Schlagwort: Raumplanung

  • Bundesrat will Wohnbau beschleunigen

    Bundesrat will Wohnbau beschleunigen

    Der Bundesrat prüft laut seiner Mitteilung Massnahmen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus. Mit seinem Bericht vom 22. April 2026 reagiert er auf fünf Postulate aus dem National- und Ständerat. Er ist Teil des Aktionsplans Wohnungsknappheit des Bundes. Der Bundesrat hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation damit beauftragt, ihm bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage zu unterbreiten.

    Eine dieser Massnahmen soll die rechtliche Grundlage für ein nationales Interesse im Wohnungsbau schaffen. Eine solche Rechtsgrundlage hätten dann etwa Vorrang gegenüber dem Ortsbild- oder Denkmalschutz. Zudem lässt der Bundesrat die Einschränkung der Beschwerdelegitimation für Privatpersonen und der zulässigen Rügen prüfen. Zudem könnten die Verfahrenskosten für nachweislich rechtsmissbräuchliche Einsprachen den Einsprechenden auferlegt werden, nämlich dann, wenn die Einsprache erkennbar einzig zum Ziel hat, ein Projekt zu verhindern oder zu verzögern.

    Jedoch liegt die Hoheit für Planungs- und Baubewilligungsverfahren bei den Kantonen. Deshalb kann ihnen der Bundesrat nur nahelegen, zum Zwecke der Verfahrensbeschleunigung ein digitales Bewilligungsverfahren einzuführen und verbindliche Fristen festzulegen. Zudem empfiehlt der Bundesrat, Baugesuche erst dann zu veröffentlichen, wenn sie vollständig sind. Darüber hinaus weist er auch darauf hin, dass viele Bewilligungsbehörden für die Bearbeitung anspruchsvoller Dossiers personell und fachlich nicht gut genug aufgestellt sind.

  • Der Weg ist frei für Wil West

    Der Weg ist frei für Wil West

    Im zweiten Anlauf sagt die Stimmbevölkerung von St. Gallen Ja zu Wil West. Der Entscheid ist knapp, aber klar genug, um Planungssicherheit zu schaffen. Das Votum zeigt, die Region will wachsen. Gebündelt, planbar und abgestimmt über Kantonsgrenzen hinweg.

    Mit dem Landverkauf gibt St. Gallen ein ehemaliges Gutsareal der Psychiatrie Wil an den Kanton Thurgau ab. Das Wirtschaftsgebiet liegt künftig vollständig auf Thurgauer Boden, bleibt aber im unmittelbaren Einflussraum der Regio Will. Damit entsteht eine klarere Ausgangslage für Investitionen, Infrastruktur und langfristige Ansiedlungsstrategien.

    Konzentration statt Zersiedelung
    Wil West steht für ein Leitbild, das viele Regionen beschäftigt, wirtschaftliches Wachstum ermöglichen, ohne die Landschaft weiter zu zersiedeln. Statt immer neue Gewerbezonen an Ortsrändern zu streuen, bündelt der Standort künftig Firmen, Dienstleistungen und produktive Arbeitsplätze an einer verkehrstechnisch gut erschlossenen Lage.

    Geplant ist kein beliebiges Industrieareal, sondern ein moderner Arbeitsstandort. Angestrebt sind hochwertige Betriebe, die Wertschöpfung und qualifizierte Jobs bringen, ohne übermässig viel Fläche zu verbrauchen. Damit wird das Entwicklungspotenzial der Region genutzt. Für die Raumplanung ist das Projekt damit auch ein Instrument, um Wachstum zu kanalisieren, statt es dem Zufall zu überlassen.

    Infrastruktur als Entwicklungstreiber
    Besonders stark wirkt Wil West über die Infrastruktur. Mit dem Projekt verknüpfen Bund, Kantone und Region den Ausbau der Autobahn, den öffentlichen Verkehr sowie Fuss- und Veloverbindungen. Der geplante Autobahnanschluss an die A1 und eine bessere Anbindung an Bahn und Bus machen das Areal für Unternehmen attraktiv und entlasten zugleich die bestehenden Ortszentren.

    Nachhaltigkeit als Standortfaktor
    Die erste Version von Wil West ist an Bedenken gescheitert, wie Kulturlandverlust, Verkehr und ökologische Auswirkungen. In der überarbeiteten Variante spielt Nachhaltigkeit eine deutlich sichtbarere Rolle. Verdichtete Bauweisen, sorgfältigere Flächennutzung und mehr Grün- und Freiräume sollen den ökologischen Fussabdruck verringern.
    Für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, wird genau das zum Standortfaktor. Immer mehr Firmen achten bei der Wahl ihres Standorts auf Energie- und Flächenverbrauch, Erreichbarkeit ohne Auto und ein attraktives Umfeld für Mitarbeitende.
    Wil West hat die Chance, hier einen neuen Standard für Arbeitszonen zu setzen, wenn Qualitätssicherung, Etappierung und Kriterien für Ansiedlungen konsequent durchgezogen werden.

    Chancen nutzen, Erwartungen managen
    Mit dem Ja zur Vorlage steigen nun auch die Erwartungen. Politik und Verwaltung müssen Tempo aufnehmen, ohne in Hektik zu verfallen. Die Region braucht klare Leitplanken, welche Branchen sollen kommen? Welche Dichte ist gewünscht? Wie wird die Entwicklung über Jahrzehnte gesteuert, ohne bei jedem Konjunkturwechsel die Strategie zu wechseln?

  • Raumplanung seit 1. Januar 2026 für Gemeinden

    Raumplanung seit 1. Januar 2026 für Gemeinden

    Bundesrahmen, kantonale Spielregeln
    Beim Mehrwertausgleich hat das Parlament die Rollen neu geordnet. Klar ist: Die bundesrechtliche Pflicht zur Mehrwertabgabe bezieht sich nur noch auf Einzonungen; für andere erhebliche Planungsvorteile wie Auf- und Umzonungen sind die Kantone zuständig. Im Kanton Aargau erfolgt der Ausgleich solcher Vorteile im Rahmen verwaltungsrechtlicher Verträge – nicht über Verfügungen. Für die Gemeinden heisst das: Sie müssen aktiv verhandeln, sauber dokumentieren und ihre Praxis eng am kantonalen Recht ausrichten.

    Solar an der Fassade
    Solaranlagen an Fassaden sind in Bau- und Landwirtschaftszonen neu grundsätzlich bewilligungsfrei, sofern sie als genügend angepasst gelten. Die Meldung erfolgt über die kantonale Plattform; das formelle Baubewilligungsverfahren entfällt. Wie die Anpassung konkret zu verstehen ist, definiert Art. 32abis RPV und eröffnet zugleich einen gewissen Spielraum für kommunale Gestaltungsvorschriften. Gemeinden können gebietsbezogene Regeln erlassen, dürfen die Nutzung der Sonnenenergie aber nicht übermässig einschränken. Unverändert bewilligungspflichtig bleiben Anlagen an Kultur- und Naturdenkmälern von kantonaler oder nationaler Bedeutung sowie an Gebäuden mit Substanzschutz oder in sensiblen Orts- und Landschaftszonen.

    Solar über Parkplätzen
    Neu gelten in Bauzonen Tragstrukturen für Solaranlagen über oder am Rand von Parkplatzarealen mit 15 oder mehr Parkplätzen direkt als zonenkonform. Die Gemeinden können diese Grundordnung aber präzisieren. Sie dürfen Areale bezeichnen, auf denen solche Strukturen ausgeschlossen oder nur unter Auflagen zulässig sind, oder umgekehrt kleinere Parkplatzareale für zonenkonform erklären. Damit wird der Parkplatz zur strategischen Energiefläche. Vorausgesetzt, die Gemeinden nutzen ihre Autonomie und definieren klare Ziele für Ortsbild, Klimaschutz und Energieproduktion.

    Neue Planungsgrundsätze
    RPG 2 führt einen neuen Planungsgrundsatz zur Nutzung des Untergrunds ein. Unterirdische Nutzungen sind künftig frühzeitig mit den oberirdischen Nutzungen und den betroffenen Interessen abzustimmen. Gleichzeitig wird der Vorrang der Landwirtschaft in der Landwirtschaftszone ausdrücklich im Gesetz verankert. Landwirtschaftliche Nutzungen sollen gegenüber nichtlandwirtschaftlichen Anliegen stärker gewichtet werden, etwa durch Erleichterungen beim Immissionsschutz, sofern das landwirtschaftliche Interesse überwiegt. Für die Praxis der Nutzungsplanung bedeutet das weniger einen Kurswechsel als eine Akzentverschiebung: Die bekannten Interessenabwägungen nach Art. 3 RPV bleiben, erhalten aber klarere Leitplanken, die im Planungsbericht sichtbar zu machen sind.

    Zonenkonform und ohne Planungspflicht
    Anlagen zur Gewinnung und zum Transport von Energie aus Biomasse können unter erleichterten Voraussetzungen in der Landwirtschaftszone zonenkonform sein. Neu ist ausdrücklich festgehalten, dass solche zonenkonformen Biomasseanlagen nicht der Planungspflicht unterliegen, auch wenn sie raumwirksam sind. Damit reagiert der Gesetzgeber auf frühere Rechtsprechung, die bei biomassebasierten Energieanlagen teils eine Planungspflicht annahm. Für Gemeinden und Kantone verschiebt sich die Diskussion damit stärker in Richtung Bewilligungs- und Auflagenpraxis statt in Richtung Nutzungsplanung.

    Bauen ausserhalb Bauzonen
    Auch ausserhalb der Bauzonen bringt RPG 2 spürbare Neuerungen. Grundsätzlich bleibt es dabei, dass Baugesuche nur mit Zustimmung des Kantons bewilligt werden können. Für kommunale Behörden ändern sich vor allem die materiellen Kriterien, an denen Projekte gemessen werden. Der Vorrang der Landwirtschaft wird gestärkt und soll sich auch bei Erleichterungen im Geruchs- und Lärmschutz auswirken.

    Gleichzeitig verbessert das neue Recht die Rahmenbedingungen für Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Biomasseanlagen in der Landwirtschaftszone gelten bei Erfüllung bestimmter Anforderungen als zonenkonform und brauchen keine vorgängige Planung, selbst wenn sie sich nicht mehr dem Landwirtschaftsbetrieb unterordnen, sondern lediglich Teil davon sind. Für nicht zonenkonforme Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie und für thermische Netze werden die Voraussetzungen für Ausnahmebewilligungen gelockert, sofern sie zur Reduktion fossiler Energieträger beitragen.

    Infrastruktur, Mobilfunk und Rückbau
    Für Infrastrukturanlagen ausserhalb der Bauzonen gilt neu der Grundsatz der Bündelung an möglichst unempfindlichen Standorten. Mobilfunkanlagen können explizit auch ausserhalb der Bauzone bewilligt werden, sofern der Standort dort wesentliche Vorteile gegenüber einer Lage innerhalb der Bauzone bietet. Schliesslich wird die Verjährung von Rückbauverfügungen vereinheitlicht. Unrechtmässige Bauten und Anlagen sind nach 30 Jahren grundsätzlich nicht mehr rückbaubar, unabhängig davon, ob sie innerhalb oder ausserhalb der Bauzone stehen. Ausgenommen bleiben Konstellationen, in denen Polizeigüter wie öffentliche Ordnung, Ruhe, Sicherheit oder Gesundheit gefährdet sind.

    Für die Gemeinden eröffnet das revidierte Raumplanungsrecht neue Spielräume, bei Solarenergie, Biomasse, Infrastruktur und der Gewichtung landwirtschaftlicher Interessen. Entscheidend wird sein, diese Freiräume aktiv zu gestalten, sie in Nutzungsplanung und Bewilligungspraxis zu verankern und die neuen Grundsätze transparent zu dokumentieren.

  • Qualität gewinnen, Verfahren verschlanken

    Qualität gewinnen, Verfahren verschlanken

    Seit der Revision des Raumplanungsgesetzes gilt haushälterische Bodennutzung als Leitplanke, doch in der Praxis bleiben Verfahren oft langsam und schwerfällig. Interessen prallen aufeinander, Zuständigkeiten sind nicht immer klar, Einsprachen können Projekte über Jahre blockieren.

    Wer Innenentwicklung voranbringen will, muss daher früher ansetzen. Projektträger, Planende, Behörden, Politik und Umsetzende sollten bereits vor dem Baugesuch in einen strukturierten Dialog eintreten. So lassen sich Konflikte klären, Qualität definieren und Verfahren von Anfang an auf ein realistisches Zielbild ausrichten.

    Fünf Faktoren für bessere Verfahren
    Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen, Gemeinden und Bauwirtschaft haben in einem mehrjährigen Dialog fünf Erfolgsfaktoren identifiziert. Es braucht Haltung, einen frühzeitigen und strukturierten Dialog, klare Zuständigkeiten, Akzeptanz und Alltagsnutzen der Projekte sowie eine saubere strategische Einbettung.

