Kategorie: Regionen

  • Wie der alte Immobilienmarkt das neue China ausbremst

    Wie der alte Immobilienmarkt das neue China ausbremst

    Über Jahre war der Immobiliensektor Chinas wichtigster Wachstumsmotor. Bauen, verkaufen, weiterbauen. So lautete die einfache Formel, die zeitweise bis zu ein Drittel der Wirtschaftsleistung trug. Mit strengeren Vorgaben zur Begrenzung der Verschuldung hat die Führung diesem Modell die Bremse verpasst und damit eine schleichende, aber hartnäckige Krise ausgelöst.

    Evergrande war 2021 der sichtbare Wendepunkt. Der einstige Branchenstar verpasste Zinszahlungen, wurde zur globalen Warnfigur und machte schlagartig klar, wie verletzlich das Wachstumsmodell war. Seither geraten Entwickler wie Country Garden und nun auch der lange als stabil geltende Konzern Vanke unter Druck. Ein Signal, dass der Immobiliensektor die Talsohle noch nicht erreicht hat.

    Deflation, Vermögensschock und verunsicherte Haushalte
    Die Immobilienkrise frisst sich tief in die Realwirtschaft. Wohnimmobilien sind für chinesische Haushalte der zentrale Vermögensspeicher. Wenn Preise in Serie fallen, erodiert das Sicherheitsgefühl. Wer das eigene Apartment als Altersvorsorge betrachtet, wird zurückhaltend bei Konsum, Investitionen und grossen Lebensentscheidungen.

    Entsprechend schwach zeigt sich der Binnenkonsum. Der Einzelhandel wächst deutlich unter früheren Raten, die Konjunktur kämpft mit anhaltendem Deflationsdruck. Sinkende oder stagnierende Preise mögen kurzfristig attraktiv wirken, doch sie erhöhen real die Schuldenlast und verlängern den Bereinigungsprozess im Immobilien- und Finanzsystem.

    Provinzen im Schuldenschatten
    Besonders heikel ist die Lage der Lokalregierungen. Über Landverkäufe an Entwickler und ausserbilanzielle Finanzierungsgesellschaften haben sich Provinzen und Städte einen gigantischen Schuldenberg aufgeladen. Die Landverkäufe waren der wichtigste Einnahmeposten, haben aber nie gereicht, um den kreditfinanzierten Bauboom und die Infrastrukturprogramme dauerhaft zu tragen. Jetzt, da die Verkäufe einbrechen, treten die versteckten Schulden offen zutage.

    Viele Regionen geraten in eine stille Zwangsdiät. Investitionen werden verschoben, Ausgaben gekürzt, neue Infrastruktur verzögert. Dies mit direkten Folgen für Wachstum, Beschäftigung und lokale Unternehmen. Die Krise ist damit weniger ein lauter Crash als ein langsamer Druck, der das System über Jahre schwächt und Handlungsräume einengt.

    Alte immobiliengetriebene Wirtschaft trifft neue Tech-Power
    Parallel inszeniert sich China als Hightech-Supermacht. Elektroautohersteller, KI-Unternehmen und Internetkonzerne, die sich neu erfinden, stehen für das „neue China“. Die Politik setzt auf eine langfristige Technologiestrategie mit Fokus auf Elektromobilität, Halbleiter, KI, erneuerbare Energien und Robotik.

    Doch diese neue Wirtschaft steht auf einem Fundament aus der alten, immobiliengetriebenen Wirtschaftsstruktur. Ohne stabile Binnennachfrage, verlässliche Kreditkanäle und Vertrauen der Haushalte kann auch der Tech-Sektor seine Dynamik nicht voll entfalten. Der Erfolgsweg führt deshalb nicht an einem geordneten Rückbau des Immobiliensektors vorbei, sondern durch ihn hindurch.

    Wachstumsziele als Bumerang
    Peking hält an ehrgeizigen Wachstumszielen fest. Das Ziel „rund 5%“ ist erreichbar, weil Staat und Staatsunternehmen an vielen Stellen gegensteuern. Für bewusste Kader vor Ort bleibt das Signal klar, Zahlen müssen stimmen, notfalls mit weiteren Projekten, die wirtschaftlich wenig tragen.

    Das Resultat sind neue Infrastruktur- und Bauvorhaben, die zwar kurzfristig das BIP stützen, aber die strukturellen Probleme nicht lösen. Im Gegenteil, sie verlängern den Schuldenzyklus. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen offizieller Wachstumsstory und dem realen Deleveraging-Bedarf im Immobilien- und Lokalschuldenkomplex.

    Was bis 2026 auf dem Spiel steht
    Die kommenden Jahre entscheiden, ob China den Übergang von einem schuldengetriebenen, immobilienlastigen Modell zu einem innovationsbasierten Wachstumspfad schafft. Gelingt eine kontrollierte Schrumpfung des Immobiliensektors bei gleichzeitiger Stärkung von Konsum, Produktivität und Zukunftsbranchen, kann das Land trotz Dellen robust bleiben. Misslingt dieser Balanceakt, droht ein Szenario anhaltend niedrigen Wachstums mit wiederkehrenden Deflationsschüben und wachsendem Misstrauen der Investoren.

    Die Immobilienkrise ist kein Randthema, sondern die zentrale Bewährungsprobe für Chinas Fähigkeit zur wirtschaftlichen Kurskorrektur. Entscheidend wird sein, ob politische Führung und Verwaltung den Mut finden, kurzfristige Wachstumsziele zugunsten eines tragfähigeren, weniger immobiliengetriebenen Modells zu relativieren und damit das neue China nicht vom alten erdrücken zu lassen.

  • Immobilienmarkt 2026 stabiler Rückenwind aus Tiefzins, KI-Boom und knappen Flächen

    Immobilienmarkt 2026 stabiler Rückenwind aus Tiefzins, KI-Boom und knappen Flächen

    Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins gemäss Einschätzungen für 2026 bei 0 Prozent und signalisiert, dass die Hürden für eine Rückkehr in den Negativzinsbereich hoch bleiben. Die bedingten Inflationsprognosen von rund 0,3 Prozent für 2026 und 0,6 Prozent für 2027 liegen klar im Bereich der Preisstabilität und stützen ein moderates Wachstumsszenario. Für den Immobilienmarkt bedeutet dies, kurzfristige Finanzierungen, insbesondere SARON-Hypotheken bleiben attraktiv, während lange Festhypotheken nur zögerlich von der geldpolitischen Lockerung profitieren.

    Immobilien als Anlage
    Wüest Partner beobachtet, dass Renditeliegenschaften mit Mietwohnungen 2025 nochmals deutlich teurer geworden sind, was eine hohe Zahlungsbereitschaft und starkes Vertrauen in die Anlageklasse widerspiegelt. Gleichzeitig haben die Preise für Mehrfamilienhäuser ein sehr hohes Niveau erreicht, während Ertragsaussichten und Regulierungsrisiken die Fantasie dämpfen. Für 2026 wird deshalb mit einer abflachenden Preisdynamik gerechnet, sowohl bei Wohnrenditeobjekten als auch bei Geschäftsliegenschaften. Dort mit klarer Differenzierung nach Lage, Objektqualität und ESG-Profil. Indirekte Anlagen wie Aktiengesellschaften und Fonds profitieren weiterhin vom Tiefzinsumfeld, tragen aber bereits hohe Erwartungen in Form von überdurchschnittlichen Aufgeldern in sich.

    Schub im Umbau, moderater Neubau
    Die Kombination aus tiefen Zinsen und nachlassender Baupreisdynamik stabilisiert die Investitionsbereitschaft im Bau. Für 2026 werden nominale Zuwächse der Bauinvestitionen von rund +3,4 Prozent im Neubau und +8,5 Prozent im Umbau erwartet, wobei der Umbaubereich von Vorzieheffekten rund um die geplante Abschaffung des Eigenmietwerts zusätzlich Anschub erhält. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer dürften energetische Sanierungen und Erneuerungen vorziehen, solange Unterhaltskosten steuerlich noch voll absetzbar sind. Mittelfristig könnte sich die Neubautätigkeit wieder etwas abschwächen, da die Zahl der neuen Wohnungen in den Baugesuchen zuletzt rückläufig war.

    Miet- und Eigentumsmarkt
    Nach den starken Mietanstiegen der Jahre 2023 und 2024 hat sich das Wachstum der Angebotsmieten deutlich verlangsamt. Für 2026 wird ein moderater Zuwachs im Landesmittel erwartet. Gleichzeitig bringen die Senkungen des hypothekarischen Referenzzinssatzes Entlastung bei den Bestandesmieten. Dies könnte zu leicht rückläufigen Durchschnittsmieten im Bestand führen. Im Wohneigentum bleibt die Nachfrage trotz höherer Preisniveaus intakt. Für 2026 werden Preiszuwächse im Bereich von rund 3 Prozent bei Einfamilienhäusern und knapp darunter bei Eigentumswohnungen erwartet, jedoch mit weniger Tempo als in den Vorjahren.

    Anlageausblick 2026
    Die Zürcher Kantonalbank erwartet für 2026 ein moderates globales Wirtschaftswachstum, getragen von sinkendem Inflationsdruck und verbesserten Finanzierungsbedingungen. Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz treiben Investitionen und verleihen insbesondere US-Aktien zusätzlichen Rückenwind, gleichzeitig bleiben die Unsicherheiten an den Finanzmärkten hoch. In diesem Umfeld empfiehlt sich eine breite Diversifikation über Anlageklassen und Währungen, mit ausgewählten Schwerpunkten. Unternehmensanleihen, Schweizer Immobilien und Small Caps gelten als attraktiv, ergänzt um globale Unternehmensanleihen und Gold als stabilisierende Beimischungen. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger bleiben direkte und indirekte Immobilienanlagen damit ein wichtiger Baustein. Eingebettet in ein Portfolio, das vom KI-getriebenen Wachstum und vom anhaltenden Tiefzinsumfeld gleichermassen profitiert.

  • Wie viel Vergangenheit verträgt die Verdichtung?

    Wie viel Vergangenheit verträgt die Verdichtung?

