Kategorie: Regionen

  • Der Sonnenhof soll Bülachs Mitte neu erfinden

    Der Sonnenhof soll Bülachs Mitte neu erfinden

    Das Sonnenhof-Areal liegt zentral zwischen Bahnhof- und Schaffhauserstrasse und umfasst gut 20’000 Quadratmeter. Heute prägen ein Einkaufszentrum aus den 1970er-Jahren, weitere Gewerbe- und Wohngebäude sowie eine grosse versiegelte Parkplatzfläche das Bild. Genau diese Struktur soll nun grundlegend verändert werden.

    Geplant ist ein neuer, gemischt genutzter Quartierteil mit einer öffentlichen Passage, begrünten Höfen und Plätzen, Gewerbe, Gastronomie und einem Kultur- und Begegnungszentrum. Das bestehende Einkaufszentrum soll dabei nicht verschwinden, sondern modernisiert und in das neue Gefüge eingebunden werden.

    Verdichtung mit urbanem Anspruch
    Kern des Projekts sind rund 240 Mietwohnungen in unterschiedlichen Preisklassen und mit verschiedenen Grundrissen. Dazu kommen rund 12’000 Quadratmeter für gewerbliche, kulturelle und öffentliche Nutzungen in den Erdgeschossen und an den Passagen.

    Städtebaulich setzt das Projekt auf Dichte und Orientierung. Vier höhere Gebäude sollen das Areal markieren und ihm eine klar erkennbare Adresse geben. Im Gestaltungsplan ist an der nordöstlichen Ecke eine maximale Gebäudehöhe von 55 Metern möglich. Das zeigt, wie deutlich sich der Sonnenhof vom bisherigen Massstab abheben wird.

    Freiraum statt Asphalt
    Besonders stark ist die Botschaft im Aussenraum. Wo heute Hitze speichernder Belag dominiert, sollen künftig entsiegelte Flächen, Bäume, Höfe und klimaresistente Bepflanzung das Mikroklima verbessern. Regenwasser soll versickern und verdunsten können, Dächer werden begrünt und mit Photovoltaik ergänzt.

    Auch verkehrlich will sich das Projekt neu ausrichten. Die oberirdischen Parkplätze wandern grösstenteils in die Tiefgarage, während Wege und Plätze vor allem auf Fuss- und Veloverkehr ausgerichtet werden. Trotzdem bleiben auf dem gesamten Areal rund 450 Auto-Parkplätze vorgesehen.

    Kultur als Teil der Entwicklung
    Auffällig ist die Verbindung von Immobilienentwicklung und öffentlicher Nutzung. Mit dem geplanten Kultur- und Begegnungszentrum KUBEZ soll am Sonnenhof nicht nur gebaut, sondern auch ein regionaler Treffpunkt für Kultur, Bildung und Freizeit geschaffen werden. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit der Stadt Bülach und umliegenden Gemeinden.

    Gerade das macht den Sonnenhof mehr als zu einer klassischen Überbauung. Das Areal soll nicht nur Wohnraum liefern, sondern eine neue Mitte schaffen, die den Alltag der Stadt erweitert und die Verbindung zwischen Bahnhof, Zentrum und Quartier stärkt.

    Ein langer Weg zur neuen Mitte
    Noch ist der Sonnenhof ein Planungsprojekt. 2026 soll der private Gestaltungsplan eingereicht werden, 2027 wäre die Genehmigung vorgesehen. Die erste Etappe könnte 2029 starten und 2031 fertig sein, die Gesamtfertigstellung ist gemäss Projektstand für 2034 vorgesehen.

    Das zeigt die eigentliche Dimension solcher Vorhaben. Die Transformation eines zentralen Areals braucht nicht nur Kapital und Entwurfskraft, sondern vor allem Zeit, Verfahren und politische Abstimmung. Wenn der Sonnenhof gelingt, gewinnt Bülach nicht einfach neue Wohnungen. Die Stadt gewinnt ein neues Stück Urbanität.

  • Luzern stösst Zug vom Steuerthron

    Luzern stösst Zug vom Steuerthron

    Luzern senkt den effektiven Unternehmenssteuersatz 2026 von 11,91 auf 11,66 Prozent und überholt damit Zug, das neu bei 11,71 Prozent liegt. Damit ist Luzern laut PwC erstmals der Kanton mit den tiefsten Unternehmenssteuern der Schweiz.

    Die Differenz ist klein, die Botschaft umso grösser. Im Steuerwettbewerb zählt nicht nur die absolute Höhe, sondern auch die symbolische Wirkung. Wer an der Spitze steht, sendet ein klares Signal an mobile Unternehmen und Investoren.

    Die Schweiz bleibt in Bewegung
    Acht Kantone senken ihre Unternehmenssteuern leicht, vier erhöhen sie minimal. Insgesamt zeigt der Steuervergleich 2026 damit ein Land, das im internationalen Wettbewerb weiterhin aktiv bleibt und seine Attraktivität nicht einfach verwaltet.

    Auffällig ist dabei, dass die 2024 eingeführte OECD-Mindeststeuer die kantonalen Steuersätze bisher kaum verändert hat. PwC spricht von einer eher abwartenden Haltung gegenüber den neuen globalen Rahmenbedingungen. Gerade deshalb gewinnt der inner-schweizerische Wettbewerb weiter an Gewicht.

    Zürich und Bern geraten unter Druck
    Am anderen Ende der Skala stehen Bern und Zürich. Bern weist laut PwC einen effektiven Satz von 20,54 Prozent auf, Zürich liegt trotz leichter Senkung noch bei 19,47 Prozent. Beide Kantone zählen damit weiterhin zu den steuerlich teuersten Standorten für Unternehmen in der Schweiz.

    Das ist aus Standortsicht heikel. Denn hohe wirtschaftliche Qualität, gute Erreichbarkeit und starke Arbeitsmärkte reichen nicht immer aus, wenn die fiskalische Differenz fast doppelt so hoch ausfällt wie in Luzern. Der Steuerfaktor bleibt ein harter Hebel im Wettbewerb um Neuansiedlungen und Expansionen.

    Mehr als ein Steuerranking
    Die Zentralschweiz behauptet laut PwC ihre Rolle als besonders attraktiver Unternehmensraum. Luzern und Zug rangieren im internationalen Vergleich am unteren Ende der Steuerbelastung, in der EU besteuert nur Ungarn Unternehmen noch tiefer als Luzern.

    Damit wird klar, worum es wirklich geht. Nicht um einen reinen Zahlendreher zwischen zwei Kantonen, sondern um die strategische Positionierung ganzer Wirtschaftsräume. Luzern hat sich mit einem kleinen Schritt an die Spitze gesetzt. Im Standortwettbewerb kann genau das den Unterschied machen.

  • Zürich schärft sein Innovationsprofil

    Zürich schärft sein Innovationsprofil

    Der Kanton Zürich gehört zu den stärksten Wirtschaftsregionen Europas. Doch auch ein Spitzenstandort gerät unter Druck, wenn Fachkräfte fehlen, Entwicklungskosten steigen und der globale Wettbewerb härter wird.

    Genau hier setzt der Regierungsrat an. Er will den Innovationsstandort nicht mit Einzelaktionen aufladen, sondern mit verlässlichen Rahmenbedingungen stärken. Dieser Zürcher Weg soll Forschung, Unternehmertum und Anwendung enger verzahnen.

    Fünf Felder mit Hebelwirkung
    Für die Jahre 2027 bis 2030 definiert der Regierungsrat fünf Schwerpunkte. Halbleiter, Raumfahrt, Umwelttechnologien, Gesundheit und Risikokapital. Die Auswahl ist kein Zufall. Alle fünf Bereiche verbinden technologische Dynamik mit realen Wachstumschancen.

    Zugleich zeigen sie, wohin Zürich denkt. Nicht in kurzfristigen Trends, sondern in Feldern, in denen sich industrielle Stärke, Forschungskompetenz und neue Märkte überlagern. Das macht die Strategie wirtschaftspolitisch relevant.

    Vom Labor in den Markt
    Besonders interessant ist der Fokus auf Umsetzung. Innovation soll schneller in die Anwendung kommen. Genau hier verlieren viele starke Forschungsstandorte an Tempo.

    Bei Halbleitern geht es um Zugang zu Chip-Design, Reinräumen und Technologietransfer. In der Raumfahrt will Zürich Entwicklung und Skalierung neuer Anwendungen erleichtern. Im Gesundheitsbereich sollen digitale Lösungen rascher getestet, validiert und in Einrichtungen überführt werden. Der Anspruch ist klar. Nicht nur erfinden, sondern auch anwenden.

    Nachhaltigkeit wird zum Standortfaktor
    Spannend ist auch der Blick auf Umwelttechnologien. Nachhaltige Mobilität und kreislauffähiges Bauen werden nicht nur als ökologische Aufgabe verstanden, sondern als wirtschaftliche Chance.

    Das ist ein wichtiges Signal. Wer Versorgungssicherheit, Klimaziele und Standortqualität zusammen denkt, verschiebt Nachhaltigkeit aus der Nische ins Zentrum der Standortpolitik. Gerade für Zürich kann daraus ein neues Profil mit internationaler Strahlkraft entstehen.

    Kapital entscheidet mit
    Innovative Unternehmen brauchen mehr als gute Ideen. In der Wachstumsphase brauchen sie Kapital, das Skalierung ermöglicht. Darum setzt die Strategie auch beim Risikokapital an.

    Für die erste Etappe beantragt der Regierungsrat einen Rahmenkredit von 23 Millionen Franken. Das ist kein riesiger Betrag. Aber er markiert einen politischen Richtungsentscheid. Zürich will seine Innovationskraft nicht nur verwalten, sondern gezielt in Wertschöpfung und Arbeitsplätze übersetzen.

  • Das Netz wird zum Nadelöhr der Schweiz

    Das Netz wird zum Nadelöhr der Schweiz

    Mit 11 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen hat die Energiekommission des Ständerates die Gesetzesänderung zur Beschleunigung beim Aus- und Umbau der Stromnetze angenommen. Die Kommission macht damit klar, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur politisch nicht mehr als Nebenschauplatz behandelt werden soll.

    Das ist mehr als ein technischer Schritt. Die Kommission betont ausdrücklich die herausragende Bedeutung einer einheimischen, erneuerbaren Energieversorgung und verlangt, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen dieser Bedeutung endlich folgen. Das Stromnetz wird damit vom Begleiter zum strategischen Rückgrat der Energiepolitik.

    Freileitung vor Erdkabel
    In einem zentralen Punkt setzt die Kommission einen klaren Akzent. Leitungen des Übertragungsnetzes sollen in erster Linie als Freileitungen realisiert werden. Erdkabel bleiben die Ausnahme und sollen nur in besonderen Fällen geprüft werden. In Bauzonen soll dieser Grundsatz jedoch nicht gelten.

    Damit rückt die politische Priorität sichtbar auf Tempo und Umsetzbarkeit. Denn je komplexer die Interessenabwägung, desto länger dauern Verfahren. Genau hier will die Vorlage ansetzen und Planungsprozesse straffen.