    Was häufig fehlt, ist weniger fachliches Wissen als die konsequente Anwendung im Alltag. Verlässlichkeit zwischen den Akteuren, der Wille zur Umsetzung und Werkzeuge, die helfen, komplexe Verfahren pragmatisch zu steuern. Entsprechende Arbeitshilfen wurden an der Swissbau im Januar 2026 vorgestellt und danach online zur Verfügung gestellt. Als konkrete Unterstützung, um «Bauen einfacher zu machen».

    Beitrag der Bauwirtschaft
    Die Bauwirtschaft bringt sich aktiv in die Suche nach Lösungen ein. Etwa im Rahmen des Aktionsplans Wohnungsknappheit von Bundesrat Guy Parmelin und auf Basis von Studien von ARE und BWO. Aus dieser Arbeit ist ein Konzept für ein zweiphasiges Baubewilligungsverfahren entstanden. Zuerst werden Nutzung und Architektur geklärt, erst danach folgen technische Aspekte und Normen.

    Begleitet werden soll dieses Modell von einer konsequenten Digitalisierung entlang des gesamten Prozesses. Das Ziel ist die Planungssicherheit zu erhöhen, Schleifen vermeiden, Schnittstellen klären und damit sowohl die Verfahrensdauer als auch den Aufwand für alle Beteiligten reduzieren. Das Konzept versteht sich als Diskussionsgrundlage und macht die Sicht der Branche für Behörden, Politik und Öffentlichkeit greifbar.

    ISOS, Ortsbildschutz und Gemeindeautonomie
    Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit ISOS sowie Denkmal- und Ortsbildschutz. In den Dialogen auf Bundesebene wurde festgehalten, dass Kantone und Gemeinden bei der Erfüllung eigener Aufgaben, etwa beim Wohnungsbau, von ISOS-Erhaltungszielen abweichen können, wenn überwiegende Interessen vorliegen. Das stärkt die kommunale Handlungsspielräume und erleichtert Abwägungen vor Ort.

    Bis Herbst 2026 ist eine Anpassung der Verordnung geplant, um die Direktanwendung von ISOS auf tatsächlich ortsbildrelevante Fälle zu fokussieren. Parallel wird geprüft, wie eine neue Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen die Praxis weiterentwickeln könnte. Ein entsprechendes Kommissionspostulat des Nationalrats ist überwiesen. Die Bauwirtschaft begleitet diesen Prozess eng und fordert, dass Schutz und Entwicklung in ein tragfähiges Gleichgewicht kommen.

    Schnelle, digitale und qualitätsvolle Bewilligungsverfahren
    Der Kurs ist gesetzt, die Branche setzt sich für schlankere, digitale und schnellere Baubewilligungsverfahren ein, mit einem klaren Fokus auf zweistufige Verfahren, praxisnahe Arbeitshilfen und verlässliche Kooperation.

    Denn die Innenentwicklung der Schweiz gelingt nur dann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Mit transparenten Prozessen, klaren Zuständigkeiten und Projekten, die sowohl qualitativ überzeugen als auch den dringend benötigten Wohn- und Arbeitsraum schaffen.

  • Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Herr Gobbi, Sie sind seit kurzem für das Bauwesen im Kanton Tessin zuständig. Was sind Ihre ersten Prioritäten in diesem Bereich?
    „In meiner neuen Funktion als Leiter der Bauabteilung, die ich seit dem 1. September innehabe, besteht die Priorität darin, Kontakte mit allen wichtigen Akteuren des Tessiner Bausektors zu knüpfen, um deren Sicht auf die aktuelle Situation und die Aussichten – kurz-, mittel- und langfristig – zu verstehen.“

    Wie wollen Sie die Raumplanung im Tessin nachhaltiger gestalten, insbesondere im Hinblick auf das empfindliche Gleichgewicht zwischen Verdichtung und Landschaftsschutz?
    „Der Kanton Tessin hat eine ganz andere geografische Beschaffenheit als die Kantone des Mittellandes. Alles konzentriert sich auf die wenigen Quadratmeter der Talsohlen, die bereits im 20. Jahrhundert stark anthropisiert wurden: Das macht es sehr schwierig, alle Funktionen, die das Gebiet erfüllen muss, unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit und Lebensqualität zu gewährleisten. Der Schlüssel liegt in einer vorausschauenden Planung und in der Geduld, die Fehler der Vergangenheit Schritt für Schritt zu korrigieren.“

    Welche Rolle spielt der Klimawandel in Ihrer Baupolitik? Gibt es konkrete Pläne für klimaresilientes Bauen im Kanton?
    „Das Tessin erstreckt sich von 200 bis über 3.000 Meter über dem Meeresspiegel und ist daher den Auswirkungen des Klimawandels besonders ausgesetzt. Der Staatsrat ist sich dessen bewusst und hat die Abschwächung dieser Phänomene in die Ziele seines langfristigen Programms aufgenommen.“

    Wie stehen Sie zur Förderung des Einsatzes von Holz und modularer Bauweise in öffentlichen Gebäuden?
    „Mehr als 50 Prozent der Fläche unseres Kantons sind von Wäldern bedeckt. Es ist daher klar, dass wir ein Interesse daran haben, die Nutzung dieser reichlich vorhandenen und hochwertigen Ressource zu fördern. Der Staat ist da und wird seinen Teil dazu beitragen: Ich erwarte auch kreative Impulse von unserer Akademie für Architektur und natürlich eine wachsende Sensibilität seitens des Privatsektors.“

    Der Wohnraum im Tessin wird immer knapper und teurer. Welche Strategien wollen Sie anwenden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
    „Unsere Verfassung überträgt die Verwaltung dieser Fragen in erster Linie den Gemeinden: Ich halte dies für eine kluge Entscheidung, denn die lokalen Behörden kennen das Geschehen vor Ort sehr genau und können daher rasch auf Veränderungen im Wohnungswesen reagieren. Abgesehen davon verfolgt der Kanton das Thema sehr genau und ist bereit, auf regulatorischer Ebene zu intervenieren, wenn es angebracht ist.“

    Wie gedenkt der Kanton mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten, um eine kohärente und einheitliche Raumplanung zu gewährleisten?
    „Das neue Bundesgesetz hat einen völligen Paradigmenwechsel bewirkt, den das Tessin in seinen Masterplan aufgenommen hat: Es ist klar, dass das Thema der Verdichtung – aus Gründen, die mit der von mir erwähnten Beschaffenheit des Gebiets zusammenhängen – für unseren Kanton besonders heikel ist. Die Umsetzung dieser Strategie wird eine breite Debatte sowohl unter den Institutionen als auch in der Gesellschaft insgesamt erfordern.“

    In der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ist die Wirtschaftsförderung sehr aktiv. Wie viel Energie investieren der Kanton bzw. die einzelnen Wirtschaftsbezirke in die Positionierung, und was tun sie konkret?
    „Das Tessin arbeitet ständig daran, sich als dynamische Region zu positionieren, die offen für Innovationen ist. Wir sind nur knapp zwei Stunden von den wirtschaftlichen Zentren Zürich und Mailand entfernt, und wir können in Zukunft danach streben, Realitäten zu beherbergen, die mit der Dynamik dieser Metropolen verbunden bleiben wollen, ohne notwendigerweise Nachteile in Bezug auf die Lebensqualität in Kauf nehmen zu müssen.“

    Welche Lehren ziehen Sie aus Ihrer Zeit als Sicherheitsdirektor für Ihre neue Rolle in der Bauindustrie?
    „Die Aufmerksamkeit für Sicherheit ist eine ‚Denkweise‘, und sie hilft in allen Lebenssituationen – besonders in Berufen, in denen Menschen dem Risiko schwerer oder sogar tödlicher Unfälle ausgesetzt sind. Daher wird es für mich eine Priorität sein, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und eine Bauindustrie anzustreben, in der Menschen arbeiten können, ohne jemals um ihre Sicherheit fürchten zu müssen.“

    Wie schaffen Sie den Übergang von einem stark auf Sicherheit ausgerichteten Bereich zu einem eher technischen?
    „Unser Milizsystem ermutigt uns, ‚aufgeklärte Amateure‘ zu sein, eine Überspezialisierung zu vermeiden und das Bewusstsein zu bewahren, dass die Arbeit des Staates nicht aus wasserdichten Abteilungen besteht, sondern aus miteinander verbundenen Organen, die in ständigem Dialog arbeiten müssen.“

    Sehen Sie Ihre neue Rolle als eine langfristige Aufgabe oder eher als eine Übergangslösung bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2027?
    „Wie ich schon oft gesagt habe, ist die Landverwaltung meine große Leidenschaft nach den Institutionen.“

  • Zukunft bauen heisst Verantwortung übernehmen

    Zukunft bauen heisst Verantwortung übernehmen

    Herr Binkert, Sie sind seit Jahrzehnten in der Immobilienentwicklung tätig. Was treibt Sie persönlich an, und welche Vision verfolgen Sie für die Zukunft der Architektur und Immobilienentwicklung?Immobilienentwicklung ist auch Raumentwicklung. Mit jedem Bauwerk verändern wir unsere Umwelt, den Raum um uns herum. Diese Veränderung soll eine Verbesserung sein, nicht eine Verschlechterung. Mich beschäftigt die Frage nach den Regeln, die wir beachten müssen, damit unsere gebaute Umwelt nachhaltig, lebenswert und zukunftsfähig bleibt. Ich sehe die Zukunft der Immobilienentwicklung in einer kreativen, ganzheitlichen Planung, die gesellschaftliche Bedürfnisse mit technologischen Möglichkeiten verbindet und dabei den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt stellt.

    Welches Projekt hat Sie besonders geprägt?
    Jedes Projekt erweitert den Erfahrungshorizont – aber Greencity Zürich war für mich ein Wendepunkt. Dort entwickelten wir für Losinger Marazzi erstmals konkrete Regeln, wie ein Stadtteil geplant, gebaut und betrieben werden muss, um als wirklich nachhaltig zu gelten. Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie tiefgreifend Nachhaltigkeit wirken kann, wenn sie systematisch gedacht und umgesetzt wird. Dass daraus Losinger Marazzi als erster «Grüner Generalunternehmer» der Schweiz hervorging, war ein starkes Zeichen dafür, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich ein Erfolgsmodell sein kann.

    Als Präsident der 2000-Watt-Smart-Cities Assoziation setzen Sie sich für nachhaltige und energieeffiziente Städte ein. Wie integrieren Sie Nachhaltigkeitsaspekte konkret in Ihre Projekte?
    In Greencity Zürich haben wir erstmals umfassende Regeln für Planung, Bau und Betrieb eines nachhaltigen Stadtteils entwickelt. Daraus entstand das Label «2000-Watt-Areal», das schweizweit über 50 Stadtquartiere zertifizieren konnte. Heute entwickeln wir es unter Autorisierung des Bundesamts für Energie weiter – mit Blick auf die Smart City. So konnten wir kürzlich das erste Projekt in Indien zertifizieren.

    Die grösste Herausforderung bleibt die Balance zwischen ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit – insbesondere international. In China sind gesellschaftliche Forderungen schwer umsetzbar, in Brasilien fehlt oft das Umweltverständnis, in den Emiraten ist Wirtschaftlichkeit kein Thema. Auch in der Schweiz braucht es Empathie, Verständnis und einen langen Atem, um tragfähige, nachhaltige Lösungen durchzusetzen.

    Sie haben internationale Erfahrung, unter anderem in den USA und Indien. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sehen Sie in der Stadtentwicklung zwischen der Schweiz und diesen Ländern?
    Der Hauptunterschied liegt im Wachstumstempo: Schwellenländer mit schnell wachsender Bevölkerung brauchen rasch und günstig viel neuen Raum – oft auf Kosten der Qualität. Nachhaltigkeit ist dort ein Versprechen für die Zukunft, dem oft mit Skepsis begegnet wird. Nachhaltigkeit kostet kurzfristig viel, bringt aber erst langfristig Erträge, dafür decken sie dann die Kosten gemäss unseren Annahmen um ein Vielfaches.

    In der westlichen Welt – wo das Wachstum stagniert oder rückläufig ist – stehen andere Werte im Vordergrund: Soziale Gerechtigkeit, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität. Nachhaltige Entwicklung wird hier zunehmend als Voraussetzung für Lebensqualität verstanden. Die Forderung, dass der Westen auch für die nachhaltige Entwicklung in den Schwellenländern aufkommen müsse, bringt allerdings auch wohlhabende Länder wie die Schweiz an ihre Grenzen.