    Die Siedlung Brunnergut entstand in zwei Etappen Mitte der 1950er- und frühen 1960er-Jahre und markiert den Übergang zur funktionalistischen, automobilen Stadt. Als eines der ersten Winterthurer Wohnensembles mit Tiefgarage ersetzte sie die Villa Malabar und prägte ein ganzes Blockinnere zwischen Lind-, Kreuz-, Sulzberg- und St.-Georgenstrasse neu. Schon das Baugesuch von 1954 löste eine heftige Kontroverse aus. Frühe Debatten über Dichte, Verkehr und Stadtbild, wie sie heute die ganze Agglomeration beschäftigen.​

    2016 nahm die Stadt Winterthur Brunnergut in das Inventar der schutzwürdigen Bauten auf, 2018 folgte der Eintrag ins kantonale Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Damit war klar, die Siedlung gilt nicht nur als Alltagsarchitektur, sondern als Ensemble mit baukulturellem und sozialgeschichtlichem Gewicht, das bei jeder weiteren Planung mitzudenken ist.​

    Juristisches Pingpong um den Schutz
    Mit der kantonalen Entlassung 2024 wollte die Baudirektion den Schutzstatus wieder lockern. Gestützt auf ein Gutachten der Kantonalen Denkmalpflegekommission und späteren Ergänzungen. Der Zürcher Heimatschutz focht das an, das Baurekursgericht forderte bereits in diesem Verfahren ein Ergänzungs- oder Obergutachten und kritisierte Lücken in der fachlichen Beurteilung.​

    Parallel plante der Winterthurer Stadtrat, Brunnergut auch aus dem kommunalen Inventar zu streichen. Dagegen reichte der Zürcher Heimatschutz erneut Rekurs ein. Im Entscheid vom 6. November 2025 hält das Baurekursgericht nun fest, die Stadt stützte sich unzulässig einseitig auf das KDK-Gutachten, der Sachverhalt sei für eine Inventarentlassung nicht genügend abgeklärt. Die Richter verlangen ein Gutachten einer unabhängigen, bisher nicht involvierten Fachperson. Ein deutliches Signal für höhere Anforderungen an die Begründung von Entschutz-Entscheiden.​

    Mehr als eine Fachfrage der Denkmalpflege
    Im Zentrum der Kritik stehen nicht nur formale Mängel, sondern auch inhaltliche Lücken. Unpräzise Pläne, ungenügende Auseinandersetzung mit den im Inventarblatt ausgewiesenen Qualitäten und eine zu knappe Würdigung der sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung. Konkret bemängelt das Gericht, dass die Rolle der Siedlung als frühes Beispiel dichter, autoorientierter Nachkriegsmoderne und als Teil der Winterthurer Siedlungsgeschichte nicht seriös in den Vergleich mit anderen Anlagen einbezogen wurde.​

    Für Stadtplanung und Immobilienwirtschaft ist Brunnergut damit weit mehr als ein Einzelfall. Das Verfahren zeigt, wie stark Inventarentscheide heute juristisch und fachlich unterlegt sein müssen, wenn sie in einem Umfeld von Wohnraummangel, Verdichtungsdruck und politisch aufgeheizten Debatten um Einsprachen und Heimatschutz bestehen sollen.​

    Was der Fall für zukünftige Projekte bedeutet
    Der Zürcher Heimatschutz wertet den Entscheid als Stärkung des Inventargedankens. Inventare sind nicht blosse Listen, sondern Planungsinstrumente, deren Abbau hohe Anforderungen erfüllt haben muss. Für Städte wie Winterthur bedeutet das, wer nachträglich Schutz aufheben will, muss transparent darlegen, weshalb baukulturelle, städtebauliche und sozialgeschichtliche Argumente weniger stark wiegen als die Interessen von Verdichtung, Erneuerung oder Rendite.​

    Für Investoren, Eigentümer und Planer steigt damit die Bedeutung sauber dokumentierter Bestandesaufnahmen und frühzeitiger Einbindung der Denkmalpflege. Gerade bei Siedlungen der Nachkriegszeit, die lange als „gewöhnlicher“ Bestand galten. Brunnergut macht sichtbar, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend als Teil des baukulturellen Erbes verstanden wird und dass der Weg zu Umnutzung oder Ersatzneubau künftig öfter über unabhängige Fachgutachten und sorgfältig austarierte Schutzkonzepte führen wird.​

  • Ausbildungsoffensive für vernetzte Gebäudetechnik

    Ausbildungsoffensive für vernetzte Gebäudetechnik

    Die sfb ist die erste Höhere Fachschule der Schweiz, deren Lehrgang Gebäudeautomation HF das Anerkennungsverfahren des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erfolgreich abgeschlossen hat. „Das garantiert höchste Qualität, staatlich anerkannte Abschlüsse und eine Ausbildung, die den aktuellen Anforderungen der Branche entspricht“, wird dazu sfb-Direktorin Dorothea Tiefenauer in einer Mitteilung zitiert. Die Anforderungen an moderne Gebäude steigen stetig, heisst es weiter. Die sfb – Höhere Fachschule für Technologie und Management könne durch die Anerkennung des Lehrgangs nun noch besser auf den grossen Bedarf an qualifizierten Fachkräften antworten.

    Die Lehrinhalte richten sich gemäss der Beschreibung konsequent an der Praxis aus. Vermittelt werden Wissen in Energieeffizienz, Gebäudeinformatik, vernetzten Systemen und modernen Automationslösungen. Ziel sei eine Qualifikation für die Planung und Realisierung, aber auch den Betrieb und die Wartung komplexer, smart vernetzter Gebäude. Diese Bandbreite schafft laut sfb die Basis für nachhaltige und langfristig wirtschaftliche Gebäudelösungen. Für Unternehmen bedeute dieser Kompetenzaufbau einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, heisst es. Absolvierende stellten Fachkräften dar, die nicht nur aktuelle Technologien beherrschten, sondern auch die digitale Transformation aktiv mitgestalten könnten. 

    Der Lehrgang führt Studierende unter der Voraussetzung einer einschlägigen Berufsausbildung in sechs Semestern zur Abschlussarbeit. Absolvierende tragen letztlich den Titel einer diplomierten Gebäudeautomatikerin HF oder eines diplomierten Gebäudeautomatikers HF. Die sfb gibt auf Informationsveranstaltungen Einblick in Inhalte und Struktur der Ausbildung. Hierzu sind sowohl Einzelpersonen als auch Firmen eingeladen.

  • Bahnmodernisierung im sensiblen Alpenraum

    Bahnmodernisierung im sensiblen Alpenraum

    Die STRABAG AG realisiert den noch ausstehenden Sanierungsschritt auf der Zentralbahnstrecke zwischen Meiringen und Brienzwiler im Berner Oberland. Die Schmalspurtstrecke verläuft einspurig entlang der Hasliaare, die zum Hochwassergebiet Aare gehört. Aus Rücksicht auf mehrere Naturschutzgebiete gelte laut einer Mitteilung für den Neubau „höchste Präzision für Logistik und Koordination“. Die Vorarbeiten waren im März 2025 gestartet, seit Oktober 2025 läuft die zehnwöchige Intensivphase.

    Immer wieder war es in dem Gebiet zu Starkregenereignissen gekommen, bei denen der Bahndamm inklusive Oberbau überflutet wurden, was zu Schäden an der Bahninfrastruktur und am angrenzenden Kulturland führe. Bereits 2022 und 2023 hat die STRABAG dort Gleisbauarbeiten (Los 1 und Los 3) vorgenommen. Nun folge mit einem Totalumbau des anspruchsvollen Mittelabschnitts Los 2 über eine Länge von 2600 Metern und mitten im Naturschutzgebiet Sytenwald der Abschluss des Modernisierungsvorhabens. Dabei muss der Bahndamm angehoben werden. Damit Oberflächen- und Hangwasser abfliessen kann, wird eine durchgehende Planungsentwässerung der Strecke realisiert. Der Bereich entlang der Hasliaare erhält eine neue Hochwasserschutzmauer. 

    Als bautechnische Besonderheit gelten laut Mitteilung die „engen Platzverhältnisse und lokal fehlenden redundanten Baupisten in gewissen Abschnitten zwischen Hasliaare, Bahntrassee und mehrerer Naturschutzgebiete“, was besondere Vorkehrungen für Ökologie und Landschaftsschutz erfordere. Zum einen errichtet STRABAG 30 neue Fundamente für die Fahrleitungsmasten auf der flussabgewandten Seite, zum anderen sollen 37 Übergänge die ökologische Durchgängigkeit des Geländes sichern. Das bedeute Schutz für Wild- und Kleintiere beim Queren des Streckenabschnitts.

    Ein besonders anspruchsvoller Bestandteil ergibt sich beim Neubau der Hüsenbachbrücke aus ultrahochfestem und langlebigem Faserbeton (UHFB). Beim Brückenbau werde auf die dort zur Laichzeit vorhandene Forellenpopulation besondere Rücksicht genommen.

  • Millionenfinanzierung beschleunigt autonome Baustellentechnologie

    Millionenfinanzierung beschleunigt autonome Baustellentechnologie

    Risikokapitalgesellschaften aus drei Kontinenten haben sich an Gravis Robotics beteiligt: Die 2022 gegründete Ausgliederung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat laut ihren Informationen in einer Frühfinanzierungsrunde 23 Millionen Dollar aufgebracht.

    Angeführt wurde die Runde von den Risikokapitalgesellschaften IQ Capital aus London und Zacua Ventures aus San Francisco. Beteiligt haben sich ausserdem Pear VC aus dem kalifornischen Palo Alto, Imad Ventures aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, Sunna Ventures aus Miami und die Zürcher Firma Armada Investment sowie der weltweit tätige Zementhersteller Holcim aus Zug.

    Gravis Robotics bietet autonome Erdbewegungsmaschinen, die durch die Kombination von Künstlicher Intelligenz, maschinellem Sehen und menschlichen Schnittstellen den Durchsatz steigern, Abfall reduzieren und die Sicherheit auf Baustelle­n verbessern sollen, egal, ob sich die Ausführenden in der Kabine befinden oder die Arbeiten aus der Ferne koordinieren.

    Mit der jüngsten Finanzierung verfüge Gravis nun über die Technologie, die Partnerschaften und die globalen Vertriebskanäle in der gesamten Branche, um die Einführung echter Autonomie in grossem Massstab voranzutreiben, so das Unternehmen. Zusätzlich gibt es auch „eine Welle“ neuer Industriepartnerschaften bekannt. So hat Gravis Robotics etwa mit Taylor Woodrow in Grossbritannien bei einem grossen Infrastrukturprojekt am Flughafen Manchester die ersten autonomen Aushubarbeiten auf einer aktiven Grossbaustelle in dem Land vorgenommen. Auch mit Holcim und der südkoreanischen HD Hyundai gebe es Vereinbarungen.

    Der schnellste Weg zur Autonomie führe über die Steigerung der Produktivität, wird CEO Dr. Ryan Luke Johns zitiert. „Indem wir den Betreibenden Echtzeit-3D-Intelligenz und die Möglichkeit bieten, nahtlos zwischen Autonomie und erweiterter Steuerung zu wechseln, decken wir einen grösseren Teil der Arbeit ab, beschleunigen die Anwendung und schaffen die Datenpipeline, die erforderlich ist, um aus den schwierigsten Aufgaben der Branche neue Fähigkeiten zu lernen. Als Vorteil betrachtet es die Firma, ihren Zürcher Sitz „im Herzen des renommierten Ökosystems für Robotik und Automatisierung“ zu haben.

