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  • Roger Strub: «Der Erhalt schützenswerter Bauten hat mit Identität zu tun»

    Roger Strub: «Der Erhalt schützenswerter Bauten hat mit Identität zu tun»

    Herr Strub, weshalb ist es wichtig, gewisse Objekte zu erhalten?
    Viele Menschen haben das Bedürfnis nach Erinnerung. Das gilt oft auch für Bauten. Die Denkmalpflege hat den gesellschaftlichen Auftrag, wertvolle Bauten vergangener Epochen zu erhalten. Dadurch bewahren wir Erinnerung, Wissen über Techniken und Materialien sowie Kenntnisse über gestalterische Vorstellungen. In Baudenkmälern ist dies materiell festgemacht und kann weiteren Generationen als Inspirationsquelle dienen. Zudem hat der Erhalt von schützenswerten Bauten viel mit Identität zu tun.

    Während den verschiedenen Zeitepochen hat sich die Vorstellung, was ein schützenswertes Baudenkmal ist, verändert.
    Ja, und das grundlegend. Früher hat man hauptsächlich Kirchen, Burgen und Pfarrhäuser als erhaltenswert betrachtet. Doch das ist Vergangenheit. Heute ist der Begriff, was schutzwürdige Objekte sein können, viel umfassender und breiter. So sind zum Beispiel Arbeiterwohnhäuser oder Fabrikbauten neben ihrem architektonischen Wert sozialhistorische Zeugnisse der Industrialisierung.

    «Das Objekt muss Zeugnis einer anderen Epoche sein.»

    Warum ist es wichtig, Industriekultur am Leben zu erhalten?
    In den 60er-Jahren zählte die Schweiz zu den höchst industrialisierten Ländern der Welt. Die vielen Industriebauten und Wohnsiedlungen erzählen genauso davon wie die Villen der Fabrikbesitzer, und sie gehören zur Identität bestimmter Orte. Hätte man beispielsweise beim Sulzer-Areal in Winterthur alles abgerissen und Wohnblöcke erstellt, wäre viel des spezifischen Charakters dieser Stadt verloren gegangen. Auf dem Sulzer-Areal spüren und erleben die Menschen die Geschichte – also die Identität vor Ort.

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein Objekt auf die Inventarliste der schützenswerten Bauten aufgenommen wird?
    Das Objekt muss in einem besonderen Masse Zeugnis einer anderen Epoche sein. Zu den Kriterien gehören einerseits die architektonische Qualität, die Seltenheit und die bauliche Substanz der Gebäude, andererseits aber eben auch die historische Aussagekraft. Das Objekt muss eine politische, wirtschaftliche, soziale oder baukünstlerische Epoche besonders stark repräsentieren. Dass Gebäude viel über gesellschaftliche Bedingungen und Ziele verraten, kann man beispielsweise bei Schulhäusern sehr gut sehen: Die mächtigen Schulhäuser aus dem späten 19. Jahrhundert verkörpern eine andere Aussage als die pavillonartigen Schulbauten aus den 1950er-Jahren.

    Inwiefern?
    Die Schulhäuser des 19. Jahrhunderts betonten stolz die Wichtigkeit der öffentlichen Bildung, wirkten aber vielleicht auch ein bisschen einschüchternd. So versuchte man später, sich in der Architektur mehr den Kindern zuzuwenden und gute Lernbedingungen zu schaffen; die Bauten wurden kleinteiliger und so vielleicht menschlicher. Welches Gebäude nun ein besonders wertvolles Zeugnis einer Epoche darstellt, wird nach wissenschaftlichen Kriterien beurteilt. Der definitive Entscheid über die Aufnahme ins Inventar obliegt nicht der Denkmalpflege, sondern der Baudirektion.

    Auch Baugenossenschaften haben mit ihrer Siedlungsarchitektur Bauzeugnisse geschaffen. Einige davon stehen unter Denkmalschutz. Gelten sie als wichtige Zeitzeugen?
    Auf jeden Fall. Gleichzeitig sind sie heute nach wie vor Wohnbauten, die genutzt werden wollen und auch neue Bedürfnisse erfüllen müssen. Eine Entwicklung muss auch möglich sein, wenn gleichzeitig der historische Wert erhalten bleiben soll. Baugenossenschaften sind alleinige Eigentümer ganzer Siedlungen und denken durch ihr Selbstverständnis langfristig und in grösseren Zusammenhängen. Diese Kombination ist förderlich, gute Antworten auf die verschiedenen Zielsetzungen zu finden.

    Die Denkmalpflege kann bei Umbauten und Sanierungen Auflagen formulieren, die massiven Einfluss auf die Nutzung eines Objektes haben können.
    Da gebe ich Ihnen Recht, Zielkonflikte sind nicht zu vermeiden. Aber die Denkmalpflege zieht sich nicht zurück, nachdem sie über Auflagen ihre Zielsetzungen formuliert: sie berät und hilft mit, Lösungen zu finden, muss aber durchaus auch mal nein sagen. Die Zeiten, in denen vor allem der Fassadenerhalt im Vordergrund stand und man das Innere weitgehend aushöhlen konnte, sind vorbei. Heute versteht die Denkmalpflege ein Objekt mehr als Organismus, bei dem Inneres und Äusseres grundsätzlich eine Einheit bilden. Selbstverständlich sind immer Spielräume vorhanden, wenn eine Planung sorgfältig durchgeführt wird.

    Werden Liegenschaftsbesitzer für zwingende Arbeiten, die mit dem Denkmalschutz in Verbindung stehen, finanziell unterstützt?
    Unsere Aufgabe besteht darin, Qualität zu erkennen und diese zu erhalten. Das kostet etwas. Grundsätzlich sind alle Kosten, die für den Erhalt eines schutzwürdigen Gebäudes anfallen, subventionierbar und können im Kanton Zürich mit zwanzig bis dreissig Prozent unterstützt werden. In Zürich kommen diese Gelder aus dem Denkmalpflegefonds, dessen Mittel aus dem Lotteriefonds kommen.

    «Auch die Denkmalpflege ist eine lebendige Sache.»

    Im aktuellen Inventar sind Bauten bis etwa 1980 aufgelistet. In einem nächsten Schritt wird über die 1980er-Jahre gesprochen. Gibt es in dieser Epoche viele schützenswerte Bauten?
    Um beurteilen zu können, ob ein Objekt für eine Epoche heraussticht, benötigt man zeitlichen Abstand, eine oder zwei Generationen. Gute oder schlechte Epochen existieren nicht. Eine solche Unterscheidung würde dem Grundgedanken widersprechen, Zeugnisse aus jeder Epoche gleich zu werten. Was den Stil betrifft, sind die 1980er-Jahre heute vielleicht allgemein noch etwas weniger akzeptiert. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es auch für diese Zeit Bauten gibt, die ein besonderes Abbild der damaligen Zeit und gesellschaftlichen Situation sind.

