare Ausnützung für die Realisierung von mehr Wohnraum oder die Wirtschaftlichkeit sprechen. Die Branche betont richtigerweise, dass es keine absolute Wahrheit gibt und der Umgang jeder Liegenschaft zwischen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekten abgewogen werden muss.

    Eine Regulierung für zwei unterschiedliche Anliegen
    Parallel zur Intensivierung des Diskurses um den Erhalt von Grauer Energie hat sich der Ton zum Mieterschutz verschärft. Diverse Initiativen auf kantonaler und Bundesebene wollen verhindern, dass Mieterinnen und Mieter ihre Wohnung aufgrund von umfassenden Erneuerungen oder Gebäudeersatzen verlassen müssen. Auch diese Initiativen stellen sich kompromisslos auf den Standpunkt, dass keine Entmietung immer besser ist als eine Entmietung. Der Kanton Basel-Stadt zeigt, wie schnell Regulierungen wirken. Kaum drei Jahre nach der Einführung der Wohnschutzinitiative wird bereits weniger abgerissen, und damit werden auch weniger Liegenschaften entmietet. Der Wohnschutz wirkt dabei vorwiegend über die Wirtschaftlichkeit, mit den regulierten Preisen für die neuen Wohnungen werden Ersatze und Erneuerungen für Bauherren finanziell weniger attraktiv. In der Folge werden weniger Projekte realisiert.

    Verhaltene Diskussion um soziale und gesellschaftliche Kosten
    So wenig die absolute Aussage zum Erhalt von Grauer Energie richtig ist, so wenig greift die pauschale Aussage, dass keine Entmietung immer besser ist als eine Entmietung. Für die einzelne betroffene Mieterin oder den einzelnen Mieter mag die Aussage zutreffen, nicht jedoch, wenn es um die Wohnraumversorgung der gesamten Bevölkerung geht. Erweiterungen und Ersatze können mehr Wohnraum für mehr Menschen schaffen und dies häufig an bereits gut erschlossenen und versorgten Lagen. Ohne Eingriffe in die Gebäudestruktur können strukturelle Defizite von Wohnungen nicht behoben werden.

    Was es bräuchte, ist eine sachlichere Diskussion, wie der Zielkonflikt zwischen dem Schutz des Einzelnen und dem Interesse der Gesellschaft bestmöglich gelöst werden kann. In manchen Fällen kann das Herauszögern eines Ersatzes oder eine Ertüchtigung des Bestands für einen weiteren Lebenszyklus Sinn machen, in anderen Fällen überwiegt der gesellschaftliche Nutzen an mehr Wohnraum. Im Vordergrund sollte die Diskussion stehen, wie Entmietungen sozial bestmöglich abgefedert werden können. Regulierungen müssten auf die Lösungsfindung für Härtefälle gelenkt werden.

    Es braucht einen ausgewogenen Diskurs
    Absolute Betrachtungen blenden aus, dass Entscheidungen oft komplex sind und eine Güterabwägung von divergierenden Anliegen erfordern. Nachhaltige Lösungen mitten sich in der Regel zwischen unterschiedlichen Argumenten ein.

    Vertreterinnen und Vertreter der Branche sollten sich bewusst sein, dass pauschale Aussagen den Spielraum für kontextspezifische Diskussionen reduzieren. Wenn sich die Branche unreflektiert hinter den Erhalt von Grauer Energie oder gegen Entmietungen stellt, schliesst sich die Tür für die Diskussion gemässigter Regulierungen.

  • Immobilienmarkt im Spannungsfeld

    Immobilienmarkt im Spannungsfeld

    Mit der Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank auf 0 % im Sommer 2025 kehren die Finanzierungsbedingungen auf historische Tiefstände zurück. Käufer profitieren, ebenso institutionelle Investoren, die Kapital in Renditeobjekte umschichten. Dadurch steigen die Preise erneut, vor allem bei Mehrfamilienhäusern.

    Gleichzeitig führt der sinkende Referenzzinssatz zu Mietzinsreduktionen bei Altverträgen. Doch die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Das drückt den Mietwohnungsmarkt weiter in Richtung Knappheit.

