Schlagwort: Kostenmiete

  • Zofingen hat eine Chance und sollte sie nutzen

    Zofingen hat eine Chance und sollte sie nutzen

    Das Gebiet «Im Funken» gehört zu gleichen Teilen Migros Aare, der Zofimmo AG und der Stadt Zofingen. Alle drei müssen an einem Strang ziehen. Die Machbarkeitsstudie ist abgeschlossen, ein Studienauftrag mit fünf Planungsteams läuft. Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet, Baustart frühestens 2029. Das politische Fenster für stadtplanerische Weichenstellungen ist also jetzt geöffnet.

    Was die Motion konkret verlangt
    Die SP hat im Einwohnerrat beantragt, dass die städtischen Parzellen nur im Baurecht abgegeben werden. Die Bedingung dabei ist, dass ein gemeinnütziger Anbieter darauf Wohnungen zur Kostenmiete erstellt, also ohne Gewinnaufschlag, nur zu tatsächlichen Kosten. Gemeinnützige Wohnungen sind in der Schweiz im Schnitt rund 20 bis 25 Prozent günstiger als vergleichbare Marktangebote.

    Warum der Zeitpunkt stimmt
    Die Schweizer Leerwohnungsziffer ist 2025 auf 1,0 Prozent gesunken, den tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Der Druck auf den Mietwohnungsmarkt wächst schweizweit. Auch in Zofingen sind die Immobilienpreise in den letzten 25 Jahren um über 56 Prozent gestiegen. Neubauten der vergangenen Jahre lagen laut SP-Motion überwiegend im höheren Preissegment. Familienfreundlicher Wohnraum fehlt.

    Die Lehre aus der Unteren Vorstadt
    Im November 2025 vergab der Einwohnerrat das Areal «Untere Vorstadt» im Baurecht an die Wohnbaugenossenschaft DOMUM für 91 Wohnungen, Gewerbe und Tiefgarage. Die SP kritisiert, dass die Wohnungen zu Marktmieten angeboten werden, trotz genossenschaftlichem Träger. Genau diesen Graubereich will die Motion beim Funken-Areal ausschliessen. Wer Stadtboden bekommt, soll auch echten Mehrwert für die Allgemeinheit liefern.

    Kleiner Anteil, grosse Signalwirkung
    Stadtpräsidentin Christiane Guyer betont die Notwendigkeit einer Gesamtentwicklung des Areals statt Einzellösungen für jede Parzelle. SP-Motionär Michael Wacker ist sich bewusst, dass nicht alle Grundeigentümer Kostenmiete mittragen werden. Doch die städtischen Quadratmeter reichen für ein klares Signal. Öffentlicher Boden bleibt der Spekulation entzogen. Klein im Umfang, entscheidend im Prinzip.

  • Wolf-Areal Basel preisgünstige Wohnungen

    Wolf-Areal Basel preisgünstige Wohnungen

    Die SBB treibt die Transformation des früheren Güterbahnhofs Wolf zu einem urbanen Wohn- und Arbeitsquartier voran. Wie beim Projekt Volta Nord werden bisherige Bahnflächen für Wohnen, Arbeiten und Freizeit geöffnet.

    ​Auf zwei Baufeldern im Herzen des Areals entstehen ab 2028 rund 270 Wohnungen, die gezielt im preisgünstigen Segment positioniert sind.

    Kostenmiete und zeitgemässe Wohnformen
    Die Basler Wohngenossenschaft plant etwa 150 Genossenschaftswohnungen, Vivanta rund 120 weitere preisgünstige Einheiten. Sämtliche Wohnungen werden nach dem Prinzip der Kostenmiete realisiert, was langfristig moderate Mietzinse ermöglicht.

    ​Die Konzepte setzen auf zeitgemässe Wohnformen für unterschiedliche Lebensphasen, von Familien über Singles bis zu älteren Menschen. Gemeinschaftsräume und Begegnungszonen sollen das Quartierleben stärken und soziale Vernetzung fördern.