    Ein Blick in die Vergangenheit: 1933 entwarf der Zürcher Architekt Karl Moser im Auftrag der Stadt Zürich einen radikalen Vorschlag: Bis auf grössere Kirchen und das Rathaus sollte die Altstadt vollständig abgebrochen werden. Fände eine solche Idee heute bei irgendjemandem noch Zustimmung?
    Ich kann mir das schwer vorstellen. Aber auch wenn das aus heutiger Sicht eine Schreckvorstellung ist: es ist sehr wichtig, dass solche Visionen entstehen und man darüber diskutiert. So setzt man sich mit dem auseinander, was dafür verloren gehen würde, und wird sich dessen viel mehr bewusst. Das Niederdorf wurde nach dem Zweiten Weltkrieg schliesslich Stück für Stück auf behutsamere Weise saniert. Bei Altstädten ist es heute das Ortsbild, das als Gesamtheit geschützt ist, und nicht jedes einzelne Gebäude. Obwohl es beim Ortsbild- und Denkmalschutz um das Bewahren geht, geschehen automatisch auch Veränderungen. Auch die Denkmalpflege ist eine lebendige Sache. 

  • «Weltweiter Life Sciences Hot-Spot mit ländlichen Vorzügen»

    «Weltweiter Life Sciences Hot-Spot mit ländlichen Vorzügen»

    Frau Hopp, was heisst für Sie Standortförderung?
    Standortförderung heisst, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaf­fen. Dies dank Einbringen der Wirtschaftsinteressen in die Ausgestaltung der Steuer-, Finanz-, Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Verkehrs-, Raum- und Energiepolitik. Standortförderung heisst auch, den Austausch mit ansässigen Unternehmen im Sinne eines Key Account Managements zu pflegen, die Ansiedlung von Firmen zu unterstützen sowie ein breites Angebot attraktiver Flächen für die Wirtschaft sicherzustellen. Dazu gehören auch die Förderung eines Umfeldes, welches Innovationen begünstigt und die Standortpromotion, welche in unserer Region überkantonal durch BaselArea.swiss umgesetzt wird.

    Was macht den Wirtschafts-standort Kanton Basel-Landschaft attraktiv?
    Der Kanton Basel-Landschaft lässt sich gut als weltweiter Life Sciences Hot-Spot mit ländlichen Vorzügen umschreiben. Die ganze Region Basel ist ein exzellenter Wirtschafts-, Innovations- und Bildungsstandort von internationalem Renommée und verbindet dadurch globale Vernet-
    zung mit lokaler Lebensqualität. Auch deshalb findet man hier ein hervorragendes Potenzial an Arbeitskräften, welche die gute Erreichbarkeit und die hochqualitativen Bildungsangebote schätzen. Einen sehr grossen Beitrag zur Attraktivität leisten die bereits ansässigen Unternehmen, insbesondere in den Schlüsselbranchen Pharma, Bio- und Medtech, Chemie, Präzisionstechnik und zunehmend auch in der IT und Robotik.

    Worin sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen dem Standort Baselland und anderen Wirtschafts-standorten der Schweiz?
    Einzigartig ist tatsächlich das Nebeneinander von «ländlich-seriöser Haltung» sowie Internationalität und Weltoffenheit auf sehr kleinem Raum. So findet man hier Naherholungsgebiete in den Jurahöhen oder am Rhein, Wohnraum mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis, die Stadt Basel in nächster Nähe und rasch erreichbar ein Museums-, Kunst- und Messe-
    angebot von Weltrang.

    Wie wettbewerbsfähig ist Basel-Landschaft?
    Die «harten Fakten» zeigen, dass der Standort attraktiv und wettbewerbsfähig ist. Im kantonalen Wettbewerbsindikator 2018 der UBS belegt Baselland den neunten Rang aller Kantone mit dem Prädikat solid. Das Ziel ist aber klar, Baselland muss möglichst rasch wieder in die Gruppe «Hoch» beim kantonalen Wettbewerbsindikator aufsteigen.

    Warum soll sich ein Unternehmen in Ihrer Region niederlassen?
    Weil die Region ein sehr innovatives und dynamisches Umfeld bietet, spannende Entwicklungsflächen für individuelle Bedürfnisse vorhanden sind und die Unternehmen im trinationalen Metropolitanraum Basel ein hervorragendes Potenzial an Arbeitskräften vorfinden.

    Das bedeutet?
    In unserer Region finden Sie Spitzenhochschulen und -institutionen für Life Sciences und verwandte Gebiete – insbesondere die Universität Basel, das Departement für Biosysteme der ETH, die Hochschule für Life Sciences FHNW in Muttenz sowie das Universitätsspital Basel – und ausgezeichnete, in der Wirtschaft verankerte Berufsschulen. Auch weitere Institutionen wie der Switzerland Innovation Park Basel Area, das CSEM oder das Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) liefern einen zentralen Beitrag für die ausserordentliche Innovationskraft. Zudem entstehen derzeit auf verschiedenen Arealen im Kanton neue Flächenangebote für die Wirtschaft.

    Auf Ihrer Website ist zu lesen, dass der Kanton Basel-Landschaft zu den erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt gehört. Genau. Gemäss einer Studie der BAK zum Technologiestandort Baselland von 2018 liegt die grösste Stärke des Standorts Basel-Landschaft in der beeindruckenden Dynamik: Die Anzahl aktiver Patentfamilien im Kanton Basel-Landschaft ist in den letzten Jahren im Schweizer Vergleich am stärksten gestiegen, bei gleichbleibender Qualität. Insbesondere in der Messtechnik und im Medtech Bereich sind hochwertige Patente im Kanton Basel-Landschaft überdurchschnittlich häufig vorhanden.

    In welchen Bereichen sehen Sie die grössten Herausforderungen?
    Die Prosperität der Region ist eng verknüpft mit der Offenheit und dem Austausch über die Grenzen hinweg. Um den internationalen Spitzenplatz halten zu können, ist es die grosse Herausforderung, den Zugang zu den benötigten Fachkräften sicherzustellen. Eine liberale Lösung bei den Grenzgängern und Grenzgängerinnen ist für die Region zwingend – ebenso zent-ral erachte ich den Zugang der Unternehmen und Hochschulen zu internationalen Forschungsgemeinschaften, namentlich auch zu den europäischen Forschungsprogrammen. Die Digitalisierung beschleunigt und verstärkt den Strukturwandel und dürfte tiefgreifende Auswirkungen – sowohl positive wie negative – haben.

    Das heisst?
    Die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit liegt in der Förderung der Verflechtung und intelligenten Verknüpfung von Technologien und auch in der engeren Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Wissenschaft, Forschung, Bildung und Industrie, um möglichst breit von dem Wissen in der Region zu profitieren und dieses unternehmerisch zu nutzen. Und schlussendlich ist die Steuervorlage 17 für die Region Basel Area von höchster Wichtigkeit – mit ihr rückt der Kanton Basel-Landschaft auf Platz 5 im schweizweiten Vergleich der Standortqualität vor.

    Wie wird sich der Wirtschafts-standort Baselland in 20 Jahren präsentieren?
    Die Region Basel ist weiterhin ein führender Life Sciences Standort und Vorreiter bei der Entwicklung und Anwendung neuer Technologien insbesondere in der IT und Robotik. Die ansässige chemische Industrie hat den Strukturwandel vollzogen und ist mit innovativen Produkten wie Rohstoffen für 3D-Drucker weltweit erfolgreich. ■

  • «Der Aufwand bei Umbauten  und Sanierungen wird oftmals  unterschätzt»

    «Der Aufwand bei Umbauten und Sanierungen wird oftmals unterschätzt»

    Frau Zenhäusern, welche Einflüsse haben Ihren beruflichen Weg geformt?
    Ganz klar mein Studium an der ETH Zürich, wo ich durch namhafte Dozenten und Professoren wie Herzog & de Meuron, Gion A. Caminada oder Miroslav Šik geprägt und ausgebildet wurde. Insbesondere durch letzteren lernte ich, durch Bilder zu entwerfen.

