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Menschen – Immobiliennews zu Persönlichkeiten, Meinungen, Interviews & Stimmen aus der Schweizer Immobilienbranche.

  • Alle Akteure in der Branche müssen bereit für Veränderungen sein

    Alle Akteure in der Branche müssen bereit für Veränderungen sein

    Was genau ist Building Information Modeling?
    Wörtlich übersetzt bedeutet BIM die Modellierung von Konstruktionsinformationen, eine ziemlich genaue Definition. Durch BIM ist es neben der digitalen Planung und Ausführung von Projekten möglich, die für die Arbeit erforderlichen Daten zu ermitteln und wiederzuverwenden. Es geht darum, mit dreidimensionalen Modellen zu arbeiten, die nichts anderes als visuell dargestellte Datenbanken sind. Es klingt komplizierter als es ist, aber tatsächlich ist es nur eine neue Arbeitsweise. Wenn wir früher zweidimensionale Pläne hatten, haben wir jetzt
    mo dreidimensionale digitale Gebäudemodelle. Wichtig ist, dass alle Beteiligten Zugriff auf dieselben Daten haben oder auf andere Weise als Single Source of Truth (Hrsg.) Bezeichnet werden. Dies stellt sicher, dass die in den Datenbanken gespeicherten Daten immer aktuell, korrekt und für die weitere Verarbeitung relevant sind. Und das ist genau der größte Vorteil.

    Warum hat sich die SBB für BIM für Bauprojekte entschieden?
    In BIM sehen wir ein wichtiges Potenzial für die Datenverarbeitung und den gesamten Wertschöpfungsprozess. Die SBB erwartet einen deutlichen Rückgang der Investitionen in Planung, Bau und Verwaltung von Immobilien. Dies gilt auch für die gesamte Eisenbahninfrastruktur, die sie besitzt.

    Wir können auch einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen leisten, da wir anhand der von uns gesammelten Daten simulieren können, wie sich das Unternehmen in den nächsten 20, 25 Jahren und darüber hinaus entwickeln wird. Da Projekte verglichen werden können, können sie gelernt und Transparenz über den gesamten Lebenszyklus hinweg geschaffen werden.

    Wie wird BIM beim Bau des Letziturms eingesetzt?
    Der Letziturm war eines der ersten Gebäude der SBB Immobilien, die mit BIM-basierten Arbeitsmethoden und -praktiken errichtet wurden. Es ist auch ein Schulungsprojekt in Bezug auf die Managementphase. Die Planung und Durchführung eines Projekts dieser Größenordnung ist in zehn Jahren abgeschlossen, die Verwaltung des Gebäudes dauert jedoch mindestens viermal länger. Zum Beispiel werden wir die Erfahrung des Letziturms nutzen, um Materialien zu probieren. Wir arbeiten daran, Planungsgenehmigungen über die Kollaborationsplattformen zu erhalten. Wir haben viel gelernt und können damit Planung und Implementierung optimieren. Dies ist aus unserer Sicht ein wichtiger erster Schritt.

    „Allein als Besitzer kann man es nicht mehr ertragen.“

    Welche Schlussfolgerungen können Sie heute aus der Verwendung von BIM ziehen?
    Wir haben sehr früh das Potenzial von BIM für die SBB erkannt und ihre Entwicklung durch das zu diesem Zweck eingerichtete BIM @ FFS-Programm aktiv gefördert. Wir haben seitdem wichtige Fortschritte gemacht. Dieses Programm basiert auf vier miteinander verbundenen Säulen: Entwicklung, Experimentieren, Genehmigung und konkrete Einbeziehung des Sektors. Wir teilen unser gesamtes Wissen und unsere Erfahrungen bei Veranstaltungen mit unseren Partnern, sammeln Kommentare und Beobachtungen, die wir dann in den Entwicklungsprozess integrieren. Wir beziehen unsere Gemeinschaft auf diese Weise ein. Sie können nicht mehr alleine bauen, Sie brauchen eine enge Zusammenarbeit zwischen den Parteien. Dies spiegelt sich auch in der Befähigung der Mitarbeiter wider. Seitens der Mitarbeiter haben wir eindeutig einen großen Wunsch nach gegenseitigem Lernen festgestellt. Das Ergebnis ist für alle inspirierend und lehrreich.

    Was sind die Vorteile?
    Es versteht sich von selbst, dass das Entwerfen und Erstellen mit Datenunterstützung zu einer Änderung der Art und Weise führt, wie wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten und wie wir mit ihnen Projekte entwickeln, die jetzt schneller und sicherer abgeschlossen werden. Klar nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, das System zu übernehmen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, wie bereits erwähnt, „Eine Quelle der Wahrheit“. Unternehmensdaten werden strukturiert gespeichert, sind immer aktuell und schnell auffindbar. Dadurch entfällt das lästige und ständige Suchen und Überprüfen von Daten weitgehend. Im Vergleich zur Vergangenheit ist die Kommunikation auch zielgerichteter und leistungsorientierter. Projektgruppen können so schneller Lösungen finden, offene Probleme und Probleme direkt im dreidimensionalen Modell visualisieren und Varianten und Alternativen einfacher ausarbeiten. Dies hilft, sich zu verstehen.

    Gibt es auch Nachteile?
    BIM wird oft nur mit dem technologischen Aspekt assoziiert. Natürlich wäre es schön, mit einer Brille, die uns Augmented Reality zeigt, über die Baustelle zu fliegen. Wenn die zugrunde liegenden Daten jedoch nicht korrekt sind, ist die fortschrittlichste Technologie nutzlos. Die Daten müssen korrekt sein und wir brauchen daher eine neue Art, präzise zu arbeiten. Es gibt nur zwei Arten von Daten: die richtigen oder die falschen. Heute sind noch nicht alle bereit, neue Technologien und Methoden einzusetzen. Alle Betreiber in der Branche müssen jedoch bereit sein, sich zu ändern und ihren Beitrag zu leisten, damit die Dinge funktionieren.

    Was könnte der Grund sein, warum sich BIM noch nicht in der Schweiz etabliert hat?
    Viele verbinden BIM mit der Verwendung der neuesten Software oder der neuesten Datenbanktechnologie. Dies ist oft notwendig, allein reicht es jedoch nicht aus. Um BIM erfolgreich einsetzen zu können, müssen wir unsere Denkweise und Arbeitsweise ändern. In der BIM-Umgebung sprechen wir häufig über kollaborative Projektteams, die gemeinsam Lösungen entwickeln. Dieser Prozess braucht seine Zeit, aber der Trend gibt mir Hoffnung auf das Beste. Wir müssen auch unseren Beitrag als Auftraggeber des öffentlichen Sektors leisten, um diese Entwicklung weiter voranzutreiben und den Einsatz von BIM bei der Auftragsvergabe zu fordern, wie wir es beispielsweise für das Letziturm-Projekt getan haben.
    Welche Ziele verfolgt die SBB beim Einsatz von BIM?
    Derzeit haben wir ungefähr zwanzig Pilotprojekte, für die wir Hintergrundinformationen bereitstellen. Wir experimentieren auch mit einer Vielzahl von Methoden, Technologien und Techniken. Das aus diesen Projekten gewonnene Wissen fließt in den Entwicklungsprozess ein. Dank Vorschriften und Normungen können wir auch internationale Grundelemente berücksichtigen. Auf diese Weise sind wir sicher, mit der Zeit Schritt zu halten. Dieses Wissen wird speziell an die Industrie zurückgegeben. Für konföderierte Unternehmen wird die Verwendung von BIM für den Bau von Gebäuden gemäß der digitalen Strategie des Bundes ab 2021 und für die Infrastruktur ab 2025 obligatorisch sein, da in diesem Bereich noch viel ausgearbeitet werden muss. Dies ist unser erklärtes Ziel.

    SBB und das BIM Letziturm Projekt
    Dank der Renovierung der bestehenden Gewerbe- und Industriegebiete entsteht zwischen den Bahnhöfen Zürich-Altstetten und Hardbrücke ein neues Stadtgebiet entlang der Gleise. Der Letziturm, ein sechsstöckiges Gebäude östlich der Lagerhalle, das zum historischen Denkmal erklärt wurde, definiert einen ersten städtischen Horizont, der zusammen mit den beiden an die Höhe von Letzibach D angepassten Wohntürmen einen Kern aus drei hohen Gebäuden bildet.

    Die Bauarbeiten begannen in diesem Jahr. Die 178 Wohneinheiten, bestehend aus Wohnungen mit 1,5 bis 7,5 Zimmern, sollen ab Herbst 2022 fertig sein. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Haupteingänge und zwei Gewerbezimmer, von denen jedes einen Blick auf die Zukunft bietet. Platz und auf den SBB-Werkstätten. Dazwischen befinden sich die Erdgeschosse von vier größeren, zweistöckigen Wohneinheiten, die eine Kombination aus Arbeits- und Wohnräumen bieten und auf Wunsch direkt mit dem öffentlichen Raum verbunden sind.

    Sowohl die kleineren als auch die größeren Wohneinheiten sind im Basisgebäude untergebracht. Oberhalb der 7. Etage, in der sich ein Gemeinschaftsraum befindet, sind Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern geplant. ■

  • Oberfläche rechts: seine Bedeutung für den öffentlichen Wohnungsbau

    Oberfläche rechts: seine Bedeutung für den öffentlichen Wohnungsbau

    CASSI (die Sektion der italienischen Schweiz des Dachverbandes der Schweizer Wohnungsgenossenschaften) in Zusammenarbeit mit
    arbeitet mit der Regionalgruppe Tessin von Espace Suisse daran, mehr Wissen und Bewusstsein für das wichtige, in unserem Kanton noch wenig bekannte Thema des Oberflächenrechts in Bezug auf den öffentlichen Wohnungsbau zu verbreiten.

    Das Instrument des Oberflächenrechts könnte neue Impulse für die Entwicklung verschiedener und innovativer Projekte geben und auch die territoriale Entwicklung positiv beeinflussen.
    mit wichtigen wirtschaftlichen, aber auch sozialen Auswirkungen.

    Langfristig und unter bestimmten Bedingungen könnte die Vermietung einer Immobilie, eines zu bauenden oder bereits gebauten Grundstücks der gesamten Gesellschaft, auch künftigen Generationen, Vorteile bringen. Es könnte die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum fördern, um nicht nur Wohnräume zu schaffen, sondern auch Nachbarschafts- und Geschäftstätigkeiten anzuregen, wie dies bereits an vielen Orten in der Schweiz festgestellt wurde.

    Die Anwendung des Oberflächengesetzes, falls erforderlich, in Verbindung mit der Verwendung von Kapital aus dem „Fonds de Roulement“ (Fonds, der mit Krediten der Konföderation gespeist wird) zur Gewährung von Darlehen zu einem subventionierten Zinssatz, der für Betreiber des Sozialer Wohnungsbau) könnte die Entwicklung von Wohnprojekten fördern, insbesondere die Renovierung in dieser Zeit des Wandels. Wohnprojekte, die möglicherweise durch einen Generationenmix gekennzeichnet sind, könnten ein Gefühl der Solidarität und gegenseitigen Hilfe fördern und die Organisation des täglichen Lebens erleichtern, sodass sich die Bürger gegenseitig helfen, sich gegenseitig zu unterstützen.
    weniger auf die Hilfe des bereits überlasteten Staates angewiesen, um die Krise zu bewältigen.
    Die offenen Stellen haben Rekordwerte erreicht, der Wert von Grundstücken bleibt hoch und die Zahl der bezahlbaren Wohnungen in den Ballungsräumen bleibt unzureichend. Eine zunehmende Zahl von Familien, die sogar zum mittleren Bevölkerungskreis gehören, ist aufgrund der hohen Kosten nicht in der Lage, angemessene Wohnlösungen zu finden oder in ein Haus zu investieren. Eine größere Anzahl von Haushalten könnte erwägen, in Immobilien zu investieren, wenn sie öffentliche Versorgungsprojekte unter Verwendung der Baurechte entwickeln. Da das Kapital für den Kauf des Grundstücks nicht erforderlich ist, wäre das Anfangskapital für die Durchführung des Projekts – die Renovierung eines bestehenden Gebäudes oder einer Konstruktion – erheblich geringer, und daher könnten es sich mehr Familien leisten. Wenn Familien weniger für Miete ausgeben könnten, hätten sie mehr Geld, um in etwas anderes zu investieren, und würden daher mehr zur Führung der Wirtschaft beitragen, insbesondere der lokalen.

    In der Regel handelt es sich um öffentliche Einrichtungen oder parapub-
    die Patrizier oder Gemeinderäte, um ihre zu geben
    Eigentum. Auch erblich oder pro
    Eigentümer von historischen Gebäuden könnten dieses Tool in Betracht ziehen. Selbst Eigentümer, die aus emotionalen Gründen die Immobilie nicht verkaufen möchten, sind möglicherweise daran interessiert, eine Oberfläche zu finden, dh diejenigen, die die Immobilie über einen längeren Zeitraum vermieten und ihr Kapital in die Renovierung und / oder den Bau investieren.

    Es ist wichtig zu wissen, dass der Eigentümer des Fonds Einschränkungen festlegen kann, damit das durchzuführende Projekt bestimmte Merkmale aufweist. Wenn eine Gemeinde beispielsweise beschließt, ihr eigenes Eigentum nach dem Oberflächengesetz zu geben, könnte dies nicht nur verlangen, dass die Wohnungen von öffentlichem Nutzen sind, nicht gewinnorientiert, sondern dass auch ein Prozentsatz vorhanden sein muss.
    von Wohnungen für autarke ältere Menschen, große Familien oder wirtschaftlich schwache Bevölkerungsgruppen. Die Gemeinde könnte auch vorschreiben, dass das Gebäude mit hohen Energiestandards gebaut wird oder dass die Räume im Erdgeschoss öffentliche Funktionen oder mehr haben.

    Jede dieser Einschränkungen beeinflusst eindeutig den Kanon des Oberflächengesetzes, da sie die Freiheit für diejenigen einschränkt, die das Projekt durchführen. Einschränkungen sind daher entscheidende Elemente für die Ermittlung der Höhe der Miete; Je mehr es gibt, desto niedriger ist die fällige Gebühr. Die Gemeinde, die Beschränkungen auferlegt, sammelt weniger, aber es ist auch dem Fremdkapital zu verdanken, dass Lösungen für Probleme gefunden werden, die sie sonst mit dem Geld der Steuerzahler selbst lösen müsste. Dies wird eines der Themen des nächsten von CASSI mit der Tessiner Regionalgruppe Espace Suisse organisierten Treffens sein, das im kommenden Frühjahr stattfinden wird: Oberflächenrecht, Berechnung seines Wertes und finanzielle Unterstützung.

    Nicht nur die Höhe der Miete ist ein bestimmendes Element bei der Unterzeichnung eines Oberflächenrechtsvertrags, sondern auch die Dauer, die den Bedingungen der Umkehrbarkeit entsprechen muss, dh der Wert, der für das Gebäude und den Zustand, in dem er sein muss, anerkannt wird Finden Sie am Ende des Vertrages, dass der Eigentümer seine Nutzung wieder aufnehmen wird.

    Der große Vorteil für die Gemeinden oder für jeden anderen Eigentümer besteht darin, dass nach Ablauf des Vertrages die Verfügbarkeit des Eigentums an die öffentliche Einrichtung oder an die Erben und damit an zukünftige Generationen zurückgeht. Die Beibehaltung des Eigentums ist eine enorme Investition in die Zukunft und eine zukunftsweisende Entscheidung. Zukünftige Generationen
    Die Immobilien werden Immobilien haben, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, nicht nur Wohnraum, der sich im Laufe der Zeit verändert hat.

    In städtischen Zentren sind die Immobilienkosten sehr hoch und werden weiter steigen, da Land ein nicht reproduzierbarer Vermögenswert ist. Sicherlich ist und bleibt es für die mittelständische Bevölkerung in naher und mittlerer Zukunft schwierig, darauf zuzugreifen. Große Zentren wie Zürich und Genf investieren in den Kauf von Immobilien und geben diese dann an Baurechte an öffentliche Versorgungsunternehmen weiter, die dort zu erschwinglichen Kosten Wohnräume bauen. Sie tun dies, weil sie sich bewusst sind, dass es wichtig ist, einen Bevölkerungsmix in Städten aufrechtzuerhalten, da die Städte dank dessen am Leben bleiben. Und es ist wichtig, in der Lage zu sein, einen mittleren Bevölkerungskreis in ihren Städten zu halten, da dieser Steuern zahlt.

    Eine engere Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor, auch bei gemeinnützigen Wohnprojekten, könnte auch im Tessin zu interessanten Ergebnissen führen, sowohl in städtischen Gebieten als auch in den Tälern. Die Gemeinden der Randgebiete könnten integriert werden
    Sie möchten diese Art von Projekten fördern, die dazu beitragen könnten, Gebiete wiederzubeleben, die durch einen starken demografischen Rückgang gekennzeichnet sind, was zu einer Verringerung von Aktivität und Leben führt. In Kombination mit der Entwicklung von Dienstleistungen, auch im technologischen Bereich, könnten diese Projekte dazu beitragen, periphere Zentren wiederzubeleben und attraktiv zu machen.

    Ein Rekord zum Abschluss. Wenn die öffentliche Einrichtung ihr Eigentum im Oberflächenrecht zur Verfügung stellt, muss sie auch das Gesetz über öffentliche Aufträge berücksichtigen. Für weitere Informationen schreiben Sie an info@cassi.ch oder besuchen Sie die Website www.cassi.ch.

    Im Bereich Veranstaltungen werden die Interventionen der Sprecherinnen Federica De Rossa, Professorin am Institut für Recht, veröffentlicht
    der Universität der Italienischen Schweiz und Daniele Graber, Lic.Iur Dipl. Ing. HTL di
    VIALEX Rechtsanwälte AG.

    Es ist möglich: mehr zu tun – besser zu leben – indem man weniger ausgibt. ■

  • Interview mit Beat Bachmann, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft Kanton Zug

    Interview mit Beat Bachmann, Leiter Kontaktstelle Wirtschaft Kanton Zug

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Beat Bachmann: Der Zuger Wirtschaftsraum bietet ein Gesamtpaket an herausragenden Standortfaktoren: Die ausgeprägte Wirtschaftsfreundlichkeit, politische und finanzielle Stabilität, attraktive Steuern für Firmen und Privatpersonen, Internationalität sowie der Pool an verfügbaren Fachkräften, der wiederum eine Magnetwirkung ausübt. Dazu kommen Investitionen in Bildung, die gute Erreichbarkeit, die hervorragende Lebensqualität sowie ein effektives Geschäftsumfeld. Der Kanton Zug ist Teil der Greater Zurich Area (GZA) und des Metropolitanraums Zürich, einer der weltweit attraktivsten Wirtschaftsräume.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Unternehmen aus breit diversifizierten Branchengruppen: Life Science (Pharma / Biotech / Medtech), Grosshandel, High Tech Industrie, Finanzwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie (inkl. Fintech und Blockchain) sowie internationale Headquarters.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Mit der Umsetzung der Steuerreform per 1. Januar 2020 bleibt der Wirtschaftsstandort Zug im internationalen Wettbewerb für Unternehmen und Privatpersonen langfristig weiterhin sehr attraktiv. Die führenden Branchen haben sich positiv entwickelt und sind noch stärker geworden, insbesondere Life Science mit Pharma und Medtech, Handel/Trading sowie Blockchain, Tech und IT. In diesen Bereichen sind auch viele Start-ups entstanden. Mit der Inbetriebnahme des Departements Informatik der HSLU in Rotkreuz und dem bevorstehenden Start der Höheren Fachschule für Informatik und Elektronik am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug investiert der Kanton in Talente und künftige Fachkräfte.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir hoffen, dass sich die – vor der Krise prosperierende – Wirtschaft gut erholt und erwarten, dass sich die Branchencluster erfolgreich weiterentwickeln und dass der Kanton weiterhin zu den attraktivsten Standorten zählt.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Der Zuger Wirtschaftsraum ist international stark vernetzt, globale Ereignisse haben eine grosse Auswirkung. Einen wesentlichen Einfluss hat die Entwicklung des Weltmarkts. Im dritten Quartal werden wir über klarere Informationen verfügen. Der Zuger Regierungsrat plant die kommenden Monate mit verschiedenen Szenarien; er verfolgt mit einem Monitoring ausgewählter Indikatoren die Erholung der Wirtschaft genau.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Die Vertreterinnen und Vertreter des Kantons stehen im stetigen Austausch mit den ansässigen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Organisationen. Dieses Netzwerk hat in den letzten Monaten seine Tragfähigkeit bewiesen. Die Nähe zur Zuger Wirtschaft und daraus folgend die Kenntnisse der Situation, auch die der Kleinst- und Kleinfirmen, hat geholfen, die Stützungsmassnahmen des Kantons, die die Massnahmen des Bundes ergänzen, so zu gestalten, dass zumindest die grundlegendsten Bedürfnisse gedeckt werden können.

  • So stellen sich die Standortförderer der Kantone auf

    So stellen sich die Standortförderer der Kantone auf

    Kanton Solothurn, Sarah Koch

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Sarah Koch: Weil wir Fachkräfte, Know-how, Innovationspartner und die notwendige Infrastruktur vor Ort haben, um zukunftsträchtige Entwicklungsprojekte voranzutreiben. Und weil der Kanton Solothurn als Wohn- und Lebensstandort besondere Qualitäten aufweist. Attraktive Jobs und Freizeitmöglichkeiten gehen bei uns Hand in Hand.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Der Kanton Solothurn ist etabliert als Produktions- und Innovationsstandort, insbesondere im Bereich der Medizinaltechnik bzw. Life Sciences. Aus diesem Grund ist das Interesse der Unternehmen aus diesen Technologien besonders gross. Wir verfügen aber auch über ein spannendes Ökosystem im Bereich der erneuerbaren Energien – innovative Start-ups und Spin-offs zieht es in unsere Zentren.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Unser Standort ist steuerlich attraktiver geworden. Die Steuerbelastung ist im Zuge der Steuerreform und AHV-Finanzierung per 2020 auf 16,8 Prozent gesunken und wird bis 2022 bis auf 15,3 Prozent gesenkt. Zudem hat der Kanton seine E-Government-Strategie stetig vorangetrieben. In diesem Jahr geht das Behördenportal online – eine administrative Erleichterung für Unternehmen und Privatpersonen.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Die Digitalisierung hat durch die Coronakrise enormen Rückenwind erhalten. Wir gehen davon aus, dass sowohl die Unternehmen wie auch die öffentliche Hand diese Entwicklung in den nächsten Jahren weiterverfolgen. Dateninfrastruktur und Download-Geschwindigkeit spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle – der Kanton Solothurn ist diesbezüglich sehr gut aufgestellt. Auch im Bereich der Arbeitszonenbewirtschaftung hat der Kanton wesentliche Schritte initiiert, um die künftige Entwicklung der Wirtschaft zu stärken.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Der Kanton Solothurn befindet sich bezüglich der Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeitsentschädigungen im Schweizer Durchschnitt. Noch sind die Folgen der Coronakrise nur sehr schwer abzuschätzen. Wir bleiben zuversichtlich und erhoffen uns, dass der Trend zur Renationalisierung von Wertschöpfungsketten und damit auch die Standortverbundenheit unserer KMU zunehmen wird. Das ist eine Chance für unseren Kanton.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Wir stehen im engen Austausch mit den Unternehmen und unterstützen beispielsweise in der Vermittlung von Innovations- oder Finanzierungspartnern. Zudem werden wir unsere Standortstrategie 2030 für den Kanton Solothurn an die aktuellen Herausforderungen anpassen – dabei wollen wir natürlich auf die Bedürfnisse der Unternehmen eingehen.■

    Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn
    Sarah Koch
    Leiterin Wirtschaftsförderung
    Telefon: +41 32 627 95 27
    www.standortsolothurn.ch
    wifoe@awa.so.ch

    Kanton Graubünden, Eugen Arpagaus

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Eugen Arpagaus: Nebst der ausgezeichneten Verkehrslage an der Nord-Süd-Achse und der Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich sowie der guten Anbindung an den Flughafen Zürich bieten wir eine attraktive Steuerbelas-
    tung, die Möglichkeit der Steuererleichterungen, eine sehr unternehmensfreundliche Abschreibungspraxis, die Fördermöglichkeit von innovativen Vorhaben sowie günstigere Kostenstrukturen gegenüber der Agglomeration. Immer mehr an Bedeutung gewinnen eine hohe Lebensqualität und eine gute Work-
    Life-Balance. Die Erfahrungen einzelner exportorientierter Unternehmen zeigt, dass neue Mitarbeitende wegen der hohen Lebensqualität sehr wohl gewillt sind, nach Graubünden umzuziehen.

    Für welche Unternehmen ist der Kanton Graubünden interessant?
    Wir sind überzeugt, dass der Kanton für produzierende High-Tech-Unternehmen in den Branchen Life Science, Medtech, MEM, Sensorik und Chemie/Kunststoffe sowie für Informations- und Kommunikationstech-
    nologie-Unternehmen von besonderem Interesse ist. Dies lässt sich durch das verfügbare Know-how im Sinne des Mitarbeiterpotenzials in der Region belegen. Auch zeigen die Daten der bestehenden Unternehmen, dass sie hier auf die Stückkosten bezogen ein attraktives Umfeld finden.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    In den letzten Jahren haben wir uns intensiv mit der Möglichkeit zur Erhöhung der Verfügbarkeit von attraktiven Industrieflächen beschäftigt. So konnten wir im Industriepark Vial in Domat/Ems eine Fläche von ca. 22 Hektaren umstrukturieren und den export- und technologieorientierten Unternehmen zur Verfügung stellen. Die ersten zwei Unternehmen mit einem Potenzial von rund 1000 Mitarbeitenden konnten wir bereits ansiedeln. Die sofortige Verfügbarkeit von Bauland ist gegeben, und dies zu einem attraktiven Bodenpreis. Des Weiteren hat Graubünden stark im Bereich Forschung investiert. So konnte dieses Jahr mit der ETH Zürich das Forschungszentrum «Climate Change and Extremes Research Center CERC» gegründet werden.

    Welche Entwicklungen stehen für Sie in den nächsten fünf Jahren an?
    Im Fokus steht die Umsetzung der Innovationsstrategie des Kantons Graubünden mit dem Schwerpunkt, die Voraussetzungen für Innovationskraft in Unternehmen zu steigern. Insbesondere die Verknüpfung der Exzellenz der Forschungsinstitutionen in Davos, den Universitäten sowie der Fachhochschule Graubünden in Chur zur Optimierung des Wissen- und Technologietransfers kann die Innovationskraft von Unternehmen erheblich steigern. Der Promotion des Wirtschafs-, Wohn- und Lebensraums Graubünden kommt im Regierungsprogramm 2021–2024 eine zentrale Rolle zu.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Derzeit ist es sehr schwierig abzuschätzen, was auf die Wirtschaft des Kantons Graubünden zukommt. Grundsätzlich teilen wir die Haltung, was das SECO bezüglich der BIP-Entwicklung und der Arbeitslosenzahlen prognostiziert. Wir stehen im engen Austausch mit den Wirtschaftsverbänden.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    In Zusammenarbeit mit der Dachorganisation der Bündner Wirtschaft und der Interessengemeinschaft Tourismus Graubünden (ITG) diskutieren wir, inwieweit mit Impulsprogrammen der Coronakrise entgegengewirkt werden kann. Wie diese ausgestaltet werden, wird noch diskutiert. ■

    AWT (Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden)
    Eugen Arpagaus, Amtsleiter
    Telefon +41 81 257 23 77
    www.awt.gr.ch
    eugen.arpagaus@awt.gr.ch

    Kanton Glarus, Stefan Elmer

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Stefan Elmer: Nach wie vor ist Glarus der am stärksten industrialisierte Kanton der Schweiz. Hier kommen heute verschiedenste Spitzentechnologien zum Einsatz. Die industrielle Tradition wirkt nach: Hohe Einsatzbereitschaft, Arbeitsmoral und Produktivität sind typische Eigenschaften der Glarnerinnen und Glarner. Dazu bietet der Kanton Glarus einen sehr attraktiven Wohnstandort in einer intakten Landschaft mit vielfältigen Freizeitmöglichkeiten und in nächster Nähe zu Zürich.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Vielfach suchen KMU und Familienunternehmen einen Standort, wo sie sich zu noch bezahlbaren Kosten entwickeln können, motivierte und loyale Mitarbeiter finden sowie kurze Wege zu den Behörden. Unser Standort bietet vergleichsweise tiefe Preise für Land und Immobilien. Tiefe Strom-, Lohn- und Lebenshaltungskosten, eine gute Verkehrserschliessung, ein günstiges Steuerklima sowie ein innovationfreundliches Umfeld sprechen eigentlich alle Branchen an, sowohl aus der traditionellen Industrie, dem Gewerbe wie auch dem wissensbasierten Sektor.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert, welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Das Glarnerland ist ein selbstbewusster Teil des Grossraums Zürich, brachliegende Industrieareale werden umgenutzt und von der Kreativwirtschaft, von Firmen aus der Information- und Kommuniukations-Technologie wie auch durch neuartige Wohn- und Lebensformen genutzt. Ein Beispiel ist die autarke Energieversorgung aus Wasserkraft. Ausserdem treiben innovative Jungunternehmer den Strukturwandel hin zur Wissensgesellschaft voran. Und zu guter Letzt: Das entschleunigte Bergtal ist eine attraktive Wohnalternative zur hektischen Metropole Zürich.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Wie überall sind die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich betroffen. Währendem vor allem die im Kanton traditionell starke Bauwirtschaft fast ohne Einschränkungen weiterproduzieren konnte, leidet die Exportindustrie aus dem Maschinen-, Metall- und Kunststoffbereich noch massiv unter der eingebrochenen Nachfrage. Die Tourismusbranche scheint mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, da die Wintersaison im Kanton Glarus jeweils Ende März beendet wird. Die Ferienregionen ziehen traditionell Schweizer Gäste an. So ist in den Sommermonaten mit einer guten Aus-
    lastung zu rechnen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Als Soforthilfe kamen auch im Kanton Glarus die klassischen Instrumente wie Kurzarbeit, Covid-19-Kredite und finanzielle Härtefallnetze zum Einsatz, die der Kanton mit eigenen Instrumenten zusätzlich zu den Bundesmassnahmen verstärkt hat. Die sehr solide finanzielle Lage des Kantons erlaubte es, die Wirtschaft in dieser Krise schnell und unbürokratisch zu unterstützen und eigene Investitions-
    projekte vorzuziehen. Mittelfristig unterstützt der Kanton unabhängig davon den Wandel zur Digitalisierung. Er hat dazu ein ambitiöses Massnahmenpaket verabschiedet, das der gesamten Wirtschaft und den Arbeitnehmern helfen soll, sich den zukünftigen Herausforderungen der digitalisierten Welt stellen zu können. ■

    Glarus
    Stefan Elmer,
    Leiter Standortentwicklung
    Telefon +41 55 646 66 13
    www.gl.c
    stefan.elmer@gl.ch