    Welche Trends sehen Sie in der zukünftigen Stadt- und Arealentwicklung und wie stellen Sie sich die Wohnformen der Zukunft vor, insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel, die zunehmende Urbanisierung und Verdichtung?
    Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Bauwirtschaft muss dringend aufholen in Bereichen wie Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz. Noch immer bauen wir «brick and mortar» – wie zur Römerzeit. Dabei haben sich die menschlichen Grundbedürfnisse kaum verändert, die technischen Möglichkeiten aber sehr wohl. Die Megatrends – demografischer Wandel, Gesundheit, Future of Work, Klimakrise – erfordern neue Antworten auf die Frage, wie wir wohnen. Wir müssen den Mut aufbringen, den Status-Quo zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und Lösungen auszuprobieren, die es in der Vergangenheit noch nicht gab.

    Die «Verhäuselung der Schweiz» kann nicht so weitergehen. Was in einer Schweiz mit 6 Mio. Einwohnern und beschränkter Mobilität noch funktionierte, führt heute zum Kollaps. Wir müssen uns wieder vermehrt als Teil des Universums verstehen, in dem wir nur eine von vielen Arten sind – nicht als Dominatoren. Wir sehen täglich die Folgen unseres kurzsichtigen Umgangs mit endlichen Ressourcen, mit abnehmender Biodiversität und der Verschleuderung von Energie.

    Wir werden in Zukunft zusammenrücken, Platz für Andere schaffen, effizienter und suffizienter leben. Damit das unsere Lebensqualität nicht schmälert, müssen wir dazu die technologischen Möglichkeiten, die sich uns heute schon bieten, und jene, die wir zukünftig entwickeln werden, besser nutzen. Wir werden urbaner leben als heute, wir werden die Bedürfnisse des täglichen Lebens in Fussgängerdistanz befriedigen, wir werden besser vernetzt sein.

    Wir haben mittlerweile 9 Millionen Einwohner erreicht in der Schweiz. Die Immobilienbranche redet seit längerem von einer 10-Millionen-Schweiz. Sind wir aus Ihrer Sicht genug vorbereitet darauf und wo sehen Sie noch Nachholbedarf?
    Auch die Vorstellung der 10-Millionen-Schweiz ist bereits überholt. Wenn wir unserer alternden Gesellschaft ein komfortables Leben ermöglichen wollen, brauchen wir zusätzliche junge und gut ausgebildete Arbeitskräfte, dann brauchen wir die 12-Millionen-Schweiz! Den zu erwartenden Migrationsströmen von Klimaflüchtlingen und Kriegsflüchtlingen müssen wir nachhaltige Lösungen anbieten, ohne aber unsere Kultur und Geschichte zu gefährden. Je schneller und besser wir uns darauf vorbereiten, desto mehr werden wir auch davon profitieren können.

    Wir sind auf die exogenen Paradigmenwechsel schlecht vorbereitet. Wir nehmen den Sog der Grossstädte zwar wahr, stellen diesem aber keine Alternativen gegenüber. Wir arbeiten immer noch mit Zonenplänen, obwohl diese unsere Produktion und unsere Lebensart nicht mehr abzubilden vermögen. Wir starren gebannt auf die erfolgreichen Publikumsmagnete Zürich, Basel und Genf, statt die schlummernden Qualitäten von Kleinstädten wie Lenzburg, Brugg, Wetzikon oder Glarus wahrzunehmen und zu nutzen. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

    Unsere Vision der Smart City Switzerland ist nicht eine Megacity mit ausufernder Agglomeration – ganz im Gegenteil: Wir schlagen vor, wieder kleinteiliger zu werden. Nicht die grossen Schweizerstädte sollen wachsen, sondern die mittelgrossen und die gut vernetzten kleineren Städte werden verdichtet und urbanisiert – mit viel Grünraum dazwischen. Zur Urbanisierung gehört die Verbesserung des Angebots, die kulturelle Aufwertung, insbesondere aber auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Und dort, wo die Forschung zur Siedlungsentwicklung Lücken im Städtenetz ortet, müssen wir auch den Mut aufbringen, neue Städte zu bauen.

    Welche Rollen und langfristige Vision sehen Sie für den Wirtschaftsraum Glarus und welche Schlüsselprojekte werden die kommenden Jahre prägen?
    Glarus Nord ist das wirtschaftliche Rückgrat des Kantons – mit seiner Lage, seiner Infrastruktur und seiner Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich bietet es enormes Potenzial für Produktion und Dienstleistungen. Glarus Süd hingegen punktet mit Natur, Freizeitwert und Lebensqualität. Diese beiden Räume sollten viel stärker im Sinne einer funktionalen Symbiose gedacht werden. Die Vision Glarus 2030 zeigt dafür klare Perspektiven, aber sie muss noch breiter getragen werden. Schlüsselprojekte in Näfels-Mollis und Niederurnen-Oberurnen wären ideale Katalysatoren, werden aber bisher zu wenig genutzt – auch nicht in der kürzlich festgesetzten kommunalen Richtplanung. Eng gefasste kantonale und bundesrechtliche Vorgaben zur Bauzonendimensionierung bremsen dabei die Entwicklung – hier braucht es Spielraum für zukunftsgerichtete Lösungen.

    Eine der Masterarbeiten Ihrer Studenten analysiert Glarus Nord als potenzielles Subzentrum im Wirtschaftsraum Zürich. Wie schätzen Sie das Entwicklungspotenzial dieser Region ein, insbesondere mit Blick auf Infrastruktur, Branchen, Arbeitsplätze
    und Wohnen?

    Das Potenzial von Glarus Nord ist beeindruckend. Unsere Studien zur Smart City Switzerland zeigen, dass beidseits des Walensees Platz für eine mittelgrosse Stadt vorhanden wäre – ob diese aber in Glarus Nord, Ausserschwyz oder im Sarganserland entsteht, hängt letztlich vom politischen Willen der Bewohner ab.
    Die erwähnte HSLU-Masterarbeit untersucht die Beziehung zwischen der Grossstadt Zürich und umliegenden Subzentren (Knoten zweiter Zentralität). Der heutigen Situation des Brain-Drains und der Salär-Söldner, die zwischen dem ländlichen Raum Glarus und dem städtischen Zürich hin- und herpendeln, wird die Vision der 15-Minuten-Stadt Glarus Nord gegenübergestellt. Die Masterarbeit bestätigt die gegenseitige Abhängigkeit von Raumplanung und Wirtschaftsförderung, von Verdichtung und Nutzungsvielfalt, von Arbeitsplätzen und Wohnraum.

    Was muss aus planerischer und politischer Sicht passieren, damit Glarus nicht nur mitwächst, sondern auch mitgestaltet?
    Aus der Perspektive von Smart City Switzerland muss das Bundesamt für Raumentwicklung ARE die gesamtschweizerische Raumplanung überarbeiten und neue Freiräume für die verdichtete Siedlungsentwicklung schaffen. Auf dieser Grundlage können bestehende Städte verdichtet, oder sogar neue Regionalstädte (Knoten zweiter Zentralität) und Kleinstädte (Knoten dritter Zentralität) entwickelt werden.

    Für Glarus heisst das konkret: aktives Lobbying in Bern, um Glarus Nord als Wirtschaftsstandort zu positionieren. Nur so kann sich der Kanton aus der Rolle des passiven Mitläufers im Finanzausgleich befreien. Es braucht eine klare Entscheidung zwischen Abwarten und aktiver Mitgestaltung. Wer mitgestalten will, muss investieren – in Planung und Entwicklung, Infrastrukturen, Standortmarketing und politische Überzeugungsarbeit.

    Welche Rolle spielt der kantonale Richtplan dabei und welche Einflussmöglichkeiten gibt es auf kommunaler Ebene?
    Der kantonale Richtplan reflektiert die heutige Situation und denkt diese linear weiter. Die Paradigmenwechsel, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, werden darin nicht abgebildet. Der Richtplan bietet auch ungenügende Flexibilität, um auf die neuen exogenen und endogenen Herausforderungen reagieren zu können.

    Die Einflussmöglichkeiten auf die übergeordnete Richtplanung sind beschränkt. Die Kommune ist vom Kanton abhängig, und der Kanton seinerseits vom Bund. Zudem macht die Forderung nach Planbeständigkeit jede Innovation schwierig. Die Reaktionszeiten sind zu lang. Dennoch gibt es Hebel: Pilotprojekte und Entwicklungsschwerpunkte (ESP) ermöglichen es, innovative Ideen zu testen und neue Stadtmodelle zu erproben.

    Der heutige 105. immoTable in Glarus leistet einen wichtigen Beitrag zur dringend nötigen Diskussion, ob Glarus zum Standort für die Zukunft werden will.

  • Neue Empfehlungen für besseren Schutz hochwertiger Böden

    Neue Empfehlungen für besseren Schutz hochwertiger Böden

    Durabilitas hat gemeinsam mit Partnern in einem mehrjährigen Projekt Empfehlungen zur besseren Berücksichtigung von Böden in der Raumplanung erarbeitet. Sie sind auf Agierende auf den drei Staatsebenen Bund, Kantone und Gemeinden ausgerichtet, informiert die Stiftung für nachhaltige Entwicklung in einer Mitteilung. Sie basieren auf der Anwendung des Bodenqualitätsindex (BodenQI), der in Ländern wie Deutschland, Österreich und Belgien bereits seit mehreren Jahren angewendet wird.

    Für die nun vorgestellten Empfehlungen haben Durabilitas und Partner zum einen die Anwendung des BodenQI in diesen Ländern ausgewertet. Zum anderen wurde die Anwendung des BodenQI in Schweizer Pilotprojekten analysiert. Ergänzt wurde das Projekt durch die Auswertung einer nationalen Begleitgruppe aus Fachleuten unterschiedlicher Fachrichtungen.

    Mit dem BodenQI kann die Qualität von Böden erfasst und kartographisch dargestellt werden. Er bietet damit «eine einfache Planungshilfe, um beispielsweise bauliche Tätigkeiten möglichst auf Standorte mit geringerer Bodenqualität zu lenken und hochwertige Böden zu erhalten», heisst es in der Mitteilung.

  • Digitales Werkzeug für die Arealentwicklung

    Digitales Werkzeug für die Arealentwicklung

    Arealentwicklungen gehören zu den anspruchsvollsten Aufgaben kommunaler Planung. Gerade kleinere Gemeinden stehen vor strukturellen Hürden. Es fehlen Ressourcen, der Zugang zu IT-Werkzeugen ist begrenzter und mangelnde Standards erschweren fundierte Entscheidungen. Mit dem digitalen Leitfaden entsteht nun ein Werkzeug das modular aufgebaut, anwenderfreundlich und technisch präzise, diese Lücke schliesst. 

    Zusammenspiel von Wissen und Technik 
    Das Projekt vereint interdisziplinäres Know-how der Institute für Raumentwicklung (IRAP) und Institut für Informations- und Prozessmanagement (IPM). Herzstück ist ein digital unterstützter Leitfaden, der Planungsprozesse systematisch strukturiert und automatisierte Analysen ermöglicht. Recherche, Bewertung und Variantenentwicklung lassen sich damit effizienter gestalten. Gemeinden erhalten ein Instrument, das Planungsqualität verbessert, unabhängig von ihrer Grösse. 

    Arbeitsplatzgebiete im Fokus 
    Während sich die Innenentwicklung bisher vor allem auf Wohn- und Mischzonen konzentrierte, rückt dieses Projekt gezielt Arbeitsplatzgebiete ins Zentrum. Gerade in Zeiten knapper Flächen entscheidet die strategische Entwicklung solcher Gebiete über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und Standorten. Der digitale Leitfaden liefert hierfür eine bislang einzigartige Lösung in der Schweiz. 

    Partizipation durch Echoraum sichert Qualität 
    Um eine praxisgerechte Anwendung zu garantieren, wurde ein Echoraum eingerichtet. Dieses Gremium aus Fachleuten kommunaler Verwaltungen und Planungsbüros bringt wertvolle Expertise ein. Beim ersten Treffen am 24. Januar 2025 in St. Gallen diskutierten die Beteiligten grundlegende Anforderungen und legten das weitere Vorgehen fest. Der Dialog zwischen Forschung und Praxis ist damit früh verankert. 

    Effizient und nachhaltig in die Zukunft planen und entscheiden 
    Die finale Softwarelösung soll einfach zu bedienen sein. Sie ermöglicht eine objektive und systematische Bewertung nach relevanten Nachhaltigkeitskriterien von Entwicklungsszenarien und fördert dadurch fundierte Entscheidungen in Politik und Verwaltung. Der kreative Entwurfsprozess bleibt dabei erhalten, ergänzt durch digitale Effizienz und belastbare Vergleichswerte. 