    Mehr Spielraum beim Ersatz
    Besonders relevant ist der Blick auf den Bestand. In den kommenden Jahren erreicht ein grosser Teil der Netzinfrastruktur das Ende seiner Lebensdauer. Laut Swissgrid sind bereits heute strukturelle Engpässe spürbar und zwei Drittel des 6700 Kilometer langen Übertragungsnetzes sind über 40 Jahre alt.

    Die Kommission will deshalb den Ersatz bestehender Hoch- und Höchstspannungsleitungen erleichtern, auch auf bestehenden oder direkt angrenzenden Trassees. Dieses Prinzip soll neu auch für Teile des Verteilnetzes über 36 kV gelten. Das ist ein Signal mit Wirkung. Nicht jeder Netzausbau beginnt auf der grünen Wiese. Vieles entscheidet sich im schnelleren Ersatz des Bestehenden.

    Die stille Hürde der Energiewende
    Hinzu kommt ein Detail mit grosser Wirkung. Künftig sollen Transformatorenstationen unter bestimmten Bedingungen auch ausserhalb der Bauzone möglich sein, wenn innerhalb der Bauzone kein verhältnismässiger Standort gefunden wird. Auch das zeigt, wo die Energiewende im Alltag hängen bleibt. Oft nicht an der Strategie, sondern am Grundstück.

    Der Vorstoss trifft deshalb einen wunden Punkt. Die Schweiz hat die Produktion erneuerbarer Energie beschleunigt, doch das Netz droht zum Flaschenhals zu werden. Wenn Verfahren weiter Jahre dauern, bremsen nicht fehlende Ideen die Wende, sondern fehlende Leitungen.

  • 10 Millionen und dann

    10 Millionen und dann

    Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweiz über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ab. Sie will die ständige Wohnbevölkerung langfristig unter 10 Millionen halten und sieht ab 9,5 Millionen zusätzliche Massnahmen vor. Der politische Fokus liegt auf Zuwanderung. Der räumliche Effekt könnte jedoch viel breiter ausfallen.

    Denn Arbeitsmärkte lassen sich nicht einfach an der Landesgrenze stoppen. Wenn Unternehmen weiterhin Fachkräfte brauchen, aber weniger Menschen in der Schweiz wohnen können oder sollen, steigt der Druck auf grenznahe Wohn- und Pendelräume. Das verändert nicht nur Statistiken. Es verändert ganze Regionen.

    Der Wohnungsmarkt weicht aus
    Das Muster ist längst sichtbar. In der Genferseeregion wächst der Arbeitsmarkt stark, während Wohnraum auf Schweizer Seite chronisch knapp bleibt. Die Folge ist eine immer stärkere Ausdehnung des Metropolraums nach Frankreich.

    Die Preisdifferenz erklärt die Dynamik. Im Kanton Genf lagen die Angebotsmieten zuletzt bei 384 Franken pro Quadratmeter und Jahr, im grenznahen Frankreich je nach Lage nur bei 190 bis 260 Franken. Bei Wohneigentum ist der Abstand noch grösser. In Genf liegen die Angebotspreise bei rund 13’500 Franken pro Quadratmeter, im nahen Frankreich bei etwa 3’500 bis 6’000 Franken.

    Wenn Entlastung neue Lasten schafft
    Was für die Schweiz wie eine Bremse wirken soll, kann Grenzregionen zusätzlich anheizen. Mehr Grenzgänger bedeuten mehr Nachfrage nach Wohnraum ausserhalb der Schweiz, höhere Preise in den Nachbargemeinden und wachsenden Druck auf Schulen, Verkehr und kommunale Dienste. Genau davor warnen bereits Stimmen aus Hochsavoyen.

    Auch infrastrukturell ist das keine Nebenfrage. Neue Verkehrsangebote wie der Léman Express haben das grenzüberschreitende Pendeln deutlich erleichtert und rund um die Haltestellen neue Entwicklungsdynamik ausgelöst. Der Raum wächst damit nicht weniger. Er wächst nur anders.

    Was das für Standorte bedeutet
    Für die Standortpolitik ist das eine heikle Wahrheit. Wachstum verschwindet nicht, nur weil man es politisch deckeln will. Es sucht sich neue Wege über Pendlerachsen, Wohnstandorte und funktionale Wirtschaftsräume.

  • 2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    2000 Jobs stehen in Wettingen auf der Kippe

    Wettingen ist ins Zentrum einer wirtschaftspolitischen Weichenstellung gerückt. Der Aargauer Regierungsrat will den Richtplan im Gebiet Tägerhardächer anpassen und so die planerischen Voraussetzungen für einen möglichen Campus von Hitachi Energy schaffen.

    Der Schritt ist gross. Denn es geht nicht nur um ein einzelnes Bauvorhaben. Es geht um die Frage, ob der Aargau seine industrielle Substanz halten und zugleich ausbauen kann. Im besten Fall bleiben rund 1000 bestehende Arbeitsplätze im Kanton, zusätzlich könnten bis zu 2000 neue Stellen entstehen.

    Warum gerade Tägerhardächer
    Der Standort ist kein Zufall. Hitachi Energy prüft mehrere Optionen für den Ausbau seiner Kapazitäten und den Zusammenzug heutiger Arbeitsplätze. Das Gebiet Tägerhardächer gilt dabei als eine bevorzugte Variante.

    Aus Sicht der Standortförderung spricht viel für Wettingen. Das Areal liegt im Raum Zürich, Limmattal und Baden, ist verkehrlich stark angebunden und ermöglicht eine zusammenhängende, ausbaufähige Campuslösung. Hinzu kommt die Nähe zu einem bestehenden Cluster von Unternehmen aus dem Energiesektor. Das erhöht die Strahlkraft des Standorts weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

    Der Preis des Fortschritts
    Wo Entwicklung möglich wird, entstehen Konflikte. Für das Vorhaben müssten 10,7 Hektaren Siedlungsgebiet festgesetzt werden. Das Gebiet liegt heute im Landwirtschaftsraum und wird teilweise von einem Siedlungstrenngürtel überlagert.

    Genau hier entzündet sich die Kritik. Im Mitwirkungsverfahren wurden vor allem der Verlust von Kulturland, die Reduktion von Fruchtfolgeflächen, Eingriffe in den Siedlungstrenngürtel sowie Verkehrsfragen kritisch beurteilt. Der Regierungsrat hält dennoch fest, das Vorhaben sei aus kantonaler Sicht zweckmässig und räumlich abgestimmt. Parallel soll versucht werden, Landwirtschaftsflächen andernorts aufzuwerten, damit der Verlust begrenzt bleibt.

    Die Region denkt weiter als bis zur Werkhalle
    Entscheidend ist nun, ob Wachstum und Lebensqualität zusammenfinden. Denn ein Campus dieser Grössenordnung wirkt nicht nur auf den Arbeitsmarkt. Er verändert Verkehrsströme, Siedlungsräume und die Erwartungen an die Infrastruktur.

    Darum soll die Erschliessung nicht nur für das Auto funktionieren. Der öffentliche Verkehr sowie Fuss- und Veloverbindungen sollen so gestaltet werden, dass die Belastung für Nachbargemeinden möglichst tief bleibt. Das ist mehr als Begleitmusik. Es ist die Bedingung dafür, dass wirtschaftliche Dynamik regional akzeptiert wird.

    Noch ist nichts entschieden
    Der politische Wille ist sichtbar. Auch Wettingen und Baden Regio unterstützen die Richtplananpassung. Doch der definitive Standortentscheid des Unternehmens steht aus. Fällt er gegen Wettingen, werden die entsprechenden Beschlüsse hinfällig.

    Gerade darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Dossiers. Zukunft fällt nicht einfach vom Himmel. Sie muss planerisch vorbereitet, politisch getragen und regional austariert werden. Wettingen hat nun die Chance, genau das zu beweisen.

  • Der stille Aufstieg südlich des Gotthards

    Der stille Aufstieg südlich des Gotthards

    Das Regional Innovation Scoreboard 2025 der EU bestätigt dem Tessin den Status «Innovation Leader». Nur Zürich schneidet in der Schweiz besser ab. Hinter dem Rang stecken messbare Treiber. Die Hochschulen USI und SUPSI bilden das akademische Rückgrat, ergänzt durch Institute wie das IDSIA für künstliche Intelligenz und das nationale Hochleistungsrechenzentrum. Gleichzeitig investieren KMU im Kanton überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung.

    Drei Kompetenzzentren, ein Park
    Der Switzerland Innovation Park Ticino bündelt die Kräfte an drei Standorten. Das Swiss Drone Base Camp am Flughafen Riviera testet Drohnentechnologie im realen Luftraum. In Lugano treibt das Lifestyle Tech Competence Center die Digitalisierung von Mode, Food und Wellness voran. In Bellinzona forscht das Life Sciences Competence Center an Biomedizin und Onkologie. Ab 2032 zieht der Park in das Nuovo Quartiere Officine, ein 120’000 Quadratmeter grosses Stadtentwicklungsgebiet im Herzen der Kantonshauptstadt.

    Lugano setzt auf digitale Infrastruktur
    Die Stadt Lugano hat einen eigenen Weg eingeschlagen im Bereich Krypto. Über 400 Betriebe akzeptieren bereits digitale Zahlungsmittel, mehr als 100 Fintech- und Blockchain-Unternehmen haben sich angesiedelt. Im März 2026 startete Phase II in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Tether. Fünf Millionen Franken fliessen bis 2030 in digitale Resilienz, KI-Ökosysteme und dezentrale Stadtinfrastruktur. Lugano positioniert sich damit als drittgrösster Finanzplatz der Schweiz mit technologischem Ehrgeiz.

    60 Millionen Franken und ein klares Signal
    Der Grosse Rat hat Ende 2023 ein deutliches Zeichen gesetzt. Eine Kreditlinie von 60 Millionen Franken sichert die Innovationsförderung, die Forschungskooperation und die regionale Wirtschaftspolitik bis 2027. 25 Millionen fliessen direkt in Innovation und Forschungssynergien. Die Fondazione Agire, seit über 10 Jahren Innovationsagentur des Kantons, begleitet jährlich 20 Startup-Ideen über ihren Boldbrain-Accelerator und coacht KMU bei der Digitalisierung.

    Was die Immobilienbranche daraus lesen muss
    Standortförderung entfaltet ihren vollen Wert erst, wenn sie über Strategiepapiere hinauswächst. Das Tessin steht vor der Aufgabe, Flächenverfügbarkeit, Verfahrenssicherheit und urbane Qualität im gleichen Tempo zu entwickeln wie seine Innovationsprojekte. Für Investoren bedeutet das eine Region im Aufbruch mit hohem Potenzial und gleichzeitigem Bedarf an Geduld. Wer den Süden der Schweiz heute auf dem Radar hat, findet einen Standort, der liefern will und die Mittel dafür bereitstellt.

  • Eigentümerwechsel soll Wachstum im Geothermiemarkt beschleunigen

    Eigentümerwechsel soll Wachstum im Geothermiemarkt beschleunigen

    Die Investmentgesellschaft Dundee AG hat laut einer Mitteilung die Bohrfix Erdsonden AG übernommen. Das Unternehmen gilt demnach mit jährlich circa 240’000 Bohrmetern und 1150 Bohrungen weltweit zu den etabliertesten und erfolgreichsten unabhängigen Anbieter von Erdsondenbohrungen in der Schweiz. 