  • Baubranche zeigt Vorbildfunktion bei Qualität, Innovation und Tradition

    Baubranche zeigt Vorbildfunktion bei Qualität, Innovation und Tradition

    Die Maulini SA ist laut einer Mitteilung am 27. November mit dem Prix SVC Genève 2025 ausgezeichnet worden. Das 1910 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 270 Mitarbeitende. Es ist im Neubau von Wohn-, Industrie- und Verwaltungsgebäuden sowie in der Renovation, Transformation und Dämmung von denkmalgeschützten und zeitgenössischen Gebäuden in Genf und in der Region tätig. Seit zehn Jahren bietet das Unternehmen zudem Leistungen als Generalunternehmer an.

    Die Jury des Prix SVC war beeindruckt von der Geschichte des Familienunternehmens mit seinen vier Generationen sowie vom Engagement der Teams und der Geschäftsleitung. „In einem Bereich, in dem es nicht einfach ist, Innovation im Alltag zu verankern, konnten wir die Entwicklung eines Familienunternehmens beobachten, das sich konsequent um seine Auswirkungen und seine Nachhaltigkeit bemüht.“, wird die Jurypräsidentin Sophie Dubuis in der Mitteilung zitiert. „Dieser Preis würdigt seine starke lokale Verankerung, seinen Innovationsgeist und seine Exzellenz.“

    Der Swiss Venture Club (SVC) verlieh den Prix SVC Genève bereits zum dritten Mal. An der Preisverleihung im Bâtiment des Forces Motrices in Genf nahmen mehr als 700 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Medien teil. Ziel der Veranstaltung sei es, „die unternehmerische Vielfalt der Region ins Licht zu rücken“, heisst es in der Mitteilung.

    Zu den weiteren Finalisten gehörten der Uhrenzulieferer Fiedler SA in Carouge GE, der Landschaftsbauer Jacquet SA und die Physiotherapie La Colline Gruppe in Genf sowie die Pneus Claude SA in Satigny GE.

  • Elektrochemischer Durchbruch im Kampf gegen Altlasten

    Elektrochemischer Durchbruch im Kampf gegen Altlasten

    Forschenden der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) ist laut einer Mitteilung ein Durchbruch bei der Altlastensanierung von Schadstoffen wie DDT und Lindan gelungen. Hierbei handelt es sich um persistente organische Schadstoffe, sogenannte POP. Dies sind giftige Chemikalien, die in den 40er bis 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vielfältig zum Einsatz kamen. Sie werden nur sehr langsam abgebaut und lassen sich mittlerweile in der Nahrungskette von Mensch und Tier finden. Das Universitätsteam unter der Leitung von Bill Morandi, Professor für synthetische organische Chemie, hat jetzt ein neuartiges elektrochemisches Verfahren entwickelt, dass diese Umweltgifte vollständig enthalogeniert und in unschädlichem Salz bindet. Die zurückbleibenden organischen Kohlenwasserstoffe lassen sich in die Kreislaufwirtschaft einbringen und dienen damit der chemischen Industrie als wertvolle Grundstoffe.

    „Wir wollten eines der grössten Umweltprobleme des letzten Jahrhunderts lösen. Es kann nicht sein, dass man den Schmutz den künftigen Generationen überlässt“, wird Alberto Garrido-Castro, Elektrochemie-Spezialist und ehemaliger Postdoc der Gruppe, in der Mitteilung zitiert. Denn die Sanierung solcher Altlasten in Böden, Gewässern und Deponien sieht das ETH-Team als eine der grossen offenen Fragen des Umweltschutzes. Der Abbau dieser Chemikalien mittels elektrochemischer Verfahren wird bereits seit Längerem untersucht. Der entscheidende Durchbruch, so die Mitteilung, gelang den Forschenden der ETH jetzt mit dem Einsatz von Wechselstrom bei der Elektrolyse. „Sie spaltet die Halogenatome in harmlose Salze wie NaCl (Kochsalz) und erzeugt gleichzeitig wertvolle Kohlenwasserstoffe“, erklärt Morandi. Bei den Kohlenwasserstoffen handelt es sich um Benzol, Diphenylethan oder Cyclododecatrien. Chemikalien, die für die Herstellung von Kunststoffen, Lacken oder Beschichtungen zum Einsatz kommen und damit der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft dienen.

    Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung: Das neue Verfahren kann nicht nur auf Reinstoffe, sondern auch auf Gemische aus kontaminierten Böden, Erde oder Schlamm angewendet werden. Dabei denken die Forschenden an mobile Anlagen, die vor Ort eingesetzt werden können, damit entfiele der Transport dieser Gefahrstoffe. Ein Prototyp ist bereits erfolgreich getestet.

  • Zukunftsareal im Norden Basels schafft Wohn- und Arbeitsraum

    Zukunftsareal im Norden Basels schafft Wohn- und Arbeitsraum

    Das Klybeck-Areal im Dreiländereck von Basel soll ein moderner Stadtteil am Rheinufer werden. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, haben die Planungspartner Kanton Basel-Stadt, Swiss Life und Rhystadt hierzu das Richtprojekt klybeckplus initiiert, welches die Grundlage für die Nutzungsplanung bildet.

    Das etwa 30 Hektaren grosse Areal soll ein von Wohnanlagen, Wirtschaftsgebäuden und Parkanlagen durchmischter Stadtteil werden. Dabei soll Wohnraum für 8500 Menschen geschaffen werden. Gemäss der Planung soll ein Drittel der Wohnungen gemeinnützig zur Kostenmiete zur Verfügung gestellt werden. Zudem sollen 7500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die beiden Eigentümer Swiss Life und Rhystadt werden für die Umbauten 3 Milliarden Franken investieren, heisst es in der Mitteilung.

    „Das konkretisierte Richtprojekt, wie es nun vorliegt, bietet eine gute Voraussetzung, um das enorme Potential des Areals zu realisieren und für die Bevölkerung und die ganze Region viel und vor allem langfristigen Mehrwert zu schaffen“, wird Christian Mutschler von Rhystadt in der Mitteilung zitiert. Jürgen Friedrichs von Swiss Life ergänzt: „Das Richtprojekt zeigt, wie die vielfältigen Ziele von Wohn- bis Freiraum vereint werden können und gleichzeitig die bauliche, raumplanerische und ökonomische Machbarkeit gesichert bleibt.“ Regierungspräsident Conradin Cramer zeigt sich überzeugt, mit dem Projekt ein „attraktives neues Stück Stadt zum Wohlergehen der Bevölkerung“ zu schaffen. 

  • Vorteile von intelligenten Gebäudesystemen

    Vorteile von intelligenten Gebäudesystemen

    Pförtner, Telefonistin und Aufzugführer – drei Beispiele für Berufe, die früher für den Betrieb von Gebäuden unerlässlich waren, heute aber weitgehend ausgestorben sind. Zugangskontrolle, Telekommunikation, Lift und viele weitere Bereiche funktionieren längst automatisiert. Mit der Digitalisierung entwickeln sich Immobilien immer mehr in Richtung von «Smart Buildings». Welche Vorteile sich daraus ergeben können und inwiefern damit auch Herausforderungen verbunden sind, zeigt der Blick auf die Gebäudeautomation.

    Gewerke vernetzen
    Durch die Digitalisierung kann die Gebäudeautomation zuvor weitgehend autark agierende Gewerke zu einem vernetzten System zusammenführen. Ein kontinuierlicher Datenaustausch und optimierte Prozesse steigern den Komfort für die Nutzenden ebenso wie die Energieeffizienz. In der Praxis sei dieser integrale Ansatz allerdings noch mit gewissen Herausforderungen verbunden, sagt Turan Babuscu, Head of Automation bei Siemens Schweiz. «Die Abstimmung zwischen den Gewerken erfolgt oft zu spät in einem Bauprojekt.» Dies betrifft beispielsweise die Definition der Schnittstellen und das Klären von Verantwortlichkeiten – Themen, die möglichst früh in der Planungsphase diskutiert werden sollten. «Nur wenn die integrale Zusammenarbeit von Anfang an klar festgelegt ist, kann die Digitalisierung ihr volles Potenzial entfalten», bekräftigt Babuscu.

    Höhere Effizienz, mehr Komfort
    Die Vorteile einer gelungenen integrierten Gebäudeautomation zeigen sich beispielsweise bei der Betriebseffizienz. Werden Daten systematisch erfasst und ausgewertet, lassen sich Energieverbräuche reduzieren, Störungen frühzeitig erkennen und bedarfsgerechte Wartungszyklen entwickeln. Die gebäudetechnischen Systeme benötigen so weniger Energie und haben eine längere Lebensdauer – zwei Aspekte, die für Eigentümerschaften und Betreibende sowohl aus ökologischen wie auch aus ökonomischen Gründen interessant sind.

    Damit in einem Gebäudeautomationssystem alle Gewerke vernetzt und aufeinander abgestimmt werden können, muss das Thema schon in einer frühen Planungsphase einbezogen werden. (Foto: Siemens Schweiz)

    Für Nutzerinnen und Nutzer steht demgegenüber vor allem der höhere Komfort im Fokus, den eine durchgängige Gebäudeautomation erlaubt. Ein Beispiel dafür ist die Anpassung von Raumtemperatur, Beleuchtung und Luftqualität an die Nutzung, die Tageszeit und die Belegung, sodass sich ein gesünderes und produktiveres Innenraumklima ergibt.

    KI wirkt unterstützend
    In den kommenden Jahren werde die Vernetzung verschiedener Systeme innerhalb eines Gebäudes weiter zunehmen, prognostiziert Babuscu. «Dafür braucht es offene, sichere Protokolle wie BACnet/SC oder KNX Secure, die eine hindernisfreie verschlüsselte Kommunikation zwischen den Gewerken und den Cloud-Diensten ermöglichen.» Und wie steht es mit der künstlichen Intelligenz (KI)? «Sie hat bereits heute einen festen Platz in der Gebäudeautomation», sagt Babuscu. «Viele Systeme nutzen lernende Algorithmen, um das Verhalten des Gebäudes zu verstehen und automatisch zu optimieren.» Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. KI dürfte in Zukunft vermehrt selbst Entscheidungen treffen, etwa indem sie die beste Betriebsstrategie oder den optimalen Zeitpunkt für die Wartung festlegt. Wichtig ist, dass der Einsatz der KI transparent, nachvollziehbar und sicher gestaltet wird, um die Akzeptanz der Beteiligten zu erlangen.

