Kategorie: Menschen

Menschen – Immobiliennews zu Persönlichkeiten, Meinungen, Interviews & Stimmen aus der Schweizer Immobilienbranche.

  • Die SVIT Immobilien-Messe und Digital Day 2022

    Die SVIT Immobilien-Messe und Digital Day 2022

    Vom 18. bis am 20. März fanden die Zürcher Immobilien Tage statt. Unter dem Dach vom frisch renovierten Kongresshaus wurden dort erstmals die «SVIT Immobilien-Messe», der «SVIT Digital Day» und der «Digital Kompass Schweiz» vereint statt. An den drei Tagen waren insgesamt mehr als 2500 BesucherInnen und mehr als 50 Austeller an der Messe.

    Die Austragung der «SVIT Immobilien-Messe» fand bereits zum zwölften Mal statt und war ein voller Erfolg. Aufgrund der intensiven Bautätigkeiten im Wirtschaftsraum Zürich hat die Messe ihren festen Platz in der Agenda der BesucherInnen gefunden. An der «SVIT Immobilien-Messe» wurden Interessierte für Wohneigentum oder Erstvermietungen fündig, denn es werden auch Bestandsimmobilien und Objekte die erst in Planung sind präsentiert.

    Zum dritten Mal, aber zum ersten Mal mit der SVIT Immobilien-Messe kombiniert, fand am Freitag, 18. März 2022 der «SVIT Digital Day» statt. Von rund 40 Ausstellern wurden die neusten digitalen Trends für die Immobilienbranche gezeigt. Sehr spannend waren auch die praxisorientierten Fachreferate von Joel Hadwiger (Sales Manager casavi), Luc Zehnder (Account Executive Intrum AG) und Erich Birchler (CEO BMT AG).

    Der «Digital Kompass Schweiz» ist eine Innovation des SVIT Zürich. Das Tool begleitet Immobilienakteure auf dem Weg in die digitale Transformation, denn die Effizienz eines Immobilienunternehmen hängt stark von seiner Software und ihrer Schnittstellen zusammen. Die Plattform von SVIT zeigt konkret anwendbare Lösungen auf die gezielt auf die Schweizer Immobilienbranche abgestimmt sind.

    Wir freuen uns auf alle kommenden SVIT-Anlässe.

  • Thomas Hinderling wird neuer Bereichsleiter

    Thomas Hinderling wird neuer Bereichsleiter

    Thomas Hinderling ist bereits seit 2017 für Wincasa tätig. Er war entscheidend am Aufbau der seit fünf Jahren bestehenden Abteilung Mixed-Use Site Management (MUSM) beteiligt und führte anfänglich die Projekte im Raum Zürich. Ab 2019 wurde ihm die Leitung des Bereichs MUSM Deutschschweiz übertragen. In dieser Rolle verantwortete er den Teilbereich innerhalb des Center & Mixed-Use Site Management (CMSM) und war der stellvertretende Bereichsleiter CMSM. Der 47-Jährige verfügt über einen Executive MBA Marketing FH, einen CAS in Urban Management FH und war vor seiner Zeit bei Wincasa als CEO und Partner verschiedener Marketing- und Distributionsunternehmen tätig. Ab 1. Mai 2022 wird er neuer Bereichsleiter CMSM bei Wincasa und damit Geschäftsleitungsmitglied. Nachfolger von Thomas Hinderling wird Philipp Arnold als neuer Leiter MUSM Deutschschweiz.

    Interne Nachfolgeregelungen
    Thomas Hinderling freut sich auf seine neue Aufgabe: «Die CMSM-Leitung von Felix Kubat übernehmen zu dürfen, erfüllt mich mit Freude und Stolz. Wir beide haben in der Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet und viele Projekte erfolgreich lancieren können. Nun gilt es, diese Arbeit zusammen mit meinem neuen Team weiter voranzutreiben, denn es gibt nach wie vor viel Potential.»

    Der Bereich CMSM wurde seit Ende 2019 von Felix Kubat geleitet. Während seiner Wirkungszeit hat er für den Bereich erfolgreich eine neue Strategie entwickelt und implementiert. Dazu gehörten unter anderem der Aufbau zweier CMSM-Standorte, dank denen durch eine gezielte Bündelung der Kräfte und Expertise seitens Center- sowie Mixed-Use Site Management grosse Mehrwerte erreicht werden konnten. Zudem führte er den Geschäftszweig souverän durch die Corona-Krise. Er verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch und wird sich künftig der Führungs- und Dozententätigkeit an einer kaufmännischen Berufs-schule widmen. «In den vergangenen 2.5 Jahren bei Wincasa durfte ich den Bereich Center und Mixed-Use Site prägen und stetig weiterentwickeln. Es war eine sehr spannende und intensive Zeit, auf die ich sehr gerne zurückblicke. Nun freue ich mich auf ein neues Kapitel. Seit einigen Jahren bin ich sporadisch als Dozent auf Stufe HF im Bereich Führungsausbildung tätig. Diese Passion werde ich nun mit einer Führungs- und Dozententätigkeit an einer kaufmännischen Berufsschule weiterverfolgen», sagt Kubat zu seinem Wechsel.

    Die Nachfolge von Thomas Hinderling ist ebenfalls ein interner Wechsel. Neu übernimmt Philipp Arnold die Funktion des Leiters MUSM Deutschschweiz. Er ist seit 2014 bei Wincasa tätig, hat als Centerleiter Zentrum Regensdorf & HUB begonnen und dann im Januar 2020 die Leitung des MUSM Hubs Zürich übernommen. Philipp Arnold verfügt unter anderem über ein Betriebswirtschaftsstudium, einen MAS Immobilienmanagement, einen MAS Brand and Marketing Management und ist RICS Mitglied. Er ist somit bestens für die Nachfolge von Thomas Hinderling gerüstet.

    Oliver Hofmann, CEO Wincasa, sieht die beiden internen Karriereschritte sehr positiv: «Ich danke Felix Kubat herzlich für sein wertvolles Engagement und die gute Zusammenarbeit. Dass wir Thomas Hinderling als neuen Leiter CMSM und Philipp Arnold als neuen Leiter MUSM Deutschschweiz nominieren und die Nachfolge intern regeln konnten, ist sehr erfreulich. Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser personellen Lösung unsere bereits führende Position im Markt noch weiter stärken können.»

  • ETH-Professorin Kaijima erhält Wolf Preis

    ETH-Professorin Kaijima erhält Wolf Preis

    Die Professorin für Architectural Behaviorology an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), Momoyo Kaijima, ist gemeinsam mit ihrem Partner Yoshiharu Tsukamoto mit dem diesjährigen Wolf Preis für Architektur ausgezeichnet worden. Tsukamoto ist Professor am Tokyo Institute of Technology. Beide betreiben gemeinsam das Atelier Bow-​Wow. Die Jury hat laut Medienmitteilung der ETH die Arbeiten beider Professoren aufgrund ihrer grossen Feinfühligkeit für lokale Kontexte und die sozialen Auswirkungen von Architektur zu Preisträgern gewählt.

    Der Wolf Preis wird seit 1978 an Wissenschaftler und Künstler von der in Israel ansässigen Wolf Foundation vergeben. Ausgezeichnet werden Verdienste zum Wohle der Menschheit und freundschaftliche Beziehungen unter den Völkern. Frühere Preisträger in der Kategorie Architektur sind laut der ETH-Mitteilung Frank O. Gehry, Jean Nouvel, Peter Eisenman oder David Chipperfield. Momoyo Kaijima ist erst die dritte Frau, die den Wolf Preis für Architektur erhält.

    Nach diversen Gastprofessuren. unter anderem an der Unoversität Harvard, der Royal Danish Academy of Fine Arts und der Columbia Universität, kam Momoyo Kaijima 2017 an die ETH Zürich, wo sie den Lehrstuhl für Architectural Behaviorology aufgebaut hat.

  • Hans Egloff, Präsident HEV Schweiz: «Der Zusammenschluss von Immoscout24 und Homegate könnte ein Fall für die WEKO werden»

    Hans Egloff, Präsident HEV Schweiz: «Der Zusammenschluss von Immoscout24 und Homegate könnte ein Fall für die WEKO werden»

    Herr Egloff, inwiefern profitieren Sie von Ihrem Studium der Rechtswissenschaften für Ihre Arbeit als Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) der Schweiz und des Kantons Zürich?
    Es ist auf jeden Fall hilfreich. Der Hauseigentümer hat immer wieder rechtliche Probleme und Fragen zu lösen: Vom klassischen Bereich des Eigentums über Steuern, Grundbuch bis hin zum Nachbarschafts- und Mietrecht gibt es ein breites Spektrum, das für unsere Mitglieder wichtig ist. Wir bieten unseren Mitgliedern eine kostenlose Rechtsberatung an – diese wird sehr rege genutzt. Aber auch im politischen Diskurs profitiere ich von meinem juristischen Background.

    Die Abschaffung des Eigenmietwerts wird derzeit erneut auf politischer Ebene diskutiert. Können Sie kurz die Nachteile benennen, die dadurch für Hausbesitzer entstehen und wer davon am meisten betroffen ist?
    Der Eigenmietwert wird auf ein fiktives Einkommen besteuert. Eigenheimbesitzer müssen daher 60 bis 70 Prozent der marktüblichen Miete als Einkünfte für ihre Immobilie versteuern – und zwar solche, die sie in der Praxis nicht erwirtschaften. Dieser Betrag kommt zusätzlich zum regulären Einkommen hinzu. Das hat oft zur Folge, dass die Betroffenen in die höhere oder gar höchste Progression abrutschen und somit deutlich mehr Steuern zahlen müssen. Vor allem ältere Hausbesitzer sind von der derzeitigen Praxis negativ betroffen. Oft haben sie ihre Schulden abbezahlt, sodass der Schuldzinsabzug für sie nicht mehr relevant ist.

    Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Reform dieses Mal durchgeht?
    Der Eigenmietwert wurde vor 100 Jahren als Kriegssteuer eingeführt. Diese wurde dann immer wieder befristet verlängert, bis sie sich als feste Steuer etablierte. Seit 25 Jahren versuchen wir, den Eigenmietwert abzuschaffen. Vor 10 Jahren war ich einmal sehr zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein könnten. Das Projekt läuft jetzt wieder, aber ich bin mir nicht sicher, ob es gelingen wird.