    Mit dem neuen Eigentümer erhält das Bohrunternehmen eine leicht veränderte Führungsstruktur. Per sofort ist Hans Rosenberger, Verwaltungsratspräsident der Dundee AG, Präsident des Verwaltungsrats der Bohrfix Erdsonden AG. Operativ wird diese weiter von Sascha Jordi geleitet. Jordi ist seit 1998 Bohrmeister und seit Juni 2025 als Projektleiter bei der Bohrfix Erdsonden AG tätig. Vinzenz Schönenberger bleibt wie bisher kaufmännischer Geschäftsleiter und Delegierter des Verwaltungsrats. Trotz veränderter Führungsstruktur werden alle bestehenden Mitarbeitenden übernommen. Für Kunden und Auftraggeber ändert sich operativ nichts.

    „Mit der Übernahme der Bohrfix Erdsonden AG investieren wir in ein Unternehmen mit hervorragender Marktstellung, erfahrenem Team und grossem Wachstumspotenzial im Bereich Geothermie und erneuerbarer Energien. Wir freuen uns auf diese spannende Partnerschaft“, wird Hans Rosenberger zitiert.

    Hintergrund der Übernahme ist die Entscheidung des vorherigen Eigentümers Alban Berisha, sich vollständig auf die Weiterentwicklung seines Investment- und Immobilienportfolios zu konzentrieren. Der neue Eigentümer plant, die marktführende Position der Bohrfix Erdsonden AG weiterzuentwickeln und ausserdem in Zukunft in Wachstum, Technik und Personal zu investieren.

  • Bellinzona wagt den grossen Umbau

    Bellinzona wagt den grossen Umbau

    Innerstädtische Transformationsflächen dieser Grösse gibt es in der Schweiz kaum. Das FFS-Areal im Herzen von Bellinzona bietet eine Chance, die Städte wie Zürich oder Basel längst nicht mehr haben. Der neue Stadtteil soll nicht auf der grünen Wiese entstehen, sondern die historische Stadt mit dem Bahnhofsumfeld und neuen Entwicklungszonen verweben. Nutzungsdurchmischung, Biodiversität und grosszügige Freiräume stehen im Zentrum des Masterplans.

    Den internationalen Wettbewerb gewann das Team sa_partners, TAMassociati und Franco Giorgetta. Ihr Entwurf bricht das bisher geschlossene Industriegelände auf und organisiert es um die «Almenda». Einen 6,4 Hektaren grossen zentralen Grünraum, der als ökologisches und soziales Rückgrat das gesamte Quartier strukturiert. Die denkmalgeschützte «Cattedrale», seit 1919 Revisionsstandort für Lokomotiven, bleibt als identitätsstiftender Fixpunkt erhalten und wird zum Ankerbau des neuen Stadtteils.

    Innovation als Herzstück
    Das Quartier wird künftig auch Heimat des Switzerland Innovation Park Ticino sein. Der Park wurde im November 2024 offiziell als Standort des Switzerland Innovation Park Zurich anerkannt und wird von USI, SUPSI, BancaStato, der Tessiner Handelskammer sowie dem Arbeitgeberverband AITI mitgetragen. Ab 2032 zieht der Park mit seiner Zentrale auf eine 25 000 Quadratmeter grosse Fläche innerhalb des neuen Quartiers.

    Drei Kompetenzzentren sind bereits aktiv, Swiss Drone Base in Lodrino für Drohnentechnologie, ein Hub in Bellinzona für Life Sciences und ein Standort in Lugano für Lifestyle Tech. Zusammen mit postgradualen Ausbildungsangeboten von USI und SUPSI entsteht ein Innovationscluster mit überregionaler Strahlkraft. Bellinzona positioniert sich damit als Standort zwischen Verwaltung, Technologie und urbaner Lebensqualität und als ernstzunehmende Alternative zu den grossen Schweizer Technologiepolen.

    Rückschlag im Herbst 2025
    Der Weg ist nicht frei. Im Oktober 2025 annullierte das kantonale Verwaltungsgericht den Detailbebauungsplan des Gemeinderats von April 2023. Die finanziellen Aspekte waren unzureichend dargelegt, insbesondere die Kosten für den Erwerb der öffentlichen Flächen und die Altlastensanierung, die auf 30 bis 50 Millionen Franken geschätzt wird. Der Planungsprozess muss teilweise von vorne beginnen.

    Parallel laufen bereits die Bauarbeiten für die neue FFS-Werkstätte in Arbedo-Castione, ein Grossprojekt von 755 Millionen Franken mit geplanter Inbetriebnahme 2028. Erst mit dem Umzug der Officine wird das Areal frei. Die erste Realisierungsphase startet voraussichtlich frühestens zwischen 2030 und 2035. Die Gesamttransformation dürfte sich über 20 bis 40 Jahre erstrecken. Der Zeitdruck ist real, die Komplexität hoch.

    Modell für die mittlere Schweiz
    Porta del Ticino zeigt, wie mittelgrosse Zentren jenseits der Metropolräume mit grossen Industriearealen umgehen können. Nicht monofunktional überbauen, sondern als urbanen Transformationsraum mit langfristiger regionaler Wirkung entwickeln. Was in Bellinzona entsteht, kann Massstab sein für andere Städte im gleichen Grössenbereich. Von Aarau bis Chur, von Schaffhausen bis Sion.

    Ob die planerische Qualität über Jahre gesichert, Investitionen gebündelt und die Vision in eine belastbare Realisierungsperspektive umgesetzt werden kann, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Der eigentliche Prüfstein hat gerade erst begonnen.

  • Kanton Bern plant Grossbau im Berner Seeland

    Kanton Bern plant Grossbau im Berner Seeland

    Am Schermenweg in Bern hat das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt seit Jahrzehnten seinen Hauptsitz. Die Gebäude dort zeigen statische Mängel und sind in einem Zustand, der eine Totalsanierung unter laufendem Betrieb verunmöglicht. Hinzu kommt ein zweiter Standort in Ostermundigen, wo der Kanton jährlich über eine Million Franken Miete bezahlt.

    Dreimal umziehen oder einmal bauen
    Der Entscheid fiel zugunsten eines Neubaus. Alle drei Standorte werden aufgelöst, die rund 400 Mitarbeitenden an einem einzigen Ort zusammengeführt. Das neue Gebäude auf der Buechlimatt in Münchenbuchsee bietet auf einer Grundstücksfläche Platz für Büros, Prüfstellen und den gesamten Kundenbetrieb. Fahrzeugzulassungen, Führerprüfungen, administrative Abläufe: Alles unter einem Dach, erstmals seit Jahrzehnten.

    Ein Wettbewerb, ein Sieger, ein Holzbau
    2021 schrieb der Kanton einen offenen Projektwettbewerb aus. Dreissig Teams reichten Entwürfe ein, das Zürcher Planerteam aus Studiomori Architektur und KNTXT Architekten überzeugte die Jury. Ihr Projekt trägt den programmatischen Namen «Einer für alle». Es setzt auf einen unterhaltsarmen Holzbau, der sich organisch in den ländlichen Dorfrand von Münchenbuchsee einfügt. Kein Statement aus Beton und Glas, sondern ein Gebäude, das die Klimastrategie des Kantons Bern sichtbar macht. Holz als Baustoff reduziert die CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus.

    Die Politik entscheidet
    Die Berner Regierung hat im April 2026 den Verpflichtungskredit von 132,9 Millionen Franken beim Grossen Rat beantragt. Dieser entscheidet voraussichtlich im Herbst 2026. Dass der Betrag seit der Wettbewerbsphase 2021 von damals rund 104 Millionen Franken auf 132,9 Millionen gestiegen ist, dürfte im Parlament Fragen aufwerfen. Bauteuerung und gestiegene Planungsanforderungen gelten als Hauptgründe. Wer die Mietkosten und den Sanierungsstau gegenrechnet, kommt auf einen klaren betriebswirtschaftlichen Befund zugunsten des Neubaus.

    Einzug frühestens 2031
    Verläuft die parlamentarische Beratung planmässig, folgen Baueingabe Mitte 2026 und Baubeginn 2028. Die Inbetriebnahme ist für 2030 bis 2031 geplant. Für Münchenbuchsee bedeutet das ein neues Arbeitsplatzzentrum mit mehreren hundert Beschäftigten am Dorfrand. Für den Kanton Bern bedeutet es das Ende eines langen Verwaltungsumbaus. Und für die Schweizer Bauwirtschaft steht das Projekt exemplarisch für einen Trend, der 2026 an Fahrt gewinnt. Öffentliche Bauten aus Holz, gebaut für die nächste Generation.

  • 11. Mai an dem die Schweiz ihre Grenzen überschreitet

    11. Mai an dem die Schweiz ihre Grenzen überschreitet

    Seit der ersten Erfassung des ökologischen Fussabdrucks 1961 hat sich der Schweizer Overshoot Day um mehr als sieben Monate nach vorne verschoben, von Ende Dezember auf Mitte Mai. Würde die gesamte Weltbevölkerung so leben wie die Schweiz, bräuchte es 2026 die Ressourcen von 2.8 Erden. Der ökologische Fussabdruck der Schweiz liegt bei 4.15 globalen Hektar pro Person, die verfügbare Biokapazität beträgt gerade einmal 1.48 Hektar. Die Lücke wächst.

    Wohnen als unterschätzter Treiber
    Wohnen ist einer der stärksten Treiber des Schweizer Overshoots, neben Mobilität, Ernährung und importierten Gütern. Zwischen 1990 und 2021 stieg die Wohnfläche in der Schweiz um 54 Prozent, die Bevölkerung hingegen nur um 31 Prozent. Individuelle Verhaltensänderungen können dabei nur rund 20 Prozent der Einsparungen bewirken. Die grossen Hebel liegen anderswo.

    Gebäude als Rohstofflager
    Der Gebäudesektor verursacht über 40 Prozent des globalen Treibhausgasausstosses. Neben der Betriebsenergie Heizen, Kühlen, Strom, entscheidet vor allem die graue Energie darüber, wie gross der Fussabdruck eines Gebäudes wirklich ist. Sie umfasst die gesamte Energie von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zum Rückbau. Solange Abbruch günstiger ist als Wiederverwertung, bleibt das Potenzial der Kreislaufwirtschaft ungenutzt.

    Regulierung zieht an
    Der gesetzliche Rahmen verdichtet sich. Das Klima- und Innovationsgesetz ist seit Januar 2025 in Kraft und schafft Förderanreize für den Ersatz fossiler Heizsysteme und Energieeffizienzmassnahmen. Die MuKEn 2025, verabschiedet im August 2025, definieren erstmals Grenzwerte für die graue Energie bei Neubauten und erhöhen die Anforderungen an Photovoltaik und erneuerbare Heizsysteme. Verbindlich werden sie jedoch erst, wenn die Kantone sie in ihre Energiegesetze überführen.

    Systemwandel statt Symbolpolitik
    Die Botschaft des Overshoot Days ist eindeutig, kleine Anpassungen reichen nicht. Gefragt sind skalierbare Lösungen in Energie, Mobilität, Materialwirtschaft und Arealentwicklung. Die Bau- und Immobilienbranche kann als Querschnittsbranche in allen diesen Bereichen Wirkung erzielen, wenn Daten präzise erfasst, Materialien dokumentiert und zirkuläre Prozesse standardisiert werden. Gebäude als Rohstofflager statt Deponielieferanten, das ist die Richtung.