    Wie ist das zu verstehen?
    Man stellt sich den Raum vor, wie er gebaut und ausgestaltet werden könnte, und entwirft ihn dementsprechend. Mittels eines Renderings beziehungsweise einer Fotomontage kann man überprüfen, wie sich die Idee in die umgebende Landschaft oder ins bestehende Stadtbild einfügen wird. Solche Bilder sind auch im Entwicklungsprozess gemeinsam mit der Bauherrschaft sehr hilfreich, da man in technische Pläne sehr viel hineininterpretieren kann. Man darf nicht erwarten, dass jeder Bauherr in der Lage ist, anhand von Grundrissen und Gebäudeschnitten eine realistische Vorstellung dessen zu bekommen, was entstehen wird. Bilder helfen, Missverständnissen vorzubeugen und erleichtern allen Beteiligten zu erkennen, was wir planen und wie es aussehen wird.

    Neben Neubauten haben Sie sich auch mit Umbauten und Renovationen einen Namen gemacht. Bei der Sanierung einer Attikawohnung in einem Wohn- und Geschäftshaus in Visp haben Sie
    ganz neue Perspektiven eröffnet. Wie sind die Ideen hierfür entstanden?

    Das mehrstöckige Gebäude, das wir umgebaut haben, befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Altstadt in Visp. Das Konzept dieser Attikawohnung sieht vor, den Innenraum mit dem Aussenraum und der beeindruckenden Aussicht zu verschmelzen. Wir haben interessante Lösungen der Lichtführung realisiert mittels Oberlichtern und einem zentral in der Wohnung gelegenen Lichthof mit Gartencharakter. Sanierungen sind eine faszinierende Aufgabe, weil die Objekte oftmals an sehr interessanten Orten stehen. In unserem Beispiel hat man die ganze Geschichte der Gemeinde Visp vor Augen.

    Gut geplant ist halb gebaut, heisst es allenthalben. Lässt sich das auch für Sanierungen so bestätigen, die je nach Alter des Objekts auch manche Überraschung ans Tageslicht bringen?
    Planung ist das A und O, insbesondere achten wir auf einen detaillierten Kostenvoranschlag, da der Aufwand bei Umbauten und Sanierungen oftmals unterschätzt wird. Je älter ein Gebäude, desto wichtiger ist auch die Einplanung gewisser Reservepositionen für unvorhergesehene Zusatzkosten, da unter Umständen zu wenig aussagekräftige Informationen über die bestehende Substanz dokumentiert sind.

    Welche grösseren Projekte beschäftigen Sie derzeit?
    Ich plane ein neues Wohnhaus mitten in Brig, in einer gewachsenen Strasse mit den für ihre Entstehungszeit typischen Charakteristika. Hier müssen wir ein neues, individuelles Gebäude entwerfen, das aber zum bestehenden städtischen Gesicht passt. Städtebau hat mich schon immer fasziniert und ich gehe mit grossem Respekt an diese Aufgabe.

    Was haben die von Ihnen realisierten Werke gemeinsam?
    Einfachheit in der Materialisierung, Einfachheit in der Formgebung und klare Linien sind Charakteristika, auf die ich grossen Wert lege. Daran orientiere ich mich, um Räume entstehen zu lassen, die der Bewohner respektive Benutzer oder Besucher als angenehm und stimmig empfindet.

    Wo finden Sie Ihre persönliche Quelle der Inspiration?
    Auf Reisen, in anderen Kulturen, aber auch in meiner Heimat, wenn ich beispielsweise ein altes Walliser Haus betrete. Es ist wichtig, seinen Wurzeln treu zu bleiben und weiterzuentwickeln, was unsere Vorfahren aufgebaut haben. Und genauso wichtig ist es, dass dann später auch die nächste Generation unsere Werke weiter nutzen oder an ihnen bauen kann.

    Woran messen Sie selbst Ihren Erfolg?
    Mein Ziel ist es, Architektur zu gestalten, die eine besondere Stimmung in einem auslöst, wenn man ihr begegnet, in der man sich wohlfühlt, wenn man sie betritt, und die in ihren Kontext passt. Ein positives Feedback vonseiten der Bauherrschaft reicht dann schon.

    Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Partner bei der Realisierung eines Projektes aus?
    Wir arbeiten mit regionalen, ortsansässigen Partnern. Abhängig vom Bauvolumen beauftragen wir dann grössere oder kleinere Unternehmer, um sicherzustellen, dass ihre personellen Kapazitäten dem Auftragsaufkommen entsprechen. Ausschlaggebend ist die Zufriedenheit der Bauherrschaft, deshalb wählen wir verlässliche, kompetente Partner, die auch längerfristig und vor Ort für die Bauherrschaft ansprechbar sind.

    Wie viel Architektur braucht der Mensch? Ist Ästhetik am Bau mehr als nur Luxus?
    Architektur ist erst dann gelungen, wenn sie eine Atmosphäre erschafft, einem Raum Kraft und Ausstrahlung verleiht. Ein Gebäude ohne architektonisches Konzept ist schnell erstellt, aber man sollte sich nicht nur über kurzfristige Kosten Gedanken machen und nicht jedem Trend nacheifern. Hier kommt wieder die Einfachheit in der Materialisierung ins Spiel oder der Einsatz regionaler, zeitloser und nachhaltiger Materialien, wie beispielsweise Holz. Mit entsprechender Architektur lässt sich auch direkt eine Botschaft kommunizieren, wie dies in der Marketingarchitektur umgesetzt wird.

    Was machen Sie als Ausgleich zur Architektur?
    Neben meinen Beruf als Architektin bin ich passionierte Fotografin. In der Briger Burgschaft habe ich seit Anfang Jahr mein eigenes «atelierkathrin», wo ich mich der Porträt- und Peoplefotografie widme. Wie in der Architektur, bin ich auch in der Fotografie stets auf der Suche nach dieser magischen Stimmung und Emotionen. 


    www.bauatelier12.ch
    www.bringhen.ch

  • «Unser Kanton engagiert sich sehr aktiv in der Innovationsförderung»

    «Unser Kanton engagiert sich sehr aktiv in der Innovationsförderung»

    Herr Stricker, mit welchen Vorzügen werben Sie für den Wirtschaftsstandort Kanton Basel-Stadt?
    Natürlich mit der einmaligen Lage am Dreiländereck und der hohen Lebensqualität. Aber vor allem ist Basel eine sehr dynamische Wirtschaftsregion mit starkem Wachstum, einer hohen Innovationskraft und dem damit verbundenen Talentpool. Im aktuellen kantonalen Wettbewerbsindikator der UBS liegt Basel-Stadt auf Rang zwei und punkto Innovation sogar auf dem ersten Rang.

    Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass der Kanton Basel-Stadt einen aktiven Beitrag leistet, damit die ansässigen Unternehmen eine höhere Wertschöpfung erzielen. Was heisst das konkret?
    Wir unterstützen Firmen bei individuellen Fragestellungen, sei es bei Anliegen an die kantonale Verwaltung wie Arbeitsbewilligungen oder bei der Immobiliensuche. Dafür ist der persönliche Kontakt und Austausch unserer Branchenverantwortlichen mit den Firmen sehr wichtig. Aber wir arbeiten auch strukturell für optimale Rahmenbedingungen, beispielsweise bei der Wirtschaftsflächenentwicklung.

    «Momentan haben wir bei Büroflächen die niedrigste Angebotsquote der Schweiz.»

    Die Standortförderung setzt sich dafür ein, dass Unternehmen optimale Bedingungen vorfinden. Mit dieser Aussage buhlen auch andere Kantone. Wie hebt sich der Kanton Basel-Stadt von der Konkurrenz ab?
    Zum Beispiel engagiert sich der Kanton sehr aktiv in der Innovationsförderung. Mit dem Technologiepark Basel, welcher Büro- und Laborflächen für Jungunternehmen anbietet, haben wir ein erfolgreiches Angebot geschaffen, das zusammen mit den hier ansässigen Hochschulen und Forschungsinstituten ein attraktives Ökosystem für Startups bildet.

    Sie gilt auch als Vermittlerin im Immobilienbereich. Wer sind Ihre Kunden und woher stammen sie?
    Die meisten Anfragen kommen von hier ansässigen Firmen, die Fläche zum Expandieren suchen oder neue Arbeitsformen implementieren wollen. Es gibt aber auch Neuansiedlungen von internationalen Firmen, zum Beispiel aus Nordamerika oder Asien. Diese werden dann von der regionalen Standortpromotion BaselArea.swiss unterstützt.

    Der Kanton Basel-Stadt ist bestrebt, dass Flächen in einem der Nachfrage entsprechenden Mass und in der gewünschten Qualität zur Verfügung stehen. Das heisst?
    Man muss sich vorstellen, dass eine Firma zur Wahl eines neuen Standortes eine Auswahl von möglichen Optionen benötigt – die meisten Menschen schauen sich bei der Suche nach einem neuen Wohnort auch nicht nur eine Wohnung an. Für uns heisst das, dass man im besten Fall mehrere Flächen zur Verfügung hat, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Grösse und Lage für verschiedene Tätigkeiten und Firmen interessant sind.

    Wie beurteilen Sie den Geschäftsimmobilienmarkt im Kanton Basel-Stadt?
    Momentan haben wir im Bereich Büroflächen die niedrigste Angebotsquote der ganzen Schweiz. Gleichzeitig gab es in den letzten Jahren eine konstant hohe Nachfrage – insbesondere nach Laborflächen. Wir sind aber optimistisch, dass bald weitere, sehr interessante Flächen für wirtschaftliche Tätigkeiten verfügbar werden. Für Investoren bieten sich aufgrund der Nachfrage spannende Perspektiven, und wir zählen darauf, dass auch im Bereich der Miet-Laborflächen eine höhere Angebotsdynamik entsteht.

    In Basel und Umgebung sind viele Arealentwicklungen im Gange. «Volta-Nord», «Dreispitz», «Klybeckplus», das «Areal Wolf» oder das «Stücki-Areal», um nur einige Beispiele zu nennen. Wie profitiert die Standortförderung Basel-Stadt von diesen Mega-Projekten?
    Alle diese Areale sind historisch Wirtschaftsflächen, die nun in neue Nutzungsstrukturen überführt werden. Da gilt es, die richtige Strategie für die zukünftige Ausrichtung des Wirtschaftsstandorts Basel und einen gesunden Mix aus verschiedenen Nutzungen zu finden. Basel-Stadt möchte bis 2035 Raum für rund 20’000 neue EinwohnerInnen und für 30’000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Ohne diese Entwicklungsareale ist das nicht zu schaffen.

    Die Region Basel gilt weltweit als führender Life Sciences Cluster. Liegt das hauptsächlich an den beiden Unternehmen Roche und Novartis?
    Natürlich sind die beiden Firmen sehr wichtig für unseren Standort. Es gibt aber auch viele weitere wichtige Firmen im Bereich Life Sciences, wie zum Beispiel Lonza, Bayer, Syngenta oder Straumann, die zum Teil stark wachsen. Zum Cluster, das sie ansprechen, gehören aber auch die vielen Startups, KMU, Hochschulen und Forschungsinstitute. Insgesamt sind über 700 Life Sciences Firmen in der Region aktiv, das Wachstum ist also breit abgestützt.

    «Der EuroAirport ist dank vieler Direktverbindungen enorm wichtig.»

    Wie stark profitierte der Kanton Basel-Stadt vom «Switzerland Innovation Park Basel Area»?
    Der Switzerland Innovation Park mit seinen Standorten in Allschwil, Basel und Delémont ist ein wichtiges Element in der vorher erwähnten Innovationslandschaft und ein Symbol für die regionale Zusammenarbeit. Er eröffnet dem Life Sciences Cluster neue Möglichkeiten.

    In welchen Bereichen sehen Sie die grössten Herausforderungen?
    Momentan haben wir eine hohe Nachfrage nach Laborräumlichkeiten, die kurzfristig nicht genügend gedeckt werden kann. Dabei wäre es wichtig, den vielen erfolgreichen Startups Expansionsflächen zur Verfügung zu stellen. Hier sind die Investoren gefragt!

    «Eine gewisse Konkurrenz liegt im Interesse der Unternehmen.»

    Der Wirtschaftsstandort Basel grenzt sowohl an Deutschland als auch an Frankreich. Wie stark steht die Standortförderung Kanton Basel-Stadt in Konkurrenz mit diesen zwei Nachbarländern?
    Bei den wertschöpfungsstarken Unternehmen nehmen wir eher den Standortwettbewerb mit anderen Kantonen und mit «Hot Spots» im Ausland wahr. Anders sieht es im Detailhandel aus – da sind die Grenzlage, der Wechselkurs und vor allem der Onlinehandel ernsthafte Herausforderungen.

    Für viele internationale Unternehmen stehen bei einer Ansiedlung Steuervorteile im Vordergrund. Wie überzeugen Sie Firmen, ihr Headquarter in der Region Basel-Stadt anzusiedeln?
    Basel bietet nach der Annahme der STAF auf kantonaler und Bundesebene rückwirkend per Anfang 2019 einen attraktiven Gewinnsteuersatz von dreizehn Prozent und damit eine grosse Planungs- und Rechtssicherheit für Unternehmen. Diese schätzen zudem die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften und Talenten. Da profitiert Basel von der Personenfreizügigkeit und von rund 35’000 qualifizierten Grenzgängern und Grenzgängerinnen aus Deutschland und Frankreich.

    Welche Rolle spielt für die Standortförderung Basel-Stadt der nahe EuroAirport Basel Mulhouse?
    Der EuroAirport ist dank vieler Direktverbindungen und Zubringerflügen zu den Hubs enorm wichtig für die Region – nicht nur für den Personentransport, sondern auch als Logistikdrehscheibe. Der Flughafen ist beispielsweise sehr stark auf die anspruchsvolle Logistik von Pharmaprodukten spezialisiert. Das ist ein wichtiges Argument für viele Firmen der Region.