    Wo sehen Sie die Probleme?
    Einerseits stellen Eigenheimbesitzer eine Minderheit in der wahlberechtigten Bevölkerung dar. Auf der anderen Seite hat man gerne Hausbesitzer als Steuerzahler – der Staat verzichtet nur ungern darauf. In diesem Fall gibt es wahrscheinlich keine perfekte Lösung.

    Energierechts-Initiant Martin Neukom von den Grünen sagte, dass laut einer Umfrage in der Stadt Zürich weniger als die Hälfte der Hausbesitzer beim Austausch ihrer Heizungsanlage Alternativen zu Öl und Gas in Betracht gezogen hätten und es daher verbindliche Regeln für den Austausch brauche. Was halten Sie von dieser Argumentation?
    Energie- und Wärmethemen waren in den letzten Jahren ein Thema in jeder Publikation des HEV Schweiz und des HEV des Kantons Zürich. Unsere Mitglieder verfügen diesbezüglich über einen hohen Informationsstand. Die Treibhausgasemissionen sind in den letzten 30 Jahren um 34 Prozent gesunken. Und das, obwohl die Wohnfläche im gleichen Zeitraum um 46 Prozent zugenommen hat. Unsere Mitglieder investieren jährlich 20 Milliarden Franken in den Gebäudeunterhalt – je 9,5 Milliarden Franken in energetische Sanierungen. Diese Zahlen zeigen, dass Hauseigentümer ihre Verantwortung ernst nehmen.

    Weitere Argumente gegen das geplante Energiegesetz, etwa Zwangsräumungen, Zwangsverkäufe oder Mieterhöhungen, hat der Mieterverband der Stadt Zürich entkräftet: Das Energiegesetz zwingt Hauseigentümer nicht, Liegenschaften umfassend zu renovieren und Mietverhältnisse zu kündigen. Waren die Argumente des HEV und Ihrer Partei, der SVP, irreführend?
    Das Energiegesetz zwingt Immobilieneigentümer dazu, im Laufe der Zeit fossile Heizsysteme durch solche mit erneuerbaren Energien zu ersetzen. Nehmen wir als technisches Beispiel eine Immobilie aus den 1960er Jahren mit Ölheizung. Geht diese aus, muss der Eigentümer eine Wärmepumpe einbauen lassen. Bei dieser bereits in die Jahre gekommenen Immobilie macht dies nur Sinn, wenn gleichzeitig die Gebäudehülle saniert wird. Wird beispielsweise mit alten Heizkörpern die Vorlauftemperatur nicht mehr erreicht, muss zusätzlich eine Fußbodenheizung eingebaut werden. Dies führt einerseits zu enormen Kosten. Andererseits können diese Renovierungen nicht mit dem Mieter in der Wohnung durchgeführt werden.

    Und was sagen Sie zur politischen Sichtweise?
    Im Juni dieses Jahres hat der Präsident des Schweizerischen Mieterverbandes, Carlo Sommaruga, in Bern eine Vorlage eingereicht, in der er wörtlich „mietrechtliche Massnahmen gegen Leerstandsanzeigen im Zusammenhang mit energetischen Sanierungen“ fordert. Wenn die von uns vorgebrachten Argumente irreführend wären, wäre ein solcher Ansatz meines Erachtens nicht erforderlich.

    Welchen Beitrag könnten Hausbesitzer Ihrer Meinung nach leisten, um die Klimaziele zu erreichen?
    Ich glaube an Eigenverantwortung, und die oben genannten Zahlen bestätigen, dass diese ernst genommen wird. Zeichnet man auch den Absenkpfad des CO2
    Wenn wir im Gebäudebereich weiter voranschreiten, sehen Sie, dass wir die Klimaziele des Pariser Abkommens problemlos erreichen können. 2050 werden wir bei Netto Null sein. Eine staatliche Regelung halte ich daher in diesem Fall für überflüssig.

    Für wie wichtig und zukunftsweisend halten Sie persönlich die Elektromobilität?
    Grundsätzlich bin ich für Elektromobilität. Aber es bringt viele Herausforderungen mit sich. Einerseits haben wir Lücken in der Energieversorgung. Wir können selbst nicht genug Strom produzieren. Das heißt, wir müssen Atomstrom aus Frankreich und Kohlestrom aus Deutschland beziehen. Andererseits ist die graue Energie in der Elektromobilität relativ hoch. Für die Entsorgung der entsprechenden Batterien wurde noch keine nachhaltige Lösung gefunden. Für mich gibt es zu diesem Thema noch viele offene Fragen.

    Laut einer Studie des Beratungsunternehmens EBP scheitert ein forcierter Verkauf von E-Autos in Sachen Elektromobilität unter anderem an fehlenden Ladestationen in Liegenschaften. Warum fällt es Hausbesitzern schwer, eine solche Installation durchzuführen?
    Ein privater Hausbesitzer, der eine Ladestation für sich selbst benötigt, wird es sicherlich nicht schwer haben, diese installieren zu lassen. Vorausgesetzt, er hat die Mittel dazu. Hat man aber ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen und eine Tiefgarage mit zehn Stellplätzen, stellt sich die Frage, wie viele Ladestationen man eigentlich installieren sollte. Und wer zahlt die Investition, wenn hinterher kein Mieter ein Elektroauto hat? In einem solchen Fall ist es unwahrscheinlich, dass der Mieter einer Mieterhöhung zustimmt. Darüber hinaus gibt es einen zunehmenden Trend zu autofreien Wohnsiedlungen – insbesondere in Ballungsgebieten. Die Installation von Ladestationen würde hier keinen Sinn machen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der Markt vieles selbst regelt.

    Können Sie den letzten Punkt näher erläutern?
    Vor etwa 50 Jahren konnte man plötzlich keine Wohnung mehr mieten, wenn sie keine Badewanne hatte. Oder vor 30 Jahren wiederholte sich das Szenario mit Wohnungen ohne Geschirrspüler. Ich gehe davon aus, dass die zukünftige Nachfrage auch das Angebot bei der Elektromobilität beeinflussen wird. Irgendwann werden Sie keine Wohnung mehr vermieten können, wenn Sie dem Mieter keine auf seine Mobilitätsbedürfnisse zugeschnittene Lösung anbieten können.

    Wie beurteilen Sie die Immobilienblase, die die UBS seit längerem prognostiziert und von der vor allem Zürich stark betroffen sein soll?
    Bei Zins- und Immobilienpreisentwicklungen sehe ich eine Konstante: Die Prognosen waren in den letzten Jahren immer falsch. Der UBS-Index sagt diese Blase seit Jahren voraus – geplatzt ist sie bisher noch nie. Ich persönlich sehe einen starken Immobilienmarkt mit steigenden Preisen. Bei der Finanzierung von Wohneigentum ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Vor allem im Heimbereich. Die Portabilitätsregelungen sind individuell und umfassend zu prüfen. Andernfalls könnte ein plötzlicher starker Anstieg der Zinsen den einen oder anderen vor existenzielle Probleme stellen.

    Gibt es einen massiven Anstieg der Zinsen?
    Die dafür relevanten Länder EU und USA können sich eine Zinserhöhung nicht leisten. Andererseits sehen wir deutliche Anzeichen einer steigenden Inflation – das könnte Auswirkungen haben. Für den Immobilienmarkt bedeutet Inflation jedoch meist steigende Preise – denn in dieser Situation steigt der Bedarf an Sachwerten.

    Sie haben sich aus der aktiven Politik zurückgezogen. Welche Erfolge würden Sie als Ihre persönlichen Meilensteine bezeichnen?
    Mein grösster Erfolg war sicherlich die Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuern für direkte Nachkommen im Kanton Zürich. Als zweiten großen Erfolg betrachte ich die Abschaffung der Grunderwerbsteuer, die wir mit einer Volksinitiative herbeigeführt haben.

    Und welche Meilensteine haben Sie in der Immobilienbranche erreicht?
    Hier möchte ich den guten Kontakt und Austausch zwischen den verschiedenen Immobilienorganisationen erwähnen. In meiner Anfangszeit als Präsident des HEV Schweiz hat jeder in erster Linie sein eigenes Gärtchen bestellt. Mir war es wichtig, den Austausch zu pflegen und gemeinsame Ziele zu definieren. Heute treffen wir uns viermal im Jahr im Bundeshaus und besprechen aktuelle politische Dossiers.

    Mit Immoscout24 und Homegate haben sich zwei große Player zusammengeschlossen. Wie bewerten Sie diese Veranstaltung?
    Ich bin mir nicht sicher, ob diese Fusion ein Gewinn für die Verbraucher ist. Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft mit massiven Preiserhöhungen rechnen müssen. Dieser Fall dürfte allenfalls die Wettbewerbskommission (WEKO) betreffen.

  • Neue Professorin für Analyse, Entwurf und Konstruktion bringt zukunftsorientierte Impulse

    Neue Professorin für Analyse, Entwurf und Konstruktion bringt zukunftsorientierte Impulse

    Ab März wechselt Friederike Kluge von der Fachhochschule in Konstanz an Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und freut sich auf diese neue Herausforderung: «Mich interessiert die Frage, wie das Bauen in der Zukunft aussieht. Der status quo kann langfristig nicht funktionieren. Meine Hoffnung und mein Ziel sind deshalb, in der Forschung und zusammen mit den Studierenden Lösungen zu finden, wie wir das Bauen in Zukunft gestalten können. Klimaneutrales und klimapositives Bauen müssen fokussiert angegangen werden, stets unter Beachtung von biologischer Diversität. So geht es beispielsweise im ersten Jahr darum, junge Menschen an das Fachgebiet Architektur heranzuführen, ihnen die Grundthemen zu vermitteln und dennoch Raum für Entwicklung und Kreativität zu lassen. Diese Spannung zwischen fixen, z.B. physikalischen Grössen, die unumstösslich sind, und Veränderung, welche für eine nachhaltige Zukunft unerlässlich ist, interessiert mich und ich freue mich darauf, diese an der FHNW gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu erforschen und weiterzuentwickeln. Immer mit dem Ziel, architektonisch qualitätsvolle Gebäude zu schaffen»

    Friederike Kluge studierte Architektur an der Universität Karlsruhe und sammelte an der Professur für Gebäudelehre und Entwerfen, Prof. Daniele Marques, und am Institut für Bildende Künste, Prof. Stephen Craig, erste Erfahrungen in der Lehre. Neben dem Architekturstudium absolvierte sie das fachübergreifende Begleitstudium «Angewandte Kulturwissenschaften» mit dem Ziel, Gebäude zu entwerfen, die das Wissen vieler Fächer zusammenführen und gleichzeitig einen eigenen, unverkennbaren Charakter besitzen.