    Zeithorizont und Perspektive 
    Das Projekt startete im Juni 2024 und läuft bis Mai 2026. Es versteht sich als Beitrag zu einer zeitgemässen, digital gestützten Raumplanung. Die Vision ist eine nationale Kompetenzplattform, die Arealentwicklung greifbar, skalierbar und qualitativ hochwertig macht.   

  • Internationale Plattform für die Raumplanung

    Internationale Plattform für die Raumplanung

    Unter dem Motto «P:ITte alle umsteigen ‘Raum & Mobilität’ integriert» lud die Ostschweizer Fachhochschule vom 9. bis 13. April 2025 zum 76. Treffen ein. Rund 150 Studierende der Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung folgten der Einladung nach Rapperswil-Jona. Das von engagierten Bachelor-Studierenden organisierte Treffen bot eine Plattform für den internationalen Austausch, für Networking und fachliche Diskussionen über die Zukunft der Raum- und Verkehrsplanung.

    Fachliche Impulse für die Verkehrswende
    Im Zentrum stand die Frage, wie Mobilität nachhaltig gestaltet und mit der Stadtentwicklung sinnvoll verzahnt werden kann. Anhand konkreter Beispiele aus der Region untersuchten die Teilnehmenden unter anderem die Bahnhofstrasse in Rapperswil und die Funktion von Verkehrsdrehscheiben wie dem Bahnhof Jona. Die interaktiven Workshops und Exkursionen machten deutlich, erfolgreiche Raumplanung erfordert integrierte Lösungen, die Siedlung und Verkehr als Einheit denken.

    Vernetzung über Landesgrenzen hinweg
    Das PlanerTreffen ist die wichtigste Konferenz der Studierenden für Stadt- und Raumplanung im deutschsprachigen Raum. In rotierender Organisation durch die Fachschaften bietet das Treffen fachliche Weiterbildung und auch wertvolle internationale Vernetzung. Das nächste Treffen wird an der TH Lübeck und der HCU Hamburg stattfinden und die Diskussion über zukunftsfähige Raumkonzepte fortsetzen.

  • Zürich als Pilotstadt für CO₂-Messungen

    Zürich als Pilotstadt für CO₂-Messungen

    Zürich wurde gemeinsam mit Paris und München als Pilotstadt für das EU-Projekt „ICOS Cities“ ausgewählt. Ziel des Projekts ist es, die CO₂-Emissionen von Städten präzise zu messen und mittels Modellen nachvollziehbar zu machen. Dies ist entscheidend, um Fortschritte bei der Emissionsreduktion aufzuzeigen und die Klimaziele effizient zu erreichen.

    Die Empa erweitert dazu ein bestehendes CO₂-Messnetz auf 60 Standorte in der Stadt. Günstige Sensoren erfassen unauffällig Daten an Strassenlaternen und Bäumen. Ergänzend wurden komplexere Instrumente an Mobilfunkantennen installiert und präzise Messungen auf einem Messturm durchgeführt. „Es gibt keine Diät ohne Waage“, erklärt Lukas Emmenegger von der Empa, und betont die Bedeutung zuverlässiger Daten.

    Von der Messung zur Modellierung
    Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, die punktuellen Messungen in präzise Modelle zu übersetzen. Diese zeigen nicht nur, wo CO₂ entsteht, sondern berücksichtigen auch Faktoren wie Wetter und natürliche Kreisläufe. Die Empa entwickelt dafür zwei Modelle, ein Stadtmodell, das Emissionen kilometerweise aufschlüsselt und ein Hochauflösungsmodell, das sogar Emissionen einzelner Gebäude sichtbar macht.

    Die Ergebnisse sind vielversprechend: Während der Energiekrise im Winter 2022/23 konnten die Forschenden eine deutliche Reduktion der Emissionen messen und modellieren. „Unsere Modelle funktionieren“, bestätigt Dominik Brunner, Experte für CO₂-Modellierung bei der Empa.

    Ein Kochbuch für die Klimazukunft
    Das Projekt „ICOS Cities“ läuft bis 2025. Ziel ist es, eine Art „Kochbuch“ zu entwickeln, ein Leitfaden, wie Städte ihre Emissionen messen, analysieren und reduzieren können. Zürichs Rolle als engagierte Partnerstadt macht die Stadt zu einem Vorreiter. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse Zürich helfen, seine Klimaziele zu erreichen“, so Emmenegger.

    Mit diesem Wissen könnte Zürich nicht nur eigene Fortschritte beschleunigen, sondern auch als Modell für andere Städte in Europa dienen.

  • Weichen für die Zukunft in Teilrevision 2024

    Weichen für die Zukunft in Teilrevision 2024

    Um den aktuellen Entwicklungen gerecht zu werden, wird der kantonale Richtplan regelmässig überprüft und angepasst. Die Teilrevision 2024 enthält wichtige Anpassungen in den Kapiteln „Ver- und Entsorgung“, „Landschaft“ und „Siedlung“. So wird unter anderem der Standort für das geologische Tiefenlager informativ eingetragen, während Massnahmen zur Begrenzung von Lichtemissionen und zum Hochwasserschutz ergänzt werden.

    Neue Deponiestandorte für langfristige Entsorgungssicherheit
    Ein zentraler Punkt der Revision ist die Eintragung von 20 neuen Deponiestandorten sowie die Erweiterung von drei bestehenden Deponien. Gleichzeitig werden zwei bisherige Standorte gestrichen. Ziel ist es, die Entsorgungssicherheit für die nächsten 40 Jahre sicherzustellen. Da nicht jeder eingetragene Standort auch realisiert wird, erfolgt eine vorsorgliche Planung mit mehr Optionen, als derzeit benötigt werden.

    Um den Transportverkehr zu reduzieren, soll in jeder Planungsregion mindestens eine Deponie Typ B betrieben werden. Für die Typen C/D/E werden zusätzlich zwei bis fünf Deponien im gesamten Kanton vorgesehen. Besondere Vorgaben sorgen dafür, dass Standorte in räumlicher Nähe gezielt gesteuert und zeitlich abgestimmt in Betrieb genommen werden.

    Öffentliche Auflage und Vernehmlassung
    Die Teilrevision des Richtplans liegt vom 6. Dezember 2024 bis 14. März 2025 öffentlich auf. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können schriftlich Stellung nehmen. Parallel dazu erfolgt die Anhörung der Planungsregionen und Gemeinden. Ein Erläuterungsbericht fasst die Rückmeldungen zusammen, bevor der Regierungsrat die überarbeitete Vorlage an den Kantonsrat zur Beratung übergibt.

    Gleichzeitige Gesetzesanpassungen
    Parallel zur Richtplan-Teilrevision erfolgt die Vernehmlassung zu einer Revision des Planungs- und Baugesetzes mit dem Schwerpunkt „Raumentwicklung und Nacht“. Auch die Vermeidung von Lichtemissionen sowie die Regelung von Solaranlagen in geschützten Ortsbildern sind Teil dieser Konsultationen. Die koordinierte Umsetzung dieser Vorlagen stellt sicher, dass die Massnahmen zielgerichtet und zukunftsorientiert gestaltet werden.

    Mit der Teilrevision des kantonalen Richtplans 2024 setzt der Kanton wichtige Akzente für eine nachhaltige Raum- und Umweltentwicklung. Die Beteiligung von Bürgern und Gemeinden stellt sicher, dass die Anpassungen breit abgestützt und transparent umgesetzt werden.

  • Zukunftsweisende Siedlungsentwicklungsstrategie für Hofen

    Zukunftsweisende Siedlungsentwicklungsstrategie für Hofen

    Die Siedlungsentwicklungsstrategie für den Ortsteil Hofen der Gemeinde Thayngen ist ein Meilenstein der Raumplanung im Kanton Schaffhausen. Sie bildet den ersten Baustein einer gross angelegten Ortsplanungsrevision, die als Pilotprojekt für die Entwicklung der gesamten Gemeinde Thayngen und ihrer Ortsteile dient. Im Fokus stehen dabei nicht nur die örtlichen Strukturen, sondern auch die Integration regionaler Bedürfnisse und kantonaler Richtlinien.

    Die SES wurde in enger Zusammenarbeit mit der Dost Architektur GmbH, Vertretern der Gemeinde Thayngen, des Kantons Schaffhausen und lokaler Vereine entwickelt. Mit einem interdisziplinären Ansatz und der Einbeziehung der Öffentlichkeit soll die Siedlungsentwicklung von Hofen zukunftssicher gestaltet werden, um den Anforderungen des prognostizierten Wachstums gerecht zu werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der «Siedlungsentwicklung nach Innen», die vorhandenen Ressourcen optimal nutzt und gleichzeitig die Lebensqualität vor Ort verbessert.

    Ein Fahrplan für Hofens Zukunft
    Die SES basiert auf vier zentralen Strategiepfaden, die die räumliche und strukturelle Zukunft Hofens prägen sollen.

    1. Historische Substanz bewahren, neue Wohnräume schaffen
      Die Erhaltung der historischen Bebauungsstruktur ist ein zentrales Element der SES. Dabei wird besonderer Wert auf die räumliche und gestalterische Integration neuer Bauprojekte gelegt. Vor allem in den Gebieten der ehemaligen Gärtnerei soll neuer Wohnraum entstehen, um den wachsenden Wohnbedarf zu decken.
    2. Gestalterische Aufwertung der Ortsmitte
      Die Lebensqualität in Hofen soll durch eine gestalterische Aufwertung zentraler Begegnungsräume gesteigert werden. Der Dorfplatz wird als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft neu definiert, wobei Sitz- und Spielplatzmöglichkeiten geschaffen und verkehrsberuhigende Massnahmen umgesetzt werden.
    3. Sicherheit und Verkehrsberuhigung
      Ein Schwerpunkt der SES liegt auf der Verbesserung der Verkehrssicherheit. Fussgänger und Radfahrer sollen von verkehrsberuhigenden Massnahmen profitieren und besonders der Weg zur Schule soll von der Hauptstrasse entkoppelt werden, um die Sicherheit der Schulkinder zu gewährleisten.
    4. Hofens Identität stärken
      Hofen will sich selbstbewusst präsentieren und seine einzigartigen Qualitäten hervorheben. Die SES sieht eine verstärkte digitale Präsenz und eine Inszenierung der historischen Schlüsselbauten vor, um den Ort sowohl für Bewohner als auch für Besucher attraktiver zu gestalten.
      Zu diesen übergeordneten Strategiepfaden gehören acht konkrete Richtprojekte, die kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden sollen. Diese Projekte reichen von der Schaffung neuer Wohnflächen über die Aufwertung des Dorfplatzes bis hin zur Renaturierung der Biber, die einen bedeutenden Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht der Region leisten wird.

    Landschaft und Natur als zentraler Bestandteil
    Die Region des Unteren Reiats zeichnet sich durch eine vielfältige, von Hügeln und landwirtschaftlich genutzten Flächen geprägte Landschaft aus. Diese Landschaft ist nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch im kantonalen Richtplan als «schützenswerte Landschaft» vermerkt. Die Trockenwiesen, Weiden und Streuobstwiesen, die Hofen umgeben, sind markante Landschaftselemente, die das Ortsbild prägen und erhalten werden sollen.

    Besondere Bedeutung kommt der Biber zu, die durch Hofen fliesst und in Teilen landwirtschaftlich genutzt wird. Eine geplante Renaturierung der kanalisierten Abschnitte soll die ökologische Vielfalt steigern und die Attraktivität der natürlichen Umgebung für die Bewohner weiter erhöhen.

    Schützenswerte Bauten und Baulandreserven
    Hofen verfügt über eine historische Bausubstanz, die im Rahmen der SES nicht nur geschützt, sondern auch in die zukünftige Siedlungsentwicklung integriert werden soll. Besonders der barocke «Holländer-Bezirk» mit der Residenz von Tobias Holländer und der markante Gasthof Schweizerbund tragen zur einzigartigen Identität des Ortes bei.

    Die SES sieht zudem eine strategische Nutzung der vorhandenen Baulandreserven vor. Vor allem im Bereich der ehemaligen Gärtnerei und an den Ortsrändern bietet sich langfristiges Aufzonungspotenzial, um den zukünftigen Bedarf an Wohn- und Arbeitsflächen zu decken.

    Kommunikation und Einbeziehung der Öffentlichkeit
    Ein zentraler Bestandteil der SES ist die transparente Kommunikation mit den Einwohnern von Hofen. Die Planungsschritte wurden von einer Arbeitsgruppe aus Gemeindevertretern, Ortsvereinen und Planern begleitet und bei öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt. Besonders die Entwicklung der ehemaligen Gärtnerei als neues Wohngebiet stiess auf grosses Interesse der Bevölkerung.

