Kategorie: Regionen

  • Laufenburg baut Windmühlen am Bahnhof

    Laufenburg baut Windmühlen am Bahnhof

    Das Areal Schützegärte liegt an einer städtebaulich heiklen Stelle. Drei Strassen fassen es ein, ringsum treffen Bautypologien aus verschiedenen Jahrzehnten aufeinander. Genau dieses Chaos ist das Thema. AWW Architekten AG macht das «Gegensätzliche und Bilaterale» zur Grundlage des Konzepts. Die Architektur entsteht aus dem Spannungsfeld des Ortes, nicht gegen ihn.

    Versetzt, gedreht, verankert
    Zwei identische, viergeschossige Gebäudekörper bilden das Ensemble. Sie stehen nicht parallel, sondern versetzt und gedreht zueinander im leicht abschüssigen Terrain. Diese Positionierung ist kein ästhetischer Einfall, sondern eine präzise Reaktion auf Kantenbildung und Raumfluss gegenüber den Nachbarbauten. Ein Ensemble, das sich einfügt und gleichzeitig eigenständig bleibt. Die Gesamtgeschossfläche beträgt rund 4’600 Quadratmeter, das Bauvolumen rund 13’800 Kubikmeter.

    Windmühle als Wohnmodell
    Das architektonische Konzept basiert auf einer kompakten vierspännigen «Windmühlen»-Gebäudeform mit zentralem Treppenhauskern. Die auskragenden Flügel prägen die Fassade und nehmen Bezug auf typische Erkerformen im Quartier. Jede Wohnung ist dreiseitig ausgerichtet. Herzstück sind die «Vierjahreszeiten-Zimmer» mit grosszügige Räume, die als Wintergarten, Studio oder Wohn- und Essbereich nutzbar sind. Zusammen mit Loggien entsteht ein flexibles Raumangebot für unterschiedlichste Lebensentwürfe.

    Grün, gemeinschaftlich, geerdet
    Der Freiraum zwischen den Häusern ist bewusst niederschwellig gehalten. Zugänglich von innen und von der Strasse. Eine Grünschicht aus heimischen Sträuchern und Stauden schützt die Erdgeschosswohnungen und verleiht der Siedlung Charakter. An einer Ecke öffnet sich das Areal zu einer wiesenartigen Situation mit Obstbäumen.Eine Referenz an die lokale Tradition siedlungsnaher Obstgärten. Das Projekt denkt Wohnen und Gemeinschaft als Einheit.

    Nächste Schritte offen
    Die Stadt Laufenburg war nicht am Planungsprozess beteiligt. Stadtschreiber Marco Waser bestätigt, dass die Bauverwaltung lediglich die baurechtlichen Rahmenbedingungen vorgängig klärte. Eine Beurteilung seitens der Stadt liegt bislang nicht vor. Die Grundeigentümerin Erne Immo AG hat sich zum Zeithorizont der Umsetzung noch nicht geäussert.

  • DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

    DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

    Der Getreidesiloturm von 1939 wurde abgebrochen, sein Beton jedoch nicht entsorgt. Im nahegelegenen Betonwerk wurde das Material nach einer eigens entwickelten Rezeptur aufbereitet und im Neubau zu 75 bis 95 Prozent als Rezyklat wiederverwendet. Rund 60 Prozent des neuen Gebäudes bestehen aus dem alten Turm. Bauherrin ist die Gutgrün AG aus Chur, die bewusst auf kurzfristige Gewinne verzichtete, um das Nachhaltigkeitskonzept konsequent umzusetzen.

    52 Wohnungen, drei Zertifikate
    Das Projekt umfasst 37 Mietwohnungen auf elf Etagen im neuen Wohnturm sowie 15 Loftwohnungen im sanierten historischen Mühlegebäude. Die Architekten vom Büro Ritter Schumacher haben alle verbauten Materialien in einem Gebäuderessourcenpass erfasst. Ein vorausschauender Ansatz, der zukünftige Lebenszyklen bereits heute transparent macht. Für diese Leistung wurde das Projekt mit drei DGNB-Zertifikaten ausgezeichnet. DGNB-Platin für den Rückbau, DGNB-Gold für den Neubau des Turms und DGNB-Gold für die Sanierung des Altbaus.

    Brandschutz neu erfunden
    Die 30 Meter hohe Photovoltaik-Fassade stellt herkömmliche Brandschutzvorschriften vor ein Problem. Sie verlangen in jedem Geschoss Abschottungen, die ein Feuerspringen von Etage zu Etage verhindern. Das hätte die Fassade unterbrochen und ihre Effizienz empfindlich gemindert.

    Die PV-Fläche wird nirgends durch Fenster unterbrochen und ist durchgängig vom Boden bis zum Dach geführt. Fachplaner, ausführende Firmen und Versicherung entwickelten gemeinsam eine massgeschneiderte Lösung. Feuer kommt von innen nicht an die Fassade und von der Fassade nicht in die Wohnungen.

    Allianz statt Konflikt
    Das Projekt wurde im Allianzmodell gebaut. Bauherrschaft, Planer und ausführende Firmen sassen von Beginn an gemeinsam am Tisch. Probleme aus der Baupraxis flossen so direkt in die Planung ein. Die Grundhaltung waren Vertrauen und Fairness statt reiner Risikoabsicherung. Auch ein Detail zeugt vom unkonventionellen Geist, die Graffiti, die das leerstehende Gebäude zierten, wurden als Dekorelemente im Treppenhaus erhalten.

    Ein Signal für die Branche
    Gegen das Umbau-Projekt gab es keinen einzigen Einspruch. Das ist für ein Bauprojekt dieser Grössenordnung aussergewöhnlich. Die Mühle Grüsch zeigt, dass zirkuläres Bauen auch in einer Randregion funktioniert und dass Nachhaltigkeit kein Widerspruch zu wirtschaftlicher Tragbarkeit ist.

  • Das Vertrauen der Konsumenten bricht ein

    Das Vertrauen der Konsumenten bricht ein

    Der Rückgang ist abrupt. Noch im Januar und Februar 2026 bewegte sich der Index bei rund – 30 Punkten und lag damit leicht über dem Vorjahresniveau. Der Einbruch im März auf – 43 Punkte ist damit einer der stärksten monatlichen Rückgänge der letzten Jahre. Die Wende kam schnell und trifft mehrere Bereiche gleichzeitig.

    Wo die Stimmung am stärksten kippt
    Drei der vier SECO-Teilindizes liegen klar unter dem Niveau von März 2025. Die Erwartungen zur wirtschaftlichen Entwicklung sind am stärksten eingebrochen. Auch die erwartete finanzielle Lage der Haushalte und die Bereitschaft zu grösseren Anschaffungen haben deutlich nachgegeben. Einzig der Blick auf die vergangene finanzielle Lage blieb gegenüber dem Vorjahr stabil.

    Geopolitik als Stimmungskiller
    Als zentraler Auslöser gilt der Iran-Krieg und der damit verbundene Anstieg der Ölpreise. Die Inflationserwartungen sprangen im März markant nach oben: von 98,3 auf 121,4 Punkte. Gleichzeitig stiegen die Arbeitslosigkeitserwartungen. Beides belastet das Vertrauen der Haushalte direkt und spürbar.

    Was das für den Konsum bedeutet
    Sinkende Konsumentenstimmung ist kein bloss statistisches Signal. Sie zeigt, dass Haushalte grössere Ausgaben aufschieben und auf Sicherheit setzen. Für Detailhandel, Immobilienmarkt und Bauindustrie bedeutet das, weniger Impulse aus dem Binnenkonsum, zumindest kurzfristig. Trading Economics erwartet eine schrittweise Erholung auf rund – 34 Punkte bis Mitte 2026 und – 26 Punkte bis 2028.

    Ob sich die Stimmung erholt, hängt stark von der geopolitischen Lage und der Preisentwicklung ab. Die Schweizer Wirtschaft zeigt sich bislang robust, doch das Vertrauen der Konsumenten ist ein Frühindikator. Wenn die Kauflaune anhaltend gedämpft bleibt, folgen die Wachstumszahlen meist mit Verzögerung.

  • Das Holz, das sich selbst schützt

    Das Holz, das sich selbst schützt

    Weltweit fallen jährlich Millionen Tonnen Sägemehl an. Der grösste Teil davon wird verbrannt, das im Holz gebundene CO2 gelangt zurück in die Atmosphäre. Genau hier setzt das Forschungsteam um Doktorand Ronny Kürsteiner an, unter der Leitung von Ingo Bungert, Professor für holzbasierte Materialien an der ETH Zürich. Ziel ist das Sägemehl länger im Materialkreislauf halten.

    Der Trick mit dem Wassermelonenkern
    Das Bindemittel ist Struvit, ein kristallines Ammoniummagnesiumphosphat mit bekannten Brandschutzeigenschaften. Das Problem bis anhin war, dass Struvit sich schlecht verbinden lies mit Sägemehl wegen seines Kristallisationsverhaltens. Die Lösung fanden die Forschenden in einem Enzym aus Wassermelonensamen. Es steuert die Kristallisation so, dass grosse Struvit-Kristalle entstehen, die die Hohlräume zwischen den Sägemehlpartikeln ausfüllen und diese fest miteinander verbinden. Das verpresste Material wird danach bei Raumtemperatur getrocknet.

    Dreimal länger als Fichtenholz
    Die Brandtests am Polytechnikum Turin sprechen für sich. In einem Kegelkalorimeter, einem standardisierten Prüfverfahren für Hitzeeinwirkung, fing unbehandeltes Fichtenholz nach rund 15 Sekunden Feuer. Das Struvit-Sägemehl-Komposit brauchte mehr als dreimal so lang. Einmal brennend, bildet das Material rasch eine Schutzschicht aus anorganischem Material und Kohlenstoff, die die weitere Ausbreitung bremst. Dazu setzt das Struvit unter Hitze Wasserdampf und Ammoniak frei, was kühlend wirkt und dem Feuer Sauerstoff entzieht.

    Leichter als Zement, besser für das Klima
    Herkömmliche zementgebundene Spanplatten, heute im Innenausbau weit verbreitet, bestehen zu 60 bis 70 Gewichtsprozent aus Zement. Sie sind schwer und klimaschädlich in der Herstellung. Die neuen Struvit-Sägemehl-Platten kommen mit 40 Prozent Bindemittelanteil aus. Sie sind leichter, haben eine deutlich bessere Klimabilanz und landen nach dem Abbruch nicht auf der Sondermülldeponie.

    Rezyklierbar und düngetauglich
    Das Komposit lässt sich in seine Bestandteile zerlegen. Mechanisch in der Mühle, dann auf etwas über 100 Grad erhitzt, worauf Ammoniak freigesetzt und das Sägemehl abgesiebt wird. Das mineralische Ausgangsmaterial Newberyit fällt als Feststoff aus und kann erneut zu Struvit verarbeitet werden. Wer das Material nicht wieder verbaut, kann es als Langzeitdünger nutzen. Struvit gibt Phosphor, Stickstoff und Magnesium langsam und kontrolliert an den Boden ab.

    Kläranlage als Rohstoffquelle
    Ein weiterer Kreislauf zeichnet sich ab. Struvit entsteht in grossen Mengen als unerwünschtes Nebenprodukt in Kläranlagen, wo es Rohre verstopft und teuer entsorgt werden muss. «Diese Ablagerungen könnten wir als Ausgangsmaterial für unseren Baustoff verwenden», sagt Kürsteiner. Ob sich das Material auf dem Markt durchsetzt, hängt primär von den Bindemittelkosten ab. Ein Problem, das sich mit dieser Quelle lösen liesse.

  • Die Baustelle will auch Flexibilität

    Die Baustelle will auch Flexibilität

    Adrian Dinkelmann, Geschäftsführer Infra Suisse, brachte es auf den Punkt. Vereinbarkeit gelingt nicht durch einzelne Massnahmen, sondern durch eine grundlegende Verankerung in der Unternehmenskultur. Zwei vom Bund geförderte Projekte zeigen konkrete Handlungsfelder auf. Der Rahmen muss so gestaltet sein, dass unterschiedliche Lebensrealitäten der Mitarbeitenden darin Platz finden.

    Nicht alle wollen dasselbe
    Jan Malmström, CEO der JMS-Gruppe, hat in seinem Unternehmen nachgefragt. Das Ergebnis überrascht. Der Wunsch nach Teilzeit ist im Büro stark ausgeprägt, auf der Baustelle deutlich weniger. Aber auch dort besteht ein klares Bedürfnis nach mehr Flexibilität im Alltag. Standardmodelle greifen zu kurz. Wer alle Mitarbeitenden gleich behandelt, verpasst den Kern.

    Co-CEO als Realitätscheck
    Sandra Werneyer und Lea Ott leben bei der werneyer ott architektur gmbh vor, was möglich ist, geteilte Führung im Co-CEO-Modell. Das funktioniert mit hohen organisatorischen und kommunikative Anforderungen. Ihr Auftritt machte deutlich, neue Arbeitsformen sind kein Selbstläufer. Sie verlangen Klarheit darüber, welche Verantwortung wirklich teilbar ist.