    Kanton Schaffhausen, Christoph Schärrer

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Christoph Schärrer: Weil Schaffhausen vor allem die Grundlage für eine tolle Zukunft bietet. Dafür gibt es mehrere Gründe: Über 600 internationale Unternehmen haben Schaffhausen als Headquarter- und Produktionsstandort gewählt. Innovative und kreative Ideen und Vorhaben werden offen aufgenommen und aktiv unterstützt. Der Zugang zu Top-Fachkräften umfasst Süddeutschland und den Grossraum Zürich. Dank attraktivem Kosten- und Steuerniveau bleibt mehr zum (Re-)Investieren. Wir bieten beste Verbindungen zum Flughafen Zürich sowie lokal kurze Wege und unbürokra-
    tischen Entscheiden. Ausserdem profitieren Mitarbeitende von viel Lebensqualität.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Firmen und Unternehmer/Innen, welche die Zukunft an der Schnittstelle Industrie und Digitalisierung mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen aktiv gestalten. Dazu gehören internationale Grosskonzerne mit Headquarter-Funktionen und agile Produktions- und Entwicklungsunternehmen. Wenig bekannt ist, dass die Schaffhauser Pharma- und Medizinaltechnik-Branche sehr bedeutend ist. Unternehmen aus diesen Bereichen finden bei uns optimale Rahmenbedingungen.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Dem Kanton Schaffhausen ist die Transformation vom Industrie- zum Hightech-Standort gelungen. Zahlreiche internationale Unternehmen wählen Schaffhausen heute für Hauptsitz-Funktionen. Die Geschwindigkeit der Veränderungen nimmt weiter zu. Als Antwort wurde der Strategiefokus auf Innovation und Technologie erweitert. Der Kanton Schaffhausen will sich zur führenden Region in der Anwendung zukunftsweisender Technologien entwickeln. Der Fokus unserer Ausrichtung liegt deshalb in den Bereichen Smart Mobility und Drohnen, Future Farming und Advanced Materials.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Die industrielle Tradition und Pionierrolle liegen in unserer DNA. Dazu gehört, die Zukunft zu gestalten, anzupacken – ohne das Engagement für die Umwelt und Gesellschaft zu vernachlässigen. Diese Charaktereigenschaften teilen innovative Firmen und unternehmerische Personen. Sie suchen ein Umfeld, wo Politik und Behörden aktiv Hand bieten, um ihre Vorhaben und ihre zukunftsweisenden Entwicklungen umzusetzen. Dies ist bei uns der Fall. Schaffhausen ist Vorreiter bei der digitalen Identität, hat weltweit als erster Standort einen selbstfahrenden Bus im Leitsystem des öffentlichen Verkehrs integriert oder spannt mit Drohnen- und Agrarunternehmen bei Feldversuchen zusammen.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Schaffhausen führt gemäss einer UBS-Studie beim Indikator «Wirtschaftsstruktur» die Rangliste aller Kantone an. Dies unterstreichen die hohe Wachstumsdynamik und die gute Wettbewerbspositionierung der kantonalen Unternehmenslandschaft. Es zeigt, dass sich die Schaffhauser Wirtschaft in den letzten Jahren gut aufgestellt hat, um diese schwierige Phase bewältigen zu können.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Seit jeher ist die persönliche Bestandespflege ansässiger Unternehmen ein Hauptbestandteil der Schaffhauser Wirtschaftsförderungstätigkeit. Die Rolle der Wirtschaftsförderung als direkte Ansprechstelle für Unternehmen und Selbständige bewährt sich nun. Der Kanton Schaffhausen hat innert Tagen gezielt und konsequent mit einem umfassenden Sofortmassnahmenpaket reagiert. Dank kurzer Wege werden Lösungen für individuelle Bedürfnisse und Problemsituationen mit den einzelnen Firmen entwickelt. ■

    Wirtschaftsförderung Kanton Schaffhausen
    Christoph Schärrer, Delegierter
    für Wirtschaftsförderung
    Telefon +41 52 674 03
    info@standort.sh.ch

    Kanton Tessin, Stefano Rizzi

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Stefano Rizzi: Abgesehen von der strategischen Lage zwischen zwei der wichtigsten Wirtschaftsregionen Europas – Zürich und Mailand – bietet das Tessin ein exzellentes akademisches Umfeld mit Forschungsinstituten von Weltrang. Wir haben eine gute Verfügbarkeit von qualitativ hochstehenden Berufsprofilen auf dem Arbeitsmarkt sowie ein regionales Innovationsystem, das alle Akteure auf einfache Weise miteinander vernetzt und optimale Bedingungen für die Realisierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten bietet. Das Tessin rangiert gemäss dem «Innovation Scoreboard 2019» der europäischen Kommission hinter Zürich auf dem zweiten Rang von 234 berücksichtigten Regionen Europas.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Es handelt sich dabei vor allem um internationale Firmen, welche im Tessin eine Niederlassung zur Produktion, Forschung und Entwicklung suchen. Dazu kommen Hightech-Firmen und/oder solche, die hochqualifiziertes Personal benötigen. Die Unternehmen stammen vorwiegend aus den Sektoren Life Sciences, Lifestyletech, Mechatronik, Blockchain und generell Informations- und Kommunikationstechnologie.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    In den letzten Jahren haben wir das umfassende regionale Innovationssystem und eine Förderstrategie für innovative Start-ups ent-
    wickelt sowie positive Synergien zwischen Behörden, Instituten und Partnern auf dem ganzen Kantonsgebiet geschaffen. Zudem haben wir unsere Innovationsförderungsstiftung AGIRE stark ausgebaut. Ein weiterer Meilenstein ist unsere Mitgliedschaft in der Greater Zurich Area (GZA). Parallel dazu können wir eine stetig wachsende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten und eine sehr erfreuliche Zunahme von Forschungsprojekten verzeichnen, welche auch dank der Unterstützungsbeiträge aufgrund unseres Gesetzes über wirtschaftliche Innovation möglich gemacht werden.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir schauen zuversichtlich auf unsere Kandidatur für den Anschluss an das Netzwerk Switzerland Innovation Park sowie die Schaffung von Kompetenzzentren in den Sektoren Life Sciences, Mechatronik, Drohnen sowie Blockchain und künstlicher Intelligenz. Grosse Hoffnungen hegen wir in die bereits laufende Entwicklung des neuen Arbeits-, Bildungs- und Wohnquartiers und zukünftigen Stand-
    orts des Innovationsparks auf dem Areal des jetzigen SBB-Industriewerks beim Bahnhof Bellinzona, das ab 2026 realisiert werden soll.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Das Tessin war einer der am stärksten betroffenen Kantone zu Beginn der Coronakrise. Dank der prompten Reaktion aller Beteiligten konnte Schlimmeres abgewendet werden. Auch die Unternehmen haben gut auf die schwierigen Zeiten reagiert und ihre Aktivitäten bereits wieder aufgenommen. Dieses gelungene Zusammenspiel hat gleichzeitig zur Stärkung des Images des Kantons Tessin als solider und sicherer Kanton beigetragen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Beim Ausbruch der Coronakrise haben wir unverzüglich Runde Tische mit Vertretern aus der Wirtschaft, Politik und Forschung einberufen, um gemeinsam kurz-, mittel und langfristigwirkende Massnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft zu erarbeiten. Dazu kommt die vermehrte Unterstützung der Unternehmen im Bereich der wirtschaftlichen Innovation. Das vom Finanz- und Wirtschaftsdepartement initiierte Projekt «Vivi il tuo Ticino – Lebe dein Tessin» soll die Tessiner dazu anregen, den eigenen Kanton als Ferienort zu entdecken. ■

    Dipartimento delle finanze e dell’economia
    Divisione dell’economia
    Stefano Rizzi, Direktor
    www.ti.ch/economia

    Kanton Zug, Beat Bachmann

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Beat Bachmann: Der Zuger Wirtschaftsraum bietet ein Gesamtpaket an herausragenden Standortfaktoren: Die ausgeprägte Wirtschaftsfreundlichkeit, politische und finanzielle Stabilität, attraktive Steuern für Firmen und Privatpersonen, Internationalität sowie der Pool an verfügbaren Fachkräften, der wiederum eine Magnetwirkung ausübt. Dazu kommen Investitionen in Bildung, die gute Erreichbarkeit, die hervorragende Lebensqualität sowie ein effektives Geschäftsumfeld. Der Kanton Zug ist Teil der Greater Zurich Area (GZA) und des Metropolitanraums Zürich, einer der weltweit attraktivsten Wirtschaftsräume.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Unternehmen aus breit diversifizierten Branchengruppen: Life Science (Pharma / Biotech / Medtech), Grosshandel, High Tech Industrie, Finanzwirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie (inkl. Fintech und Blockchain) sowie internationale Headquarters.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Mit der Umsetzung der Steuerreform per 1. Januar 2020 bleibt der Wirtschaftsstandort Zug im internationalen Wettbewerb für Unternehmen und Privatpersonen langfristig weiterhin sehr attraktiv. Die führenden Branchen haben sich positiv entwickelt und sind noch stärker geworden, insbesondere Life Science mit Pharma und Medtech, Handel/Trading sowie Blockchain, Tech und IT. In diesen Bereichen sind auch viele Start-ups entstanden. Mit der Inbetriebnahme des Departements Informatik der HSLU in Rotkreuz und dem bevorstehenden Start der Höheren Fachschule für Informatik und Elektronik am Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug investiert der Kanton in Talente und künftige Fachkräfte.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir hoffen, dass sich die – vor der Krise prosperierende – Wirtschaft gut erholt und erwarten, dass sich die Branchencluster erfolgreich weiterentwickeln und dass der Kanton weiterhin zu den attraktivsten Standorten zählt.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Der Zuger Wirtschaftsraum ist international stark vernetzt, globale Ereignisse haben eine grosse Auswirkung. Einen wesentlichen Einfluss hat die Entwicklung des Weltmarkts. Im dritten Quartal werden wir über klarere Informationen verfügen. Der Zuger Regierungsrat plant die kommenden Monate mit verschiedenen Szenarien; er verfolgt mit einem Monitoring ausgewählter Indikatoren die Erholung der Wirtschaft genau.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Die Vertreterinnen und Vertreter des Kantons stehen im stetigen Austausch mit den ansässigen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Organisationen. Dieses Netzwerk hat in den letzten Monaten seine Tragfähigkeit bewiesen. Die Nähe zur Zuger Wirtschaft und daraus folgend die Kenntnisse der Situation, auch die der Kleinst- und Kleinfirmen, hat geholfen, die Stützungsmassnahmen des Kantons, die die Massnahmen des Bundes ergänzen, so zu gestalten, dass zumindest die grundlegendsten Bedürfnisse gedeckt werden können. ■

    Volkswirtschaftsdirektion Kanton Zug
    Beat Bachmann,
    Leiter Kontaktstelle Wirtschaft Zug
    Telefon +41 41 728 55 04
    www.zg.ch/economy
    economy@zg.ch

    Kanton Zürich, Matthias Inhauen

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Matthias Inauen: Das Wirtschafts- und Technologiezentrum Zürich bietet Unternehmen ein attraktives Ökosystem mit Weltruf. Dazu gehören die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften, Spitzen-Hochschulen, höchste Lebensqualität, erstklassige Verkehrsin-
    frastruktur und ein dynamisches Netzwerk aus internationalen Grosskonzernen, innovativen mittelständischen Unternehmen und hochspezialisierten Kleinbetrieben. Die gut diversifizierte Zürcher Wirtschaft und eine nachhaltige Finanzpolitik des Kantons gewährleisten stabile Aussichten.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Es sind Unternehmen, die ihre Innovationsstärke ausbauen möchten, Fachkräfte suchen, ihren internationalen Marktzugang aufbauen und dafür einen zentralen sowie langfristig stabilen Standort suchen. Wir begleiten vor allem wissens- und wertschöpfungsintensive Unternehmen aus den Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie, Life Sciences, Finance sowie Business and corporate services.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Verkehrsinfrastrukturprojekte wie die Limmattalbahn haben die Erreichbarkeit für Wirtschaft und Gesellschaft weiter verbessert. Für die Zürcher Unternehmen war es in den letzten eineinhalb Jahren zudem einfacher, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden als noch im Jahr 2018. Der Steuersatz für juristische Personen wurde massvoll gesenkt und der Spielraum bei den neuen Steuerinstrumenten für forschungsintensive Unternehmen wird voll ausgenutzt.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Die Entwicklung des Standorts Zürich steht ganz unter dem Zeichen von Innovation und neue Technologien. Eines unserer grossen Projekte ist der Innovationspark Dübendorf, der auch ein Testlabor ist, um die Wettbewerbsfähigkeit noch weiter zu steigern. Weiter steht die Mobilität im Zentrum, ob auf der Strasse, auf der Schiene, auf dem Velo oder zu Fuss. Dabei sind wir auch offen für die Digitalisierung und Nutzung neuer Technologien wie Drohnen oder Hyperloop.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Die Mehrheit der Unternehmen im Kanton Zürich leidet unter der Coronakrise. Als höchst internationaler und vom Ausland abhängiger Standort bergen die protektionistischen Entwicklungen ein erhöhtes Risiko, Exporte und Wertschöpfungsketten werden unterbrochen, der Konsum sinkt, und auch der internationale Flughafenstandort Zürich leidet. Aber wir sehen auch positive Entwicklungen: Zum Beispiel im Bereich Life Sciences und Informations- und Kommunikationstechnologie mit einem Sprung im Bereich der Digitalisierung, Home-Office und flexiblen Arbeitszeitregelungen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Mit einer enormen Geschwindigkeit hat neben dem Bund komplementär auch der Kanton Zürich ein Notstandmassnahmen-Paket im Umfang von einer halben Milliarde Franken zur Unterstützung der Wirtschaft beschlossen. Wir stehen dabei in engem Austausch mit der Wirtschaft. Ziel ist es, Arbeitsplätze und Einkommen im Kanton Zürich möglichst weitgehend zu sichern. Auch die Städte und Gemeinden unterstützen in Koordination mit dem Kanton mit bedürfnisnahen Lösungen, beispielsweise für Selbstständige und die Kreativitätsbranche. ■

    Amt für Wirtschaft und Arbeit Kt. Zürich
    Matthias Inauen,
    Leiter Firmenansiedlungen
    Telefon +41 43 259 26 78
    www.standort.zh.ch
    matthias.inauen@vd.zh.ch

    Kanton Uri, Stefan Büeler

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Stefan Büeler: Der Kanton Uri liegt direkt an der zentralen europäischen Nord-Süd-Achse und besitzt sowohl auf der Strasse als auch auf der Schiene schnelle Verbindungen Richtung Norden und Süden. Wir bieten ein optimales Kostenumfeld, wo ein Unternehmen seine Pläne preiswerter umsetzen kann und den Arbeitnehmenden dank tiefen Steuern und Abgaben am meisten Geld zum Leben übrigbleibt. Arbeitskräfte schätzen es, im Naturparadies leben und arbeiten zu können.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Es sind Unternehmen aus allen möglichen Branchen, welche hier noch gut erschlossenes Bauland oder Gewerberäumlichkeiten zu vernünftigen Preisen finden. Branchenbezogen sind es oftmals Unternehmen aus dem tourismusnahen Umfeld, aus der Metallverarbeitung, aus der Wintersporttechnologie (z. B. Seilbahnen) oder aus dem Bereich Verkehr/Mobilität. Jüngst lassen sich auch immer mehr digitale Nomaden nieder, die ortsunabhängig arbeiten.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Im Kanton Uri wurden in den letzten fünf Jahren enorm viele Infrastruktur-Investitionen getätigt. Der Gotthard-Basistunnel wurde eröffnet, und in Altdorf ist der neue Kantonsbahnhof im Bau. Gleich daneben entwickeln wir mit der Werkmatt Uri ein grosses Industrie- und Gewerbegebiet. Andermatt wurde der wohl aufstrebendste Tourismusort der Alpen mit entsprechenden zeitgemässen Inf-
    rastrukturen. Zudem hat der Kanton Uri die Unternehmenssteuern deutlich gesenkt.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Der Kantonsbahnhof Altdorf wird zu einer neuen ÖV-Drehscheibe auf der Nord-Süd-Achse. Dabei entwickelt sich ein neues urbanes Zentrum mit vielen privaten Immobilienprojekten. Dazu trägt auch das Areal Werkmatt Uri in unmittelbarer Umgebung bei, das einen eigenen Autobahnanschluss erhält. Ende 2022 wird das neue Kantonsspital eröffnet. Der Bau des zweiten Gotthard-Strassentunnels wird zusätzliche Wertschöpfung in den Kanton bringen, und die touristische Entwicklung in Andermatt wird weiterhin für positive Schlagzeilen sorgen.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Natürlich ist es für die meisten Unternehmen keine einfache Zeit. Bisher haben die Urner Betriebe die Krise jedoch mit viel Eigeninitiative im Grossen und Ganzen gut gemeistert. In verschiedenen Bereichen gibt es denn auch bereits wieder positive Signale, insbesondere auch aus dem Tourismus. Dennoch stehen die meisten Unternehmen in den nächsten Monaten weiterhin vor sehr grossen Herausforderungen, um die Folgen der Krise bewältigen zu können.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Wir stehen im regelmässigen Austausch mit unseren Unternehmen und den Wirtschaftsverbänden und suchen nach massgeschneiderten Lösungen. Für Härtefälle stellen wir Mittel aus dem Wirtschaftsförderungs-Fonds zur Verfügung. Wir unterstützen verschiedene Initiativen zur Schaffung von neuen Angeboten, insbesondere im Tourismus. Mit dem neuen Umsetzungsprogramm der Neuen Regionalpolitik steht uns hierzu ein wirksames Impulsprogramm zur Verfügung. ■

    Volkswirtschaftsdirektion
    Stefan Büeler, Leiter Abt. Wirtschaft
    und Tourismus
    Telefon +41 41 875 24 08
    www.standort-uri.ch
    stefan.bueeler@ur.ch

    Kanton Schwyz, Roman Morger

    Weshalb sollte sich ein ausländisches Unternehmen in Ihrem Kanton niederlassen?
    Roman Morger: Der Kanton Schwyz bietet eine ideale Lage im dynamischen Wirtschaftsraum Zürich, ein grosses Angebot an hoch qualifizierten Arbeitskräften und dazu eine der tiefsten Steuerbelastungen für Unternehmen und Privatpersonen in der Schweiz. Ausserdem finden sich hier zahlreiche europäische und weltweite
    Headquarters sowie internationale Schulen.

    Welche Art von Unternehmen interessiert sich für Ihren Kanton?
    Nationale und internationale Headquarters sowie Unternehmen der Finanzindustrie aus den Bereichen Vermögensverwaltung, Private Equity, Hedge Funds und Family Offices. Dazu kommen Unternehmen des Gesundheitswesens wie Medizintechnik, Pharma, Biotechnologie, Diagnostik und Dienstleistungsfirmen allgemeiner Art sowie Hersteller von hochwertigen Produkten.

    Was hat sich in den letzten fünf Jahren in Ihrem Kanton bezüglich Standortqualität konkret verändert?
    Der Baustart des Bauprojekts «Hertipark» in Brunnen ist erfolgt. Der Baustart der Etappe 1 des Bauprojekts «Nova Brunnen» in Brunnen ist auf anfangs 2021 geplant. Abgeschlossen ist der Studien-
    auftrag für die Umnutzung Zeughausareal Seewen-Schwyz und die Schnellzugsverbindung Mailand –Zürich mit Halt in Arth-Gold-
    au wurde eröffnet. Die Neugestaltung des Bahnhofplatzes Arth-Goldau sowie die Umnutzung des Areals Bahnhof Süd für Arbeiten und Wohnen ist im Gange.

    Welche Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten fünf Jahren?
    Wir erwarten eine Zunahme von Home-Office und Co-Working Arbeitsplätzen sowie eine internationale Steuerharmonisierung in Bereichen wie Umsatzbesteuerung und Mindestbesteuerung (BEPS). Firmenansiedlungen erfolgen dort, wo entsprechend hoch qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden sind. Unternehmen evaluieren ihre Wertschöpfungsketten – das internationale Interesse, um wertschöpfungsstarke Arbeitsplätze in der Schweiz aufzubauen, wird zunehmen.

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Wirtschaft Ihres Kantons aus?
    Zahlreiche Unternehmen haben Kurzarbeit eingeführt. Stand 17. Juli 2020 haben rund 3000 Unternehmen Kurzarbeitsentschädi-
    gung erhalten, insgesamt wurden 85 Millionen Franken ausbezahlt.

    Viele Firmen werden 2020 wirtschaftlich ein schlechtes Jahr verzeichnen – der Kanton Schwyz erwartet deshalb einen Rückgang der Steuereinnahmen bei Unternehmen und Privatpersonen. Die Arbeitslosenzahlen dürften sich in den kommenden Monaten erhöhen.

    Was unternehmen Sie diesbezüglich?
    Wie bezahlen Kurzarbeitsentschädigungen aus sowie Erwerbsersatz-Entschädigungen durch die Ausgleichskasse Schwyz. Unternehmen erhalten Überbrückungskredite durch den Bund und den Start-Ups wird ebenfalls mit Überbrückungskrediten durch den Bund und den Kanton Schwyz unter die Arme gegriffen. Ausserdem haben wir das Impulsprogramm «Hopp Schwyz» lanciert. ■

    Amt für Wirtschaft Kanton Schwyz
    Roman Morger, Projektleiter
    Wirtschaftsförderung
    Telefon +41 41 819 16 48
    www.schwyz-wirtschaft.ch
    roman.morger@sz.ch

  • Alle Branchenteilnehmer müssen für Veränderung bereit sein

    Alle Branchenteilnehmer müssen für Veränderung bereit sein

    Was genau ist Building Information Modeling?
    Wörtlich übersetzt heisst BIM Gebäudeinformationsmodellierung – das trifft es schon relativ gut. Mittels BIM ist man in der Lage, neben der digitalen Planung und Ausführung von Projekten die notwendigen Daten für den Betrieb zu bestimmen und weiterzuverwenden. Dabei arbeitet man mit dreidimensionalen Modellen, die nichts anderes sind als visuell dargestellte Datenbanken. Das tönt jetzt kompliziert, ist es aber gar nicht, es ist nur eine neue Art des Arbeitens. Hatten wir früher zweidimensionale Pläne, sind es nun dreidimensionale digitale Gebäudemodelle. Wichtig ist, dass jeder Beteiligte auf die gleichen Daten zugreifen kann, neudeutsch: Single Source of Truth. Man kann sich also darauf verlassen, dass die in Datenbanken gespeicherten Daten nicht nur aktuell sind, sondern auch korrekt und natürlich relevant für die Weiterbearbeitung. Darin liegt auch der grösste Nutzen.

    Weshalb haben sich die SBB dazu entschieden, bei Bauprojekten BIM zu nutzen?
    Wir sehen hier deutliches Potenzial in der Datenweiterverarbeitung und im gesamten Wertschöpfungsprozess. Die SBB rechnen nachhaltig mit einer Reduktion der kapitalgebundenen Ausgaben für Planung, Realisierung sowie Bewirtschaftung von Immobilien. Dies gilt natürlich auch für die gesamte Bahninfrastruktur im Besitz der SBB.

    Weiter können wir sehr stark auf die CO2-Reduktion hinwirken, da wir z.B. aufgrund der Daten simulieren können, wie der Betrieb sich über die nächsten 20, 25 und mehr Jahre entwickelt. Weiter kann man Projekte untereinander vergleichen und somit auch von anderen Projekten lernen. So schaffen wir Transparenz über den gesamten Lebenszyklus.

    Wie wird BIM konkret beim Bau des Letziturm-Projekts eingesetzt?
    Der Letziturm war eines der ersten Hochbauprojekte von SBB Immobilien, das mit BIM gestützten Methoden und Arbeitsweisen umgesetzt wird. Es ist auch ein Lernprojekt für die Bewirtschaftungsphase. Die Planung und die Realisierung eines solchen Projekts sind in zehn Jahren abgeschlossen, wir bewirtschaften das Gebäude aber mindestens viermal länger. So werden wir aus den Erkenntnissen beim Letziturm zum Beispiel Materialbemusterungen durchführen. Wir sind dabei, Planfreigaben über die Kollaborationsplattformen umzusetzen. Wir haben viel gelernt, was wir in der Optimierung von Planung und Realisierung einsetzen können – und das sehen wir als einen ersten wichtigen Schritt.


    «Es geht nicht mehr allein als Bauherr.»

    Welches Resümee ziehen Sie Stand heute vom Einsatz von BIM?
    Wir haben das Potenzial von BIM für die SBB früh erkannt und mit dem dafür ins Leben gerufenen Konzernprogramm BIM@SBB die Entwicklung aktiv gestossen. So haben wir bereits wichtige Fortschritte erzielt. Das Programm BIM@SBB beruht auf vier Pfeilern, die einander bedingen: Entwicklung, Erprobung, Normierung und auf der konkreten Mitnahme der Branche. Wir teilen all unser Wissen und unsere Erfahrung mit unseren Partnern an Veranstaltungen und nehmen Inputs vom Markt auf, die wir konkret in die Entwicklung einfliessen lassen. Wir binden unsere Community ein. Es geht nicht mehr allein als Bauherr, es braucht ein starkes, gemeinsames Miteinander. Das zeigt sich auch in der Befähigung der Mitarbeitenden. Wir spüren ein sehr grosses Interesse der Mitarbeitenden, sie wollen gemeinsam voneinander lernen. Das ist wahnsinnig spannend und lehrreich für alle Beteiligten

    Wo liegen die Vorteile?
    Natürlich verändert eine nun datengestützte Umsetzung die Art und Weise, wie wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten und die Projekte in enger Zusammenarbeit entwickeln. Projekte werden in der Tat schneller und sicherer abgewickelt, wenn alle Beteiligten sich auch darauf einlassen. Die bereits erwähnte «Single Source of Truth» ist ein weiterer Vorteil. Die Anlagendaten sind strukturiert abgelegt, rasch auffindbar und stets aktuell. Ein langwieriges Suchen und Verifizieren der Daten werden weitgehend entfallen. Die Kommunikation verläuft zielgerichteter als bisher und ist nutzenorientiert. Projektteams finden damit deutlich schneller Lösungen, können Probleme und Pendenzen direkt am dreidimensionalen Modell betrachten und gleich Varianten und Alternativen gemeinsam erarbeiten. Das hilft für das gegenseitige Verständnis.

    Gibt es auch Nachteile?
    BIM wird oft nur mit dem Technologieaspekt verbunden. Natürlich ist es schön, mit einer Hololens über die Baustelle zu schweben. Wenn aber die dahinter liegenden Daten nicht stimmen, nützt die modernste Technologie nichts. Daten müssen korrekt sein, es braucht eine neue Art der Genauigkeit des Arbeitens. Bei Daten gibt es nur zwei Zustände: Korrekt oder eben nicht. Nicht jeder in der Wertschöpfungskette ist bereit für den Einsatz von neuen Technologien und Methoden. Jeder in der Branche muss bereit sein, sich zu verändern und seinen Teil zum Gelingen beizutragen.

    Was könnten die Gründe sein, dass sich BIM in der Schweiz noch nicht durchgesetzt hat?
    Viele verbinden BIM mit dem Einsatz der neuesten Software oder der neuesten Datenbanktechnologie. Oft ist dies zwar notwendig, doch noch nicht ausreichend. Für den erfolgreichen Einsatz werden sich unsere Denkweise und Arbeitsmethode weiter verändern müssen. Im Umfeld von BIM wird dabei oft von kollaborativ zusammenarbeitenden Projektteams gesprochen, welche gemeinsam Lösungen entwickeln. Dieser Prozess beansprucht seine Zeit, doch der Trend stimmt mich positiv. Es liegt auch an uns öffentlichen Auftraggebern, diese Entwicklung weiter zu fördern und bei Projektvergaben den Einsatz von BIM zu verlangen, so wie wir dies am Projekt Letziturms getan haben.

    Wie sehen die Ziele der SBB aus für den Einsatz von BIM?
    Derzeit haben wir knapp zwei Dutzend Pilotprojekte, die wir mit Grundlagen versorgen und verschiedenste Methoden, Technologien und Techniken zu erproben. Dieses daraus gewonnene Wissen fliesst in die Entwicklung ein. Mittels Normierung und Standardisierung werden auch internationale Grundlagen berücksichtigt. So können wir sicherstellen, dass wir am Puls der Zeit sind. Dieses Wissen wird gezielt an die Branche zurückgegeben. Ab 2021 ist im Hochbau der Einsatz von BIM für bundesnahe Betriebe verpflichtend, so die digitale Strategie des Bundes, und ab 2025 für die Infrastruktur, da hier noch viel mehr erarbeitet werden muss. Das ist unser erklärtes Ziel.

    SBB BIM-Projekt Letziturm:
    Zwischen den Bahnhöfen Zürich Altstetten und Hardbrücke entwickelt sich entlang des Gleisfeldes aufgrund der Umstrukturierung bestehender Gewerbe- und Industrieflächen ein neues Stadtgebiet. Der Letziturm als sechsgeschossiger Gebäudesockel nimmt im Osten die Kante der denkmalgeschützten Lagerhalle auf. Er definiert damit einen ersten Stadthorizont. Die zwei Wohntürme orientierten sich an der Gebäudehöhe des Letzibach D. Aus dem geplanten Einzelturm entsteht somit ein Ensemble von drei hohen Häusern.

    Der Baubeginn ist dieses Jahr erfolgt. Die 178 Wohneinheiten, bestehend aus 1,5 Zimmer- bis zu 7,5 Zimmer-Wohnungen, sollen ab Herbst 2022 bezugsbereit sein. Das Erdgeschoss ist geprägt durch die beiden Haupteingänge und die beiden Gewerberäume, die sich jeweils zum zukünftigen Platz und Richtung SBB Werkstätten ausrichten. Dazwischen eingespannt sind die Erdgeschosse von vier grösseren, doppelgeschossigen Wohnateliereinheiten, die Arbeiten und Wohnen vereinen und falls gewünscht direkt an den öffentlichen Raum anknüpfen.

    Im Sockelgebäude sind sowohl die kleinen als auch die grösseren Wohneinheiten untergebracht. Oberhalb des 7. Obergeschosses, das einen Gemeinschaftsraum aufweist, sind 2,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen geplant.■

  • «Gemeinsam kann man mehr bewirken»

    «Gemeinsam kann man mehr bewirken»

    Die Greater Zurich Area (GZA) umfasste zunächst die an Zürich angrenzenden Kantone Glarus, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn und Zug. Neu sind Uri und das Tessin dazugekommen. Weshalb hat man sich zu diesem Schritt entschieden?
    Am Anfang waren es Zürich, Schaffhausen und Graubünden, dann über die Jahre kamen weitere Kantone dazu. Zug stiess im Jahr 2007 dazu, Uri im 2015. Das Tessin ist seit 2019 Mitglied in der GZA. Um Mitglied zu werden, muss ein Gesuch gestellt werden, welches von unserem Stiftungsrat geprüft wird. Eine Zusammenarbeit soll für beide Seiten sinnvoll sein. Mit dem Beitritt des Tessins wollte der Stiftungsrat unsere Kompetenzen bezüglich Technologie im Wirtschaftsraum Zürich stärken und das Netzwerk erweitern. Interessant sind vor allem die für uns wichtigen Technologien wie Life Sciences oder Mechatronik. Da hat das Tessin sehr viel zu bieten: Zum Beispiel das Dalle-Molle-Forschungsinstitut, welches sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt.

    Ist der Name Greater Zurich Area noch passend, wenn sie so viele auch weiter von Zürich weg liegende Gebiete umfasst?
    Der Name ist längst zur Marke geworden – so wie «Switzerland» oder «Geneva». Wir haben den Namen «Greater Zurich Area» zwar erfunden, er wird aber längst nicht nur von uns gebraucht. Das Tessin ist durch den Ceneri-Basistunnel näher an Zürich gerückt. Wichtige Forschungsprojekte im Tessin funktionieren problemlos über den Gotthard hinaus. Kantonsgrenzen sind völlig irrelevant – aber ein funktionierender Wirtschaftsraum, der ist relevant für Unternehmen.

    Dann ist es also denkbar, dass noch weitere Kantone zur GZA dazustossen?
    Geplant ist es nicht. Wenn aber jemand anklopfen würde, würde man dieselben Überlegungen machen wie beim Tessin. In der Schweiz ist vieles freiwillig. In anderen Ländern ist das anders: In Finnland beispielsweise gibt es keine Regionen oder Kantone, da wird alles in Helsinki entschieden. Natürlich kann man auch mit einer zentralistischen Organisation glücklich werden. Aber wir sind föderalistisch organisiert, und deshalb können die Kantone selber entscheiden: Will man Standortmarketing in der eigenen Region betreiben? Oder will man die Kräfte bündeln und mit jemand anderem zusammenarbeiten? Unser Verwaltungsratspräsident betont stets, dass unsere Türen offenstehen.

    Die Zahl der angesiedelten Unternehmen aus dem Ausland in der GZA war 2019 mit 103 rückläufig. Was sind die Gründe dafür?
    Global gesehen gibt es Entwicklungen, die alles andere als wirtschaftsfreundlich sind. Darunter fällt der Handelsstreit zwischen China und den USA oder auch der Brexit. In den letzten Jahren ist die Unsicherheit im globalen Wirtschaftsraum gestiegen. Damit verschlechtert sich das Umfeld für Investitionen. In der Schweiz registrieren wir schon seit dem Jahr 2016 rückläufige Zahlen bei den Ansiedlungen. Im Wirtschaftsraum Zürich kam diese Entwicklung leicht verzögert an: Erst 2019 sind die Anzahl Ansiedlungen zurückgegangen. Spannenderweise ist die Anzahl Arbeitsplätze in der GZA trotzdem gestiegen: Die angesiedelten Unternehmen haben 40 Prozent mehr Arbeitsplätze generiert als im Vorjahr. Auf die nächsten fünf Jahre hochgerechnet, sind ein Viertel mehr neue Stellen geplant, als bei den Unternehmen, die sich im 2018 angesiedelt haben. Die Qualität der Projekte hat zugenommen.

    «Die Schweiz bietet Stabilität und Verlässlichkeit.»