    Die erarbeitete Siedlungsentwicklungsstrategie für Hofen setzt damit nicht nur neue Massstäbe für die Ortsplanung, sondern auch für die Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und der Bürgerschaft. Durch die partizipative Herangehensweise wird sichergestellt, dass die zukünftige Entwicklung der Gemeinde den Bedürfnissen der Einwohner gerecht wird.

    Ein Modell für die gesamte Region
    Die SES Hofen dient nicht nur der Weiterentwicklung des Ortsteils selbst, sondern auch als Vorbild für die anderen Ortsteile der Gemeinde Thayngen. Die Erkenntnisse und Leitlinien, die in Hofen erarbeitet wurden, sollen auf Altdorf, Bibern, Barzheim, Opfertshofen und Thayngen übertragen werden. Somit trägt die SES massgeblich zur langfristigen Sicherung der Lebensqualität und des wirtschaftlichen Potenzials der gesamten Region bei.

  • Kanton Glarus setzt Siedlungs- und Abbaugebiete im Richtplan fest

    Kanton Glarus setzt Siedlungs- und Abbaugebiete im Richtplan fest

    Im Rahmen der kommunalen Nutzungsplanung von Glarus Nord hat das Departement Bau und Umwelt des Kantons Glarus das Siedlungsgebiet der Gemeinde offiziell im kantonalen Richtplan festgesetzt. Dies geschieht nach einer eingehenden Überprüfung der Auslastung der Wohn-, Misch- und Kernzonen, die nun den strengen bundes- und kantonalen Vorgaben zur Bauzonendimensionierung entsprechen. Diese Festsetzung unterstützt das Ziel, Zersiedelung zu verhindern und die Landschaft zu bewahren, und bietet gleichzeitig den Grundeigentümern in Glarus Nord langfristige Planungs- und Rechtssicherheit, was für die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons von erheblicher Bedeutung ist.

    Erweiterung des Abbaugebiets Haltengut in Mollis
    Zusätzlich zur Festsetzung des Siedlungsgebiets wurde das Abbaugebiet Haltengut im Ortsteil Mollis im kantonalen Richtplan erweitert. Diese Massnahme ist das Ergebnis einer sorgfältigen Abstimmung der Nutzungsplanung durch die Gemeinde Glarus Nord, die die Umweltverträglichkeit des Projekts nachgewiesen hat. Die Erweiterung des Abbaugebiets trägt zur bedarfsgerechten Ver- und Entsorgung bei und stellt eine wichtige raumplanerische Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinde dar.

    Genehmigungsverfahren auf Bundesebene
    Die Fortschreibungen des kantonalen Richtplans 2018 wurden nach Konsultation der Nachbarkantone beim Bundesamt für Raumentwicklung zur Genehmigung eingereicht. Mit der Festsetzung der Siedlungs- und Abbaugebiete hat der Kanton Glarus einen bedeutenden Schritt im Genehmigungsverfahren der kommunalen Nutzungsplanung von Glarus Nord abgeschlossen. Die Beschlüsse sind ab sofort verbindlich und schaffen klare Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung der Region.

  • 101. immoTable – Wirtschaftsraum Genf

    101. immoTable – Wirtschaftsraum Genf

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    Beim 101. immoTable, der renommierten Veranstaltung für die Immobilienbranche im Signatur Rhône in Genf, standen bedeutende Themen im Mittelpunkt, die die Zukunft der Immobilienwelt massgeblich beeinflussen. Von nachhaltiger Raumentwicklung über Geothermie als Teil der Energiewende bis hin zu Gesundheitsrisiken im Wasser und rechtlichen Fragen bei Renovierungen in Genf – die Veranstaltung bot eine umfassende Plattform für den Austausch über aktuelle Herausforderungen und Innovationen in der Branche.

    Die Direktorin des Departements für Territorium des Kantons Genf, Marta Alonso, präsentierte wegweisende Projekte zur Stadtentwicklung und Raumplanung. Bis 2060 sollen auf einer Fläche von 230 Hektar über 12.000 neue Wohneinheiten, 6.000 Arbeitsplätze sowie Schulen, ein grosser Park und revitalisierte Flussbereiche entstehen. Moderne Visualisierungstechniken und 3D-Modelle ermöglichen eine transparente Darstellung der Entwicklungsszenarien.

    David Faehndrich, Leiter der Westschweizer Abteilung bei EKZ Contracting SA, betonte die Rolle nachhaltiger und wirtschaftlicher Energieversorgungssysteme. Es wurden bereits mehrere bedeutende Projekte wie die geothermische Energieversorgung der neuen Wohnungen in den „Jardins du Bourg“ in Châtel-St-Denis realisiert. Diese Massnahmen reduzieren CO₂-Emissionen und fördern die Energiewende.

    Pierre Descloux, CEO von Dipan SA, hob in seinen Ausführungen die Bedeutung der Behandlung von hydraulischen Systemen hervor, insbesondere in Bezug auf Rost, Kalk und Legionellen. Er betonte, wie wichtig die Sicherung der Hygiene und Effizienz dieser Systeme ist.

    Cosima Trabichet-Castan, eine Spezialistin im Bereich Immobilienrecht bei MLL Legal, thematisierte in ihrem Referat die Herausforderungen bei der Einholung von Baugenehmigungen und der Einhaltung lokaler Bauvorschriften. Sie sprach auch über die komplexen regulatorischen Anforderungen in Genf, wo gemäss einer aktuellen UBS-Studie die längsten Wartezeiten für Baugenehmigungen in der Schweiz bestehen. Ihre Ausführungen beleuchteten, wie wichtig die Integration nachhaltiger Praktiken in diesem kontextreichen regulatorischen Umfeld ist.

    Fabio Nairi von IWG Switzerland sprach über Massnahmen zur Reduzierung von Pendelzeiten und CO₂-Emissionen sowie über den Übergang zu hybriden Arbeitsmodellen.

    Der 101. immoTable stellte erneut unter Beweis, warum die Veranstaltung eine der Top-Plattformen für die Immobilienbranche ist. Die behandelten Themen sind von zentraler Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Branche und bieten wertvolle Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen.

    Weitere Informationen zur Veranstaltung und künftigen Terminen finden Sie www.immotable.ch

  • Bundesrat gleist Begrenzung der Bauten ausserhalb von Bauzonen auf

    Bundesrat gleist Begrenzung der Bauten ausserhalb von Bauzonen auf

    Der Bundesrat schlägt vor, die Zahl neuer Gebäude ausserhalb der Bauzonen im Vergleich zum Stand 2023 um maximal 1 Prozent wachsen zu lassen. Er hat an seiner Sitzung vom 19. Juni eine entsprechende Vorlage in die Vernehmlassung geschickt, informiert der Bundesrat in einer Mitteilung. Bei dem Vernehmlassungsentwurf handelt es sich um eine Vorlage für die Verordnung zum revidierten Raumplanungsgesetz. Es war am 29. September letzten Jahres von beiden Kammern verabschiedet worden und hat zum Ziel, das Bauen ausserhalb der Bauzonen auf einem bestimmten Niveau zu stabilisieren.

    Derzeit gibt es in der Schweiz rund 620’000 Gebäude ausserhalb der Bauzonen. Tritt die Vorlage in Kraft, könnte diese Zahl maximal um 6200 Gebäude steigen. Bei jährlich durchschnittlich 500 neuen Bauten ausserhalb der Bauzone wäre die zulässige Höchstzahl in etwas über zehn Jahren erreicht, schreibt der Bundesrat.

    Darüber hinaus schlägt der Bundesrat Änderungen im Umgang mit Spezialzonen vor. Hier sollen Neubauten ausserhalb der Bauzonen in Volumen und Fläche durch den Abriss bestehender Anlagen kompensiert werden müssen. In Landwirtschaftszonen wird der Vorrang der Landwirtschaft gegenüber anderen Nutzungen bekräftigt.

  • Erleichterungen beim Bauen in lärmbelasteten Gebieten

    Erleichterungen beim Bauen in lärmbelasteten Gebieten

    Im Zuge der Revision des Umweltschutzgesetzes möchte die UREK-N das Bauen in lärmbelasteten Gebieten vereinfachen. Grundsätzlich soll in neuen Wohnungen mindestens die Hälfte der lärmempfindlichen Räume über ein Fenster verfügen, das die Lärmgrenzwerte einhält. Erleichterungen sind möglich, wenn kontrollierte Lüftungen installiert werden oder ein ruhiger, privat nutzbarer Aussenraum zur Verfügung steht. Diese Regelungen sollen eine Balance zwischen Verdichtung und Lärmschutz schaffen.

    Positionen des Nationalrates und des Ständerates
    Der Ständerat schlägt vor, dass bei Wohnungen mit kontrollierter Lüftung die Grenzwerte an keinem offenen Fenster mehr eingehalten werden müssen. Die UREK-N hält jedoch die nationalrätliche Version für ausgewogener, da sie eine pragmatische Lösung zur Bewältigung der Wohnungsknappheit bietet. Die Kommission betont, dass Baubewilligungen nur erteilt werden, wenn die Gebäude verschärften Schallschutzanforderungen entsprechen und Massnahmen zur Begrenzung von Lärmemissionen weiterhin vorgeschrieben sind.

    Kein Abbau der Lärmschutzvorschriften in Fluglärm-Gebieten
    Die UREK-N verzichtet auf spezifische Fluglärm-Grenzwerte und schliesst sich dem Ständerat an. Damit sollen keine weiteren gesetzlichen Anpassungen notwendig sein, um Bauten in Flughafennähe zu ermöglichen. Die Kommission sieht keine zusätzlichen Einschränkungen für Gemeinden bezüglich der Senkung des Tempolimits vor.

    Altlastensanierung und VOC-Lenkungsabgabe
    Im Bereich Altlastensanierung hält die UREK-N daran fest, dass Eigentümer für die Kosten der Untersuchung und Sanierung privater Spielplätze und Hausgärten aufkommen müssen. Zudem beantragt die Kommission, Alternativen zur VOC-Lenkungsabgabe zu prüfen und fordert eine vertiefte Analyse des Bundesrates.

    Geoinformationsgesetz und Energieforschung
    Die UREK-N hat beschlossen, den Entwurf zur Änderung des Geoinformationsgesetzes zur gründlichen Überprüfung an den Bundesrat zurückzuweisen. Im Bereich Energieforschung wird eine Harmonisierung der Kreditperiode des SWEETER-Programms mit dem vierjährigen Geltungszeitraum der BFI-Botschaft angestrebt.

    Zustimmung zur Stromreserve
    Die Kommission tritt ohne Gegenstimme auf die Änderung des Stromversorgungsgesetzes ein und betont die Bedeutung einer sicheren Stromversorgung auch in extremen Lagen. Sie wird das Konzept der Stromreserve vertieft prüfen und verschiedene Varianten analysieren, um die Versorgungssicherheit zu garantieren und dabei die Umweltauswirkungen und Kosten zu minimieren.

    Zudem empfiehlt die UREK-N dem Bundesrat, stärkere Anreize für die Bildung lokaler Elektrizitätsgemeinschaften zu setzen und diese von Netznutzungsentgelten zu entlasten. Die Sitzung fand unter dem Vorsitz von Nationalrat Christian Imark und teilweise in Anwesenheit von Bundesrat Albert Rösti statt.

  • Rückbau für den Lymhof ist abgeschlossen

    Rückbau für den Lymhof ist abgeschlossen

    Im Schlieremer Quartier am am Rietpark ist laut eines Beitrags im Newsletter des Lymhofs der Rückbau des Vitis Sport Centers mit Tennishalle abgeschlossen. Der Bau des Lymhofs kann nach Baubewilligung und Vorarbeiten beginnen. Die vom Start-up Yasai im Hallengebäude geplante Vertikale Farm wird nicht realisiert. Yasai hat sich vor Kurzem aus dem Projekt zurückgezogen, weil es sich als Firma neu ausrichtet. Die Grundeigentümerin Geistlich Immobilia plant nun, die Halle in sechs Abschnitte zu unterteilen. Die bis zu 9 Meter hohen Räume könnten Platz bieten für kreative Nutzungen wie ein Künstlerkollektiv, eine gemischte Ateliergemeinschaft, kulturelle Nutzungen oder Quartierangebote.

    Im Februar 2024 hat der Stadtrat von Schlieren die Baubewilligung für den Lymhof erteilt. Inzwischen ist auch die Rekursfrist abgelaufen, die Umsetzung des neuen Quartierteils beim Bahnhof Schlieren kann also starten, heisst es in der Mitteilung. In einem nächsten Schritt werden alle behördlichen und kantonalen Auflagen ausgearbeitet. Die Baufreigabe für den Aushub wird auf den Sommer 2024 erwartet. Der eigentliche Bau der Gebäude beginnt etwa im Herbst 2024 und wird rund drei Jahre dauern.