    Stereotype bremsen die Branche
    Dörte Resch, Professorin für Angewandte Psychologie an der FHNW, machte klar, Bilderkampagnen allein verändern nichts. Stereotype, die nicht mehr mit der Realität der Bauberufe übereinstimmen, müssen aktiv angegangen werden. Es braucht ein authentisches Berufsmarketing, das die attraktiven Aspekte der Branche für alle sichtbar macht. Caroline Farberger, schwedische Unternehmerin, ergänzte mit einer persönlichen Perspektive. Inklusion beginnt damit, bestehende Denkmuster zu hinterfragen.

    Kultur schlägt Konzept
    Im Podium wurde deutlich, was den Unterschied macht. Olivier Imboden, CEO Ulrich Imboden AG, beschreibt es so. Wenn Mitarbeitende die Werte eines Unternehmens mittragen, wirkt sich das direkt auf dessen Attraktivität als Arbeitgeber aus. Sven Stingelin von der Frutiger AG ergänzte die Baustellen-Perspektive und spricht die Rahmenbedingungen an, die anders sind als im Büro. Thomas Weber von Walo Bertschinger wies darauf hin, dass Projektabläufe den Handlungsspielraum wesentlich prägen. Cornel Müller, Gründer Work-ID AG, zeigte, wie gezieltes Berufsmarketing neue Zielgruppen erschliesst, auch durch frühzeitige Berufsorientierung.

  • Kein Bonus mehr, sondern Pflicht

    Kein Bonus mehr, sondern Pflicht

    Vom ESG-Label zur strategischen Realität
    Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft hat ihre lauten Jahre hinter sich. Nachdem sie sich als Differenzierungsmerkmal einiges an Ansehen erlangt hat, hat sie mittlerweile eher einen Platz als strategisches Kernthema in Form von ESG-Kriterien eingenommen. Doch genau deshalb droht das Thema zwischen Reportingpflichten und Tagesgeschäft leise zu werden. Was zur Norm wird, verschwindet aus dem Rampenlicht. Doch Routine ist kein Schutzschild. Schon gar nicht in einer Branche, die zwar in Jahrzehnten denkt, aber oft in Jahren entscheidet.

    Denn während Nachhaltigkeit vielerorts als erledigte Pflicht abgelegt wird, bleiben die strukturellen Herausforderungen bestehen. Immobilien denken in Zyklen von 30, 40 oder mehr Jahren. Netto-Null bis 2050 ist also keine ferne Vision, sondern ein realer Planungshorizont. Dies bedeutet auch, dass ein Grossteil der heutigen Bestandsliegenschaften nur noch einmal richtig instandgesetzt oder totalsaniert werden können.

    Unsicherheit als neue Planungsrealität
    Die aktuelle geopolitische Lage, volatile Märkte und unklare Rahmenbedingungen erschweren derzeit belastbare Klimaabsenkpfade. In der Praxis führt das oft dazu, dass Entscheide vertagt oder auf die kurzfristig günstigste Lösung reduziert werden. Wer jedoch im linearen Denken verharrt, schränkt sich langfristig selbst ein. Klimaschutzfahrpläne, Graue Energie, Lebenszykluskosten und Klimarisiken müssen integraler Teil jeder Entscheidung sein, um Klimaneutralität wirtschaftlich tragfähig zu erreichen. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt.

    In der Praxis zeigt sich: Bestandshalter:innen denken Nachhaltigkeit zunehmend differenziert. Neben klassischen CSR-Ansätzen etabliert sich ein klar risikoorientierter Zugang. Im Fokus stehen belastbare Daten zu Zustand, Verbrauch und Emissionen sowie gebäudespezifische Risikoprofile, die als Steuerungsgrössen in die Portfoliostrategie einfliessen. Damit wird Nachhaltigkeit zum strategischen Entscheidungsfaktor jenseits von Reporting. Besonders der Standort rückt ins Zentrum: Immobilien müssen nicht nur effizient, sondern auch resilient gegenüber Hitze, Wasser, Extremereignissen und sozialen Spannungen sein. Wer diese Risiken systematisch bewertet, kann gezielt steuern. Alle anderen reagieren später auf die Konsequenzen.

  • Wenn Kantone vom Bremsklotz zum Standortfaktor werden

    Wenn Kantone vom Bremsklotz zum Standortfaktor werden

    In mehreren Kantonen ist die digitale Baubewilligung keine Zukunftsvision mehr, sondern Alltag. Baugesuche werden über zentrale Plattformen eingereicht, digital verteilt und in standardisierten Abläufen geprüft. Das entlastet Verwaltungen, Planende und Bauherrschaften und macht Verfahren für alle Beteiligten nachvollziehbarer.

    Vorreiter setzen auf klare kantonale Lösungen und Kooperation. Gemeinsame Plattformen senken Kosten, bündeln Know-how und verhindern Insellösungen. Gleichzeitig zeigt sich, Digitalisierung wirkt nur, wenn sie nicht als IT-Projekt, sondern als Veränderung des ganzen Prozesses gedacht wird, von der Eingabe bis zum Entscheid.

    Wer schon digital bewilligt
    Mehrere Kantone haben kantonsweite Plattformen im Einsatz, über die Baugesuche elektronisch eingereicht und bearbeitet werden. Bern mit «eBau», Zürich mit «eBaugesucheZH», Graubünden mit ebau.gr.ch oder Wallis mit «eConstruction» zeigen, wie ein digital geführtes Verfahren aussieht, teils obligatorisch oder mit Übergangsfristen. Andere Kantone wie Solothurn oder Aargau setzen auf die gemeinsame Open-Source-Lösung Inosca und führen ihre Systeme etappiert ein.

    Der Digitalisierungsgrad unterscheidet sich dennoch deutlich. In einigen Kantonen ist die digitale Einreichung verbindlich, in anderen laufen analoge und digitale Kanäle parallel oder es existieren nur Pilotgemeinden. Eine schweizweit vollständige, tagesaktuelle Übersicht fehlt und nicht jede Plattform bildet den Prozess schon Ende-zu-Ende volldigital ab.

    Politik zwischen Tempo und Rechtsschutz
    Politisch steht das Baubewilligungsverfahren im Kreuzfeuer. Auf der einen Seite stehen Wohnungsnot, Energie- und Klimaziele, auf der anderen Seite Föderalismus, Einsprache Recht und komplexe Fachvorgaben. Wirtschaftsverbände fordern kürzere Fristen und mehr Verbindlichkeit, Gemeinden und Kantone pochen auf eigene Zuständigkeiten und begrenzte Ressourcen.

    Die Digitalisierung legt diese Spannungen offen. Sie macht sichtbar, wie viele Stellen ein Dossier berühren, wo es hakt und wie unterschiedlich die Praxis zwischen den Kantonen ist. Sie ersetzt aber keine politischen Entscheidungen. Ob Einsprachen eingeschränkt, Verfahren harmonisiert oder Fristen verkürzt werden, bleibt eine Machtfrage, nicht eine Softwarefrage.

    Kosten, Nutzen und Risiken
    Für Verwaltungen ist die Umstellung auf digitale Verfahren ein Kraftakt. Neue Fachapplikationen, Schnittstellen, Schulungen und Change Management kosten Zeit und Geld. Gerade kleinere Gemeinden sind auf kantonale Plattformen und gemeinsame Lösungen angewiesen, um die Last zu tragen.

    Demgegenüber stehen handfeste Effekte. Weniger Unterbrechung eines Prozesses, weniger Mehrfacherfassungen, schnellere Abläufe. Noch wichtiger sind die indirekten Wirkungen. Jede verkürzte Bewilligungswoche reduziert Projekt- und Finanzierungskosten, erhöht die Planbarkeit und macht einen Standort attraktiver. Gleichzeitig bleibt der Umgang mit Daten sensibel. Transparenz, Datenschutz und Akzeptanz müssen sauber austariert werden.

    Vom E-Dossier zur intelligenten Prüfung
    Die Digitalisierung der Baubewilligung steht erst am Anfang. Kurzfristig geht es darum, kantonale Plattformen flächendeckend einzuführen, Medienbrüche zu beseitigen und Baugesuche durchgängig digital zu führen. Parallel wachsen die Erwartungen. Planende wollen digitale Schnittstellen, Investoren verlässliche Fristen, Kommunen mehr Steuerungsmöglichkeiten.

    Mittelfristig rücken automatisierte Plausibilitäts- und Regelprüfungen, die Integration von Planungs- und Baudaten sowie KI-gestützte Assistenz in den Fokus. Sie können Verfahren beschleunigen, Standardisierung erzwingen und Ressourcen auf jene Fälle lenken, in denen wirklich politisch oder fachlich zu entscheiden ist. Ob die Baubewilligung in der Schweiz vom Bremsklotz zum strategischen Standortvorteil wird, entscheidet sich daran, wie konsequent Politik und Verwaltung diesen Wandel steuern und ob sie bereit sind, auch an Regeln, Rollen und Routinen zu rütteln.

  • Von Daten zu KI in der Immobilienwelt

    Von Daten zu KI in der Immobilienwelt

    Gerade deshalb lohnt sich der Blick zurück. Denn in den letzten 30 Jahren hat sich die Art, wie Immobilien geplant, betrieben und gesteuert werden, grundlegend verändert.

    Vor 30 Jahren waren viele Prozesse noch erstaunlich analog. Daten lagen in Ordnern und Papierdokumenten, Entscheidungen basierten stark auf Erfahrung, weniger auf systematischen Analysen. Bald begann eine Phase, in der sich die Branche Schritt für Schritt entwickelte: Prozesse wurden digitaler, Daten wichtiger, Gebäude und Unternehmen zunehmend vernetzt.

    In diesem Umfeld entstand Mitte der 1990er-Jahre auch pom+ als Spin-off der ETH Zürich – mit der Idee, Aufgaben, Daten und Prozesse im Bau- und Immobilienbereich stärker zu integrieren. Dreissig Jahre später feiert pom+ Jubiläum und die Grundfrage ist nach wie vor sehr aktuell: Wie lassen sich Immobilien, Organisation und Technologie sinnvoll zusammendenken?

    Technologisch stehen wir heute an einem neuen Wendepunkt. Die Digitalisierung der Immobilien schreitet weiter voran: Cloud-Technologien, IoT und digitale Modelle ermöglichen immer präzisere Abbildungen von Gebäuden. Der sogenannte Digital Twin entwickelt sich zunehmend zur Realität und schafft neue Möglichkeiten zur Automatisierung von Prozessen.

    Parallel dazu verändert sich die Art, wie Unternehmen arbeiten. Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren viele Prozesse verändern – insbesondere dort, wo grosse Mengen Informationen verarbeitet und Entscheidungen heute noch manuell getroffen werden müssen. Unterschiedliche Daten können einfacher analysiert, fertige Ergebnisse automatisiert erstellt und Entscheidungen auch mit Einbezug des Menschen massiv beschleunigt werden. Assistenzsysteme, sogenannte Agents, werden Teil des Arbeitsalltags.

    Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Branche ein interessantes Spannungsfeld: Die technologische Entwicklung schreitet schnell voran, die Umsetzung in den Unternehmen hingegen deutlich langsamer.

    Seit 2016 misst die pom+Consulting AG jedes Jahr im Rahmen der Digital Real Estate & Construction Studie den digitalen Reifegrad der Bau- und Immobilienwirtschaft. Aktuell liegt der Digital Real Estate Index bei 4,3 von 10 Punkten – eine leichte Erholung gegenüber dem Vorjahr, aber definitiv kein Quantensprung.

    Künstliche Intelligenz rückt, wenig überraschend, immer stärker in den Fokus. Gemäss der aktuellen Studie zählt Artificial Intelligence & Machine Learning, neben Platforms & Portals sowie Data Analytics erneut zu den am häufigsten eingesetzten Technologien. Die Bewertung von KI fällt jedoch deutlich differenzierter aus als in Vorjahren: Rund zwei Drittel der Befragten sehen darin einen hohen Nutzen. In der letztjährigen Erhebung waren es noch 75 Prozent. Mit häufigerem Einsatz von KI werden zwar die Möglichkeiten der Technologie, aber auch ihre Grenzen deutlich sichtbarer und dadurch Erwartungen realistischer.

    Technologie allein entscheidet also nicht über den Erfolg. Der entscheidende Faktor bleibt die Organisation: Datenqualität, Umsetzungsstärke, klare Verantwortlichkeiten – und die Bereitschaft, bestehende Arbeitsweisen zu hinterfragen.

    Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Parallele zu den letzten 30 Jahren.

    Auch damals ging es nicht nur um neue Technologien, sondern um neue Denkweisen. Künstliche Intelligenz könnte damit zum nächsten grossen Entwicklungsschritt der Branche werden – nicht, weil sie alles verändert, sondern weil sie hilft, die wachsende Komplexität von Immobilien und Organisationen besser zu beherrschen.