    Weitere Informationen:
    https://www.swissbau.ch/de/c/vorteile-von-intelligenten-gebaeudesystemen.74100

  • Baueinsprachen Bundesrat will härter durchgreifen

    Baueinsprachen Bundesrat will härter durchgreifen

    Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen und des Bundesamts für Raumentwicklung zeigt, Einsprachen und Rekurse sind der häufigste Grund, weshalb Wohnbauprojekte verzögert oder gar verhindert werden. Das treibt Kosten in die Höhe, bremst die Bautätigkeit und trägt zur Verschärfung der Wohnungsknappheit bei. Problematisch sind insbesondere Fälle, in denen Einsprachen nicht dem Schutz öffentlicher Interessen dienen, sondern primär private Vorteile sichern oder als Druckmittel eingesetzt werden. Wie etwa wenn für den Rückzug einer Beschwerde Geld verlangt wird.​

    Neue Regeln gegen Rechtsmissbrauch
    Mit der Motion «Missbräuchliche Baueinsprachen sanktionieren» soll der Bundesrat beauftragt werden, eine Grundlage zu schaffen, um Einsprecherinnen und Einsprecher ohne schutzwürdiges Interesse oder mit klar rechtsmissbräuchlicher Absicht zu Kosten- und gegebenenfalls Schadenersatzzahlungen zu verpflichten. Der Bundesrat ist bereit, die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten zu prüfen und auszuloten, wie weit er gestützt auf Artikel 75 BV im Raumplanungsgesetz Leitplanken zur Einsprachelegitimation und zu den Folgen missbräuchlicher Einsprachen vorgeben kann. Die konkrete Ausgestaltung der Verfahren soll weiterhin bei den Kantonen liegen, aber innerhalb eines bundesrechtlichen Rahmens erfolgen.​

    Heikle Abgrenzung und offene Risiken
    Juristen weisen darauf hin, wie schwierig es in der Praxis ist, eine Einsprache klar als missbräuchlich zu qualifizieren. Finanzielle Abgeltungen für den Rückzug eines Rechtsmittels können etwa legitim sein, wenn Nachbarn auf Aussicht, Ruhe oder andere Positionen verzichten. Zudem warnen Akteure wie der Schweizer Heimatschutz davor, dass strengere Hürden und Sanktionsdrohungen den Schutz von Ortsbild und Denkmälern schwächen könnten. Insbesondere in Kantonen ohne Verbandsbeschwerderecht, wo Nachbarn oft als letzte Schutzinstanz auftreten. Das Parlament wird deshalb einen Balanceakt vollziehen müssen. Die Verfahren beschleunigen und Missbrauch eindämmen, ohne berechtigte Einsprachen und demokratische Mitsprache zu entwerten.

  • Alle Gebäude der Welt im 3D-Modell

    Alle Gebäude der Welt im 3D-Modell

    Der GlobalBuildingAtlas umfasst rund 2,75 Milliarden digitale Gebäudemodelle und ist damit die bisher umfangreichste Sammlung räumlich expliziter Baudaten. Erfasst sind alle Gebäude, für die im Jahr 2019 geeignete Satellitenbilder vorliegen. Die 3D-Modelle weisen eine räumliche Auflösung von 3×3 Metern auf und sind damit etwa 30-mal feiner als frühere globale Datensätze. Entwickelt wurde der Atlas von einem Team um Prof. Xiaoxiang Zhu, Inhaberin des Lehrstuhls für Datenwissenschaft in der Erdbeobachtung an der TUM, das Fernerkundung, Künstliche Intelligenz und datengetriebene Stadtforschung in einem globalen Ansatz verbindet.​

    Detaillierte 3D-Modelle und globale Abdeckung
    Von den 2,75 Milliarden Einträgen liegen für rund 2,68 Milliarden standardisierte LoD1-3D-Modelle vor, die Grundform und Höhe der Gebäude in vereinfachter Geometrie abbilden. Damit lassen sich Volumina berechnen, Stadtstrukturen analysieren und Siedlungsmuster weltweit vergleichbar machen. Besonders wichtig ist die systematische Abdeckung bisher unterrepräsentierter Regionen wie Afrika, Südamerika und ländliche Räume, die nun mit derselben Genauigkeit wie dichte Metropolen erfasst sind.​

    Werkzeug für Planung, Klima und Risiko
    Die Daten ermöglichen es, Wachstumsdynamiken in schnell wachsenden Städten zu untersuchen, stark verdichtete Quartiere mit potenziell angespanntem Wohnraum zu identifizieren und den Infrastrukturbedarf präziser zu bestimmen. Forschende und Verwaltungen können damit Indikatoren entwickeln, die zeigen, wo der Ausbau von Verkehr, Energie- und Wassernetzen, zusätzlicher Wohnraum oder Klimaanpassungsmassnahmen besonders dringlich sind. Gleichzeitig schafft der GlobalBuildingAtlas ein global einheitliches Referenzsystem, das Analysen zu Urbanisierung, Energieverbrauch und Katastrophenrisiken auf vergleichbarer Datengrundlage erlaubt.

  • Zirkulär bauen mit Schilf

    Zirkulär bauen mit Schilf

    Das Wohnhaus von Marina Rosa und Jacobus van Hoorne, entworfen von Gilbert Berthold, Architekt und wissenschaftlicher Assistent an der BFH, sticht in einer Einfamilienhaussiedlung am Neusiedler See bewusst heraus. Es kombiniert einen konsequenten Holzbau mit einem markanten Schilfdach und setzt damit auf lokale, nachwachsende Rohstoffe mit tiefem ökologischem Fussabdruck. Die zahlreichen Auszeichnungen, vom Bauherrinnenpreis der Zentralvereinigung österreichischer Architektinnen über den Architekturpreis des Landes Burgenland bis zum Newcomerpreis «Häuser des Jahres», unterstreichen den Vorbildcharakter des Projekts.

    Schilf als Hochleistungsbaustoff
    Jacobus van Hoorne, ursprünglich Teilchenphysiker am CERN, hat den Schilfschneider- und Schilfdachdeckerbetrieb seines Vaters übernommen und zum Innovationslabor weiterentwickelt. Gemeinsam mit Berthold entwickelte er einen Dachaufbau, der strenge Brandschutzauflagen erfüllt und durch Realbrandversuche behördlich zugelassen wurde. Ein Meilenstein für Schilf im Neubau, auch im dicht besiedelten Raum. Die sanft gekrümmten Dachflächen folgen der Materiallogik. Jeder zusätzliche Neigungsgrad verlängert die Lebensdauer des Daches, die Konstruktion macht die Qualitäten des Naturmaterials sichtbar und lesbar.

    Geometrie, Material und Raum als Einheit
    Der Grundriss des Hauses folgt einem s-förmigen Verlauf, der aus der Drehung des zentralen Wohnraums entsteht. Herzstück ist ein zweigeschossiges, lichtdurchflutetes Atrium, das sich zum Garten öffnet und über Terrassen eng mit dem Aussenraum verknüpft. Kompakt organisierte Funktionsräume schaffen Spielraum für grosszügige Aufenthaltszonen. Das Zusammenspiel von Schilfdach und naturbelassener Eichenholzfassade verbindet Baukörper und Landschaft. Das Dach wird zum gestaltprägenden Element und zu einer zeitgemässen Interpretation traditioneller Handwerkskunst.

    Reallabor für biobasierte Materialien
    Für Gilbert Berthold markierte das Projekt den Start in die Selbstständigkeit und zugleich ein reales Versuchsfeld für nachhaltiges Bauen. Das Haus dient heute als Wohnort, Studienobjekt und Ausstellungsraum zugleich. Es liefert Daten zu Energieeffizienz, Raumklima und zum Langzeitverhalten biobasierter Baustoffe. Im Kontext der BFH fügt es sich in die Forschung zu pflanzenbasierten Materialien wie Stroh, Flachs, Hanf oder Myzel ein und zeigt, dass Schilf nicht nur als Dämmstoff, sondern in architektonischer Hauptrolle bestehen kann.

    Symbol für eine regenerative Baukultur
    Das Projekt macht anschaulich, wie zirkuläres Bauen mit regionalen Ressourcen bereits heute umgesetzt werden kann. Es zeigt Studierenden und Fachleuten, dass regenerative Architektur nicht Zukunftsvision, sondern gebaute Realität ist. Mit Schilf als starkem Symbol für eine Baukultur, die Natur, Technik und Gesellschaft neu zusammendenkt.

  • Bassersdorf plant den nächsten Wachstumsschritt

    Bassersdorf plant den nächsten Wachstumsschritt

    Heute arbeiten auf dem Areal Pöschen, Gmeindwisen rund 90 Personen auf über 90’000 Quadratmetern. In den nächsten 20 Jahren sollen dort 600 bis 800 neue Arbeitsplätze entstehen und Wohnraum für rund 1’200 Menschen geschaffen werden.
     Mit der weitergehenden Umnutzung aller Parzellen ist zusätzlich Platz für 100 bis 200 weitere Arbeitsplätze und rund 300 zusätzliche Einwohnende vorgesehen. Die Grundlage dafür bildet die Umzonung in eine fünfgeschossige Wohn- und Gewerbezone mit Gestaltungsplanpflicht, die seit Februar 2024 rechtskräftig ist. Die Entwicklung erfolgt etappenweise und über mehrere Jahrzehnte, bestehende Gewerbebetriebe behalten ihren Platz.

    Verkehr, ÖV und «autoarmes» Konzept
    Im Dialog mit der Bevölkerung stand der Verkehr im Zentrum. Gefragt wurde nach Parkierung, Erschliessung und der Zukunft des Busbahnhofs. Das Planungsteam betonte die klare Ausrichtung auf den öffentlichen Verkehr. Das Quartier soll keinen Durchgangsverkehr aufnehmen, Autos der Bewohnenden werden in Tiefgaragen parkiert, neue Park-and-Ride-Flächen sind nicht vorgesehen. Trotz Gebietsentwicklung bleibt die geplante Umfahrungsstrasse möglich. Die Verantwortlichen rechnen damit, eher eine jüngere, stärker ÖV-orientierte Bewohnerschaft anzuziehen.

    Grünräume, Quartierleben und Etappierung
    Die rund 50 Anwesenden nahmen insbesondere die grosszügigen Grün- und Freiräume, Plätze und Verbindungswege positiv auf. Das Siegerprojekt strukturiert das Gebiet in klar erkennbare Nachbarschaften, mit einem lärmabschirmenden Riegel entlang der Zürichstrasse, Arbeitsplatzorientierten Nutzungen zu den Gleisen hin und dazwischen vielfältigen Wohnlagen. Diese Gliederung erleichtert die Umsetzung in Etappen. Mit einer vollständigen Realisierung wird in zehn bis fünfzehn Jahren gerechnet.

    Politischer Rückhalt und Mitwirkung
    Gemeindepräsident Christian Pfaller und die Grundeigentümer bekräftigten ihre Unterstützung für das Siegerprojekt und den langfristigen Aufbau eines vielseitigen, nachhaltigen Quartiers. Da die Gemeinde selbst kein Land besitzt, ist sie auf kooperatives Vorgehen mit den Eigentümerschaften angewiesen. Ein Schulhaus wird nicht benötigt. Vorgesehen sind Kindergarten- und Tagesstrukturen, in die sich die Gemeinde einkaufen will. Mit der Bau- und Zonenordnung 2022 hat die Stimmbevölkerung der Transformation zur Mischzone grundsätzlich zugestimmt, gleichzeitig aber eine Gestaltungsplanpflicht verankert. Der aktuelle Mitwirkungsanlass ist Teil dieses Verständigungsprozesses. Die Rückmeldungen fliessen nun in das Richtprojekt ein, das die Basis für den öffentlichen Gestaltungsplan bildet, die voraussichtlich im nächsten Jahr erneut diskutieren wird.