    Worin sehen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Standort Kanton Basel-Stadt und anderen Wirtschaftsstandorten der Schweiz?
    Durch die spezielle Lage an zwei Landesgrenzen und dem Rhein ist Basel die Logistikdrehscheibe der Schweiz und von Natur aus sehr international ausgerichtet. Daneben bietet die Region eine einzigartige Innovationslandschaft, vor allem im Bereich der Life Sciences, und eine beeindruckende Konzentration an Versicherungsgesellschaften. Zudem geht oft vergessen, dass – ein Unikum in der Schweiz – Kantons- und Stadtbehörden identisch sind. Das macht uns als Partner der Unternehmen handlungsfähig und agil.

    Auch der Kanton Basel-Landschaft ist ein Wirtschafts-, Innovations- und Bildungsstandort mit Schwerpunkt Life Sciences. Wie stark konkurrenzieren sich diese beiden Kantone?
    Eine gewisse Konkurrenz und ein gutschweizerischer Ideenwettbewerb liegen sicher im Interesse der Unternehmen. Gleichzeitig arbeiten wir aber in wichtigen Projekten und Institutionen auch sehr eng zusammen, übrigens meist zu dritt mit dem Kanton Jura. Auf der persönlichen Ebene sind die Kontakte gut. Wir kennen und schätzen uns – trotz der Kantonsgrenzen.

    Wie und wo macht die Standortförderung Kanton Basel-Stadt auf ihre Wirtschaftsregion aufmerksam?
    Wir sind an vielen Anlässen zum Thema Wirtschaftsentwicklung in der Region präsent und organisieren und unterstützen selber auch wichtige Veranstaltungen zur Vernetzung wie etwa das Swiss Innovation Forum im November oder den kürzlich durchgeführten Digitaltag. Im Ausland vertritt die BaselArea.swiss unseren Standort.

    Was wünschen Sie dem Standort Basel?
    Dass er sich weiter so positiv entwickelt wie in den vergangenen Jahren und wir weiter Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich neben den Grossfirmen auch Startups und KMU am Standort Basel positiv entwickeln können. ■

    www.awa.bs.ch/standortfoerderung

  • «Nachhaltige Entwicklung ist heute keine  Lifestylefrage mehr»

    «Nachhaltige Entwicklung ist heute keine Lifestylefrage mehr»

    Herr von Graffenried, herzliche Gratulation: Im Städteranking 2019 von Wüest & Partner liegt die Stadt Bern in Sachen höchste Lebensqualität neu an dritter Stelle. Worauf führen Sie das zurück?
    Bern hat einen Lauf. Die Stadt hat eine starke Identität – die Bernerinnen und Berner lieben ihre Stadt und haben konkrete Vorstellungen, was gut ist für Bern. Das sind beste Voraussetzungen, um eine hohe Lebensqualität zu entwickeln. Politik und Verwaltung waren erfolgreich darin, die Interessen der Einwohnerinnen und Einwohner aufzunehmen. Das hat spürbar zur Erhöhung der Lebensqualität beigetragen.

    Seit 2017 sind Sie Stadtpräsident von Bern. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
    Es ist schlicht das schönste, vielfältigste Amt, und das in der schönsten Stadt der Welt. Was will man mehr.

    Filippo Leutenegger, 2018 Anwärter auf das Zürcher Stadtpräsidium, sagte in einem Interview: «Als Stadtpräsident hat man keine Macht, höchstens Einfluss». Stimmen Sie dem zu?
    Wo er recht hat, hat er recht! In der Schweiz ist die Macht vielfach geteilt. So bin ich kein CEO der Stadt, sondern muss für alle Entscheide Mehrheiten gewinnen. Im Gemeinderat, im Stadtparlament oder auch in einer Volksabstimmung. Das ist zwar mitunter anstrengend, ist aber im Erfolgsfall befriedigend und führt zu einer besseren Akzeptanz. Dieses System ist die wichtigste Voraussetzung für die gut integrierte Gesellschaft in der Schweiz, das ist für mich unser wichtigster Erfolgsfaktor überhaupt.

    Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Bern eine ökologische Vorbildstadt sein soll. Was heisst das konkret und wie möchten Sie das umsetzen?
    Als Hauptstadt haben wir eine Leaderfunktion. Wir haben den Anspruch an uns, im Bereich der Nachhaltigkeit die innovativste und fortschrittlichste Schweizer Stadt zu sein. Im Verkehr – Stichwort Verkehrsberuhigung in den Wohnquartieren – gelingt uns dies bereits sehr gut. Dasselbe wollen wir auch in anderen Bereichen wie Energie, Raumplanung, Städtebau umsetzen.

    Von 2007 bis 2011 waren Sie bei Losinger Marazzi AG verantwortlich für nachhaltige Entwicklung und von 2012 bis 2016 Direktor «Immobilienentwicklung Mitte». Wie definieren Sie nachhaltige Entwicklung?
    Gemäss den gängigen Definitionen: Die Befriedigung unserer heutigen Bedürfnisse soll nicht die Möglichkeiten künftiger Generationen beeinträchtigen. Wichtiger als die präzise Begriffsdefinition ist mir aber die Erkenntnis, dass nachhaltige Entwicklung heute keine Lifestylefrage mehr ist, sondern eine Überlebensfrage.

    Das heisst?
    Vor 10’000 Jahren, in der letzten Eiszeit, lag über Berlin ein 200 Meter dicker Eispanzer. Was meinen Sie, wieviel tiefer lag damals die Durchschnittstemperatur in Berlin? Die Antwort ist: Fünf Grad. Ich glaube, das zeigt gut, wie wichtig und dringend ein sorgsamer Umgang mit der Klimaerwärmung ist. Nachhaltige Entwicklung heisst Verantwortung übernehmen; Verantwortung für eine sozial, ökologisch und wirtschaftlich tragbare Zukunft.

    Welche Kriterien müssen erfüllt werden, damit man diesem Begriff bei Arealentwicklungen gerecht wird?
    Wir bauen Neubauten für 50, 80 oder über 100 Jahre. Wenn wir sehen, wie aufwändig Sanierungen sind, ist es logisch, dass wir künftige Entwicklungen antizipieren müssen. Nachhaltige Arealentwicklung beinhaltet auch Ansprüche der sozialen Nachhaltigkeit. Dies fängt im Partizipationsprozess der Arealentwicklung an und setzt sich mit einem schlauen Mix der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer fort, damit unsere neuen Stadtquartiere bereits beim Bezug mit Leben erfüllt werden.

    Sie plädieren für die Planung von 2’000-Watt-Quartieren und Plusenergie-Bauten. Können Sie das etwas genauer erläutern?
    Es geht um unsere Zukunft! Wir wollen nicht, dass sich künftige Städterankings an Kriterien wie einer funktionierenden Wasserversorgung oder der Anzahl der Hitzetoten bemessen. Dafür müssen wir den CO2-Ausstoss drastisch senken. Nun ist der Gebäudesektor in der Schweiz mindestens für ein gutes Viertel der hier ausgestossenen Klimagase verantwortlich. Daher ist es zentral, bei der Sanierung bestehender oder der Erstellung neuer Gebäude die grossen Potenziale zu nutzen, um den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss zu senken. Das können wir nur mit der Förderung von 2’000-Watt-Quartieren und Plusenergie-Bauten erreichen.