  • Stadt Biel sieht sich bei Klimazielen trotz Hürden auf Kurs

    Stadt Biel sieht sich bei Klimazielen trotz Hürden auf Kurs

    Angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung verfolgt die Stadt Biel seit 2020 eine umfassende Klimastrategie. Damals verabschiedete das Parlament das entsprechende Klimareglement. Nun zieht die Stadt erstmals in einem Berich Bilanz über die bisherigen Entwicklungen – mit datenbedingten Verzögerungen von rund zwei Jahren.

    Die zentrale Erkenntnis der Direktion für Bau, Energie und Umwelt: Biel befindet sich grundsätzlich auf Zielkurs. Die Treibhausgasemissionen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken und liegen aktuell leicht unter dem im Klimareglement festgelegten Absenkpfad. Laut Emissionsmonitoring beliefen sich die Emissionen im Jahr 2023 auf rund 174’000 Tonnen CO2-Äquivalente – ein Rückgang von etwa 34 Prozent gegenüber 2010. Gleichzeitig stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 39 Prozent.

    Mit Blick in die Zukunft wird jedoch betont, dass die weitere Reduktion anspruchsvoller wird. Besondere Herausforderungen bestehen bei städtischen Gebäuden sowie im Verkehrs- und Wärmesektor.

    Zudem gehen die Emissionen bei Verkehr und Wärme nur langsam zurück. Der Anteil an Elektrofahrzeugen ist mit 13 Prozent soll steigen. Weiterhin werden viele fossile Heizsysteme installiert, die aufgrund ihrer langen Lebensdauer die Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 gefährden.

    Vor diesem Hintergrund unterstreicht die Stadt die zentrale Rolle der Bevölkerung: Nur durch deren aktives Engagement und die Nutzung bestehender Förder- und Beratungsangebote können die Klimaziele erreicht werden, so der Tenor.

  • Neue Stiftung soll KMU nach vorne bringen

    Neue Stiftung soll KMU nach vorne bringen

    In nationalen Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit schneidet Luzern solide ab. Bei der Innovationskraft aber belegt der Kanton hintere Ränge. Wer diesen Rückstand nicht angeht, riskiert langfristig Verluste im Standortwettbewerb. Dieser Befund ist der Ausgangspunkt für die geplante Stiftung Luzern Innovation und für den Sonderkredit, den der Regierungsrat nun beantragt.

    Die Stiftung als Dreh- und Angelpunkt
    Die neue Stiftung soll keine parallele Struktur schaffen, sondern bestehende Partnerorganisationen koordinieren und deren Angebote besser vernetzen. Der Fokus liegt auf Unternehmen in frühen Entwicklungsphasen. Also dort, wo der Bedarf am grössten und die Ressourcen am knappsten sind. Neben der Koordination kann die Stiftung auch konkrete Umsetzungsprojekte wie Machbarkeitsstudien mitfinanzieren. Der Stiftungsrat soll aus mindestens fünf Mitgliedern bestehen, eine Leistungsvereinbarung auf vier Jahre sichert Planungssicherheit.

    24 Millionen mit klarer Zweckbindung
    Von den beantragten 24 Millionen Franken fliessen eine Million in das Stiftungskapital. Die verbleibenden 23 Millionen Franken sind für die Leistungen der Stiftung in den Jahren 2026 bis 2029 vorgesehen. Damit positioniert sich Luzern als Kanton, der nicht auf Bundesförderung wartet, sondern selbst handelt. Ergänzend zu nationalen Programmen wie jenen von Innosuisse, die KMU-Innovation schweizweit unterstützen.

    Teil eines grösseren Umbaus
    Die Stiftung ist eingebettet in das breitere Standortförderungspaket des Kantons. Im Januar 2026 beschloss der Kantonsrat ein Massnahmenpaket von jährlich rund 300 Millionen Franken. Dies als Reaktion auf die OECD-Mindestbesteuerung, die bisherige Steuervorteile abschwächt. Der Luzerner Innovationsbeitrag allein umfasst 110 bis 160 Millionen Franken jährlich für Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren. Die Stiftung Luzern Innovation ist damit nicht Einzelmassnahme, sondern Teil einer koordinierten Offensive.

    Volksabstimmung im September
    Das übergeordnete Standortförderungsgesetz hat der Kantonsrat bereits gutgeheissen. Das letzte Wort hat jedoch das Stimmvolk. Die Abstimmung ist für September 2026 vorgesehen, die Inkraftsetzung per Oktober 2026. Die Stiftung kann jedoch bereits auf Basis der aktuell gültigen Rechtsgrundlagen gegründet werden. Der Startschuss muss nicht auf das Volksvotum warten.

  • PropTech bleibt unsichtbar und unverzichtbar

    PropTech bleibt unsichtbar und unverzichtbar

    Herr Schwyter, Sie zählen zu den Pionieren der Schweizer PropTech-Szene. Wie begann Ihre Reise im digitalen Immobilienmarkt?
    Nach meiner Zeit bei Homegate stellte sich für mich die Frage, wie ich mein Wissen weiter einsetzen möchte. Die Digitalisierung der Immobilienwirtschaft lag nahe. Vor der Pandemie hat dieses Thema allerdings kaum jemanden interessiert. Erst Covid-19 brachte einen enormen Schub. Ab da wurde Digitalisierung breit akzeptiert und ich fand meinen Platz in der PropTech-Szene.

    Welche frühen Erfahrungen bei Homegate prägen noch heute Ihre Sicht auf PropTech?
    Vor allem die Freude am Experimentieren und am gemeinsamen Entwickeln neuer Ansätze. Wir wollten Lösungen schaffen, die die Branche als Ganzes weiterbringen. Diese Haltung begleitet mich bis heute. Offen sein, interdisziplinär arbeiten und mutig testen.

    Wie digital ist die Schweizer Immobilienbranche wirklich, wenn man den Marketing-Sprech weglässt?
    Der Digital Real Estate Index von Pom+ liegt seit Jahren unter fünf auf einer Skala von null bis zehn. Das zeigt deutlich, die Branche hat viel Potenzial nach oben. Es gibt Fortschritte, aber keinen durchgehenden Digitalisierungsschub. Insgesamt stehen wir eher am Anfang einer professionellen digitalen Transformation.

    Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich? Vorreiter oder Nachzügler?
    Die Schweiz hat rund 480 PropTech-Unternehmen, die klein, aber qualitativ stark und vielfältig sind. Deutschland liegt mit mehr als 1’200 Unternehmen deutlich darüber. Wir haben Bereiche, in denen wir sehr gut sind und andere, in denen Ausbaupotenzial besteht. Insgesamt würde ich uns als solides, gut entwickeltes Ökosystem bezeichnen.

    Welche PropTech-Segmente sind Ihrer Ansicht nach am weitesten fortgeschritten?
    Plattformlösungen im breiten Sinn, also nicht nur Marktplätze, wie Datenplattformen, Serviceplattformen, Ökosysteme. Dort sehen wir die stärkste Professionalisierung und Reife.

    Welche Art von Startups wird aus Ihrer Sicht als erstes verschwinden und warum?
    Startups, die nur einen isolierten Prozessschritt abdecken und nicht integrierbar sind. Immobilienfirmen brauchen Lösungen, die mehrere Prozessschritte verbinden oder sich mühelos in bestehende Systeme einfügen. Silo-Produkte sind künftig kaum überlebensfähig, weder technisch noch wirtschaftlich.

    Wo sehen Sie Hemmnisse für die Digitalisierung in Schweizer Immobilienunternehmen?
    Die Branche ist stark kleinteilig organisiert. Eine Firma mit 20 oder 30 Mitarbeitenden gilt schon als gross. Viele haben weder interne IT-Kompetenzen noch Budget für grössere Digitalisierungsprojekte. Für Anbieter bedeutet das zudem hohen Aufwand. Statt fünf Grosskunden betreut man hunderte kleine. Diese Struktur bremst die Digitalisierung.

    Welche drei Megatrends werden die PropTech-Landschaft in den nächsten Jahren prägen und warum?
    Ganz klar Daten, Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz. Daten sind die Grundlage für jede fundierte Entscheidung. Nachhaltigkeit ist ohne Daten nicht möglich, insbesondere bei ESG, und KI ist ein Trend, der stark polarisiert. Die Wirkung entsteht aber erst, wenn Datenqualität und Organisation stimmen.

    Gibt es Technologien, die international längst marktreif sind, in der Schweiz aber noch nicht angekommen sind?
    Nein. Alles, was international relevant ist, ist in der Schweiz grundsätzlich in hoher Qualität vorhanden. Die Herausforderung liegt nicht bei der Technologie, sondern bei der konsequenten Anwendung und Integration.

    Was braucht es, damit Verwaltungen offener für Technologie und mutiger werden?
    Eine klare Digitalisierungsstrategie, denn ohne Zielbild ist jede Tool-Einführung reiner Aktionismus. Firmen müssen verstehen, dass Digitalisierung ein Kultur- und Transformationsprozess ist und kein IT-Projekt. Mitarbeitende müssen begleitet und motiviert werden, gerade in einem Umfeld mit hoher Fluktuation.

    Woran erkennt man die Qualität eines PropTech-Unternehmens?
    Am Team. Die entscheidende Frage lautet, haben die Menschen die Fähigkeiten, Beharrlichkeit und Offenheit, eine Idee wirklich umzusetzen? Märkte drehen sich, Produkte verändern sich und nur ein starkes Team kann diesen Wandel tragen. Das Team steht deshalb über der Idee.

    Welche Ansätze schaffen es, den gesamten Lebenszyklus abzubilden?
    Nicht einzelne All-in-One-Produkte, sondern integrierte Kreisläufe. Wenn etwa Zustandsanalyse, Sanierungsplanung und Facility Management über saubere Datenflüsse verbunden sind, entsteht ein echter Lebenszyklus. Integration ist der Schlüssel.

    In welchen Phasen sehen Sie das grösste ungenutzte Potenzial?
    Ganz klar im Bereich Construction Technology. Wie wir bauen, welche Materialien wir einsetzen, wie Planungs- und Bauprozesse funktionieren, hier stehen grosse Veränderungen bevor. Im Betrieb und in der Vermarktung sind wir schon viel weiter.

    Sind die regulatorischen Rahmenbedingungen eher Treiber oder Bremse?
    Startups wünschen sich weniger Hürden und einiges wurde verbessert. Doch Themen wie steuerliche Behandlung von Gründeranteilen bleiben komplex. Insgesamt sollten wir Regulierung eher abbauen. Innovation entsteht nicht durch neue Vorgaben, sondern durch unternehmerischen Spielraum.

    Welche politischen Schritte wären nötig, damit die Branche schneller digitalisiert?
    Ich bin klar für weniger Staat. Die Immobilienwirtschaft wird sich aus wirtschaftlichen Gründen selbst digitalisieren. Wenn Unternehmen mit denselben Mitarbeitenden mehr Mandate gewinnen und die Qualität steigern können, setzen sie digitale Lösungen ein. Ganz ohne neue politische Vorgaben.

    Welche kulturellen und organisatorischen Stolpersteine begegnen Ihnen am häufigsten?
    Der Irrglaube, die Digitalisierung sei ein Tool-Thema. In Wahrheit geht es um Prozesse, Zusammenarbeit und Rollen. Viele unterschätzen den kulturellen Wandel. Hohe Fluktuation macht es zusätzlich schwierig, eine digitale Kultur zu etablieren.

    Welche Entwicklungen werden die Branche unumkehrbar verändern?
    Alles, was repetitive Aufgaben vereinfacht oder automatisiert und dadurch Produktivitätsgewinne schafft. Ob man das Digitalisierung oder Effizienzsteigerung nennt, spielt wenig Rolle. KI ist ein Baustein, aber nicht der einzige.

    Wenn Sie heute ein neues PropTech gründen müssten, in welchem Bereich wäre das?
    Wahrscheinlich im Bereich Vermarktung, weil dort viel kreatives Potenzial liegt. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass bestehende Lösungen stärker wachsen können. Wir haben genug gute Anbieter, es braucht nicht zwingend weitere.

    Wo steht PropTech Schweiz im Jahr 2030?
    PropTech wird unverzichtbar sein, aber nicht im Rampenlicht. Es ist nicht «sexy» wie Klima- oder Energiethemen. PropTech macht keine grossen Schlagzeilen, sorgt aber dafür, dass die Branche überhaupt digital, datenbasiert und effizient funktioniert. Genau deshalb wird PropTech langfristig eine zentrale Rolle spielen.