  • Schweizer Holz soll Pflicht werden

    Schweizer Holz soll Pflicht werden

    Die Schweizer Wälder produzieren jährlich 10,4 Millionen Kubikmeter Holz, verbraucht werden davon gerade einmal 5 Millionen. Insgesamt landen aber 10 Millionen Kubikmeter Holz auf Schweizer Baustellen. Der Rest kommt aus dem Ausland, weil er deutlich günstiger ist. Ein Ressourcenpotenzial, das brach liegt, obwohl die Nachfrage vorhanden wäre.

    Was der Nationalrat fordert
    Nationalrat Daniel Ruch (FDP/VD), von Beruf Waadtländer Forstunternehmer, hat eine Motion eingereicht, die das Waldgesetz ändern soll. Bei Bauten, die mit Bundesgeldern subventioniert werden, soll künftig Schweizer Holz eingesetzt werden, ohne dass den Bauherrschaften dadurch Mehrkosten entstehen. Der Nationalrat hat die Motion angenommen, jetzt liegt der Ball beim Ständerat.

    Der Bundesrat bremst
    Bundesrat Martin Pfister, der den rekonvaleszenten Umweltminister Albert Rösti an der Debatte vertrat, stellte sich gegen eine direkte Subventionierung. Der Bund fördere nachhaltiges Holz bereits bei eigenen Bauten und Anlagen. Eine gesetzliche Grundlage dafür besteht seit der Waldgesetz-Revision von 2017. Für neue Subventionen fehle angesichts der angespannten Bundesfinanzen der Spielraum, und Wettbewerbsverzerrungen seien zu vermeiden.

    Kein neues Thema, aber neuer Druck
    Bereits 2021 nahm der Nationalrat eine ähnliche Motion zur vollständigen Wertschöpfungskette der Holzwirtschaft mit 151 zu 29 Stimmen an, ebenfalls gegen den Willen des Bundesrats. Einzelne Kantone wie Thurgau und Zug haben auf kantonaler Ebene schon Holzförderung in ihre Gesetzgebung integriert. Der Handlungsdruck wächst.

    Was auf dem Spiel steht
    Holz ist der einzige vollständig erneuerbare Baustoff der Schweiz. Wer ihn konsequent einsetzt, stärkt die regionale Wertschöpfung, reduziert Transportemissionen und schützt den Wald vor Überalterung. Ob der Ständerat die Motion stützt oder abbremst, entscheidet, ob diese Logik endlich auch rechtlich verankert wird.

  • Die Stadt formt den Verkehr und der Verkehr formt die Stadt

    Die Stadt formt den Verkehr und der Verkehr formt die Stadt

    Forschende der ETH Zürich und der University of Wisconsin-Madison haben Geoinformationsdaten von 30 Grossstädten weltweit mit Staudaten in Beziehung gesetzt. Erstmals gelang es ihnen, nicht nur Korrelationen, sondern echte Ursache-Wirkung-Beziehungen zwischen Stadtveränderungen und Verkehrsfluss nachzuweisen. Die Studie ist im April 2026 in der Fachzeitschrift «Nature Communications» erschienen.

    Drei Faktoren, ein Stau
    Das Forscherteam um Erstautor Yatao Zhang unterschied drei Dimensionen. Die Struktur des Strassennetzes, die räumliche Form der Stadt und die Funktion einzelner Flächen, also ob dort gewohnt, eingekauft oder gearbeitet wird. Überraschenderweise entscheidet nicht allein das Strassennetz über den Verkehrsfluss. Eine zersiedelte Stadt erzeugt strukturell mehr Verkehr. Die Konzentration von Freizeitangeboten in einem Quartier treibt den Wochenendverkehr hoch. Mischnutzungen hingegen , Wohnen und Arbeiten nah beieinander, verkürzen Pendlerstrecken und reduzieren das Verkehrsaufkommen. «Verkehr entsteht durch das, was Menschen tun, nicht allein durch die Existenz von Strassen», bringt es Zhang auf den Punkt.

    Singapur versus Zürich
    Der internationale Vergleich zeigt starke Unterschiede. In Singapur sind Wohngebiete klar vom Dienstleistungszentrum getrennt und bauliche Veränderungen schlagen direkt auf die Pendlerströme durch. In Zürich ist diese Kopplung deutlich schwächer, weil Wohnungen über die gesamte Stadt verteilt sind und Arbeitswege kürzer und diverser verlaufen. Solche Unterschiede lassen sich jetzt erstmals systematisch messen und vergleichen.

    Was das für die Planung bedeutet
    ETH-Professor Martin Raubal, der die Studie betreut hat, sieht grosses Potenzial für die Stadt- und Verkehrsplanung. Die neue Methode erlaubt Prognosen darüber, wie sich ein Eingriff, etwa der Bau eines grossen Einkaufszentrums, mittelfristig auf den Verkehr auswirkt. Städte könnten damit Massnahmen besser simulieren, bevor sie umgesetzt werden. Für konkrete Empfehlungen in Zürich oder anderen Städten braucht es allerdings noch vertiefende Detailanalysen.

    Daten aus offenen Quellen
    Als Datenbasis diente hauptsächlich Open Street Map, ergänzt durch Verkehrsstaudaten von Here Technologies, die weltweit alle fünf Minuten aktualisiert werden. Allein für Los Angeles flossen die Stauwerte von über 18’000 Strassenabschnitten in die Auswertung ein. Dass eine solche Studie auf öffentlich zugänglichen Geodaten basiert, macht den Ansatz reproduzierbar und skalierbar.

  • Zürich bündelt Wirtschaftsförderung in einem Gesetz

    Zürich bündelt Wirtschaftsförderung in einem Gesetz

    Der Weg war lang. Die Volkswirtschaftsdirektion entwickelte die Gesetzesgrundlage seit 2020, die Vernehmlassung lief 2022, im Herbst 2025 stimmte der Kantonsrat mit 114 zu 59 Stimmen zu. Am 30. April 2026 setzt der Regierungsrat das Standortförderungs- und Unternehmensentlastungsgesetz per 1. Juli 2026 in Kraft. Was vorher Stückwerk war, hat jetzt eine klare gesetzliche Heimat.

    Was das Gesetz bündelt
    Das Gesetz fasst sechs zentrale Aufgabenbereiche unter einem Dach zusammen, die Standortentwicklung, Stärkung der Innovationsfähigkeit, Pflege ansässiger Unternehmen, Ansiedlung neuer Betriebe, Standortpromotion und wirtschaftliche Aussenbeziehungen. Zugleich wird das bisherige Gesetz zur administrativen Entlastung aufgehoben und vollständig integriert. Damit endet ein Doppelspurrennen zwischen zwei separaten Regelwerken.

    Der Druck dahinter
    Energieknappheit, Fachkräftemangel, die OECD-Mindeststeuer und das ungeklärte Verhältnis zur EU setzen den Wirtschaftsstandort Zürich unter Druck. Eine gesetzlich verankerte Standortförderung soll die Reaktionsfähigkeit des Kantons erhöhen und sicherstellen, dass Massnahmen schnell und zielgerichtet umgesetzt werden können. Das Gesetz enthält auch eine Grundlage, damit sich der Kanton rasch an Bundesprogrammen zur Krisenunterstützung beteiligen kann.

    Unternehmensentlastung als Kernstück
    Die bisherige Koordinationsstelle wird zur Fachstelle Unternehmensentlastung aufgewertet. Sie prüft künftig systematisch alle neuen und geänderten kantonalen Gesetze und Verordnungen auf ihre Auswirkungen auf Unternehmen. Die sogenannte Regulierungsfolgenabschätzung hat ein klares Ziel, unternehmensfreundliche Regulierungen und ein digital abgewickelter Vollzug, der Zeit und Aufwand spart.

    Zürich als Vorbild
    Damit positioniert sich Zürich als Kanton, der wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit nicht dem Zufall überlässt. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh hat das Gesetz massgeblich geprägt, es ist eines der letzten grossen Projekte ihrer zwölf Amtsjahre. Der Startschuss fällt am 1. Juli 2026, in dem Moment, in dem Walker Späh ihr Regierungspräsidialjahr bereits läuft.

  • Wirtschaftsraum Ticino zwischen Energie, Wohnen und Investitionen

    Wirtschaftsraum Ticino zwischen Energie, Wohnen und Investitionen

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    Am 108. immoTable Ticino in Savosa diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Immobilienwirtschaft, Energie, Planung und Investment über die Zukunft des Wirtschaftsraums Ticino. Im Zentrum standen dabei nicht nur einzelne Projekte, sondern die grundlegende Frage, wie sich das Tessin als moderner Wirtschafts- und Immobilienstandort weiterentwickeln kann.

    Die Diskussion machte deutlich, dass das Tessin heute weit mehr ist als Ferien- und Zweitwohnungsregion. Hohe Lebensqualität, strategische Lage und spannende Entwicklungspotenziale treffen auf Herausforderungen bei Verfahren, Wohnraum, Mobilität und regionaler Zusammenarbeit.

    Roberto Fantoni von Volta RE zeigte auf, wie stark sich der Energiemarkt verändert hat. Während die Einspeisevergütung für Photovoltaikstrom in den letzten Jahren massiv gesunken ist, entstehen mit Energiegemeinschaften, virtuellen Zusammenschlüssen und lokalen Stromgemeinschaften neue Modelle für Immobilienbesitzer, Gemeinden und Arealentwicklungen. Besonders die neuen CLE Modelle ab 2026 könnten den Immobilienmarkt nachhaltig verändern. Gleichzeitig wurde klar, dass Eigentümer und Verwaltungen zunehmend Lösungen suchen, welche Energiekosten senken, Gebäude energetisch aufwerten und Investitionen vereinfachen.

    Monique Bosco-von Allmen von CASSI rückte die Wohnfrage ins Zentrum. Sie machte deutlich, dass das Tessin im Bereich gemeinnütziger Wohnbau im schweizweiten Vergleich stark zurückliegt und die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum, demografischen Wandel und nachhaltige Wohnformen dringend an Bedeutung gewinnt. Thematisiert wurden unter anderem Gentrifizierung, steigende Mietkosten, die geringe Quote gemeinnütziger Wohnungen sowie die Frage, wie Politik, Gemeinden und private Akteure gemeinsam neue Wohnmodelle fördern können. Gleichzeitig wurde betont, dass Wohnen weit mehr sei als nur ein Dach über dem Kopf, sondern eng mit sozialem Gleichgewicht, Generationendialog und Lebensqualität verbunden ist.

    Manuel Gamper von Leading Investors zeigte das Tessin aus Sicht nationaler und internationaler Investoren. Das Tessin bleibe attraktiv, befinde sich aber in einem anspruchsvolleren Marktumfeld, das deutlich mehr Professionalität, Datenkompetenz und strategisches Denken verlange. Besonders wichtig seien Planbarkeit, Geschwindigkeit, grössere Volumen und ein professionelles Ökosystem entlang der gesamten Immobilienwertschöpfungskette. Gleichzeitig wurde deutlich, dass das Tessin trotz seiner begrenzten Marktgrösse über interessante Renditen und erhebliches Entwicklungspotenzial verfügt, wenn Projekte qualitativ hochwertig, flexibel und langfristig ausgerichtet werden.