    Eigentum gewinnt, Erhalt verliert
    Die Abschaffung des Eigenmietwerts verändert die Eigentumslandschaft. Ohne steuerliche Belastung steigt das Interesse am Kauf, besonders in der mittleren Einkommensklasse. Doch der Wegfall des pauschalen Unterhaltsabzugs dämpft Investitionen in den Gebäudeunterhalt. Einige Kantone prüfen bereits Alternativsteuern, um die Einnahmeausfälle zu kompensieren. Der Reformentscheid wirkt damit doppelt. Er belebt den Markt, birgt jedoch Risiken für die Bausubstanz.

    Bautätigkeit bricht ein
    Die Bauproduktion ist 2025 markant zurückgegangen. In Zürich um rund 35 %, im Tessin sogar um 80 %. Gründe sind politische Unsicherheiten, steigende Baukosten und komplexe Bewilligungsverfahren. Das wirkt sich unmittelbar auf die Mietpreise aus und in vielen Regionen steigen sie weiter.

    Die Folge ist eine strukturelle Knappheit, die auch 2026 bestehen bleibt. Selbst leicht sinkende Zuwanderungszahlen ändern daran wenig. Besonders die SIV-Mitglieder sehen in der Verknappung den zentralen Preistreiber des Jahres.

    Politik als Spielveränderin
    Kantone und Städte experimentieren mit baurechtlichen Anpassungen, von autofreien Quartieren bis zu strengeren Vorschriften bei der Offenlegung von Vormieten. Für Projektentwickler bedeutet das, mehr Unsicherheit, längere Verfahren, steigende Risiken.

    Investoren werden selektiver, die Standortwahl gewinnt an Bedeutung. Der Markt fragmentiert sich zunehmend entlang lokaler Vorgaben.

    Klimarisiken und neue Bewertungsmassstäbe
    Mit dem FINMA-Rundschreiben 2026/1 wird Nachhaltigkeit zur Pflicht. Banken und Versicherer müssen Klima- und Naturgefahren explizit in ihre Risikobewertungen einbeziehen.
    Exponierte Lagen verlieren an Attraktivität, standfeste und klimaresiliente Objekte gewinnen. Für institutionelle Anleger bedeutet das, Bewertungsmodelle und Portfolios zu überdenken.

    Wohnraum im Aufwind, Gewerbe unter Druck
    Die SIV-Auswertung zeigt ein klar geteiltes Marktbild. Der Wohnungsmarkt bleibt trotz Zinswende robust. Die Nachfrage ist hoch, die Leerstände sinken weiter und dürften bald unter 1.2 % fallen. Besonders bei Neuvermietungen sind Mietsteigerungen realistisch. Der Druck auf den Markt bleibt bestehen.

    Im Gegensatz dazu steht der Gewerbesektor unter zunehmendem Druck. Zahlreiche Unternehmen geben Büroflächen ab, wodurch die Leerstände leicht steigen. Moderne, ESG-konforme Neubauten behaupten sich, während ältere Objekte an Attraktivität verlieren und Preiszugeständnisse nötig werden.
    Auch der Detailhandel zeigt ein gemischtes Bild. Die Nahversorgung bleibt stabil, doch Mode- und Elektronikflächen kämpfen mit rückläufigen Frequenzen und sinkender Rentabilität.
    Bei den Hypotheken profitieren Eigentümer vom tiefen Zinsniveau. Insgesamt sinken die Finanzierungskosten deutlich. Gleichzeitig steigen die Aufwendungen für Energie und Unterhalt und bleiben damit ein fester Kostentreiber.

    Trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten rechnen die SIV-Mitglieder mehrheitlich mit steigenden Preisen und stabilen Erträgen im Wohnsegment und mit weiter sinkender Bautätigkeit.