  • Wie digitale Systeme die Stadtentwicklung neu ordnen

    Wie digitale Systeme die Stadtentwicklung neu ordnen

    Moderne Städte müssen gleichzeitig Verkehr, Energieversorgung, Wohnen, Infrastruktur, Verwaltung und Klimaanpassung stemmen. Dies bei wachsender Bevölkerung und knapper werdenden Ressourcen. Smart-City-Ansätze verstehen die Stadt als Ökosystem, in dem Mobilität, Energie, Gebäude, Klima und Governance ineinandergreifen. Sensoren, Datenräume und digitale Plattformen schaffen Transparenz, liefern Echtzeitinformationen und verbessern die Grundlage für langfristige Entscheidungen. Entscheidend ist nicht die Digitalisierung einzelner Silos, sondern das Zusammenspiel der Systeme.

    Schweiz in der internationalen Spitzengruppe
    Im IMD Smart City Index belegt Zürich seit Jahren einen Spitzenplatz und führt 2025 erneut die weltweite Rangliste an. Genf und Lausanne rangieren ebenfalls in den Top 10, was die Stärke des Schweizer Ansatzes mit hoher Datenqualität, gut ausgebauter Infrastruktur und starker Forschungslandschaft unterstreicht. Parallel dazu entwickeln mittelgrosse Städte wie St. Gallen, Winterthur oder Lugano eigene Smart-City-Strategien, Datenplattformen und Pilotprojekte. Oft mit Fokus auf Mobilität, Verwaltung und Energie.

    Internationale Vorbilder und unterschiedliche Wege
    Singapur gilt als Referenz für integrierte nationale Digitalstrategien, bei denen Mobilität, Energie, Verwaltung und Gesundheit über Daten und Plattformen verknüpft werden. Kopenhagen kombiniert Smart-City-Technologien mit konsequenter Nachhaltigkeitspolitik und emissionsarmer Mobilität, während Helsinki mit weitgehenden Open-Data-Ansätzen und digitaler Verwaltung punktet. Städte wie Dubai, London oder Amsterdam setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Von grossen Infrastrukturprogrammen über datengetriebene Mobilität bis hin zu datenethischer Governance. Gemeinsam ist ihnen jedoch ein klarer politischer Wille und langfristige Strategien.

    Governance, Daten und föderale Realität
    Smart City ist nur bedingt eine Technikfrage. Ohne belastbare Datenräume, geklärte Zuständigkeiten, Datenschutzregeln und transparente Entscheidungsprozesse bleiben Projekte Stückwerk. In der föderalen Schweiz kommt hinzu, dass Gemeinden, Städte, Kantone und Bund ihre Rollen koordinieren müssen. Für viele Kommunen bedeutet Smart City deshalb vor allem Prozessmodernisierung, ressortübergreifende Zusammenarbeit und ein neues Verständnis von Stadtentwicklung. UrbanTech und PropTech verbinden dabei Verwaltung, Immobilienwirtschaft, Energie- und Mobilitätssysteme. Je enger diese Systeme gekoppelt sind, desto grösser wird der Hebel für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung.

    Technik als Mittel, nicht als Ziel
    Die erfolgreichsten Smart Cities der Welt zeichnen sich nicht durch die Anzahl ihrer Sensoren, sondern durch ihren Umgang mit Komplexität aus. Sie setzen Technologie gezielt ein, um Lebensqualität, Resilienz und Effizienz zu steigern. Sie betten digitale Lösungen in gesellschaftliche und ökologische Ziele ein. Smart City ist damit weniger ein IT-Projekt als ein Stadtentwicklungsprojekt, in dem Technologie Werkzeug bleibt. Entscheidend ist, wie Städte mit Hilfe von Daten und digitalen Systemen klügere, inklusivere und nachhaltigere Entscheidungen treffen.

    Was genau ist eine Smart City?
    Smart City – präzise definiert:

    Eine Smart City ist eine Stadt, die digitale Technologien, Daten und vernetzte Systeme einsetzt, um Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Effizienz und Teilhabe zu verbessern. Sie integriert Energie, Mobilität, Gebäude, Verwaltung und Umwelt in einem gemeinsamen Daten- und Organisationsmodell und nutzt diese Informationen, um Dienstleistungen, Infrastruktur und Stadtplanung intelligent zu steuern.
    Entscheidend ist nicht die Technologie selbst, sondern die Fähigkeit, sie verantwortungsvoll, sicher und zielgerichtet einzusetzen, im Interesse der gesamten Bevölkerung.

    Smart Cities versprechen Effizienz, Nachhaltigkeit und bessere urbane Dienstleistungen. Gleichzeitig bergen sie Risiken, die sorgfältig adressiert werden müssen. Besonders kritisch sind die folgenden Bereiche:
    Datenschutz und Überwachung

    Durch Sensoren, Kameras, Mobilitätsdaten und vernetzte Infrastrukturen entstehen riesige Datenmengen über Verhalten, Bewegungen und Nutzungen der Bevölkerung. Ohne klare Regeln kann daraus ein Überwachungsrisiko entstehen, sei es durch Staat oder Privatwirtschaft.

    Macht der Algorithmen
    Wenn datenbasierte Systeme Entscheidungen steuern, etwa im Verkehr, in der Verwaltung oder im Energieeinsatz, entsteht die Gefahr intransparenter oder schwer nachvollziehbarer Prozesse. Fehlende Erklärbarkeit oder nicht überprüfbare Modelle können das Vertrauen der Bevölkerung schwächen.

    Demokratische Kontrolle
    Smart-City-Entscheidungen liegen oft an der Schnittstelle zwischen Verwaltung, Technologieanbietern und Infrastrukturbetreibern. Kritiker warnen davor, dass wichtige Stadtentwicklungsentscheidungen zunehmend durch technische Systeme oder private Firmen beeinflusst werden könnten.

    Soziale Ungleichheit
    Digitalisierung ist teuer. Städte mit weniger Ressourcen laufen Gefahr, zurückzufallen. Auch innerhalb einer Stadt kann ein «digital divide» entstehen. Zwischen jenen, die alle Services nutzen können und jenen, die ausgeschlossen bleiben. Sei es aus finanziellen, technischen oder sozialen Gründen.

    Komplexität und Abhängigkeit
    Je smarter eine Stadt, desto stärker ist sie auf digitale Systeme, Plattformen und externe Technologiepartner angewiesen. Ausfälle, Cyberangriffe oder technische Störungen können erhebliche Folgen für Infrastruktur, Sicherheit oder Versorgung haben.

    Fehlende Standards und Governance
    Ohne klare Governance-Modelle entstehen Insellösungen, inkompatible Systeme und unklare Verantwortlichkeiten. Dies kann Effizienzgewinne zunichtemachen und langfristige Investitionen erschweren.

    Internationale Smart-City-Gadgets, die Schlagzeilen gemacht haben
    Smart Lamp Posts, vernetzte Strassenlaternen (Barcelona, Los Angeles, London)
    Smarte Laternen mit Sensorik für Verkehr, Lärm, Wetter, Luftqualität und Parkplatzdetektion.
    Aufsehen erregten sie, weil sie als harmlose Infrastruktur getarnt sind, aber grosse Datenmengen sammeln.
    – Symbol für „sichtbare unsichtbare“ Smart-City-Technologie.

    «Quayside Project» Sidewalk Labs Sensor-Masten (Toronto)
    Alphabet/Google plante ein Quartier mit vollsensorierter Umgebung.
    Temperatur, Bewegung, Mobilität, Müll, Energie, alles sollte in Echtzeit gemessen werden.
    – Wurde nach Kritik am Datenschutz gestoppt. Weltweit diskutiert.

    «Lampposts-as-a-Platform» (Singapur)
    Singapur stattete Laternen mit Kameras, Mikrofonen und IoT-Modulen aus, als Infrastruktur für autonomes Fahren und Sicherheitssysteme.
    – International bekannt wegen KI-basierter Überwachung und Effizienz.

    Smart Waste Bins, solarbetriebene Abfallcontainer (Bigbelly, New York, Berlin, Wien)
    Pressen Müll zusammen, melden Füllstände und dienen teilweise als WLAN-Hotspots.
    – War in Schlagzeilen, weil manche Modelle heimlich Daten sammeln konnten („WLAN Tracking“).

    Intelligente Parkflächen, Sensorparkplätze (San Francisco, Amsterdam)
    Bodensensoren melden freie Parkplätze in Echtzeit.
    – Bekannt durch das Projekt SFpark, das den Verkehr messbar reduzierte.

    Autonomous Delivery Robots (London, Tallinn, San Francisco)
    Roboter, die Lebensmittel und Pakete transportieren.
    – Medienaufreger, weil sie als „neue Verkehrsteilnehmer“ auf den Gehwegen gelten.

    KI-basierte Verkehrsampeln (Hangzhou, Tel Aviv, Los Angeles)
    Kameras und KI steuern Ampeln dynamisch, reduzieren Stauzeiten um bis zu 30 %.
    – Besonders bekannt wurde das System „City Brain“ von Alibaba in Hangzhou.

    Drohnenprogramme für Rettung und Logistik (Ruanda, Dubai, Zürich)
    Drohnen liefern Medikamente, Defibrillatoren und Medizinisches Material.
    – Bekannt durch Zipline (Ruanda) und die medizinische Drohnenlogistik in der Schweiz.

    Smart Benches mit Ladefunktion und Sensorik (Prag, New York, Dubai)
    Solarmodule laden Smartphones, integrierte Sensoren messen Umweltwerte.
    – Viral, weil sie Design, Energie und Technologie vereinen.

    Holographische Bürgerinformationen und AR-Karten (Seoul, Tokio, Shanghai)
    Interaktive AR-Displays zur Navigation, Beteiligung oder Verwaltung.
    – Erste Prototypen wurden auf Messen gefeiert und global geteilt.

    Sound Traffic Light, Lärmradarsysteme (Paris)
    Kameras und Mikrofone messen zu laute Fahrzeuge und lösen automatisch Bussgelder aus.
    – Grosses Medienecho durch Privatsphäre vs. Lärmbekämpfung.

    Roboterpolizei und autonome Sicherheitsfahrzeuge (Dubai)
    Dubai präsentierte als eine der ersten Städte „Robocop“-ähnliche Überwachungsroboter.
    – Globales Medienthema, futuristisch und kontrovers zugleich.

    Top 20 Smart Cities 2025 – Internationale Rangliste

    1. Zürich (Schweiz)
    Überragende Kombination aus Lebensqualität, digitaler Verwaltung, Mobilität und Energieeffizienz.

    2. Oslo (Norwegen)
    Führend im Klimaschutz, in autonomen Mobilitätslösungen und in digitaler Governance.

    3. Singapur (Singapur)
    Smart Nation als staatliches Leitprinzip, vollintegrierte Mobilität & Verwaltung.

    4. Genf (Schweiz)
    Internationale Governance, smartes Mobilitätsmanagement, hohe urbane Servicequalität.

    5. Kopenhagen (Dänemark)
    Weltweit führend in nachhaltiger Stadtentwicklung und vernetzter Mobilitätsplanung.

    6. Lausanne (Schweiz)
    Starke Forschung (EPFL), innovative Stadtplanung, Mobilitäts- und Energiedatenräume.

    7. Helsinki (Finnland)
    Offene Daten, digitale Verwaltung und eine der höchsten Transparenzstandards weltweit.

    8. London (Vereinigtes Königreich)
    Mobilitätsdaten, KI-Pilotzonen, Sharing Economy und weltweit führende GovTech-Szene.

    9. Abu Dhabi (VAE)
    Massive Digitalisierung der Verwaltung, Smart Mobility & automatisierte Infrastruktur.

    10. Amsterdam (Niederlande)
    Pionier in Datenethik, Circular Economy und bürgerorientierten Smart-City-Projekten.

    11. Stockholm (Schweden)
    Starke IoT-Infrastruktur, Energieeffizienz, digitaler Zugang zu öffentlichen Diensten.

    12. Seoul (Südkorea)
    Smart Governance, KI-Ampelsysteme, hochvernetzte Stadtinfrastruktur.

    13. Dubai (VAE)
    Eine der technologiegetriebensten Städte der Welt: autonomer Verkehr, 3D-Druck, GovTech.

    14. Wien (Österreich)
    Exzellente Verwaltung, Smart Living, soziale Innovation und urbane Resilienz.

    15. Barcelona (Spanien)
    Urbane Sensorik, Mobilitätsplattformen, Open-Data-Bewegung und Civic Tech.

    16. Prag (Tschechien)
    Aufstieg in Europa: Smart Mobility, digitale Verwaltung, Open-Data-Initiativen.

    17. Tokio (Japan)
    Autonome Mobilität, Robotik, smarte Infrastruktur im Megastadtmaßstab.

    18. Tallinn (Estland)
    E-Government-Weltmeister, Blockchain-basierte Verwaltung, digitale Identität.

    19. Canberra (Australien)
    Digitale Verwaltung und Mobilitätssysteme auf sehr hohem Niveau.

    20. Vancouver (Kanada)
    Nachhaltige Stadtplanung, Smart Mobility, starke Tech- und Innovationsszene.

  • Wasserstoff kann viel, aber nicht alles

    Wasserstoff kann viel, aber nicht alles

    Das Fraunhofer ISI analysierte im Rahmen eines Meta-Faktenchecks 774 Einzelaussagen und verdichtete sie zu 77 Kernaussagen. Dabei entstand kein neues Meinungspapier, sondern eine Synthese des aktuellen Wissensstands. Das Resultat ist differenziert, aber in den Kernpunkten unmissverständlich. Hauptautor Nils Bittner bringt es auf den Punkt, Wasserstoff kann enorme Wirkung entfalten, wo es keine gleichwertigen Alternativen gibt. Wo es solche Alternativen gibt, kostet sein Einsatz wertvolle Ressourcen und Zeit.