    Die Zukunft des Wirtschaftsraums Ticino entscheidet sich nicht allein über einzelne Bauprojekte oder Investments, sondern über Zusammenarbeit, Qualität, Innovation und die Fähigkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Energie, Mobilität und Wohnen gemeinsam zu denken.

    Der nächste immoTable findet am 18. Juni 2026 im StartUp Space in Schlieren statt.

  • Bauen neu denken, Freiburg sucht Pioniere

    Bauen neu denken, Freiburg sucht Pioniere

    Ab 2029 gelten in der Schweiz neue Grenzwerte für Treibhausgasemissionen und Vorgaben zur grauen Energie im Bauwesen. Festgelegt durch die Revision der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich. Der Druck auf die Baubranche wächst. Wer heute nicht in neue Prozesse und Materialien investiert, riskiert morgen teure Anpassungen unter Zeitdruck. Der Kanton Freiburg hat dies erkannt und handelt vorausschauend. Bereits 2023 hat er eine Roadmap zur Kreislaufwirtschaft verabschiedet, die strukturelle Veränderungen im Bauwesen als Priorität setzt.

    Innovation entlang der ganzen Wertschöpfungskette
    Das Thema des diesjährigen Aufrufs lautet «Bauen neu denken, hin zu kreislauforientierten und umweltgerecht konzipierten Systemen». Gesucht sind Projekte, die den ökologischen Fussabdruck von Gebäuden bereits in der Planungsphase reduzieren, durch lokale biobasierte Materialien, rückbaubare Konstruktionssysteme oder digitale Werkzeuge zur Materialnachverfolgung. Die Schweizer Charta Kreislauforientiertes Bauen, die von zwölf führenden Organisationen aus der Bau- und Immobilienbranche getragen wird, formuliert das Ziel klar: «Bis 2030 soll der Anteil nicht erneuerbarer Primärrohstoffe auf 50 Prozent der Gesamtmasse sinken.»

    Kollaboration als Bedingung
    Einzelkämpfer haben hier keine Chance. Jedes eingereichte Projekt muss mindestens drei Unternehmen umfassen, wobei die Mehrheit ihren Sitz im Kanton Freiburg haben muss. Akademische Partner wie die Hochschule für Technik und Architektur HTA-FR können beigezogen werden, um Wissenstransfer und Reproduzierbarkeit der Lösungen sicherzustellen. Nicolas Huet von INNOSQUARE betont, dass die Herausforderungen die Zirkularität zu bewältigen, die Innovation gemeinsam erfolgen muss.

    Finanzierung mit Eigenverantwortung
    Die NRP-Förderung deckt maximal 65 Prozent des Gesamtbudgets, der Rest liegt bei den beteiligten Unternehmen, 10 Prozent in bar, 25 Prozent als Eigenleistung. Diese Struktur ist kein Hindernis, sie ist Programm. Sie stellt sicher, dass nur Projekte eingereicht werden, hinter denen die Unternehmen wirklich stehen. Alain Lunghi, stellvertretender Direktor der WIF, sieht Vorausschau als entscheidenden Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit der Freiburger Unternehmen.

    Jetzt einreichen
    Projekte können einzeln oder im Konsortium über www.promfr.ch/de/nrp  eingereicht werden. Der Aufruf wird getragen von der Wirtschaftsförderung WIF, der Handels- und Industriekammer Freiburg, der HTA-FR sowie der Innovationsplattform INNOSQUARE. Die Frist läuft am 9. September 2026 ab. Wer die Bauwende als Chance begreift, hat noch Zeit zum Handeln.

  • Wer blockiert, zahlt

    Wer blockiert, zahlt

    Die Mehrheit der Baubewilligungsverfahren in der Schweiz läuft innerhalb angemessener Fristen ab. Doch es gibt Ausreisser und die wirken sich gravierend aus. Einsprachen und Rekurse können Projekte jahrelang blockieren oder ganz verhindern. Heute kann sogar Einsprache erheben, wer von einem Projekt gar nicht direkt betroffen ist, etwa weil die geplante Fassadenfarbe des Nachbarn missfällt. Das ist einer der strukturellen Schwachpunkte, den der Bundesrat nun adressiert.

    Wohnungsbau wird zum Staatsziel
    Der stärkste Hebel des Reformpakets liegt im Raumplanungsgesetz. Wohnungsbau im Rahmen der Siedlungsentwicklung nach innen soll dort als nationales Interesse verankert werden. Das klingt technisch, hat aber konkrete Wirkung. Bei der Interessenabwägung erhielte der Wohnungsbau mehr Gewicht gegenüber dem Ortsbildschutz oder dem Denkmalschutz. Projekte, die heute an lokalen Schutzinteressen scheitern, hätten damit bessere Realisierungschancen.

    Einsprachen mit Konsequenzen
    Wer missbräuchlich Einsprache erhebt, also mit dem einzigen Ziel, ein Projekt zu verzögern, soll künftig die Verfahrenskosten tragen. Der Bundesrat prüft, die Kantone gesetzlich zu verpflichten, solche Kosten den Einsprechenden aufzuerlegen. Gleichzeitig soll die Beschwerdelegitimation für Privatpersonen vor Bundesgericht eingeschränkt werden. Pauschale Gebühren für abgewiesene Einsprachen lehnt der Bundesrat hingegen ab. Der Zugang zum Rechtsschutz soll nicht vom Portemonnaie abhängen.

    Die Grenzen des Bundes
    Trotz des politischen Willens sind die Eingriffsmöglichkeiten des Bundes begrenzt. Baubewilligungsverfahren liegen in der Hoheit der Kantone. Verbindliche Fristen für kantonale Verfahren oder die Pflicht zur Einführung digitaler Bewilligungsprozesse kann der Bund nicht verordnen. Er empfiehlt den Kantonen, solche Massnahmen eigenverantwortlich einzuführen, da sie langfristig nachweislich beschleunigend wirken. Der Branchenverband Bauenschweiz unterstützt diese Stossrichtung und fordert schlankere Prozesse bei gleichzeitig hoher Planungsqualität.

    Vernehmlassung
    Der Reformbericht erfüllt fünf Postulate aus National- und Ständerat und ist Teil des Aktionsplans Wohnungsknappheit des Bundes. Das UVEK erhält nun den Auftrag, bis Ende 2026 eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten. Bis konkrete Gesetzesänderungen in Kraft treten, dürften noch Jahre vergehen.

  • Hybrid ist die neue Normalität

    Hybrid ist die neue Normalität

    77 Prozent der Schweizer Unternehmen setzen heute auf hybride Arbeitsmodelle. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor der Pandemie. In Deutschland bieten 79 Prozent der Unternehmen hybrides Arbeiten an, der Anteil der Beschäftigten mit Homeoffice pendelt stabil zwischen 23 und 24 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Analyse von Stellenanzeigen, einem zuverlässigen Seismografen für mittelfristige Unternehmensentscheidungen, dass hybrides Arbeiten seit 2023 konstant in rund 20 Prozent der deutschen und 15 Prozent der Schweizer Ausschreibungen als Arbeitsmodell kommuniziert wird.

    Rekalibrierung, keine Kapitulation
    Ja, die durchschnittliche Homeoffice-Zeit ist leicht gesunken. In der Schweiz von 1,36 auf 1,15 Tage pro Woche, in Deutschland von 1,0 auf 0,85 Tage. Wer darin das Ende der Flexibilisierung sieht, liest die Daten falsch. Nur 4 bis 5 Prozent der deutschen Unternehmen erwägen, das Homeoffice vollständig abzuschaffen. 74 Prozent planen, hybride Modelle beizubehalten, 11 Prozent wollen die Flexibilität sogar ausweiten. Unternehmerisches Denken justieren, es dreht nicht zurück.

    Das Büro neu denken
    Die eigentliche Frage lautet nicht, wie viele Tage jemand im Büro verbringt. Sie lautet, warum jemand ins Büro kommen soll. 75 Prozent der Mitarbeitenden sehen das Büro als besseren Ort für sozialen Austausch, 58 Prozent für Networking und Karrierepflege, 49 Prozent für kreative Interaktion. Das Büro wandelt sich vom Pflichtort zum Anlaufpunkt für das, was remote nicht funktioniert. CBRE spricht vom «Office als Attraktor», ein Ort, der einen erlebbaren Mehrwert bieten muss, um die Anreise zu rechtfertigen. Global hat sich die Büroauslastung inzwischen auf 53 Prozent erholt, dem höchsten Wert seit März 2020.

    Was Unternehmen jetzt tun müssen
    Die Daten sind klar, die Handlungsfelder auch. 72 Prozent der befragten Unternehmen haben sich zum Ziel gesetzt, die Büroraumnutzung zu verbessern. 66 Prozent wollen das Office-Erlebnis nachhaltig steigern. Sprich, Flächen die Zusammenarbeit ermöglichen statt verhindern. Konzepte, die Teamtage sinnvoll gestalten und eine Unternehmenskultur, die Präsenz nicht erzwingt, sondern attraktiv macht. Wer das Büro als blosses Kostenproblem betrachtet, verpasst die eigentliche strategische Frage. Welchen Wert schafft es für Mensch und Organisation?

    Flexibilität als Wettbewerbsfaktor
    Hybrides Arbeiten ist längst mehr als ein HR-Thema. Es ist ein Faktor im Kampf um Fachkräfte. Unternehmen, die Flexibilität glaubwürdig leben, haben im Recruiting einen messbaren Vorteil. Die ISG-Studie zur Zukunft des Arbeitsplatzes Schweiz zeigt, Employee Experience ist zum zentralen Hebel geworden, von der Zusammenarbeit über das Onboarding bis zur Raumverfügbarkeit. Hybrides Arbeiten ist das neue Normal und wer es jetzt strategisch gestaltet, positioniert sich als Arbeitgeber der Zukunft.

  • Solarzellen, die sich tarnen

    Solarzellen, die sich tarnen

    Die Natur zeigt uns, wie es geht. Der Morpho-Schmetterling erzeugt seinen intensiv blauen Flügelglanz nicht durch Pigmente, sondern durch dreidimensionale Mikrostrukturen, die Licht brechen und reflektieren. Forscher des Fraunhofer ISE haben dieses Prinzip auf Photovoltaikmodule übertragen. Ein Vakuumprozess bringt eine ähnliche Oberflächenstruktur auf das Deckglas oder auf flexible Folien auf. Je nach Feinstruktur entstehen so Module in unterschiedlichsten Farben, von Ziegelrot bis Anthrazit. Das Ergebnis trägt den Namen MorphoColor®.

    Muster direkt ins Modul
    Neu ist nun die «ShadeCut»-Technik, die farbige Folien mit transparenten Aussparungen versieht und so komplexe Muster und Motive direkt in Solarmodule integriert. Ein Laser oder ein CAD-gesteuerter Schneidprozess bringt das gewünschte Motiv in die Folie ein, ob Ziegelstruktur, Mauerwerk oder ein Firmenlogo. Die Technik funktioniert mit allen gängigen Photovoltaik- und Solarthermie-Modulen und lässt sich sowohl als flexible Einbettungsfolie wie auch als Rückseitenfolie einsetzen. Die farbigen Module erreichen rund 95 Prozent der Leistung eines vergleichbaren unbeschichteten Moduls.