    Differenzierung als Schlüsselfaktor
    Der Markt bleibt 2026 robust, aber selektiv. Qualität, Lage und Klimafitness bestimmen den Erfolg. Während Wohnen als sichere Anlageklasse gilt, wird das Gewerbe zur Herausforderung. Investoren und Eigentümer stehen vor der Aufgabe, Marktumfelder präziser zu lesen und regulatorische Dynamiken frühzeitig einzubeziehen.

  • Sunrise verschlankt Strukturen

    Sunrise verschlankt Strukturen

    Der geplante Abbau ist Teil einer «organisatorischen Weiterentwicklung», mit der Sunrise Hierarchieebenen reduzieren, Entscheidungswege verkürzen und Prozesse effizienter machen will, durch den Einsatz neuer Technologien. Betroffen wären insbesondere zahlreiche Führungsfunktionen. Shop-Mitarbeitende mit direktem Kundenkontakt und Lernende sollen weitgehend geschont bleiben.

    ​Für unvermeidbare Kündigungen kommt ein Sozialplan zum Tragen, der Alter und Dienstjahre berücksichtigt, ein Newplacement-Programm vorsieht und einen Fonds für individuelle Überbrückungs- und Qualifizierungsmassnahmen umfasst. Mitarbeitende ab 58 erhalten befristete Verträge bis 62 und ab 62 unterstützt Sunrise vorzeitige Pensionierungen. Jüngere Mitarbeitende sollen möglichst rasch wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.

    ​Wiederholter Einschnitt trifft Belegschaft hart
    Für die Mitarbeitenden ist die Nachricht ein weiterer Schock. Bereits 2024 baute Sunrise im Zuge der Integration von UPC nach einem Konsultationsverfahren 166 Stellen ab.

    ​Im laufenden Konsultationsverfahren fordert die Gewerkschaft Syndicom, Alternativen ernsthaft zu prüfen und auf einen erneuten Stellenabbau zu verzichten. Der Entscheid über die tatsächlichen Kündigungen wird nach Abschluss des Verfahrens erwartet. Sie dürften im Februar und März 2026 ausgesprochen werden.

    ​Preiskampf zwingt zur Effizienz
    Der Schweizer Telekommarkt ist stark umkämpft und seit der Liberalisierung sind zahlreiche neue Anbieter hinzugekommen, während eine Marktkonsolidierung ausbleibt. Gleichzeitig nimmt die Preissensibilität der Kundschaft zu, Rabattaktionen und Promotionen drücken Margen und erzwingen konsequente Kostendisziplin.

    ​In diesem Umfeld versuchen Anbieter, sich mit günstigen Tarifen, Paketangeboten und Servicequalität zu profilieren und dies bei gleichzeitig hohem Investitionsbedarf in Netze, Glasfaser und 5G. Strukturprogramme wie bei Sunrise sind damit nicht nur betriebswirtschaftliche Manöver, sondern Ausdruck eines Marktes, in dem Effizienz zur Überlebensfrage wird.

  • Wohnungen schrumpfen wieder

    Wohnungen schrumpfen wieder

    Die Haushalte werden kleiner, die Wohnungen bleiben gross. Die durchschnittliche Haushaltsgrösse ist seit den 1960er-Jahren auf rund zwei Personen gesunken, der Anteil der Einpersonenhaushalte liegt heute bei etwa 41 Prozent, in Grossstädten teils bei der Hälfte aller Haushalte. Gleichzeitig dominiert im Bestand das grosse Mehrzimmer-Appartement, eine strukturelle Fehlanpassung, die den Neubau unter Zugzwang setzt.

    ​Hinzu kommen Preis- und Standortdruck sowie stark gestiegene Boden-, Bau- und Energiekosten. Dies macht grosse Wohnungen für viele unerschwinglich, während Investoren mit kleineren Einheiten pro Quadratmeter höhere Erlöse erreichen. Städtebauliche Leitbilder setzen auf Nachverdichtung statt Einfamilienhaus, der Anteil der Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern ist gestiegen.