    Dann rechnen Sie weiterhin mit rückläufigen Zahlen?
    Definitiv. Wir rechnen damit, dass die Coronapandemie diesen weltweit rückläufigen Trend weiter verstärkt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass der weltweite Markt dieses Jahr um 30 Prozent einbrechen wird. Es gibt sicherlich Branchen, die sogar noch mehr Erfolg haben als in der Vergangenheit. Beispielsweise solche, die auf digitale Tools spezialisiert sind. Für Video-Konferenz-Tools wie Teams oder Zoom ist der Aktienkurs während der Pandemie enorm gestiegen. Generell ist Corona aber natürlich ein Dämpfer für die Weltwirtschaft.

    Weshalb soll ein Unternehmen seinen Standort in der GZA oder in der Schweiz wählen?
    Die Schweiz wird gewählt, damit man das Europageschäft von hier aus betreiben kann. Dazu braucht es die richtigen Fachkräfte. Diese findet man in der Schweiz oder kann sie via Personenfreizügigkeit leicht aus dem europäischen Ausland rekrutieren. Wir sind schon heute sehr international aufgestellt: Wir sind nicht das Zentrum von Europa, aber gerade in Westeuropa sind wir doch sehr zentral. Die Schweiz verfügt darüber hinaus über gute bilaterale Verträge mit der EU sowie Innovationskraft. Zudem können wir Stabilität und Verlässlichkeit bieten. Die Unternehmenssteuer sind hierzulande günstig. Man kommt nicht in die Schweiz, damit man hohe Löhne zahlen kann. Man kommt in die Schweiz, weil hier Leute sind, die hohe Löhne verdienen.

    Geht die GZA mehr auf die Unternehmen zu oder umgekehrt?
    Wir haben eine Doppelfunktion: Wir vermarkten den Wirtschaftsraum, aber wir sind auch Ansprechpartner. Kundenanfragen machen aber nur etwa 11 Prozent aller Ansiedlungen in den Kantonen aus. Wir sind offen und prüfen alles. Aber natürlich investieren wir unsere Zeit und Ressourcen vor allem in lohnende Projekte. Bei rund 60 Prozent aller Ansiedlungen akquirieren wir aktiv und etwa 15 Prozent sind Empfehlungen aus dem strategisch gepflegten Netzwerk, welches Partnerorganisationen, Beratungsfirmen und Wirtschaftsanwälte umfasst.

    Als Arbeitgeber sind die ausländischen Unternehmen wichtig. Wie viele Arbeitsplätze generieren sie aktuell in der GZA?
    Die reine Anzahl Arbeitsplätze für die Ansiedlungen aus dem Jahr 2019 betrug 651. Diese Firmen werden in den nächsten fünf Jahren 1676 neue Arbeitsplätze schaffen. Das sind dann 24 Prozent mehr als diejenigen von Unternehmen, die sich im Jahr 2018 angesiedelt haben. Wir haben bereits zum zweiten Mal eine Beratungsfirma beauftragt, eine umfassende Analyse diesbezüglich zu erstellen: Zwischen 2009 und 2018 wurden durch das Standortmarketing mindestens 8618 Arbeitsplätze geschaffen.

    Welchen weiteren Mehrwert schafft die GZA für die zu ihr gehörenden Kantone?
    Wir tragen dazu bei, dass die Innovationskraft gestärkt wird und dass wir vor allem mit den wachsenden Märkten in Asien vernetzt bleiben. Auch innerhalb der Kantone gibt es gewisse kantonale Wertschöpfungseffekte. So arbeitet vielleicht jemand in Zug, wohnt aber in Zürich. Die neun Kantone kommen in der GZA zusammen, um gemeinsam Standortmarketing zu betreiben. Gemeinsam kann man mehr bewirken. Ein einzelner Schweizer Kanton ist zu klein, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Wir bringen wichtige Schnittstellen zusammen und sehen uns auch in der Vermittlerrolle.

    Wie hat sich in den letzten fünf Jahren die Standortqualität in der GZA konkret verändert?
    Die Unsicherheiten haben zugenommen. Gründe dafür sehen wir unter anderen im Brexit wie auch in der EU-Krise. Italienische Banken sind noch immer ein grosses Fragezeichen. Probleme bereiten zudem der Handelsstreit zwischen den USA und China wie auch das ungeklärte Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU. Die Schweiz bietet im internationalen Vergleich aber sicherlich sehr stabile Verhältnisse. Die Gesetze ändern nicht über Nacht, die Steuern werden weder plötzlich erhöht noch unvernünftig gesenkt. Die Steuerreform ist mittlerweile auch durch, und gewisse Technologiebereich haben sich extrem weiterentwickelt. Bei der Robotik und im Bereich Drohnen braucht Zürich den Vergleich mit Silicon Valley derzeit nicht zu scheuen. In der Schweiz punkten wir mit qualifizierten Fachkräften: Wir verfügen über sehr gute Abgänger von unseren Hochschulen und bieten gleichzeitig ein attraktives Umfeld für die klügsten Köpfe aus aller Welt.

    «Die Konkurrenz hat zugenommen.»

    Wie wirkt sich die Coronakrise auf die GZA aus?
    Sie hat auch bei uns einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Wir reisen weniger und arbeiten mehr virtuell. Das wird wahrscheinlich noch anhalten oder vielleicht sogar gängige Geschäftspraxis werden. Wir haben – wie auch bereits zuvor – Webinare durchgeführt, diese aber zum Beispiel in Korea durch eine Frage-Antwort-Stunde mit Experten ergänzt. Dieses neue Format ist sehr gut angekommen. Allgemein machen wir im Moment Videoschaltungen, anstatt selber in ein anderes Land zu reisen.

    Welche Konsequenzen erwarten Sie längerfristig?
    In nächster Zeit dürften Veranstaltungen vermehrt in hybrider Form durchgeführt werden. Im September ist eine zweitägige Konferenz in Zürich geplant. Diese wird am ersten Tag virtuell stattfinden, am zweiten Tag kann man sich persönlich treffen. Die Veranstalter wollen damit aber nicht nur für dieses Jahr etwas Spezielles kreieren, sondern sie wollen etwas schaffen, das Ihnen Flexibilität schenkt. Gerade auch im Hinblick auf künftige ähnliche Szenarien.

    Mit welchen Herausforderungen hat die GZA sonst noch zu kämpfen?
    Die Konkurrenz hat zugenommen. Als wir vor gut 20 Jahren angefangen haben, gab es noch nicht so viele effiziente Standortförderungs-Organisationen. Heute haben auch die kleinsten Länder und sogar Städte welche. Eine weitere Herausforderung: Es gibt viele ausländische Organisationen, die Benefits anbieten. Beispielsweise Zuschüsse für Anstellungen, damit der Rekrutierungsprozess das Unternehmen weniger teuer zu stehen kommt. So etwas ist in der Schweiz nicht denkbar, weil man dafür Steuergelder einsetzen müsste. Wir leisten auch viel Überzeugungsarbeit – in der Schweiz ist nicht alles teurer. Und wenn jemand 200’000 Dollar in den USA verdient, verdient er sie auch in London, Madrid oder Amsterdam. In Zürich muss man vielleicht sogar weniger Lohn bezahlen, weil bei uns die Steuern für das Individuum günstiger sind als anderswo.

    Wie wirkt die GZA den Einschränkungen und wahrscheinlich auch dem durch die Coronakrise verursachten weiteren Rückgang der Ansiedlungen entgegen?
    Wir werden die Social-Media-Kanäle in Zukunft nicht nur für die Kommunikation nutzen, sondern auch für die Akquisition. Wir versuchen über ein datenbasiertes Vorgehen neue Kunden zu gewinnen.

    Die wichtigsten Märkte der GZA sind die USA, Deutschland, China und Italien. Auf welche anderen Länder/Städte konzentriert sich die GZA noch und weshalb?
    Seit 2014 sind wir in Korea aktiv. In Israel beginnen wir gerade. Sobald die Krise vorbei ist, können wir mit Aktivitäten starten – es ist alles aufgegleist. Wir prüfen regelmässig, wo wir noch tätig sein könnten. Indien war beispielsweise von 2006 bis 2008 ein Fokusmarkt. Mangels Resultate haben wir diesen aber wieder aufgegeben. Wenn Russland oder Brasilien keine Rezession hätten, kämen diese Märkte durchaus in Frage. Innerhalb der von uns bearbeiteten Märkte wählen wir die Regionen nach den Technologie-Hotspots aus. ■

  • «Man muss seinen Kunden Alternativen anbieten»

    «Man muss seinen Kunden Alternativen anbieten»

    Was genau macht Swiss Circle?
    Swiss Circle ist das Netzwerk für die Schweizer Immobilienbranche. Wir betreuen unsere rund 250 Mitglieder, vernetzen diese untereinander und unterstützen sie mit Marketingtools. Unsere Member wollen sich untereinander besser kennenlernen, aber auch in der Branche vermehrt wahrgenommen werden. Ausserdem geben wir ihnen die Möglichkeit, ihr Knowhow in speziellen Disziplinen der Immobilienwirtschaft auszubauen.

    Wie geht das konkret?
    Wir bieten verschiedene Plattformen: So sind wir an den grossen internationalen Immobilienmessen wie der MIPIM in Cannes oder an der Expo Real in München präsent. Auf internationalen Bühnen sind wir mittlerweile seit 25 Jahren aktiv. Wir präsentieren an diesen Messen unsere Schweizer Firmen an einem Schweizer Gemeinschaftsstand. Darüber hinaus organisieren wir regelmässig Networking-Events und über das Jahr verteilt verschiedene Kongresse zu aktuellen Themen rund um Immobilien. Onlinetools wie etwa realestate-experts.ch ergänzen unser Angebot.

    Wichtige Messen fallen dieses Jahr aufgrund der Coronakrise weg. Wie wirkt sich dies auf Swiss Circle aus?
    Wir sind kreativ und haben Ersatz für ausgefallene Aktivitäten ins Leben gerufen. Darunter die Online-Serie «Real Estate Brains». Hier haben wir jeden Dienstagmorgen online eine Sendung produziert. Dieses Jahr haben wir den Kongress «Die Marketingrunde» vollumfänglich digital über Zoom umgesetzt. Den «Innovation Day» gleisen wir als Hybridanlass auf: Mittels zwei Sendungen, die wir live streamen sowie einem Printprodukt, das unseren Kunden eine weitere Plattform bietet, sich zu präsentieren. Als Ersatz für die nicht stattfindende Expo Real in München organisieren wir im Oktober am Flughafen Zürich den «Swiss Networking Circle». Mitglieder, die sonst nach München gegangen wären, erhalten so die Möglichkeit, sich zu vernetzen und zu präsentieren.

    Wie laufen die Anmeldungen für den Swiss Networking Circle im Herbst?
    Wir haben bereits zahlreiche Buchungen erhalten. Allerdings wissen wir noch nicht, wie viele Gäste wir dann effektiv einladen dürfen – das hängt von den Bestimmungen des Bundes für Anlässe im Oktober ab. Es kann sicher nicht jeder mitmachen. Partner, die sich am Event aktiv engagieren, erhalten aber auf jeden Fall ein Einladungskontingent für ihre Kunden. Auch wir vom Swiss Circle werden ein Kontingent an Mitgliedern einladen. Das Bedürfnis unserer Kunden, sich wieder persönlich zu treffen, ist auf jeden Fall gross.

    «Die Immo21 findet in einer grösseren Halle statt.»

    Wie kommen die Online-Angebote bei den Mitgliedern an?
    «Real Estate Brains» beispielsweise kommt sehr gut an – wir verzeichnen jeweils 200 bis 300 Zuschauer. Die Referenten kommen aus Deutschland, Österreich und aus der Schweiz. Die Schweizer Referenten rekrutieren wir in der Regel aus unserem Memberkreis. Nach der Sommerpause werden wir dieses Format bis auf weiteres im Monatsrhythmus weiterführen.

    Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage auf den Immobilienmärkten?
    Die Lage ist kontrovers. Kritisch steht es um den Retailmarkt. Die Coronakrise wirkte als Brandbeschleuniger, der Detailhandel hatte es schon vor Corona schwer. Ein weiterer Verlierer sind Hotelliegenschaften. Bürogebäude dürften nur leicht nachgeben – hier muss abgewartet werden, ob und wie stark sich Home-Office durchsetzt und wie sich Digitalisierungstrends entwickeln. Der Wohnmarkt zeigt sich stabil – allenfalls gibt es noch langfristige Auswirkungen. Es gibt aber natürlich auch Gewinner: zum Beispiel Logistikimmobilien.

    Welches Feedback erhalten Sie von Ihren Mitgliedern?
    Dienstleister rund um den Liegenschaftenbetrieb wie Facility- und Property-Manager sind kaum betroffen. Bei den Transaktionen stellt man hingegen eine gewisse Zurückhaltung fest; es wird aktuell defensiver gehandelt als vor der Krise. Dies dürfte sich auf die Umsätze von Vermarktern oder Rechtsanwälten niederschlagen.

    Welche langfristigen Konsequenzen erwarten Sie aufgrund der Coronakrise?
    Ich rechne im Immobiliengeschäft nicht mit einem langfristigen negativen Effekt. Es ist aber möglich, dass die Geschäfte dieses Jahr aufgrund herrschender Unsicherheit und des fehlenden persönlichen Kontakts etwas harziger laufen. Was den Swiss Circle betrifft, bin ich jedoch zuversichtlich, dass Events und Messen nächstes Jahr wieder fast wieder wie gewohnt ablaufen werden. Welche Änderungen bleiben werden, wird sich zeigen. Das Motto der Zeit lautet: Flexibel sein und mit verschiedenen Szenarien rechnen. Das machen wir auch. Wer möglichst unbeschadet aus der Krise kommen will, muss seinen Kunden Alternativen anbieten.

    Die Immo21, die von Swiss Circle mitorganisiert wird, findet nächstes Jahr im Januar statt. Gibt es coronabedingte Änderungen?
    Wir haben bereits auf die Situation reagiert und mit der Halle 550 in Oerlikon eine grössere Lokalität als bisher gewählt. So können wir auch einer allenfalls weiterhin beschränkten Anzahl Besucher mehr Platz bieten, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Dies könnte sich auch in Zukunft durchsetzen: Dass man mehr Quadratmeter pro Teilnehmer einkalkulieren muss.

    Was raten Sie Jungunternehmern im Immobilienbereich in dieser Zeit?
    Ihnen fehlt der Kontakt mit der etablierten Branche natürlich sehr. Jungunternehmer suchen in der Regel Investoren und Plattformen, um ihre neuen Ideen zu präsentieren – und sind darauf angewiesen, schnell zu wachsen und Erfolge vorzuweisen. Für Start-ups ist der Handbremseneffekt sicher gravierender als für ein etabliertes Unternehmen. Beim Swiss Networking Circle und beim Innovation Day haben wir spezielle Angebote, Jungunternehmer einzubinden, und ermöglichen ihnen bevorzugten Zugang. Da der Austausch zwischen Jung und Etabliert in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird, treten Swiss Circle und SwissPropTech in Zukunft vermehrt gemeinsam auf. Dazu heisse ich alle zukunftsorientierten Immobilienentscheider herzlich willkommen! ■

  • «Das Limmattal ist mehr als  eine Alternative zu Zürich»

    «Das Limmattal ist mehr als eine Alternative zu Zürich»

    Vor 6 Jahren wurde die Limmatstadt AG lanciert. Wo sehen Sie Ihre Kernaufgaben als Geschäftsführerin?
    Ich versteh mich als Dienstleisterin und Botschafterin für die gesamte Region von Baden bis Zürich, innerhalb des Limmattals und darüber hinaus. In meinem Job bin ich immer unterwegs und bringe Menschen und Ideen über die Kantonsgrenze hinweg zusammen. Netzwerk ist das A und O. Ich beliefere Standortinteressenten mit Informationen, öffne Türen, bringe mich in Komitees ein oder treibe Projekte voran.

    Welche Meilensteine haben Sie Stand heute erreicht?
    Die Limmatstadt AG hat sich zu einer relevanten Partnerin und regionalen Akteurin etabliert. In den vergangenen Jahren gelang es, wichtige Mitstreiter für die Idee Limmatstadt als vernetzter und starker Lebens- und Wirtschaftsraum zu gewinnen: zunächst Firmen als Aktionäre, zahlreiche Gemeinden als Auftraggeber, dann kam der Planungsverband dazu und verschiedene Netzwerkpartner. Über Publikumsaktien kann sich auch die Bevölkerung beteiligen. Mit dem Aufbau und Betrieb von diversen Kommunikationskanälen – vom Printmagazin «36 km» über das digitale 3D-Limmatstadtmodell bis zum täglichen «punkt4»-Wirtschaftsnewsletter – erreichen wir die Region.

    Welche Ziele werden als Nächstes angegangen?
    Es ist von zentraler Bedeutung, die Kräfte weiter zu bündeln und die Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Sprich: Kooperationen einzugehen, wo es sinnvoll ist sowie den Wert unserer Plattformen und Netzwerke noch deutlicher zu machen, um weitere Gemeinden und Partner zu gewinnen. Wer sich in der Limmatstadt niederlassen will oder eine Projektidee verfolgt, muss wissen, dass er bei uns an der richtigen Adresse ist. Zudem ist Image wichtig im Standortwettbewerb. Hier gilt es, die Vorzüge der Gesamtregion in Szene zu setzen.

    Die Limmatstadt AG hat Anfang 2019 die Funktion der Standortförderung Limmattal, dem damaligen Verein der Zürcher Limmattaler Gemeinden, übernommen. Wie wichtig war dieser Schritt?
    Dieser Schritt war zentral. Die Standortförderung des Vereins hörte an der Kantonsgrenze auf. Unser Wirkungsbereich ist die gesamte Region. Die komplexen Herausforderungen machen nicht an Kantonsgrenzen Halt. Der Auflösung ging ein breit abgestützter Strategieprozess voraus. Die Erkenntnis: Mit der privatwirtschaftlichen Limmatstadt AG ist eine Organisation mit Leistungsausweis vorhanden, deren Aufbau privat finanziert wurde und eine nahtlose Nachfolge sichert. Die Gemeinden haben neu Leistungsvereinbarungen mit uns, sind also unsere Kunden, und profitieren unter dem Strich von wesentlich mehr Leistung für das gleiche Geld.

    «Wer sich in der Limmatstadt niederlassen will, ist bei uns an der richtigen Adresse.»


    Wie beliebt ist das Limmattal punkto Firmenansiedlungen?
    In der Region gibt es über 80’000 Arbeitsplätze, die bis 2040 rund 30 Prozent zunehmen sollen. Aufgrund der regen Bautätigkeit können wir ideal gelegene Flächen insbesondere für Retail und Dienstleistung bieten. Die bevorzugte Lage, die Nähe zu führenden Bildungs- und Forschungseinrichtungen und die gute Erschliessung machen den Standort äusserst attraktiv. Mit der Limmattalbahn erhalten wir einen städtischen Verkehrsträger und noch bessere Verbindungen. Das wird auch Unternehmen anziehen, die bisher das Limmattal nicht auf dem Radar hatten.

    Für wie realistisch halten Sie eine Fusion der Gemeinden Schlieren, Urdorf und Dietikon in den kommenden 15 Jahren?
    Unbestritten ist, dass die Gemeinden in Zukunft die Zusammenarbeit intensivieren müssen, denn Probleme von regionaler Tragweite können von kommunaler Ebene allein kaum bewältigt werden. Aber ich glaube nicht, dass Fusionen in jedem Fall einen Gewinn bringen. Wenn wir die Kleinteiligkeit in unserer Region anschauen, könnte ein Zusammenschluss gerade kleineren Gemeinden durchaus zu mehr Kraft verhelfen. Doch eine Grossfusion halte ich nicht für realistisch. Es gibt aber fusionswillige Gemeinden im Aargauer Limmattal: Die Gemeinde Turgi strebt eine Fusion mit der Stadt Baden an.

    Viele Einwohner fürchten bei einer Fusion um ihre Identität.
    Dieses Argument ist immer schnell zur Hand. Nur weil man sich zu einer politischen Einheit zusammenschliesst, muss die lokale Verankerung nicht verloren gehen. Es kann auch eine neue Zugehörigkeit entstehen. Jede Veränderung birgt Verlust und Gewinn. Die Frage ist, was überwiegt. Mit einem frühzeitigen, offenen Dialog kann es der Politik gelingen, die Bevölkerung abzuholen, zu spüren, wo der Schuh drückt und Chancen aufzeigen. Es braucht auch Mut von einem Gemeinderat, dieses heisse Eisen anzurühren. Wie das Beispiel von Turgi zeigt, kann das durchaus erfolgsversprechend sein.

    Was sagen Sie zum Einwand, dass für eine Limmatstadt die Geschichte und Vergangenheit fehle und das Limmattal deshalb nie eine einheitliche Stadt werden könne?
    Jede Geschichte hat einen Anfang. Wieso kann der Wandel von einer Agglomeration zu einem städtischen Raum nicht im 21. Jahrhundert starten und für kommende Generationen identitätsbildend sein? Ich finde es eher absurd, dass wir uns heute noch an politischen Grenzen orientieren, die über 200 Jahre alt sind. Das Limmattal ist bereits eine räumliche Einheit – verbunden durch die Limmat und eingebettet in Hügelzüge mit Wäldern und Rebbergen. Bald verbindet das Tram die Region und die Menschen noch mehr. Beste Voraussetzungen, damit eine neue Zusammengehörigkeit entstehen kann.

    Die Limmattalbahn ist im Bau. Gerade bei Anwohnern des Limmattals war das Projekt umstritten. Hatten Sie mit dieser Reaktion gerechnet?
    Eine lokale Betroffenheit lässt immer die Emotionen hochgehen. Von der Heftigkeit war ich überrascht. Auch das ist ein Beispiel, wie wichtig es ist, bei regional bedeutsamen Projekten den Dialog eng mit der lokalen Bevölkerung zu führen. In der ersten Kampagne ist das schief gelaufen. Aber in der zweiten Abstimmung sprach sich dann das Limmattal grossmehrheitlich für den Bau aus. Die Limmattalerinnen und Limmattaler haben verstanden, dass eine halbe Limmattalbahn keinen Sinn macht.

    «Es ist ein gutes Zeichen, dass Bund und Kantone an unsere Region glauben und Millionen investieren.»

    Weshalb braucht das Limmattal die Limmattalbahn?
    Die Bahn bedeutet eine langfristige Aufwertung für die ganze Region. Es ist ein Generationenprojekt. Ein Argument lautete immer wieder: Busse tun es auch. Aber ein Bus ist kein Bekenntnis zu einer Region. Die Limmattalbahn, das sind Schienen, die man für die nächsten Jahrzehnte in den Boden verlegt. Jede Haltestelle ist eine Keimzelle, wo Neues entstehen kann. Da, wo ein Tram entlangfährt, entsteht Stadt. Es ist ein gutes Zeichen, dass Bund und Kantone an unsere Region glauben und Millionen investieren.

    Besteht da nicht die Gefahr, dass das Gebiet zu sehr mit Wohnungen, Arbeitsstätten und Strassen zugepflastert wird?
    Im Gegenteil: Die Bahn hilft, das Wachstum zu kanalisieren und bestimmte Orte zu schonen. Deshalb fährt die Limmattalbahn nicht entlang der dörflich geprägten rechten Limmatseite. Das würde Entwicklungs-
    schübe auslösen, die man dort nicht haben will. Die Bahn fährt da entlang, wo heute schon das grösste Potenzial vorhanden ist, wo die meisten Leute leben, wo der Verkehr fliesst und noch brachliegende Grundstücke wie das Dietiker Niderfeld liegen.

    Im Limmattal wird sehr viel gebaut. Schlieren beispielsweise hat sich bereits stark verändert. Auch in Dietikon sind völlig neue Quartiere entstanden. Wird das Baupotenzial bald ausgeschöpft sein?
    Die grossen Limmattaler Industriebrachen sind heute umgenutzt in Stadtquartiere. Künftig geht es mehr um die Entwicklung nach innen. Wir müssen umsichtig mit dem beschränkten Boden umgehen. Letztlich ist das höchst ökologisch. Eine pulsierende und attraktive Stadt braucht eine gewisse Dichte an Menschen, Angeboten und Nutzungen. Auch der Verkehr gehört dazu, der private wie öffentliche. Gerade ein cleveres Veloroutennetz im flachen Talboden kann verstopfte Strassen entlasten. Dieses Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft.

    Kann sich das Limmattal mit dem Glatttal messen?
    Keine Frage, wir sind die beiden attraktivsten Boom-Regionen. Ich beneide die Flughafenregion und ihren Geschäftsführer Christoph Lang um einige Firmen, die wir auch gerne als Steuerzahler hätten. Gleichzeitig bin ich froh, beschäftigt uns die Flughafen-Thematik nicht so intensiv. Als Standort-Organisationen sind wir allerdings unterschiedlich aufgestellt. Die Flughafenregion ist ein sehr erfolgreiches Wirtschaftsnetzwerk mit unzähligen Events rund ums Jahr. Unser Fokus hingegen liegt auch auf der Gesellschaft und Stadtentwicklung.

    Wie tief ist der Gedanke einer «Limmatstadt» in den Köpfen der Limmattaler Bevölkerung verankert?
    Wenn Sie jetzt eine Strassenumfrage machen würden, wäre das Ergebnis wahrscheinlich ernüchternd. Die einen würden sagen, das ist Zürich, die anderen Baden. Und genau darauf bauen wir ja auf: Wir deuten den Begriff Limmatstadt neu und laden ihn positiv auf. Er dient perfekt als Klammer für die Region zwischen zwei starken Polen. Dabei stellen wir das Limmattal nicht an die Ränder von zwei Kantonsgebieten, sondern in deren Zentrum.

    Mit welchen Massnahmen soll diese Wahrnehmung weiter unterstützt werden?
    Indem wir konsequent daran arbeiten, die Region mit all ihren Vorzügen bei der Wohnbevölkerung ebenso wie bei Firmen und Ansiedlungsinteressenten noch besser bekannt zu machen. Dafür brauchen wir alle Gemeinden hinter uns und eine laufend wachsende Trägerschaft. Wir spüren, dass sich unsere Idee immer mehr verankert. In Spreitenbach hat zum Beispiel kürzlich der grösste Coworking Space der Schweiz unter dem Namen «Office LAB Limmatstadt» eröffnet. Der Begriff Limmatstadt soll genau dieses zukunftsgerichtete neue Selbstverständnis nach aussen tragen.

    Wie soll das Limmattal in fünf Jahren von der Bevölkerung wahrgenommen werden?
    Als ein Ort, wo man hingehen will, eine Destination. Das Limmattal ist mehr als eine Alternative zu Zürich. Es soll wahrgenommen werden als selbstbewusste Region, die es geschafft hat, ihr ödes Aggloimage abzustreifen und sich zu einem attraktiven städtischen Raum zu wandeln, der mit seinen Gegensätzen und Eigenheiten immer wieder überrascht. Die Entwicklung des letzten Jahrzehnts ist beneidenswert – auch die Erneuerung. Es könnte auch anders sein: Stillstand oder Abwanderung – das wären Probleme. Wir können uns mit der Dynamik wahnsinnig glücklich schätzen und definitiv positiv in die Zukunft blicken. ■

  • «Grosse Projekte sind immer  schwieriger realisierbar»

    «Grosse Projekte sind immer schwieriger realisierbar»

    Sie sind Politiker und Unternehmer. Ende 2019 haben Sie sich aus der aktiven Politik zurückgezogen, weshalb?
    Nachdem ich 15 Jahre im Kantonsrat aktiv war und insgesamt 13 Jahre im Gemeinderat, war es an der Zeit, dieses Kapitel zu schliessen. Ich wollte frischen, neuen Kräften Platz machen und wieder mehr Zeit für meine Familie, meine Mitarbeitenden und für neue Projekte haben.

    Als Politiker machen Sie sich beispielsweise für eine S-Bahn-Station Silbern stark oder auch für eine Hochbahn zwischen dem Entwicklungszentrum Niderfeld und dem Gebiet Silbern. Wie bedeutend ist eine solche Verkehrsanbindung für diese Gebiete?
    Eine Verkehrsinfrastruktur ist immer wichtig für eine Region. Das Limmattal hat gute Infrastrukturen, dennoch haben wir noch einige Nadelöhre. Die S-Bahn-Station Silbern könnte eine grosse Entlastung bieten für das Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt und später auch für das Niderfeld. Die geplante Hochbahn zwischen diesen Gebieten wäre natürlich das Nonplusultra – vor allem, wenn die Limmattalbahn danach direkt mit dem neuen Bahnhof verbunden wäre.

    Gibt es bereits Fortschritte zu verzeichnen?
    Leider mahlen in der Politik die Mühlen sehr langsam. Es braucht Geduld und Hartnäckigkeit. Das Anliegen einer Hochbahn ist deponiert. Sie fliesst derzeit auch aktiv in die Planung für das Gebiet Niderfeld ein. Die S-Bahn-Station Silbern ist im kantonalen Richtplan mit einer hohen Dringlichkeit verankert, doch beissen wir auf Bundesebene noch etwas auf Granit. Man ist der Auffassung, dass zuerst das Verkehrsproblem des Nadelöhrs der Bahnverbindung zwischen Zürich und Aarau gelöst werden muss. Aber wir bleiben am Ball.

    Sie führen in vierter Generation das Familienunternehmen, die J. Wiederkehr AG. Wie stark ist Ihr politisches Engagement mit der Vertretung eigener Interessen verbunden?
    Ich habe eine exekutive Tätigkeit immer bewusst ausgeschlossen, um nicht mit den Vorwürfen konfrontiert zu werden, dass ich Politik um meinetwillen mache. Natürlich hilft mir meine politische Erfahrung auch beruflich. Ich weiss, wie gewisse Mechanismen funktionieren. Insofern kommt mir mein politisches Wirken durchaus zugute. Aber dieses Wissen möchte ich im Interesse des Allgemeinwohls einsetzen und nicht, um für mich und meine Firma Profit daraus zu schlagen. Ich setze mich insbesondere auch weiterhin für die Anliegen des Gewerbes und der Hauseigentümer ein.

    Sie sind einer der drei grössten Grundeigentümer des Niderfelds. Wie kam es dazu?
    Der grösste Teil des Landes in unserem Besitz geht auf mindestens drei Generationen zurück. Zusätzlich hatten wir vorüber 30 Jahren die Idee, dort einen Lagerplatz für unser Gerüstbauunternehmen zu erstellen. So kamen weitere Grundstücke hinzu – die Idee liess sich dann aber leider nicht umsetzen, das Land haben wir aber behalten.

    Lässt eine solch riesige Baulandreserve wie das Niderfeld ihr «Bau-Blut» in Wallung geraten?
    Nicht nur. Ich mache mir Sorgen, weil ich feststelle, dass gerade in der Schweiz und im Kanton Zürich grosse Projekte immer schwieriger realisierbar sind. Denken wir nur an das Fussballstadion in der Stadt Zürich oder das Kongresszentrum. Gerade grosse Projekte haben viele Hürden zu überwinden. Die Regelungsdichte ist inzwischen sehr hoch. Solche Regeln sind oft in der Vergangenheit entstanden und nicht sehr hilfreich für die Entwicklung eines neuen Gebietes. Auch hier braucht es Geduld und Hartnäckigkeit, damit am Ende doch einmal etwas Schönes auf dem Niderfeld entsteht.

    Würde man Ihnen freie Hand lassen, welche Vision haben Sie für das Niderfeld?
    Ich hätte es nicht so gemacht, wie es jetzt geplant ist. Dietikon hat bereits sehr viele schöne Naherholungsgebiete. Das Geld hätte ich eher investiert, um die bestehenden Naherholungsgebiete aufzuwerten und besser zu nutzen. Die sehr grosse Parkanlage im Niderfeld später sinnvoll mit Leben zu füllen, wird eine grosse Herausforderung.

    Wie ist der aktuelle Stand des geplanten Projekts?
    Die Planungsarbeiten sind noch immer voll im Gange. Der Quartierplan wurde inzwischen beim Kanton zur Prüfung eingereicht. Wir warten gespannt auf die Rückmeldung. Aber es wird weiterhin ein langer und beschwerlicher Weg bleiben.

    Sind Sie zuversichtlich, dass im Jahr 2028 mit dem Bau begonnen werden kann?
    Ich wage es nicht, eine Jahreszahl zu nennen. Vor einigen Jahren war man noch der Meinung, dass zuerst im Niderfeld gebaut wird und dann die Limmattalbahn kommt. Heute ist es offensichtlich, dass die Limmattalbahn schon lange vor dem Baustart durch das Gebiet fahren wird.