    Während ihrer fünfjährigen Arbeit bei Buchner Bründler Architekten in Basel konnte sie unter anderem am Schweizer Pavillon für die Expo in Shanghai 2010 arbeiten, sowie als Projekt- und Bauleiterin am Wohnhaus «Bläsiring» in Basel.

    Seit 2012 selbständig, gründete sie Anfang 2014 zusammen mit Meik Rehrmann das Büro «Alma Maki» in Basel. Gemeinsam vertreten sie die Ansicht, dass Architektur dazugewinnt, wenn sie von der ersten Skizze bis zur Baufertigstellung einen ganzheitlichen Prozess darstellt und die architektonische Grundidee in den Details noch erkennbar ist. Um dies bestmöglich kontrollieren zu können, setzt das Büro die geplanten Projekte, wenn möglich, auch handwerklich um und wurde für diese Herangehensweise 2018 mit dem ersten Preis des «Schweizer Foundation Award» ausgezeichnet.

    Seit 2013 vermittelt Frederike Kluge ihre Überzeugung der konzeptuell-entwerferischen, darstellerischen und auch gebauten Stringenz u.a. im Rahmen eines Lehrauftrags an der Professur für Architektur und Konstruktion, Annette Spiro, ETH Zürich und seit 2019 an der HTWG Konstanz, wo sie die Fächer Baukonstruktion und Entwerfen konsequent auf den Themenschwerpunkt Nachhaltiges Bauen ausrichtete. So organisierte sie beispielsweise einen Workshop mit dem Titel «Das architektonische Detail in Zeiten der Klimakrise». In der Folge gründete sich die Gruppe «Countdown 2030» . Die Gründungsidee war, einen Leitfaden zu entwickeln und eine Countdownuhr über dem Architekturmuseum zu installieren, welche die Architekturbranche darauf sensibilisiert, beherzte Maßnahmen in der Architekturpraxis zu ergreifen und eine zukunftsfähige Baukultur zu entwickeln. Die Gruppe hat mittlerweile über 50 aktive Mitglieder, veranstaltet Workshops, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen, ist beteiligt an Jurys und in städtischen Gremien aktiv, publiziert zu verschiedenen Themen Beiträge in Fachzeitschriften und wurde für seine Tätigkeit mit dem «Faktor 5 Publikumspreis» und mit einer Nominierung für den Swiss Art Award ausgezeichnet. 

    Das Institut Architektur freut sich ausserordentlich, dass eine solch engagierte und zukunftsorientierte Persönlichkeit gewonnen werden konnte. 

    Quellen:
    Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
    Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik www.fhnw.ch/habg 

  • Wüest Partner Deutschland: Aufbau eines ESG-Teams

    Wüest Partner Deutschland: Aufbau eines ESG-Teams

    «Ich freue mich, Wüest Partner ab jetzt noch intensiver unterstützen zu können», sagt Gerhard Hoffmann, der neue Director ESG and Sustainability bei Wüest Partner Deutschland. Ökologie und Ökonomie unter Verwendung modernster Technologien in Einklang zu bringen, seien schon immer das oberste Ziel seiner Tätigkeit gewesen. Bei Wüest Partner habe er die besten Voraussetzungen dafür. «Nun gilt es, ein interdisziplinäres und hochmotiviertes Team aus erfahrenen Experten zu bilden.» Dies vor allem, um die immer wichtiger werdenden Themen strategisch und operativ auf dem deutschen Markt voranzutreiben, so Hoffmann.

    Langjährige Expertise im Segment Nachhaltigkeit
    Über vier Jahrzehnte widmet er sich bereits seiner Mission, CO2-Emissionen durch die Entwicklung nachhaltiger Energiekonzepte in der Immobilienwirtschaft zu reduzieren. Der Diplom-Ingenieur und Diplom Wirtschafts-Ingenieur ist bei zahlreichen internationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten mit dem Fokus auf regenerative Energieversorgung engagiert. Er hat Energiekonzepte für über 900 Gebäude entwickelt und an mehr als 1.400 Nachhaltigkeitsprojekten mitgewirkt. Der lizensierte BREEAM-Auditor sitzt in Arbeitskreisen des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. Zudem ist er Mitglied und Senior Auditor der DGNB Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

    «Idealbesetzung für einen hochkomplexen Markt»
    Als selbstständiger Berater hat Hoffmann bereits die Implementierung des Wüest Climate Tools auf dem deutschen Markt erfolgreich begleitet. Damit habe er «einen wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte maßgeblich gestaltet», schreibt das Unternehmen. Die neue Position sei die logische Fortsetzung einer erfolgreichen Zusammenarbeit, sagt Rüdiger Hornung, Partner und Geschäftsführer von Wüest Partner. Damit gehe man «den entscheidenden Schritt auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft in der Immobilienbranche». Hoffmann sei fachlich wie menschlich die «Idealbesetzung, um in unserem hochkomplexen Markt die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz voranzutreiben».

    Schweizer Gruppe in vier Ländern vertreten
    Wüest Partner (Gründungsjahr: 1985) mit Hauptsitz in der Schweiz verfügt derzeit über elf Standorte in vier europäischen Ländern. Die Schweizer Bürostandorte finden sich in Zürich (Hauptsitz), Bern, Genf und Lugano. In Deutschland (Markteintritt: 2007) zählen zur Gruppe Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg und München. Weitere Standorte gibt es in Paris sowie in Lissabon. Im Gruppenbesitz befinden sich zudem – jeweils zu 100 Prozent – die zwei Tochtergesellschaften Datahouse und Durable.

  • «In Sachen Energie muss sich die Bau- und Immobilienbranche neu erfinden»

    «In Sachen Energie muss sich die Bau- und Immobilienbranche neu erfinden»

    Zur Person
    Pascal Bärtschi,
    Bauingenieur ETH, ist
    Vize-Präsident von
    Entwicklung Schweiz und seit 2015 CEO der Losinger Marazzi AG. Der 52-Jährige leitete zuvor bei Losinger
    Marazzi die Region Mitte (Bern-Freiburg-Basel).

    Wo sieht der Branchenverband Entwicklung Schweiz seine Kernaufgaben?
    Wir vertreten Unternehmen, die in der Lage sind, Gesamtleistungen zu übernehmen. Also solche, die von der Projektentwicklung bis und mit Realisierung alles abdecken können. Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, mit unseren Kunden, Investoren, den zuständigen Behörden wie auch mit politischen Verantwortlichen übergeordnete Themen wie etwa Verdichtung und Raumplanung auf einer entsprechenden Flughöhe zu besprechen. Unsere Mitglieder erhalten so die Möglichkeit, via Entwicklung Schweiz mit den zuständigen Personen in Dialog zu treten. Darüber hinaus haben wir als Verband verschiedene Positionspapiere verfasst – derzeit entsteht zum Beispiel gerade ein Positionspapier zur Frage, was man unter Qualität eines Bauprojekts versteht.

    Von welchen Vorteilen profitieren Ihre Mitglieder?
    Wir organisieren für unsere Mitglieder und assoziierte Partner regelmässig Anlässe, bei denen sie sich mit Stakeholdern wie Politikern oder Investoren austauschen können. Darüber hinaus ist es deutlich einfacher als Verband, Gespräche zu übergeordneten Themen mit Kantonen oder auch Instanzen wie zum Beispiel dem Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) zu führen, als wenn dies jedes Mitglied für sich tun müsste. Gerade bei regulatorischen Themen profitieren unsere Mitglieder von der direkten Schnittstelle zur Politik, die wir dank unserem Präsidenten, Ständerat Martin Schmid (FDP), haben. Er ist Rechtsanwalt und somit nicht in der Branche tätig, was wir als weiteren Vorteil sehen.

    Welchen Einfluss hat der Verband in der Schweiz und insbesondere auch in Bundes-Bern?
    Wir bieten den Ämtern, Investoren und unseren Kunden eine bewährte Schnittstelle. Ich bewerte unseren Einfluss als gut. Wir haben uns als Gesprächspartner der grossen Instanzen sehr gut etablieren können. Die Immobilienbranche ist dezentralisiert aufgestellt. Für uns ist es deshalb wichtig, dass wir nicht nur in Bern Gehör finden, sondern auch bei den Kantonen und Gemeinden. Denn ein Projekt wird von einer Gemeinde oder einem Kanton bewilligt. Dank unserem Präsidenten und den Kontakten der Geschäftsstelle haben wir einen guten Draht zu Bundes-Bern, was natürlich hilft, wenn es um Themen wie etwa das Raumplanungsgesetz geht.

    Braucht es so einen Verband zwingend für eine erfolgreiche Zukunft der Baubranche?
    Ich würde sagen, es ist wichtig und notwendig, dass ein solcher Verband existiert. Die Zahl der Schweizer Gesamtdienstleister in der Immobilienbranche ist überschaubar. Unser Verband kann diese Unternehmen optimal auf den verschiedenen Ebenen vertreten.

    Welche Verantwortung nimmt Entwicklung Schweiz in Bezug auf die Wohn- und Lebensqualität bei Bauprojekten wahr?
    Wir setzen unseren Mitgliedern keine Rahmenbedingungen. Die Wahrnehmung der Wohnqualität ist jedoch auf jeden Fall gegeben, da wir uns als Entwicklung Schweiz mit damit zusammenhängenden Themen wie Lärmschutz, Verdichtung nach innen und Raumplanung intensiv auseinandersetzen. Aber bei uns ist jedes Mitglied selbst dafür verantwortlich, die Projekte entsprechend zu entwickeln und die nötige Qualität zu liefern. Man darf nicht vergessen, dass sich die Mitglieder in einer Wettbewerbssituation befinden.

    «
    CO2-arme
    Baumaterialien, flexiblere
    Umnutzungen
    »

    Welche Bedeutung hat die Energiestrategie 2050 für den Verband?
    Die Energiestrategie hat eine grosse Bedeutung für uns. Wir versuchen, Partner und Kunden dafür zu sensibilisieren. Der CO2-Verbrauch in der Immobilien- und Baubranche ist immer noch relativ hoch. Der eine Teil fällt beim Bau an, der andere während des Lebenszyklus einer Immobilie. Geht man von einem Lebenszyklus einer Liegenschaft von 60 Jahren aus, haben Entscheidungen, die heute für einen Neubau getroffen werden, langfristige Auswirkungen. In diesem Zusammenhang wird sich die Immobilien- und Baubranche neu erfinden müssen.