    Technische Konsequenzen für Planung und Bau
    Kleinere Wohnungen bedeuten nicht weniger Planung, sondern mehr Komplexität auf engerem Raum. Höhere Gebäudedichten, grössere Spannweiten und feinere Lastabtragung fordern die Tragwerksplanung. Die Haustechnik muss mehr Wohneinheiten pro Gebäude versorgen, mit höheren Anforderungen an Schallschutz, Lüftung, Leitungsführung und Zählerlogistik.

    ​Im Brandschutz werden Fluchtwege, Brandabschnitte und Rettungskonzepte anspruchsvoller, weil Verdichtung und Nutzungsmischung zunehmen. Gleichzeitig wächst der Druck auf flexible Grundrisse, die sich teilen, zusammenlegen oder umnutzen lassen, vom Single-Apartment zur Familienwohnung und zurück.

    Umbau statt Tabula rasa
    Der Neubau allein kann die strukturelle Schieflage zwischen Haushalts- und Wohnungsgrössen nicht beheben. Der überwiegende Teil des Bestands stammt aus Zeiten anderer Wohn- und Familienmodelle. Abriss und Ersatz wären weder ökonomisch noch ökologisch vertretbar.

    ​Damit rückt der Bestand in den Fokus. Teilung grosser Wohnungen, Ergänzungsbauten im Hof, Aufstockungen oder die Umnutzung von Büroflächen werden zur zentralen Ingenieuraufgabe. Technisch heisst das, Eingriffe in Statik und Brandschutz, Nachrüstung der Haustechnik im laufenden Betrieb und Präzisionsarbeit am bewohnten Objekt.

    Fläche als unterschätzter Hebel
    Die wichtigste Botschaft der Auswertungen, Heizung, Dämmung und Anlagentechnik sind für den Energiebedarf entscheidend. Dabei ist die beheizte Wohnfläche pro Kopf entscheidend. Wer auf weniger Quadratmetern wohnt, reduziert automatisch die Heizlast, den Materialeinsatz und die benötigte Betriebsenergie.​

    Kleinere und energieeffiziente Wohnungen werden so zum doppelten Schlüssel. Sie passen besser zu kleiner werdenden Haushalten und reduzieren den Energieverbrauch des Gebäudesektors spürbar. Downsizing wirkt unmittelbarer als viele technische Einzelmassnahmen, vorausgesetzt, Grundrisse bleiben lebenswert, adaptierbar und sozial durchmischt.

  • Basel zwischen Regulierung und Realität

    Basel zwischen Regulierung und Realität

    Die jüngsten politischen Eingriffe allen voran die im Mai 2022 in Kraft getretene Wohnschutz-Initiative, haben die Branche aufgerüttelt. Das Wohnschutzgesetz schützt den Bestand und wird dabei zur Bremse der Erneuerung. Viele Eigentümer fragen sich, lohnt sich noch, was wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll wäre? Die derzeitigen Diskussionen in der lokalen Immobilienbranche zeigen, Realismus dominiert, Optimismus ist rar, Unsicherheit weit verbreitet. Immerhin hat die Politik die Problematik erkannt und erste Anpassungen vorgenommen. Per 1. November 2025 wurde die Verordnung zum Wohnschutzgesetz angepasst und Korrekturen angebracht. Die Anpassung der Verordnung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Viel mehr aber auch nicht. Damit tatsächlich wieder renoviert, saniert und damit investiert wird, braucht es eine Anpassung auf Gesetzesebene.

    Gleichzeitig darf man festhalten, der Basler Wohnungsmarkt bleibt robust. Die Nachfrage nach gutem Wohnraum ist ungebrochen, Leerstände bleiben tief (wenn auch weniger tief als in anderen Städten) und die Standortattraktivität im Dreiländereck, mit der lokal verankerten Pharma- und Life Science Branche bleibt hoch. Doch auch das Umland schläft nicht, die regulatorischen Eingriffe in Basel fördern eine schleichende Verlagerung von Investitionen in die umliegenden Kantone und darüber hinaus. Das betrifft nicht nur Investoren und Anleger, sondern auch das lokale Gewerbe, dass sich seine Aufträge ausserhalb von Basel-Stadt suchen muss. Dabei kommen stellenweise die Preise ins Wanken. Das ist kein gesunder Trend, sondern ein Warnsignal.