    Der Lymhof soll dann 2027 bezugsbereit sein. Dort sollen nebst einem bunten Wohnungsmix für eine bunt gemischte Bewohnerschaft mit verschiedenen Generationen und Lebensmodellen auch Erdgeschossnutzungen entlang der Wiesenstrasse entstehen und ein Gasthaus mit Gastroangebot und Hotelzimmern. Die rund 350 Mietwohnungen werden zwar erst 2027 bezugsbereit sein, doch kann ein Mietinteresse schon jetzt online angemeldet werden.

  • HSLU lanciert Master in kollaborativer Raumentwicklung

    HSLU lanciert Master in kollaborativer Raumentwicklung

    Die Hochschule Luzern bietet ab diesem Herbstsemester einen neuen Masterstudiengang in kollaborativer Raumentwicklung an. Er steht Studierenden aus Fachgebieten wie Raumplanung, Städtebau, Architektur, und Landschaftsarchitektur oder Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften offen, erläutert die HSLU in einer entsprechenden Mitteilung. «Die Raumentwicklung der Zukunft braucht mehr denn je inter- und transdisziplinäre Teams, die adäquate Lösungen für die aktuellen Herausforderungen finden», wird Tabea Michaelis in der Mitteilung zitiert. Sie wird den neuen Masterstudiengang gemeinsam mit ihrer Kollegin Amelie-Theres Mayer leiten.

    Der Studiengang soll seine Absolvierenden auf die komplexen Herausforderungen zukünftiger räumlicher Transformationsprozesse vorbereiten. Im Mittelpunkt steht dabei der Umgang mit veränderten Anforderungen und knapper werdenden Ressourcen. Zum Lehrprogramm gehört es, Gruppen mit unterschiedlichen Ansprüchen in die Planung einzubeziehen und zwischen ihnen zu vermitteln.

    «Wir verstehen Raumentwicklung nicht als Produkt, sondern als Prozess», erläutert Michaelis. In solchen Prozessen sollen klimagerechte, offene und aneignungsfähige Räume geschaffen werden, so die Co-Leiterin des Studiengangs. «Um diese Räume zu planen, braucht es ein ganzheitliches Verständnis für Baukultur, das vom Bestand ausgeht und das politische und rechtliche Rahmenbedingungen sowie wirtschaftliche Tragfähigkeit im Auge behält.» Dafür sollen die Studierenden praxisnah mit potenziellen Auftraggebern von Projekten zusammenarbeiten.

  • Schweiz diskutiert unterirdischen Gütertransport

    Schweiz diskutiert unterirdischen Gütertransport

    Die Cargo sous terrain AG hat ein ambitioniertes Vorhaben präsentiert: den Bau eines unterirdischen Tunnelsystems für den Gütertransport, finanziert und betrieben von privaten Akteuren. Nachdem das Bundesgesetz über den Unterirdischen Gütertransport am 1. August 2022 in Kraft getreten ist, wurde die rechtliche Grundlage für ein solches Unterfangen geschaffen. Der Sachplan Verkehr, ein Instrument der Raumplanung, hat nun mit dem Teilprojekt Unterirdischer Gütertransport die planerischen Weichen für die erste Teilstrecke von Härkingen nach Zürich gestellt.

    Der SUG umfasst die geplante Trassenführung und die grundlegenden Parameter der Verteilzentren, deren Standorte in den Richtplänen der beteiligten Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Zürich festgeschrieben werden sollen. Die Anhörung der Kantone wurde eingeleitet, um regionale Interessen und raumplanerische Aspekte abzugleichen. Ab März wird dieser Prozess durch die Beteiligung von Gemeinden und der Bevölkerung weitergeführt, um ein breites Spektrum an Perspektiven und Bedenken zu erfassen.

    Nach Abschluss der Anhörungen und unter Einbeziehung aller Stellungnahmen wird der SUG finalisiert und dem Bundesrat zur Entscheidung vorgelegt. Dieser Prozess verdeutlicht das Engagement der Schweiz für innovative Verkehrslösungen, die eine nachhaltige Raum- und Umweltentwicklung unterstützen und gleichzeitig die Effizienz des Gütertransports in einer zunehmend vernetzten Wirtschaft steigern sollen.

  • Nationalrat setzt neue Akzente für Umwelt, Raumplanung und Energie

    Nationalrat setzt neue Akzente für Umwelt, Raumplanung und Energie

    Die nationalrätliche Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK-N) hat beschlossen, das Beschwerderecht von Umweltschutzorganisationen bei kleineren Wohnbauprojekten einzuschränken. Die Änderung des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz zielt darauf ab, den Rechtsrahmen für kleinere und mittlere Wohnbauprojekte anzupassen, um ungleiche finanzielle Mittel zwischen Parteien auszugleichen.

    Darüber hinaus hat die Kommission die Beratung des Bundesgesetzes über die Aufsicht und Transparenz in den Energiegrosshandelsmärkten begonnen, um eine angemessene Aufsicht und Transparenz sicherzustellen. Im Zuge der Diskussion über ein Strommarkt-Abkommen mit der EU erörterte die Kommission die volkswirtschaftliche Bedeutung einer sicheren Stromversorgung und die Notwendigkeit, die Schweizer Regelungen mit denen der EU in Einklang zu bringen.

    Im Bereich der Kreislaufwirtschaft hat die Kommission die meisten Differenzen mit dem Ständerat ausgeräumt, insbesondere bezüglich der Lockerung des Siedlungsabfallmonopols. Es bleibt jedoch noch Uneinigkeit in der Frage, ob unverkaufte biogene Produkte entpackt werden sollen.

    Weitere Diskussionen der Kommission umfassten die Teilrevision des Umweltschutzgesetzes, die sich auf den Lärmschutz und Altlastensanierungen konzentriert. Die Motion «Mit Verdichtung und gemeinnützigem Wohnungsbau gegen die Wohnungsnot» wurde von der Kommission abgelehnt, da sie der Meinung ist, dass die bestehenden gesetzlichen Grundlagen bereits ausreichend sind. Zudem wurde ein Postulat zur Optimierung der Nutzung von Energieholz eingereicht.

    Die Sitzungen der Kommission am 22. und 23. Januar 2024 standen unter der Leitung von Nationalrat Christian Imark und wurden teilweise in Anwesenheit von Bundesrat Albert Rösti in Bern abgehalten.

  • Winterthurer Innovationslabor Grüze öffnet im Mai

    Winterthurer Innovationslabor Grüze öffnet im Mai

    Im Mai 2024 wird in Winterthur an der St.Gallerstrasse das Innovationslabor Grüze eröffnet. Laut einer Medienmitteilung ist es als vielseitig nutzbarer Begegnungsort geplant, wo sich Besuchende über die Grossbaustelle Querung Grüze informieren können. Darüber hinaus soll der filigrane und zu allen Seiten hin offene Bau ein Ort für Diskussionen über Fragen der Stadtentwicklung, mögliche Zielkonflikte und die Auswirkungen des Klimawandels auf die städtische Bevölkerung werden.

    Der rund 120 Quadratmeter grosse Pavillon mit Ausstellungsraum, Bühne und Café ist modular gebaut und kann modular erweitert werden. Die Statik wurde auf ein zweistöckiges, geschlossenes Gebäude ausgerichtet. Damit ist die Möglichkeit mitgedacht, dass das Innovationslabor mittelfristig zu einem Quartierzentrum mit erhöhtem Platzbedarf heranwachsen könnte. Vorerst ist es für eine Nutzungsdauer von zehn Jahren geplant.

    Das Innovationslabor wurde vom Tiefbauamt Winterthur in Zusammenarbeit mit dem Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Holcim Schweiz entwickelt. Die extradünnen und wiederverwertbaren Betonplatten aus mit Carbonfaser verstärktem Beton (CPC) der CPC AG sparen den Angaben zufolge gegenüber herkömmlicher Betonbauweise bis zu 75 Prozent Material ein. Der CO2-Ausstoss soll um den Faktor zwei bis vier reduziert werden.

    Die CPC-Betonelemente, die aus einem langjährigen Forschungsprojekt an der ZHAW hervorgingen, können mit wenig Aufwand in ihre Bestandteile zerlegt und anderswo wieder aufgebaut oder für ein anderes Bauwerk wiederverwendet werden. Holcim produziert sie und stellt sie leihweise zur Verfügung. Die vorgefertigten Elemente werden im Frühjahr innert weniger Tage zusammengefügt.

  • Unterengstringen veröffentlicht Entwicklungskonzept

    Unterengstringen veröffentlicht Entwicklungskonzept

    Die Gemeinde Unterengstringen hat ihr räumliches Entwicklungskonzept veröffentlicht. Das 71 Seiten starke Konzept kann auf der Internetseite der Gemeinde heruntergeladen werden. Es dient als strategisches Instrument und Entscheidungshilfe für die Planungs- und Bauvorhaben in der Gemeinde und bildet auch die Grundlage für die kommunalen Richtpläne und die Bau- und Zonenordnung (BZO). Gemäss den kantonalen Vorgaben muss die Gemeinde Unterengstringen bis spätestens im Frühling 2025 die eigene BZO aktualisieren und anpassen.

    Der Gemeinderat von Unterengstringen möchte aufzeigen, was es für eine qualitätsvolle Gemeindeentwicklung braucht, wie die Gemeinde als Einkaufs-, Arbeits- und Wohnort attraktiv wird oder bleiben kann und wo Unterengstringen künftig wachsen soll, heisst es in dem Konzept. Der zentrale Ortsteil zwischen der Limmat im Süden, der Kantonsstrasse im Norden, der Bildungszone im Westen und der Weiningerstrasse sei von strategischer Bedeutung für Unterengstringen. Dazu gehören der ländliche Ortskern mit historischen Bauten und die Zentrumszone an der urbanen Achse.

    Die Analyse führt zu einer Vision der Vernetzung über dieses Gebiet mit drei Kernpunkten. Die Strassenräume zwischen den zwei Gebieten werden qualitativ gestärkt. Es entsteht eine Vernetzung der Zonen. Die Bauten, welche diese Strassenräume säumen, sollten in den Erdgeschossen und in der Umgebungsgestaltung diese Vernetzungen unterstützen. Exemplarisch werden hier die beiden Schlüsselprojekte Stolzwis und Sennenbüel eng von der Gemeinde begleitet und zusammen mit den privaten Investoren ausgearbeitet, heisst es in dem Konzept.

    Weiter soll das Ortszentrum durch nachhaltige, qualitätsvolle Verdichtung, Förderung des Gewerbes und einen ausgeprägten öffentlichen Raum aufgewertet werden.

  • Dietikon legt Pläne für das neue Quartier Niderfeld öffentlich auf

    Dietikon legt Pläne für das neue Quartier Niderfeld öffentlich auf

    Die Stadt Dietikon startet die öffentliche Auflage der Planungsinstrumente für die Gebietsentwicklung Niderfeld. Die Unterlagen des öffentlichen Gestaltungsplans inklusive Umweltverträglichkeitsbericht und der Teilrevision der Bau- und Zonenordnung werden laut Medienmitteilung vom 9. November 2023 bis 19. Januar 2024 zusammen mit dem Gestaltungsleitbild aufgelegt. Am 8. November wurden sie an einem öffentlichen Informationsanlass im Gemeinderatssaal des Stadthauses präsentiert.

    Dazu heisst es in der Mitteilung der Stadt Dietikon, im Zentrum des Quartiers liege der grosse Park. Im Norden und Westen entstehe ein Wohngebiet. Südlich des Parks ist das Mischgebiet mit Gewerbe und Dienstleistungsanbietern. Östlich des Parks entstehen eine neue Schule, Sportanlagen und eine Dreifachturnhalle. Am westlichen Rand des Niderfelds liegt das Arbeitsplatzgebiet. Die Limmattalbahn erschliesse das Gebiet mit zwei Haltestellen. Das Arbeitsgebiet werde durch ein eigenständiges Strassennetz erschlossen, damit das Wohngebiet vom Schwerverkehr befreit bleibt und kein Durchgangsverkehr entsteht.

    Das Niderfeld ist mit rund 40 Hektaren Dietikons letzte grosse Siedlungsreserve, heisst es von der Stadt Dietikon. Es werde dereinst etwa 3700 Menschen Wohnraum bieten und Platz für etwa 2700 Arbeitsplätze haben.

  • Luucy präsentiert Neuerungen in einem Update

    Luucy präsentiert Neuerungen in einem Update

    Die Luucy AG mit Standorten in Luzern und Schlieren hat eine neue Version ihrer interaktiven 3D-Plattform für Raum- und Immobilienentwicklung lanciert. Laut Medienmitteilung gibt es mehrere Neuerungen. Dazu zählt das fotorealistische Terrain von Google Maps. Diese dritte Terrain-Option in Luucy ermöglicht es nicht nur, die Umgebung detailreich abzubilden, sondern auch Gebäude in über 2500 Städten und 49 Ländern fotorealistisch darzustellen, heisst es in der Mitteilung.