  • Schweiz Elektromobilität neu denkt

    Schweiz Elektromobilität neu denkt

    Das Prinzip ist vom Smartphone bekannt. Eine Senderspule überträgt ganz ohne Stecker, Energie per Magnetfeld an eine Empfängerspule. Beim Elektroauto bedeutet das, parkieren genügt, der Ladevorgang startet automatisch. Im Pilotprojekt «INLADE» testeten die Empa und der Energieversorger Eniwa AG diese Technologie erstmals unter Schweizer Alltagsbedingungen. Unterstützt wurde das Vorhaben vom Bundesamt für Energie sowie den Kantonen Zürich und Aargau.

    Praxistest bestanden
    Selbst bei Schnee, Regen und leichten Parkabweichungen erreicht das induktive Laden einen Wirkungsgrad von rund 90 Prozent, vergleichbar mit dem klassischen Kabel. Die AMAG und weitere Partner rüsteten bestehende Fahrzeuge mit Empfängerspulen aus und integrierten Schnittstellen für das Lademanagement. Nach umfangreichen Sicherheitstests erhielten die Fahrzeuge eine Einzelzulassung für Schweizer Strassen. Weltweit gehören sie zu den ersten alltagstauglichen E-Autos mit induktivem System.

    Mobile Speicher für die Energiewende
    Die eigentliche Revolution liegt im Potenzial. Elektroautos stehen durchschnittlich 23 Stunden am Tag still. Wären sie während dieser Zeit automatisch mit dem Netz verbunden, könnten ihre Batterien Schwankungen im Stromnetz ausgleichen und erneuerbare Energien stabilisieren. Bidirektionales Laden, also das Zurückspeisen von Strom ins Netz, funktioniert auch induktiv. Fahrzeuge sind häufiger angebunden, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer aktiv handeln müssen. So wird jeder Parkplatz zum potenziellen Knotenpunkt eines dezentralen Energiesystems.

    Wirtschaftlich attraktiv
    Intelligentes Laden senkt Stromkosten, besonders wenn tagsüber geladen wird, wenn Photovoltaikanlagen viel Energie ins Netz einspeisen. Die Kombination aus Komfort, Effizienz und Netzintegration macht induktives Laden zu einem vielversprechenden Baustein für die Mobilität von morgen.

  • Schweizer Büromarkt unter Druck

    Schweizer Büromarkt unter Druck

    Die verfügbaren Büroflächen in der Schweiz verharren auf 2,12 Millionen Quadratmeter. Ein stabiler Wert auf der Oberfläche. Doch dahinter verbirgt sich eine beunruhigende Entwicklung. Die durchschnittlichen Quartalsumsätze 2025 liegen mit 425’000 Quadratmetern deutlich unter dem Vorjahr (2024: 540’000 m²). Das entspricht einem Rückgang von etwa 21 Prozent. Unternehmen zögern, treffen langsamere Entscheidungen oder ziehen sich aus Anmietungsprozessen zurück.

    Beschäftigung bleibt aus – Kosten steigen
    Die Ursache liegt in der schwachen Arbeitsmarktdynamik. Das Beschäftigungswachstum in typischen Bürobranchen ist von ohnehin mageren 0,3 Prozent im Jahr 2024 auf 0,1 Prozent im dritten Quartal 2025 geschrumpft. Besonders dramatisch zeigt sich die Situation in der Industrie. Hier verschärfte sich der Stellenabbau von minus 0,2 Prozent (2024) auf minus 1,1 Prozent (2025). Hohe amerikanische Importzölle und ein starker Franken belasten Schweizer Unternehmen zusätzlich. Die geplante Zollreduktion könnte Abhilfe bringen, muss es aber noch unter Beweis stellen.

    Zentren halten, Peripherie unter Druck
    Die räumliche Polarisierung auf dem Büromarkt verschärft sich. In den fünf grössten Schweizer Zentren bleibt die Verfügbarkeit niedrig, mit Ausnahme von Basel. In den City Centern liegen die Quoten bei durchschnittlich 3,7 Prozent, in den umliegenden Stadtgebieten bei 3,6 Prozent. Die Vororte hingegen kämpfen mit 9 Prozent Leerstand. Dabei zeigt sich ein Ost-West-Gefälle. Die Westschweizer Vororte haben deutlich mehr Neubautätigkeit erlebt als die Deutschschweiz.

    Risiken für 2026
    Sollten die Flächenumsätze auf diesem tiefen Niveau verharren, droht die Leerstandsquote im kommenden Jahr anzusteigen. Die Stabilität von heute kann schnell zur Bremse von morgen werden, wenn nicht wieder Beschäftigungswachstum und unternehmerische Investitionsbereitschaft zurückkehren.

  • Wasserstoffanlage in Seewen sistiert – Marktentwicklung bleibt entscheidend

    Wasserstoffanlage in Seewen sistiert – Marktentwicklung bleibt entscheidend

    Die ebs Wasserstoff AG sistiert laut einer Mitteilung ihr Projekt zur Herstellung von Wasserstoff am Standort des Belagswerkes in Seewen. Der Absatz und die Wirtschaftlichkeit seien derzeit nicht ausreichend gegeben, begründet sie die Entscheidung. Die Marktsituation werde aber beobachtet. Sollte die Nachfrage steigen, könnte das Projekt wieder aufgenommen werden.

    An der ebs Wasserstoff AG sind der Schwyzer Energieversorger ebs Energie AG zu 60 Prozent, der Strassen- und Tiefbauer A. Käppeli’s Söhne AG Schwyz zu 25 Prozent und der Basler Energieversorger IWB zu 15 Prozent beteiligt. Gemeinsam haben sie 2022 ein Baugesuch für eine Produktionsanlage in Seewen eingereicht.

    Die Anlage sollte laut einer Aufstellung von ebs mit einer Leistung von 5 bis 6 Megawatt Wasserstoff für bis zu 100 Lastwagen am Tag herstellen. Dieser hätte für 11,1 Millionen Lastwagenkilometer pro Jahr gereicht und 7,8 Millionen Kilogramm CO2 eingespart. Die Investitionskosten wurden auf 16,8 Millionen Franken geschätzt.

    Der Wasserstoff hätte zum Teil auch von der ebs Erdgas + Biogas AG in das Gasnetz eingespeist werden können. Die Abwärme aus der Elektrolyse hätte im Belagswerk verwendet werden können. 

  • Positiver Markttrend stärkt Portfolioentwicklung

    Positiver Markttrend stärkt Portfolioentwicklung

    Der börsenkotierte Immobilienfonds Swiss Life REF (CH) ESG Swiss Properties verzeichnet laut einer Mitteilung von Swiss Life für das Geschäftsjahr 2024/2025 einen deutlich gestiegenen Gesamterfolg von 121,5 Millionen Franken, verglichen mit 57,6 Millionen Franken im Jahr 2023/2024. Die Anlagerendite beträgt 5,1 Prozent.

    Grund für die positive Entwicklung ist die Nettomarktwertänderung seiner Liegenschaften um +2,4 Prozent. Der Fonds hält Stand 30. September 2025 insgesamt 194 Bestandsliegenschaften mit einem Marktwert von 3233 Millionen Franken. Lediglich beim Nettoertrag verzeichnet der Fonds Rückgänge, die sich hauptsächlich durch höhere Gewinnsteuern erklären lassen.

    Pro Anteil erhöht sich der Nettoinventarwert (NAV) auf 116,65 Franken, dies entspricht einem Anstieg von 2,6 Prozent verglichen zum Vorjahr. Die Gesamtausschüttung 2024/2025, die am 28. November 2025 stattfindet, beträgt 2,70 Franken pro Anteil (gesamt 58,3 Millionen Franken), bei einem realisierten Erfolgt von 2,71 Franken pro Anteil (gesamt 58,5 Millionen Franken). Bezogen auf den Börsenkurs beträgt die Ausschüttungsrendite somit 2,03 Prozent, bezogen auf den NAV sind es 2,31 Prozent.

    Das Portfolio des Fonds wuchs 2024/2025 um eine Wohnliegenschaft, acht kleinere Liegenschaften wurden dagegen veräussert. Diese Transaktionen führten zu einem Nettokapitalgewinn von insgesamt 6,1 Millionen Franken und, auch dank der positiven Marktwertveränderungen der Liegenschaften, zu einer Senkung der Fremdfinanzierungsquote auf 20,6 Prozent (2024: 22,1 Prozent). Der Total Return betrug im Berichtszeitraum 14,8 Prozent.

  • Walensee: Steilwand-Solarprojekt wird eingestellt

    Walensee: Steilwand-Solarprojekt wird eingestellt

    Die Felswand auf der Nordseite des Walensees wird in absehbarer Zeit keine Solaranlage erhalten. Wie die Projektpartner EKZ und SAK in einer Mitteilung schreiben, verfolgen sie das Solarprojekt Felsenstrom nicht weiter.

    Die Stromversorger der Kantone Zürich, St.Gallen und beider Appenzell begründen ihren Entscheid zum einen mit Verzögerungen im Bewilligungsverfahren. Anpassungen an das Projekt in Folge von Einsprachen würden eine neuerliche öffentliche Auflage verlangen. Zum anderen wäre die Montage freihängender Module an der Steilwand herausfordernd, aufwendig und zeitintensiv.

    Die Projektpartner rechnen daher nicht mehr damit, das Projekt bis Ende 2030 fertigstellen zu können. Das wäre aber Voraussetzung dafür, dass es in den Genuss der Erleichterungen und Förderungen im Rahmen des Solarexpresses käme.

    Die Anlage sollte am ehemaligen Steinbruch Schnür errichtet werden. Die Solarmodule mit einer Fläche von 44’000 Quadratmetern sollten laut der öffentlichen Bauanzeige von September 2024 rund 12 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugen.

  • Neue Wärmezentrale stärkt Energieversorgung in Villmergen

    Neue Wärmezentrale stärkt Energieversorgung in Villmergen

    Der AEW Wärmeverbund Villmergen liefert nach rund zweijähriger Bauzeit und 15 Millionen investierten Franken nachhaltige Wärme für lokale Unternehmen, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Der Wärmeverbund, der erneuerbare Wärme aus regionalem Altholz und Holz aus Kaskadennutzung mit moderner Speicher- und Regeltechnik kombiniert, stärkt die regionale Versorgungssicherheit im Rahmen der Energiestrategie 2050, so die Mitteilung.

    Im Mittelpunkt der Wärmezentrale steht ein effizienter Altholz-Heizkessel mit einer Leistung von 2000 Kilowatt. Geplant sind ausserdem ein weiterer Altholzkessel, Wärmepumpen und ein Spitzenlastkessel, die eine Gesamtleistung von bis zu 10’000 Kilowatt erbringen werden.