    Der Effizienz-Engpass
    Das Grundproblem liegt in der Physik. Grüner Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse. Dabei werden je nach Verfahren rund 50 bis 60 kWh Strom pro Kilogramm benötigt. Kompression, Transport und Rückumwandlung schlucken weitere Energie. Am Ende bleibt oft nur ein Bruchteil der ursprünglich eingesetzten Kilowattstunden übrig. Wärmepumpen und Batteriefahrzeuge nutzen denselben Strom deshalb um ein Vielfaches effizienter.

    Wo H₂ unverzichtbar bleibt
    Trotzdem gibt es Bereiche, in denen Wasserstoff keine sinnvolle Alternative hat. Die Stahlindustrie braucht ihn zur Reduktion von Eisenerz, die Chemieindustrie als Grundstoff für Ammoniak und Methanol. Luftfahrt, Schifffahrt und Schwerlastverkehr lassen sich kaum direkt elektrifizieren . Hier ist Wasserstoff das Mittel der Wahl. Auch für die saisonale Langzeitspeicherung von Energie über Wochen und Monate gibt es derzeit keine vergleichbare Alternative. In der Schweiz deckt sich diese Einschätzung mit der Wasserstoffstrategie des Bundes, die H₂ primär für Hochtemperatur-Prozesswärme und schwer dekarbonisierbare Verkehrssektoren vorsieht.

    Das Henne-Ei-Problem bremst den Hochlauf
    Eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft braucht Infrastruktur, wie Pipelines, Kavernenspeicher, Elektrolyseanlagen. Doch Unternehmen investieren erst, wenn die Versorgung gesichert ist und Netzbetreiber bauen erst, wenn genügend Nachfrage vorhanden ist. Dieses Henne-Ei-Problem verlangsamt den Markthochlauf erheblich. Das Fraunhofer ISI empfiehlt deshalb eine Konzentration auf industrielle Cluster statt ein flächendeckendes Netz bis in Wohngebiete.

    Importe lösen das Problem nur halb
    Deutschland wird bis zu 80 Prozent seines Wasserstoffbedarfs importieren müssen. Der Transport über grosse Distanzen erfordert meist eine Umwandlung in Ammoniak oder Flüssigwasserstoff, mit weiteren Energieverlusten. Statt fossiler Abhängigkeiten entstehen so neue globale Lieferketten. Auch die Schweiz wird nicht zum Wasserstoff-Selbstversorger. Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben im Februar 2026 erstmals eine gemeinsame Wasserstoffstrategie verabschiedet und kalkulieren für 2050 mit einem Bedarf von 0,4 bis 3,4 Prozent des Gesamtenergiebedarfs, konzentriert auf Industrie und Schwerverkehr.

  • Drei Ausnahmen der Planungssicherheit für Bremgarten

    Drei Ausnahmen der Planungssicherheit für Bremgarten

    Vor über sieben Jahren startete Bremgarten die Gesamtrevision seiner Nutzungsplanung. In mehreren Etappen wurden Reglemente und Dokumente überarbeitet, immer unter Einbezug der Bevölkerung. Im Oktober 2024 hiess die Gemeindeversammlung die Revision gut, im Dezember 2025 folgte die Genehmigung durch den Regierungsrat. Zwei dagegen eingereichte Beschwerden wurden beide abgewiesen.

    Umzonung als Herzstück
    Die wichtigste Massnahme im Siedlungsgebiet ist die Umzonung des Gebiets Oberebene, von der reinen Arbeitszone in eine neue Wohn- und Arbeitszone. Gleichzeitig wird eine Kernzone zur Entwicklung des Bahnhofareals festgelegt und die Arbeitszone Oberebene als wirtschaftlicher Schwerpunkt von regionaler Bedeutung gestärkt. Das schafft Spielraum für Investitionen und Stadtentwicklung.

    Kulturland und Altstadt neu geregelt
    Im Kulturlandplan werden übergeordnete Freihaltegebiete und Gewässerräume verbindlich verankert. Darunter fallen das Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung. Auch das Reglement für das Bauen in der Altstadt wurde überprüft und präzisiert. Ein wichtiges Signal für Eigentümerschaft und Investoren, die Planungssicherheit brauchen.

    Drei Punkte noch offen
    Der Regierungsrat schickte drei Änderungsanträge zurück. Die Nichtunterschutzstellung von zwei Liegenschaften an der Birrenbergstrasse 10 und am Glärnischweg 5/7 sowie die beantragte ersatzlose Streichung eines Paragrafen zu Dachdurchbrüchen in der Bau- und Nutzungsordnung. Bereits im November 2025 hatte der Stadtrat vorausschauend einen Kredit von 200’000 Franken für die erneute Aufbereitung gesichert.

    Gemeinde entscheidet im Juni
    Am 11. Juni 2026 kommt die Einwohnergemeindeversammlung nochmals zusammen. Dann sollen die drei zurückgewiesenen Punkte abschliessend geregelt werden. Bremgarten steht kurz vor dem Ende eines langen Planungsprozesses und vor dem Beginn einer neuen Phase der Stadtentwicklung.

  • 80 Zentimeter bremsen 63-Millionen-Projekt aus

    80 Zentimeter bremsen 63-Millionen-Projekt aus

    Die Sekundarschulgemeinde Arbon beantragte eine Ausnahmebewilligung für das geplante Schulzentrum Lärche. Konkret geht es um das Attikageschoss, mit 4 Meter statt der im Baureglement festgelegten 3,2 Meter. Die maximal zulässige Gesamthöhe von 16 Metern wird mit 15,5 Metern trotzdem unterschritten. Ein technischer Grenzfall, kein Grundsatzproblem.

    Ein Mann, eine Einsprache
    Gegen das Ausnahmegesuch hat der Architekt Gustav Maurer Einsprache erhoben. Er bezeichnet das aus einem Wettbewerb hervorgegangene Projekt als «ausgewiesene Fehlplanung» und hält es angesichts der Weltwirtschaftslage für verantwortungslos. Maurer behauptet, das geforderte Bauvolumen liesse sich für 43 Millionen Franken realisieren . Das sind rund 20 Millionen weniger als der vom Volk bewilligte Kredit von 62,9 Millionen Franken.

    Zeitplan gerät ins Wanken
    Die Sekundarschulbehörde wollte das Baugesuch im November einreichen. Wegen der Einsprache und der dadurch ausgelösten Rechtsunsicherheit gerät dieser Termin ins Wanken. Verzögert sich das Verfahren, drohen Folgekosten in Millionenhöhe,  durch steigende Baupreise, längere Planungsaufwände und verschobene Baufreigaben.

    Klare Worte des Schulpräsidenten
    Sekundarschulpräsident Robert Schwarzer findet deutliche Worte. Maurer wende sich seit Jahren gegen nahezu alles, was in Arbon gebaut werden solle. Das Einspracherecht sei als Grundrecht unbestritten, was hier aber praktiziert werde, sei «Ausdruck von Schikane und Willkür». Allfällige millionenschwere Folgekosten schienen dem Einsprecher gleichgültig zu sein.

    Rückhalt aus der Bevölkerung
    Das Projekt hat demokratische Legitimation. Fast 60 Prozent der Stimmberechtigten sprachen sich im September 2025 für den 62,9-Millionen-Kredit aus. Der Spatenstich war für September 2026 geplant, der Bezug für das Schuljahr 2028/29. Ob dieser Fahrplan hält, entscheidet sich jetzt vor dem Rechtsdienst. Nicht an der Urne.

  • Was als Schnäppchen galt, wird zum Milliardenprojekt

    Was als Schnäppchen galt, wird zum Milliardenprojekt

    Als die Stadt Zürich die Sanierung der Zeughäuser auf dem Kasernenareal in Zürich-Aussersihl ankündigte, klang das noch nach einem überschaubaren Vorhaben. Die erste Kostenschätzung belief sich auf rund 55 Millionen Franken. Heute steht eine Zahl im Raum, die selbst geübte Stadtparlamentarierinnen aufhorchen lässt, knapp 200 Millionen Franken. Eine Vervielfachung, die erklärt werden muss.

    Marode Substanz treibt die Kosten
    Der Haupttreiber ist die Bausubstanz selbst. Die historischen Zeughäuser sind in einem weit schlechteren Zustand als ursprünglich angenommen. Schadstoffsanierungen, statische Eingriffe und die denkmalpflegerischen Anforderungen summieren sich zu einem Aufwand, der im Vorfeld schlicht unterschätzt wurde. Dazu kommen gestiegene Baukosten und ein erweitertes Nutzungskonzept, das höhere technische Standards erfordert.

    Kultur, Gewerbe und Gemeinschaft
    Was nach der Sanierung entstehen soll, hat Substanz. Der Stadtrat plant eine Mischung aus Kulturnutzung, Kleingewerbe und öffentlich zugänglichen Räumen. Ein lebendiger Begegnungsort mitten in Zürich-Aussersihl. Die soziale Durchmischung ist explizit Teil des Konzepts. Damit soll das Kasernenareal als Ganzes aufgewertet werden, nicht nur die Zeughäuser selbst.

    Langer Weg bis zur Eröffnung
    Der Zeitplan ist ambitioniert und die Geschichte des Projekts mahnt zur Vorsicht. Frühestens 2034 sollen die sanierten Zeughäuser bezugsbereit sein. Bis dahin braucht es einen Kreditbeschluss des Gemeinderats, ein genehmigtes Bauprojekt und einen reibungslosen Bauablauf. Drei Faktoren, bei denen in Zürich erfahrungsgemäss selten alle gleichzeitig reibungslos funktionieren.

    Denkmal verpflichtet
    Die Zeughäuser sind Teil des geschützten Kasernenareals. Ein Ensemble, das die Stadtgeschichte sichtbar macht. Abreissen steht nicht zur Debatte. Wer historische Bausubstanz erhalten will, muss bereit sein, dafür zu zahlen. Die Frage ist nicht ob, sondern wie die Stadt diesen Auftrag finanziert und transparent, nachvollziehbar und mit einem klaren Mehrwert für alle Zürcherinnen und Zürcher kommuniziert.

  • Eigenmietwert erst 2029

    Eigenmietwert erst 2029

    Im Herbst 2025 stimmte die Schweizer Bevölkerung der Abschaffung des Eigenmietwerts deutlich zu. Das fiktive Mieteinkommen, das Hauseigentümer seit Jahrzehnten als steuerbares Einkommen deklarieren müssen, obwohl kein Franken fliesst, hat damit politisch ausgedient. Doch der Bundesrat brauchte bis Ende März 2026, um das Inkrafttreten zu terminieren und landete bei 2029.

    Bergkantone bremsen
    Bundesrätin und Finanzministerin Karin Keller-Sutter hatte nach der Abstimmung noch 2028 als frühestmögliches Datum genannt. Die Bergkantone, darunter das Wallis, drängten auf 2030. Sie brauchen Zeit, eine neue Steuer auf Zweitwohnungen einzuführen, die ihre Steuerausfälle kompensieren soll. Das Jahr 2029 ist das Ergebnis dieses Kräftemessens.

    70 Millionen Franken Loch
    Allein der Kanton Wallis rechnet mit Steuerausfällen von über 70 Millionen Franken durch die Reform. Die neue Liegenschaftssteuer für Zweitwohnungen soll diese Lücke schliessen. Doch die Umsetzung ist komplex. Katasterwerte sind veraltet, die Definition von Zweitwohnungen mit privatem Eigengebrauch ist ungeklärt. Die Frage, ob Gemeinden oder Kanton die neue Steuer erheben, ist noch offen.

    Hauseigentümer zeigen sich empört
    Der Walliser Hauseigentümerverband hatte sich im Abstimmungskampf stark für die Abschaffung engagiert. Verbandsdirektor Reinhard Meichtry kommentierte den Bundesratsentscheid mit den Worten, er habe zunächst an einen Aprilscherz geglaubt, die Entscheidung sei «absolut inakzeptabel». Meichtry kündigte an, beim Bundesrat eine Rückweisung zu beantragen, und zweifelt zudem an der Seriosität der kommunizierten Steuerausfallzahlen.

    Was jetzt gilt
    Bis Ende 2028 läuft das heutige System unverändert. Eigentümer deklarieren weiter den Eigenmietwert und können Hypothekarzinsen sowie Unterhaltskosten abziehen. Wer grosse Sanierungen oder Hypothekaranpassungen plant, sollte diese Übergangsphase strategisch nutzen, denn mit dem Systemwechsel 2029 entfallen die meisten dieser Abzugsmöglichkeiten.