    Wie erlebten Sie den Wandel Dietikons in den letzten zehn Jahren?
    Ich gehe sogar einen Schritt weiter zurück: Als ich in der Schule war, war Dietikon die drittgrösste Stadt im Kanton Zürich mit rund 25’000 Einwohnern. Dietikon hat sich dann über viele Jahrzehnte nicht gross entwickelt. Demgegenüber ist Uster geradezu explodiert. Erst in den letzten Jahren ist Dietikon mit beispielsweise der Entwicklung des Limmatfeldes wieder etwas gewachsen. Aber nach wie vor hat es viele ältere Bausubstanz, die erneuert werden sollte.

    Wie wird Dietikon in fünf Jahren aussehen?
    Innert fünf Jahren wird sich noch nicht allzu viel ändern. Die Limmattalbahn wird sicher fahren. Hoffentlich haben wir bis dann den Verkehr einigermassen im Griff und die flankierenden Massnahmen für den Autoverkehr umgesetzt. Ich persönlich finde es gut, wenn ein Wandel stetig passiert und nicht auf einen Schlag. Was heute gebaut wird, ist in 30 Jahren auch bereits wieder älter. Von daher ist eine regelmässige Konstanz in meinen Augen besser für die Entwicklung einer Gemeinde oder Stadt.

    Weshalb lohnt es sich, in Dietikon zu leben?
    Mir gefallen ganz besonders die Naherholungsgebiete. Selbst wenn man im Zentrum von Dietikon wohnt, ist man in wenigen Minuten an der Limmat, die kilometerlange Spazierwege bietet. Wir haben zudem den wunderschönen Guggenbühl-Wald. Die Naherholungsgebiete sind im Gegensatz zu anderen Regionen auch nicht völlig überlaufen.

    Sie sind Aktionär der Limmatstadt AG. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
    Mich fasziniert, dass die Limmatstadt probiert, den Fokus zu öffnen, das Limmattal breiter zu sehen – über die Kantonsgrenze hinaus. Sie wagt es, einen visionären Blick auf die Region zu werfen. Niemand weiss, wie das Limmattal in 40, 50 Jahren aussehen wird. Trotzdem ist es wichtig, dass wir uns auch mit solchen Ideen beschäftigen. Ich denke, dass die Limmatstadt eine gute Plattform dafür ist.

    Das Limmattal wird vom Kanton Zürich als Wachstumsregion gesehen. Besteht da nicht die Gefahr, dass das Gebiet zu sehr mit Wohnungen, Arbeitsstätten und Strassen zugepflastert wird?
    Ich glaube, dieses Risiko ist nicht sehr gross. Das Siedlungsgebiet ist im kantonalen Richtplan ausgeschieden. Das kann sich in den nächsten 15 Jahren nicht vergrössern. Die Naherholungsflächen wie auch Grünflächen und Wälder sind ebenfalls ausgeschieden. Ich denke, wir tun gut daran, wenn wir unsere Naturräume entsprechend pflegen und da und dort Aufwertungsmassnahmen durchführen.

    Das Limmattal ist auch stark mit Verkehrsinfrastrukturen belastet. Wie gross ist dieses Problem heute?
    Das ist vielleicht das Schicksal der Täler, dass sie auch häufig eine Verbindungsachse sind. Der Vorteil ist die gute Infrastruktur, die das Limmattal als Wohnort attraktiv macht. Für die Wirtschaft ist diese ebenfalls ein riesiger Vorteil, die aber dennoch Belastungen birgt. Ein gewisser Bedarf an Infrastruktur hat sich aufgestaut. In den letzten Jahren wurde hier zu wenig investiert. Es ist wichtig, dass der Verkehr auf der Autobahn fliesst. Nur so können wir einen Ausweichverkehr durch die Städte und Gemeinden verhindern.

    Wie könnte die Lösung aussehen?
    Die Limmattalbahn wird über eine gewisse Kapazität verfügen und ist sicher ein guter Lösungsansatz. Aber auch der Autobahnausbau Zürich-Bern mit einer zusätzlichen Spur, die Erweiterung des Limmattaler Kreuzes und der Ausbau des Gubrists dürften helfen, den Verkehr auf der Autobahn wieder zum Fliessen zu bringen und den Schleichverkehr durch Gemeinden zu stoppen. Nach wie vor müssen wir dafür kämpfen, dass Dietikon endlich eine brauchbare Umfahrungsmöglichkeit erhält – sei das eine oberirdische Strasse oder ein Tunnel, wie es schon vor Jahrzehnten die Idee gewesen ist. Im kantonalen Richtplan ist eine Umfahrungsstrasse vorgesehen. Nur ist diese schwer realisierbar, weil sie grösstenteils durch bewohntes Gebiet führen würde.

    Für wie realistisch halten Sie es, dass die Öffentlichkeit das Limmattal in den kommenden Jahren als «Limmatstadt» wahrnimmt?
    De Facto ist Dietikon schon seit Jahrzehnten eine Stadt, trotzdem bezeichnen sie viele Bewohner als Dorf. Letztlich ist es eine Wahrnehmungsfrage, ob wir von einer Stadt oder von einem Dorf reden. Für mich ist wichtig, dass sich die Menschen in unserer Region wohlfühlen, sich aktiv einbringen und mithelfen – in den Vereinen wie auch in der Politik. Das ist für mich entscheidender als die Frage, ob das Limmattal ein Dorf oder eine Stadt ist.

    Ihre Heimatstadt ist Dietikon. Eine Stadt, die – so sagen manche – immer ein wenig dazwischen fällt. Dietikon sei zu weit von Zürich und zu weit von Baden entfernt und stehe somit eher für sich allein. Wie sehen Sie das, schafft Dietikon die Integration in die Limmatstadt und wie?
    Grenzregionen sind immer vor besonders schwierige Herausforderungen gestellt. Insofern begrüsse ich die Initiative der Limmatstadt, dass sie die Region grenzübergreifend betrachtet und die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinaus fördert. Das Limmattal liegt in zwei verschiedenen Kantonen. Das bringt auch gewisse Chancen, dass man eventuell von den Vorzügen beider Kantone profitieren kann. Was das Einkaufsangebot anbelangt, hat Dietikon seit Jahrzenten einen schweren Stand. Das wird sich wahrscheinlich auch die nächsten Jahrzehnte nicht ändern.

    Wird es nach der Überbauung der letzten grossen Flächen in Dietikon überhaupt noch Raum für grosse neue Projekte geben?
    Ich denke, die nächsten 30 Jahre wird es keinen zusätzlichen Siedlungsraum geben. Im Fokus wird die Verdichtung des bestehenden Siedlungsgebietes stehen. Das sollte für die Bevölkerung so verträglich wie möglich geschehen. Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Leute genügend Platz in ihrer Wohnung oder auch eigene Grünflächen und Privatsphäre schätzen. Hier sehe ich auch eine Chance, dass wir einiges besser und lebenswerter machen können als so manche grosse anonyme Stadt. ■

  • Zu viel gebaut? Dass der Immobilienmarkt nicht mehr alles absorbiert, ist eine Chance.

    Zu viel gebaut? Dass der Immobilienmarkt nicht mehr alles absorbiert, ist eine Chance.

    Wurde in der Schweiz zu viel gebaut? Vielleicht zu viel am falschen Ort? Zwar könne man nicht von DEM Schweizer Immobilienmarkt sprechen, da sich dieser in verschiedene Teilmärkte gliedere, trotzdem habe sich die Absorptionszeit allgemein verlängert, sagen die sieben Immobilienentwickler, die sich im Juni zum HIG-Expertengespräch trafen. Sie gehen davon aus, dass es immer einen Grundstock an Wohnungen braucht – nur eben wo und welche, das ist die Frage. Eine Frage, die dazu führt, neu über Qualität nachzudenken.

    «Qualität vor Quantität» – diesen Satz gab es schon vor fünfzig Jahren. Aber während Qualität damals mit Luxus assoziiert wurde, denkt man heute an bedürfnisgerechtes, nachhaltiges Bauen. Das mag teurer in der Erstellung sein, zahlt sich aber längerfristig aus. Dass der Markt nicht mehr alles absorbiert, ist also auch ein Gewinn. Denn von einer besseren Qualität profitieren letztlich alle – die Bewohner und Nutzer wie die Ersteller und Investoren.

    «Vielleicht wurde zu viel gebaut und dabei sind austauschbare Wohnblöcke entstanden. Deshalb setzen wir uns jetzt intensiver mit dem Thema Qualität auseinander. Das ist der positive Aspekt an dieser Entwicklung»

    Roland Thoma

    Das A B C der Lage – Qualität vor Quantität
    Rund 75’400 Wohnungen standen 2019 in der Schweiz leer*, Tendenz steigend. Während noch vor zwei, drei Jahren die Verkaufs- bzw. Vermietungsquote bei Fertigstellung einer Immobilie durchschnittlich 95 Prozent betrug, sind es heute nur noch 80 bis 85 Prozent. Je peripherer die Lage, desto länger die Absorptionszeit. In den urbanen Zentren kommen bis zu 1000 Anfragen auf eine Wohnung, und weil die Kapazitäten begrenzt sind, muss sich der Bedarf verlagern. So besteht auch jenseits der Zentren und A-Lagen eine solide Nachfrage, zum Beispiel nach Stockwerkeigentum im mittleren und tiefen Preissegment. Hingegen zählen die einst begehrten Luxuswohnungen auch in den Zentren zu den Ladenhütern, während Mietwohnungen im tiefen Preissegment fast überall sofort absorbiert werden.

    Es geht also um die richtige Lage mit einem Produkt für das richtige Segment. Trotzdem: «In strukturschwächeren Regionen brauchen wir auch im mittleren Segment länger als noch vor zwei bis drei Jahren», sagt zum Beispiel René Frauenknecht von der Steiner AG. «Wir lassen heute die Finger von Orten, die bereits hohe Leerstände aufweisen und sind zurückhaltend, an B- und C-Lagen zu entwickeln». Die Gefahr, es doch zu tun, sei dem relativ hohen Akquisitionsdruck geschuldet: «Nach wie vor gibt es grosse Pensionskassen, die sehr aggressiv am Markt auftreten und Landsicherungen tätigen. Ganz entscheidend ist, dass Lagequalität vor Quantität kommt. Das ist neu. Bis vor einigen Jahren konnte man nicht sehr viel falsch machen, wenn man mal ein Grundstück an einer schlechten Lage akquiriert hatte», so Frauenknecht. «Auch die niedrigen Zinsen können zu Fehlentscheiden führen, da Risiken allenfalls nicht richtig bewertet werden. Das falsche Produkt an der richtigen Lage funktioniert heute nicht mehr», ergänzt Tobias Rotermund von der Odinga Picenoni Hagen AG.

    Die Ratings von Analysten wie Fahrländer oder Wüest Partner seien zwar eine wichtige Grundlage, sagen die Entwickler, aber man müsse diese Standortanalysen vor Ort verifizieren sowie interpretieren, um nicht einfach das zu wiederholen, was in der Vergangenheit funktioniert hat. «Standortanalysen erfolgen mehrheitlich datenbasiert und digital», sagt Marc Lyon von der Implenia Schweiz AG. «Würden wir die Vorschläge der Software für unsere Entwicklungsstrategien und Produktdefinition strikt verfolgen, hätten wir immer das Gleiche ohne Innovationen. Wir würden einfach nur eine Kopie von der bebauten Substanz der letzten Jahre machen. Diese datenbasierten Grundlagen sind unbestritten wichtig, aber die menschliche Interpretation ist wirklich notwendig. Wir nehmen ein Grundstück eben ganz anders wahr und haben einen ganz anderen Bezug, wenn wir uns ein Bild vor Ort machen und uns das Grundstück nicht nur über Google-Maps und Street-View anschauen».

    «Würden wir die Vorschläge der Software für unsere Entwicklungsstrategien und Produktdefinition strikt verfolgen, gäbe es keine Innovation»

    Marc Lyon

    So schlicht wie überzeugend – neue Konzepte
    Hat man das Potenzial eines Ortes eruiert, geht es darum, ein zukunftsgerechtes Konzept zu entwickeln. Wir kann das aussehen?

    Da eine automatische Preissteigerung von den Nutzern heute nicht mehr ohne weiteres akzeptiert wird, steht die Flächeneffizienz im Fokus der Entwickler. Erreicht wird sie zum Beispiel durch Flächenreduktion, kompakte Grundrisse, Vorfabrikate, standardisierte Bauprozesse und den Verzicht auf Gadgets. Was dabei herauskommt, muss nicht Null-acht-fünfzehn sein. «Man kann auch an schwierigen Lagen mit schlichter, aber überzeugender Architektur und einer günstigen Produktion mit lokalen Unternehmen eine gute Qualität erreichen», ist die Erfahrung von Tobias Rotermund. So seien grosse Balkone beliebt und nicht zwangsläufig teuer, eine gute Möblierbarkeit mache die fehlenden Quadratmeter wett und Architektur könne so schlicht wie überzeugend sein.

    Man kann auch an schwierigen Lagen mit schlichter, aber überzeugender Architektur und günstiger Produktion eine gute Qualität erreichen»

    Tobias Rotermund

    Was die Vielfalt der Wohnungstypologien betrifft – die ist zwar teurer in der Erstellung, nützt aber langfristig der Vermietung. Weitere Komponenten, die sich auf die Wohnqualität auswirken, sind Erreichbarkeit, Aussenraumgestaltung, Nachhaltigkeit, Mobilität oder Nachbarschaft. «Es gibt einen ganzen Strauss von Möglichkeiten, um das Mietwohnen zu diversifizieren und sich am Markt positiv hervorzuheben», sagt Valentin Müller von der UTO Real Estate Management AG. «Hierzu zählen Wohntypologien, die auf eine spezifische Zielgruppe fokussieren sowie integrierte Mobilitätskonzepte, die die Wohnungen mit dem Umfeld optimal vernetzen. Und nicht zu vergessen: die Siedlungsqualität. Wir sprechen hier von ‹Lebensraum›, von Räumen mit hoher Aufenthaltsqualität. Dafür braucht es Konzepte. Mit einer guten Überbauung kann man eine gute Mikrolage schaffen, die den menschlichen Bedürfnissen entspricht».

    Aber welche Bedürfnisse hat die konkrete Zielgruppe am konkreten Ort? Wollen die Leute repräsentative Architektur oder sich mit dem Ort, an dem sie leben, identifizieren? Legen sie Wert auf nachbarschaftlichen Austausch oder bevorzugen sie Privatheit? Nehmen sie als Kompensation für die B- oder C-Lage den üppig begrünten Aussenraum in Kauf? … Wer bestimmt, was Qualität ist? Die Architekturelite? Die Nutzer?

    Dass der Einbezug der Betroffenen die Akzeptanz und die Qualität eines Projektes fördert, ist eine zentrale Erkenntnis in der Immobilienkommunikation. Damit wird neben der Qualität des Produktes auch die Qualität des Entwicklungsprozesses wichtiger.

    «Ob ein Projekt akzeptiert wird, liegt nicht zuletzt am Einbezug der Bevölkerung»

    Claudia Siegle

    «Der frühe Einbezug der Bevölkerung in das Projekt Mattenhof in Luzern Süd hat sich gelohnt», sagt Claudia Siegle von der Mobimo Management AG. «Wichtig ist, dass sich die Leute mit dem Ort, an dem sie leben, identifizieren können. Dazu gehört in diesem Fall das Entstehen von Nachbarschaften. So lebt man im Mattenhof nicht einfach in einem Wohngebäude, sondern in einem gemischt genutzten Quartier, wo man sich beispielsweise durch Apps miteinander vernetzen kann». Auch für Tobias Achermann, ehem. CEO der Zug Estates AG, hat sich der Dialog mit den Betroffenen bewährt: «Bei der Weiterentwicklung des Stadtteils ‹Metalli› haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, die Zuger Bevölkerung einzubeziehen. Über eintausend Menschen brachten sich mit ihren Gedanken und Vorschlägen ein. Dieses Vorgehen sehe ich als Grundstein für den weiteren Verlauf eines Projektes an».

    Die Bevölkerung einzubeziehen nützt nicht nur dem Produkt und seinen zukünftigen Nutzern, sondern auch der politischen Akzeptanz. Zum Beispiel taucht die Behauptung, dass zu viel gebaut wird, regelmässig in den Medien auf und ist in Abstimmungskämpfen ein schweres Argument: «Oft wird die Bauwirtschaft als Treiber eines Wachstums wahrgenommen, das man nicht überall begrüsst ̶ insbesondere in den peripheren und ländlichen Gebieten haben die Menschen den Eindruck, dass vorrangig gebaut wird, weil Investoren Geld anlegen müssen und nicht, weil es einem Bedürfnis entspricht. Die Betroffenen an einem Projekt mitwirken zu lassen und echte Bedürfnisgerechtigkeit herzustellen, erhöht nicht nur die Qualität, sondern auch die gesellschaftliche und politische Akzeptanz eines Projektes», ist die Erfahrung von Werner Schaeppi, Experte für Bau- und Immobilienkommunikation.

    Innovation gegen Bürokratie – Sorgenkind Erdgeschoss
    Die Entwicklung der Branche hat dazu geführt, dass sich nicht nur die Immobilienprojekte, sondern auch deren Ersteller positionieren müssen. Zum Beispiel durch Innovationen, wie einem CO2-freien Energiesystem und dem Bauen mit Holz in der «Suurstoffi» in Rotkreuz, die Tobias Achermann als Beispiel nennt. Oder durch innovative Mobilitätskonzepte, die von der UTO Real Estate Management AG entwickelt und umgesetzt werden. Überhaupt habe sich das Unternehmen Innovation auf die Fahnen geschrieben, sagt Valentin Müller. Diese sei ein Mind-Set, das in der Unternehmenskultur fusse und in die Entwicklungsprojekte einfliesse. Allerdings bräuchten neue Konzepte auch einen langen Atem, zum Beispiel beim Spiessrutenlauf durch die Reglementendichte.

    Sorgenkind Nummer eins der Entwickler sind die Erdgeschossnutzungen. Erdgeschosse durch gewerbliche Nutzungen zu beleben, ist schwierig, das wird sich mit dem zunehmenden Online-Handel und Wandel des Detailhandels noch verschärfen. Auch sind die Hygienemassnahmen im Kontext von neuen Viren wie Covid-19 schwer abschätzbar, so würden zum Beispiel langfristige Richtlinien wie Abstandsregeln den Flächenbedarf im Gewerbe erhöhen. Gerade für die Erdgeschossnutzungen braucht es also innovative Konzepte, die aber oft an den langlebigen Planungsinstrumenten scheitern. Denn wenn ein Bebauungsplan zehn bis fünfzehn Jahre alt ist, entspricht er unter Umständen nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

    «Warum soll es in Erdgeschossen zum Beispiel keine Wohnnutzung geben?», fragen die Entwickler. Dass gewerbliche Erdgeschossnutzungen per se viel Fussverkehr erzeugen, sei eine romantische Vorstellung. Erdgeschosse müssten situations- und lagegerecht sein und zur Quartierinfrastruktur passen. «Man muss sich fragen, ob die Überbauung mit einer Erdgeschossnutzung attraktiver wird», fasst Roland Thoma von der HIG Immobilien Anlage Stiftung zusammen. «Ein Buchladen ist zwar nicht attraktiv für die Rendite und muss quersubventioniert werden, aber er kann dem Quartier vielleicht einen Mehrwert bieten».

    «Innovation fusst in der Unternehmenskultur und fliesst in die Projekte ein»

    Valentin Müller

    Hochbau und Homeoffice – ein Blick in die Glaskugel
    Wie geht es weiter? Wird der Markt in zwanzig, dreissig, fünfzig Jahren gesättigt sein, und braucht es dann andere Anlagetätigkeiten? Gemäss den Teilnehmern des HIG-Expertengesprächs wird es im Bereich Hochbau eine Verlagerung vom Neubau zur Modernisierung, Sanierung, Aufstockung und Umnutzung geben. Der Bereich Infrastruktur wird mit öffentlichen Bauten wie Spitälern und Bahnunterhalt etc. wachsen, und auch das Thema Nachhaltigkeit wird sich weiter etablieren. «Heute gehören bei der Entwicklung eines Projektes gewisse Nachhaltigkeitsgrundsätze dazu», meint Tobias Achermann. Zudem sei altersgerechtes Bauen ein grosses Thema: «Bis 2030 wird die Altersgruppe 65plus um dreissig Prozent zunehmen. Als Investor und Entwickler setzt man auf die richtige Karte, wenn man sich in diesem Segment mit entsprechenden Infrastruktur- und Community-Konzepten positioniert», so Achermann.

    «Wenn man sich heute im Bereich altersgerechtes Bauen positioniert, setzt man als Investor und Entwickler auf die richtige Karte»

    Tobias Achermann

    Am Thema Homeoffice scheiden sich die Geister. Die Entwickler berichten, dass der gemeinsame kreative Prozess während des Corona-Lockdowns enorm gelitten hätte. So mussten zum Beispiel Studienaufträge verschoben werden, weil die Architekturbüros im virtuellen Austausch nicht so produktiv wie gewohnt sein konnten. Andere Bereiche funktionieren hingegen sehr gut im Homeoffice. Sie eröffnen das Potenzial für eine Zukunft, in der es eventuell neue Arbeitsformen, zumindest aber weniger Pendelverkehr gibt. Wie dieses Potenzial genutzt wird, ist im Moment nicht absehbar. Einerseits holen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück in die Unternehmensräumlichkeiten, andererseits treiben Branchen wie die New Economy den Trend Homeoffice voran. Für das Bauen der Zukunft würde Homeoffice mehr Fläche und Nutzungsflexibilität bei den Wohnräumen erfordern, was aber mit der Bestrebung, kostengünstig durch Flächenreduktion zu bauen, kollidiert.

    Noch einmal zurück zu den Erdgeschossen: Wären hier zum Beispiel Co-Working Spaces denkbar, die das Modell Homeoffice erweitern? Vielleicht im Rahmen einer Sharing-Economy, oder auch nicht-kommerziell in Erweiterung des klassischen Gemeinschaftsraumes? Hierzu gibt es bei einigen Entwicklern konzeptionelle Gedanken, die aber damit stünden und fielen, ob es gelänge, die Behörden mit ins Boot zu holen. Als Entwickler die Entwicklung abzuwarten, sei jedenfalls selten die richtige Haltung. ■

    *Bundesamt für Statistik BFS, erhoben am 1.6.2019, www.bfs.admin.ch

  • «Wegen der Corona-Krise werden wohl alle Investitionsvorhaben aufs Eis gelegt»

    «Wegen der Corona-Krise werden wohl alle Investitionsvorhaben aufs Eis gelegt»

    Herr Allemann, seit langem ist in der Schweizer Hotellerie ein Strukturwandel im Gang mit Trend zu grösseren Hotelbetrieben. Dennoch verfügen knapp 90 Prozent der Hotelbetriebe über weniger als 55 Betten. Wie begegnen diese Betriebe diesem Wandel?

    Das grösste Problem sind Betriebe mit zehn bis zwanzig Zimmern, die über 15 bis 30 Betten verfügen. Diese Häuser haben Mühe, rentabel zu sein. Viele Kleinbetriebe weisen jedoch einen sehr starken Gastronomieanteil auf, der zum Teil über achtzig Prozent des Umsatzes generiert. Dort zählt die Hotellerie nicht zum Hauptgeschäft.

    Hotelgäste werden immer anspruchsvoller. Wie können die in die Jahre gekommenen Hotels diesem Trend gerecht werden?

    Das ist tatsächlich ein Problem. Wir haben in der Schweiz viele Betriebe, welche Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut worden sind. Diese verfügen oft über weniger als dreissig Zimmer und sind sehr unterhaltsintensiv. Falls sie sich in Destinationen befinden, die heute nicht mehr so attraktiv sind, wie zum Beispiel Transitrouten, ist das ein erschwerender Umstand. Fehlende Frequenzen führen dann automatisch zu Rentabilitätsproblemen und aufgestautem Unterhalt.

    Benötigt der Betrieb eines Hotels hohe Investitionen?

    Ja, denn die Hotellerie ist sehr anlageintensiv. Ein Hotel sollte nach dreissig bis vierzig Jahren vollständig erneuert werden. Je nachdem wie trendorientiert oder traditionell zeitlos sich ein Hotel architektonisch mit seiner Ausstattung im Markt positioniert sind vor allem bei den Zimmern kürzere Erneuerungszyklen notwendig.

    Verfügen die Hotels generell über die nötigen finanziellen Mittel, um die anfallenden Renovationen und Sanierungen vorzunehmen?

    Grundsätzlich sollten die Investitionen aus dem Cash Flow finanziert werden. In den letzten Jahrzehnten wurde dies für viele Betriebe auch wegen der verschiedenen Krisen zunehmend schwierig. Momentan natürlich besonders wegen der Corona-Krise. Im Luxus-Bereich finden sich oft Mäzene, die sich entweder in das Haus oder in die Region verliebt haben und bereit sind, in Hotelimmobilien zu investieren. Die Motivation ihrer Investitionen sehen sie nicht allein betriebswirtschaftlich an, sondern als «A-fonds-perdu-Beitrag. Damit erreichen deren Hotelbetriebe ihre ausserordentliche Positionierung im Markt. Das kritische Segment sehe ich in den Mittelklasse-Hotels, die wegen mangelnder Auslastung oder ungenügender Positionierung die notwendigen Investitionen nicht tätigen oder nur über eine Fremdverschuldung generieren können.

    Unterstützt ihr Verband finanziell die Renovationen von Hotels?

    Nein, dies ist nicht die Aufgabe des Verbandes; wir hätten auch nicht die notwendigen Mittel dazu. Der Verband verfügt über die Angebotskompetenz und unterstützt seine Mitglieder, wettbewerbsfähig zu sein. Wir haben ein Netzwerk von spezialisierten Beratungsunternehmen aufgebaut, das unsere Mitglieder in verschiedensten Themenbereichen unterstützen kann. Ebenso arbeiten wir sehr eng mit der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) zusammen, welche über die spezifische Finanzierungskompetenz verfügt.

    Das heisst?

    Die SGH ist ein Instrument des Bundes zur Förderung der Beherbergungswirtschaft. Sie kann nachrangig zu den Banken und subsidiär zu privaten Geldgebern den Hotels im Fremdenverkehrsgebieten und Kurorten Darlehen für Investitionsvorhaben gewähren.

    Welche weiteren Herausforderungen gilt es anzupacken?

    Nachfolgeregelungen sind bei Betrieben mit Investitionsstau und / oder Überschuldung besonders schwierig. Innerhalb der Familie ist dies praktisch nicht möglich oder den Kindern auch nicht zumutbar. Umnutzungen von Hotelliegenschaften sind seit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative praktisch nicht mehr möglich. Gerade bei denkmalgeschützten Liegenschaften stellt auch ein Abriss keine Option dar. Gesamtsanierungen oder Teilumnutzung sind zudem aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes sehr kostspielig. Bleibt also noch die Hoffnung, einen Mäzen zu finden. Nur stehen diese leider auch nicht gerade vor der Türe. Sofern die Substanz des Hauses aber noch intakt ist und in der Destination ein Potenzial für eine Nachfrage besteht, sehe ich als Alternative aber den Zusammenschluss von mehreren Betrieben zu einer überbetrieblichen Kooperation als Chance aus diesem Dilemma. So können beispielsweise über die Bündelung des Einkaufs Kosten gespart und mit gemeinsamen Marketingaktivitäten mehr Umsatz erzielt werden.

    Was raten Sie einem Hotelier: Renovieren, abreissen oder versuchen, einen Kredit zu erhalten?

    Schauen Sie, ein Kriterium ist die vorhandene Bausubstanz, gerade bei Hotels aus der Jahrhundertwende. Ist jedoch nur noch die Hülle historisch, bietet dieses Hotel für den Gast kaum Anreize, hier abzusteigen. Um ein geschichtsträchtiges Haus am Leben zu erhalten, braucht es viel persönliches Engagement. Zuerst ist es wichtig, sich mit der Zeitepoche des Hotelbaus auseinanderzusetzen. Hierfür ist eine gewisse Affinität zu der Geschichte des Hotels nötig. Diese muss auch erzählt werden. So braucht es jemanden der bereit ist, die Einrichtung des Betriebes sanft und mit viel Fingerspitzengefühl zu renovieren und auf den Stand der heutigen Gästebedürfnisse zu bringen. ■

  • Diese Energiestrategie verfolgen Livit, Privera und die Steiner Gruppe

    Diese Energiestrategie verfolgen Livit, Privera und die Steiner Gruppe

    ImmoInvestch.ch hat bei drei CEOs grosser Immobilienunternehmen angeklopft. Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe, Dieter Sommer, CEO Privera sowie Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG, beantworten heute die Frage:

    Welche Strategie verfolgen Sie beim Thema Energie?

    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Als Gründungsmitglied des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) steht für Steiner die Energieeffizienz bei der Entwicklung und Realisierung von Immobilienprojekten stets im Mittelpunkt. Bei der Vaudoise Aréna in Lausanne wurde beispielsweise unter der Regie von Steiner ein Konzept umgesetzt, das die bei der Eisproduktion für die Eisfelder anfallende Abwärme der Kältemaschinen zur Beheizung der Schwimmbecken nutzt. Und beim neuen Spitalgebäude des Hôpital Riviera-Chablais in Rennaz liefern 3300 Sonnenkollektoren auf dem Dach an sonnigen Tagen einen Grossteil des benötigten Stroms. Alle unsere Bemühungen verfolgen ein Ziel: Die Effizienz – insbesondere auch die Energieeffizienz von Gebäuden – bei jedem Projekt zu erhöhen und einen möglichst nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu pflegen.

    Dieter Sommer, CEO Privera: Einerseits wollen wir als Unternehmung unseren Beitrag zu einem schonenden Umgang mit unseren Ressourcen leisten. Beispielsweise konnten wir die Möglichkeit für Homeoffice-Arbeit unserer Mitarbeitenden durch die Digitalisierung von Prozessen und Unterlagen deutlich steigern. Dadurch können wir unsere Fahrtkilometer reduzieren und sind somit ressourcensparender. Andererseits beraten wir unsere Kunden und Auftraggeber rund um das Thema Energie im Rahmen unserer Servicelines.

    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Grundsätzlich stehen wir unseren betreuten Eigentümern als Dienstleister zum Thema Energie beratend zur Seite. Die Nachhaltigkeit ist für die Investoren seit geraumer Zeit ein grosses Thema. Die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden gewinnt an Bedeutung. So werden Strategien und Baurichtlinien in Bezug auf die Nachhaltigkeit bei Neubauten sowie Renovationen erstellt. Im Zusammenhang mit dem Thema Energie setzen wir uns mit energetischen Betriebsoptimierungen, zentraler Energiebeschaffung, Aufbau von Photovoltaik-Anlagen sowie dem Aufbau von Energiemonitorings- und Controllings auseinander. Dabei spielen die Nutzerinformationen zwecks positiver Beeinflussung des Verbrauchs eine wichtige Rolle. Von uns erstellte Nutzerinformationsblätter für die Mieter sollen den Energieverbrauch ebenfalls positiv beeinflussen.

  • Diese Projekte sind bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe in der Pipeline

    Diese Projekte sind bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe in der Pipeline

    Heute beantworten Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG, Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe sowie Dieter Sommer, CEO Privera, die Frage:

    Welches grössere Projekt haben Sie in nächster Zeit geplant?

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    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Die Livit richtet sich weiter digital aus. Dabei steht elementar der Kundennutzen im Fokus. Mit dieser Zielsetzung stehen Projekte wie die Einführung eines Customer Services, die Entwicklung eines Mieter- und Eigentümerportals sowie der digitale Arbeitsplatz im Vordergrund.

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    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Das Glasi-Quartier, unser derzeit grösstes Projekt, befindet sich in Bülach direkt beim Bahnhof. Hier entsteht auf einem rund 42‘000 m² grossen Areal ein neues Stadtquartier mit mehr als 500 Wohnungen, einem Wohn- und Pflegezentrum, einem Hotel und über 20 000 m² Gewerbe- und Dienstleistungsflächen. Bereits im kommenden September werden wir die Aufrichte des Glasi-Quartiers feiern. Darüber hinaus verfolgen wir ähnliche Entwicklungsprojekte in anderen Regionen – so beispielsweise das Bell Areal in Kriens und das Feldmühle Areal in Rorschach, wo wir alte Industriebrachen in neue städtische Quartiere transformieren wollen.

    Dieter Sommer, CEO Privera: Wir verfolgen auf Unternehmensebene stets mehrere Projekte, um uns stetig weiterzuentwickeln. Aktuell planen wir die Einführung einer neuer Bewirtschaftungssoftware. Zudem beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir uns als Unternehmen und unsere Dienstleistungen noch nachhaltiger gestalten können.

  • «Digitalisierung first» bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe

    «Digitalisierung first» bei Livit, Privera und der Steiner Gruppe

    Heute beantworten Dieter Sommer, CEO Privera, Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG und Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe, die Frage:

    Wie treibt Ihr Unternehmen die Digitalisierung voran?