    Was wurde in diesen Bereichen bereits verwirklicht?
    Bei städtischen Gebäuden setzt die Stadt Bern Massstäbe für umwelt- und energiegerechtes Bauen. Im Bereich der Wohnüberbauungen haben wir die vorbildhaften Siedlungen «Stöckacker Süd» und «Burgunder» realisiert. Weitere Planungen wie das «Warmbächli-Areal» oder das «Viererfeld» werden bald folgen.

    Das Projekt «Aarerain» in Worblaufen der Gemeinde Ittigen soll das erste Plus­energie-Quartier der Schweiz werden und einen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes leisten?
    Um den Standard Plusenergie-Quartier zu erreichen, ist es notwendig, pro Jahr mehr Energie zu produzieren als das Quartier verbraucht. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Ziel anzustreben. Auch wir in Bern sind gewillt, bei geeigneten Arealen mit den Grundeigentümerschaften Regelungen anzustreben, welche die Realisierung von Plusenergie-Quartieren ermöglichen.

    «Partizipation wird in Bern grossgeschrieben.»

    Welche weiteren Grossprojekte stehen an, respektive welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?
    Die Bebauung des «Viererfelds» mit Wohnungen für über 3’000 neue Einwohnerinnen und Einwohner. Ebenso am Herzen liegen mir Infrastrukturprojekte wie der Ausbau des Bahnhofs Bern oder die Tunnellösung Bypass A6; diese haben einen enormen Einfluss auf das zukunftsfähige Funktionieren der Stadt. Sehr viel erhoffe ich mir schliesslich von unserem Projekt «Kooperation Bern», das der Stärkung der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit dient, bis hin zu Fusionen.

    Als Stadtpräsident möchten Sie den Städtebau vorantreiben, denn Sie würden über ein «Planungsgen», verfügen, berichtete die Neue Zürcher Zeitung. Können Sie dieses «Gen» anwenden?
    Ob es ein Gen ist, bezweifle ich. In der Sache ist es aber in der Tat so, dass wir in Bern derzeit viele und ausgesprochen spannende Planungsprojekte haben.

    Sie sagen: Wenn eine Stadt wächst, treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Wie kann man diesen gerecht werden?
    Indem man in erster Linie gut zuhört. Dann erfährt man, was die Menschen brauchen und möchten. Partizipation wird in Bern grossgeschrieben. In unterschiedlichen Arten der Mitwirkung holen wir die Bedürfnisse ab, also zum Beispiel die Anliegen der Wohnbevölkerung, der Gewerbetreibenden, der Kultur-, Sport- oder Eventszene. Beispielsweise können sich die Menschen momentan in einem breit angelegten Mitwirkungsprozess zur Zukunft des Freibads Marzili einbringen.

    «Die Leute möchten den öffentlichen Raum nutzen.»

    In welche Richtung wird sich Bern und die umliegenden Quartiere entwickeln?
    Dynamisch. Ich spüre einen grossen Gestaltungswillen aus der Baubranche, der Politik, aber auch aus der Bevölkerung. Die Leute möchten den öffentlichen Raum nutzen und mitgestalten, was zu lebendigen Quartieren beiträgt. Gleichzeitig möchte ich dafür sorgen, dass Investitionen in Neubauten und Sanierungen sorgfältig erfolgen. Qualität soll von zentraler Bedeutung sein. Im Städtebau, Wohnraum, Sozial- und Aussenraum, in der Ökologie, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Entwicklung der Stadt soll – kurz gesagt – nachhaltig erfolgen.

    Wo setzen Sie als Stadtoberhaupt Ihre Prioritäten?
    Ich möchte dafür sorgen, dass sich die Menschen in Bern zuhause fühlen. Damit schliesse ich unterschiedlichste Lebenswelten ein: Ob dies das Zuhause des Wohnens, Arbeitens, der Bildung, von Gästen oder von Freizeit und Sport ist. Und ich will der Bevölkerung Mitbestimmung und Selbstverantwortung ermöglichen und zu einer tragfähigen Gesellschaft beitragen, in der sich die Menschen auch für andere und für die Gemeinschaft engagieren. ■

  • «Wir wollen unseren  Beitrag zur Verdichtung und  Ressourcenschonung leisten»

    «Wir wollen unseren Beitrag zur Verdichtung und Ressourcenschonung leisten»

    Herr Schoilew, das Motto der Firma Häring heisst innovatives Bauen
    mit System. Was heisst das konkret?

    Innovation ist das Streben nach der bestmöglichen individuellen Lösung für den Kunden. Wirtschaftlich und technisch. Dabei darf Bewährtes durchaus hinterfragt werden. Ansonsten ist eine gute Lösung, welche zum wiederholten Mal umgesetzt wird, gut, aber nicht besser. Innovation kann auch Bauen mit eigenem Rohstoff bedeuten, vor allem wenn er sich aus Sonne und Wasser entwickelt. Warum sollte eine Bürgergemeinde nicht die Eigenmittel für den benötigten Neubau einer Sporthalle oder eines Gemeindehauses mit Holz aus dem eigenen Wald bereitstellen können? Innovation ist Bauen ohne Land.

    Das heisst?
    Warum sollte ein Immobilieneigentümer nicht die Nutzfläche durch eine Aufstockung erhöhen können? Ganz ohne auf zusätzliche Landressourcen angewiesen zu sein. Wir haben ein System entwickelt, welches Mehr-familienhäuser und Bürobauten mit Aufstockungspotenzial identifiziert. Die vertikale Nachverdichtung mit dem Leichtbaustoff Holz findet innerhalb kürzester Zeit statt und kann durchaus im bewohnten Zustand erfolgen. Innovation kann auch eine flexible, vorgespannte und erdbebensichere Tragkonstruktion in Holz sein. Warum sollte ein Architekt nicht ein grünes Hochhaus damit kreieren können? Ebenso kann Innovation faserverstärktes Brettschichtholz bedeuten. Dadurch wird auch die Verwendung von minderwertigen Holzqualitäten möglich.

    Die Firma Häring prüft die Machbarkeit hinsichtlich Lage, Grösse, Potenzial und gesetzlichen Punkten. Wie gehen Sie vor, wenn das Marktpotenzial vorhanden ist?
    Die Standortprüfung kann eine kleine Testplanung aber auch eine umfassende Portfolioanalyse beinhalten. Sollte Marktpotenzial erkennbar sein, geht es um die richtige Lösung. Stellen Sie sich eine Blockrandbebauung in der Stadt vor. Mehrfamilienhäuser aneinander gereiht und von mehr oder weniger vergleichbarer Breite und Höhe. Gelegentlich finden sich jedoch Bebauungslücken. Hier ist ein Neubau Mittel der Wahl.