    Wie meinen Sie das?
    Vor zehn Jahren fielen etwa 50 Prozent der CO2-Emmissionen bei der Herstellung der Baumaterialien sowie in der Bauphase selbst an. Die anderen 50 Prozent fielen auf den Unterhalt einer Liegenschaft. Heute sind wir, was Unterhalt und Betrieb eines Gebäudes betrifft, bei etwa einem Drittel des CO2-Ausstosses; bei der Herstellung der Baumaterialien sowie dem Bau selber bei zwei Dritteln. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den CO2-Fussbadruck einer Immobilie reduzieren können. Eine Lösung besteht darin, dass man wirklich nur die für ein Gebäude notwendige Fläche bebaut. Ein anderer Ansatz ist die Wahl der Materialien – heute gibt es bereits CO2-armen Beton oder die Möglichkeit des umweltfreundlichen Holzbaus. Ausserdem müssen bestehende Strukturen später umgenutzt werden können. Schauen wir uns die Investitionen in der Immobilienbranche an, fallen 99 Prozent auf Neubauten und nur 1 Prozent geht in Sanierungen. Hier sehen wir Handlungsbedarf.

    Wie hat die Bau- und Immobilienbranche die Pandemie bis jetzt bewältigt?
    Die Baubranche ist relativ gut durchgekommen – es gab wenig Umsatzeinbussen, da die Baustellen mit Ausnahme des Kantons Genf auch während des Lockdowns offengeblieben sind. Etwas schwieriger gestaltete sich die Immobilienentwicklung. Die Entwicklung eines Projekts startet in der Regel mit einem Quartierplan und einer Baubewilligung. Die Pandemie hat vieles ausgebremst. So mussten Gemeindeversammlungen, bei denen beispielsweise über ein Vorhaben abgestimmt werden sollte, häufig verschoben werden. Damit verschiebt sich automatisch auch das Projekt. Bei der Bearbeitung der Baugesuchdossiers hat man die Verlagerung zur Arbeit im Home-Office gespürt: Der Austausch wurde erschwert; es hat alles etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, was wiederum zu Verzögerungen geführt hat.

    Zeichnet sich beim Arbeitsleben durch die Pandemie eine Veränderung ab?
    Die Pandemie hat Tendenzen, die sich schon vorher abgezeichnet haben, beschleunigt. Ein Beispiel hierfür ist die pro Person weniger benötigte Bürofläche. Bei der Konzeption von Wohnungen dürfte die Berücksichtigung des immer öfter benötigten Home-Office langfristig Einfluss haben. Wobei dies nicht zwingend in einem zusätzlichen Arbeitszimmer in der Wohnung selber resultieren muss. Ich kann mir gut vorstellen, dass man innerhalb eines Quartiers verschiedene kleine Co-Working-Spaces entwickelt. Diese könnten auch Mischnutzungen aufweisen, also beispielsweise über Mittag als Restaurant fungieren.

    Wohnen die Menschen in der Romandie anders als in der Deutschschweiz?
    Die Nachhaltigkeitsaspekte werden zurzeit in der Romandie noch weniger wahrgenommen als in der Deutschschweiz. Ich vermute, das kommt daher, dass die grünen Tendenzen zunächst aus Deutschland kamen und somit zuerst die Deutschschweiz erreicht haben. Auch im Bereich des Öffentlichen Verkehrs hat die Deutschschweiz einen gewissen Vorsprung – wobei die Romandie hier am Aufholen ist.

    Welche Meilensteine hat Entwicklung Schweiz in den letzten Jahren erreicht?
    Der wichtigste Punkt ist sicher, dass wir heute etablierte Ansprechpartner für übergeordnete Themen auf Stufe Kantone und Bund sind.

  • «Der Umnutzungs- und Sanierungsmarkt wird das stärkste Wachstum aufweisen»

    «Der Umnutzungs- und Sanierungsmarkt wird das stärkste Wachstum aufweisen»

    Zur Person
    Dr. Jens Vollmar ist Head Division Buildings/Country President Schweiz sowie Mitglied des Executive Committee bei der Implenia AG. Ausserdem ist er Vize-Präsident von Entwicklung Schweiz und Vorstand des Dachverbands «Bauen Schweiz». Der 37-Jährige hat an der Universität St. Gallen (HSG) und der University of California in Berkeley studiert und einen Doktor in Accounting and Finance. Des Weiteren ist er Lehrbeauftragter in den Bereichen Bau & Immobilienmanagement und Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen) an der HSG.

    Welche Faktoren sind für die weitere erfolgreiche Entwicklung des Immobilienmarkts in unserem Land aus Sicht von Entwicklung Schweiz von Bedeutung?
    Aus unserer Sicht unterstützen die Marktparameter, also die sogenannten Fundamentaldaten, die positive Entwicklung des Schweizer Immobilienmarkts kurz- und mittelfristig weiterhin. Wichtige Treiber wie das Bevölkerungswachstum, das Tiefzinsniveau oder etwa die Arbeitslosenquote sehen wir auf einem stabilen und guten Niveau. Für eine gesunde Entwicklung sind jedoch auch die Immobilien selbst von Bedeutung. Ausser der Lage einer Liegenschaft steht die Qualität der Investitionen im Vordergrund. Dabei verstehen wir unter Qualität nicht nur die Materialisierung, sondern vielmehr die optimale Ausbalancierung der Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen. So muss eine Immobilie heute die gewünschte Flexibilität und Adaptierbarkeit für Nutzer und Eigentümer aufweisen. Aber auch die Frist, innert der man eine Liegenschaft auf den Markt bringen kann, ist wichtig. Wir setzen uns als Verband für mehr Planungssicherheit, Beschleunigung der Bewilligungsprozesse sowie Verschlankung und Vereinheitlichung der Planungsgesetzgebung ein. In diesem Zusammenhang bemühen wir uns, die beteiligten Akteure für diese Themen zu sensibilisieren.

    Welchen Einfluss hat der Klimawandel und die damit verbundene Erhitzung der Städte auf Bauprojekte?
    Die Frequenz und Intensität von Hitzewellen nehmen zu und sind bereits Realität. Dazu verlangt die Raumplanung verstärkt verdichtetes Bauen nach innen, was zur zusätzlichen Erwärmung der Städte beiträgt. Als direkte Folge werden die Temperaturen in den nicht klimatisierten oder nicht gekühlten Innenräumen von Liegenschaften im Sommer steigen. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen. Unsere Mitglieder arbeiten entsprechend an technischen und baulichen Lösungen. Dazu gehören zum Beispiel thermische Simulationen in der frühen Entwicklungsphase oder die Möglichkeiten, eine Bodenheizung zur Kühlung zu aktivieren. Auch verzeichnen wir eine verstärkte Nachfrage nach Begrünung von Gebäuden.

    Der Online-Handel boomt, was Auswirkungen auf gewerbliche Erdgeschossnutzungen haben dürfte. Wie beurteilen Sie die Zukunft dieser Nutzungen?
    Die Erdgeschossnutzungen stellen Gemeinde, Stadtplaner, Investoren und Projektentwickler tatsächlich vor grosse soziale und städtebauliche Herausforderungen. Verschiedene Nutzungen wachsen immer stärker zusammen: So sind heute Arbeiten, Wohnen und Freizeit praktisch nicht mehr voneinander zu trennen. Die bislang in Zonenplänen und in der Bau- und Zonenordnung vorgesehenen Nutzungstrennungen lassen sich mit diesem Trend nur schwer in Einklang bringen. Neue, flexible Zonierungen auf Basis alternativer Kriterien sind aus unserer Sicht prüfenswert – damit könnten Erdgeschossnutzungen wieder attraktiver werden.

    Zeichnen sich denn bereits Veränderungen ab?
    Ja, wir registrieren das Vorantreiben von innovativen Erdgeschossformaten wie Showrooms oder Paket-Pick-up-Stellen. In Zukunft dürften auch die immer häufiger geforderten Beschränkungen des motorisierten Individualverkehrs oder die Schaffung von Fussgängerzonen sowie die Diskussion um breitere Trottoirs die Aussenräume von Liegenschaften und Quartieren nachhaltig verändern und damit auch die Erdgeschossnutzungen beeinflussen. Letztere sollte aber unserer Ansicht nach bedürfnisorientiert und unter Berücksichtigung von Nutzung und Umgebung festgelegt werden und nicht starren gesetzlichen Vorgaben folgen müssen. Flexibilität dürfte langfristig auch bei den Erdgeschossnutzungen ein entscheidender Punkt sein.

    Welche Faktoren haben Einfluss auf die Entscheidung für eine Umnutzung/Sanierung oder einen Neubau?
    In der Vergangenheit waren Ersatzbauten ein grosses Thema. Wir glauben aber, dass der Umnutzungs-und Sanierungsmarkt in Zukunft das stärkste Wachstum aufweisen wird. Gerade in Hinblick auf die zunehmenden Nachhaltigkeitsüberlegungen. Hier spielen Energie- und Flächeneffizienz sowie regulatorische Anforderungen eine wichtige Rolle. Für eine Entscheidung über Neu- oder Umbauten oder auch einer Umnutzung sind verschiedene Faktoren relevant: Die Erfassung des Gebäudezustands und wo im Lebenszyklus sich eine Immobilie befindet, über Analysen zur Standort- und lokalen Marktentwicklung bis hin zu finanziellen/wirtschaftlichen Parametern oder auch die Betrachtung der Ausnutzungsreserven.

    «
    Unflexible
    Regulierungen erschweren
    das Bauen am
    Bestand
    »

    Welche Anstrengungen unternimmt Entwicklung Schweiz bei der Digitalisierung?
    Die Planung und Realisierung von Gebäuden und Infrastruktur weisen auch heute noch einen starken Unikats-Charakter auf. Dabei sind Themen wie Industrialisierung, Produktivität und Digitalisierung für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Bereich der Entwicklung unabdingbar. Dank dem Einsatz von BIM und 3D-Druckern, der digitalen Baufortschrittskontrolle oder Anwendung von Drohnen- oder Robotik-Technologie kann die Planungssicherheit hinsichtlich Kosten, Qualität und Terminen stark optimiert werden. Unserer Ansicht nach sind hier die Vereinheitlichung und Standardisierung sowie die Vereinfachung in der Anwendung sehr wichtig. Entwicklung Schweiz prüft zusammen mit den Mitgliederfirmen mögliche Beiträge zur Förderung und Verbesserung von Standards und deren Anwendung. Wir erwarten ein Jahrzehnt, das unsere Industrie im Bereich der Digitalisierung und Produktivität wie noch keines zuvor verändern wird.