    Dieter Sommer, CEO Privera: Wir sind seit geraumer Zeit daran, unsere Systeme und Prozesse zu digitalisieren. Wir waren beispielsweise einer der ersten Dienstleister, der – zusammen mit einem externen Partner – ein Mieterportal lancierte und den gesamten Bewerbungsprozess für MietinteressentInnen digitalisierte. Als Dienstleister liegt die Digitalisierung im Bereich von Neubauten nicht in unserer Kompetenz. Als innovativer Partner können wir hier aber Unterstützung für Investoren und Ersteller bieten.

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    Andreas Ingold, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Livit AG: Die Livit bekennt sich zur digitalen Ausrichtung mittels verschiedener bereits realisierter und in den nächsten Jahren umzusetzender Projekte. Hinsichtlich der Digitalisierung in Neubauten entscheiden die Eigentümer, in welcher Ausprägung sie die Digitalisierung vorantreiben und umsetzen wollen. Building Information Modeling (BIM) ist in der Schweiz zwar noch nicht sehr fortgeschritten, wird aber inskünftig die vernetzte Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden wesentlich beeinflussen. Bei bestehenden Gebäuden wird aktuell stark auf die Digitalisierung von Mietpreismodellierungen, Grundrissplänen und 3D-Modellierung gesetzt.

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    Karsten Hell, CEO Steiner Gruppe: Bei Steiner befasst sich ein spezialisiertes Team professionell mit den Themenkomplexen BIM, Digitalisierung, Automatisierung etc. Damit sorgen wir für ein strukturiertes Vorgehen im digitalen Bereich. Seit längerem werden alle von Steiner entwickelten Projekte nach der innovativen BIM-Methode konzipiert. BIM ist ein modellbasierter Prozess, um Gebäude und Infrastrukturen auf Basis von digitalen Informationen optimal planen, bauen und betreiben zu können. Die frühzeitige Integration der Ausführungsabteilung bereits in der Entwicklungsphase hat sich dabei als klarer Vorteil für die spätere Umsetzung herausgestellt. Zum Bereich Digitalisierung zählen auch weitere neue Technologien wie Smart Home, die wir bei immer mehr Neubauprojekten integrieren.

  • «Wir halten nichts von einer politischen Lösung»

    «Wir halten nichts von einer politischen Lösung»

    Wie hat sich der Immobilienmarkt seit Beginn der Coronakrise verändert?
    Marcel Hug: In der Bewirtschaftung hat die Arbeit massiv zugenommen. In der Vermarktung sehen wir das Gegenteil: Dieser Bereich ist praktisch zum Erliegen gekommen.

    Welche Bereiche des Immobilienmarkts sind besonders betroffen?
    Vor allem auch die Bewirtschaftung – gerade zum Zügeltermin per Ende März fuhr das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) einen Schlingerkurs. Wir vom SVIT mussten relativ kurzfristig eine Kampagne bewerkstelligen, um zu überzeugen, dass man auch unter Coronabedingungen zügeln kann. Eines unserer grossen Mitglieder, die Livit, hatte Ende März über 1000 Wohnungswechsel. Nur zwei Umzüge konnten nicht stattfinden. Hier wurde seitens Mieterverbände aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Auf die nächsten Zügeltermine hin wird sich diese Thematik sicher normalisieren. Aktuell stehen die Diskussionen rund um die Mietzinsreduktion bei den Geschäftsmieten im Vordergrund. Hier sehen wir eine der grössten Herausforderungen.

    Was sind aktuell die grössten Probleme der SVIT-Mitglieder?
    Unsere Mitglieder sind hauptsächlich Bewirtschaftungsunternehmen. Bei der Diskussion um mögliche Mietzinsreduktionen sind sie in der Rolle des Vermittlers zwischen Eigentümern und Geschäftsmietern. Aus diesem Grund haben wir auf unserer Webseite entsprechende Hilfsmittel bereitgestellt. Mitglieder können beispielsweise nachschauen, welche Geschäftsmieter überhaupt betroffen sind, wie man bei den Verhandlungen am besten vorgehen soll usw. Auch bei Stockwerkeigentum- Verwaltungen herrscht zurzeit grosse Unsicherheit: Wann können/dürfen Eigentümerversammlungen wieder stattfinden? Auch bei Mietern sehen sich unsere Mitglieder mit sehr vielen Fragen konfrontiert. Darunter zum Beispiel, ob die Benutzung der Gemeinschaftswaschmaschine in Coronazeiten sicher ist. Wir haben eine lange Liste von FAQs auf unserer Homepage aufgeschaltet. In solchen Zeiten ist das Bedürfnis nach Sicherheit und Antworten auf die drängenden Fragen enorm hoch.

    Wie lautet Ihre konkrete Empfehlung bei der Diskussion um Mietzinsreduktionen bei den Geschäftsmieten?
    Wir plädieren dafür, der Verhandlungslösung zuerst wirklich eine Chance zu geben. Der Bundesrat hat diese Lösung empfohlen – doch bevor sie überhaupt umgesetzt werden kann, wird diese bereits als untauglich kritisiert. Niemand kann aktuell statistische Zahlen präsentieren. Nach unserem Kenntnisstand laufen die Verhandlungen.

    «Es könnte zu Gerichtsfällen kommen»

    Hätten Sie sich eine klare Regelung seitens des Bundes gewünscht?
    Wir halten aktuell nichts von einer politischen Lösung via Notrecht, das ja immer einen Eingriff in das bestehende Privatrecht darstellt. Wir stehen allerdings den kantonalen Lösungen offen gegenüber. Die gängigste geht in der Tendenz zur Drittel-Lösung: 1/3 der Miete übernimmt der Mieter, 1/3 der Vermieter und 1/3 der Staat. Wenn die Verhandlungslösungen auf Bundesebene tatsächlich scheitern sollten, könnte man immer noch auf eine solche Lösung zurückgreifen. Auch die im Raum stehende 70:30-Lösung (70 Prozent Erlasse der Miete) lehnen wir ab. Vordergründig einfache Regelungen sind aus unserer Sicht schlicht nicht möglich. Es stellen sich bei jeder politischen Lösung sofort zahlreiche Detailfragen: Was macht man mit gestaffelten oder indexierten Mieten, was mit den Parkplätzen, was mit einem Fitnesscenter, das im hinteren Bereich noch Büros hat, wie behandelt man ein Restaurant, welches zusätzlich ein Take-Away anbietet? So einfach, wie sich gewisse Politiker die Lösung vorstellen, ist diese am Ende eben auch nicht.

    Was für eine kantonale Lösung würden Sie sich denn wünschen?
    Alle kantonalen Lösungen, welche auf Verhandlungen basieren, finden wir grundsätzlich positiv. Solange nicht beide Parteien (Mieter/Vermieter) zu einer Einigung kommen, springt auch der Staat nicht ein. Wir plädieren für die Verhandlungslösung und erhalten von verschiedenen Seiten Signale, dass man damit erfolgreich ist. Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Und bis wir sie haben, halten wir andere Lösungen als die der Verhandlungen für falsch.

    Was, wenn trotz allem keine Einigung gefunden werden kann?
    Dann wird es Gerichtsfälle geben. Die Frage lautet in diesem Fall: Handelt es sich um einen Mangel an der Mietsache oder nicht. Hier scheiden sich die Geister, Juristen sind sich uneinig. Entscheide vor Gericht wären zwar unschön, aber am Ende wohl die Konsequenz daraus. Auch die Lösung der Schiedsgerichte halte ich nicht für die Richtige. Die Rechtslage ist in diesem Fall so unklar, dass sich auch diese Juristen nicht auf Präzedenzfälle staatlicher Gerichte beziehen können. Im Gegensatz zu den Schiedsgerichten haben Gerichte eine staatliche Legitimation mit demokratisch legitimierten, neutralen Richtern und so per Se eine erhöhte Glaubwürdigkeit. Es ist ihre Aufgabe das Recht auszulegen.

    «Wir waren selber erstaunt, um wie viel Geld es geht.»

    Wie ist das Feedback Ihrer Mitglieder bei den Verhandlungslösungen – sind sie erfolgreich?
    Es lässt sich noch keine klare Tendenz erkennen. Ich habe mit grossen Unternehmen wie Livit, Privera, Wincasa usw und mit unseren KMU Kontakt. Die institutionellen Eigentümer brauchen aufgrund der grossen Menge an Mietverträgen eine klare Linie. Die Credit Suisse beispielsweise hat Mietzinse erlassen. Die Swiss Life prüft jeden Einzelfall und hilft vor allem den kleineren Gewerbebetrieben mit einer Mietzinsreduktion. Die Raiffeisen-Gruppe wiederum hat allen betroffenen Geschäftsmietern für drei Monate die Miete erlassen. Generell ist aber keine Einheitlichkeit zu erkennen. Ich höre, dass auch bei den KMUs ein Entgegenkommen stattfindet. Dort kennen sich Mieter und Vermieter in der Regel persönlich und die Verhandlungen finden statt. Die Solidarität ist in der KMU-Welt gross. Dementsprechend höre ich aus diesem Bereich viel Positives.

    Wo liegt das Problem der Vermieter, die solchen Forderungen nicht nachkommen wollen oder können?
    Wir haben auf der Vermieterseite unterschiedliche Situationen. Es gibt Vermieter, die auf den Mieterlös existentiell angewiesen sind. Wenn jemand beispielsweise ein Mehrfamilienhaus als Altersvorsorge hat und dort ein Coiffeursalon eingemietet ist, wird er nicht so einfach auf die Miete verzichten können. Hingegen gibt es private Eigentümer, die sich einen solchen Mietzinserlass leisten können und dementsprechend nicht in eine Notsituation geraten. Auch hier zeigt es sich, dass pauschale Lösungen zu unerwünschten Resultaten führen würden.

    Eine Studie im Auftrag des SVIT zeigt: Mit jedem Tag Stillstand stehen betroffene Gewerbe- und Verkaufsbetriebe fälligen Mietzinsen von 15 Mio. Franken gegenüber. Eine enorm hohe Zahl.
    Mit dieser Studie wollten wir zu Versachlichung der Thematik beitragen. Wir waren selber erstaunt, um wie viel Geld es tatsächlich geht. Unsere Mitglieder sind froh über die Studie. Damit kann gezeigt werden, dass dieses Thema angegangen werden muss und eine volkswirtschaftliche Relevanz hat. Viele unserer Mitglieder stehen zwischen den Ansprüchen des Eigentümers und des Mieters. Diese Situation bringt es mit sich, dass ein grosser Druck auch auf unseren Bewirtschaftern lastet. Auch wenn der Lockdown vorbei ist, wird dieses Thema uns wohl noch länger begleiten. Unsere Mitglieder wünschen sich zufriedenstellende Lösungen für beide Parteien.

    Soll man jetzt sein Eigenheim oder seine Gewerbeliegenschaft verkaufen beziehungsweise kaufen?
    Ich glaube, dass die Coronakrise ein kurzfristiges Ereignis ist. Eine Investition ins Eigenheim oder in eine Gewerbeliegenschaft ist hingegen etwas Langfristiges. Ich halte einen Kauf/Verkauf zu diesem Zeitpunkt für genauso gut oder schlecht wie vor zwei oder drei Monaten. Grundsätzlich sind Immobilien immer eine gute und relativ risikoarme Möglichkeit, um zu investieren – das sieht man, wenn man einen Blick auf die Börse wirft. Natürlich muss man bei einer Gewerbeliegenschaft jeweils prüfen, ob sie marktgängig ist. Derzeit sehen wir aber situationshalber sehr wenige Transaktionen. Wobei ich nicht glaube, dass die Coronakrise einen relevanten Einfluss auf aktuelle Verkaufspreise hat.

    «Den politischen Druck spüren wir auch im bürgerlichen Lager»

    Wird die Coronakrise den Immobilienmarkt langfristig verändern?
    Der Onlinehandel hat mit der Coronakrise nochmals einen Boom erlebt. Die Retailflächen dürften in Zukunft noch mehr unter Druck kommen. Das Thema Homeoffice wird zudem einen Einfluss auf die Büroflächen haben. Jetzt erleben viele Unternehmen, wie gut die Arbeit im Homeoffice funktioniert. Müssen die Mitarbeitende später nur noch ein- oder zweimal wöchentlich im Büro erscheinen, sind Unternehmer nicht mehr auf einen zentralen Standort wie etwa die Innenstadt angewiesen. Die zentralen Büroflächen werden meines Erachtens unter Druck geraten.

    Wie gross wird Ihres Erachtens der Schaden für die Immobilienbranche sein?
    Der Schaden wird vorübergehend sein. Bei den Bewirtschaftern besteht dieser vor allem in mehr Arbeit zum selben Honorar. Es gibt aber auch die Verbindung Bewirtschaftungsvertrag und Mietzinsen. In der Regel erhalten die Bewirtschafter einen bestimmten Prozentsatz der Mietzinsen als Honorar. Nehmen die Leerstände oder Mieterlasse zu, entfallen dem Bewirtschafter einen Teil der Honorare. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass unsere Branche gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

    Man liest oft, dass die Immobilienbranche verhältnismässig gut wegkommen dürfte. Teilen Sie diese Einschätzung?
    Das kommt immer darauf an, mit wem Sie es vergleichen. Die Branche ist
    sicher kein Profiteur, aber auch nicht so stark wie beispielsweise der Tourismus oder die Gastronomie betroffen. Wir stellen fest, dass das in gewissen Medien dargestellte Bild der reichen Immobilieneigentümer, welche als Einzige ungeschoren aus der Krise kommen wollen, uns in der politischen Arbeit nicht hilft. Wir spüren, dass der politische Druck auch im bürgerlichen Lager erheblich ist, da das betroffene Gewerbe stark unter den coronabedingten Folgen leidet. Grundsätzlich ist aber die Investition in Immobilien meines Erachtens ein langfristig sinnvolles Engagement. Das sieht man auch, wenn man sich die letzten 30 Jahre anschaut. Das vielbesagte Platzen der Immobilienblase sehe ich nicht auf uns zukommen. Genauso wenig wie die seit Jahren angekündigte Zinswende. Genau solange die Immobilienpreise steigen, wird das Platzen der Blase prophezeit. Ich halte mich da lieber an Fakten als an Prognosen.

    Wo sehen Sie die Chancen nach Corona?
    Ganz klar in der Digitalisierung, beschleunigt durch die aktuelle Lage. Hier wird es nochmals einen Schub geben. Ich sehe hier grosse Chancen für eine Effizienzsteigerung in der Branche.

  • Beny Ruhstaller: «Auch die SVSM ist jetzt gefordert»

    Beny Ruhstaller: «Auch die SVSM ist jetzt gefordert»

    Im Moment befindet sich die Schweiz, ja die ganze Welt in einer Situation, wie wir sie noch nie erlebt haben. Die Corona-Krise wird auch die Standorte und die Immobilien-Wirtschaft hart treffen. Bereits jetzt sind neue Lösungen für bisher scheinbar in Stein gemeisselte Aufgaben und Prozesse nötig. So findet auch die Generalversammlung der Schweizerischen Vereinigung für Standortmanagement SVSM virtuell statt – und unseren Hauptanlass, den Tag des Standortmanagements, mussten wir mit grossem Bedauern absagen.

    Die Standortförderer in der Schweiz müssen auch in „normalen“ Zeiten mit bescheidenen Mitteln möglichst viel für ihre Standorte leisten. In der aktuellen Krise sind sie noch stärker auf sich alleine gestellt; Rückhalt und Wertschätzung fehlen vielerorts. Doch gerade jetzt, wo praktisch alle Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen schliessen mussten, werden von den Standort- und Wirtschaftsförderungen Wunder erwartet. Nun gilt es, zusammenzustehen: Der Fokus liegt im Moment auf dem Regionalen, dem Lokalen – was auch eine Chance sein kann, wenn die Beschränkungen für das Gewerbe wieder gelockert werden.

    Die Rückkehr zur «Normalität» nach der Corona-Pandemie wird auf jeden Fall keine Rückkehr in die gleiche Realität sein, wie wir sie bis anhin kannten. Weiterhin – und dann erst recht – werden innovative Lösungen, «Querdenken» und kreative Ideen gefragt sein; auch im Standortmarketing und in der Wirtschaftsförderung. Ohne in Zweckoptimismus verfallen zu wollen: In diesem Sinne kann die aktuelle Situation durchaus als Chance für hoffentlich positive Veränderungen gesehen werden.

    Wir als Verband werden versuchen, unsere Mitglieder bestmöglich bei den aktuellen und noch kommenden Herausforderungen zu unterstützen – sei es mit Informationen, mit Lobbying oder mit der Bereitstellung eines gut funktionierenden Netzwerkes.

  • Andreas Zettel: «Das neue Raumplanungsgesetz erfordert ein aktives Management der Entwicklungsschwerpunkte»

    Andreas Zettel: «Das neue Raumplanungsgesetz erfordert ein aktives Management der Entwicklungsschwerpunkte»

    Herr Zettel, der Kanton Luzern, alle Luzerner Gemeinden sowie Netzwerkpartner aus Wirtschaft und Industrie engagieren sich finanziell und ideell für einen wachsenden Wirtschafts- und Wohnstandort Luzern. Wie beurteilen Sie deren Erfolg?
    Wenn wir auf die letzten Jahre zurückblicken, beobachten wir eine dynamische Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Luzern. In den Jahren 2012 bis 2017 ist die Anzahl Unternehmen und Arbeitsplätze im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich gewachsen. Im erwähnten Zeitraum sind kantonsweit über 2 000 Unternehmen und über 15 000 Arbeitsplätze entstanden. Das ist ein nationaler Spitzenwert. Die gemeinsamen Anstrengungen haben sich also gelohnt. Auch letztes Jahr hat der Firmenbestand wiederum um über drei Prozent zugenommen.

    Was macht den Kanton Luzern denn besonders attraktiv?
    Ich würde die attraktive Kombination verschiedener Standortfaktoren in den Vordergrund rücken. Sie macht letztlich die Standortqualität aus. Nebst den stimmigen harten Faktoren wie tiefe Steuern, Verfügbarkeit von Arbeitskräften oder die gute Erreichbarkeit, ist der Kanton Luzern auch landschaftlich reizvoll und kulturell spannend. Jährlich besuchen viele Touristen die Region Luzern. Von den touristi-
    schen Angeboten profitiert direkt auch die lokale Bevölkerung.

    Zurück zu den harten Fakten. Gibt es noch Flächen, welche für Firmenansiedlungen und Unternehmensentwicklungen zur Verfügung stehen?
    In der Tat hat sich der Markt in den letzten Jahren stark verändert. Die Verfügbarkeit von Baulandgrundstücken und entwickelten Arbeitsflächen ist eine zentrale Herausforderung der Zukunft. Das neue Raumplanungsgesetz gibt enge Grenzen vor. So sind Einzonungen nur noch unter bestimmten Bedingungen möglich. Folglich liegt der Fokus zukünftig klar in der Entwicklung nach Innen und auf die bessere Ausnützung von Flächen. Das betrifft in hohem Ausmass auch die Unternehmen, insbesondere das lokale KMU-Gewerbe. Namentlich die Immobilienwirtschaft ist gefordert, neue, attraktive und bezahlbare Angebote zu schaffen für diese Betriebe.

    Wo sehen Sie örtlich die Möglichkeiten für Neuansiedlungen?
    In den neuen Stadtzentren LuzernSüd und LuzernNord sind attraktive neue Flächen am entstehen. Im Zentrum der Stadt Luzern ist die Entwicklung räumlich limitiert, das heisst, hier erfolgt die Entwicklung im Rahmen von Arealentwicklungen, welche die letzten Baulücken füllen und sich in die bestehende Stadt eingliedern müssen. Aus regionaler Optik bedeutet dies, dass sich die Stadt Luzern als funktionaler Raum ausdehnt und neue, attraktive Stadtzentren in den umliegenden Gemeinden entstehen, welche hervorragend erschlossen sind und eine neue urbane Qualität bieten können. Persönlich sorge ich mich etwas um die reinen Arbeitszonen, diese wurden im Zuge der Innenentwicklung häufig einer anderen Nutzung zugeführt, ohne dass Ersatz entstanden ist. Diese Flächen fehlen dann dem Gewerbe.

    Also sind diese Flächen ein knappes Gut?
    Nun, dieser Eindruck kann tatsächlich entstehen. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass es im Kanton Luzern noch eine beträchtliche Anzahl von Grundstücken gibt, welche eingezont, aber noch nicht entwickelt sind. Hier ist die Frage, ob die Grundeigentümer überhaupt entwickeln möchten. Wir stellen eine gewisse Tendenz zur Baulandhortung fest, was klar nicht in unserem Sinne ist. Manchmal fehlt es aber nicht nur am Willen, sondern auch einfach am Wissen, wie man diese Flächen entwickeln könnte. Vor allem die Filetstücke müssen sehr clever und nachhaltig entwickelt werden, damit auch die nächste Generation maximal davon profitieren kann.

    Wie sieht die Entwicklungsstrategie im Kanton Luzern aus?
    Im aktuellen Richtplan wurden zwölf sogenannte kantonale Entwicklungsschwerpunkte (kurz ESP) definiert. Dabei handelt es sich um grossflächige Arbeitsplatzgebiete an gut erschlossenen Standorten. Dabei wird eine eine qualitative Entwicklung angestrebt, wobei insbesondere auch die Abstimmung von Siedlung und Verkehr eine wichtige Rolle spielt. Die ESP sind ein zentrales Element der Luzerner Standortpolitik und ein wichtiges Instrument der gemeinsamen Wirtschaftsförderung von Kanton und Gemeinden.

    Wo befinden sich diese Entwicklungsschwerpunkte?
    Sie orientieren sich aufgrund der wirtschaftlichen Potenziale an den Hauptverkehrsachsen des Kantons Luzern. Hauptsächlich befinden sie sich an gut erschlossenen Lagen, welche verkehrstechnisch gut liegen, mit dem Auto, aber auch mit dem ÖV.

    Wie ist der Stand dieser Entwicklungsschwerpunkte?
    Sehr unterschiedlich. Während etwa in der Stadtregion Luzern die bereits erwähnten Gebiete LuzernSüd und LuzernNord relativ weit fortgeschritten und bereits in der Umsetzung sind, besteht beispielsweise in den beiden Regionalzentren Hochdorf oder Willisau ein erhebliches Nachholpotenzial. Diese Gebiete sind es, welche in den nächsten Jahren vermehrt in den Fokus von Investoren und Entwicklern rücken werden.

    Wo kann man sich über die einzelnen Entwicklungsschwerpunkte informieren?
    Investoren und interessierte Unternehmen können sich bei uns melden, denn wir haben eine gute Übersicht über den Stand dieser Gebiete und kennen sämtliche Ansprechpartner. Zentral für die Entwicklung dieser ESP sind nebst den Standortgemeinden auch die vier regionalen Entwicklungsträger im Kanton Luzern. Das heisst LuzernPlus, Sursee-Mittelland, Region Luzern West und Idee Seetal. Das positive Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft ist ein Kernelement unserer gemeinsamen Wirtschaftspolitik. Dieses wollen wir weiter verbessern. ■

  • Walter Ineichen: «Integrale Energielösungen  steigern die Attraktivität von Immobilien»

    Walter Ineichen: «Integrale Energielösungen steigern die Attraktivität von Immobilien»

    Wofür steht Energie 360°?
    Die Energie 360° AG gehört zu rund 96 Prozent der Stadt Zürich und bringt Wärme, Kälte, Strom sowie Mobilität zu integralen Energielösungen zusammen und macht nachhaltige Energie in der gesamten Schweiz nutzbar. Die Kunden wollten zunehmend Wärme statt Gas kaufen, weshalb wir uns nach und nach neu ausrichteten. Ein Meilenstein war sicherlich das Ja der Stadt Zürich zur 2000-Watt-Gesellschaft im Jahr 2008. Seit 2014 sind wir unter dem neuen Namen Energie 360° aktiv. Heute versorgen wir die Stadt Zürich sowie rund 40 Gemeinden mit immer mehr erneuerbarem Biogas und erneuerbaren Energieverbünden. Zudem entwickeln wir für Neubau-Areale zusammen mit den Bauherren individuelle und integrale Energielösungen.

    Welches sind Ihre Hauptkunden?
    Wir arbeiten vor allem mit Gemeinden, Investoren, Bauherren sowie Architekten und Arealentwicklern zusammen. Bei Wohnbauprojekten kommen wir in der Regel ab 50 geplanten Wohnungen ins Spiel.

    Aus welchen Quellen stammt die Energie, die Sie anbieten?
    In der Stadt Zürich liefern in erster Priorität die Kehrichtheizkraftwerke Hagenholz und Josefstrasse Abwärme, welche in Form von 90 bis 120 Grad heissem Wasser über ein Leitungsnetz direkt in die Gebäude gelangt. Wo diese Energie nicht genutzt werden kann, greifen wir auf Umweltenergie wie Grund- oder Seewasser zurück. Weitere Quellen für Energieverbünde sind Holzschnitzel und Holzpellets. Für dezentrale Lösungen setzen wir oft Erdsonden- und Luftwärmepumpen ein.

    «Ölheizungen wird man eines Tages nicht mehr ersetzen dürfen»

    Warum sollen sich Kunden für eine nachhaltige Energielösung entscheiden und nicht auf eine vielleicht günstigere, «herkömmliche» Energieversorgung setzen?
    Wenn man es hart auf hart vergleicht, ist die fossile Energielösung kurzfristig gesehen aktuell oft noch günstiger. Eine Ölheizung zu ersetzen, kostet fast nichts, die CO2-Abgabe ist mit 95 Franken pro Tonne noch niedrig. Aber die CO2-Abgabe soll auf 210 Franken pro Tonne erhöht werden, und weitere verstärkte Anforderungen werden mit der Umsetzung der «Mustervorschriften» der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) erfolgen. Ölheizungen wird man eines Tages nicht mehr ersetzen dürfen, und der Preis für Öl und Gas schwankt stark.

    Wie unterscheidet sich Energie 360° von den Schwesterfirmen wie dem EWZ, ERZ und EKZ?
    Jedes Unternehmen ist ein Marktplayer, der ähnliche Segmente bedient, aber dennoch eine spezifische Ausrichtung hat. Wir fokussieren uns bei Energie 360° auf innovative, integrale und langfristige Energie- und Mobilitätslösungen, die individuell für die Bedürfnisse des Kunden entwickelt werden.

    Was verstehen Sie unter einer integralen Energielösung?
    Hier geht es darum, Synergien optimal zu nutzen. Idealerweise werden wir bei Bauprojekten schon in einer sehr frühen Phase hinzugezogen. Dann klären wir mit dem Bauherrn bzw. dem Investor die langfristigen Nutzungsabsichten und die Anforderungen an Wärme-, Kälte-, Strom- und Mobilitätsinfrastruktur ab. Diese Sektoren können bei einer integralen Energielösung optimal gekoppelt werden. Ebenfalls wichtig ist, ob eine spätere Umnutzung des Areals vorgesehen ist. Dazu bringen wir die Anforderungen des Bauherrn an Wirtschaftlichkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit in Erfahrung. Neubauten sollen für 50 oder sogar 100 Jahre genutzt werden können, weshalb sich bereits heute ein Bau gemäss den Leitlinien der Energiestrategie 2050 lohnt.

    «Von einer integralen Energielösung profitiert der Bauherr wie auch der Mieter»

    Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür, wie eine solche integrale Energielösung aussehen kann?
    Wir haben zum Beispiel für das Areal Stockacker in Reinach (BL), welches vier Mehrfamilienhäuser und insgesamt 77 Wohnungen umfasst, eine integrale Energielösung entwickelt. Sie beinhaltet Wärme, Kälte, Strom, Elektromobilität sowie Smart Solutions. Mit der Photovoltaikanlage werden die Wärmepumpen für die Erdsonden betrieben. Das Erdreich liefert damit die Energie zum Heizen. Über die Bodenheizung entziehen wir den Räumen im Sommer wiederum Wärme, welche wir den Erdsonden zuführen – das sogenannte Free Cooling. Die Erdsonden können sich dadurch regenerieren und die Bewohner profitieren gleichzeitig von einer leichten Abkühlung der Wohnräume. In der Garage werden wir bei 16 der 80 Parkplätze Ladestationen für Elektroautos installieren, welche über Solarstrom geladen werden. Nach Bedarf können später weitere Ladestationen hinzukommen.

    Wie profitieren die Bewohner und der Bauherr konkret von dieser Lösung?
    Die Bewohner bezahlen weniger für den Strom als bei einer konventionellen Energielösung, während der Bauherr von einer hohen Versorgungssicherheit und tieferen Investitionskosten profitiert. Ausserdem ist unsere Lösung sehr preisstabil und ökologisch: Wir konnten beispielsweise Erdsonden einsparen. Eine Erdsonde ist immer mit Bohrungen und Ölverbrauch verbunden – sogenannte graue Energie. Zudem ist ein Batterieraum geplant, für welchen wir Second-Life-Batterien, also solche, die nicht mehr hinreichend geladen werden können und somit für Elektroautos nicht mehr taugen, verwenden werden. Diese Batterien werden tagsüber per Solarstrom geladen und stehen dann abends, wenn viel Strom verbraucht wird, zur Verfügung.

    Elektroautos sind stark im Kommen. Wie sehen Sie die Durchsetzungskraft dieser Mobilitätsform?
    Elektroautos sind sicherlich eine Lösung unter anderen. Aber sie ist extrem spannend, da wir dezentral Solarstrom für die Elektromobilität nutzen können. Wenn man mit Methanol, Wasserstoff oder Gas tanken würde, wäre eine Versorgung auf dem eigenen Areal nicht so einfach möglich.

    «Wir müssen schon heute für die nächsten 30 Jahre vorausdenken»

    Wie lauten Ihre Empfehlungen für Neubauprojekte: Wie viele Ladesta-
    tionen sollten prozentual in einer Einstellhalle bereitgestellt werden?

    Wir orientieren uns an der Empfehlung der SIA 2060, welche eine erste vollständige Ausrüstung von 20 Prozent empfiehlt. Unsere Lösung sieht jedoch vor, dass mittel- bis langfristig ein Grossteil der Parkplätze ohne grosse Mehrkosten elektrisch erschlossen werden kann.

    Welche Herausforderungen bringt die Elektromobilität in diesem Zusammenhang mit sich?
    Wir müssen bei Neubauprojekten bereits heute die Installationen so berücksichtigen, dass der Bedarf der nächsten 30 Jahre gedeckt werden kann. Über Stromschienen definieren wir die Grundversorgung einer Einstellhalle und rüsten danach Ladestationen nach Bedarf auf. Wir müssen uns aber immer überlegen, wie viele Reserven wir einplanen müssen und wie viel Mobilität tatsächlich dezentral geladen werden kann, bis die Kapazität des Netzanschlusses erreicht ist. Auch der Netzbetreiber wird mit immer mehr Herausforderungen bezüglich Lastenmanagement konfrontiert.

    Wie sieht Ihre Lösung hierfür aus?
    Wir versuchen mit dezentraler Solarstromproduktion und aktivem Lastenmanagement der grossen Stromverbraucher wie den Wärmepumpen oder den Elektrofahrzeugen, die Stromspitzen zu reduzieren. Mittelfristig könnten die Elektrofahrzeuge mittels bidirektionalem Laden zu Zeiten, in denen die Bewohner besonders viel Strom verbrauchen, ebenfalls für die Stromversorgung zur Verfügung stehen. Dadurch muss das Areal nicht auf das Stromnetz zurückgreifen, sondern kann sich einen gewissen Prozentsatz Energie aus den einzelnen Elektroautos ziehen, welche tagsüber wieder mit Solarstrom geladen werden.

    Dann entlädt sich ja aber das Auto?
    Wir sprechen hier lediglich von 10 bis 20 Prozent, die einem Auto im Falle einer Energieknappheit entzogen würden. Der Autobesitzer würde natürlich auch davon profitieren und eine Entschädigung erhalten. Ausserdem kommen hier intelligente Interaktionen zum Zuge: Ein Autolenker wird mit Hilfe einer App definieren können, welcher Ladestand sein Auto jeweils am nächsten Morgen aufweisen muss. Man muss auch bedenken, dass das Auto nicht nur zu Hause geladen wird, sondern auch beim Arbeitgeber. Zudem gibt es bereits viele öffentliche Ladestationen. Unsere Tochterfirma «GOFAST» stellt beispielsweise Schnell-Ladestationen an Raststätten zur Verfügung, welche bei längeren Fahrten ebenfalls genutzt werden können.