  • Fünf Steine, 220 Wohnungen, eine Zukunft

    Fünf Steine, 220 Wohnungen, eine Zukunft

    Das Brisgi hat Wurzeln. In den 1940er-Jahren beherbergte das Areal eine Barackensiedlung für bis zu 1500 Mitarbeitende des damaligen Industriekonzerns BBC. Viele davon Gastarbeiter mit ihren Familien. In den 1960er-Jahren folgten ein Hochhaus und zwei Mehrfamilienhäuser, die noch heute stehen und sorgfältig in die neue Siedlung eingebettet werden. Was einst Arbeiterwohnquartier war, wird nun zum modernen Stadtbaustein.

    Drei Träger, ein Ziel
    Hinter dem Projekt stehen drei gemeinnützige Organisationen, die das 6,5 Hektaren grosse Areal gemeinsam entwickeln, die Wohnbaustiftung Baden, die Logis Suisse AG und die Graphis Bau- und Wohngenossenschaft. Jede übernimmt eine der drei Bauten und gestaltet diese eigenverantwortlich. Die Mietzinsen sind kostendeckend kalkuliert. Gewinn ist nicht das Ziel, bezahlbares Wohnen schon.

    Holz, Beton und Sonne
    Neun fünf- bis sechsgeschossige Gebäude, Laubengänge, begrünte Innenhöfe und ein zentraler Quartierplatz prägen das künftige Brisgi. Die Hybridbauweise kombiniert Holz und Beton. Beton nur dort, wo er wirklich nötig ist. Auf rund der Hälfte der Dächer produzieren Solaranlagen Strom, das Areal wird an den Fernwärmeverbund der Regionalwerke Baden angeschlossen. Angestrebt wird das Gold-Zertifikat des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz.

    Werte in Stein gemeisselt
    Fünf Steine, beim Aushub der Baugrube gefunden und von einem Steinmetz graviert, stehen für das Selbstverständnis der Siedlung. Das Gemeinsame, die Zukunft, Nachhaltigkeit, Zahlbarkeit und das Wohnen. Stadtpräsident Markus Schneider, der den Stein mit der Inschrift «Zukunft» trug, resümierte nach 14 Jahren Planungsarbeit: «Jetzt wird der lebhafte Kappi noch lebhafter. Hier entsteht ein Quartier im Quartier.» Die fünf Steine sollen künftig gut sichtbar in der Siedlung verbaut werden.

    Meilensteine im Zeitplan
    Nach jahrelangen Einsprachen und einem Planungsprozess seit 2012 nehmen die Dinge nun Fahrt auf. Die Baubewilligung für alle drei Hofbauten liegt seit April 2025 vor, der Baustart erfolgte im Herbst 2025 planmässig. Ab der zweiten Hälfte 2027 startet die Vermietung, der Bezug ist für die erste Jahreshälfte 2028 vorgesehen. Entwurfsarchitekten sind das Badener Büro Meier Leder Architekten gemeinsam mit dem Zürcher Büro Müller Sigrist, deren Projekt «Kandalama» 2016 als Siegerprojekt gekürt wurde.

  • Horw wächst in die Höhe, 14 Stockwerke am Bahnhof

    Horw wächst in die Höhe, 14 Stockwerke am Bahnhof

    Zwischen Bahnhof und Ebenaustrasse entstehen drei markante Neubauten mit Innenhöfen. Am Kreisel plant die Gemeinde ein achtstöckiges Gebäude, südlich davon ein 14-stöckiges Hochhaus als vertikalen Akzent und eine achtstöckige Längsbaute zur Ebenaustrasse. Dazwischen erhält der neue Bushof seinen Platz, näher am Gleis als heute und deutlich komfortabler für alle, die täglich umsteigen.

    «Janus» setzt auf Grün und Glas
    Weiter östlich, entlang der Ebenau- und Ringstrasse, hat die Gemeinde einen Architekturwettbewerb durchgeführt. Das Siegerprojekt heisst «Janus» und sieht fünf weitgehend verglaste, sechs- bis siebenstöckige Mehrfamilienhäuser vor, umgeben von Bäumen und verbunden durch einen gemeinsamen Vorplatz. Die Häuser wirken hell und offen, das Ensemble schafft urbane Qualität ohne Anonymität.

    Gewerbe ja, aber wie viel?
    Mindestens 20 Prozent der Flächen in den Neubauten sollen gewerblich genutzt werden. Dies sieht die Gemeinde so vor und zwar nicht nur im Erdgeschoss, sondern bis ins dritte oder vierte Obergeschoss. Die Grundeigentümer sehen das kritisch. Sie verweisen auf mangelnde Nachfrage und stützen sich auf Erfahrungen mit dem bisherigen Freiraumkonzept «Horw Mitte». Der Gemeinderat zeigt sich gesprächsbereit, behält sich aber vor, notfalls weitere Geschosse draufzusetzen.

    Teil eines grossen Ganzen
    Das Bahnhofsprojekt ist eingebettet in das Gesamtvorhaben «Horw Mitte», das rund 12 Hektar umfasst und langfristig 1’000 neue Wohnungen sowie 800 neue Arbeitsplätze vorsieht. Westlich der Gleise ist ein grosser Teil bereits realisiert, der östliche Teil holt nun auf. Die Gemeinde entwickelt so über zwei Jahrzehnte ein ehemaliges Randgebiet zum kompakten, gut erschlossenen Zentrum.

    Einwohnerrat hat das Wort
    Den Bushof hat der Einwohnerrat am 27. März 2026 bereits genehmigt, ein Baubeginn ist frühestens 2028 möglich. Für den Bebauungsplan Teil Ost steht die Abstimmung noch aus. Danach braucht es das Ja des Regierungsrats Kanton Luzern sowie einen referendumsfreien Abschluss. Offen ist auch noch, wer die Planungskosten trägt. Bis die Baukräne auffahren, bleibt also noch einiges zu klären.

  • Zürich trägt, aber wie lange noch?

    Zürich trägt, aber wie lange noch?

    Der Finanzplatz Zürich beschäftigt Ende 2024 über 102’000 Vollzeitstellen, davon allein 44’000 bei den Banken. Mit einer Bruttowertschöpfung von 32,8 Milliarden Franken erarbeitet der Sektor mehr als einen Sechstel der gesamten Zürcher Wirtschaftsleistung. Die Banken decken zudem rund 30 Prozent des schweizweiten Finanzierungsbedarfs von Unternehmen und Haushalten. Das sind keine abstrakten Kennzahlen, das ist die wirtschaftliche Grundlage einer ganzen Metropolitanregion.

    Halbe Stadtkasse aus einer Branche
    Die Studie der Managementberatung Oliver Wyman im Auftrag des Zürcher Bankenverbandes macht eine Zahl besonders deutlich. Rund die Hälfte der Unternehmenssteuern der Stadt Zürich stammt von Banken und Versicherungen. Mit 10 Prozent der Arbeitsplätze wird 16 Prozent der Wertschöpfung erwirtschaftet, weit überdurchschnittlich produktiv. Auch die Zürcher Kantonalbank schüttete für 2025 eine Rekordsumme an Kanton und Gemeinden aus.

    Weniger Banken, mehr Stellen
    Die Zahl der in der Region Zürich tätigen Banken ist seit 2015 von 94 auf 78 Institute gesunken. Die Beschäftigung hat sich trotzdem kontinuierlich nach oben entwickelt, seit 2017 überdurchschnittlich stark. Bankennahe Dienstleister wie Fintechs, Vermögensverwaltungen und Beratungsunternehmen haben Stellen geschaffen, wo klassische Institutsstrukturen abgebaut wurden. Der Sektor konsolidiert sich, schrumpft aber nicht.

    Regulierung als Knackpunkt
    ZBV-Geschäftsführer Christian Bretscher stellt die entscheidende Frage. Was passiert, wenn die Rahmenbedingungen schleichend schlechter werden? Die geplanten erhöhten Kapitalanforderungen für die UBS nennt er «unverständlich». Der Verband fordert eine zielgerichtete Bankenregulierung mit Augenmass, keine pauschalen Verschärfungen, die international tätige Institute aus Zürich verdrängen könnten. Schweizer Banken tragen bereits heute 5 Prozent zum nationalen BIP bei und beschäftigen rund 158.000 Personen direkt.

    Was auf dem Spiel steht
    Der Finanzplatz Zürich steht im direkten Wettbewerb mit London, Singapur und Frankfurt. Regulatorische Sonderbelastungen oder steuerliche Verschlechterungen treffen nicht nur die Banken, sondern die gesamte Stadtwirtschaft. Wer 50 Prozent der Firmensteuern aus einer einzigen Branche zieht, hat ein Interesse daran, dass diese Branche bleibt, wächst und investiert. Das ist keine Lobbyaussage, das ist Arithmetik.

  • 47 Millionen für ein neues Herz im Berner Oberland

    47 Millionen für ein neues Herz im Berner Oberland

    Das Gesamtprojekt kostet 47 Millionen Franken. Die Finanzierung läuft über eine neu zu gründende Arealentwicklungsgesellschaft, an der sich vier Partner beteiligen. Die Stadt Thun gewährt ein grundpfandgesichertes, zinloses Darlehen über 16 Millionen und bürgt zusätzlich für ein Kantonsdarlehen von 10 Millionen Franken im Rahmen der Neuen Regionalpolitik. Die Empa selbst investiert 16 Millionen in Labore und Technikzentrale, die Halter AG als Entwicklungspartnerin steuert 5 Millionen bei. Nach Projektabschluss soll die Gesellschaft an Investoren übertragen werden.

    Baubewilligung liegt vor
    Der Weg war nicht frei. Einsprachen haben das Verfahren um rund ein Jahr verzögert. Jetzt liegt die Baubewilligung für das Baufeld B5 in Thun Nord vor, der Baubeginn ist auf Frühling 2027 gesetzt, die Fertigstellung auf Ende 2029. Das Stadtparlament entscheidet am 30. April 2026 über das Darlehen. Damit der Zeitplan hält, braucht es ein klares Ja.

    Empa seit 1994 in Thun
    Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt forscht seit 1994 in Thun im Bereich Hochtechnologie und Werkstoffe. Der Neubau ist keine Verlagerung, sondern eine Erweiterung. Stadtpräsident Raphael Lanz bringt es auf den Punkt. Die Empa sichere langfristig hochqualifizierte Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung, generiere regionale Wertschöpfung und stärke Thun als Technologie- und Innovationsstandort im Kanton Bern.

    Vom Kasernenareal zum Stadtquartier
    Thun Nord ist das grösste Stadtentwicklungsprojekt im Berner Oberland. Auf dem 60 Hektar grossen Areal lösen Forschungsbetriebe, Unternehmen und Wohnraum die militärische Nutzung ab. 6’500 Arbeitsplätze sollen langfristig entstehen, heute sind bereits rund 2’300 dort angesiedelt. Eine neue S-Bahn-Haltestelle Thun Nord ist im Ausbauschritt 2035 des Bundesparlaments aufgenommen und soll das Quartier direkt an den Fernverkehr anbinden.

    Halter als Hebel
    Dass die Halter AG als Entwicklungspartnerin von Baufeld B5 mit 5 Millionen Franken ins Projekt einsteigt, ist kein Zufall. Das Unternehmen gewann 2022 den Projektwettbewerb zusammen mit Bauart Architekten und Balliana Schubert Landschaftsarchitekten. Die Zusammensetzung zeigt das Konzept. Privates Kapital und öffentliche Hand ziehen gemeinsam, der Standort trägt das Risiko mit, weil er am Ertrag mitdenkt.

    Was jetzt zählt
    Der 30. April ist das Datum, das alles entscheidet. Stimmt das Stadtparlament dem Darlehen zu, rollt die Planung. Scheitert der Kredit, gerät der gesamte Zeitplan ins Wanken. Für Thun Nord wäre das ein Rückschlag, für die Empa eine Standortfrage. Die Stadt hat ihren Teil der Rechnung bereits aufgemacht. Jetzt liegt es am Parlament.

  • Graubünden baut grösser, teurer, länger

    Graubünden baut grösser, teurer, länger

    128 Baustellen bedeuten nicht Entlastung, sondern Konzentration. Statt vieler kleiner Eingriffe stehen 2026 aufwendige Infrastrukturprojekte im Vordergrund, die mehr Arbeitskräfte, längere Bauzeiten und höhere Budgets erfordern. Bei 67 der 128 Baustellen werden Lichtsignalanlagen eingesetzt, um den Verkehr geordnet durchzuleiten. Das Tiefbauamt Graubünden hat klare Prioritäten gesetzt.