    Heute müssen Neubauten energieeffizient und bevorzugt komplett recyclingfähig gebaut werden. Wie werden diese Aspekte bei Entwicklung Schweiz berücksichtigt?
    Nachhaltigkeit und ESG-Strategien sind in der Immobilienbranche aktueller denn je. Unsere Mitglieder haben diese Marktbedürfnisse längst erkannt und diese in ihre Organisation und in ihr Leistungsangebot implementiert. Viele Unternehmen weisen zum Beispiel bereits jetzt Nachhaltigkeitsabteilungen auf. Der grösste Hebel liegt dabei nicht bei den Neubauten, sondern bei räumlichen und energetischen Sanierungen von Bestandsliegenschaften. Entwicklung Schweiz betrachtet die Fragestellung rund um energetische Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz sowie Kreislaufwirtschaft stets ganzheitlich. Das heisst, wir versuchen ökonomische, soziale sowie ökologische Aspekte ausgewogen zu berücksichtigen. Unsere Mitglieder arbeiten mit Start-ups, Entwicklern und Forschungsinstitutionen zusammen, um eine schnelle Markteinführung innovativer Ideen zu unterstützen und voranzutreiben.

    Nach wie vor werden in der Schweiz landwirtschaftliche Flächen überbaut. Ist das aus Ihrer Sicht notwendig?
    Nein, der Fokus liegt klar auf einer Siedlungsentwicklung nach innen. Verschiedene gesetzliche Vorstösse, wie zum Beispiel die Revision des Raumplanungsgesetzes von 2013, beschränken die Überbauung von Kulturland zugunsten der Verdichtung. Die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen in Bauzonen ist zudem meist nur noch mittels Flächenkompensation bzw. -abtausch möglich. Generell ist festzuhalten, dass die Ausnutzungsreserven in den Städten und Agglomeration noch sehr hoch sind. Für die Schaffung von Wohn- und Arbeitsraum sollten vorab diese Nutzungsreserven realisiert werden.

    Was ist das Problem hierbei?
    Weniger einschränkende gesetzliche Vorgaben wären wünschenswert. Die Mehrwertabgabe etwa erschwert oder verunmöglicht teilweise die Realisierung von Ausnutzungsreserven. Es gibt aber noch viele weitere unflexible Regulierungen, welche das Bauen im Bestand zu fast unüberwindbaren Herausforderungen machen. Entwicklung Schweiz ist gemeinsam mit der Branche bestrebt, die Entscheidungsträger, Behörden und Politik auf diese Thematik zu sensibilisieren. Wir plädieren für mehr Ermessensspielraum, damit gute Lösungen unter Berücksichtigung situativer Gegebenheiten und der Nutzerbedürfnisse erarbeitet werden können.

    Halten Sie die immer wieder prognostizierte Immobilienblase in der Schweiz für ein ernstzunehmendes Szenario?
    Die anhaltende Tiefzinspolitik der Zentralbanken sowie die Marktentwicklung machen die Investition in Immobilien attraktiv. Es gibt wenige Anlagealternativen, die ein ähnliches Rendite-/Risiko-Profil aufweisen. Die Schweiz hat zudem aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und steht heute – beispielsweise vor dem Hintergrund einer restriktiveren Vergabe von Hypotheken – deutlich besser da als noch zu Beginn der 00er-Jahre. Die spürbar lauter werdenden Forderungen nach einer Rückkehr zu einer normalisierten Geldpolitik zeigen aber, dass sich dieser Zustand auch in der Schweiz ändern kann. Ein zu schnelles Anziehen von Zinssätzen und damit verbundene Refinanzierungshürden könnten zu einem Rückgang der Marktwerte führen, was wiederum einen Einfluss auf die Eigenkapitalanforderungen hätte. Die Schweiz tut entsprechend gut daran, ihre stabile Geld- und Zinspolitik fortzusetzen und in Szenarien zu denken. Je robuster die Geschäftsmodelle und Finanzierungen sind, desto weniger wird unsere Volkswirtschaft Risiken ausgesetzt. Als Verband sehen wir der kurz- und mittelfristigen Zukunft sehr zuversichtlich entgegen.

  • «Wir müssen in unseren Berufen den Spagat zwischen Tradition und Moderne schaffen und dies in eine Stärke verwandeln»

    «Wir müssen in unseren Berufen den Spagat zwischen Tradition und Moderne schaffen und dies in eine Stärke verwandeln»

    Anfang Februar hat mit Silvia Fleury eine neue Direktorin die Leitung des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands übernommen. Damit vertritt die Aargauerin künftig an vorderster Front die Berufsinteressen von schweizweit rund 1900 Mitgliedsfirmen mit knapp 10 000 Angestellten. In ihrer Aufgabe will sie vor allem auf Kontinuität setzen: «Der Verband befindet sich auf einem guten Weg. Ich werde weiterführen, was sich bewährt hat», erklärt Fleury. «Aber selbstverständlich ist die Branche auch mit Herausforderungen konfrontiert, die wir gemeinsam mit den Regionalverbänden, mit unseren Mitgliedern und mit allen an der Branche Interessierten anpacken werden.» Als Beispiele nennt sie den Fachkräftemangel, das Lohndumping oder die Digitalisierung. 

    Handwerk und Digitalisierung gewinnbringend vereinen 
    Gerade auf die Digitalisierung will Fleury in den nächsten Jahren ein besonderes Augenmerk richten: «Handwerk und Digitalisierung schliessen sich nicht aus, im Gegenteil», ist sie überzeugt. Es gebe genügend Beispiele, die zeigten, dass der Spagat zwischen Tradition und Moderne möglich ist und dass zielgerichtet eingesetzte digitale Hilfsmittel auch Handwerksberufe und -betriebe stärken und voranbringen können. «Wichtig ist, dass wir bei den Betrieben nicht aufhören, sondern dass die Digitalisierung auch in der Aus- und Weiterbildung sowie im Verband selbst gefördert wird.» Die Digitalisierung sei ein Zeichen von zeitgemässer Arbeitsausführung und damit bei Jugendlichen und Eltern gleichermassen ein wichtiges Argument bei der Berufswahl. Gerade in Zeiten eines ständig zunehmenden Fachkräftemangels werde dies immer wichtiger, um die besten Nachwuchskräfte gewinnen zu können. Kombiniert mit der handwerklichen Kompetenz, die auch in Zukunft zentral bleiben wird, können der Maler- und der Gipserberuf jungen Menschen eine abwechslungsreiche, moderne und zukunftsgerichtete Tätigkeit bieten. Fleury sieht in diesem Prozess ihre Aufgabe darin, «voranzugehen, die Diskussion anzustossen und Chancen, aber auch Risiken aufzuzeigen, damit wir alle bestmöglich von den grossen Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren.» 

    In der Branche bestens bekannt und vernetzt 
    Innerhalb des Verbands und der Branche ist Silvia Fleury bestens bekannt und vernetzt. Als Bereichsleiterin der Zentralen Dienste hat sie während 13 Jahren die gesamte Verbandsadministration verantwortet und kennt den SMGV von Grund auf. «Mit Silvia Fleury konnte der Vorstand seine Wunschkandidatin für die anspruchsvolle Position der Direktorin gewinnen», freut sich SMGV-Zentralpräsident Mario Freda. «Sie kennt die Stärken, Herausforderungen und Abläufe des Verbands sehr genau. Gleichzeitig verfügt sie über die fachlichen und menschlichen Qualitäten, die nötig sind, um den SMGV erfolgreich in die Zukunft zu führen. Wir freuen uns, diesen Weg mit ihr zu gehen und gemeinsam die kommenden Herausforderungen anzupacken.»

  • Immobilienprofis tun alles für ihre Kunden. Homegate hat etwas für Sie.

    Immobilienprofis tun alles für ihre Kunden. Homegate hat etwas für Sie.

    So gut wie jede und jeder weiss vermutlich, was Immobilien-Vermarkterinnen und -Vermarkter für eine Aufgabe haben. Und nicht wenige haben bereits einmal mit Ihnen zusammengearbeitet. Um genau zu sein haben knapp ein Fünftel der Personen, die zwischen Herbst 2019 und Frühling 2021 aus einem Eigenheim ausgezogen sind, für den Verkauf einen Immobilienprofi hinzugezogen. Dies zeigte eine Umfrage von Homegate zum Umzugsverhalten von Frühling 2021. Als häufigste Gründe wurde angegeben, dass sich der Verkauf dadurch einfacher gestaltet (36%), weniger zeitintensiv ausfällt (31%) und keine eigene Erfahrung im Gebiet des Immobilienverkaufs vorhanden ist (21%).

    Homegate sagt mit einem neuen Spot allen Immobilienprofis danke
    Dabei meistern Immobilien-Vermarkter*innen nicht nur die unglaublich vielseitigen Job-Anforderungen mit Bravour, sondern sie vereinen gleich mehrere Berufe in einem. Alles mit dem Ziel, das Miet- oder Kaufobjekt effizient zu vermarkten und ihre Kund*innen in allen Belangen glücklich zu machen. «Um die Arbeit der Immobilienprofis zu würdigen, lanciert Homegate heute den Spot «Immobilienprofis tun alles für ihre Kunden».

    Mit einem Augenzwinkern möchten wir damit auf genau diese Vielseitigkeit des Vermarkter*innen-Berufs aufmerksam machen und uns bei unseren professionellen Kundinnen und Kunden bedanken», sagt Jasna Smojvir, Head of Customer Marketing bei Homegate. Gleichzeitig möchte Homegate seinen privaten Nutzer*innen die möglichen Vorzüge und die Kompetenz eines*r Immobilien-Vermarkter*in für die nächste Vermietung oder den nächsten Verkauf aufzeigen.