    Gemeinnützige Partner mit klarem Auftrag
    BWG und Vivanta verfolgen einen explizit gemeinnützigen Auftrag. Bezahlbaren Wohnraum sichern und gleichzeitig hohe Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards einhalten. Die Projekte sollen zeigen, dass ökologische Bauweisen mit tragbaren Mieten vereinbar sind.

    ​​Baurecht als Entwicklungsinstrument
    Die Vergabe der Baufelder erfolgt im Rahmen eines partnerschaftlichen Baurechtsvertrags, den SBB, das Bundesamt für Wohnungswesen und Wohnbaugenossenschaft Schweiz gemeinsam entwickelt haben. Dieses Modell schafft verlässliche Konditionen für gemeinnützige Bauträger und beschleunigt die Realisierung von preisgünstigem Wohnraum in Zentren.

    ​Mit der Entwicklung des Wolf-Areals verfolgt die SBB ihre Strategie weiter, nicht mehr betriebsnotwendige Flächen für eine moderne Stadtnutzung zu öffnen und einen substanziellen Beitrag zum bezahlbaren Wohnen zu leisten.

  • Kostenmiete und steigende Landpreise

    Kostenmiete und steigende Landpreise

    Das Modell der Kostenmiete basiert auf der kostendeckenden Verzinsung der Gesamtanlagekosten eines Neubaus. In vielen Städten entfällt inzwischen bis zur Hälfte dieser Kosten auf das Bauland. Besonders in Zürich sind die Landpreise in den letzten 15 Jahren massiv gestiegen, von CHF 1’419 pro m² im Jahr 2007 auf über CHF 5’800 im Jahr 2023.

    Selbst bei einer konservativen Berechnung liegt der Anteil des Landwerts an den Gesamtanlagekosten heute bei knapp 50 %. Das bedeutet, dass eine Senkung oder Erhöhung des Landpreises direkte Auswirkungen auf die Mietkosten hat. Um eine 10-prozentige Landpreissteigerung auszugleichen, müsste die Kostenmiete um rund 5 % steigen.

    Kostenmiete im Vergleich zur Marktmiete
    Eine Analyse der Wohnsiedlung Werdwies in Zürich Altstetten zeigt, dass die Baukosten seit 2007 um 32,5 % gestiegen sind. Die Kostenmiete einer neu errichteten Siedlung läge aktuell kaum unter der Marktmiete.

    Laut einer Berechnung mit einer Bruttorendite von 4,25 % würde die Marktmiete für eine 70-m²-Wohnung bei CHF 2’567 pro Monat liegen. Eine Reduktion der Bruttorendite auf 4 % könnte die Miete senken, doch ohne Subventionierung wäre sie nur für 56,6 % der lokalen Haushalte leistbar.

    Subventionen als Steuerungsinstrument
    Um die Mietbelastung zu reduzieren, sind verschiedene Subventionsmodelle denkbar.

    Landsubventionen: Eine öffentliche Subventionierung von 20 % des Landwerts könnte die Leistbarkeit um 7,1 Prozentpunkte erhöhen.

    Subjektförderung: Direkte Zuschüsse an Haushalte könnten gezielt jene entlasten, die es am meisten benötigen.

    Objektförderung: Eine Reduktion von Mehrwertabgaben könnte die Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum fördern, sofern klare Kontrollmechanismen bestehen.

    Raumplanung und Planungssicherheit als Schlüssel
    Ein entscheidender Hebel zur Steuerung der Wohnkosten ist die frühzeitige und transparente Festlegung von Bauvorschriften. Unsicherheit über künftige Mietregelungen oder Mehrwertabgaben kann zu Fehlinvestitionen führen.

    Um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, sollten Gemeinden Planungsmehrwerte konsequent zur Mietzinsreduktion oder zur Subjektförderung einsetzen. Zudem müssen Massnahmen darauf abzielen, die steigenden Landpreise in den Griff zu bekommen, denn ohne Eingriffe wird die Kostenmiete zunehmend auf Marktniveau steigen.