    Der moderne Holzbau bietet aus Ihrer Sicht unbegrenzte Möglichkeiten. Wie ist das zu verstehen?
    Holz ist extrem vielseitig, leicht, schnell, grün und digital bearbeitbar. Durch neue Verordnungen, insbesondere im Bereich des Brandschutzes, sind dem Baustoff Holz nahezu keine Grenzen mehr gesetzt. Heute werden weltweit Holzhochhäuser gebaut. Auch in der Schweiz ist diese Tendenz erfreulich. Doch es muss nicht immer ein Hochhaus sein. Ein nach oben strebendes Gebäude geringer oder mittlerer Höhe kann durchaus auch faszinieren. Eine Aufstockung in Holzbauweise ist oft auch mit komplizierten statischen Gegebenheiten vereinbar. Die Flexibilität der Tragwerklösung und somit der Grundrissgestaltung kann auch nach Fertigstellung von Vorteil sein. Umbauten sowie die Zusammenlegung oder nachträgliche Trennung von Nutzeinheiten sind mit einfachsten Mitteln möglich.

    Als ideenreicher und umsetzungs­starker Schweizer Holzbau-Partner, entwickelt, plant und realisiert ­Häring seit 140 Jahren für Private, Unternehmen und die öffentliche Hand Gebäude- und Raumlösungen
    aus Holz für nachhaltige Bauwerke. Können Sie uns ein Beispiel nennen?

    Für die Schweizer Rheinsalinen AG haben wir in Rheinfelden zwei Salzlagerhallen geplant und realisiert. Mit dem geringstmöglichen Aufwand sollte die grösstmögliche stützenfrei überdachte Lagerfläche entstehen. Das Ergebnis sind zwei Holznetzschalenkuppeln mit Durchmessern von 94 und 120 Metern. Mit dem besten Aufwand-Ertrag-Verhältnis für Schuttgüter. Form «follows function». Pragmatisch betrachtet, ist mit dem sogenannten «Saldome 2» der grösste Kuppelbau Europas entstanden. Unempfindlich gegenüber den aggressiven Eigenschaften des Lagermaterials Salz. Die industriellen Anwendungsmöglichkeiten sind neben der Schuttgutlagerung sehr vielseitig. Industriebauten sind einem breiten Publikum jedoch selten zugänglich. Was aus architektonischer Sicht bedauerlich ist.

    Mit dem Projekt «Green City House» in Basel entstehen Stadthäuser in
    Holzsystembauweise und tragen zu einer nachhaltigen Städteverdichtung bei. Zudem weisen sie eine CO²-Einsparung von über 35 Prozent im Vergleich zu konventionellen Bauten auf. Wann sprechen Sie von nachhaltiger Städteverdichtung?

    Nachhaltigkeit ist als Begriff ausgesprochen vielseitig anwendbar. Die ökologische Nachhaltigkeit ist aufgrund der Holzbauweise naturgemäss gegeben. Sei es bei der CO²-neutralen Produktion des Baustoffes oder bei der grauen Energiebilanz. Wirtschaftlich nachhaltig wirken sich die kompakten Wandquerschnitte und die damit verbundene Optimierung der Nutzflächen aus. Ebenso die substanzielle Dauerhaftigkeit, der geringere Wartungsaufwand und die niedrigen Instandhaltungs- und Betriebskosten.

    Wie stark hat bei der Immobilien­entwicklung die durchgängige Digitalisierung (BIM) Einzug gehalten?
    BIM ist bei unserer Arbeitsweise unentbehrlich. Die Wertschöpfungskette ist lang, und die Immobilienentwicklung steht ganz am Anfang. Es folgen Planung, Konstruktion, Produktion und Realisierung. Wir können eine hohe Kosten- und Terminsicherheit nur mittels durchgängig digitalisierten Prozessabläufen sicherstellen. Nach der Planungs- und Bauphase ist das digitale Bauwerksdatenmodell ebenfalls sehr hilfreich. Die Bewirtschaftung der erstellten Immobilie kann darauf basieren. Im Übrigen ist «simultaneous engineering» im Holz- und Systembau schon lange kein Fremdwort mehr. Wir haben bereits in den frühen 1990er Jahren erste Projekte nach dem damaligen Stand der CAD/CAM-Technik realisiert.

    «Architekten bieten wir die Möglichkeit, Ideen umzusetzen.»

    Dieses Jahr feiert die Häring & Co. AG ihr 140-jähriges Bestehen. Welche Strategie verfolgen Sie im Bereich Immobilienentwicklung?
    Architekten bieten wir die Möglichkeit, Ideen umzusetzen. Es geht darum, ohne Einschränkung der Kreativität, nachhaltig zu bauen. Als General- oder Totalunternehmer gehen wir für Investoren renditeorientiert heran. Das bedeutet jedoch nicht, dass Abstriche bei Qualität und Gestaltung in Kauf zu nehmen sind. Bei der Bauweise gilt, so viel Holz wie nötig. Hybridbauten stellen, falls für die Rendite zuträglich, denkbare Lösungen dar. Landeigentümern bieten wir die Möglichkeit, ihre Parzellen direkt zu veräussern oder, falls erwünscht, in den unterschiedlichsten Varianten als Partner bei der Projektumsetzung zu amten. Aus soziologischer Sicht geht es uns um Verdichtung, um lebenswerten Wohn- und Arbeitsraum ohne Zersiedlung und ohne Kompromisse beim Umweltschutz.

    Wo steht das Unternehmen in zwanzig Jahren in Sachen Immobilienentwicklung?
    Die Bedürfnisse des Kunden stehen für uns heute und in zwanzig Jahren unverändert im Zentrum. Unser Spektrum, von der kompletten Immobilienentwicklung über den klassischen und spezialisierten Holzbau bis hin zur umfassenden Aufstockungskompetenz, ist bereits breit gefächert. Mit 160 Jahren wollen wir als der Partner im Bereich der nachhaltigen Immobilienentwicklung schweizweit wahrgenommen werden. Wir wollen unseren Beitrag zur Verdichtung und Ressourcenschonung leisten. ■

  • «Ich bin überzeugt,  dass die Bevölkerung für  das Fussballstadion ist»

    «Ich bin überzeugt, dass die Bevölkerung für das Fussballstadion ist»

    Herr Hilfiker, Sie sind seit dem 1. Januar 2018 Stadtpräsident von Aarau. Wie würden Sie die Hauptstadt einem Auswärtigen beschreiben?
    Aarau präsentiert sich heute als lebendige und dynamische mittelgrosse Stadt im Schweizer Mittelland. Herausragend war in der Geschichte die Episode als Hauptstadt der helvetischen Republik im Jahr 1798. Bemerkenswert ist die Rolle von Aarau im 19. Jahrhundert als ein Treiber des liberalen Bundesstaates. Seit den 90er Jahren hat sich Aarau kontinuierlich positiv entwickelt und belegt im Städteranking zur Lebensqualität in der Schweiz heute den ausgezeichneten fünften Rang.

    Was bedeutet Ihnen das Amt als Stadtpräsident?
    Das Stadtpräsidium ist ein vielfältiges Amt. Die Themen reichen von Familie und Gesundheit über Bildung, Wirtschaft und Finanzen, zu Verkehr und Stadtentwicklung, bis zu Kultur, Sport, Freizeit oder zu den Pflegeheimen und zum Friedhofswesen. Es gibt keinen Lebensbereich, der nicht im Aufgabenspektrum einer mittelgrossen Stadt liegt. Das macht das Amt sehr spannend.