    Homegate möchte aber auch von den Immobilien-Vermerkter*innen direkt erfahren, wie sie sich auf Homegate noch besser positionieren können und ob es noch wünschenswerte Funktionen gibt. Dazu sind alle Immobilienprofis eingeladen, sich über das Kontaktformular einzubringen. Zu gewinnen gibt es dafür einen von fünf personalisierte Spots mit dem Firmen-Logo. Apropos personalisiert: Im Abspann des Spots zum Ende Übersichtsseite findet sich für alle Business-Kundinnen und -Kunden von Homegate eine zusätzliche Überraschung – ergänzt mit einigen amüsanten Outtakes und Making-of Aufnahmen.

    Neue Lösungen für mehr Sichtbarkeit
    Getreu dem Motto «Sie tun alles für Ihre Kunden – Wir helfen mit» möchte Homegate in Zukunft Immobilien-Vermarkter*innen als idealer Partner noch mehr unterstützen, damit sich Immobilienprofis auf Homegate noch besser präsentieren und damit einfacher und schneller akquirieren können. Zu diesem Zweck investiert Homegate in neue Lösungen seine Business-Kund*innen, welche im Laufe des Jahres eingeführt werden:

    1. Branchenverzeichnis & Agenturprofil
      In diesem speziellen Branchen-Bereich werden nicht nur alle Listings der jeweiligen Immobilien-Vermarkter*innen auf Homegate verknüpft sein, sondern die Immobilienprofis können durch einen persönlicheren Auftritt für ihre bestehenden, aber vor allem auch für Neukund*innen noch sichtbarer werden und einfacher an neue Mandate gelangen.
    1. Experten-Visitenkarte
      In einem umkämpften Markt kann ein hohes Mass an Personalisierung helfen, sich abzuheben und neue Mandate zu gewinnen. Mit einer personalisierten Karte (mit Gesicht, Name und Kontaktdaten) wird Homegate den nächsten Schritt machen und Immobilien-Vermarkter*innen in neuer Form präsentieren. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftige Kundinnen und Kunden den passenden Immobilienprofi finden können.
    1. BrandedListing für optimale Objekt-Akquise
      Mit einem bereits heute verfügbaren BrandedListing können Immobilien-Vermerkter*innen ihre Detailseite einzigartig und werbefrei gestalten sowie ihre individuelle Botschaft platzieren. Und mit exklusiven Display-Platzierungen rund um das Inserat steigern sich die Sichtbarkeit die Marke oder des Produkts zusätzlich.

    Alle Informationen zu den zukünftigen Lösungen sowie Spot und Abspann sind auf «Vielen Dank an alle Immobilienprofis» zu finden.

  • Verstärkung der PRIVERA-Geschäftsleitung

    Verstärkung der PRIVERA-Geschäftsleitung

    Per 1. Januar 2022 verstärkt PRIVERA ihre Geschäftsleitung. Andreas Wegmüller, wird neu Leiter Bewirtschaftung Schweiz und Mitglied der Geschäftsleitung der PRIVERA.

    Andrea Wegmüller ist eidgenössisch diplomierter Immobilientreuhänder. Er verfügt über einen Masterabschluss in Real Estate Management und verstärkt das PRIVERA Team seit 5 Jahren. Zur Zeit ist er Regionenleiter Bewirtschaftung Ost.

    Andrea Wegmüller wird die Bewirtschaftungsregion Ost wie bis anhin direkt leiten und zudem ad interim die Region West verantworten. Die Region Mitte wird weiterhin von Nicole Kuhn geleitet. Die Niederlassungsleitung Wallisellen wird ab 1. Januar 2022 neu von Nadja Abdelrahim wahrgenommen. Frau Abdelrahim ist Immobilienbewirtschafterin mit eidgenössischem Fachausweis und bei der PRIVERA Wallisellen seit knapp drei Jahren als Teamleiterin tätig.

    Über PRIVERA AG
    Ein Unternehmen der Investis Gruppe – hat ihren Hauptsitz in Gümligen. Sie ist die führende unabhängige Schweizer Immobiliendienstleisterin. PRIVERA AG deckt alle Immobiliendienstleistungen entlang dem Lebenszyklus einer Immobilie ab und bietet ihren Kunden dadurch den entscheidenden Mehrwert. Dank dem national weitgespannten Niederlassungsnetz verfügt PRIVERA AG über hohe regionale Marktkompetenz sowie hervorragende lokale Beziehungen.

    Medienkontakt PRIVERA AG
    Alisha Held
    Fachspezialistin Kommunikation
    T: 058 715 63 32
    alisha.held@privera.ch
    www.privera.ch

  • Sohn von Samih Sawiris soll bei Orascom übernehmen

    Sohn von Samih Sawiris soll bei Orascom übernehmen

    Die Orascom Development Holding (Orascom DH) kündigt einen Wechsel in der Führung an. Samih Sawiris wird an der nächsten Generalversammlung im Frühling 2022 nach mehr als 30 Jahren von seinem Amt als Verwaltungsratspräsident zurücktreten. Zu Wiederwahl tritt der ägyptische Investor nicht mehr an.

    Neu wird sein Sohn Naguib Samih Sawiris zum Präsidenten des Verwaltungsrats vorschlagen. Er ist seit 2016 Mitglied des Verwaltungsrats und seit 2020 dessen Vizepräsident. Als Teil der geplanten Nachfolgeregelung soll Naguib Samih Sawiris zum neuen Mehrheitsaktionär der Orascom DH werden. Samih Sawiris wird dafür die Kontrolle auf seinen Sohn übertragen.

    Samih Sawiris will der Holding weiterhin als Berater zur Verfügung stehen. Ausserdem bleibt er Präsident des Verwaltungsrats der Andermatt Swiss Alps AG. Die Orascom DH hält einen Anteil von 49 Prozent an der Andermatt Swiss Alps AG. Die Mehrheit ist und bleibt in Privatbesitz von Samih Sawiris.

    Insgesamt umfasst das Portfolio der Orascom DH Destinationen in sieben Ländern. Zu diesen zählen neben der Schweiz Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, Marokko, Montenegro und Grossbritannien. Die Aktien der Holding sind an der SIX kotiert.

  • Neue Professorin für Zirkuläres Bauen am Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau der FHNW

    Neue Professorin für Zirkuläres Bauen am Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau der FHNW

    Das Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW engagiert sich in den Bereichen Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie Dienstleistungen aktiv in den Themenbereichen energieeffizientes und klimaneutrales Bauen, integrale Gebäudetechnik, nachhaltiges Bauen und Betreiben, ressourceneffizientes und zirkuläres Bauen sowie gesundheitliche Aspekte in Gebäuden. Eines der grundlegenden Anliegen dieser Strategie ist es, das Bauen in der Kreislaufwirtschaft zu stärken. Sowohl im Bereich der Aus- und Weiterbildung wie auch in der Forschung leistet das Institut einen wichtigen Beitrag dazu, dass in der Schweizer Baupraxis vermehrt energie- und ressourceneffiziente sowie nachhaltige Bauweisen realisiert werden. Die Expertise der an der FHNW tätigen Forscherinnen und Forscher wird sowohl national und international als auch innerhalb der FHNW nachgefragt.

    Um dieses hochqualifizierte Team zu verstärken, ist es dem Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau gelungen, Andrea Klinge von ZRS Architekten Ingenieure Berlin als Professorin für Zirkuläres Bauen zu gewinnen.

    Andrea Klinge studierte Architektur an der technischen Universität Berlin und spezialisierte sich an der London Metropolitan University im Bereich des nachhaltigen Bauens. Sie arbeitete in verschiedenen Architekturbüros in London, Rom und Berlin, und ist seit 2013 bei ZRS Architekten tätig, wo sie die Forschungsabteilung etablierte. Ihre Forschungsschwerpunkte sind ein ganzheitlicher Ansatz des Bauens und beinhalten das kreislaufgerechte, LowTech Bauen sowie den Einsatz natürlicher Baustoffe (Lehm, Holz, Naturfasern) zur Verbesserung der Innenraumqualität in Gebäuden.

    Durch ihren Hintergrund als Tischlerin arbeitet Andrea Klinge immer wieder praktisch, um Forschungsergebnisse in die direkte Anwendung zu bringen. Sie hat dazu mehrere Projekte mit Holz, Lehm und Bambus mit Studierenden verschiedener Universitäten aber auch Kollegen international umgesetzt.

    An der Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW möchte Andrea Klinge einiges bewirken und bewegen: «Was ich mit der Professur verbinde und angehen möchte, sind die aktuellen Herausforderungen im Bausektor. Dieser ist einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren weltweit und trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. Um die Pariser Klimaziele einzuhalten, bedarf es dringend konsequenter Ansätze, die die notwendige Bauwende im Bausektor umsetzen.»

    Seit September 2021 ist Andrea Klinge Mitglied im Fachbeirat Lebenszyklus und zirkuläres Bauen der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen. Seit Oktober 2021 leitet sie zudem zusammen mit Eike Roswag-Klinge die AG DIN Circular Economy Normungsroadmap, Arbeitsgruppe Bauwerke und Kommunen.

    Prof. Barbara Sintzel, Leiterin Institut Nachhaltigkeit und Energie am Bau freut sich auf die Zusammenarbeit mit Andrea Klinge: «Andrea Klinge steht für die Bauwende. Sie bringt die Begeisterung und Vielseitigkeit mit, die dieses Thema braucht. Sie verfügt über Fachexpertise, um der Anwendung von ReUse Bauteilen und erneuerbaren Baustoffen in der Praxis mit angewandter Forschung zum Durchbruch zu verhelfen und damit die Bauwende möglich zu machen. Wir freuen uns auf ihre tatkräftige Unterstützung in Forschung und Lehre.»

  • «Der Switzerland Innovation Park Ost hat eine Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinweg»

    «Der Switzerland Innovation Park Ost hat eine Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinweg»

    Zur Person
    Beat Tinner ist seit 2020 Mitglied der St. Galler Kantonsregierung und steht dem Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen vor. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung beim Schweizerischen Bankverein (heute UBS) und danach einen Sprachaufenthalt in der Westschweiz. Er wurde 1997 im Alter von 26 Jahren Gemeindepräsident von Wartau und bekleidete das Amt bis 2020. Von 2000 bis 2020 war er Mitglied des Kantonsrats und davon die letzten vier Jahre Fraktionschef der FDP.