    La Punt befreit vom Durchgangsverkehr
    Das grösste Projekt ist die Umfahrung La Punt im Engadin. Ein 584 Meter langer Tunnel führt künftig unter dem Dorfzentrum hindurch, eine 55 Meter lange Brücke quert den Inn. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 80 Millionen Franken, die Bauzeit auf acht Jahre bis 2033. Nach dem Spatenstich im September 2025 werden 2026 die Voreinschnitte im Gebiet Arvins erstellt. Für La Punt ist es eine Befreiung und für das Engadin ein Qualitätssprung.

    Neuer Tunnel für die Surselva
    Zwischen Disentis und Curaglia ersetzt ein rund 500 Meter langer Neubau den maroden Tunnel Las Ruinas samt zwei dazugehörigen Galerien. Drei Jahre dauern die Arbeiten, der Verkehr bleibt während der gesamten Bauzeit in Betrieb. Weil der neue Tunnel teils direkt neben dem bestehenden verläuft, sind nächtliche Sperren unumgänglich. Ein Eingriff, der Rücksicht verlangt, aber notwendig ist.

    Malix fünf Jahre Arbeit vor dem Abschluss
    Auf der Julierstrasse zwischen Chur und Malix stehen die Zeichen auf Finale. Das Teilstück liegt in einem Rutschgebiet und wurde über fünf Jahre stabilisiert, verbreitert und begradigt. Bis Juli sollen die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Als sichtbares Zeichen des Neubeginns erhält die Strecke einen Velostreifen. Ein Projekt, das aus der Not entstand und als modernes Strassenstück endet.

    Infrastruktur als Investition
    Graubünden zeigt mit seiner Bausaison 2026, dass Infrastruktur kein Selbstläufer ist. Wer 1360 Kilometer Kantonsstrassen durch alpines Gelände, Rutschgebiete und Hochwasserzonen betreibt, muss kontinuierlich investieren. Weniger Baustellen, grössere Projekte, das ist keine Sparübung, sondern eine strategische Entscheidung für nachhaltige Qualität.

  • Nationalrat dreht Stromkonzernen den Hahn zu

    Nationalrat dreht Stromkonzernen den Hahn zu

    Mit 94 zu 84 Stimmen bei fünf Enthaltungen verweigerte der Nationalrat Anfang Frühling 2026 den Eintritt auf die bundesrätliche Vorlage zur Verlängerung des Stromrettungsschirms. SVP, FDP und GLP stimmten geschlossen dagegen, SP, Mitte und Grüne votierten für Eintreten. Das Gesetz, das Ende 2026 ausläuft, wäre damit ohne Nachfolgelösung Geschichte.

    Wie der Schirm entstanden ist
    Der Rettungsschirm wurde in der Herbstsession 2022 dringlich in Kraft gesetzt, als extreme Preissteigerungen an den Energiemärkten drohten, die Liquidität grosser Stromkonzerne zu gefährden. Seither wurden die bereitgestellten Bundeskredite nie beansprucht. Kritiker sehen darin den besten Beweis, dass das Instrument inzwischen überflüssig ist.

    Warum die Mehrheit Nein sagte
    Die ablehnende Mehrheit argumentierte klar, dass die Stromkonzerne und ihre Eigentümer seit 2022 genug Zeit hatten, eigenständige Liquiditätspuffer aufzubauen. Eine staatliche Absicherung auf Kosten der Steuerzahlenden sei nicht länger gerechtfertigt. SVP-Nationalrat Christian Imark brachte es auf den Punkt. Es sei wohl einzigartig, Konzerne retten zu wollen, die das Geld weder brauchen noch wollen.

    Der Bundesrat wollte Kompromiss
    Energieminister Albert Rösti warb für Pragmatismus. Im Krisenfall gebe es eine Staatsgarantie sowieso, ob mit oder ohne Gesetz. Der Bundesrat zeigte sich bereit, die Laufzeit zu verkürzen und den Kredit von ursprünglich zehn auf fünf Milliarden Franken zu halbieren, wie es auch die vorberatende Nationalratskommission vorgeschlagen hatte. Die Mehrheit überzeugte auch das nicht.

    Ständerat entscheidet
    Die Vorlage liegt nun beim Ständerat. Stimmt die kleine Kammer ebenfalls Nein, ist der Rettungsschirm definitiv erledigt. Votiert sie für Eintreten, geht das Geschäft zurück an den Nationalrat. Langfristig schwebt dem Bundesrat eine permanente Lösung vor. Strengere Liquiditäts- und Eigenmittelvorschriften für Stromkonzerne statt staatlicher Notfallkredite. Die Debatte über Verantwortung in der Energieversorgung ist damit noch nicht zu Ende.

  • Roches Quantensprung in Basel

    Roches Quantensprung in Basel

    Im Kern des IHB stehen Organoide. Winzige, aus menschlichen Zellen gewachsene Nachbildungen von Geweben und Organen. Eine künstliche Netzhaut, ein Mini-Darm, ein Leberfragment, all das lässt sich im Labor züchten und für Wirkstofftests nutzen. Organoide bilden die menschliche Biologie präziser ab als Tiermodelle, besonders in Bereichen wie der Immunonkologie, wo Mausmodelle an ihre Grenzen stossen. Tierversuche lassen sich damit zwar noch nicht vollständig ersetzen, aber erheblich reduzieren.

    Roboter im Sterilraum
    Was das IHB von anderen Forschungseinrichtungen unterscheidet, ist der Massstab. Ein vollautomatisierter Roboter in einem sterilen Raum produziert Tausende von Organoiden ohne menschlichen Eingriff. Rund um die Uhr, reproduzierbar und skalierbar. IHB-Co-Direktor Matthias Lütolf nennt dies den Schlüssel zur industriellen Anwendung der Organoidforschung. Verbunden mit künstlicher Intelligenz kann das System Muster in Krankheitsverläufen erkennen, die bislang unsichtbar waren.

    KI trifft menschliches Gewebe
    Roche-CEO Thomas Schinecker sieht in der Kombination von Organoidmodellen und KI das Potenzial, die Entdeckung neuer Medikamente grundlegend zu verändern. Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und Parkinson sollen nicht nur behandelt, sondern künftig in frühen Stadien erkannt und verhindert werden. Das IHB wurde 2023 gegründet und gilt heute bereits als globaler Vorreiter in der Entwicklung menschlicher Modellsysteme der nächsten Generation.

    Klares Bekenntnis zu Basel
    Der Neubau ist Teil einer Gesamtinvestition von 1,4 Milliarden Franken in den Standort Basel/Kaiseraugst. Roche investiert jährlich rund 3,5 Milliarden Franken in die Forschung an Schweizer Standorten. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider sprach bei der Eröffnung von einem «klaren Bekenntnis» zur Schweiz und zu Basel als Life-Sciences-Cluster von Weltrang. Für den Pharmastandort Schweiz ist das ein Signal, das weit über einen einzelnen Bau hinausreicht.

  • Zofingen hat eine Chance und sollte sie nutzen

    Zofingen hat eine Chance und sollte sie nutzen

    Das Gebiet «Im Funken» gehört zu gleichen Teilen Migros Aare, der Zofimmo AG und der Stadt Zofingen. Alle drei müssen an einem Strang ziehen. Die Machbarkeitsstudie ist abgeschlossen, ein Studienauftrag mit fünf Planungsteams läuft. Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet, Baustart frühestens 2029. Das politische Fenster für stadtplanerische Weichenstellungen ist also jetzt geöffnet.

    Was die Motion konkret verlangt
    Die SP hat im Einwohnerrat beantragt, dass die städtischen Parzellen nur im Baurecht abgegeben werden. Die Bedingung dabei ist, dass ein gemeinnütziger Anbieter darauf Wohnungen zur Kostenmiete erstellt, also ohne Gewinnaufschlag, nur zu tatsächlichen Kosten. Gemeinnützige Wohnungen sind in der Schweiz im Schnitt rund 20 bis 25 Prozent günstiger als vergleichbare Marktangebote.

    Warum der Zeitpunkt stimmt
    Die Schweizer Leerwohnungsziffer ist 2025 auf 1,0 Prozent gesunken, den tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Der Druck auf den Mietwohnungsmarkt wächst schweizweit. Auch in Zofingen sind die Immobilienpreise in den letzten 25 Jahren um über 56 Prozent gestiegen. Neubauten der vergangenen Jahre lagen laut SP-Motion überwiegend im höheren Preissegment. Familienfreundlicher Wohnraum fehlt.

    Die Lehre aus der Unteren Vorstadt
    Im November 2025 vergab der Einwohnerrat das Areal «Untere Vorstadt» im Baurecht an die Wohnbaugenossenschaft DOMUM für 91 Wohnungen, Gewerbe und Tiefgarage. Die SP kritisiert, dass die Wohnungen zu Marktmieten angeboten werden, trotz genossenschaftlichem Träger. Genau diesen Graubereich will die Motion beim Funken-Areal ausschliessen. Wer Stadtboden bekommt, soll auch echten Mehrwert für die Allgemeinheit liefern.

    Kleiner Anteil, grosse Signalwirkung
    Stadtpräsidentin Christiane Guyer betont die Notwendigkeit einer Gesamtentwicklung des Areals statt Einzellösungen für jede Parzelle. SP-Motionär Michael Wacker ist sich bewusst, dass nicht alle Grundeigentümer Kostenmiete mittragen werden. Doch die städtischen Quadratmeter reichen für ein klares Signal. Öffentlicher Boden bleibt der Spekulation entzogen. Klein im Umfang, entscheidend im Prinzip.

  • Mietendeckel frisst seine eigenen Kinder

    Mietendeckel frisst seine eigenen Kinder

    Seit die Wohnschutzverordnung in Basel-Stadt im Mai 2022 in Kraft trat, sind die Baugesuche für Mietwohnungen um 76 Prozent eingebrochen. 2024 wurden im Stadtkanton nur noch 151 Neubauwohnungen fertiggestellt, weniger als ein Viertel des langjährigen Durchschnitts. Während Zürich im gleichen Zeitraum einen Anstieg der Baugesuche von 20 Prozent verzeichnete, kam die Bautätigkeit in Basel faktisch zum Stillstand.

    Sanierung bleibt aus, Gebäude verlottern
    Regulierung bremst nicht nur den Neubau, sie lähmt auch die Erneuerung des Bestands. Handwerksbetriebe klagen über ausbleibende Aufträge; einzelne Betriebe suchen Arbeit im 40 Kilometer entfernten Fricktal. Nötige energetische Sanierungen unterbleiben, Liegenschaften verfallen. Das trifft letztlich die Mieterinnen und Mieter selbst und konterkariert jeden Anspruch an Klimaschutz.

    Genf 40 Jahre Regulierung, 40 Jahre Rückstand
    Genf kennt seit 1983 einen der strengsten Mieterschutze der Schweiz. Das Ergebnis ist ernüchternd. 83,5 Prozent der über 40-jährigen Wohngebäude wurden nie umfassend modernisiert, gegenüber 47,6 Prozent in Basel und 41,3 Prozent in Zürich. Neumieter zahlen in Genf im Schnitt 30 Prozent mehr pro Quadratmeter als Bestandsmieter. Strenger Mieterschutz schützt also vor allem jene, die bereits eine günstige Wohnung haben. Also nicht jene, die eine suchen.

    Das eigentliche Problem, zu wenig Angebot
    Wer Mietpreise senken will, muss das Angebot erhöhen. Das bedeutet schnellere Bewilligungsverfahren, mehr Verdichtung, mehr Ersatzneubauten und Aufstockungen sowie weniger Einsprachen. Der Kantonsrat Zürich hat bereits zwei Gegenvorschläge erarbeitet, die auf bessere Rahmenbedingungen statt auf Verbote setzen. Das ist die richtige Richtung.

    Was Zürich entscheiden muss
    Der Wohnungsmarkt im Kanton Zürich steht unter Druck, das ist real. Doch ein Mietendeckel löst das Problem nicht, er verschärft es. Basel und Genf sind keine Theorie, sondern gelebte Warnung. Am 14. Juni hat Zürich die Wahl aus Fehlern lernen oder sie zu wiederholen.

  • Wer zahlt, wer wohnt, wer profitiert?

    Wer zahlt, wer wohnt, wer profitiert?

    Das von Zimraum und Stratcraft entwickelte SOSDA-Framework erfasst die soziale Performance von Wohnimmobilien entlang von neun Kennzahlen in drei Scopes, Mieter, Nachbarschaft und Gesellschaft. Der Datenpool umfasst 30 Portfolios mit rund 68’500 Wohnungen von 17 Eigentümerinnen. Darunter Pensionskassen, Anlagestiftungen, kotierte Fonds und gemeinnützige Wohnbauträger. Eine Datenbasis, die erstmals Vergleiche ermöglicht.

    Bezahlbarkeit hält sich besser als erwartet
    78 Prozent der Wohnungen im Datenpool gelten gemäss SOSDA-Definition als bezahlbar. Die Nettomiete macht weniger als ein Drittel des monatlichen steuerbaren Medianeinkommens in der jeweiligen Gemeinde aus. Selbst im Neubausegment liegt dieser Wert bei 58 Prozent. Bei institutionellen Portfolios erreichen 48 Prozent der Neubauwohnungen diesen Schwellenwert. Das widerspricht dem verbreiteten Bild, wonach Neubau und Bezahlbarkeit sich grundsätzlich ausschliessen.