    Ein moderner Wärmespeicher mit einem Volumen von 160’000 Litern sichert dabei die Betriebseffizienz, eine Photovoltaikanlage mit einer Jahresproduktion von 220 Megawattstunden (MWh) produziert nachhaltigen Strom. 145 MWh des produzierten Stroms werden für den Eigenverbrauch der Anlage genutzt. Mittels der Power-to-Heat-Technologie wandelt die Anlage überschüssigen Strom in Wärme um und passt sich so Schwankungen im Energiesystem an. Dies führe zu einer besonders effizienten Energienutzung, während man gleichzeitig die Stabilität des Stromversorgungsnetzes unterstütze, erklärt die AEW.

    Nach Endausbau liefert die Wärmezentrale jährlich bis zu 14’500 MWh Wärme und deckt den Bedarf von rund 700 Einfamilienhäusern. Dadurch spare man jährlich rund 710’000 Kubikmeter Erdgas sowie 1500 Tonnen CO2, erklärt Daniel Wernli, Leiter der Wärmeproduktion der AEW.

    Von der Planung über die Bauausführung bis zum Betrieb hat die AEW bewusst Unternehmen aus der Region beauftragt. Auch die lokale Bevölkerung wird mit einbezogen: am Frühjahr 2026 richtet die AEW einen Tag der Offenen Tür im Wärmeverbund aus und erklärt, wie aus regionalem Holz nachhaltige Wärme entsteht.

  • Startups setzen Impulse für nachhaltige Energiezukunft

    Startups setzen Impulse für nachhaltige Energiezukunft

    Der Energy Startup Day ist am 19. November im Kultur & Kongresshaus Aarau durchgeführt worden. Die Veranstaltung bot Start-ups die Gelegenheit, sich zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. Zudem standen mehrere Vorträge auf dem Programm. Und schliesslich sind fünf Start-ups mit Preisen ausgezeichnet worden.

    Den Jury Award und damit ein Energate PR & Event Package konnte die Borobotics AG mit Sitz im Technopark Winterthur gewinnen. Das Unternehmen arbeitet an einem neuartigen Geothermalbohrer für den Einsatz in urbanen Gebieten. Der erste von zwei Swissolar Awards ging an SmartHelio aus Prilly VD für ihre auf Künstlicher Intelligenz basierende Software für den Einsatz von Photovoltaikanlagen. Das Start-up hat dafür ein Swissolar Marketing & Event Package gewonnen. Der zweite Swissolar Award und damit ein Swissolar Event Package ging an Synergi Solutions aus Helsinki. Das finnische Start-up hat eine App zur Optimierung des Energieverbrauches entwickelt.

    Voltiris aus Epalinges VD hat den Publikumspreis und damit ein Communication Package von Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Electrosuisse und Swisspower gewonnen. Voltiris entwickelt Module für die Agri-Photovoltaik in Gewächshäusern. Und der Investor Award ging an die SensorXSolutions, die damit den SICTIC-Preis (Swiss ICT Investor Club) gewonnen hat, der einer Einladung zu einem Investor Event entspricht. Das Jungunternehmen aus Sarnen hat intelligente Systeme für die Entdeckung von und den Umgang mit Gasen wie Methan entwickelt, um damit den Treibhauseffekt einzudämmen.

    Die Veranstaltenden konnten insgesamt rund 230 Teilnehmende begrüssen. ZHAW, Electrosuisse und Swisspower haben den Anlass durchgeführt und sind dabei von zahlreichen Partnern unterstützt worden.

  • Ausbau der Wachstumsmärkte durch regionale Produktion

    Ausbau der Wachstumsmärkte durch regionale Produktion

    Sika hat die Absicht, in Nahen Osten weiter zu wachsen. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen der Spezialitätenchemie für die Baubranche und die Industrie die saudi-arabische Firma Gulf Seal übernommen. Sie fertigt in der Hauptstadt Riad Bitumen-Abdichtungsmembrane. Dieses Angebot ergänze die in der Region bereits verfügbaren Abdichtungstechnologien von Sika optimal, heisst es in einer Mitteilung.

    Nach Angaben der vor 20 Jahren gegründeten saudischen Firma Gulf Seal arbeitet sie mit der „modernsten französischen Technologie“, die vom Schwesterunternehmen Axter France bezogen werde. Damit sei Gulf Seal im Nahen Osten der einzige zertifizierte Hersteller von wasserdichten Bitumen-Membranen mit europäischer CE-Zertifizierung.

    Sika verspricht sich von Gulf Seals Produktionswerk und den etablierten Exportkanälen in die Länder des Golf-Kooperationsrats (GKR) eine deutliche Stärkung der eigenen Marktposition in diesen Wachstumsmärkten. In Saudi-Arabien selbst stärke diese Übernahme Sikas Fähigkeiten, bedeutende Bauprojekte im Zusammenhang mit Saudi-Arabiens Vision 2030, der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2034 und der fortschreitenden Urbanisierung zu realisieren.

    „Die etablierte Marktposition und die lokalen Produktionskapazitäten von Gulf Seal in Kombination mit Sikas breitem Sortiment und globaler Expertise bieten spannende Chancen für weiteres Wachstum in der GKR-Region“, wird Christoph Ganz, Sikas Regional Manager EMEA, zitiert. „Wir freuen uns darauf, das Gulf-Seal-Team in der Sika-Familie willkommen zu heissen.“

  • Neubau soll veraltetes Einkaufszentrum ersetzen

    Neubau soll veraltetes Einkaufszentrum ersetzen

    Eine Machbarkeits- und Potenzialstudie hat ergeben, dass das Migros-Einkaufszentrum im Areal „Im Funken“ in Zofingen hinsichtlich Nutzung und Betrieb veraltet ist. Ein geprüfter Teilerhalt ist laut einer Mitteilung der Stadt Zofingen keine Option, so dass nun ein Ersatzneubau geplant werden soll. Dieser Neubau steht im Zentrum der Pläne für ein „durchmischtes Quartier für Einkauf, Wohnen und Arbeiten“, welches von Migros Aare, der Stadt Zofingen und dem Immobilienunternehmen Zofimmo AG geplant wird.

    Nachdem mit der Studie nun ein „erster Meilenstein“ erreicht wurde, sollen nun durch einen Studienauftrag von mehreren Teams „tragfähige und konkrete Projekte“ entwickelt werden. In einem folgenden Schritt sollen diese dann rechtlich gesichert werden, durch entsprechende kommunale Planungsinstrumente beziehungsweise einen Gestaltungsplan.

    Die Ergebnisse des Studienauftrages sollen bis Ende 2026 vorliegen, der Baustart wäre frühestens 2029 möglich. Während der möglichen Bauphase würde ein Provisorium Einkäufe auch weiterhin ermöglichen. Mit Abschluss der Arbeiten soll auf dem bisherigen Parkplatz an den Bahngleisen Wohnraum entstehen. Auch für den begrünten Arealteil gegenüber der Altstadt sind neben Gewerbe- auch Wohnflächen angedacht – der grüne Charakter soll aber erhalten bleiben.

  • Restaurierung bringt Eaumorte-Brücke zurück ins Ortsbild

    Restaurierung bringt Eaumorte-Brücke zurück ins Ortsbild

    Das Bauunternehmen MAULINI SA mit Sitz in Satigny informiert in einem LinkedIn-Beitrag über den Abschluss der Restaurierung der Eaumorte-Brücke. Die Brücke zwischen Avully und Cartigny wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut und gilt als eine der ältesten des Kantons Genf. Die Arbeiten begannen am 2. Juni 2025 und wurden Ende Oktober abgeschlossen. Die Gemeinde Avully beschreibt die Brücke vor Beginn der Restaurierung als in einem „fortgeschrittenen Zustand der Zerstörung“.

    MAULINI führte sämtliche Arbeiten aus, darunter die Instandsetzung, die Entfernung der Vegetation, den Nachbau der Steine gemäss dem Original und die Gestaltung des Zugangs zur Brücke. Laut dem Unternehmen bestanden „die Arbeiten darin, die Steine mit historischem Mörtel neu zu verfugen, einen neuen Überbau zu erstellen und eine Brüstung aus einheimischem Holz anzubringen, um der Brücke ihre ursprüngliche Stabilität und ihren Charme zurückzugeben“. Ziel der Restaurierung war es, die Brücke für Fussgänger, Velos und Pferde wieder zugänglich zu machen. MAULINI arbeitete für dieses Projekt mit dem Ingenieurbüro EDMS aus Petit-Lancy GE zusammen.

    Die 1910 gegründete MAULINI SA ist auf Hochbau und Tiefbau spezialisiert. Dazu gehören insbesondere Projekte zum Bau von Mehrfamilienhäusern, Industrie- und Verwaltungsgebäuden sowie Restaurierungsprojekte wie das des Conservatoire de Musique de Genève. Das Unternehmen ist einer der fünf Finalisten des Prix SVC Genève 2025, der am 27. November 2025 im Bâtiment des Forces Motrices in Genf verliehen wird.

  • 27 Jahre Engagement für Schlierens Transformation

    27 Jahre Engagement für Schlierens Transformation

    Seit 1998, also über 27 Jahre, prägt Albert Schweizer die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Schlieren. In dieser Zeit hat er nicht nur Unternehmen angesiedelt und Flächen organisiert, sondern auch Dialoge zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung geführt. Stets mit einer klaren Philosophie, Netzwerke und Vertrauen statt blinder Zahlenoptimierung.

    «Schlieren ist rasant gewachsen, aber kontrolliert, mit einer Standortförderung, die nicht nur auf Zahlen, sondern auf Netzwerke und Vertrauen baut», beschreibt diese Herangehensweise von Albert Schweizer  treffend. Aus einer klassischen Industriestadt wurde ein dynamischer Technologiestandort.

    Von der Industrie zur Biotechnologie
    Schweizers Fähigkeit, Chancen konsequent in Projekte umzusetzen, machte den Unterschied. Er organisierte Flächen, löste Knoten, lancierte Feste und schuf die Bedingungen für Unternehmen, um sich in Schlieren niederzulassen und zu wachsen. Besonders beeindruckend ist die Umwandlung früherer Industriebrachen zu Zentren der Biotechnologie und Medizintechnik. Ein strategischer Wandel, der Schlieren neu positionierte.

    Verdiente Pensionierung
    Im kommenden Frühling 2026 tritt Albert Schweizer seine wohlverdiente Pensionierung an. Für die Stadt Schlieren endet damit eine Ära, deren Spuren aber bleiben – in den Netzwerken, die er aufgebaut hat, in den Projekten, die er initiierte, und in der Kultur der Standortförderung, die er mitgestaltete.

    «Wir sind stolz darauf, wie sich Schlieren entwickelt hat», würdigt auch Stadtpräsident Markus Bärtschiger die Leistungen von Albert Schweizer.

    Mit der Pensionierung von Albert Schweizer geht nicht nur ein erfahrener Standortförderer, sondern auch der Architekt des modernen Schlieren. Seine Auszeichnung ist ein verdientes Finale einer einflussreichen Karriere, die zeigt, dass nachhaltige Entwicklung von Menschen kommt – von solchen, die nicht nur Wirtschaft managen, sondern Vertrauen aufbauen.