    Herr Regierungsrat Tinner, wie kann man die St. Galler Wirtschaft am treffendsten porträtieren?
    Wir sind primär ein Industriestandort, der sich ausgehend von der Textil- und Maschinenindustrie inzwischen erfolgreich im Hochtechnologiebereich etabliert hat. Dies verdanken wir besonders der Innovations- und Tatkraft vieler Unternehmer, die sich wie Bühler Group, Leica Geosystems oder SFS Group vom KMU zum Konzern entwickelt haben. Wir haben eine starke Bildungstradition: vom dualen Bildungsweg ausgehend über die regional verankerte, interkantonale Fachhochschule Ost bis zur internationalen Spitzenuniversität HSG. Die Wirtschaftsstruktur ist regional zwar recht heterogen, dafür sind wir breit diversifiziert und somit krisenresistenter. Dies alles, kombiniert mit einem technologie- und wirtschaftsfreundlichen Umfeld, bildet unseren einzigartigen Charakter.

    Wie meistert die St. Galler Wirtschaft die gegenwärtige Pandemie?
    Dank der wirtschaftlich bedeutenden, wiedererstarkenden Exportwirtschaft, der stabilen Bauwirtschaft und erneuter Konsumfreude ist wieder Optimismus zu spüren. Die nicht direkt betroffenen Branchen sind stabil durch die Krise gekommen. Dabei hat sicher auch das Instrument der Kurzarbeit mitgeholfen. Es wird jetzt wieder investiert und gebaut. Ausserdem konnten wir die schwerwiegenden Härtefälle mit Bundes- und Kantonsmitteln überbrücken.

    Ein von Ihnen erklärtes Ziel in der Pandemiezeit ist die Wiederbelebung und Stärkung der St. Galler Unternehmen. Welche Massnahmen haben Sie getroffen?
    Die aktuellen kantonalen Massnahmen umfassen die Unterstützung in Härtefällen, einen Schutzschirm für Sportanlässe sowie eine Unterstützung der Seilbahnunternehmen und Tourismusdestinationen. Die ersten beiden Instrumente werden vom Bund mitfinanziert, das dritte vom Kanton. Die Unterstützungsvorlage ist am 26. September vom St. Galler Stimmvolk gutgeheissen worden. Letztes Jahr wurden bereits Covid-Kredite bereitgestellt. Uns ist es gelungen, die direkt betroffenen Unternehmen wo nötig zu stützen, auch dank engem Dialog zwischen Kanton, Bund und Wirtschaft. Eine allgemeine Strukturbereinigung können und wollen wir mit den Massnahmen jedoch nicht aufhalten.

    Welche Vorzüge hat der Kanton St. Gallen als Standort für Unternehmen?
    Der Kanton liegt anteilsmässig beim Maschinenbau, der Präzisionstechnik, Elektronik und den optischen Technologien sowie bei unternehmensbezogenen IT-Dienstleistungen signifikant über dem Schweizer Mittelwert. In diesen Technologieschwerpunkten gibt es viele, gut ausgebildete Fachkräfte und bestens funktionierende Netzwerke. Im Vergleich zu anderen Landesregionen ist hier Bauland zu erschwinglichen Preisen erhältlich, und die Mieten sind moderat. Generell sind die Rahmenbedingungen sehr unternehmerfreundlich, beispielsweise durch schlanke Bewilligungsprozesse und kurze Wege. Einfach gesagt: Wer in St. Gallen etwas umsetzen will, ist willkommen und kommt mit seinen Projekten schneller und meist günstiger ans Ziel als anderswo.

    Wo muss sich der Kanton noch verbessern, wenn er für ansiedlungswillige Unternehmen attraktiver werden will?
    Bei der Unternehmensbesteuerung gibt es sicher noch ein paar Punkte zu verbessern. Bei der Infrastruktur haben wir im öffentlichen Verkehr einen Quantensprung mit der schnellen Bahnverbindung nach München gemacht, bezüglich Strasse fehlt bislang noch eine internationale Hochleistungsverbindung im Osten. Die Umsetzung der neuen Bau- und Planungsgesetzgebung ergab einen Moment lang eine gewisse Planungsunsicherheit, was mit einer weiteren Revision des Gesetzes abgefedert werden kann. Der Vollzug spielt sich jedoch inzwischen ein und bietet erneut verlässliche Rahmenbedingungen.

    «
    Der Park Ost soll
    international wahrgenommen werden
    »

    Welches sind die Schwerpunkte der Standortförderung im Kanton St. Gallen?
    Innovation und Start-ups sind ein wesentlicher Schwerpunkt, was sich beispielsweise mit der erfolgreichen Bewerbung bei Switzerland Innovation zeigt. Bezüglich Promotion sind wir mit unseren Nachbarkantonen Thurgau, Appenzell und mit der St. Gallen-Bodensee-Area unterwegs. Momentan sind wir durch Corona etwas eingeschränkt – wir hoffen aber, dass die stark auf persönlichen Kontakten beruhende Promotion bald wieder in Schwung kommt. Punkto Bereitstellung von Immobilien und der Arealentwicklung nehmen wir eine aktive Rolle ein; wir initiieren und begleiten als Kanton selber Entwicklungen, das heisst: Wir unterstützen Gemeinden bei überkommunalen Arealentwicklungen und vermitteln Immobilienangebote an Interessenten.

    Welche Vorhaben in Sachen Verkehr und Mobilität stehen ganz oben auf Ihrer Agenda?
    Ein Doppelspurausbau im Rheintal, der ab 2024 einen Halbstundentakt zwischen Chur und St. Gallen erlaubt, der laufende Doppelspurausbau für die S-Bahn nach Rapperswil sowie Kapazitätssteigerungen Richtung Zürich durch den Ausbau am Bahnknoten Wil. Zudem arbeiten wir bereits an den Ausbauschritten für kommende Generationen. Eine Trambahn in St. Gallen soll vertiefter geprüft werden, ebenso eine Anbindung zu Cargo sous Terrain.
    Welche gelungenen Mobilitäts-Projekte würden Sie als Ihre bisherigen «ÖV-Meilensteine» bezeichnen?
    Im Juni konnte ich den Doppelspurausbau mit dem neuen Bahnhof Rorschach einweihen. Dies ist ein Teil der laufend verbesserten Eurocity-Verbindung zwischen Zürich, St. Gallen und München. Der Spatenstich zum vorher erwähnten Doppelspurausbau nach Rapperswil ist im September erfolgt. Allein diese Beispiele zeigen, dass bezüglich Infrastruktur einiges läuft.

    Das Vorantreiben von Innovationen ist Ihnen ein grosses Anliegen. Wie wichtig ist die kürzlich erfolgte Gründung des Innovationsparks Ost?
    Die Gründung der «Switzerland Innovation Park Ost AG», wie es jetzt offiziell heisst, ist der Schlüssel. Damit können wir einerseits die Ostschweizer Innovationsnetzwerke nachhaltig festigen und uns gleichzeitig mit dem Thema auf der internationalen Landkarte positionieren. Wir sind überaus glücklich, dass die Ostschweiz nun auch Teil dieses Schweizer Netzwerks ist. Bereits bei der Erarbeitung des Bewerbungsdossiers sind die Akteure von Forschung, Wirtschaft und der öffentlichen Hand in eine sehr konstruktive Zusammenarbeit getreten. Jetzt ist es entscheidend, dass die konkrete Manifestation der Infrastruktur gelingt. Ich bin zuversichtlich, dass wir dies schaffen, weil wir auf einem lebendigen Innovations- und Unternehmensstandort bei der Empa St. Gallen aufbauen können.

    Was ist der aktuelle Stand des Campus-Projekts Buchs?
    Buchs ist als Standort der Ostschweizer Fachhochschule, der Berufsschule und des Forschungs- und Innovationszentrums Rheintal RhySearch bereits gut aufgestellt. Aus diesem Grund, und da auch Baulandreserven vorhanden sind, ist der Campus Buchs zum Aussenstandort des Park Ost deklariert worden. Aktuell sind mehrere Projekte für die Aufwertung des Campus in Arbeit, unter anderem ein Motel für Studenten, Dozenten und Arbeitskräfte. In Kürze wird für die Brusa Elektronik AG ein Neubau eröffnet. Dieser Neubau ist als privatwirtschaftlich finanziertes Projekt gelungen, das dennoch zum Campus Buchs gerechnet wird. Der Brusa Neubau stellt ein Element im Konzept des «Zentrums Präzisionsindustrie» dar, wofür weitere baureife Flächen beim Campus verfügbar sind.

    «
    Co-Working-Spaces haben von der Pandemie profitiert
    »

    Welche Bedeutung haben die beiden Projekte für die Region und den Kanton St. Gallen?
    Der Park Ost hat eine Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenzen hinweg und soll schliesslich auch international wahrgenommen werden. Die in der Ostschweiz und Liechtenstein bereits gelebte Innovationskultur wird damit klar sichtbar. Der Campus Buchs ist für das industriell geprägte Alpenrheintal ein Nukleus für Innovation, Bildung und Technologie.

    Welche weiteren wichtigen Projekte in Sachen Innovation und Forschung stehen in naher Zukunft an?
    Priorität hat momentan sicher die Umsetzung des Park Ost. Aus den Netzwerken der Empa, HSG, Kantonsspital sowie der Industrie gilt es konkrete Angebote und Innovationsprojekte zu kreieren. Besonders innovative Kooperationsformen werden angeregt und bei Bedarf unterstützt. Im Erstkontakt mit den KMU spielt dabei das Innovations-Netzwerk Ostschweiz INOS mit seinen regionalen Kontaktstellen eine wichtige Rolle.

    Das Thema Co-Working-Spaces ist auch im Kanton St. Gallen von grosser Bedeutung. Wie sind die neu gegründeten Co-Working-Spaces durch die Krisenzeit gekommen?
    Nach den mir vorliegenden Informationen gab es zwar im Lockdown einige Leerstände und Einbussen. Die Büros, auch die neu gegründeten, haben jedoch insgesamt von der Situation profitiert: Einige sind vom Homeoffice in das Co-Working ausgewichen und haben jetzt Gefallen an der neuartigen Arbeitsform gefunden.

    Welche Entwicklung erwarten Sie in diesem Bereich?
    Aufgrund der Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt entspricht diese Arbeitsform zunehmend einem Bedürfnis. Zukunftsfähig erscheint mir besonders das Modell, wenn beispielsweise in Inkubatoren wie dem Startfeld eine innovative Atmosphäre durch ähnlich interessierte Arbeitskräfte, Start-ups und Freiberufliche entsteht.