    «Die Energiewende ist ein europäisches Gesamtprojekt»

    Das heisst, dass die Digitalisierung auch bei integralen Energielösungen immer wichtiger wird?
    Genau. Um nochmals auf das Areal Stockacker zurückzukommen: Mit Hilfe der Lösung unserer Tochterfirma Smart Energy Link (SEL) können wir Bewohnern beispielsweise per App einen günstigen Solartarif anbieten, welchen sie für das Heizen des Backofens oder für das Trocknen der Wäsche verwenden können. Wenn tagsüber viel Strom zur Verfügung steht, kann dieser günstiger genutzt werden. Zudem rüsten wir heute immer mehr Anlagen mit Sensoren aus. So sehen wir, wenn die Energieversorgung irgendwo ins Stocken gerät und können reagieren, bevor es zu einem Ausfall kommt.

    Und noch ein Blick in die Zukunft: Schaffen wir die Energiewende?
    Irgendwann werden wir sicher zu 100 Prozent erneuerbare Energie verwenden, weil es auch ökonomisch sinnvoll ist. Grundsätzlich gilt: Je schneller, desto besser. Wir können natürlich versuchen, die Kunden von einer nachhaltigen Energielösung zu überzeugen, aber um die Wende zu schaffen, müssen alle an einem Strang ziehen. So müssen auf Gesetzesebene alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, es braucht langfristig denkende Investoren und innovative Lösungsanbieter. Hilfreich ist sicher auch, dass fossile Energielösungen entsprechend den Kosten verteuert werden. Die Energiewende wird am Ende ein europäisches und globales Zusammenspiel sein. Sie ist ein Gesamtprojekt. ■

  • Michèle Graber: «Es ist ein Gebot der Stunde,  die weitere Zersiedelung zu verhindern»

    Michèle Graber: «Es ist ein Gebot der Stunde, die weitere Zersiedelung zu verhindern»

    Frau Graber, herzliche Gratulation zur Wahl zur Präsidentin von LuzernPlus. Was hat Sie bewogen, sich für das Amt zur Wahl zu stellen?
    Vielen Dank. Warum ich mich zur Wahl gestellt habe? Es waren die spannenden Herausforderungen, die mich gereizt haben. Ich möchte mich gerne vermehrt direkt für die prosperierende Weiterentwicklung unserer wunderschönen Region Luzern einsetzen.

    Wurden Sie für dieses Amt angefragt oder haben Sie sich hierfür «beworben»?
    Die interne Findungskommission für die Nachfolge von Pius Zängerle hat mich für das Amt angefragt. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Nach verschiedenen Gesprächsrunden bei der Findungskommission und dem Vorstand wurde ich schliesslich als Kandidatin der Delegiertenversammlung vorgeschlagen und einstimmig gewählt.

    Was sind Ihre Hauptaufgaben als Präsidentin?
    Das Präsidium von LuzernPlus ist für die strategische Führung des Gemeindeverbandes zuständig. Dazu werde ich vom Vorstand unterstützt. Auf operativer Ebene kann ich mich auf ein eingespieltes Team in der Geschäftsstelle verlassen.

    Seit dem 1. Januar 2020 präsidieren Sie den Gemeindeverband LuzernPlus. Wo setzen Sie Ihre Prioritäten und Schwerpunkte?
    Die ersten Wochen möchte ich dazu nutzen, um mir einen guten Überblick zu verschaffen. Grundsätzlich ist es mir sehr wichtig, den regelmässigen Austausch mit unseren Gemeinden und Partnern zu pflegen und so für alle ein offenes Ohr zu haben. Als zentralen Punkt für unsere Region erachte ich die Weiterentwicklung des Durchgangsbahnhofs. Das ist aus meiner Sicht das wichtigste Infrastrukturprojekt der Region LuzernPlus für diese Generation.

    Es ist zu lesen, dass Sie als Kantonsrätin und Geschäftsführerin der GLP über grosse politische und strategische Erfahrung verfügen und gewohnt sind, im politischen Prozess geeignete Lösungen zu finden. Was heisst geeignete Lösungen?
    Ich vertrete seit mehreren Jahren die GLP im Luzerner Kantonsrat. Als Fraktionsvorsitzende einer kleinen Partei bin ich gefordert, Lösungen über die eigene Partei hinaus zu fördern. Für mich steht immer die Sache im Zentrum.

    Als Präsidentin möchten Sie die Siedlungs-, Landschafts- und Verkehrsentwicklung in der Region gemeinsam mit den 24 Gemeinden anpacken und damit zur Attraktivität der Region LuzernPlus beitragen. Wo setzen Sie hier die Prioritäten?
    Die Abstimmung von Siedlung und Verkehr ist ein zentraler Baustein unserer Entwicklung. Dazu gehört die Förderung von flächeneffizienten Verkehrsmitteln im urbanen Raum. Es ist ein Gebot der Stunde, die weitere Zersiedelung zu verhindern und beispielsweise die Zentren mit der Versorgung zu stärken. Das ist gelebter Klimaschutz. Als einen sehr wichtigen Teil in der Gestaltung von verdichteten Siedlungsgebieten erachte ich die Erhaltung und Erstellung von hochwertigen Angeboten an multifunktionalen Flächen, grosszügigen Begegnungszonen und attraktiven Grünanlagen.

    Sie sprechen auch von gemeindeübergreifenden Themen. Will heissen?
    Besonders die Fragen der Mobilität und der Energieversorgung enden nicht an den Gemeindegrenzen. LuzernPlus möchte diese Synergien noch stärker in den Vordergrund rücken. Hier sind wir alle gemeinsam gefordert.

    Ihr Vorgänger, Pius Zängerle sagte, dass das enorme Potenzial der Region LuzernPlus nur durch eine zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen den 24 Gemeinden möglich ist. Ist das nicht eine Herkulesaufgabe?
    Das ist wahrlich eine grosse Herausforderung. Ich glaube aber, dass LuzernPlus bisher verschiedene wichtige Meilensteine setzen konnte. So sind zum Beispiel die Gebietsmanagements, welche die Nahtstelle zwischen den Gemeinden, dem Kanton, der Wirtschaftsförderung und den Investoren bilden, schweizweit einzigartig. Wir werden die Gemeinden weiterhin unterstützen, Projekte gemeinsam zu entwickeln. Auf diesem Weg möchte ich gerne weiterfahren.

    Wie stark können Sie die Strategie respektive den Kurs von LuzernPlus prägen, beziehungsweise umsetzen?
    Ich möchte gerne meine Funktion dazu nutzen, die Gemeinsamkeiten herauszuschälen und diese Stärken zu stärken. Nur gemeinsam können wir den grossen zukünftigen Herausforderungen entgegentreten und gute Lösungen erarbeiten.

    Welches sind die Gemeinsamkeiten und was bedeutet es, diese herauszuschälen und zu stärken?
    Die Region LuzernPlus steht gemeinsam für die Realisierung des Durchgangsbahnhofs Luzern ein. Dieser bringt für die kommende Generation einen Meilenstein in der schienengebundenen Mobilität: einerseits für den Fernverkehr, andererseits aber auch für die S-Bahn Luzern. So wird die dringend notwendige Taktverdichtung im Regionalverkehr erst mit dem Durchgangsbahnhof Luzern möglich sein.

    Auch wollen Sie in Ihrem Amt zur Attraktivität der Region beitragen. Das ist ein allgemeiner Begriff. Können Sie etwas konkreter werden?
    Unsere Region bietet nicht nur das «Touristen-Luzern », wie es den meisten bekannt ist. Zu einer attraktiven Region gehören ausserdem eine nachhaltige Energieversorgung, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und ein attraktives Kultur- und Sportangebot. Gerade was die Naherholung auch für uns Einheimische betrifft, sind wir sicherlich gut unterwegs – aber wir dürfen hier nicht stehen bleiben.

    Für Armin Camenzind, Geschäftsführer von LuzernPlus, zählt die Mobilität zu einem bedeutenden Standortfaktor, denn die Standortattraktivität hängt massgeblich von der Erreichbarkeit ab. Wie ist diese zu bewerkstelligen respektive was heisst optimale Erreichbarkeit?
    Die Erreichbarkeit unserer Region muss mit allen Verkehrsträgern möglich bleiben. Dazu gehört der Durchgangsbahnhof, aber auch das Gesamtsystem Bypass, welcher für das Strassennetz eine merkliche Entlastung geben dürfte. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Grossteil des öffentlichen Verkehrs auf der Strasse stattfindet. Hier hat für mich die konsequente Bevorzugung des Busverkehrs eine hohe Priorität. Als passionierte Velofahrerin ist aber ebenso die Nutzung des Velos wichtig. Das Miteinander von ÖV, dem motorisierten Individual- und Langsamverkehr macht es aus.

    Als Kantonsrätin der GLP machen Sie sich stark für eine gesunde Umwelt und florierende Wirtschaft und möchten diese in Einklang bringen. Sie bezeichnen diese als Lebensgrundlagen von morgen. Wie wollen Sie diese Bereiche unter einen Hut bringen?
    Die beiden Begriffe sind keineswegs Gegensätze: Energiestrategie, Klimaschutz und CO2-Gesetze bieten grosse Chancen für unsere Wirtschaft. Diese können durch wirksame und sozialverträgliche Lenkungsmassnahmen rasch und effizient genutzt werden. Damit werden viele Subventionen und Regulierungen überflüssig. Umweltbewusstes Handeln muss und kann sich für Unternehmen lohnen.

    Was heisst umweltbewusstes Handeln muss und kann sich für Unternehmen lohnen?
    Immer noch verschwenden wir sehr viel Energie, weil sie zu wenig kostet. Dabei ist die wertvollste Kilowattstunde diejenige, welche nicht verbraucht wird, denn diese muss nicht produziert, transportiert und gespeichert werden. Mit einem verursachergerechten Energiepreis würden Energieeffizienzmassnahmen endlich rentabel und längst vorhandene Cleantech-Lösungen würden umgesetzt. Investitionen in erneuerbare Energie sind bei einer Vollkostenrechnung der fossilen und atomaren Energie schon heute wirtschaftlich überlegen und lohnen sich. Auch der dringend nötige Umstieg auf eine umweltfreundliche Mobilität wird mit den richtigen Anreizen rasch folgen. Der Mensch und die Wirtschaft funktionieren nun mal so, dass er nur etwas ändert, wenn es sich für ihn lohnt.

    «Wir verschwenden sehr viel Energie, weil sie zu wenig kostet.»

    Sie führen unter anderem eine eigene Firma für Managementberatung. Wie gross wird Ihr Arbeitspensum als Präsidentin von LuzernPlus sein?
    Das Pensum als Präsidentin liegt bei knapp zwanzig Prozent, wobei sicherlich die erste Phase ein deutliches Mehr an Arbeit bringen wird. Ich freue mich auf mein neues Engagement.

    Worauf freuen Sie sich am meisten?
    Es sind die vielen neuen Themen, in welche ich mich am Einlesen bin. Sie sind sehr spannend. Dass LuzernPlus vernetzt, spüre ich bei der Lektüre der verschiedenen Dossiers immer wieder.

    Apropos Engagement: Sie sind seit 1997 Vorstandsmitglied der Fallschirmgruppe Titlis und seit 2013 deren Präsidentin. Wie sind Sie zum Fallschirmspringen gekommen und was bedeutet Ihnen dieser Sport?
    Zur Erstkommunion habe ich von meinem Götti – er war Flugbegleiter bei der damaligen Swissair – einen Flug von Zürich nach Genf geschenkt bekommen. Schon damals wäre ich am liebsten aus dem Fenster gesprungen, um auf den Wolken spazieren zu können. Als Zwanzigjährige habe ich meinen ersten Fallschirmsprung verwirklicht. Fasst dreissig Jahre lang habe ich meine Passion für das Fallschirmspringen gelebt. Dies zum Teil sehr intensiv als Wettkämpferin und Fallschirmsprunglehrerin. Nur «auf den Wolken spazieren zu können» hat nicht geklappt (lacht).

    Zählt Fallschirmspringen – nebst Biken und Langlaufen – noch heute zu Ihren Hobbys?
    Nein, das aktive Springen habe ich aufgegeben. Mein letzter Sprung war vor eineinhalb Jahren.

    Oft hört man von Fallschirmspringern, dass es das Gefühl der absoluten Freiheit, der Adrenalinkick und Nervenkitzel ist, was die Faszination ausmacht. Ist dem so?
    Die grosse Faszination waren für mich die freien, aber auch sehr kontrollierten Bewegungen im dreidimensionalen Raum. Als Fallschirmsprunginstruktorin ist es sehr bereichernd, den Lernenden ihre Angst vor dem Neuen zu nehmen und ihnen das Vertrauen zu geben, dass sie die Extremsituationen sicher meistern können. Der Nervenkitzel und Adrenalinkick wechseln bald in pure Lebensfreude und münden in einem gesunden Respekt gegenüber den Naturkräften.

    Vertrauen zu haben und Extremsituationen zu meistern, gilt sicherlich auch am «Boden». Welche Situationen kommen Ihnen dabei spontan in den Sinn?
    Die politische Arbeit ist oftmals vergleichbar. Harte Verhandlungen und das Ringen um Kompromisse können mitunter durchaus schwierig sein. Aber das reizt mich. ■

  • Stefan Kurath: «Bei Arealentwicklungen ist  diplomatisches Verhandlungsgeschick nötig»

    Stefan Kurath: «Bei Arealentwicklungen ist diplomatisches Verhandlungsgeschick nötig»

    Herr Kurath, das 2014 in Kraft getretene revidierte Raumplanungsgesetz schiebt dem Wachstum in die Fläche einen Riegel vor und fordert die Entwicklung nach innen. Das heisst?
    Arealentwicklungen finden zukünftig in einem gebauten Kontext mit vielen Akteuren und noch mehr Anforderungen statt. Planungsbehörden und Grundeigentümer müssen damit umgehen können. Es braucht eine klare Strategie der Mitwirkung. Das macht das Vorgehen komplizierter und erfordert auch Diplomatie.

    «Es braucht eine klare Strategie der Mitwirkung.»


    Wie viele Industriebachen sind aktuell in der Schweiz vorhanden?
    Gemäss Bundesamt für Raumentwicklung sind zahlreiche ungenutzte Areale ab einer Grösse von 10 000 Quadratmetern mittlerweile zwischen- oder umgenutzt worden. Dass das Potenzial für die Revitalisierung von Brachen ungebrochen ist, zeigt der Entwicklungsatlas von Wüest Partner. Dieser listete 2018 über 700 Areale auf, die aufgrund von Fläche und Gestaltungsoptionen attraktiv sind. Doch die funktionale wie wirtschaftliche und ökologische Aufwertung von Arealen ist anspruchsvoll, denn jede Entwicklung ist ein Einzelfall. Alle Phasen in einem Revitalisierungsprozess können lange dauern.

    Warum?
    Die Gründe hierfür sind vielfältig. Auch wenn Makro- und Mikrolage erfolgsversprechend sind, können Altlasten, Denkmalschutzauflagen, ungünstige Bauökonomie sowie behördlicher oder privater Widerstand eine Umnutzung kompliziert machen. Dennoch besitzen Arealentwicklungen gute Erfolgschancen.

    Worauf beruhen diese Erfolgschancen?
    Befindet sich das Areal in einem Gebiet mit einer expandierenden Wirtschaft sind die Erfolgschancen einer Transformation gross. In der Schweiz gibt es zahlreiche Projekte, die das belegen. An Standorten mit Bevölkerungswachstum sorgen innovative Projekte für den benötigten Wohnraum. Liegt eine Industriebrache standortmässig günstig, stellen diese in unterschiedlichen Formen auch eine bedeutende Nutzugsreserve dar. Hinzu kommt, dass die Umnutzung der bebauten Entwicklungsflächen Wohnraum für 288 000 Personen bieten würde und zusätzlich sich 257 000 Arbeitsplätze realisieren liessen.

    Immer wieder hört man, das Arealentwicklung eine sinnvolle Wertschöpfung ist. Was ist darunter zu verstehen?
    Insbesondere ältere Industrie- und Gewerbeareale liegen mittlerweile zentral gelegen in den Stadt- und Siedlungsgebieten. Städtebaulich macht es Sinn, diese zu entwickeln und neuen Nutzungen zukommen zu lassen und so neue Entwicklungsimpulse für die umgebenden Stadträume zu geben. Wir können da von einer städtebaulichen Wertschöpfung sprechen. Natürlich werden auch die Eigentümer wirtschaftliche Wertschöpfung betreiben können bei entsprechender Nachfrage.

    Gibt es eine Art Leitfaden für eine Arealentwicklung? Wenn ja, wie sieht dieser aus?
    Idealerweise versucht man, die städtebaulichen und gesellschaftlichen Alleinstellungsmerkmale eines Areals herauszuarbeiten und zu stärken, indem man sie massgeschneidert anreichert. Wichtiger als auf andere Arealentwicklungen zu schauen, ist es also, Experimente zu wagen und möglichst viele von der Transformation betroffenen Akteure mit auf den Weg zu nehmen.

    Warum sind urbane Lebensqualitäten mehr denn je gefragt?
    Drei Viertel der Menschen in der Schweiz wohnt und arbeitet in Städten oder Gemeinden der städtischen Agglomerationen. Der Trend ist ungebrochen, und die Siedlungsfläche dehnt sich immer weiter aus. Um dem entgegen zu wirken, wird eine Siedlungsentwicklung nach innen angestrebt.

    Die Nachhaltigkeit spielt sicherlich auch bei Arealentwicklungen eine wichtige Rolle.
    Unbedingt. Egal, welche Ziele Investoren mit einer Entwicklungsfläche anstreben möchten, eines haben alle Projekte gemeinsam: Der Erfolg hängt nicht nur von Faktoren wie Rentabilität, zentrale Lage im urbanen Umfeld, gute Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Vermarktungspotenzial ab.

    Sondern?
    Immer mehr Menschen streben auch ökologische wie gesellschaftliche Nachhaltigkeit an. Das geschieht zum Beispiel an Orten, die vielfältige und veränderbare Lebens- und Nutzungsformen erlauben. Wenn brachliegende Areale als Wirtschaftsstandorte neu entwickelt werden sollen, dürfen die sich in den Lebensstilen widerspiegelnden Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden. Dazu gehört auch eine gute soziale und funktionale Durchmischung. Die Umsetzung dieser Attribute trägt zu einem positiven Gesamt­image bei.


    Das Attisholz-Areal im solothurnischen Riedholz ist eine der grössten Industriebrachen der Schweiz. Die Transformation soll 2045 abgeschlossen sein. Ist vorhersehbar, wie die Menschen in 25 Jahren leben möchten?
    Man kann alle die städtebaulichen Strukturen sukzessive stärken und aufrüsten, die bereits die letzten hundert Jahre den gesellschaftlichen Wandel überdauert haben und auch die nächsten hundert Jahre überdauern sollen. Das nenne ich das städtebauliche Grundgerüst. Inwieweit das Areal sich aber tatsächlich entwickelt oder stagniert, basiert auf Wachstums- oder Schrumpfungsprozessen. Welche Bedürfnisse die zukünftigen Bewohner haben werden, steht in den Sternen. Architektur und Städtebau bedeutet auch weniger vorauszusagen wie etwas wird, als vielmehr Strukturen zu entwerfen, die zukünftige Ereignisse ermöglichen, von denen wir heute nicht wissen, wie sie sein werden. Die Bauten mit Nutzungsangeboten können verfeinert werden, wenn sich die Entwicklungsperspektive auf zwei Jahre verkürzt hat.

    Welches sind gute Beispiele, bei denen die Bevölkerung mitreden konnte?
    Zum Beispiel das Sulzer-Areal in Winterthur. Durch Aktivitäten während der Transformation gelang es besonders im Lagerplatz-Areal, die Beziehungen und Bindungen zum Quartier aufrecht zu erhalten. Mittels guter Angebote fürs Gewerbe und Wohnen wurde ein relativ stabiles Quartierleben erreicht, das weiter transformiert wird. Und bei der Überbauung Kalkbreite in Zürich wurden bereits vor dem Bau Kollektivgärten realisiert und dadurch die Verbundenheit zum Ort gestärkt. Die Nachbarschaft wird belebt, wenn Freiräume bereits während der Bauphase bespielt werden. Eine weitere Möglichkeit von Arealentwicklung sehe ich mit «Sihlcity», der ehemaligen «Zürcher Papierfabrik an der Sihl», welches 2007 als erstes Urban Entertainment Center, inklusive einem Hotel, eröffnet wurde.

    Was macht «Sihlcity» speziell?
    Vom früheren Gebäudekomplex auf dem Areal blieben vier Bauten erhalten, die als Zeitzeugen an ein Stück Zürcher Geschichte erinnern. Mit dem Bikepark gibt es zudem Freizeitmöglichkeiten für alle, die nicht an Konsum gebunden sind – und das Sihlufer bietet Erholung. Das Nebeneinander dieser sehr unterschiedlichen Angebote, die gute Verkehrs­erschliessung und Dichte ist wohl ein Erfolgsfaktor.

    Gilt die Schweiz eigentlich als Vorzeigeland in Sachen Arealentwicklung? Wenn ja, warum?
    Die Deindustrialisierung hat in der Schweiz früh eingesetzt, und die Kapitalflüsse haben es ermöglicht, umfassende Massnahmen zu ergreifen und die Arealentwicklungen ganzheitlich in Angriff zu nehmen. Die Schweiz hat hinsichtlich der Entwicklung von Arealen eine relativ grosse Kontinuität, und Gebiete wie Zürich West oder Neu Oerlikon haben in den 1990ern und 2000ern viel Aufmerksamkeit erweckt.

    Noch ein Blick über die Grenzen hinaus. Welche Arealentwicklungen im nahen Ausland dienen Ihnen als Vorbild und warum?
    Grosse Arealentwicklungen haben vor allem in den ehemaligen Häfen grosser Städte stattgefunden. So haben sich in den 1990ern in Amsterdam die zentralen Hafenanlagen zu grossen Wohnquartieren und vollwertigen Stadtteilen entwickelt. In Hamburg hat die Transformation des Hafens zur «HafenCity» viel Aufmerksamkeit erweckt, insbesondere auch mit der Elbphilharmonie der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. In Antwerpen ist die Transformation des Hafens noch in vollem Gange. Auch hier geht es um die Öffnung ehemaliger Hafen-, Lager- und Arbeitsplatzgebiete für Wohnbauten, kulturelle Einrichtungen, Naherholungsgebiete und Ausbilden von neuen Wasserfronten und Stadtsilhouetten. ■

  • "Das städtische Leben attraktiver machen"

    "Das städtische Leben attraktiver machen"

    In Bezug auf Siedlungen besteht die derzeitige Strategie in der ganzen Schweiz darin, das städtische Leben attraktiver zu machen. In der Praxis geht es darum, die Streuung der genutzten Räume bei zu großen Gebäudeflächen mit geringer Dichte aufgrund der Besetzung von Grundstücken außerhalb des Zentrums zu begrenzen. Wie der Architekt Giovanni Guscetti, Mitglied der Arbeitsgruppe, die mit dem Agglomerationsprogramm von Locarnese (PALoc) betraut ist, erklärt, hat diese Art des Bauens negative Auswirkungen auf die Landschaft, die Mobilität, die Kosten der Infrastruktur und den Energieverbrauch. Zum Beispiel haben wir im Tessin viel Platz in den R2-Gebieten – das heißt, wo es Häuser gibt – und relativ wenig in den R5-R6-Gebieten, die zentral und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, wo wir das Beste machen sollten der verfügbaren Reserven.

    PALoc ist auch Teil dieser nationalen Strategie, deren Ziel es ist, eine koordinierte Vision zwischen Landschaft, Siedlungen und Infrastrukturen zu haben. Insbesondere unterstreicht der Architekt Guscetti: "Wir haben versucht, eine Verbindung zwischen diesen Elementen herzustellen."


    Platz für viel Grün
    Die Landschaft von Locarno ist reich an weitläufigen Grünflächen wie dem Delta della Maggia Park, der sich im Zentrum der Stadt erhebt, oder dem Piano di Magadino, das wie eine Fortsetzung des Sees ist. Dann haben wir dieses Gebiet, das vom Wasser geformt wurde, sowohl von den großen Flüssen als auch von den Bächen, die aus den kleineren Tälern herabfließen. Heute haben wir in der Nähe des Wassers mehrere öffentliche Infrastrukturen für Sport, Freizeit und Kultur. Die Idee ist, ein miteinander verbundenes System zu schaffen: Grünflächen, Wasser und öffentliche Funktionen, die dank langsamer Mobilität miteinander verbunden sind, d. H. Fußgänger und Fahrräder. Dieses Landschaftssystem aus Grünflächen und Wasser ist das "tragende Skelett" der Agglomeration von Locarnese.
    Das wichtigste Projekt für die Grünflächen ist das des Maggia-Delta-Parks, der als Bezugspunkt für die Freizeit dienen muss und auch eine landwirtschaftliche, natürliche Funktion hat. Zugänglichkeit, langsame Mobilität und Benutzerfreundlichkeit im Allgemeinen müssen daher verbessert werden. Das große Potenzial dieses grünen Elements liegt in der Tatsache, dass es sehr nahe an den Siedlungen liegt und direkt vor der Haustür liegt. Anschließend werden natürliche Freizeitgebiete wie der Monte Verità, der Maia-Wald, die Brissago-Inseln und der Paron-Teich in Gambarogno aufgewertet, um eine Reihe von Grünflächen und Parks zu schaffen, die mit dem Netzwerk verbunden sind.

    Kehre in die Mitte zurück
    Der zweite strategische Punkt betrifft die sogenannte "zentripetale Entwicklung". Dies bedeutet, dass sichergestellt werden muss, dass in den "peripheren" Gebieten kein Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum stattfindet, um eine weitere Streuung der bewohnten Gebiete zu vermeiden und die Menschen in die zentraleren Gebiete zurückzubringen. «Unsere Arbeitsgruppe – erklärt den Bogen. Guscetti – identifizierte daher diese Gebiete und versuchte, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die ihre Stadtentwicklung ermöglichen, den öffentlichen Verkehr verbessern und den öffentlichen Raum sanieren würden ». Letztendlich geht es darum, die Zentren attraktiver zu machen, um ein "interessanteres" städtisches Leben zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang wird die Sanierung von Largo Zorzi und Piazza Grande, die das Herz von Locarno neu gestalten wird, eine wichtige Rolle spielen. In Bezug auf das Gebiet von Locarno sind die Punkte, die von den Maßnahmen betroffen sind, diejenigen in der Nähe des neuen Bahnhofs Muralto, der Haltestellen Tilo di Minusio, Tenero und Gordola sowie des gesamten Streifens, der von den öffentlichen Verkehrslinien zwischen Locarno und Bellinzona bedient wird. Ein dritter strategischer Punkt ist die Sanierung der historischen Straßen des Gebiets Locarno, die derzeit durch Verkehr und Lärm sowie durch eine geringe Gebäudedichte gekennzeichnet sind. Durch die Verbesserung und Wiederherstellung der Lebensqualität entlang dieser Straßen könnten die großen verfügbaren Gebäudereserven genutzt werden.

    Die im PALoc-Bogen skizzierte. Guscetti – ist auf jeden Fall ein "gewünschtes" Szenario, daher ein ideales, das bis 2030 umgesetzt werden sollte. Offensichtlich wird dieses Szenario angemessen sein, wenn sich die Wachstumstrends ändern sollten. Es scheint jedoch erwiesen zu sein, dass das zukünftige Gesicht des Gebiets Locarno urbaner, aber vor allem grün gestrichen sein wird. ■

  • Roger Strub: «Der Erhalt schützenswerter Bauten hat mit Identität zu tun»

    Roger Strub: «Der Erhalt schützenswerter Bauten hat mit Identität zu tun»

    Herr Strub, weshalb ist es wichtig, gewisse Objekte zu erhalten?
    Viele Menschen haben das Bedürfnis nach Erinnerung. Das gilt oft auch für Bauten. Die Denkmalpflege hat den gesellschaftlichen Auftrag, wertvolle Bauten vergangener Epochen zu erhalten. Dadurch bewahren wir Erinnerung, Wissen über Techniken und Materialien sowie Kenntnisse über gestalterische Vorstellungen. In Baudenkmälern ist dies materiell festgemacht und kann weiteren Generationen als Inspirationsquelle dienen. Zudem hat der Erhalt von schützenswerten Bauten viel mit Identität zu tun.

    Während den verschiedenen Zeitepochen hat sich die Vorstellung, was ein schützenswertes Baudenkmal ist, verändert.
    Ja, und das grundlegend. Früher hat man hauptsächlich Kirchen, Burgen und Pfarrhäuser als erhaltenswert betrachtet. Doch das ist Vergangenheit. Heute ist der Begriff, was schutzwürdige Objekte sein können, viel umfassender und breiter. So sind zum Beispiel Arbeiterwohnhäuser oder Fabrikbauten neben ihrem architektonischen Wert sozialhistorische Zeugnisse der Industrialisierung.

    «Das Objekt muss Zeugnis einer anderen Epoche sein.»

    Warum ist es wichtig, Industriekultur am Leben zu erhalten?
    In den 60er-Jahren zählte die Schweiz zu den höchst industrialisierten Ländern der Welt. Die vielen Industriebauten und Wohnsiedlungen erzählen genauso davon wie die Villen der Fabrikbesitzer, und sie gehören zur Identität bestimmter Orte. Hätte man beispielsweise beim Sulzer-Areal in Winterthur alles abgerissen und Wohnblöcke erstellt, wäre viel des spezifischen Charakters dieser Stadt verloren gegangen. Auf dem Sulzer-Areal spüren und erleben die Menschen die Geschichte – also die Identität vor Ort.

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein Objekt auf die Inventarliste der schützenswerten Bauten aufgenommen wird?
    Das Objekt muss in einem besonderen Masse Zeugnis einer anderen Epoche sein. Zu den Kriterien gehören einerseits die architektonische Qualität, die Seltenheit und die bauliche Substanz der Gebäude, andererseits aber eben auch die historische Aussagekraft. Das Objekt muss eine politische, wirtschaftliche, soziale oder baukünstlerische Epoche besonders stark repräsentieren. Dass Gebäude viel über gesellschaftliche Bedingungen und Ziele verraten, kann man beispielsweise bei Schulhäusern sehr gut sehen: Die mächtigen Schulhäuser aus dem späten 19. Jahrhundert verkörpern eine andere Aussage als die pavillonartigen Schulbauten aus den 1950er-Jahren.

    Inwiefern?
    Die Schulhäuser des 19. Jahrhunderts betonten stolz die Wichtigkeit der öffentlichen Bildung, wirkten aber vielleicht auch ein bisschen einschüchternd. So versuchte man später, sich in der Architektur mehr den Kindern zuzuwenden und gute Lernbedingungen zu schaffen; die Bauten wurden kleinteiliger und so vielleicht menschlicher. Welches Gebäude nun ein besonders wertvolles Zeugnis einer Epoche darstellt, wird nach wissenschaftlichen Kriterien beurteilt. Der definitive Entscheid über die Aufnahme ins Inventar obliegt nicht der Denkmalpflege, sondern der Baudirektion.

    Auch Baugenossenschaften haben mit ihrer Siedlungsarchitektur Bauzeugnisse geschaffen. Einige davon stehen unter Denkmalschutz. Gelten sie als wichtige Zeitzeugen?
    Auf jeden Fall. Gleichzeitig sind sie heute nach wie vor Wohnbauten, die genutzt werden wollen und auch neue Bedürfnisse erfüllen müssen. Eine Entwicklung muss auch möglich sein, wenn gleichzeitig der historische Wert erhalten bleiben soll. Baugenossenschaften sind alleinige Eigentümer ganzer Siedlungen und denken durch ihr Selbstverständnis langfristig und in grösseren Zusammenhängen. Diese Kombination ist förderlich, gute Antworten auf die verschiedenen Zielsetzungen zu finden.

    Die Denkmalpflege kann bei Umbauten und Sanierungen Auflagen formulieren, die massiven Einfluss auf die Nutzung eines Objektes haben können.
    Da gebe ich Ihnen Recht, Zielkonflikte sind nicht zu vermeiden. Aber die Denkmalpflege zieht sich nicht zurück, nachdem sie über Auflagen ihre Zielsetzungen formuliert: sie berät und hilft mit, Lösungen zu finden, muss aber durchaus auch mal nein sagen. Die Zeiten, in denen vor allem der Fassadenerhalt im Vordergrund stand und man das Innere weitgehend aushöhlen konnte, sind vorbei. Heute versteht die Denkmalpflege ein Objekt mehr als Organismus, bei dem Inneres und Äusseres grundsätzlich eine Einheit bilden. Selbstverständlich sind immer Spielräume vorhanden, wenn eine Planung sorgfältig durchgeführt wird.