    Veränderungen gibt es bei den Lizenzen. Um Nutzern die bestmöglich zugeschnittene Lösung anzubieten, wurden neben der Team-Lizenz – der früheren Standard-Lizenz – zwei neue Lizenzpläne eingeführt. Für Einzelpersonen und kleinere Teams gibt es jetzt einen kostengünstigen Einstieg in Luucy mit der Starter-Lizenz. Für grössere Unternehmen mit verschiedenen Teams und Abteilungen bietet das Unternehmen neu die Business-Lizenz an.

    Die Kennzahlen-App wurde laut der Mitteilung aktualisiert und mit zusätzlichen Kennzahlen erweitert. Hinzugefügt wurde eine detaillierte Ansicht, die es ermöglicht, die Kennzahlen verschiedener Gebäude miteinander zu vergleichen. Ausserdem sei nun der Export von Detailansichten und Variantenvergleichen als CSV-Datei möglich, um die Daten leicht in anderen Anwendungen zu analysieren. Und es gibt die neue Funktion „Gruppieren von Objekten“. Damit kann der Nutzer seine Objekte pro Variante gruppieren, ob selbst erstellte oder importierte Objekte.

    Luucy wird laut der Mitteilung an der Swissbau 2024 vom 16. bis 19. Januar 2024 in der Messe Basel präsent sein.

  • Architekturbuch über Schlieren wird in Frankfurt ausgezeichnet

    Architekturbuch über Schlieren wird in Frankfurt ausgezeichnet

    Das Buch «Stadtwerdung im Zeitraffer» ist laut einer Medienmitteilung einer der zehn Preisträger des DAM Architectural Book Award 2023, der von der Frankfurter Buchmesse und dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) verliehen wird. Die fotografische Langzeitbeobachtung von Schlieren in den Jahren 2005 bis 2020 zeige, wie sich das Schweizer Mittelland entwickelt, heisst es weiter. «Stadtwerdung im Zeitraffer» wird herausgegeben von Meret Wandeler, Ulrich Görlich und Caspar Schärer und ist der Abschluss der Studie Fotografische Langzeitbeobachtung Schlieren.

    Das laut der Mitteilung vielbeachtete Projekt hat 15 Jahre lang fotografisch untersucht, wie Bautätigkeit und urbane Entwicklung den Charakter einer typischen Schweizer Vorortsgemeinde im Agglomerationsgürtel verändern. Gestaltet wurde das Buch vom Grafikstudio Elektrosmog in Zürich. Es wird vom Zürcher Verlag Scheidegger & Spiess herausgegeben.

    In der Begründung des Auszeichnung erklärt die Jury: «Das Buch erklärt sich in seiner Struktur, ergründet das gestellte Thema facettenreich und geht zugleich sorgsam mit der Zeit seines Publikums. All diese Kriterien an ein gutes Architekturbuch erfüllt der immerhin 630-Seiten-starke Doppelband ‚Stadtwerdung im Zeitraffer‘». Das Buch verdeutliche das Wachstum in Schlieren, «wo in 15 Jahren 7000 Menschen hinzugekommen sind, wo an manchen Ecken dicht gebaut wurde und sich an anderen kaum etwas verändert hat».

    Lob gebühre der Wahl eines geeigneten Ortes, um das Phänomen der Stadtwerdung zu ergründen, heisst es weiter von der Jury. Die beiden Teile des Doppelbandes erzählen mit den jeweils passenden Mitteln von ihrem Prozess. Essays und Texte liefern die Hintergründe der Entwicklung und ordnen ein.

  • Wie Raumplanung die Geldbörse beeinflusst

    Wie Raumplanung die Geldbörse beeinflusst

    Zwischen 66% bis 71% der Variation der Wohnkosten sind durch Angebot- und Nachfrageeffekte erklärbar. Raumpolitische Instrumente erklären pro Instrument jeweils zwischen 2% und 6% der Variation. Ein Index, der die Einschränkungen der Bodennutzung auf Gemeindeebene berücksichtigt, trägt zwischen 6% und 8% zur erklärten Variation der Wohnkosten bei. Dies zeigt, dass die Raumplanung über Instrumente verfügt, die eine moderierende Wirkung auf die Wohnkosten in der Schweiz haben können.

    Handlungsspielräume der Raumplanung
    Die Effektivität der Raumplanung wird stark von gesetzlichen, politischen und wirtschaftlichen Kontexten beeinflusst. Die Studie zeigt, dass regulatorische Prozesse und Abläufe eine wichtige Rolle bei den Wohnkosten spielen können. Restriktive Vorschriften, Einsprüche und langwierige Genehmigungsverfahren können zu höheren Wohnkosten führen. Transparente und effiziente Prozesse könnten dagegen die Senkung der Wohnkosten unterstützen. Die Raumplanung wirkt primär indirekt auf die Wohnkosten und nur durch effektive Bautätigkeit entfaltet sich eine dämpfende Wirkung.

    Raumplanung: Interessenabwägung
    Die Raumplanung muss eine langfristige Interessenabwägung treffen, bei der die gegenwärtigen Wohnkosten nur eine Grösse sind, die berücksichtigt werden muss. Die Studie fokussiert auf den Zusammenhang zwischen Raumplanung und Wohnkosten, berücksichtigt jedoch nicht vollständig die Einschränkungen der Bodennutzung. Weitere Auswertungen sind erforderlich, um den Gesamteffekt der Raumplanung zu untersuchen. Die Interessenabwägung sollte auf empirischen Erkenntnissen basieren, die durch umfassende und harmonisierte Daten zu lokalen Gegebenheiten unterstützt werden. Die Schaffung solcher Datengrundlagen sollte Priorität haben, um die Interessenabwägungen für alle Beteiligten transparent zu gestalten. Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zur Entscheidungsfindung, indem sie den Zusammenhang zwischen Raumplanung und Wohnkosten untersucht.

  • Raumplanung moderiert Immobilienmarkt

    Raumplanung moderiert Immobilienmarkt

    Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) sowie die Kantonsplanerinnen und -planer des Metropolitanraums Zürich haben das Center for Regional Economic Development der Universität Bern beauftragt, in Zusammenarbeit mit IAZI den Beitrag der Raumplanung zu steigenden Wohnkosten zu untersuchen. Den Ergebnissen der Studie zufolge nimmt die Raumplanung eine moderierende Rolle am Immobilienmarkt ein. Sie habe Auswirkungen auf die Bautätigkeit und beeinflusse damit die Wohnkosten, schreibt das BWO in einer Mitteilung zur Studie.

    Über die Begrenzung von Baulandverfügbarkeit und Bauzonenkapazitäten steuert die Raumplanung, wie flexibel sich das Angebot an die Entwicklung der Nachfrage nach Wohnraum anpassen kann. Eine zu strikte Raumplanung könne dabei langfristig zu höheren Wohnkosten führen, konstatieren die Verfassenden der Studie. Gleichzeitig hat die Raumplanung jedoch auch die Aufgabe, die Landschaft zu schützen und die Zersiedelung zu begrenzen.

    Als Lösung dieses Dilemmas wird in der Studie die Innenentwicklung erkannt. Sie biete ein Instrument, „das es erlaubt, sowohl den Schutz der Landschaft zu gewährleisten, als auch das Wohnraumangebot zu erhöhen“. Als weiteres Instrument schlägt die Studie Aufzonungen vor, also die Ausweitung der Nutzungsmöglichkeiten in einer Bauzone. Zudem werden „langwierige Bewilligungs- und Einsprachverfahren als preistreibend für die Wohnkosten bezeichnet.

    Vom 3. bis 7. November finden in Biel BE die Schweizer Wohntage 2023 statt. Am 6. November steht dabei eine Diskussion von Fachleuten auf dem Programm, die sich mit der Frage nach einer Innenentwicklung beschäftigt, welche zu mehr bezahlbarem Wohnraum führt.

  • Studie zur Rolle der Raumplanung bei steigenden Wohnkosten

    Studie zur Rolle der Raumplanung bei steigenden Wohnkosten

    Die Studie «Ursachen für steigende Wohnkosten in der Schweiz mit Fokus auf die Raumplanung» verdeutlicht, dass die Raumplanung eine moderierende Rolle im Immobilienmarkt spielt: Sie hat Auswirkungen auf die Bautätigkeit und beeinflusst somit die Wohnkosten. Die Erhöhung der Nachfrage nach Wohnraum ist hingegen ein treibender Faktor bei den steigenden Wohnkosten. Dabei spielen unter anderem die Verkleinerung der Haushalte, das Bevölkerungswachstum sowie der steigende individuelle Wohnraumkonsum eine Rolle.

    Die Raumplanung kann hier Einfluss nehmen. Sie begrenzt die Baulandverfügbarkeit und Bauzonenkapazitäten. So steuert sie, wie flexibel sich das Angebot an Wohnraum an eine veränderte Nachfrage anpassen kann. Ist die Raumplanung zu strikt, kann das Angebot weniger flexibel auf die stark gestiegene Nachfrage reagieren. Das kann langfristig zu höheren Wohnkosten führen.

    Innenentwicklung als Lösungsansatz
    Allerdings gehört es zu den Aufgaben der Raumplanung, die Zersiedlung zu begrenzen und die Landschaft zu schützen. Die Studie identifiziert denn auch die Innenentwicklung als ein Instrument, das es erlaubt, sowohl den Schutz der Landschaft zu gewährleisten, als auch das Wohnraumangebot zu erhöhen. Die Studie zeigt ausserdem, dass Aufzonungen dort preisdämpfend sind, wo die Bauzonenausschöpfung bereits hoch ist. Als Aufzonung gilt die Ausweitung der Nutzungsmöglichkeiten innerhalb einer Bauzone. Dies ist deshalb ein probates Mittel und kann, wenn gezielt eingesetzt, optimal seine Wirkung entfalten. Die Studienresultate legen zudem einen Zusammenhang zwischen hohen Wohnkosten und hohen Planungs- und Prozesskosten nahe. Langwierige Bewilligungs- und Einspracheverfahren tragen ebenfalls zur Kostensteigerung bei.

    Tagung zu Wohnraum und Raumentwicklung
    Im Rahmen der Schweizer Wohntage 2023, die vom 3. bis 7.  November 2023 in Biel stattfinden werden, diskutiert am 6. November ein Panel von Experten, wie die Innenentwicklung gestaltet werden kann, so dass dabei mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. Mehr Details und Anmeldung unter www.bwo.admin.ch.

  • Kanton Zürich und Winterthur koordinieren Ausbau der ZHAW

    Kanton Zürich und Winterthur koordinieren Ausbau der ZHAW

    Die Studierendenzahlen an der ZHAW werden bis 2035 voraussichtlich jährlich zwischen 0,8 und 2,0 Prozent zulegen. Die ZHAW benötigt daher in Winterthur zusätzliche Flächen, informiert die Baudirektion des Kantons Zürich in einer Mitteilung. Der Kanton will den Ausbau der Hochschule mit der ZHAW und der Stadt Winterthur abstimmen. Von einer koordinierten Planung sollen sowohl die Hochschulangehörigen als auch die städtische Bevölkerung profitieren. In einer von den drei Partnern bereits unterzeichneten Absichtserklärung wird eine verbindliche Grundlage für die räumliche Entwicklung der ZHAW festgelegt.

    Den Vereinbarungen zufolge soll sich der Ausbau der Hochschule auf die drei Standorte Sulzer-Areal, Technikum und St.Georgen konzentrieren. Auf dem Sulzer-Areal können Erweiterungen auf der bereits zur Hochschule gehörenden Fläche erfolgen. Zwischen dem Technikum und den Zeughäusern sollen dagegen neue Flächen genutzt werden. Hier will die Stadt Winterthur gemeinsam mit der ZHAW ein Wissensquartier entstehen lassen. Dafür ist vorgesehen, heutige Nutzungen von Dritten auf dem Teuchelweiherplatz zu verlegen.

    Am Standort St.Georgen wird die Nutzung des Lindareals geprüft. Die bahnbetrieblich nicht mehr benötigte Fläche der SBB komme als möglicher neuer Standort der ZHAW in Frage, schreibt die Baudirektion. Für die Konkretisierung und Umsetzung der Pläne haben Baudirektion, Bildungsdirektion, ZHAW und Stadt Winterthur ein Gebietsmanagement eingesetzt. „Dadurch wird gewährleistet, dass die komplexen Arbeiten langfristig aus einer Gesamtsicht und koordiniert erfolgen“, heisst es in der Mitteilung.

  • «Graubünden ist ein idealer Ort zum Arbeiten, Leben und Investieren.»

    «Graubünden ist ein idealer Ort zum Arbeiten, Leben und Investieren.»