    Das Ende des Denkmalschutz-Dilemmas
    Gebäudeintegrierte Photovoltaik war bisher oft an ästhetischen Anforderungen gescheitert. Gerade denkmalgeschützte Bauten und Ortsbildschutzzonen stellten in der Schweiz und Deutschland hohe Hürden auf. In mehreren deutschen Bundesländern wurde der Denkmalschutz bereits gelockert, sofern Module farblich zur Gebäudehülle passen. Module können Mauerwerk oder Dachziegel täuschend echt imitieren und sich farblich perfekt einpassen, sagt Dr. Martin Heinrich, Gruppenleiter am Fraunhofer ISE. An der HSLU wurde mit einem Innosuisse-Projekt in der Viscosistadt Emmenbrücke bereits eine Demofassade in 78 Farbnuancen realisiert.

    BIPV vor dem Durchbruch
    Der Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik wächst rasch. Global wird er bis 2034 auf rund 85,9 Milliarden Dollar geschätzt, gegenüber 28,3 Milliarden im Jahr 2026. In der Schweiz vereinfacht seit diesem Jahr das Meldeverfahren für Fassadenanlagen die Bewilligungspraxis, was ästhetischen Fassadenlösungen einen klaren Nachfrageschub verleiht. Erste kommerzielle Tandem-Module mit BIPV-Fokus werden 2026 für Nischenmärkte erwartet. Fraunhofer ISE schätzt das Gesamtpotenzial von PV auf Gebäuden bis 2045 auf rund 1 000 GWp.

    Was in Freiburg im Labor entstand, kommt nun über einen Schweizer Partner auf Dächer und Fassaden.

  • Zürich erfindet sich neu

    Zürich erfindet sich neu

    Regierungsrätin Carmen Walker Späh sprach es offen aus, viele gute Ideen schaffen es nie in den Markt. Es fehlt nicht an Kreativität, sondern an der richtigen Unterstützung zur richtigen Zeit. Der Kanton Zürich hat deshalb dieses Jahr den Schritt gemacht und sich dem internationalen Programm «MIT REAP» angeschlossen. Ziel ist es, Finanzierung gezielter zu lenken, Akteure enger zu vernetzen und Skalierung systematisch zu fördern. Denn Zürich hat sich in den Bereichen KI, Robotik, Life Sciences und New Space Economy bereits als Hotspot etabliert. Nun geht es darum, diesen Vorsprung zu sichern.

    Ohne Leute geht gar nichts
    Markus Müller, Co-Leiter der Standortförderung, brachte es auf den Punkt mit einem Zitat des Medtech-Unternehmers Andy Rihs: «Ohni Lüt gaht nüt.» Kapital allein baut keine Zukunft. Was Zürich stark macht, ist die Fähigkeit, neue Ideen mit dem richtigen Know-how und den passenden Kapazitäten zusammenzubringen. Zürich soll eine führende Rolle in der New Space Economy übernehmen. Denn Innovation ist laut Müller das, was aus «gut» langfristig «führend» macht.

    Zukunft denkt man nicht allein
    Zukunftsforscherin Martina Kühne gab den Gästen drei Impulse mit auf den Weg. Weiter denken als bis morgen, Zukunftsbilder in der Mehrzahl entwickeln und Zukunft gemeinsam gestalten. Jedes Zukunftsbild sei wie ein Turngerät, an dem man sich gedanklich austoben kann. Wer das tut, kann Ideen für eine mögliche und wünschbare Zukunft entwickeln. Denn Zukunft, so Kühne, passiert nicht einfach.

    Kollaboration als Katalysator
    Was diese Theorie in die Praxis übersetzt, zeigt das ETH-Spin-off Sevensense. 2021 überzeugte das junge Start-up ABB mit seiner 3D-Vision-Technologie für autonome Roboter. Heute stammen rund 80 Prozent der von ABB verkauften autonomen Roboter von Sevensense. Ein Beweis dafür, wie wirkungsvoll das Zusammenspiel von etabliertem Kapital und frischem Erfindergeist ist.

    Organe im All, Muskeln im Labor
    Noch wagemutiger denkt «Prometheus Life Technologies». Das Start-up nutzt Schwerelosigkeit im All, um Organe dreidimensional wachsen zu lassen. Ermöglicht hat das ein Parabelflugprogramm im Innovationspark, in enger Zusammenarbeit mit dem Center for Space and Aviation der Universität Zürich. Nicht weniger ambitioniert ist Muvon, das gemeinsam mit der ZHAW an einer automatisierten Methode zur Muskelregeneration mit körpereigenen Zellen arbeitet. Gelingt die Skalierung, könnte damit Belastungsinkontinenz behandelt werden, von der ein bedeutender Anteil der Frauen über 40 in Europa betroffen ist.

    Eine Plattform, die selbst innoviert
    Samuel Mösle, Co-Leiter der Standortförderung, zog im Abschlussgespräch eine klare Linie. Die drei vorgestellten Start-ups bewegen sich an den Grenzen der vorstellbaren Zukunft. Die Innovations-Plattform wird künftig mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz interaktiver und vernetzender. Nach fünf Jahren ist die Initiative am Ende ihrer eigenen Start-up-Phase angelangt. Samuel Mösles Fazit trifft es präzise: «Es steht nicht nur Innovation drauf, es steckt auch Innovation drin.»

  • Mehr KI löst keine Datenprobleme

    Mehr KI löst keine Datenprobleme

    Der Irrtum beginnt mit der Investition
    Es ist ein vertrautes Muster: Ein Unternehmen erkennt das Potenzial von Künstlicher Intelligenz, sichtet Lösungen, wählt ein Tool – und startet. Die Erwartung: Die neue Technologie räumt bestehende Datenprobleme irgendwie aus dem Weg. Die Realität: Sie tut es nicht. Sie macht sie sichtbarer.

    Das ist kein Zufall. Es ist die Konsequenz einer falschen Reihenfolge.

    Daten werden gesammelt – aber nicht nutzbar gemacht
    In den meisten Immobilienunternehmen sind Daten vorhanden. Objektdaten, Mieterdaten, Betriebskennzahlen, Wartungshistorien – sie existieren. Das Problem ist nicht ihre Abwesenheit, sondern ihre Verfassung. Sie liegen verteilt über Systeme, sind inkonsistent gepflegt, widersprüchlich definiert oder schlicht nicht miteinander verknüpfbar. Für dieselbe Kennzahl existieren mitunter drei verschiedene Versionen – in drei verschiedenen Systemen.

    Wer unter diesen Bedingungen ein KI-Modell aufsetzt, bekommt keine Antworten. Er bekommt Ausgaben, die bestehende Unschärfen verstärken – automatisiert und in hoher Geschwindigkeit. KI erkennt Muster in Daten. Sind die Daten inkonsistent, lernt das Modell aus Inkonsistenz. Sind sie unvollständig, operiert es auf lückenhafter Grundlage.

    Eine neue Schicht Komplexität
    Was in der Praxis entsteht, ist kein Effizienzgewinn. Es ist eine neue Schicht Komplexität: KI-Outputs, denen niemand vertraut. Fachabteilungen, die Ergebnisse manuell nachprüfen. Projekte, die ins Stocken geraten. Viel Aufwand, wenig Wirkung, wachsende Frustration.

    Das Fatale: Viele Unternehmen reagieren darauf mit dem nächsten Tool-Upgrade. Der Kreislauf beginnt von vorn.

    Ein Data Hub ist kein Tool – er ist eine Struktur
    Der Ausweg liegt nicht in besseren Modellen. Er liegt in einer strukturellen Entscheidung: der Schaffung einer gemeinsamen, harmonisierten Datenbasis. Ein Data Hub ist dabei kein weiteres System, das zur bestehenden IT-Landschaft hinzukommt. Er ist das Gegenteil – er ersetzt Fragmentierung durch zentrale Verfügbarkeit. Er integriert verteilte Datenquellen, löst Silos und Inkonsistenzen auf und schafft die Grundlage für skalierbare KI-Anwendungen und automatisiertes Reporting.

    Entscheidend ist dabei nicht, wo Daten liegen. Entscheidend ist, wie sie nutzbar werden: einheitlich definiert, qualitätsgesichert, für unterschiedliche Anwendungsfälle zugänglich. Erst auf dieser Grundlage kann KI leisten, was sie verspricht.

    Datenqualität ist keine Vorarbeit – sie ist Daueraufgabe
    Selbst mit einem Data Hub bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Datenqualität ist kein einmaliges Bereinigungsprojekt vor dem Go-live. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess. Wer Datenqualität als Vorprojekt versteht, wird nach dem Launch feststellen, dass das eigentliche Problem erst beginnt.

    Ergänzt wird die Datenbasis durch einen Datenkatalog: Er dokumentiert transparent, welche Daten existieren, woher sie stammen und wie verlässlich sie sind. Er schafft die gemeinsame Sprache, die Fachabteilungen und Technologie verbindet – und gibt der Organisation die Kontrolle zurück.

    Im Webinar: Von der Datenbasis zur skalierbaren KI
    Wie Immobilienunternehmen diese Transformation konkret angehen können – von der Datenarchitektur über Qualitätssicherung bis zum produktiven KI-Einsatz – zeigen wir in unserem kostenlosen Webinar «Die optimale AI-Architektur: Wie Data Hub, Datenqualität und Datenkatalog den Unterschied machen». Mit Praxiseinblicken, konkreten Lösungsansätzen und Zeit für Ihre Fragen.

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  • 300 Wohnungen werden fit gemacht – niemand muss ausziehen

    300 Wohnungen werden fit gemacht – niemand muss ausziehen

    Zwischen 1974 und 1990 in drei Etappen erbaut, prägt das «Untere Bühl» den alten Ortskern von Oberwinterthur bis heute. Die Anlage gilt als schützenswert, einige Gebäude befinden sich noch weitgehend im Originalzustand. Ein Teil wurde bereits 2015 saniert, die übrigen holen diesen Schritt nun nach. Das Baugesuch wurde bewilligt, der Baustart ist für Anfang 2027 vorgesehen.

    Niemand muss das Feld räumen
    Was das Projekt auszeichnet, ist seine soziale Konsequenz. BNP Paribas hat die Sanierung als Asset Manager der AXA Anlagestiftung von Beginn an so konzipiert, dass alle Mieterinnen und Mieter in ihren Wohnungen bleiben können. Die Mieterschaft wurde früh eingebunden, mit Workshops zu Aussenraum und Gestaltung inklusive. «Unsere Mieterinnen und Mieter sind seit Jahren ein fester Bestandteil der Siedlung», sagt Pascal Messmer, Asset Manager bei BNP Paribas. Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Projekt.

    Anbauten, die sich nicht aufdrängen
    Für die Erweiterung setzt die AXA auf bernath+widmer Architekten, die aus einer kooperativen Testplanung als Sieger hervorgingen. Die An- und Neubauten werden mehrheitlich aus Holz gebaut und nehmen den Charakter der bestehenden Gebäude bewusst auf. Es entstehen rund 80 schwellenfreie Wohnungen mit 1 bis 3 Zimmern. Eine Ergänzung zu den heute mehrheitlich grossen Bestandswohnungen. Im Erdgeschoss sind Wohnateliers, Gemeinschaftsflächen und eine Gewerbefläche geplant.