    Werden Liegenschaftsbesitzer für zwingende Arbeiten, die mit dem Denkmalschutz in Verbindung stehen, finanziell unterstützt?
    Unsere Aufgabe besteht darin, Qualität zu erkennen und diese zu erhalten. Das kostet etwas. Grundsätzlich sind alle Kosten, die für den Erhalt eines schutzwürdigen Gebäudes anfallen, subventionierbar und können im Kanton Zürich mit zwanzig bis dreissig Prozent unterstützt werden. In Zürich kommen diese Gelder aus dem Denkmalpflegefonds, dessen Mittel aus dem Lotteriefonds kommen.

    «Auch die Denkmalpflege ist eine lebendige Sache.»

    Im aktuellen Inventar sind Bauten bis etwa 1980 aufgelistet. In einem nächsten Schritt wird über die 1980er-Jahre gesprochen. Gibt es in dieser Epoche viele schützenswerte Bauten?
    Um beurteilen zu können, ob ein Objekt für eine Epoche heraussticht, benötigt man zeitlichen Abstand, eine oder zwei Generationen. Gute oder schlechte Epochen existieren nicht. Eine solche Unterscheidung würde dem Grundgedanken widersprechen, Zeugnisse aus jeder Epoche gleich zu werten. Was den Stil betrifft, sind die 1980er-Jahre heute vielleicht allgemein noch etwas weniger akzeptiert. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es auch für diese Zeit Bauten gibt, die ein besonderes Abbild der damaligen Zeit und gesellschaftlichen Situation sind.

    Ein Blick in die Vergangenheit: 1933 entwarf der Zürcher Architekt Karl Moser im Auftrag der Stadt Zürich einen radikalen Vorschlag: Bis auf grössere Kirchen und das Rathaus sollte die Altstadt vollständig abgebrochen werden. Fände eine solche Idee heute bei irgendjemandem noch Zustimmung?
    Ich kann mir das schwer vorstellen. Aber auch wenn das aus heutiger Sicht eine Schreckvorstellung ist: es ist sehr wichtig, dass solche Visionen entstehen und man darüber diskutiert. So setzt man sich mit dem auseinander, was dafür verloren gehen würde, und wird sich dessen viel mehr bewusst. Das Niederdorf wurde nach dem Zweiten Weltkrieg schliesslich Stück für Stück auf behutsamere Weise saniert. Bei Altstädten ist es heute das Ortsbild, das als Gesamtheit geschützt ist, und nicht jedes einzelne Gebäude. Obwohl es beim Ortsbild- und Denkmalschutz um das Bewahren geht, geschehen automatisch auch Veränderungen. Auch die Denkmalpflege ist eine lebendige Sache. 

  • «Weltweiter Life Sciences Hot-Spot mit ländlichen Vorzügen»

    «Weltweiter Life Sciences Hot-Spot mit ländlichen Vorzügen»

    Frau Hopp, was heisst für Sie Standortförderung?
    Standortförderung heisst, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaf­fen. Dies dank Einbringen der Wirtschaftsinteressen in die Ausgestaltung der Steuer-, Finanz-, Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Verkehrs-, Raum- und Energiepolitik. Standortförderung heisst auch, den Austausch mit ansässigen Unternehmen im Sinne eines Key Account Managements zu pflegen, die Ansiedlung von Firmen zu unterstützen sowie ein breites Angebot attraktiver Flächen für die Wirtschaft sicherzustellen. Dazu gehören auch die Förderung eines Umfeldes, welches Innovationen begünstigt und die Standortpromotion, welche in unserer Region überkantonal durch BaselArea.swiss umgesetzt wird.

    Was macht den Wirtschafts-standort Kanton Basel-Landschaft attraktiv?
    Der Kanton Basel-Landschaft lässt sich gut als weltweiter Life Sciences Hot-Spot mit ländlichen Vorzügen umschreiben. Die ganze Region Basel ist ein exzellenter Wirtschafts-, Innovations- und Bildungsstandort von internationalem Renommée und verbindet dadurch globale Vernet-
    zung mit lokaler Lebensqualität. Auch deshalb findet man hier ein hervorragendes Potenzial an Arbeitskräften, welche die gute Erreichbarkeit und die hochqualitativen Bildungsangebote schätzen. Einen sehr grossen Beitrag zur Attraktivität leisten die bereits ansässigen Unternehmen, insbesondere in den Schlüsselbranchen Pharma, Bio- und Medtech, Chemie, Präzisionstechnik und zunehmend auch in der IT und Robotik.

    Worin sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen dem Standort Baselland und anderen Wirtschafts-standorten der Schweiz?
    Einzigartig ist tatsächlich das Nebeneinander von «ländlich-seriöser Haltung» sowie Internationalität und Weltoffenheit auf sehr kleinem Raum. So findet man hier Naherholungsgebiete in den Jurahöhen oder am Rhein, Wohnraum mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis, die Stadt Basel in nächster Nähe und rasch erreichbar ein Museums-, Kunst- und Messe-
    angebot von Weltrang.

    Wie wettbewerbsfähig ist Basel-Landschaft?
    Die «harten Fakten» zeigen, dass der Standort attraktiv und wettbewerbsfähig ist. Im kantonalen Wettbewerbsindikator 2018 der UBS belegt Baselland den neunten Rang aller Kantone mit dem Prädikat solid. Das Ziel ist aber klar, Baselland muss möglichst rasch wieder in die Gruppe «Hoch» beim kantonalen Wettbewerbsindikator aufsteigen.

    Warum soll sich ein Unternehmen in Ihrer Region niederlassen?
    Weil die Region ein sehr innovatives und dynamisches Umfeld bietet, spannende Entwicklungsflächen für individuelle Bedürfnisse vorhanden sind und die Unternehmen im trinationalen Metropolitanraum Basel ein hervorragendes Potenzial an Arbeitskräften vorfinden.

    Das bedeutet?
    In unserer Region finden Sie Spitzenhochschulen und -institutionen für Life Sciences und verwandte Gebiete – insbesondere die Universität Basel, das Departement für Biosysteme der ETH, die Hochschule für Life Sciences FHNW in Muttenz sowie das Universitätsspital Basel – und ausgezeichnete, in der Wirtschaft verankerte Berufsschulen. Auch weitere Institutionen wie der Switzerland Innovation Park Basel Area, das CSEM oder das Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) liefern einen zentralen Beitrag für die ausserordentliche Innovationskraft. Zudem entstehen derzeit auf verschiedenen Arealen im Kanton neue Flächenangebote für die Wirtschaft.

    Auf Ihrer Website ist zu lesen, dass der Kanton Basel-Landschaft zu den erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt gehört. Genau. Gemäss einer Studie der BAK zum Technologiestandort Baselland von 2018 liegt die grösste Stärke des Standorts Basel-Landschaft in der beeindruckenden Dynamik: Die Anzahl aktiver Patentfamilien im Kanton Basel-Landschaft ist in den letzten Jahren im Schweizer Vergleich am stärksten gestiegen, bei gleichbleibender Qualität. Insbesondere in der Messtechnik und im Medtech Bereich sind hochwertige Patente im Kanton Basel-Landschaft überdurchschnittlich häufig vorhanden.

    In welchen Bereichen sehen Sie die grössten Herausforderungen?
    Die Prosperität der Region ist eng verknüpft mit der Offenheit und dem Austausch über die Grenzen hinweg. Um den internationalen Spitzenplatz halten zu können, ist es die grosse Herausforderung, den Zugang zu den benötigten Fachkräften sicherzustellen. Eine liberale Lösung bei den Grenzgängern und Grenzgängerinnen ist für die Region zwingend – ebenso zent-ral erachte ich den Zugang der Unternehmen und Hochschulen zu internationalen Forschungsgemeinschaften, namentlich auch zu den europäischen Forschungsprogrammen. Die Digitalisierung beschleunigt und verstärkt den Strukturwandel und dürfte tiefgreifende Auswirkungen – sowohl positive wie negative – haben.

    Das heisst?
    Die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit liegt in der Förderung der Verflechtung und intelligenten Verknüpfung von Technologien und auch in der engeren Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Wissenschaft, Forschung, Bildung und Industrie, um möglichst breit von dem Wissen in der Region zu profitieren und dieses unternehmerisch zu nutzen. Und schlussendlich ist die Steuervorlage 17 für die Region Basel Area von höchster Wichtigkeit – mit ihr rückt der Kanton Basel-Landschaft auf Platz 5 im schweizweiten Vergleich der Standortqualität vor.

    Wie wird sich der Wirtschafts-standort Baselland in 20 Jahren präsentieren?
    Die Region Basel ist weiterhin ein führender Life Sciences Standort und Vorreiter bei der Entwicklung und Anwendung neuer Technologien insbesondere in der IT und Robotik. Die ansässige chemische Industrie hat den Strukturwandel vollzogen und ist mit innovativen Produkten wie Rohstoffen für 3D-Drucker weltweit erfolgreich. ■

  • «Der Aufwand bei Umbauten  und Sanierungen wird oftmals  unterschätzt»

    «Der Aufwand bei Umbauten und Sanierungen wird oftmals unterschätzt»

    Frau Zenhäusern, welche Einflüsse haben Ihren beruflichen Weg geformt?
    Ganz klar mein Studium an der ETH Zürich, wo ich durch namhafte Dozenten und Professoren wie Herzog & de Meuron, Gion A. Caminada oder Miroslav Šik geprägt und ausgebildet wurde. Insbesondere durch letzteren lernte ich, durch Bilder zu entwerfen.

    Wie ist das zu verstehen?
    Man stellt sich den Raum vor, wie er gebaut und ausgestaltet werden könnte, und entwirft ihn dementsprechend. Mittels eines Renderings beziehungsweise einer Fotomontage kann man überprüfen, wie sich die Idee in die umgebende Landschaft oder ins bestehende Stadtbild einfügen wird. Solche Bilder sind auch im Entwicklungsprozess gemeinsam mit der Bauherrschaft sehr hilfreich, da man in technische Pläne sehr viel hineininterpretieren kann. Man darf nicht erwarten, dass jeder Bauherr in der Lage ist, anhand von Grundrissen und Gebäudeschnitten eine realistische Vorstellung dessen zu bekommen, was entstehen wird. Bilder helfen, Missverständnissen vorzubeugen und erleichtern allen Beteiligten zu erkennen, was wir planen und wie es aussehen wird.

    Neben Neubauten haben Sie sich auch mit Umbauten und Renovationen einen Namen gemacht. Bei der Sanierung einer Attikawohnung in einem Wohn- und Geschäftshaus in Visp haben Sie
    ganz neue Perspektiven eröffnet. Wie sind die Ideen hierfür entstanden?

    Das mehrstöckige Gebäude, das wir umgebaut haben, befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Altstadt in Visp. Das Konzept dieser Attikawohnung sieht vor, den Innenraum mit dem Aussenraum und der beeindruckenden Aussicht zu verschmelzen. Wir haben interessante Lösungen der Lichtführung realisiert mittels Oberlichtern und einem zentral in der Wohnung gelegenen Lichthof mit Gartencharakter. Sanierungen sind eine faszinierende Aufgabe, weil die Objekte oftmals an sehr interessanten Orten stehen. In unserem Beispiel hat man die ganze Geschichte der Gemeinde Visp vor Augen.

    Gut geplant ist halb gebaut, heisst es allenthalben. Lässt sich das auch für Sanierungen so bestätigen, die je nach Alter des Objekts auch manche Überraschung ans Tageslicht bringen?
    Planung ist das A und O, insbesondere achten wir auf einen detaillierten Kostenvoranschlag, da der Aufwand bei Umbauten und Sanierungen oftmals unterschätzt wird. Je älter ein Gebäude, desto wichtiger ist auch die Einplanung gewisser Reservepositionen für unvorhergesehene Zusatzkosten, da unter Umständen zu wenig aussagekräftige Informationen über die bestehende Substanz dokumentiert sind.

    Welche grösseren Projekte beschäftigen Sie derzeit?
    Ich plane ein neues Wohnhaus mitten in Brig, in einer gewachsenen Strasse mit den für ihre Entstehungszeit typischen Charakteristika. Hier müssen wir ein neues, individuelles Gebäude entwerfen, das aber zum bestehenden städtischen Gesicht passt. Städtebau hat mich schon immer fasziniert und ich gehe mit grossem Respekt an diese Aufgabe.

    Was haben die von Ihnen realisierten Werke gemeinsam?
    Einfachheit in der Materialisierung, Einfachheit in der Formgebung und klare Linien sind Charakteristika, auf die ich grossen Wert lege. Daran orientiere ich mich, um Räume entstehen zu lassen, die der Bewohner respektive Benutzer oder Besucher als angenehm und stimmig empfindet.

    Wo finden Sie Ihre persönliche Quelle der Inspiration?
    Auf Reisen, in anderen Kulturen, aber auch in meiner Heimat, wenn ich beispielsweise ein altes Walliser Haus betrete. Es ist wichtig, seinen Wurzeln treu zu bleiben und weiterzuentwickeln, was unsere Vorfahren aufgebaut haben. Und genauso wichtig ist es, dass dann später auch die nächste Generation unsere Werke weiter nutzen oder an ihnen bauen kann.

    Woran messen Sie selbst Ihren Erfolg?
    Mein Ziel ist es, Architektur zu gestalten, die eine besondere Stimmung in einem auslöst, wenn man ihr begegnet, in der man sich wohlfühlt, wenn man sie betritt, und die in ihren Kontext passt. Ein positives Feedback vonseiten der Bauherrschaft reicht dann schon.

    Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Partner bei der Realisierung eines Projektes aus?
    Wir arbeiten mit regionalen, ortsansässigen Partnern. Abhängig vom Bauvolumen beauftragen wir dann grössere oder kleinere Unternehmer, um sicherzustellen, dass ihre personellen Kapazitäten dem Auftragsaufkommen entsprechen. Ausschlaggebend ist die Zufriedenheit der Bauherrschaft, deshalb wählen wir verlässliche, kompetente Partner, die auch längerfristig und vor Ort für die Bauherrschaft ansprechbar sind.

    Wie viel Architektur braucht der Mensch? Ist Ästhetik am Bau mehr als nur Luxus?
    Architektur ist erst dann gelungen, wenn sie eine Atmosphäre erschafft, einem Raum Kraft und Ausstrahlung verleiht. Ein Gebäude ohne architektonisches Konzept ist schnell erstellt, aber man sollte sich nicht nur über kurzfristige Kosten Gedanken machen und nicht jedem Trend nacheifern. Hier kommt wieder die Einfachheit in der Materialisierung ins Spiel oder der Einsatz regionaler, zeitloser und nachhaltiger Materialien, wie beispielsweise Holz. Mit entsprechender Architektur lässt sich auch direkt eine Botschaft kommunizieren, wie dies in der Marketingarchitektur umgesetzt wird.

    Was machen Sie als Ausgleich zur Architektur?
    Neben meinen Beruf als Architektin bin ich passionierte Fotografin. In der Briger Burgschaft habe ich seit Anfang Jahr mein eigenes «atelierkathrin», wo ich mich der Porträt- und Peoplefotografie widme. Wie in der Architektur, bin ich auch in der Fotografie stets auf der Suche nach dieser magischen Stimmung und Emotionen. 


    www.bauatelier12.ch
    www.bringhen.ch

  • «Unser Kanton engagiert sich sehr aktiv in der Innovationsförderung»

    «Unser Kanton engagiert sich sehr aktiv in der Innovationsförderung»

    Herr Stricker, mit welchen Vorzügen werben Sie für den Wirtschaftsstandort Kanton Basel-Stadt?
    Natürlich mit der einmaligen Lage am Dreiländereck und der hohen Lebensqualität. Aber vor allem ist Basel eine sehr dynamische Wirtschaftsregion mit starkem Wachstum, einer hohen Innovationskraft und dem damit verbundenen Talentpool. Im aktuellen kantonalen Wettbewerbsindikator der UBS liegt Basel-Stadt auf Rang zwei und punkto Innovation sogar auf dem ersten Rang.

    Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass der Kanton Basel-Stadt einen aktiven Beitrag leistet, damit die ansässigen Unternehmen eine höhere Wertschöpfung erzielen. Was heisst das konkret?
    Wir unterstützen Firmen bei individuellen Fragestellungen, sei es bei Anliegen an die kantonale Verwaltung wie Arbeitsbewilligungen oder bei der Immobiliensuche. Dafür ist der persönliche Kontakt und Austausch unserer Branchenverantwortlichen mit den Firmen sehr wichtig. Aber wir arbeiten auch strukturell für optimale Rahmenbedingungen, beispielsweise bei der Wirtschaftsflächenentwicklung.

    «Momentan haben wir bei Büroflächen die niedrigste Angebotsquote der Schweiz.»

    Die Standortförderung setzt sich dafür ein, dass Unternehmen optimale Bedingungen vorfinden. Mit dieser Aussage buhlen auch andere Kantone. Wie hebt sich der Kanton Basel-Stadt von der Konkurrenz ab?
    Zum Beispiel engagiert sich der Kanton sehr aktiv in der Innovationsförderung. Mit dem Technologiepark Basel, welcher Büro- und Laborflächen für Jungunternehmen anbietet, haben wir ein erfolgreiches Angebot geschaffen, das zusammen mit den hier ansässigen Hochschulen und Forschungsinstituten ein attraktives Ökosystem für Startups bildet.

    Sie gilt auch als Vermittlerin im Immobilienbereich. Wer sind Ihre Kunden und woher stammen sie?
    Die meisten Anfragen kommen von hier ansässigen Firmen, die Fläche zum Expandieren suchen oder neue Arbeitsformen implementieren wollen. Es gibt aber auch Neuansiedlungen von internationalen Firmen, zum Beispiel aus Nordamerika oder Asien. Diese werden dann von der regionalen Standortpromotion BaselArea.swiss unterstützt.

    Der Kanton Basel-Stadt ist bestrebt, dass Flächen in einem der Nachfrage entsprechenden Mass und in der gewünschten Qualität zur Verfügung stehen. Das heisst?
    Man muss sich vorstellen, dass eine Firma zur Wahl eines neuen Standortes eine Auswahl von möglichen Optionen benötigt – die meisten Menschen schauen sich bei der Suche nach einem neuen Wohnort auch nicht nur eine Wohnung an. Für uns heisst das, dass man im besten Fall mehrere Flächen zur Verfügung hat, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Grösse und Lage für verschiedene Tätigkeiten und Firmen interessant sind.

    Wie beurteilen Sie den Geschäftsimmobilienmarkt im Kanton Basel-Stadt?
    Momentan haben wir im Bereich Büroflächen die niedrigste Angebotsquote der ganzen Schweiz. Gleichzeitig gab es in den letzten Jahren eine konstant hohe Nachfrage – insbesondere nach Laborflächen. Wir sind aber optimistisch, dass bald weitere, sehr interessante Flächen für wirtschaftliche Tätigkeiten verfügbar werden. Für Investoren bieten sich aufgrund der Nachfrage spannende Perspektiven, und wir zählen darauf, dass auch im Bereich der Miet-Laborflächen eine höhere Angebotsdynamik entsteht.

    In Basel und Umgebung sind viele Arealentwicklungen im Gange. «Volta-Nord», «Dreispitz», «Klybeckplus», das «Areal Wolf» oder das «Stücki-Areal», um nur einige Beispiele zu nennen. Wie profitiert die Standortförderung Basel-Stadt von diesen Mega-Projekten?
    Alle diese Areale sind historisch Wirtschaftsflächen, die nun in neue Nutzungsstrukturen überführt werden. Da gilt es, die richtige Strategie für die zukünftige Ausrichtung des Wirtschaftsstandorts Basel und einen gesunden Mix aus verschiedenen Nutzungen zu finden. Basel-Stadt möchte bis 2035 Raum für rund 20’000 neue EinwohnerInnen und für 30’000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Ohne diese Entwicklungsareale ist das nicht zu schaffen.

    Die Region Basel gilt weltweit als führender Life Sciences Cluster. Liegt das hauptsächlich an den beiden Unternehmen Roche und Novartis?
    Natürlich sind die beiden Firmen sehr wichtig für unseren Standort. Es gibt aber auch viele weitere wichtige Firmen im Bereich Life Sciences, wie zum Beispiel Lonza, Bayer, Syngenta oder Straumann, die zum Teil stark wachsen. Zum Cluster, das sie ansprechen, gehören aber auch die vielen Startups, KMU, Hochschulen und Forschungsinstitute. Insgesamt sind über 700 Life Sciences Firmen in der Region aktiv, das Wachstum ist also breit abgestützt.

    «Der EuroAirport ist dank vieler Direktverbindungen enorm wichtig.»

    Wie stark profitierte der Kanton Basel-Stadt vom «Switzerland Innovation Park Basel Area»?
    Der Switzerland Innovation Park mit seinen Standorten in Allschwil, Basel und Delémont ist ein wichtiges Element in der vorher erwähnten Innovationslandschaft und ein Symbol für die regionale Zusammenarbeit. Er eröffnet dem Life Sciences Cluster neue Möglichkeiten.

    In welchen Bereichen sehen Sie die grössten Herausforderungen?
    Momentan haben wir eine hohe Nachfrage nach Laborräumlichkeiten, die kurzfristig nicht genügend gedeckt werden kann. Dabei wäre es wichtig, den vielen erfolgreichen Startups Expansionsflächen zur Verfügung zu stellen. Hier sind die Investoren gefragt!

    «Eine gewisse Konkurrenz liegt im Interesse der Unternehmen.»

    Der Wirtschaftsstandort Basel grenzt sowohl an Deutschland als auch an Frankreich. Wie stark steht die Standortförderung Kanton Basel-Stadt in Konkurrenz mit diesen zwei Nachbarländern?
    Bei den wertschöpfungsstarken Unternehmen nehmen wir eher den Standortwettbewerb mit anderen Kantonen und mit «Hot Spots» im Ausland wahr. Anders sieht es im Detailhandel aus – da sind die Grenzlage, der Wechselkurs und vor allem der Onlinehandel ernsthafte Herausforderungen.

    Für viele internationale Unternehmen stehen bei einer Ansiedlung Steuervorteile im Vordergrund. Wie überzeugen Sie Firmen, ihr Headquarter in der Region Basel-Stadt anzusiedeln?
    Basel bietet nach der Annahme der STAF auf kantonaler und Bundesebene rückwirkend per Anfang 2019 einen attraktiven Gewinnsteuersatz von dreizehn Prozent und damit eine grosse Planungs- und Rechtssicherheit für Unternehmen. Diese schätzen zudem die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften und Talenten. Da profitiert Basel von der Personenfreizügigkeit und von rund 35’000 qualifizierten Grenzgängern und Grenzgängerinnen aus Deutschland und Frankreich.

    Welche Rolle spielt für die Standortförderung Basel-Stadt der nahe EuroAirport Basel Mulhouse?
    Der EuroAirport ist dank vieler Direktverbindungen und Zubringerflügen zu den Hubs enorm wichtig für die Region – nicht nur für den Personentransport, sondern auch als Logistikdrehscheibe. Der Flughafen ist beispielsweise sehr stark auf die anspruchsvolle Logistik von Pharmaprodukten spezialisiert. Das ist ein wichtiges Argument für viele Firmen der Region.

    Worin sehen Sie die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Standort Kanton Basel-Stadt und anderen Wirtschaftsstandorten der Schweiz?
    Durch die spezielle Lage an zwei Landesgrenzen und dem Rhein ist Basel die Logistikdrehscheibe der Schweiz und von Natur aus sehr international ausgerichtet. Daneben bietet die Region eine einzigartige Innovationslandschaft, vor allem im Bereich der Life Sciences, und eine beeindruckende Konzentration an Versicherungsgesellschaften. Zudem geht oft vergessen, dass – ein Unikum in der Schweiz – Kantons- und Stadtbehörden identisch sind. Das macht uns als Partner der Unternehmen handlungsfähig und agil.

    Auch der Kanton Basel-Landschaft ist ein Wirtschafts-, Innovations- und Bildungsstandort mit Schwerpunkt Life Sciences. Wie stark konkurrenzieren sich diese beiden Kantone?
    Eine gewisse Konkurrenz und ein gutschweizerischer Ideenwettbewerb liegen sicher im Interesse der Unternehmen. Gleichzeitig arbeiten wir aber in wichtigen Projekten und Institutionen auch sehr eng zusammen, übrigens meist zu dritt mit dem Kanton Jura. Auf der persönlichen Ebene sind die Kontakte gut. Wir kennen und schätzen uns – trotz der Kantonsgrenzen.

    Wie und wo macht die Standortförderung Kanton Basel-Stadt auf ihre Wirtschaftsregion aufmerksam?
    Wir sind an vielen Anlässen zum Thema Wirtschaftsentwicklung in der Region präsent und organisieren und unterstützen selber auch wichtige Veranstaltungen zur Vernetzung wie etwa das Swiss Innovation Forum im November oder den kürzlich durchgeführten Digitaltag. Im Ausland vertritt die BaselArea.swiss unseren Standort.

    Was wünschen Sie dem Standort Basel?
    Dass er sich weiter so positiv entwickelt wie in den vergangenen Jahren und wir weiter Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich neben den Grossfirmen auch Startups und KMU am Standort Basel positiv entwickeln können. ■

    www.awa.bs.ch/standortfoerderung

  • «Nachhaltige Entwicklung ist heute keine  Lifestylefrage mehr»

    «Nachhaltige Entwicklung ist heute keine Lifestylefrage mehr»

    Herr von Graffenried, herzliche Gratulation: Im Städteranking 2019 von Wüest & Partner liegt die Stadt Bern in Sachen höchste Lebensqualität neu an dritter Stelle. Worauf führen Sie das zurück?
    Bern hat einen Lauf. Die Stadt hat eine starke Identität – die Bernerinnen und Berner lieben ihre Stadt und haben konkrete Vorstellungen, was gut ist für Bern. Das sind beste Voraussetzungen, um eine hohe Lebensqualität zu entwickeln. Politik und Verwaltung waren erfolgreich darin, die Interessen der Einwohnerinnen und Einwohner aufzunehmen. Das hat spürbar zur Erhöhung der Lebensqualität beigetragen.

    Seit 2017 sind Sie Stadtpräsident von Bern. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
    Es ist schlicht das schönste, vielfältigste Amt, und das in der schönsten Stadt der Welt. Was will man mehr.

    Filippo Leutenegger, 2018 Anwärter auf das Zürcher Stadtpräsidium, sagte in einem Interview: «Als Stadtpräsident hat man keine Macht, höchstens Einfluss». Stimmen Sie dem zu?
    Wo er recht hat, hat er recht! In der Schweiz ist die Macht vielfach geteilt. So bin ich kein CEO der Stadt, sondern muss für alle Entscheide Mehrheiten gewinnen. Im Gemeinderat, im Stadtparlament oder auch in einer Volksabstimmung. Das ist zwar mitunter anstrengend, ist aber im Erfolgsfall befriedigend und führt zu einer besseren Akzeptanz. Dieses System ist die wichtigste Voraussetzung für die gut integrierte Gesellschaft in der Schweiz, das ist für mich unser wichtigster Erfolgsfaktor überhaupt.

    Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Bern eine ökologische Vorbildstadt sein soll. Was heisst das konkret und wie möchten Sie das umsetzen?
    Als Hauptstadt haben wir eine Leaderfunktion. Wir haben den Anspruch an uns, im Bereich der Nachhaltigkeit die innovativste und fortschrittlichste Schweizer Stadt zu sein. Im Verkehr – Stichwort Verkehrsberuhigung in den Wohnquartieren – gelingt uns dies bereits sehr gut. Dasselbe wollen wir auch in anderen Bereichen wie Energie, Raumplanung, Städtebau umsetzen.

    Von 2007 bis 2011 waren Sie bei Losinger Marazzi AG verantwortlich für nachhaltige Entwicklung und von 2012 bis 2016 Direktor «Immobilienentwicklung Mitte». Wie definieren Sie nachhaltige Entwicklung?
    Gemäss den gängigen Definitionen: Die Befriedigung unserer heutigen Bedürfnisse soll nicht die Möglichkeiten künftiger Generationen beeinträchtigen. Wichtiger als die präzise Begriffsdefinition ist mir aber die Erkenntnis, dass nachhaltige Entwicklung heute keine Lifestylefrage mehr ist, sondern eine Überlebensfrage.

    Das heisst?
    Vor 10’000 Jahren, in der letzten Eiszeit, lag über Berlin ein 200 Meter dicker Eispanzer. Was meinen Sie, wieviel tiefer lag damals die Durchschnittstemperatur in Berlin? Die Antwort ist: Fünf Grad. Ich glaube, das zeigt gut, wie wichtig und dringend ein sorgsamer Umgang mit der Klimaerwärmung ist. Nachhaltige Entwicklung heisst Verantwortung übernehmen; Verantwortung für eine sozial, ökologisch und wirtschaftlich tragbare Zukunft.

    Welche Kriterien müssen erfüllt werden, damit man diesem Begriff bei Arealentwicklungen gerecht wird?
    Wir bauen Neubauten für 50, 80 oder über 100 Jahre. Wenn wir sehen, wie aufwändig Sanierungen sind, ist es logisch, dass wir künftige Entwicklungen antizipieren müssen. Nachhaltige Arealentwicklung beinhaltet auch Ansprüche der sozialen Nachhaltigkeit. Dies fängt im Partizipationsprozess der Arealentwicklung an und setzt sich mit einem schlauen Mix der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer fort, damit unsere neuen Stadtquartiere bereits beim Bezug mit Leben erfüllt werden.

    Sie plädieren für die Planung von 2’000-Watt-Quartieren und Plusenergie-Bauten. Können Sie das etwas genauer erläutern?
    Es geht um unsere Zukunft! Wir wollen nicht, dass sich künftige Städterankings an Kriterien wie einer funktionierenden Wasserversorgung oder der Anzahl der Hitzetoten bemessen. Dafür müssen wir den CO2-Ausstoss drastisch senken. Nun ist der Gebäudesektor in der Schweiz mindestens für ein gutes Viertel der hier ausgestossenen Klimagase verantwortlich. Daher ist es zentral, bei der Sanierung bestehender oder der Erstellung neuer Gebäude die grossen Potenziale zu nutzen, um den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss zu senken. Das können wir nur mit der Förderung von 2’000-Watt-Quartieren und Plusenergie-Bauten erreichen.

    Was wurde in diesen Bereichen bereits verwirklicht?
    Bei städtischen Gebäuden setzt die Stadt Bern Massstäbe für umwelt- und energiegerechtes Bauen. Im Bereich der Wohnüberbauungen haben wir die vorbildhaften Siedlungen «Stöckacker Süd» und «Burgunder» realisiert. Weitere Planungen wie das «Warmbächli-Areal» oder das «Viererfeld» werden bald folgen.

    Das Projekt «Aarerain» in Worblaufen der Gemeinde Ittigen soll das erste Plus­energie-Quartier der Schweiz werden und einen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes leisten?
    Um den Standard Plusenergie-Quartier zu erreichen, ist es notwendig, pro Jahr mehr Energie zu produzieren als das Quartier verbraucht. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Ziel anzustreben. Auch wir in Bern sind gewillt, bei geeigneten Arealen mit den Grundeigentümerschaften Regelungen anzustreben, welche die Realisierung von Plusenergie-Quartieren ermöglichen.

    «Partizipation wird in Bern grossgeschrieben.»

    Welche weiteren Grossprojekte stehen an, respektive welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?
    Die Bebauung des «Viererfelds» mit Wohnungen für über 3’000 neue Einwohnerinnen und Einwohner. Ebenso am Herzen liegen mir Infrastrukturprojekte wie der Ausbau des Bahnhofs Bern oder die Tunnellösung Bypass A6; diese haben einen enormen Einfluss auf das zukunftsfähige Funktionieren der Stadt. Sehr viel erhoffe ich mir schliesslich von unserem Projekt «Kooperation Bern», das der Stärkung der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit dient, bis hin zu Fusionen.

    Als Stadtpräsident möchten Sie den Städtebau vorantreiben, denn Sie würden über ein «Planungsgen», verfügen, berichtete die Neue Zürcher Zeitung. Können Sie dieses «Gen» anwenden?
    Ob es ein Gen ist, bezweifle ich. In der Sache ist es aber in der Tat so, dass wir in Bern derzeit viele und ausgesprochen spannende Planungsprojekte haben.

    Sie sagen: Wenn eine Stadt wächst, treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Wie kann man diesen gerecht werden?
    Indem man in erster Linie gut zuhört. Dann erfährt man, was die Menschen brauchen und möchten. Partizipation wird in Bern grossgeschrieben. In unterschiedlichen Arten der Mitwirkung holen wir die Bedürfnisse ab, also zum Beispiel die Anliegen der Wohnbevölkerung, der Gewerbetreibenden, der Kultur-, Sport- oder Eventszene. Beispielsweise können sich die Menschen momentan in einem breit angelegten Mitwirkungsprozess zur Zukunft des Freibads Marzili einbringen.