    Was gefällt Ihnen an Ihrem Amt, dem auch die kantonale Raumordnung sowie Landwirtschaftspolitik des Kantons Graubünden angegliedert ist?
    Mir gefällt die Vielfalt der Themen und Aufgaben. Als Regierungsrat bekommte ich Einblick in viele Bereiche des Kantons. Jeden Tag etwas Neues zu erleben und die Vielfalt des Kantons zu sehen, macht die Faszination des Amtes aus.

    Wie beschreiben Sie den Wirtschafts- und Lebensraum Graubünden?
    Graubünden ist ein idealer Ort zum Arbeiten, Leben und Investieren. Graubünden bietet vielfältige Möglichkeiten, sei es im Tourismus oder in anderen Wirtschaftszweigen. Die faszinierende Outdoor-Arena Graubünden bietet einen kaum zu übertreffenden Ausgleich für alle die hier wohnen und arbeiten.

    Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit sich der Kanton Graubünden als Wirtschaftsstandort erfolgreich entwickeln kann und ein angemessenes Arbeitsplatzangebot im Kanton zur Verfügung steht?
    Ein grosser Pluspunkt sind die Industrieflächen, die wir für die Standortentwicklung zur Verfügung haben. Entlang der A13 auf der Nord-Süd-Achse steht viel Raum für unternehmerische Aktivitäten bereit. Zudem sind hohe Investitionen für die Fachhochschule Graubünden geplant, um die heutigen Ausbildungs-
    und Forschungsmöglichkeiten umfassend auszubauen. Unser hervorragendes Angebot an Freizeitmöglichkeiten dient nicht nur unseren Gästen, sondern allen, die hier leben und arbeiten. Zusammen mit den attraktiven Arbeitsplätzen resultiert die einzigartige Lebensqualität in Graubünden.

    Wo sehen Sie derzeit die
    grössten Herausforderungen?

    Eine der grössten Herausforderungen für den Kanton ist die demografische Entwicklung und die damit verbundenen Herausforderungen in der Altersvorsorge. Gemäss den Prognosen des Bundesamtes für Statistik schreitet die Alterung der Gesellschaft bei uns schneller voran als in anderen Kantonen. Die zweite Herausforderung ist der Mangel an Arbeitskräften, ich spreche bewusst nicht von Fachkräften. Auch in Graubünden haben viele Bereiche Schwierigkeiten, Personal zu finden. Ein drittes Beispiel: In der Raumplanung sind Kanton und Gemeinden mit der Umsetzung der Raumplanungsgesetzesrevision – insbesondere mit der Verdichtung der Bauzonen – gefordert. Das enge raumplanerische Korsett bremst ein Stück weit unser Wachstum.

    Wie abhängig ist der
    Kanton vom Tourismussektor?

    Der Tourismus ist nach wie vor die tragende Säule der Bündner Wirtschaft. Rund ein Drittel des BIP wird im Tourismus erwirtschaftet, 70% davon im Wintertourismus. In den letzten Jahren ist es gelungen, die Wirtschaft stark zu diversifizieren. Gerade im Bündner Rheintal entsteht ein Cluster mit Hightech-Unternehmen im Medizinalbereich wie Hamilton und Integra Biosciences und weiteren Industriebereichen. Mittlerweile haben wir rund 6000 Mitarbeitende in Hightech-Unternehmen in dieser Region.

    Was macht den Kanton Graubünden
    für Unternehmen attraktiv?

    Wir haben die Innovationsstrategie entwickelt, um Forschung, Entwicklung und Innovation näher an die Unternehmen zu bringen und die Gründung oder Ansiedlung von Start-ups in Graubünden zu fördern. Der Technopark Graubünden in Landquart bietet seit 2020 Raum und Dienstleistung damit sich Start-ups niederlassen, entwickeln und vernetzen können. Unser Trumpf sind, wie gesagt, die Industrieflächen. Auf dem Areal des «Industriepark Vial» in Domat/Ems konnten bestehende Firmen expandieren und neue Firmen angesiedelt werden und damit knapp 1000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Kanton besitzt auf dem Areal weitere 150’000 Quadratmeter sofort verfügbare Industriefläche. In San Vittore, im südlichen Teil von Graubünden angrenzend an den Wirtschaftsraum Bellinzona, gibt es weitere Flächen, die sich für Ansiedlungen eignen.

    Die Förderung von Start-ups ist ein wichtiges Anliegen der Politik. Wie gehen Sie diese Aufgabe an und welche Branchen oder Themen forciert der Kanton?
    Der Kanton hat mit dem Technopark Graubünden ein Angebot geschaffen, um Jungunternehmen im Technologiebereich zu fördern. Ein Raum, der ein Netzwerk und Know-how zur Verfügung stellt. Attraktive Angebote bestehen auch im Engadin und in der Surselva und weitere Projekte sind in Arbeit. Zur weiteren Unterstützung sind wir in das Ostschweizer Netzwerk INOS eingebunden und auch mit dem Innovationsökosystem Tessin aktiv vernetzt.
    Am Standort Davos entstehen in Zusammenarbeit mit den Zürcher Hochschulen zwei Forschungszentren mit Leuchtturmcharakter. Einerseits das bereits geschaffene Forschungszentrum zur Untersuchung von Klimawandel, Extremereignissen und Naturgefahren im alpinen Raum CERC sowie ein Forschungszentrum im Bereich Gesund und LifeSciences. Beide Institute sollen translationale Forschung betreiben und deren Erkenntnisse damit insbesondere auch durch Start-ups in anwendbare Massnahmen oder Therapien übersetzt werden können.

    Welches sind aus Ihrer Sicht die bedeutendsten Bauprojekte und Arealentwicklungen, die im Kanton Graubünden anstehen?
    Die Fachhochschule Graubünden in Chur wird von fünf auf einen Standort konzentriert. Damit entsteht für 151 Millionen Franken ein attraktiver Campus für Bildung, Forschung und Innovation.
    Aus meiner Sicht sind Arealentwicklungen im Kanton für die Ansiedlung von Industrieunternehmen von grosser Bedeutung. Deshalb unterstützen wir aktiv die Arealentwicklungen in Domat/Ems und hoffentlich bald auch im Misox, in San Vittore um dort in Zukunft auch mehrere hunderttausend Quadratmeter Fläche für die Ansiedlung von Unternehmen zur Verfügung stellen zu können.

    Welchen Stellenwert nimmt das Thema Nachhaltigkeit, sprich Kreislaufwirtschaft ein und wie wird
    sie investitionsmässig gefördert?

    Für Graubünden ist die Kreislauf-wirtschaft ein wichtiges Thema. Die Rückgewinnung von Materialien aus bestehenden Produkten ist eine Chance für die Wirtschaft. Natürlich sind auch klimaneutrales Bauen, Biodiversität und aus meiner Sicht auch klimaneutrale Landwirtschaft wichtige Themen. Mit dem «Aktionsplan Green Deal» verfügt der Kanton Graubünden über ein Impulsprogramm zur Förderung von Klimaschutz und -anpassung – mit dem Ziel bis 2050 klimaneutral zu werden. Jetzt starten wir in die zweite Phase, in der konkrete Maßnahmen definiert und hoffentlich auch mit finanziellen Mittel
    vom Grossen Rat bewilligt werden, damit wir ab 2025 in die Umsetzung gehen können.

    Wie steht es um die Zersiedlung
    im Kanton Graubünden und was wird dagegen unternommen?

    Die Zersiedelung und der damit verbundene Siedlungsbrei ist meines Erachtens nicht das Hauptproblem des Kantons Graubünden. Wir haben noch eine intakte Siedlungsstruktur und ein klar abgegrenztes Siedlungsgebiet. Die Herausforderung ist, dass für die ganze Schweiz das gleiche Raumplanungsgesetz gilt, obwohl die Herausforderungen völlig unterschiedlich sind. Hier wünsche ich mir, dass die nationale Politik den Kantonen und Gemeinden flexiblere Instrumente in die Hand gibt.

    Welche Strategie verfolgen Sie in Ihrem Departement in Sachen Digitalisierung?
    Wir fahren auf zwei Schienen. Um der Digitalisierung den nötigen Schub zu verleihen, hat der Kanton einerseits einen Verpflichtungskredit von 40 Millionen zur Verfügung gestellt, um innovative Digitalisierungsprojekte zu unterstützen. Die Projekte müssen einen Beitrag zur Digitalisierung leisten, von Projektträgern aus der Wirtschaft kommen, innovativ sein und zur Wertschöpfung des Kantons beitragen.
    Andererseits muss der Kanton selber die Digitalisierung vorantreiben, um Leistungen für die Bevölkerung und Unternehmen vermehrt digital anbieten zu können. Denn wir sind uns bewusst, dass wir bei der Verwaltung Nachholbedarf haben.

    Ist das Thema Wohnungsnot im Bündnerland gegenwärtig? Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um die Situation zu entschärfen?
    Die Regionen sind unterschiedlich betroffen. Das Thema ist sehr präsent und politisch aktuell. In den Tourismusregionen ist die Wohnungsknappheit sehr akut. Beispielsweise finden Unternehmen keine bezahlbaren Wohnungen für ihre Mitarbeitende in zumutbarer Entfernung. Das Raumplanungsgesetz und das Zweitwohnungsgesetz tragen meines Erachtens nicht zur Lösung des Problems bei. Sie verschärfen das Problem noch.
    Die Erhöhung der Zinsen fördert die Investition in Wohneigentum nicht. Zudem haben wir die Situation, dass Investitionen in Immobilien in vielen peripheren Gemeinden für institutionelle Anleger wirtschaftlich uninteressant sind. Der Grosse Rat hat mein Departement beauftragt, eine Art Fonds de Roulement einzurichten, um preisgünstigen Wohnraum zu fördern. Der Kanton baut nicht selber. Wir unterstützen die Gemeinden mit verschiedenen Instrumenten und zeigen auf, was sie tun könnten.

    Schweizweit herrscht Fachkräftemangel, wie ist die Situation in Graubünden?
    Ich spreche nicht nur vom Fachkräftemangel, sondern vom Arbeitskräftemangel. Viele Handwerksbetriebe sagen mir: «Ich könnte noch viel mehr Arbeit annehmen, aber ich habe einfach nicht die Arbeitskräfte dazu.» Wir wissen, dass Hotels teilweise ihre Zimmer nicht öffnen, dass der Küchenbetrieb eingeschränkt wird, weil das Personal fehlt. Auch bei der kantonalen Verwaltung finden wir in gewissen Bereichen kein Personal.

    Welche Stärken haben die Regionen im Kanton?
    Die elf Regionen sind sehr unterschiedlich. Im Bündner Rheintal von Maienfeld bis Bonaduz boomen Hightech-Unternehmen. Diese haben in den letzten Jahren über eine halbe Milliarde Franken in dieser Region entlang der A13 investiert.
    Eine Stärke von Graubünden sind auch die touristischen Hotspots, sei es das Oberengadin, Davos-Klosters, Arosa-Lenzerheide oder Laax. In Davos ist auch die Forschung mit fast 400 Mitarbeitenden stark präsent und wird weiter gestärkt.
    Graubünden hat aber auch periphere Regionen, wo die Abwanderung überwiegt und es schwierig ist die Infrastruktur aufrechtzuerhalten.

    Welche Vorhaben und Geschäfte würden Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn als Regierungsrat, als Ihre persönlichen Meilensteine bezeichnen?
    Mir ist wichtig, dass der Ausbau des Ultrahochbreitbands für Graubünden flächendeckend erfolgt. Wie vor 100 Jahren beim Bau der Kantonsstrassen, die abschnittsweise auch für 15 Einwohner gebaut wurden. Wohl wissend, dass das nie refinanziert werden kann. Die UHB-Erschliessung hat für mich die gleiche Bedeutung.
    Wenn wir von Arbeitskräftemangel sprechen, dann ist es wichtig, dass wir die vorhandenen Arbeitskräfte mobilisieren können, unter anderem auch mit dem Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung. Das Bündner Kantonsparlament hat im Dezember 2022 ein Gesetz verabschiedet, das uns in der Schweiz ins vordere Drittel bezüglich der Bezahlbarkeit der familienergänzenden Kinderbetreuung katapultiert hat.
    Am Projekt «Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden» beteiligen sich 50 Bauernbetriebe in einem Pilotprojekt um Massnahmen zu testen, welche den Ausstoss von Treibhausgasen reduzieren. Ab 2025 sollen gewisse Massnahmen auf alle Bündner Landwirtschaftsbetriebe ausgedehnt werden. Graubünden ist bereits Vorreiter in Sachen Biolandwirtschaft: Zwei Drittel der Betriebe sind Biobetriebe – in Zukunft wird die Bündner Landwirtschaft klimaneutral sein.