    Wo setzen Sie Ihre Prioritäten?
    In der städtischen Politik sind die Finanz­themen besonders relevant. Keine Stadt kann sich positiv weiterentwickeln, wenn die Finanzen in Schieflage sind. Der Stadtrat sorgt dafür, dass wir uns solide weiterentwickeln. Inhaltlich sind die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sowie das Projekt
    «Zukunftsraum» besonders relevant. Durch die Bildung einer «neuen Hauptstadt» soll Aarau, gemeinsam mit seiner Region, ein grösseres Gewicht erhalten.

    Zwischen 2014 und 2016 waren Sie Stadtrat und für das Ressort Kultur und Sport zuständig. Vermissen Sie dieses Ressort?
    Kultur und Sport sind für die positive Entwicklung einer Stadt wesentlich. Viele Familien und Unternehmen machen die Wahl ihres Wohn- beziehungsweise Standortes von der Attraktivität des Ortes abhängig. Gute Kultur- und optimale Sportinfrastrukturen bedeuten im Standortwettbewerb Vorteile. Dies haben wir im Ressort Kultur und Sport in der Vergangenheit gut erkannt. Auch mein Nachfolger im Ressort ist sich dieser Funktionen bewusst.

    Als Stadtpräsident sind Sie oberster Chef von rund 750 Mitarbeitenden.
    Sind Sie in Ihrer Funktion vor allem Politiker oder Manager?

    Die Stadtverwaltung ist in zehn Abteilungen aufgeteilt. Ich bin Vorgesetzter dieser Abteilungsleitenden und führe diese über Zielsetzungen, die sich an den Legislaturzielen des Stadtrats orientieren. Als Stadtpräsident bin ich entsprechend wohl beides, politisch sollen die Legislaturziele erreicht werden, und bezüglich Management steht die effiziente Umsetzung der gewählten Strategien im Vordergrund.

    In Ihrer Neujahrsansprache bezeichneten Sie Aarau als eine lebendige, vielfältige und prosperierende Stadt. Was heisst das?
    Lebendig, vielseitig und prosperierend bedeutet, dass Aarau für alle Generationen in allen Lebensbereichen attraktive Angebote unterhält, um die nachhaltige Weiterentwicklung der Region sicherzustellen. Dazu gehören Wirtschafts-, Kultur-, Sport-, Freizeit-, Verkehrs- und Bildungsaspekte.

    Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen und warum?
    In der städtischen Entwicklung sind Bauvorlagen zentral. Kurzfristig steht bis Ende 2020 die Realisierung der Alten Reithalle an. Weiter ist mir die Umsetzung der Planungen im Torfeld Süd, mit Stadion und Wohntürmen, ein Anliegen. Um eine nachhaltige Weiterentwicklung sicherzustellen, werde ich mich dafür einsetzen, dass unsere Finanzen im Gleichgewicht bleiben.

    In Aarau soll die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) definitiv umgesetzt werden, um damit neue Perspektiven zu schaffen. Das heisst?
    Die neuen Perspektiven beziehen sich insbesondere auf die als «Transformationsgebiete» bezeichneten Stadtteile, die im Zuge der wirtschaftlichen Weiterentwicklung neu genutzt werden können. Diese Nutzungen bedeuten mehr Wohnungen und höhere Ausnutzungen, beispielsweise mit Hochhäusern. Im Fokus stehen insbesondere das Torfeld und die Telli.

    Im November findet die Volks­abstimmung über die Teilrevision der Nutzungsplanung mit Hochhäusern statt. Bei einem Ja kann mit dem Bau des Fussballstadions begonnen werden. Wie wird der Entscheid ausfallen?
    Ich bin zuversichtlich, dass die Bevölkerung von Aarau diesem zukunftsträchtigen Projekt zustimmen wird. Nicht zuletzt, weil die Gesamtplanung ausgewogen ist.

    «Der Stadtrat sorgt dafür, dass wir uns solide weiterentwickeln.»

    Welche weiteren Grossprojekte stehen an?
    Neben dem Torfeld Süd stehen wir aktuell vor dem Spatenstich für die angesprochene Alte Reithalle. Ende Jahr dürfte mit dem Bau der neuen Aarebrücke Pont Neuf begonnen werden. Zusätzlich sind diverse private Projekte am Laufen. Etwa die Erneuerung des KiFF, der wichtigsten Adresse im Aargau für moderne und junge Musik. Das Haus ist einer der kantonalen Kultur-Leuchttürme. Weitere Vorhaben sind die Realisierung der Überbauung Bahn­hof Süd und der Neubau des Aarauerhofs.

    Eine Frage zum öffentlichen Verkehr. Die Aargauer Regierung ist der Meinung, dass eine Neubaustrecke zwischen Aarau und Zürich nötig sei, da man bis 2030 mit einer Zunahme des öffentlichen Verkehrs von rund zwei Drittel rechnet. Ist diese Neubaustrecke nötig?
    Ich unterstütze den Neubau der Strecke Aarau-Zürich. Aarau ist die grösste Agglomeration zwischen Zürich und Biel. Ausgezeichnete Zugverbindungen Richtung Zürich, Zürich Flughafen, Basel und Bern sind entscheidend für die positive Entwicklung unserer Region.

    Was wären aus Ihrer Sicht mögliche Alternativen?
    Wirkliche Alternativen gibt es nicht. Allen­falls wären die Verbindungen ab Aarau Richtung Zürich deutlich zu verbessern, wohl zu Lasten der kleineren Agglomerationen. Entsprechend wichtig ist die Unterstützung des ganzen Kantons für das Neubauprojekt Aarau-Zürich.

    Worin liegen die grössten Herausforderungen für die Stadt Aarau in den nächsten Jahren?
    Aarau bildet, gemeinsam mit Baden, das urbane Zentrum des Kantons. Als eine der fünf attraktivsten Destinationen unseres Landes wird es darum gehen, die Voraussetzungen für eine weitere positive Entwicklung sicherzustellen. Im Kanton Aargau besteht die Gefahr, dass kantonale Leistungen dezentral erbracht werden. Der Kanton sollte sich zu seinen Zentren bekennen. Ich plädiere dafür, dass die beiden ausstrahlenden Regionen Aarau und Baden vom Kanton mit zusätzlichen Mitteln für ihre Leistungen bedacht werden.

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass Aarau ein innovativer und attraktiver Wohn-, Freizeit- und Arbeitsort bleibt?
    Aarau muss seine Finanzen im Griff behalten, im Kanton als Schwerpunktregion unterstützt werden und selbst die sich bietenden Chancen in Wirtschaft, Kultur und Sport ergreifen.

    Mit welchen Trümpfen kann der Kanton Aargau gegen andere Kantone punkten?
    Der Kanton Aargau ist bezüglich Verkehrs­lage und industrieller Potenziale ausgezeichnet positioniert.

    In welche Richtung wird sich die Hauptstadt in den nächsten
    zehn Jahren entwickeln?

    Aarau wird sich als urbanes, wirtschafts- und bildungsfreundliches, kultur-, sport- und freizeit-affines Zentrum positionieren. Mittelgrosse Städte wie Aarau bieten in der Schweiz die bestmögliche Lebensqualität. ■