    Park bleibt und wird lebendiger
    Der parkähnliche Aussenraum mit Gemeinschaftsgärten, Spielplätzen und dem Kindergarten von 1977 bleibt erhalten. Das Landschaftsarchitekturbüro ghiggi paesaggi greift das ursprüngliche Freiraumkonzept von Fred Eicher auf und entwickelt es weiter. Neue Bepflanzung und begrünte Dachflächen stärken die Biodiversität und schaffen Lebensraum für Kleintiere und Insekten. Auf den Dächern der Neubauten ist teilweise eine Begrünung geplant. Der zentrale Pavillon soll künftig öffentlich genutzt werden, etwa als Kita.

    Etappenweise in die Zukunft
    Die Umsetzung erfolgt in Etappen bis voraussichtlich 2028. Ihr Ziel ist ein Immobilienportfolio mit Netto-null-Emissionen bis 2050. Winterthur gewinnt nicht nur sanierten Bestand, sondern 80 neue Wohnungen in einer gewachsenen Siedlung, die weiss, wer sie ist.

  • Wo andere parken, wohnt man bald

    Wo andere parken, wohnt man bald

    Christoph Schoop musste nicht weit suchen. Der Badener Immobilieninvestor sah aus seinem Bürofenster auf das Industriegebiet Dättwil und erkannte das Offensichtliche, riesige Flachdächer, vollständig ungenutzt. Auf dem Dach der Fabrikpassage an der Mellingerstrasse 208, wo heute McDonald’s, Spar und eine Bäckerei den Alltag versorgen, sollen ab Frühjahr 2027 acht sogenannte Wikkelhäuser stehen.

    Eine neue Welt auf dem Dach
    Das Wikkelhouse-Konzept stammt ursprünglich aus Amsterdam und landet nun in der Schweiz. Kompakte Holzwohneinheiten, die fertig produziert per Lastwagen geliefert und mit minimalem Aufwand aufgestellt werden. Jede Einheit bietet 30 bis 35 Quadratmeter, eine eigene Terrasse und Deckenhöhen von bis zu 3,5 Metern. Architekt Andreas Zehnder, der das Projekt für Baden entwarf, formuliert den Mehrwert klar. Statt ein weiteres Stockwerk aufzusetzen, entstehe auf dem Dach eine eigenständige Wohnwelt.

    Schweizer Holz, Urner Fabrik
    Produziert werden die Häuser nicht auf der Baustelle, sondern in einer eigenen Fabrik in Flüelen UR am Ufer des Vierwaldstättersees. Das Rohmaterial ist Schweizer Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Schoop ist Mitgründer und Förderer von Wikkelhouse Schweiz und treibt das Konzept als Kreislaufwirtschaftsmodell voran. Eine Einheit kostet ab CHF 200’000 ab Werk; Transport und Montage kommen dazu.

    Günstig, sonnig, verbunden
    Für Badener Verhältnisse sollen die Mieten tief bleiben. Eine Warteliste existiert bereits, die Anfragen kamen laut Schoop «querbeet», darunter auch Interessenten im AHV-Alter. Und obwohl das Industriegebiet nicht als Wohnlage gilt, überzeugt das Dach mit ganztags Sonne und direktem ÖV-Anschluss. Den Lärmschutz übernimmt das Gebäude selbst.

    Pilot mit Skalierungspotenzial
    Das Projekt in Dättwil ist explizit als Pilotprojekt angelegt. Allein im Industriegebiet sieht Schoop Platz für 50 bis 70 Wikkelhäuser. Derzeit prüft die Stadt Baden die Baubewilligungsfähigkeit. Läuft alles nach Plan, ziehen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner im Frühling 2027 ein. Was heute wie eine Kuriosität klingt, könnte morgen Schule machen.

  • Verdichtet, vernetzt, lebenswert

    Verdichtet, vernetzt, lebenswert

    Die Schweiz zählt heute über 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, die Bevölkerung wächst weiter. Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt, während Bauen ausserhalb bestehender Bauzonen seit der RPG-Revision von 2013 stark eingeschränkt ist. Städte und Gemeinden müssen sich nach innen entwickeln. Dabei bestehen laut Dita Leyh, Professorin für Stadtentwicklung an der OST, rechnerisch genügend Raumreserven. Einfamilienhausquartiere in Bahnhofsnähe, Industriebrachen oder ungenutzte Bahnareale bieten grosses Potenzial. Eine zweite RPG-Revision verschärft die Anforderungen weiter.

    Verdichten, wo der ÖV stark ist
    Besonders sinnvoll ist die Innenentwicklung an ÖV-Knotenpunkten. «Gerade an ÖV-Knotenpunkten ist die innere Verdichtung besonders sinnvoll», sagt Dita Leyh. Denn durch die optimale Anbindung ans Bus- und Bahnnetz entstehe mehr Wohn- und Lebensraum, aber nicht automatisch mehr Verkehr. Ein weiterer Schlüssel liegt in der Neuorganisation des ruhenden Verkehrs. Sammelgaragen am Quartierrand bündeln den Autoverkehr, das Quartierinnere bleibt weitgehend autofrei und gewinnt damit Freiraum für Mensch und Natur. «Je mehr man baulich verdichtet, desto mehr Freiräume müssen im selben Zuge entstehen», so Leyh.

    Nutzungsmix als Qualitätsmerkmal
    Verdichtung ist weit mehr als das blosse Stapeln von Wohnungen. Ein vielfältiger Nutzungsmix, von der Bäckerei über Restaurants bis hin zu Grünanlagen, belebt Quartiere und schafft Wertschöpfung. Damit dieser Mehrwert entsteht, braucht es eine qualitativ hochwertige, interdisziplinäre Planung. Stadtplanung, Verkehrsplanung und Freiraumplanung müssen von Beginn weg gemeinsam am Tisch sitzen, betont Leyh. Das aktualisierte Raumkonzept Schweiz 2050, das der Bundesrat im März 2026 verabschiedete, bestätigt diese Stossrichtung und setzt auf regionale Zusammenarbeit, landschaftliche Qualität und klimagerechte Mobilität.

  • 270 Gründe für Stans

    270 Gründe für Stans

    Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Logis Suisse AG plant im Westen von Stans eine neue Wohnsiedlung. Auf einem 12’700 m² grossen Areal, das die Gesellschaft bereits 2015 erworben hat, entstehen bis 2032 rund 270 preisgünstige Wohnungen, rund 1’000 m² Gewerbefläche sowie zwei Gemeinschaftsräume. Den Studienauftrag, an dem 2025 sieben Generalplanerteams teilnahmen, gewannen Studio Sintzel aus Zürich und die Uniola AG.

    Zwei Häuser, acht Höfe
    Das intern als «Acht Höfe für Stans» bezeichnete Projekt stützt sich auf zwei siebengeschossige Bauten. Trotz ihres Volumens erscheinen sie nach aussen als locker gesetzte Punkthäuser. Kopfelemente nehmen Bezug auf bestehende Gebäude und gliedern die Strassenfronten mit Vorgartenzonen. Offene Höfe mit Durchgängen strukturieren den Aussenraum und ermöglichen Ausblicke in die umliegenden Berge. Ein qualitätsvolles Gegengewicht zur angrenzenden Autobahnlage. Ein bestehender Altbau in der Siedlungsmitte bleibt erhalten und soll künftig als sozialer Treffpunkt dienen.

    Durchmischtes Quartier mit kurzen Wegen
    Das Areal liegt gegenüber dem Einkaufszentrum Länderpark, an einer mehrspurigen Strasse und in unmittelbarer Autobahnnähe. Velo- und Fusswege sollen das neue Quartier dennoch gut mit Stans und Stansstad vernetzen. Mit 0,8 Stellplätzen pro Wohnung liegt Logis Suisse unter dem üblichen Standard, ein klares Bekenntnis zu nachhaltiger Mobilität. Der Wohnungsmix reicht von kompakten 1,5-Zimmerwohnungen für Singles und ältere Menschen bis hin zu grosszügigen 5,5-Zimmerwohnungen für Familien und Wohngemeinschaften. Im Erdgeschoss beleben Atelierwohnungen, Betreuungseinrichtungen und Gewerbeflächen das Quartier.

    Ressourcenschonend gebaut
    Die Bauherrschaft setzte ein Vorbildprojekt in Sachen Ökologie, Sozialraum und Wirtschaftlichkeit als Ziel. Das Tragwerk ist materialeffizient konzipiert, die Grundrisse sind kompakt, und eine Photovoltaikanlage auf den Dächern deckt einen grossen Teil des Strombedarfs vor Ort. Eine eingeschossige Tiefgarage minimiert den Bodenaushub. Baustart ist für 2030 vorgesehen, die Fertigstellung für 2032.

  • Wenn Baudenkmäler Koffer packen

    Wenn Baudenkmäler Koffer packen

    Auf einem 6500 Quadratmeter grossen Areal nördlich des historischen Bahnhofsgebäudes entstehen zwei Mehrfamilienhäuser mit 57 Wohnungen in Grössen von 2,5 bis 5,5 Zimmern. In den Erdgeschossen sind Gewerbe- und Gastronomieflächen vorgesehen, dazu ein kleiner Gewerbebau und eine Tiefgarage mit 59 Auto- und 92 Veloabstellplätzen. Zwischen den beiden Häusern entsteht ein parkähnlicher Freiraum mit Spielplatz.

    Weniger, aber sozial
    Das Projekt ist kleiner geworden. Ursprünglich plante die SBB vier Gebäude mit 90 Wohnungen, ein Drittel davon preisgünstig. Das Stellwerk neben dem Bahnhofsgebäude muss jedoch bestehen bleiben, wodurch ein ganzes Gebäude wegfällt. Von den verbleibenden 57 Wohnungen sollen 20 preisgünstig angeboten werden. Das entspricht 35 Prozent und liegt sogar leicht über der ursprünglichen Quote.

    Der letzte Güterschuppen der Schweiz
    Was Wohnungsbau fordert, verlangt Platz. Vier bestehende Bauten müssen weichen, darunter der Güterschuppen von 1928. Den entwarf Meinrad Lorenz, damaliger Chefarchitekt der SBB, als einer von nur vier Bauten dieses Typs in der ganzen Schweiz. Nach dem Abbruch des baugleichen Schuppens in Heerbrugg ist jener in Wollishofen das letzte erhaltene Exemplar seiner Art. Er steht im kantonalen Denkmalschutzinventar.

    Ein Holzbau packt seine Sachen
    Verschwinden wird der Güterschuppen trotzdem nicht. Er wird in Einzelteile zerlegt, fachgerecht aufgearbeitet und beim Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland in Bauma an der Töss wieder aufgebaut. Dort wird er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erhält eine museale Funktion im Rahmen des Projekts «Depotareal Bauma 2020». Die Bewilligungsunterlagen für den Rückbau liegen bereits weitgehend vor.