    «Die Leute möchten den öffentlichen Raum nutzen.»

    In welche Richtung wird sich Bern und die umliegenden Quartiere entwickeln?
    Dynamisch. Ich spüre einen grossen Gestaltungswillen aus der Baubranche, der Politik, aber auch aus der Bevölkerung. Die Leute möchten den öffentlichen Raum nutzen und mitgestalten, was zu lebendigen Quartieren beiträgt. Gleichzeitig möchte ich dafür sorgen, dass Investitionen in Neubauten und Sanierungen sorgfältig erfolgen. Qualität soll von zentraler Bedeutung sein. Im Städtebau, Wohnraum, Sozial- und Aussenraum, in der Ökologie, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Entwicklung der Stadt soll – kurz gesagt – nachhaltig erfolgen.

    Wo setzen Sie als Stadtoberhaupt Ihre Prioritäten?
    Ich möchte dafür sorgen, dass sich die Menschen in Bern zuhause fühlen. Damit schliesse ich unterschiedlichste Lebenswelten ein: Ob dies das Zuhause des Wohnens, Arbeitens, der Bildung, von Gästen oder von Freizeit und Sport ist. Und ich will der Bevölkerung Mitbestimmung und Selbstverantwortung ermöglichen und zu einer tragfähigen Gesellschaft beitragen, in der sich die Menschen auch für andere und für die Gemeinschaft engagieren. ■

  • "Eine Vision von Immobilien in der französischsprachigen Schweiz"

    "Eine Vision von Immobilien in der französischsprachigen Schweiz"

    Herr Hamdani, Sie leiten die Aktivitäten von CBRE in der französischsprachigen Schweiz. Können Sie uns sagen, woraus Ihre Aktivitäten bestehen und wie sie organisiert sind?
    CBRE Schweiz ist führend in der gewerblichen und Investment-Immobilienberatung. Wir sind seit über zwanzig Jahren in der Schweiz tätig und arbeiten dank mehr als 100 Mitarbeitern in unseren Büros in Zürich, Genf, Lausanne und Basel eng mit Investoren, Eigentümern und Mietern zusammen. Wir bieten eine breite Palette integrierter und strukturierter Dienstleistungen in fünf Hauptgeschäftsbereichen an, die den gesamten Immobilienzyklus und für alle Arten von Vermögenswerten abdecken:


    „Kapitalmarkt“: Verkauf und Erwerb von Immobilien und Portfolios
    Immobilien, Schuldenstrukturierung und Portfoliomanagement;
    „Beratung & Transaktion“:
    Vermietung von Gewerbegebäuden im Auftrag von Eigentümern.
    Suche nach Räumlichkeiten und Verwaltungsverfahren für Mieter:
    „Gebäudeberatung“: Management von Entwicklungsprojekten,
    Projektentwicklung und -kontrolle, technische Due Diligence;
    „Property Management“ Management von Immobilienportfolios
    und Einkaufszentren;
    „Bewertung und Beratung“:
    Bewertung von Portfolios und Immobilien aller Art,
    Durchführung von Markt- und Machbarkeitsstudien.


    Zusätzlich zu unserer starken lokalen Präsenz sind wir Teil einer globalen Gruppe mit einem starken internationalen Netzwerk, das in mehr als 100 Ländern aktiv ist und weltweit mehr als 80.000 Mitarbeiter beschäftigt.

    Welche wichtigen Fakten könnten Sie speziell für die französischsprachige Schweiz in Bezug auf Ihre Transaktionsaktivitäten hervorheben?
    Parallel zum Wachstum des Investmentmarktes verzeichnen wir ein kontinuierliches Wachstum unserer „Kapitalmarkt“ -Aktivitäten. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben, haben wir 2018 unsere Kunden bei Immobilien- und Portfoliotransaktionen mit einem Gesamtvolumen von mehr als einer Milliarde Franken in der ganzen Schweiz unterstützt. Und unser Geschäft ist seit Jahresbeginn weiter gewachsen.

    Wir sind auch weiterhin sehr aktiv im Bereich „Advisory & Transaction“, indem wir an sehr guten Marketingmandaten arbeiten, beispielsweise in Genf mit mehreren Bürogebäuden in der prestigeträchtigen Rue du Rhône. Noch im Genfer Hyperzentrum ist die laufende Renovierung des 7.700 m² großen Confédération Centers eines unserer emblematischen Projekte, für die wir den Eigentümer bei der Definition innovativer Konzepte für die Installation neuer Marken unterstützen. In Lausanne haben wir auch die Möglichkeit, den Umzug der 15.000 m² großen ehemaligen Zentrale von Nespresso in die Avenue de Rhodanie zu übernehmen. Schließlich unterstützen wir im Rahmen unserer Mietervertretung verschiedene, häufig internationale Unternehmensprofile bei der Suche nach Flächen, insbesondere in Genf.

    Und was ist mit anderen Geschäftsbereichen?
    Unsere Fähigkeiten im Projektmanagement und in der Projektmanagementunterstützung ermöglichen es uns, Hand in Hand mit wichtigen Akteuren der Stadtentwicklung in der französischsprachigen Schweiz zu arbeiten, insbesondere mit CFF bei Eaux-Vives in Genf und am Standort Malley in Lausanne. Darüber hinaus hat uns die Verbesserung unseres Know-hows im Bereich der Immobilienbewertung in jüngster Zeit ermöglicht, an der Bewertung eines institutionellen Portfolios im Wert von mehr als einer Milliarde Franken zu arbeiten.

    Wie sehen Sie den französischsprachigen Schweizer Immobilienmarkt?
    Die französischsprachige Schweiz und insbesondere die Genfersee-Region verzeichneten 2018 ein bemerkenswertes Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen, nachdem sie den nationalen Durchschnitt übertroffen hatten. Darüber hinaus bleibt das Bevölkerungswachstum trotz einer leichten Verlangsamung positiv. Infolgedessen bleibt die Mietnachfrage auf dem Immobilienmarkt stark, insbesondere in der Region des Genfersees.

    Andererseits tragen die Zunahme der Lieferungen und Neubauten dazu bei, dass die Leerstandsquoten für Wohnungen und Büros vor allem in den Außenbezirken steigen, während das mangelnde Angebot insbesondere in der Innenstadt von Genf und insbesondere in Lausanne bestehen bleibt. Die Fundamentaldaten des Marktes sollten in den beiden großen französischsprachigen Städten dennoch solide bleiben.

    Was sind Ihrer Meinung nach die Haupttrends auf dem Markt?
    Schreibtische?

    Nach einer Phase der Konsolidierung und Reduzierung der Belegungskosten stellen die Nutzer von Büroflächen das Humankapital stärker in den Mittelpunkt ihrer Immobilienstrategie. Sie suchen nach gut platzierten und vernetzten, effizienten und flexiblen Räumlichkeiten für ihre Mitarbeiter, die mit dem Ausbau von „flexiblen Bürobetreibern“ wie der IWG einhergehen. Darüber hinaus ist die Attraktivität von Objekten in der Innenstadt oder in guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr nicht zu leugnen. Angesichts der immer anspruchsvolleren Nachfrage führen institutionelle Eigentümer Renovierungsarbeiten durch, um ihre Bestände neu zu positionieren, wie dies beispielsweise im Genfer Geschäftsviertel zu sehen ist.

    „Den Immobilienmarkt verstehen, um Investitionsnischen zu nutzen“

    Welche Entwicklungen beobachten Sie auf der Investmentmarktseite? Was sind die größten Herausforderungen für Investoren?
    In einem Umfeld niedriger oder sogar negativer Zinssätze bleiben Immobilien eine wesentliche Anlageklasse für Anleger, die es ermöglicht, sowohl ihre Portfolios zu diversifizieren als auch eine attraktive Rendite zu erzielen und gleichzeitig ein gemessenes Risikoprofil beizubehalten. Der heutige Trend geht jedoch dahin, dass sich das Kapital auf risikoarme „Kernanlagen“ in der Innenstadt, im Wohnbereich oder möglicherweise im Büro konzentriert. Dieser starke Wettbewerb hat jedoch zur Folge, dass die „Prime“ -Renditen für Immobilien auf ein historisch niedriges Niveau gedrückt werden. In Genf veranschaulichen der Verkauf eines Wohnportfolios mit drei Gebäuden an eine Schweizer Institution oder der Verkauf eines anderen Portfolios aus vier Wohngebäuden an einen Versicherer, der sich noch in Genf befindet, dieses Phänomen perfekt.

    Im Gegenteil, Wertschöpfungs- oder dezentrale Vermögenswerte sowie Einzelhandelsimmobilien werden von den Hauptinvestoren trotz höherer Renditen vernachlässigt, wobei der Verkaufsprozess für diese Art von Vermögenswerten immer länger wird. Zu diesem Zeitpunkt des Zyklus bleiben die Anleger daher bei der Definition des Risiko-Rendite-Paares sehr wachsam, auch wenn das zu investierende Kapital weiterhin reichlich vorhanden ist.

    Schließlich gibt es in diesem Zusammenhang Nischenmärkte, in denen
    könnten Investoren wetten?

    Heute ist klar, dass sich viele Immobilienanbieter mehr in Richtung sogenannter „alternativer“ Sektoren wie Studentenwohnheime, Seniorenresidenzen, medizinische Zentren oder sogar Rechenzentren bewegen. Darüber hinaus zeigt unsere jüngste europaweite Umfrage, dass 70% der befragten Investoren derzeit aktiv nach Möglichkeiten für diese Nischenmärkte suchen.

    Warum?
    Diese Arten von Vermögenswerten bieten zwei wesentliche Vorteile: Zum einen sind sie in Bezug auf die Rendite im Allgemeinen rentabler als die auf dem Büro- und Wohnungsmarkt angebotenen. Der zweite Vorteil besteht darin, dass diese Sektoren von sehr günstigen zugrunde liegenden Trends angetrieben werden, insbesondere aus demografischer und technologischer Sicht, und die es den Anlegern ermöglichen, langfristig zu planen. Aus all diesen Gründen bin ich überzeugt, dass diese Immobiliensektoren weiterhin einen wachsenden Platz in den Strategien der Investoren einnehmen werden. ■

  • Die geliebte Marke

    Die geliebte Marke

    Die Region – nennen wir es die Modellregion – ist ein integrierter Ballungsraum in einer ländlichen Umgebung mit einer zentralen Stadt mit fast 25.000 Einwohnern. In der gesamten Agglomeration leben fast 60.000 Menschen.

    Die Region wagt jetzt einen Schritt in die Zukunft und investiert in einen kollaborativen lokalen Marketingdienst. Es erteilt das fragliche Mandat einer Persönlichkeit, die in der Wirtschaft und in der lokalen Politik bekannt und geschätzt ist. Die Verbände der lokalen Wirtschaft (Industrie-, Handels- und Handwerksorganisationen) sowie die fast 20 in der Region vertretenen Gemeinden unterzeichnen eine Verpflichtungserklärung und beteiligen sich an dieser Organisation, indem sie eine Modepartnerschaft zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich abschließen.

    Der neue lokale Vermarkter hat sofort die Aufgabe, eine für die Region attraktive Marke zu finden, die moderne Werte vermittelt, die mit zukünftigen Projekten im Einklang stehen. Er führt diese Mission in Zusammenarbeit mit einer Markenagentur aus. Das Bild der „neuen“ Region ist erfrischend und vermittelt das Bild eines innovativen, offenen und liberalen Ortes.

    Obwohl dies eine fiktive Ausgangssituation ist, die für diesen Artikel erfunden wurde, kann es sein, dass in dem kleinen Land der Schweiz einige lokale Marketingdienste auf diese oder eine ähnliche Weise institutionalisiert wurden. Dies ist der Kontext.

    Nach dem Wachstum kommt die Stagnation
    Viele Punkte im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Marke werden in dieser Fallstudie ebenfalls korrekt ausgeführt. Investoren haben bereits nach einem Jahr eine positive Meinung über die Marke, und nach etwas mehr als fünf Jahren kann die Region bereits bemerkenswerte Erfolge bei der Gründung von Unternehmen und Einzelpersonen vorweisen.

    Nach dem siebten Jahr wird jedoch normalerweise festgestellt, dass dieses Wachstum zu einer Stagnation führt. Die Organisation verliert allmählich ihre Unterstützung, obwohl sie bei ihren Investoren und externen Partnern immer noch einen ausgezeichneten Ruf hat.

    Was ist passiert?
    Obwohl wir in Motivationskampagnen und in eine neue Marke investiert haben, haben wir vergessen, die Position lokaler Unternehmen und lokaler Bürger in Bezug auf die Werte der neuen Marke zu berücksichtigen. In der Tat waren die Grundwerte der Region eher konservativ. Die Marke widersetzte sich zunehmend den Grundwerten der Region mit ihren offenen und liberalen Tendenzen (mit entsprechendem Verhalten der lokalen Marketingabteilung). Um es klarer auszudrücken: Die Region entfernte sich immer weiter von der Marke. Dies ist verständlich, da die Grundwerte von Bürgern und Organisationen über mehrere Jahrzehnte hinweg geschmiedet und gestärkt wurden. Leider wurde diese „Entfremdung“ immer mehr an die Marketingabteilung weitergegeben. Ihr anfänglicher guter Ruf litt darunter.

    Wirtschaftliche Analogien und Unterschiede
    In einem Unternehmen wird neben der Entwicklung einer neuen Marke mit ihren brandneuen Werten zu Recht ein Veränderungsprozess etabliert. Neue Werte werden eindringlich nach innen kommuniziert, und bei vielen Aktionen von unterschiedlicher Bedeutung werden die Stakeholder in der Organisation mit den neuen Werten vertraut gemacht. Manchmal ist es notwendig, sich von bestimmten Akteuren zu trennen, damit der Veränderungsprozess erfolgreich durchgeführt werden kann.

    Viele Elemente eines solchen Änderungsprozesses gelten gleichermaßen für das lokale Management. Ihre Anwendung und Implementierung ist jedoch viel komplexer. Es ist schwierig, sich von lokalen Unternehmen zu trennen, die sich nicht ausreichend mit den neuen Werten (der Marke) identifizieren. Es ist nicht möglich, Bürger einfach zu entlassen, die die Werte einer neuen regionalen Marke nicht vertreten können und wollen.

    Lokale Entwicklung und Änderungsmanagement als Aufgaben des lokalen Managements
    Jetzt ist es der lokale Vermarkter, der wieder hereinkommt. Wie der Name schon sagt, vermarktet der Vermarkter die Region. Aber kann / sollte er die Rolle eines lokalen Managers spielen und sich ändern? Ist er befugt, diese Verantwortung zu übernehmen, und verfügt er über das Wissen, um in dieses komplexe und natürlich träge „System“ einer Region einzugreifen? Ist es in der Lage, Veränderungen im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld einzuleiten? Und ist es möglich, eine konservative Region in einen innovativen, offenen und liberalen Standort zu verwandeln? Und darüber hinaus, ohne die nützlichen Fristen zu überschreiten?

    Dies ist in der Regel nicht möglich, da die vier Modelle des lokalen Managements (siehe Abbildung) kaum von einer Person durchgeführt werden können. Lokales Management ist eine komplexe Aufgabe. Es ist wichtig, dies bei der Entwicklung einer (neuen) Marke zu berücksichtigen. Werte, die seit Jahrzehnten existieren, können nicht einfach im Handumdrehen ausgelöscht werden. Daher sollte sich eine neue Marke bei ihrer Entwicklung stattdessen auf bestehende Werte stützen. Andernfalls muss sich das lokale Umfeld allmählich an die Werte einer neuen Marke gewöhnen.

    Es ist fraglich, ob diese Mission vom lokalen Vermarkter übernommen werden kann oder sollte. Dennoch ist es unerlässlich, dass die Rollenverteilung eingehalten wird, um das ordnungsgemäße Funktionieren einer Marke am Ende des Tages sicherzustellen, und dass sie mit den lokalen Grundwerten vereinbar ist. ■

  • «Wir wollen unseren  Beitrag zur Verdichtung und  Ressourcenschonung leisten»

    «Wir wollen unseren Beitrag zur Verdichtung und Ressourcenschonung leisten»

    Herr Schoilew, das Motto der Firma Häring heisst innovatives Bauen
    mit System. Was heisst das konkret?

    Innovation ist das Streben nach der bestmöglichen individuellen Lösung für den Kunden. Wirtschaftlich und technisch. Dabei darf Bewährtes durchaus hinterfragt werden. Ansonsten ist eine gute Lösung, welche zum wiederholten Mal umgesetzt wird, gut, aber nicht besser. Innovation kann auch Bauen mit eigenem Rohstoff bedeuten, vor allem wenn er sich aus Sonne und Wasser entwickelt. Warum sollte eine Bürgergemeinde nicht die Eigenmittel für den benötigten Neubau einer Sporthalle oder eines Gemeindehauses mit Holz aus dem eigenen Wald bereitstellen können? Innovation ist Bauen ohne Land.

    Das heisst?
    Warum sollte ein Immobilieneigentümer nicht die Nutzfläche durch eine Aufstockung erhöhen können? Ganz ohne auf zusätzliche Landressourcen angewiesen zu sein. Wir haben ein System entwickelt, welches Mehr-familienhäuser und Bürobauten mit Aufstockungspotenzial identifiziert. Die vertikale Nachverdichtung mit dem Leichtbaustoff Holz findet innerhalb kürzester Zeit statt und kann durchaus im bewohnten Zustand erfolgen. Innovation kann auch eine flexible, vorgespannte und erdbebensichere Tragkonstruktion in Holz sein. Warum sollte ein Architekt nicht ein grünes Hochhaus damit kreieren können? Ebenso kann Innovation faserverstärktes Brettschichtholz bedeuten. Dadurch wird auch die Verwendung von minderwertigen Holzqualitäten möglich.

    Die Firma Häring prüft die Machbarkeit hinsichtlich Lage, Grösse, Potenzial und gesetzlichen Punkten. Wie gehen Sie vor, wenn das Marktpotenzial vorhanden ist?
    Die Standortprüfung kann eine kleine Testplanung aber auch eine umfassende Portfolioanalyse beinhalten. Sollte Marktpotenzial erkennbar sein, geht es um die richtige Lösung. Stellen Sie sich eine Blockrandbebauung in der Stadt vor. Mehrfamilienhäuser aneinander gereiht und von mehr oder weniger vergleichbarer Breite und Höhe. Gelegentlich finden sich jedoch Bebauungslücken. Hier ist ein Neubau Mittel der Wahl.

    Der moderne Holzbau bietet aus Ihrer Sicht unbegrenzte Möglichkeiten. Wie ist das zu verstehen?
    Holz ist extrem vielseitig, leicht, schnell, grün und digital bearbeitbar. Durch neue Verordnungen, insbesondere im Bereich des Brandschutzes, sind dem Baustoff Holz nahezu keine Grenzen mehr gesetzt. Heute werden weltweit Holzhochhäuser gebaut. Auch in der Schweiz ist diese Tendenz erfreulich. Doch es muss nicht immer ein Hochhaus sein. Ein nach oben strebendes Gebäude geringer oder mittlerer Höhe kann durchaus auch faszinieren. Eine Aufstockung in Holzbauweise ist oft auch mit komplizierten statischen Gegebenheiten vereinbar. Die Flexibilität der Tragwerklösung und somit der Grundrissgestaltung kann auch nach Fertigstellung von Vorteil sein. Umbauten sowie die Zusammenlegung oder nachträgliche Trennung von Nutzeinheiten sind mit einfachsten Mitteln möglich.

    Als ideenreicher und umsetzungs­starker Schweizer Holzbau-Partner, entwickelt, plant und realisiert ­Häring seit 140 Jahren für Private, Unternehmen und die öffentliche Hand Gebäude- und Raumlösungen
    aus Holz für nachhaltige Bauwerke. Können Sie uns ein Beispiel nennen?

    Für die Schweizer Rheinsalinen AG haben wir in Rheinfelden zwei Salzlagerhallen geplant und realisiert. Mit dem geringstmöglichen Aufwand sollte die grösstmögliche stützenfrei überdachte Lagerfläche entstehen. Das Ergebnis sind zwei Holznetzschalenkuppeln mit Durchmessern von 94 und 120 Metern. Mit dem besten Aufwand-Ertrag-Verhältnis für Schuttgüter. Form «follows function». Pragmatisch betrachtet, ist mit dem sogenannten «Saldome 2» der grösste Kuppelbau Europas entstanden. Unempfindlich gegenüber den aggressiven Eigenschaften des Lagermaterials Salz. Die industriellen Anwendungsmöglichkeiten sind neben der Schuttgutlagerung sehr vielseitig. Industriebauten sind einem breiten Publikum jedoch selten zugänglich. Was aus architektonischer Sicht bedauerlich ist.

    Mit dem Projekt «Green City House» in Basel entstehen Stadthäuser in
    Holzsystembauweise und tragen zu einer nachhaltigen Städteverdichtung bei. Zudem weisen sie eine CO²-Einsparung von über 35 Prozent im Vergleich zu konventionellen Bauten auf. Wann sprechen Sie von nachhaltiger Städteverdichtung?

    Nachhaltigkeit ist als Begriff ausgesprochen vielseitig anwendbar. Die ökologische Nachhaltigkeit ist aufgrund der Holzbauweise naturgemäss gegeben. Sei es bei der CO²-neutralen Produktion des Baustoffes oder bei der grauen Energiebilanz. Wirtschaftlich nachhaltig wirken sich die kompakten Wandquerschnitte und die damit verbundene Optimierung der Nutzflächen aus. Ebenso die substanzielle Dauerhaftigkeit, der geringere Wartungsaufwand und die niedrigen Instandhaltungs- und Betriebskosten.

    Wie stark hat bei der Immobilien­entwicklung die durchgängige Digitalisierung (BIM) Einzug gehalten?
    BIM ist bei unserer Arbeitsweise unentbehrlich. Die Wertschöpfungskette ist lang, und die Immobilienentwicklung steht ganz am Anfang. Es folgen Planung, Konstruktion, Produktion und Realisierung. Wir können eine hohe Kosten- und Terminsicherheit nur mittels durchgängig digitalisierten Prozessabläufen sicherstellen. Nach der Planungs- und Bauphase ist das digitale Bauwerksdatenmodell ebenfalls sehr hilfreich. Die Bewirtschaftung der erstellten Immobilie kann darauf basieren. Im Übrigen ist «simultaneous engineering» im Holz- und Systembau schon lange kein Fremdwort mehr. Wir haben bereits in den frühen 1990er Jahren erste Projekte nach dem damaligen Stand der CAD/CAM-Technik realisiert.

    «Architekten bieten wir die Möglichkeit, Ideen umzusetzen.»

    Dieses Jahr feiert die Häring & Co. AG ihr 140-jähriges Bestehen. Welche Strategie verfolgen Sie im Bereich Immobilienentwicklung?
    Architekten bieten wir die Möglichkeit, Ideen umzusetzen. Es geht darum, ohne Einschränkung der Kreativität, nachhaltig zu bauen. Als General- oder Totalunternehmer gehen wir für Investoren renditeorientiert heran. Das bedeutet jedoch nicht, dass Abstriche bei Qualität und Gestaltung in Kauf zu nehmen sind. Bei der Bauweise gilt, so viel Holz wie nötig. Hybridbauten stellen, falls für die Rendite zuträglich, denkbare Lösungen dar. Landeigentümern bieten wir die Möglichkeit, ihre Parzellen direkt zu veräussern oder, falls erwünscht, in den unterschiedlichsten Varianten als Partner bei der Projektumsetzung zu amten. Aus soziologischer Sicht geht es uns um Verdichtung, um lebenswerten Wohn- und Arbeitsraum ohne Zersiedlung und ohne Kompromisse beim Umweltschutz.

    Wo steht das Unternehmen in zwanzig Jahren in Sachen Immobilienentwicklung?
    Die Bedürfnisse des Kunden stehen für uns heute und in zwanzig Jahren unverändert im Zentrum. Unser Spektrum, von der kompletten Immobilienentwicklung über den klassischen und spezialisierten Holzbau bis hin zur umfassenden Aufstockungskompetenz, ist bereits breit gefächert. Mit 160 Jahren wollen wir als der Partner im Bereich der nachhaltigen Immobilienentwicklung schweizweit wahrgenommen werden. Wir wollen unseren Beitrag zur Verdichtung und Ressourcenschonung leisten. ■

  • «Ich bin überzeugt,  dass die Bevölkerung für  das Fussballstadion ist»

    «Ich bin überzeugt, dass die Bevölkerung für das Fussballstadion ist»

    Herr Hilfiker, Sie sind seit dem 1. Januar 2018 Stadtpräsident von Aarau. Wie würden Sie die Hauptstadt einem Auswärtigen beschreiben?
    Aarau präsentiert sich heute als lebendige und dynamische mittelgrosse Stadt im Schweizer Mittelland. Herausragend war in der Geschichte die Episode als Hauptstadt der helvetischen Republik im Jahr 1798. Bemerkenswert ist die Rolle von Aarau im 19. Jahrhundert als ein Treiber des liberalen Bundesstaates. Seit den 90er Jahren hat sich Aarau kontinuierlich positiv entwickelt und belegt im Städteranking zur Lebensqualität in der Schweiz heute den ausgezeichneten fünften Rang.

    Was bedeutet Ihnen das Amt als Stadtpräsident?
    Das Stadtpräsidium ist ein vielfältiges Amt. Die Themen reichen von Familie und Gesundheit über Bildung, Wirtschaft und Finanzen, zu Verkehr und Stadtentwicklung, bis zu Kultur, Sport, Freizeit oder zu den Pflegeheimen und zum Friedhofswesen. Es gibt keinen Lebensbereich, der nicht im Aufgabenspektrum einer mittelgrossen Stadt liegt. Das macht das Amt sehr spannend.

    Wo setzen Sie Ihre Prioritäten?
    In der städtischen Politik sind die Finanz­themen besonders relevant. Keine Stadt kann sich positiv weiterentwickeln, wenn die Finanzen in Schieflage sind. Der Stadtrat sorgt dafür, dass wir uns solide weiterentwickeln. Inhaltlich sind die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) sowie das Projekt
    «Zukunftsraum» besonders relevant. Durch die Bildung einer «neuen Hauptstadt» soll Aarau, gemeinsam mit seiner Region, ein grösseres Gewicht erhalten.

    Zwischen 2014 und 2016 waren Sie Stadtrat und für das Ressort Kultur und Sport zuständig. Vermissen Sie dieses Ressort?
    Kultur und Sport sind für die positive Entwicklung einer Stadt wesentlich. Viele Familien und Unternehmen machen die Wahl ihres Wohn- beziehungsweise Standortes von der Attraktivität des Ortes abhängig. Gute Kultur- und optimale Sportinfrastrukturen bedeuten im Standortwettbewerb Vorteile. Dies haben wir im Ressort Kultur und Sport in der Vergangenheit gut erkannt. Auch mein Nachfolger im Ressort ist sich dieser Funktionen bewusst.

    Als Stadtpräsident sind Sie oberster Chef von rund 750 Mitarbeitenden.
    Sind Sie in Ihrer Funktion vor allem Politiker oder Manager?

    Die Stadtverwaltung ist in zehn Abteilungen aufgeteilt. Ich bin Vorgesetzter dieser Abteilungsleitenden und führe diese über Zielsetzungen, die sich an den Legislaturzielen des Stadtrats orientieren. Als Stadtpräsident bin ich entsprechend wohl beides, politisch sollen die Legislaturziele erreicht werden, und bezüglich Management steht die effiziente Umsetzung der gewählten Strategien im Vordergrund.

    In Ihrer Neujahrsansprache bezeichneten Sie Aarau als eine lebendige, vielfältige und prosperierende Stadt. Was heisst das?
    Lebendig, vielseitig und prosperierend bedeutet, dass Aarau für alle Generationen in allen Lebensbereichen attraktive Angebote unterhält, um die nachhaltige Weiterentwicklung der Region sicherzustellen. Dazu gehören Wirtschafts-, Kultur-, Sport-, Freizeit-, Verkehrs- und Bildungsaspekte.

    Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen und warum?
    In der städtischen Entwicklung sind Bauvorlagen zentral. Kurzfristig steht bis Ende 2020 die Realisierung der Alten Reithalle an. Weiter ist mir die Umsetzung der Planungen im Torfeld Süd, mit Stadion und Wohntürmen, ein Anliegen. Um eine nachhaltige Weiterentwicklung sicherzustellen, werde ich mich dafür einsetzen, dass unsere Finanzen im Gleichgewicht bleiben.

    In Aarau soll die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) definitiv umgesetzt werden, um damit neue Perspektiven zu schaffen. Das heisst?
    Die neuen Perspektiven beziehen sich insbesondere auf die als «Transformationsgebiete» bezeichneten Stadtteile, die im Zuge der wirtschaftlichen Weiterentwicklung neu genutzt werden können. Diese Nutzungen bedeuten mehr Wohnungen und höhere Ausnutzungen, beispielsweise mit Hochhäusern. Im Fokus stehen insbesondere das Torfeld und die Telli.

    Im November findet die Volks­abstimmung über die Teilrevision der Nutzungsplanung mit Hochhäusern statt. Bei einem Ja kann mit dem Bau des Fussballstadions begonnen werden. Wie wird der Entscheid ausfallen?
    Ich bin zuversichtlich, dass die Bevölkerung von Aarau diesem zukunftsträchtigen Projekt zustimmen wird. Nicht zuletzt, weil die Gesamtplanung ausgewogen ist.

    «Der Stadtrat sorgt dafür, dass wir uns solide weiterentwickeln.»

    Welche weiteren Grossprojekte stehen an?
    Neben dem Torfeld Süd stehen wir aktuell vor dem Spatenstich für die angesprochene Alte Reithalle. Ende Jahr dürfte mit dem Bau der neuen Aarebrücke Pont Neuf begonnen werden. Zusätzlich sind diverse private Projekte am Laufen. Etwa die Erneuerung des KiFF, der wichtigsten Adresse im Aargau für moderne und junge Musik. Das Haus ist einer der kantonalen Kultur-Leuchttürme. Weitere Vorhaben sind die Realisierung der Überbauung Bahn­hof Süd und der Neubau des Aarauerhofs.

    Eine Frage zum öffentlichen Verkehr. Die Aargauer Regierung ist der Meinung, dass eine Neubaustrecke zwischen Aarau und Zürich nötig sei, da man bis 2030 mit einer Zunahme des öffentlichen Verkehrs von rund zwei Drittel rechnet. Ist diese Neubaustrecke nötig?
    Ich unterstütze den Neubau der Strecke Aarau-Zürich. Aarau ist die grösste Agglomeration zwischen Zürich und Biel. Ausgezeichnete Zugverbindungen Richtung Zürich, Zürich Flughafen, Basel und Bern sind entscheidend für die positive Entwicklung unserer Region.

    Was wären aus Ihrer Sicht mögliche Alternativen?
    Wirkliche Alternativen gibt es nicht. Allen­falls wären die Verbindungen ab Aarau Richtung Zürich deutlich zu verbessern, wohl zu Lasten der kleineren Agglomerationen. Entsprechend wichtig ist die Unterstützung des ganzen Kantons für das Neubauprojekt Aarau-Zürich.

    Worin liegen die grössten Herausforderungen für die Stadt Aarau in den nächsten Jahren?
    Aarau bildet, gemeinsam mit Baden, das urbane Zentrum des Kantons. Als eine der fünf attraktivsten Destinationen unseres Landes wird es darum gehen, die Voraussetzungen für eine weitere positive Entwicklung sicherzustellen. Im Kanton Aargau besteht die Gefahr, dass kantonale Leistungen dezentral erbracht werden. Der Kanton sollte sich zu seinen Zentren bekennen. Ich plädiere dafür, dass die beiden ausstrahlenden Regionen Aarau und Baden vom Kanton mit zusätzlichen Mitteln für ihre Leistungen bedacht werden.

    Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass Aarau ein innovativer und attraktiver Wohn-, Freizeit- und Arbeitsort bleibt?
    Aarau muss seine Finanzen im Griff behalten, im Kanton als Schwerpunktregion unterstützt werden und selbst die sich bietenden Chancen in Wirtschaft, Kultur und Sport ergreifen.

    Mit welchen Trümpfen kann der Kanton Aargau gegen andere Kantone punkten?
    Der Kanton Aargau ist bezüglich Verkehrs­lage und industrieller Potenziale ausgezeichnet positioniert.

    In welche Richtung wird sich die Hauptstadt in den nächsten
    zehn Jahren entwickeln?

    Aarau wird sich als urbanes, wirtschafts- und bildungsfreundliches, kultur-, sport- und freizeit-affines Zentrum positionieren. Mittelgrosse Städte wie Aarau bieten in der Schweiz die bestmögliche Lebensqualität. ■