  • ImmoTable Basel – Von Superclustern, neuen Brücken und dem Weg aus der digitalen Antike

    ImmoTable Basel – Von Superclustern, neuen Brücken und dem Weg aus der digitalen Antike

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    Den Auftakt machte Christof Klöpper, CEO von Basel Area Business & Innovation. Er zeichnete das Bild einer Region, die weit mehr ist als «nur» ein Pharma-Standort. Zwar bleibt der Life Sciences Supercluster weltweit führend, doch das Innovationsökosystem hat sich diversifiziert.

    Getragen von den drei Kantonen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura, fokussiert sich die Organisation auf internationale Start-ups und eine Public Private Partnership, die stark von der Industrie getrieben wird. Klöppers Botschaft war klar, die Aufgabe ist nicht nur klassische Standortpromotion, sondern das aktive Bereitstellen von Innovationsinfrastrukturen für ein Ökosystem, das stetig wächst.

    Basel-Stadt und der 500-Millionen-Hebel
    Julian Kamasa vom Amt für Wirtschaft und Arbeit unterstrich, wie der Kanton Basel-Stadt seine Position als führender Innovationsstandort, gestützt auf rund 800 Life-Sciences-Firmen und zahlreiche Start-ups, weiter ausbauen will. Im Zentrum dieser Offensive steht das neue «Basler Standortpaket», mit dem der Kanton ab 2025 eine schweizweite Pionierrolle einnimmt.

    Mit einem jährlichen Budget von 150 bis zu 500 Millionen Franken werden gezielt Investitionen gefördert. 80 Prozent der Mittel fliessen in einen Innovationsfonds, der insbesondere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten am Standort belohnt. Die restlichen 20 Prozent unterstützen gesellschaftliche und ökologische Ziele wie Elternzeit oder Klimaschutzmassnahmen.

    Die Kernbotschaft ist klar. Wer substanziell in Basel forscht, profitiert am meisten. Mit diesem finanziellen Hebel will der Kanton seine Position als führender europäischer Gesundheitsstandort festigen, gezielt Tech-Kompetenz aufbauen und die Wirtschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft transformieren. Das grosse Potenzial der städtischen Transformationsareale spielt dabei eine Schlüsselrolle.

    Ein städtebaulicher Befreiungsschlag
    Konkret wurde es beim Referat von Marko Kern (SBB) und Marc Février (Kanton Basel-Stadt), die das Siegerprojekt für die neue Margarethenbrücke und den Perronzugang vorstellten. Ein Schlüsselprojekt für die künftige Mobilität. Angesichts massiv steigender Passagierzahlen durch den SBB-Ausbauschritt 2035 und dem Wunsch nach mehr Platz für Tram- und Veloverkehr muss die alte Brücke ersetzt werden.

    Nach einem Studienauftragsverfahren, bei dem die denkmalgeschützte Halle SNCF eine besondere Herausforderung darstellte, überzeugte das Projekt der Penzel Valier AG. Es sieht eine schlanke, erhöhte Brücke mit grüner Überdachung vor. Diese schafft mehr Raum für alle Verkehrsteilnehmer und integriert eine neue, barrierefreie Tramhaltestelle in der Brückenmitte.

    Der Nutzen des Projekts ist vielfältig. Es verbessert das Umsteigen am Bahnhof SBB, entlastet den Centralbahnplatz, optimiert die Velo- und Fusswegverbindungen zwischen Gundeldingen und der Innenstadt und schafft mit über 11’000 neuen Veloabstellplätzen und zusätzlichen Grünflächen einen klaren städtebaulichen Mehrwert. Die Kosten im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich werden von Bund und Kanton gemeinsam getragen, wobei das Projekt als Paradebeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit gilt.

    Raus aus der «digitalen Antike»
    Einen kritischen Spiegel hielt Isabel Gehrer (pom+) der Branche vor. Ihr Referat «Von der digitalen Antike zur Zukunftsbranche» zeigte die Diskrepanz zwischen der Schweiz als Innovationsweltmeisterin und einer Bau- und Immobilienwirtschaft, die beim digitalen Reifegrad provokant in der «digitalen Antike» verharrt.

    Während die Schweiz im Global Innovation Index 2025 erneut den ersten Platz belegt und Basel mit Roche, Novartis und Syngenta drei der Top-10-Investoren in beheimatet, investiert die Immobilienbranche deutlich weniger in Innovation als andere Sektoren. Einzig BIM hat sich wirklich durchgesetzt.

    Gehrer verwies auf Bill Gates‘ Konzept der «Green Premium». Nachhaltige Lösungen müssen so effizient werden, dass sie keinen Aufpreis mehr kosten. Als Erfolgsbeispiel nannte sie die Automobilindustrie, wo Batteriekosten seit 2010 um 80 Prozent sanken und Elektroautos massentauglich machten.

    Ihr Lösungsansatz umfasst vier Punkte. Forschungsinfrastruktur sichern durch bessere Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft, Forschungs- und Entwicklungsintensität erhöhen, Venture Capital für PropTechs mobilisieren und Strategic Foresight betreiben, um Transformationsareale wie Klybeckplus als Experimentierräume zu nutzen. Ihr Appell an die Branche: «Lasst es uns real machen.»

    Immobilienpreis 2026
    Zum Abschluss des ImmoTable richtete Mara Schlumpf den Blick auf das kommende Jahr. Der nächste Real Estate Award findet am 22. Oktober 2026 im Trafo Baden statt und wird rund 300 Entscheidungsträger aus der Branche zusammenbringen. Die Gala kombiniert Award-Verleihungen mit hochkarätigem Networking. Ausgezeichnet werden herausragende Projekte und Unternehmen in fünf Kategorien, wie Nachhaltigkeit, Digital, Vermarktung, Projektentwicklung & Innovation sowie die Immobilien-Persönlichkeit des Jahres. Die Zielgruppe umfasst Projektentwickler, Immobilien- und Bauunternehmen, Investoren, Politik und Medien. Für Partner bietet der Award exklusive Sichtbarkeit und Zugang zu einem erstklassigen Netzwerk.

    Der immoTable Anlass zeigte eindrücklich, dass Basel über das Kapital, die Infrastruktur und den politischen Willen zur Veränderung verfügt. Nun liegt es an der Immobilienbranche selbst, die bereitgestellten Mittel und Areale mit der nötigen Innovationsfreude zu nutzen und den Sprung aus der digitalen Antike in die Zukunft zu wagen.

  • Zwischen Stabilität, Wohnraumschutz und Wachstumsdruck

    Zwischen Stabilität, Wohnraumschutz und Wachstumsdruck

    Aktuelle Stimmung der Basler Immobilienwirtschaft
    Die Ausgangslage präsentiert sich ambivalent. Einerseits herrschen in Basel eine grosse wirtschaftliche Stabilität und eine starke realwirtschaftliche Basis, wie aktuelle Marktanalysen bestätigen. Andererseits drückt der Schuh bei der eigentlichen Produktion von Wohnraum. Im internationalen Vergleich, etwa mit Paris, San Francisco oder London, ist die Kostenbelastung für Wohnen im Verhältnis zu den Löhnen in Basel zwar noch moderat. Doch die Stimmung ist getrübt. Der Wohnungsproduktion geht es nicht gut. Das liegt weniger an fehlenden Investoren, sondern vielmehr an komplexen Planungsprozessen und hausgemachten Hürden.

    Herausforderung Wohnraumschutz
    Ein zentrales Thema der Debatte ist der Basler «Wohnraumschutz». Das Gesetz, ursprünglich gedacht, um die Sozialverträglichkeit von Sanierungen zu sichern und Mieter zu schützen, erweist sich in der Praxis als Investitionshemmnis.

    Kritisiert wird, dass der Wohnschutz zwar gut gemeint ist, aber faktisch das Angebot verknappt. Wenn Sanierungen durch überbordende Vorgaben unwirtschaftlich werden, finden sie schlicht nicht statt. Zwar wurden bereits Anpassungen an der Verordnung vorgenommen, um beispielsweise energetische Erneuerungen zu erleichtern, doch die Unsicherheit bleibt. Es kommen weniger neue Wohnungen auf den Markt, während die Zuwanderung anhält. Dies verschärft genau jene Knappheit, die man eigentlich bekämpfen wollte. Wer heute eine Wohnung sucht, sei es wegen Familiären belangen, Jobwechsel oder Zuzug, der trifft auf einen ausgetrockneten Markt und hohe Preise. Die Regulierung schützt somit den Bestand, benachteiligt aber jene, die neu in den Markt eintreten wollen.

    Learnings für andere Kantone
    Der Blick über die Kantensgrenzen zeigt, Basel dient derzeit eher als Warnung denn als Vorbild in Sachen Regulierung. Die Einführung strenger Schutzbestimmungen erinnert an Fehler der Vergangenheit (Zins- und Regulierungspolitik vor 40 Jahren). Die Lehre für andere Kantone lautet deshalb, man darf das Angebot nicht künstlich verknappen, wenn die steigt.

    Ein weiteres Phänomen ist die Umnutzung von Büroflächen. Was vor vier Jahren aufgrund der Renditeerwartungen noch kaum denkbar war, wird durch gestiegene Zinsen und veränderte Büromärkte plötzlich attraktiv. Doch diese Transformationen schaffen meist keinen günstigen Wohnraum, sondern eher hochpreisige Angebote.

    Basel in der 10-Millionen-Schweiz
    Die Schweiz wächst und Basel wächst mit. Die Stadt verfügt über enorme Potenziale durch ehemalige Industrieareale (z. B. Klybeck Plus) und Transformationsgebiete. Investoren wären bereit, diese Flächen zu entwickeln und zu verdichten. Doch die Problematik ist die Zeitdauer. Planungsprozesse, wie jene für das Klybeck-Areal, ziehen sich über 5 bis 6 Jahre hin, bevor überhaupt gebaut werden kann.

    Für eine Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern ist die Innenverdichtung alternativlos. Dabei müssen Kompromisse gefunden werden, wie etwa bei der «Klimakardinals»-Initiative. Areale über 30’000 m² sollen dichter bebaut werden dürfen, müssen dafür aber strenge ökologische und soziale Kriterien erfüllen. Wichtig ist hier das Verständnis für die Investorenseite, insbesondere Pensionskassen. Diese verwalten Treuhandgelder für die Altersvorsorge und können Wohnraum nicht einfach quersubventionieren. Planungssicherheit ist hier die härteste Währung.

    Zukunft und Lösungsansätze
    Wie sieht die Zukunft aus? Die Branche fordert vor allem Beschleunigung und Flexibilität. Ähnlich wie in Deutschland sollten wir den Planungs-Turbo diskutieren und es bräuchte Mechanismen, um Bewilligungsverfahren drastisch zu verkürzen. Die Immobilien der Zukunft müssen flexibel sein. Was heute ein Büro ist, muss morgen eine Wohnung sein können und übermorgen vielleicht wieder ein Büro oder eine Logistikfläche. Fragmentierte Monostrukturen sind nicht mehr zeitgemäss. Die Angst vor dem Wachstum muss einer Gestaltungslust weichen. Qualität entsteht durch gute Innenverdichtung und Nutzungsmischung, nicht durch Stillstand.