    Hohe Zufriedenheit, solide Verwaltungsqualität
    Die Mietzufriedenheit ist bemerkenswert hoch. 90 Prozent der Befragten sind mit ihrer Wohnung eher bis sehr zufrieden. 83 Prozent geben auch ihrer Liegenschaftsverwaltung gute Noten. Das Wohnumfeld überzeugt ebenfalls. 85 Prozent sind mit ihrer Nachbarschaft zufrieden, 77 Prozent bewerten die nachbarschaftlichen Verhältnisse positiv. Qualität ist im Schweizer Wohnungsmarkt offensichtlich kein Zufallsprodukt.

    Familienwohnungen bleiben unterbelegt
    Beim Thema Belegungseffizienz offenbart der Benchmark eine strukturelle Schwäche. Nur 58 Prozent der Wohnungen erfüllen die «Zimmer minus 1»-Regel. Bei Familienwohnungen mit vier und mehr Zimmern sinkt dieser Anteil auf 41 Prozent. Gemeinnützige Portfolios schneiden bei Familienwohnungen zwar leicht besser ab als institutionelle, der Unterschied bleibt aber gering. Hier liegt ein klares Optimierungsfeld für alle Marktteilnehmer.

    Vermietungspraxis unter der Lupe
    Erstmals dokumentiert der Benchmark auch, an wen Wohnungen tatsächlich vermietet werden. Die Bandbreite ist erheblich. Je nach Portfolio gingen zwischen 46 und 100 Prozent der Familienwohnungen an Haushalte mit Kindern. Nur 9 Prozent der Wohnungen wurden an Senioren vermietet. Der Anteil preisgünstiger Wohnungen, der an Haushalte mit tiefen Einkommen floss, variiert zwischen 30 und 50 Prozent. Die Datenbasis ist noch limitiert, aber die Richtung ist klar. Soziale Performance lässt sich künftig nicht mehr wegdiskutieren.

  • Erfolgreiches Jobcoaching des SVIT Zürich!

    Erfolgreiches Jobcoaching des SVIT Zürich!

    Der SVIT Zürich unterstützt aktiv bei der Stellensuche im Immobilien-sektor. Bewerbende sind dabei nicht auf sich allein gestellt: Auf Wunsch erhalten sie gezielte Unterstützung beim Einstieg in die Immobilienwirt-schaft. Ein erfahrener Immobilienprofi begleitet sie als persönlicher Coach, analysiert gemeinsam ihre Ausgangslage und definiert wirksame Massnahmen für eine erfolgreiche Jobsuche. So erwerben die Teilnehmenden zusätzliche Kompetenzen, die ihre Bewerbungschancen nachhaltig verbessern.

    Die Arbeitsvermittlung ist für Mitglieder wie auch Nichtmitglieder kostenlos, sofern sie den Lehrgang «Quereinsteiger Assistenz Immobilienbewirtschaftung und -vermarktung» oder «Sachbearbeiter/in Immobilienbewirtschaftung» beim SVIT Zürich in Oerlikon absolviert haben oder aktuell besuchen. Mit diesem Angebot leistet der Verband einen aktiven Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels und stellt gleichzeitig sicher, dass vermittelte Kandidatinnen und Kandidaten über eine fundierte Branchengrundausbildung beim SVIT Zürich verfügen.

    Immer mehr Mitglieder greifen auf diese qualifizierte Fachressource zurück – mit durchweg positiven Rückmeldungen. Sie profitieren von der Möglichkeit, neue Teammitglieder gezielt nach ihren Bedürfnissen aufzubauen und langfristig einzusetzen. Zudem bringen viele Kandidatinnen und Kandidaten wertvolle Zusatzkompetenzen aus ihrem bisherigen Berufsleben mit.

    Interessierte können sich per E-Mail an diana.waly@svit.ch anmelden. Der SVIT Zürich verfügt über eine amtliche Bewilligung des Kantons Zürich für private Arbeitsvermittlung.

    Weitere Informationen zum Ablauf sowie Bewerbungsvideos aktueller Kandidatinnen und Kandidaten finden Sie unter folgendem Link:

    https://www.svit.ch/de/svit-zuerich/themen-services/einstieg-die-immobilienbranche-bewerbungsvideos-quereinsteiger

  • Daran liegts: Nutzungs- und Betriebskonzepte als Schlüssel zu bedürfnisgerechten Sportanlagen

    Daran liegts: Nutzungs- und Betriebskonzepte als Schlüssel zu bedürfnisgerechten Sportanlagen

    Von der Wettkampfstätte zur Anlage für Freizeit und Bewegung
    In den letzten fünf Dekaden hat sich das Sportverhalten in der Bevölkerung – sei es auf individueller Basis oder auch im organisierten Sport – stark verändert. Neue Trainingsgewohnheiten, signifikant gestiegene Bevölkerungszahlen, eine zunehmende Professionalisierung im Vereinssport sowie veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse haben dazu geführt, dass Anlagen heute deutlich mehr leisten müssen als noch vor 50 Jahren. Dazu gehören auch Aspekte wie Gender- und Altersgerechtigkeit, die heute als selbstverständlich erachtet werden.

    Entsprechend sollte am Anfang jedes Infrastrukturprojektes nicht die bauliche Lösung im Vordergrund stehen, sondern die Frage nach einem tauglichen Nutzungs- und Betriebskonzept (inklusive Wirtschaftlichkeitsrechnung). Allzu oft wird jedoch vorschnell ein Planer beauftragt, ehe die Projektgrundlagen und Abhängigkeiten zu anderen Institutionen und Projekten benannt worden sind. Das Resultat ist dann die Ausarbeitung volumetrischer Optionen, nicht aber von strategischen Optionen für die betroffenen Gemeinden. Als Spezialist für die strategische Nutzungs- und Betriebskonzeption verfügt BPM Sports über mehr als 20 Jahre Erfahrung in diesem Bereich.

    Was zeichnet also ein gutes Nutzungs- und Betriebskonzept aus? Im Grundsatz umfasst es drei prägende Ebenen:

    • Strategisch-konzeptionell: Zweck, Zielgruppen, Angebot, Business-Case, Strategie, Trägerschaft
    • Operativ-konzeptionell: Maximale Auslastung und Nutzung mit Mehrwert
    • Operativ: Personalbedarf, Wartung, Besuchermanagement, Eigenfinanzierung des Unterhalts

    Auf der strategischen Ebene gilt es die Frage nach der Daseinsberechtigung – dem Zweck der Anlage – zu beantworten. Diesen gilt es zu schärfen und gegenüber sämtlichen Stakeholdern klar zu definieren. Je besser das gelingt, desto einfacher verläuft im Anschluss auch die Kommunikation mit den Steuerzahlenden sowie den ultimativ in die Planung involvierten Parteien.

    Zu den zentralen Elementen gehören:

    Politische Leadership: Sportanlagenprojekte benötigen breite Unterstützung. Eine wahrnehmbare, kontinuierliche und starke politische Führungsarbeit ist deshalb unabdingbar.

    Adressierte Zielgruppen: Es gilt die Nutzergruppen und deren Bedürfnisse zu identifizieren. Dazu gehört das Erfassen von Routinen und Erwartungen, aber auch von künftigen Entwicklungen. Daraus abgeleitete Frequenzen und Kapazitäten sind zentral, um die Anlage sowohl für Nutzer:innen und Betreiber:innen optimal auszulasten.

    Geschärftes Angebot: Raumangebot und Funktionalitäten werden zielgerichtet formuliert, mit einem Fokus auf Energie- und Personalkosten. Diese richten sich nach den formulierten Bedürfnissen, mit direkten Auswirkungen auf die Folgekosten einer Anlage.

    Erstellungskosten vs. Folgekosten: Letztere stehen (zu) oft im Schatten und rücken tendenziell erst in einer späteren Projektphase in den Fokus. Dabei ist eine frühzeitige Betrachtung der Folgekosten hilfreich, um die finanzielle Tragfähigkeit einer Anlage sicherzustellen.

    Anlagenstrategie: Ein wirksamer Hebel, um Betriebskosten und Ertragspotentiale vorherzusehen. Gerade bei saisonalen Anlagen wie Freibädern oder Eissportanlagen können komplementäre oder ergänzende Angebote Erträge steigern und den Ressourcenbedarf beeinflussen.

    Trägermodell: Hier ist die Vielfalt der Modelle gross. Verschiedene Organisationsformen (Verwaltungen, Aktiengesellschaften, Private-Public-Partnerships) bieten unterschiedliche Vorteile, wobei sich die PPPs in den letzten Jahren zunehmend etablieren konnten und speziell dem wenig rentablen Vereins- und Breitensport neue Möglichkeiten bieten.

    Weitere Erfolgsfaktoren auf operativ-konzeptioneller und operativer Ebene sind:

    Auslastung: Eine hohe Auslastung zu generieren, ist eine Herausforderung. Denn nicht immer geht diese aufgrund unterschiedlicher Kaufkraft der Zielgruppen sowie unvermeidbarem Verschleiss mit Rentabilität einher. Ein entscheidender Punkt sind zudem Garderoben und Ladeflächen. Wurden sie beim Bau aus Spargründen vernachlässigt, wirkt sich dies negativ auf Kapazitäten und damit auf die maximale Auslastung aus.

    Personal: Mitarbeitende von Sportanlagen sind Identifikationsfaktoren. Um dieses Potential optimal zu fördern, gilt es Betriebswege kurz und übersichtlich zu halten und effiziente Arbeitsabläufe zu gestalten. Diese können mit dem entsprechenden Layout der Anlage sowie der einzelnen Räume gewährleistet werden.

    Fazit: Ein Nutzungs- und Betriebskonzept für Sportanlagen ist ein komplexes Zusammenspiel aus strategischen, operativen und wirtschaftlichen Faktoren. Richtig zusammengestellt und angewandt, bildet es die Voraussetzung für den langfristigen Erfolg und die Rentabilität einer Anlage.

    BPM Sports ist ein schweizweit tätiger Spezialist für öffentlich-rechtliche Sportinfrastrukturen mit Sitz in Bern. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Beratung, Begleitung und Unterstützung unterschiedlichster Sportanlagenprojekte – und -betriebe, gehört das 2006 von Inhaber Rainer Gilg gegründete Unternehmen zu den führenden Dienstleistern in diesem Bereich.

  • Neue Produktionsanlage stärkt internationalen Industriestandort

    Neue Produktionsanlage stärkt internationalen Industriestandort

    Das neue globale Toblerone-Kompetenzzentrum in Bern deckt ab sofort 90 Prozent der weltweiten Nachfrage nach der ikonischen Dreiecksschokolade ab. Guy Parmelin hat das dafür ausgebaute Werk am 10. März offiziell eingeweiht. „Wir sind unglaublich stolz auf die neue Toblerone-Produktionslinie sowie auf die Modernisierung der Logistik und der Infrastruktur“, wird Werksleiter Thomas Kauffmann in einer Mitteilung zitiert.

    Mondelēz International, die in Chicago ansässige Konzernmutter der Berner Mondelez Schweiz Production GmbH und der Mondelez Schweiz GmbH in Opfikon, hat sich die Installation dieser neuen, hochmodernen Produktionslinie 65 Millionen Franken kosten lassen. Dabei handelt es sich um eine der grössten Investitionen der vergangenen zehn Jahre in das Schokoladenproduktionsnetzwerk des Unternehmens.

    „Wenn es ein Produkt gibt, das die Schweiz weltweit repräsentiert, dann ist es Schokolade“, sagte Parmelin laut der Mitteilung in seiner Rede. „Und Toblerone nimmt unter den Schweizer Schokoladen einen ganz besonderen Platz ein.“ Sie sei „ein Symbol schweizerischer Identität und Qualität par excellence. Identität und Qualität. Als Bundespräsident und Wirtschaftsminister freut es mich daher besonders, dass circa 90 Prozent der Toblerone-Produktion auch weiterhin hier in Bern auf dieser neuen Produktionslinie hergestellt werden.“

    Die Toblerone wird von der Schweiz aus in mehr als 120 Länder der Welt exportiert. Wie Mondelēz betont, sei die ikonische, 118 Jahre alte Marke gut positioniert, weltweit im Premiumsegment zu wachsen und dabei von ihrem hohen Bekanntheitsgrad und ihrer Führungsposition im World Travel Retail-Geschäft zu profitieren. „Wir waren schon immer stolz darauf, hier in der Schweiz zu produzieren“, so Iain Livingston, Präsident für Toblerone und World Travel Retail. „Die Investition unterstreicht unser starkes Engagement für den Standort und ist ein entscheidender Meilenstein auf unserem Weg, das weltweite Wachstum im Premium-Schokoladensegment anzuführen.“