    Dabei steigen die Anforderungen an ESG-Konformität und Energieeffizienz kontinuierlich und mit ihnen der Kostendruck. Wer heute neu baut oder saniert, muss nicht nur rechnen, sondern sich auch rechtfertigen gegenüber Banken, Behörden und einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit.

    Kurzfristig dominiert die Suche nach Stabilität und Planungssicherheit. Mittelfristig rückt die energetische Sanierung des Bestands in den Fokus, nicht zuletzt unter ESG-Gesichtspunkten.

    Langfristig wird sich der Basler Immobilienmarkt daran messen lassen müssen, ob er zwischen Regulierung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit eine neue Balance findet. Die Zuversicht bleibt, getragen von der Überzeugung, dass Qualität, Innovationsgeist und regionale Stärke auch in anspruchsvollen Zeiten Bestand haben.

    Fabian Halmer,
    Präsident SVIT beider Basel
  • Schweizer Wirtschaft zwischen Dämpfer und Zuversicht

    Schweizer Wirtschaft zwischen Dämpfer und Zuversicht

    Nach zwei Rückgängen in Folge liegt der KOF-Geschäftslageindikator unter dem Niveau des Sommers, aber noch über den Tiefständen von August und September. Die Konjunkturdynamik bleibt moderat, ein schwaches, aber stabiles Fundament. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe hat sich die Geschäftslage weiter eingetrübt. Produktion und Einkaufspolitik stagnieren und Preisaufschläge werden seltener geplant. Trotz allem zeigen sich die Erwartungen im Export und in den Auftragsbüchern zunehmend optimistischer. Viele Unternehmen rechnen mit einer leichten Besserung im ersten Halbjahr 2026.

    Uneinheitliche Branchenentwicklung
    Die Entwicklung der Lage ist branchenübergreifend unterschiedlich. Projektierungsbüros, Finanz- und Versicherungsdienstleister sowie übrige Services melden eine abgeflachte Geschäftsentwicklung, während das Baugewerbe und der Detailhandel eine leichte Erholung verzeichnen.

    Bei den Erwartungen zeigen sich diese Kontraste ebenso. Zuversicht herrscht im Bauwesen sowie bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern, während Detailhandel und Planungsbüros etwas vorsichtiger agieren. Der Detailhandel verzeichnet den zweiten Rückgang seines Erwartungsindikators in Folge. Ein Zeichen, dass sich Konsumtrends nur zögerlich festigen.

    Die Eintrübung bleibt
    Regional betrachtet sinkt die aktuelle Geschäftslage in allen Landesteilen. Besonders betroffen sind Zentralschweiz, Espace Mittelland, Ostschweiz, Zürich und die Nordwestschweiz. Im Tessin und in der Genferseeregion bleibt der Rückgang moderater. Der Indikator zeigt, dass der konjunkturelle Druck landesweit spürbar ist, trotz stabiler Exporte und Dienstleistungen.

    Konjunkturuhr zeigt vorsichtige Erholung
    Die KOF verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Gegenwart und Zukunft. Die Lage bleibt unter dem Durchschnitt, die Perspektiven liegen darüber. Im Jahr 2025 mit zaghafter Belebung, hat sich die Schweizer Wirtschaft noch nicht in einen echten Aufschwung bewegt. Dennoch gilt die zunehmende Erwartungsaufhellung als Vorbote, dass 2026 bessere Dynamik bringen könnte. Getragen von robusten Dienstleistungssektoren, stabilen Exporterwartungen und einer sanften Erholung im Bau.

    Die Schweizer Wirtschaft steht zum Jahreswechsel weiter im Zeichen der Stabilität mit leichten Gegenwinden. Während die Gegenwart von gebremstem Tempo geprägt ist, richten viele Unternehmen ihren Blick optimistisch nach vorn, in der Hoffnung, dass 2026 zum Jahr einer echten konjunkturellen Erholung wird.

    KOF Geschäftslageindikator (Quelle: kof.ethz.ch)