    Die Mittel und das Kapital wären vorhanden, um den Basler Wohnraummangel zu lindern. Was fehlt, ist ein regulatorisches Umfeld, das Investitionen ermöglicht statt verhindert und ein Planungsprozess, der mit der Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Veränderungen Schritt hält.

  • Generationenwechsel bei suissetec mit Dennis Reichardt

    Generationenwechsel bei suissetec mit Dennis Reichardt

    Dennis Reichardt ist seit fast zwei Jahrzehnten im Verband engagiert und bringt als Unternehmer mit 120 Mitarbeitenden in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klima und Sanitär ausgeprägte Praxisnähe ein. Seine «idée suisse» verbindet den Anspruch, suissetec als Treiberin von Energieeffizienz und erneuerbaren Lösungen zu positionieren, mit einem klaren Bekenntnis zur Zusammenarbeit über alle Sprachregionen hinweg.

    Mit Fokus auf Qualität, Nachwuchsförderung und Zusammenhalt will Reichardt den Verband in einer Phase führen, in der Gebäudetechnik eine Schlüsselrolle für das Erreichen der Klimaziele und die Dekarbonisierung des Gebäudebestands spielt. Für die Branche bedeutet dies eine Fortsetzung des eingeschlagenen Kurses, aber mit noch stärkerem Gewicht auf Innovation, Fachkräfteentwicklung und integraler Systembetrachtung.

    Kontinuität durch Ehrenpräsidium und rollende Planung
    Mit dem Übergang von Daniel Huser ins Ehrenpräsidium bleibt suissetec eng mit einer Führungspersönlichkeit verbunden, die den Verband über elf Jahre geprägt und das gewerkeübergreifende Denken konsequent gefördert hat. Sein Führungsstil, der interdisziplinär, kooperativ und auf den Gesamtnutzen der Branche ausgerichtet ist, bildet einen Referenzrahmen für das neue Präsidium.

    Parallel sichert die schrittweise Erneuerung des Zentralvorstands die institutionelle Stabilität. Mit klar geplanten Amtsübergaben und Amtszeitbeschränkungen wird Know-how kontinuierlich weitergegeben, ohne den Erneuerungsimpuls zu bremsen. Damit positioniert sich suissetec als Verband, der langfristig denkt, personell vorausschauend plant und zugleich offen für neue Gesichter und Perspektiven bleibt.

  • Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Norman Gobbi setzt auf Nachhaltigkeit im Tessin

    Herr Gobbi, Sie sind seit kurzem für das Bauwesen im Kanton Tessin zuständig. Was sind Ihre ersten Prioritäten in diesem Bereich?
    „In meiner neuen Funktion als Leiter der Bauabteilung, die ich seit dem 1. September innehabe, besteht die Priorität darin, Kontakte mit allen wichtigen Akteuren des Tessiner Bausektors zu knüpfen, um deren Sicht auf die aktuelle Situation und die Aussichten – kurz-, mittel- und langfristig – zu verstehen.“

    Wie wollen Sie die Raumplanung im Tessin nachhaltiger gestalten, insbesondere im Hinblick auf das empfindliche Gleichgewicht zwischen Verdichtung und Landschaftsschutz?
    „Der Kanton Tessin hat eine ganz andere geografische Beschaffenheit als die Kantone des Mittellandes. Alles konzentriert sich auf die wenigen Quadratmeter der Talsohlen, die bereits im 20. Jahrhundert stark anthropisiert wurden: Das macht es sehr schwierig, alle Funktionen, die das Gebiet erfüllen muss, unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit und Lebensqualität zu gewährleisten. Der Schlüssel liegt in einer vorausschauenden Planung und in der Geduld, die Fehler der Vergangenheit Schritt für Schritt zu korrigieren.“

    Welche Rolle spielt der Klimawandel in Ihrer Baupolitik? Gibt es konkrete Pläne für klimaresilientes Bauen im Kanton?
    „Das Tessin erstreckt sich von 200 bis über 3.000 Meter über dem Meeresspiegel und ist daher den Auswirkungen des Klimawandels besonders ausgesetzt. Der Staatsrat ist sich dessen bewusst und hat die Abschwächung dieser Phänomene in die Ziele seines langfristigen Programms aufgenommen.“

    Wie stehen Sie zur Förderung des Einsatzes von Holz und modularer Bauweise in öffentlichen Gebäuden?
    „Mehr als 50 Prozent der Fläche unseres Kantons sind von Wäldern bedeckt. Es ist daher klar, dass wir ein Interesse daran haben, die Nutzung dieser reichlich vorhandenen und hochwertigen Ressource zu fördern. Der Staat ist da und wird seinen Teil dazu beitragen: Ich erwarte auch kreative Impulse von unserer Akademie für Architektur und natürlich eine wachsende Sensibilität seitens des Privatsektors.“

    Der Wohnraum im Tessin wird immer knapper und teurer. Welche Strategien wollen Sie anwenden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?
    „Unsere Verfassung überträgt die Verwaltung dieser Fragen in erster Linie den Gemeinden: Ich halte dies für eine kluge Entscheidung, denn die lokalen Behörden kennen das Geschehen vor Ort sehr genau und können daher rasch auf Veränderungen im Wohnungswesen reagieren. Abgesehen davon verfolgt der Kanton das Thema sehr genau und ist bereit, auf regulatorischer Ebene zu intervenieren, wenn es angebracht ist.“

    Wie gedenkt der Kanton mit den Gemeinden zusammenzuarbeiten, um eine kohärente und einheitliche Raumplanung zu gewährleisten?
    „Das neue Bundesgesetz hat einen völligen Paradigmenwechsel bewirkt, den das Tessin in seinen Masterplan aufgenommen hat: Es ist klar, dass das Thema der Verdichtung – aus Gründen, die mit der von mir erwähnten Beschaffenheit des Gebiets zusammenhängen – für unseren Kanton besonders heikel ist. Die Umsetzung dieser Strategie wird eine breite Debatte sowohl unter den Institutionen als auch in der Gesellschaft insgesamt erfordern.“

    In der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ist die Wirtschaftsförderung sehr aktiv. Wie viel Energie investieren der Kanton bzw. die einzelnen Wirtschaftsbezirke in die Positionierung, und was tun sie konkret?
    „Das Tessin arbeitet ständig daran, sich als dynamische Region zu positionieren, die offen für Innovationen ist. Wir sind nur knapp zwei Stunden von den wirtschaftlichen Zentren Zürich und Mailand entfernt, und wir können in Zukunft danach streben, Realitäten zu beherbergen, die mit der Dynamik dieser Metropolen verbunden bleiben wollen, ohne notwendigerweise Nachteile in Bezug auf die Lebensqualität in Kauf nehmen zu müssen.“

    Welche Lehren ziehen Sie aus Ihrer Zeit als Sicherheitsdirektor für Ihre neue Rolle in der Bauindustrie?
    „Die Aufmerksamkeit für Sicherheit ist eine ‚Denkweise‘, und sie hilft in allen Lebenssituationen – besonders in Berufen, in denen Menschen dem Risiko schwerer oder sogar tödlicher Unfälle ausgesetzt sind. Daher wird es für mich eine Priorität sein, das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und eine Bauindustrie anzustreben, in der Menschen arbeiten können, ohne jemals um ihre Sicherheit fürchten zu müssen.“

    Wie schaffen Sie den Übergang von einem stark auf Sicherheit ausgerichteten Bereich zu einem eher technischen?
    „Unser Milizsystem ermutigt uns, ‚aufgeklärte Amateure‘ zu sein, eine Überspezialisierung zu vermeiden und das Bewusstsein zu bewahren, dass die Arbeit des Staates nicht aus wasserdichten Abteilungen besteht, sondern aus miteinander verbundenen Organen, die in ständigem Dialog arbeiten müssen.“

    Sehen Sie Ihre neue Rolle als eine langfristige Aufgabe oder eher als eine Übergangslösung bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2027?
    „Wie ich schon oft gesagt habe, ist die Landverwaltung meine große Leidenschaft nach den Institutionen.“

  • Strom aus dem Parkett

    Strom aus dem Parkett

    Statt auf knapper werdende Eiche setzt das Projekt auf Pappelholz, das als schnell wachsender, klimatoleranter Laubbaum bisher kaum im Parkettmarkt genutzt wird. Mit «grüner Chemie» und der Einlagerung von Lignin aus der Papierindustrie wird das weiche Pappelholz verdichtet und gehärtet, sodass mechanische Eigenschaften und Oberflächenqualität mit Eichenparkett vergleichbar werden.​

    Damit geht die Entwicklung gleich zwei Herausforderungen an. Die Sicherung der Holzversorgung unter Klimawandelbedingungen und die Substitution von erdölbasierten Bodenbelägen durch biobasierte, kreislauffähige Produkte. Für Hersteller eröffnet dies zudem die Möglichkeit, regionale, bislang «zweitrangige» Holzarten in hochwertige Designböden zu überführen.​

    Parkett Sensor und Energiequelle
    Der zweite Innovationsschritt liegt in der Integration von piezoelektrischer Funktionalität. Wird das Holz beim Gehen elastisch verformt, entsteht elektrische Spannung, die im Naturzustand zu gering ist, um praktisch nutzbar zu sein. Durch das Einbetten von Rochelle-Salz, einem Nebenprodukt der Weinproduktion mit starker piezoelektrischer Wirkung, in eine speziell strukturierte Holzmatrix entsteht eine hybride Struktur, die deutlich höhere Spannungen liefert und dennoch recycelbar bleibt.​

    Diese «Salt-in-Wood»-Technologie ermöglicht Parkettlamellen, die selbst als Sensor wirken. Sie erkennen Trittfolgen, Präsenz oder Bewegungsmuster und können perspektivisch genügend Energie erzeugen, um drahtlose Sensorik oder Signale lokal zu versorgen.​

    Anwendungen von Smart Home bis Flughafen
    Kurzfristig zielen die Forschenden auf Sensoranwendungen im Smart Home, etwa zur Zutrittsüberwachung an Türen und Fenstern oder zur präsenzabhängigen Licht- und Klimasteuerung. Mittelfristig rücken hochfrequentierte Flächen wie Flughäfen, Bahnhöfe, Einkaufszentren oder auch kulturelle Orte wie das Tanzhaus Zürich in den Fokus, wo Millionen von Schritten pro Jahr ein erhebliches Energiewandlungspotenzial bieten.​

    Die grosse Herausforderung liegt nun in der Skalierung. Materialprozesse, Sensorintegration, Dauerhaftigkeit und Kosten müssen so industrialisiert werden, dass «Piezo-Parkett» vom Demonstrator zur marktreifen Produktfamilie wird. Ein Ziel, das durch Industriepartnerschaften und Auszeichnungen wie die Nominierung für den «Evergreen Prize for Innovation» Rückenwind erhält.