    Geschichte wiederholt sich
    Dieser Umzug ist nicht der erste in der Geschichte des Bahnhofs Wollishofen. Das heutige Bahnhofsgebäude war einst das erste Bahnhofsgebäude der Stadt Zug, 1864 errichtet und 1897 Stein um Stein an den Zürichsee versetzt. Was im 19. Jahrhundert die Knappheit von Baumaterialien erzwang, wird heute zu einem bewussten Akt der Erhaltung. Wollishofen schreibt damit ein weiteres Kapitel einer ungewöhnlichen Baugeschichte.

  • Das Material, das denkt – ohne Gehirn

    Das Material, das denkt – ohne Gehirn

    Das Material besteht aus einer Kette identischer Gelenke, verbunden durch ein elastisches Gerüst. Ein integrierter Mikrocontroller misst die aktuelle Position, speichert vergangene Zustände und tauscht Informationen mit benachbarten Elementen aus. Das Gesamtverhalten entsteht aus dem Zusammenspiel vieler einfacher Einheiten. Genauso wie bei einfachen Organismen, die ohne komplexes Gehirn auf ihre Umgebung reagieren.

    Lernen durch Wiederholung
    Einzelne Gelenke werden in definierte Positionen gebracht, die übrigen Elemente schrittweise in eine Zielstruktur bewegt. In mehreren Durchläufen, im Experiment «Epochen» genannt, passen die Mikrocontroller Drehmomente an. Steifigkeit und Wechselwirkungen innerhalb der Struktur verändern sich. Die «Information» ist nicht in Software ausgelagert, sondern direkt in der physikalischen Struktur gespeichert. Erstautor Yao Du bringt es auf den Punkt: «Sobald das System zu lernen beginnt, scheinen die Möglichkeiten, wohin es sich entwickeln kann, nahezu grenzenlos zu sein.»

    Drei Fähigkeiten in einem
    Das System beherrscht drei Eigenschaften, die bisher biologischen Systemen vorbehalten waren. Es lernt neue Reaktionsmuster auf definierte Eingaben. Es speichert mehrere Zustände gleichzeitig und wechselt zwischen diesen Zuständen je nach Input. Frühere Arbeiten des Labors hatten bereits gezeigt, dass sich solche Strukturen ohne zentrale Steuerung fortbewegen können. Neu ist die Anpassungsfähigkeit, denn das Material wählt seine Bewegungsform je nach Umweltreiz.

    Einsatzfelder und nächste Schritte
    Das Forschungsteam sieht das grösste Potenzial in adaptiven Bauteilen, die sich an wechselnde Lasten anpassen, in der Softrobotik ohne zentrale Steuerung, sowie in Systemen für unstrukturierte Umgebungen wie der Exploration. Ab August 2026 wird die Forschung in Amsterdam in Zusammenarbeit mit der Gruppe «Learning Machines» ausgebaut. Die niederländische Forschungsagenda NWA widmet lernfähigen Materialien 2026 einen eigenen Schwerpunkt. Neben technischen Fragen wird dann auch der Fokus auf Kontrolle und sicheren Einsatz gestellt.

    Grenze zwischen Material und Maschine verschwimmt
    Statt passiver Werkstoffe entstehen adaptive Systeme, deren Eigenschaften sich aktiv verändern. Künftig sollen zeitabhängiges Verhalten und der Umgang mit unsicheren Bedingungen integriert werden, sogenannte stochastische Szenarien. Das erhöht die Robustheit und macht die Technologie für reale Einsatzumgebungen tauglich. Intelligenz entsteht nicht durch zentrale Steuerung, sondern aus dem Zusammenspiel vieler einfacher Elemente.

  • Früh prüfen, günstig scheitern

    Früh prüfen, günstig scheitern

    SSbD ist ein ganzheitlicher Innovationsrahmen der Europäischen Union. Neue Chemikalien, Materialien, Produkte und Technologien sollen von Beginn an so entwickelt werden, dass sie sicher für Mensch und Umwelt sind – und das über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dahinter steckt ein klares Prinzip: Risiken früh erkennen und günstig korrigieren, statt spät und teuer reagieren. Die EU nennt es treffend «fail early and fail cheap».

    64 Prozent Übereinstimmung mit EU-Recht
    Die Empa untersuchte im Rahmen des EU-Projekts IRISS 15 zentrale EU-Verordnungen, die für die europäische Industrie entlang der gesamten Wertschöpfungskette relevant sind. Darunter die Chemikalien-, Batterie- und Verpackungsverordnung sowie die Abfallrahmenrichtlinie. 64 Prozent dieser regulatorischen Anforderungen sind bereits im SSbD-Rahmen abgedeckt. «SSbD verlangt in vielen Fällen genau jene Daten und Bewertungen, die Unternehmen später ohnehin für die regulatorische Konformität brauchen», erklärt Studienautor Akshat Sudheshwar von der Empa.

    PFAS als mahnendes Beispiel
    Die Risiken der sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS wurden bei ihrer Einführung mehrheitlich erkannt, jedoch über Jahrzehnte ignoriert. Heute reichern sie sich in Organismen an, sind in der Umwelt nicht abbaubar und verursachen enorme Kosten. Mit einem SSbD-Ansatz hätten diese Risiken früh adressiert werden können. Das Beispiel zeigt, was auf dem Spiel steht, wenn Unternehmen Sicherheit und Nachhaltigkeit erst nachträglich einplanen.

    Mehraufwand, der sich rechnet
    SSbD erhöht den Aufwand in der frühen Entwicklungsphase, das räumt auch Sudheshwar ein. Wer früh investiert, vermeidet spätere Kosten durch Produktverbote, Sanierungspflichten oder Marktanpassungen. Zentrales Erfolgskriterium für Unternehmen ist die Fähigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit früh zusammenzudenken und die nötige Expertise in beiden Bereichen aufzubauen.

    Grenzen und politischer Handlungsbedarf
    Verlässliche Daten, toxikologische Informationen und robuste Methoden fehlen bislang. Der SSbD-Rahmen anerkennt diese Lücke ausdrücklich und ist anpassungsfähig. Auf politischer Ebene empfiehlt die Studie Anreize für Unternehmen und regulatorische Erleichterungen sowie Patentverlängerungen oder wirtschaftliche Vorteile könnten den Einstieg erleichtern. Langfristig soll SSbD häufiger Eingang in EU-Verordnungen finden, nicht zwingend als Pflicht, sondern als strategische Orientierung.

  • Zürich testet KI im Baubewilligungsverfahren

    Zürich testet KI im Baubewilligungsverfahren

    Der Kanton Zürich verpflichtet ab April 2027 sämtliche Gemeinden zur Nutzung der Plattform eBaugesucheZH. Damit ist die Basis für die Digitalisierung gelegt, aber eben erst die Basis. Die inhaltliche Bearbeitung der Gesuche läuft weiterhin in unterschiedlichen Systemen ab, je nach Gemeinde oder Kanton. Diese historisch gewachsene Systemlandschaft führt zu Medienbrüchen, manuellen Abstimmungsrunden und Dateninkonsistenzen.

    Was die FHNW-Studie zeigt
    Die Baudirektion beauftragte das Institut Digitales Bauen der FHNW mit einer Potenzialstudie entlang der gesamten Prozesskette. 15 Handlungsfelder wurden identifiziert, von der digitalen Erstinformation bis zur Bauabnahme. Das grösste kurzfristige Potenzial liegt ganz am Anfang.  Chatbots für die Erstberatung, strukturierte Eingabebegleitung und automatisierte Vorabprüfungen könnten die Qualität der eingereichten Gesuche sofort steigern und Rückfragen deutlich reduzieren. Viele Verbesserungen lassen sich bereits mit regelbasierten Systemen erzielen, ohne generative KI.

    Prototyp mit der Stadt Kloten
    Die Innovation-Sandbox für KI des Amts für Wirtschaft testete gemeinsam mit Praxis- und Technologiepartnern, darunter die Stadt Kloten, einen KI-basierten Vorabcheck für das Meldeverfahren. Für einfache Vorhaben wie Solaranlagen oder Wärmepumpen klärt ein regelbasiertes System automatisch Zulässigkeit und Verfahrenswahl, eine KI überprüft anschliessend Vollständigkeit und Qualität der Eingaben. 3336 Tests wurden ausgewertet. Das Resultat stimmt zuversichtlich, auch wenn die zuverlässige Interpretation komplexer Plandarstellungen noch eine offene Herausforderung bleibt.

    Mensch bleibt verantwortlich
    Beide Studien sind sich einig, dass eine vollständige Automatisierung derzeit nicht realistisch ist. Wo Entscheidungslogiken klar definiert sind, sind regelbasierte Systeme der generativen KI vorzuziehen. Die behördliche Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen. Rechtliche Fragen rund um Datenschutz, Haftung, Transparenz und die urheberrechtlich geschützten Baupläne als KI-Trainingsmaterial müssen vor jeder Umsetzung vertieft geprüft werden.

    Die Ergebnisse fliessen nun in die Weiterentwicklung von eBaugesucheZH ein. Einzelne Anwendungen sollen in Pilotgemeinden getestet werden. Zürich zeigt damit, wie ein sorgfältiger, schrittweiser Einsatz von KI in einer komplexen Verwaltungsdomäne funktionieren kann.

  • Bier, Beton und Wohnen – Baden baut auf seiner Geschichte

    Bier, Beton und Wohnen – Baden baut auf seiner Geschichte

    Direkt beim Bahnhof Baden entstehen auf rund 8’000 Quadratmetern vier neue Gebäude, aufgeteilt auf zwei Baufelder. Baufeld A verantwortet Frei Architekten AG aus Aarau, Baufeld B das renommierte Harry Gugger Studio aus Basel. Das Volumen ist beachtlich, 81’888 Kubikmeter umbaut, 22’914 Quadratmeter Nutzfläche, rund 64,5 Millionen Franken Investition. Generalunternehmerin ist die Gross AG aus Brugg.

    Wohnen wo früher Malz dampfte
    136 Mietwohnungen mit 1,5 bis 4,5 Zimmern entstehen im Herzen der Stadt. Im Erdgeschoss prägen Retail- und Gastronomieflächen von insgesamt 2268 Quadratmetern das Quartier. Im Innenhof lädt ein rund 900 Quadratmeter grosser Biergarten zum Verweilen ein. Das Motto der Bauherrin, der Brauerei H. Müller AG in vierter Generation, bringt es auf den Punkt: «brauen – wohnen – geniessen».

    Geschichte bleibt sichtbar
    Nicht alles weicht dem Neubau. Kesselhaus, Sudhaus und Malzsilo bleiben erhalten, als bauliche Zeugen einer Braugeschichte, die 1897 begann. Das Müllerbräu-Bier selbst wird heute von der Schaffhauser Brauerei Falken hergestellt. Auf dem Areal aber gibt es weiterhin eine Spezialitätenbrauerei. Die Vergangenheit des Ortes bleibt damit nicht nur sichtbar, sie bleibt erlebbar.

    Zeitplan und Vermarktung
    Die Baubewilligung datiert von Oktober 2023, der Abbruch startete im April 2024. Seit wenigen Tagen sind die Fassaden der neuen Hochhäuser erstmals sichtbar. Ein Meilenstein für das Projekt. Der Vermarktungsstart der Wohnungen ist für Sommer 2026 geplant, der Erstbezug für Juni 2027.