    Mit dem «Energiekonzept 2021–2030» stehen bis 2030 rund 150 Millionen Franken für energetische Investitionen zur Verfügung. Welche Punkte sind für Eigentümer von Wohn- und Geschäftsliegenschaften die wichtigsten?
    Zusätzlich zur bisherigen Förderung von energetischen Sanierungen werden die Beratungsangebote ausgeweitet, beispielsweise die finanzielle Unterstützung für die Betriebsoptimierung von Mehrfamilienhäusern und Dienstleistungsbauten. Weitere Zusätze sind die Produktion und Nutzung erneuerbarer Energien, etwa durch eigene Solarmodule sowie der sommerliche Wärmeschutz.

  • Uni St. Gallen, neuer Campus von Pascal Flammer

    Uni St. Gallen, neuer Campus von Pascal Flammer

    Der Universität St. Gallen wird der Platz knapp. Auf dem Areal Platztor am Unteren Graben entsteht deshalb ein zweiter Campus, um ihre Kernaufgaben in Lehre und Forschung weiterhin qualitativ hochstehend zu erfüllen. Es wird aber nicht nur Raum für Forschung und Lehre geschaffen, vielmehr soll auch ein neues Stück Stadt hinzugefügt werden. Der Architekturwettbewerb um die Gestaltung des neuen Stadtbausteins ist entschieden.

    Der neue Campus soll dereinst genügend Platz für die Ausbildung von 3000 Studierenden bieten. In den zwei Untergeschossen ist eine grosse Aula mit einem Platzangebot für 400 Personen geplant. Um das Gebäude wird ein grosszügiger Park angelegt, der wie das Gebäude öffentlich zugänglich sein wird.

    Am offenen Wettbewerb wurden 59 Projekte eingereicht. Nachdem keines vorbehaltlos überzeugt hatte, entschied sich die Jury für eine anonyme Bereinigungsstufe. Dabei konnte sich schliesslich das Projekt «Haus im Park» von Pascal Flammer durchsetzen. Flammers Vorschlag sieht ein achtzig Meter langes und vierzig Meter breites Gebäude vor, das inmitten eines öffentlichen Parks stehen soll. Dafür wird der Baukörper von der Strasse zurückversetzt. Das sechsstöckige Gebäude aus Holz, Beton und Glas wirkt auf den Visualisierungen leicht und transparent.

    Die publikumsorientierten Nutzungen wie die Caféteria sind zu St. Gallens schöner Altstadt hin ausgerichtet. Bei der Erschliessung des Campus legte Flammer sein Augenmerk auf den öffentlichen Verkehr. Vom bestehenden Campus gelangt man zu Fuss ober- und unterirdisch zum Neubau.

    Nach dem Baubeginn 2025 kann das Gebäude voraussichtlich im Jahr 2029 in Betrieb genommen werden. Für die Stadtentwicklung von St. Gallen bedeutet das Projekt einen grossen Schritt in die Zukunft.

  • «Die St. Galler Quartiere der Zukunft sollen lebendig, vielfältig und durchmischt sein»

    «Die St. Galler Quartiere der Zukunft sollen lebendig, vielfältig und durchmischt sein»

    Zur Person
    Maria Pappa wurde 1971 in St. Gallen geboren und ist in der Stadt aufgewachsen. 2016 wurde die Tochter süditalienischer Einwanderer als Stadträtin gewählt, und seit diesem Jahr ist die Sozialdemokratin Stadtpräsidentin der Stadt St. Gallen und leitet die Direktion Inneres und Finanzen. Zuvor führte sie als Stadträtin die Direktion Planung und Bau. Maria Pappa studierte Sozialpädagogik an der Höheren Fachschule für soziale Arbeit in Rorschach. Vor ihrer Wahl leitete sie die geschlossene Abteilung des Jugendheims Platanenhof in Oberuzwil und später die städtische Tagesbetreuung für Schulkinder. Bevor sie in die Soziale Arbeit wechselte, arbeitete die Absolventin der Handelsmittelschule in der Buchhaltungsabteilung einer Versicherung.

    Frau Pappa, Sie sind seit Beginn dieses Jahres Stadtpräsidentin und stehen der Direktion Inneres und Finanzen vor. Zuvor leiteten Sie als Stadträtin die Direktion Planung und Bau. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?
    Nach der Wahl zur Stadtpräsidentin und der anschliessenden konstituierenden Sitzung des Stadtrats ging es sehr rasch; für den eigentlichen Wechsel blieben nur vier Wochen. Die Einarbeitung als Stadtpräsidentin und in der neuen Direktion waren geprägt von der Pandemie: Die meisten Kontakte mit Mitarbeitenden und Externen waren virtuell. Repräsentative Aufgaben gabs nur wenige – und sie beschränkten sich auf Videobotschaften für Online-Anlässe. Diese Verschiebung des persönlichen Austauschs in den digitalen Raum erschwerte insgesamt die sozialen Kontakte und den echten Beziehungsaufbau. Gleichzeitig war ich aber auch weniger durch repräsentative Aufgaben gebunden und konnte mich so in die Projekte und Eigenheiten der neuen Direktion vertiefen.

    Weshalb haben Sie sich nach vier Jahren Planung und Bau zum Wechsel der Direktion entschieden?
    Die Verteilung der Direktionen ist Sache des Gesamtstadtrats. Gemeinsam haben wir sämtliche Optionen angeschaut und uns für die idealste entschieden. Persönlich war ich gerne Vorsteherin der Direktion Planung. Dort zu bleiben hätte mir gefallen. Nach vier Jahren ist man richtig eingearbeitet, kennt die Projekte und hat viele davon von Anfang an begleitet. Die neue Funktion als Stadtpräsidentin ist jedoch mit vielen Repräsentativaufgaben sowie mit Sitzen in Gremien verbunden. Ein enger Draht zur Stadtkanzlei ist sehr wichtig. Die Erfüllung dieser zusätzlichen Aufgaben mit der gleichzeitigen Leitung der so breit aufgestellten Direktion Planung und Bau ist zeitlich nicht machbar.

    Welche Projekte waren für Sie als Vorsteherin Planung und Bau Meilensteine, die Sie begleiten durften?
    Als ich die Abstimmungsresultate zur Neugestaltung von Marktplatz und Bohl entgegennehmen durfte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Ein konsensfähiges Marktplatzprojekt im dritten Anlauf endlich durchzubringen, war intensive Arbeit. Auch die Neugestaltung der Zürcher Strasse wurde lange Zeit blockiert. Im Jahr 2018 hat das Stadtparlament dem vorgeschlagenen Projekt dann zugestimmt. Nächstes Jahr soll mit der Neugestaltung begonnen werden. Einen Schwerpunkt bildeten die zahlreichen Schul- und Betreuungsprojekte. Hervorzuheben ist hier das grösste Projekt: der Neubau des Schulhauses Riethüsli. Dieser wird im Quartier schon lange erwartet – im November 2020 hat ihn die Stimmbevölkerung genehmigt. Im Hintergrund wurde in diesen vier Jahren auch an vielen wichtigen Strategie-Papieren gearbeitet, darunter Wohnraum-, Freiraum-, Baum- und Innenentwicklungsstrategie. Einige sind relevant für die Revision der Bau und Zonenordnung. Sie alle werden die bauliche Entwicklung der Stadt prägen.

    Welche Vorhaben stehen für Sie als Vorsteherin der Direktion Inneres und Finanzen ganz oben auf Ihrer Agenda?
    Drei Themen sind momentan aktuell: Ich will St. Gallen als attraktive Stadt bekannter machen und damit das leicht angestaubte, «brötige» Image, das wir selbst von unserer Stadt haben, korrigieren und verbessern. Bei den Finanzen hat St. Gallen zwar eine solide finanzielle Basis. Doch sie weist seit Jahren ein latentes strukturelles Defizit aus, das sich vor allem in der Budgetierung zeigt. Der Aufwand steigt mehr als die Erträge. Ein Ziel wird es deshalb auch sein, dieses strukturelle Ungleichgewicht ins Lot zu bringen. Und schliesslich liegt mir das kulturelle Leben der Stadt am Herzen. Es ist mir ein Anliegen, das im Jahr 2020 verabschiedete Kulturkonzept umzusetzen.

    Auf dem Burgweiher-Areal konnte 2020 in einem dicht besiedelten Quartier ein grosses Naherholungsgebiet eröffnet werden. Gibt es ähnliche Landprojekte/Landreserven, die in den nächsten Jahren umgesetzt/entwickelt werden könnten?
    Dass wir eine solch grosse Grünfläche mitten in der Stadt der Öffentlichkeit zugänglich machen konnten, ist ein Glücksfall und in dieser Form sicher einzigartig. In den nächsten Jahren geht es denn auch vielmehr um Wohn- und Gewerberaum. Die grossen Entwicklungsgebiete, die die Stadt in den nächsten Jahren beschäftigen werden, liegen einerseits in der Ruckhalde. Hier ist durch die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen ein Areal freigeworden, das die Stadt insbesondere für die Wohnnutzung entwickeln will. In St. Fiden soll andererseits ein attraktiver neuer Stadtteil entstehen. Das Areal rund um den Bahnhof bietet viel Potenzial für eine innere Verdichtung und eine attraktive Neugestaltung.

    In seiner Vision 2030 geht der Stadtrat davon aus, dass die Stadt St. Gallen wächst und sich die Bevölkerung zu einer multikulturellen urbanen Gesellschaft entwickelt. Wie unterstützen Sie als Stadtpräsidentin diese Vision?
    St. Gallen hat mit der Wohnraum-, der Innenentwicklungs- und der Freiraumstrategie aufgezeigt, wie sie als starke, innovative und attraktive Stadt in die Zukunft gehen will. In Kürze wird noch die Liegenschaftenstrategie dazukommen. Dieses zukunftsweisende Bild versuchen wir mit der «Sankt»-Kampagne aktiv nach aussen zu tragen. Bereits als Direktorin Planung und Bau waren mir Zusammenarbeit und Partizipation wichtig. Mit der Revision des Partizipationsreglements hat sich die Stadt seit diesem Jahr schliesslich eine Kultur der Partizipation auf die Fahne geschrieben. Dass wir diejenigen, die in dieser Stadt leben, auch künftig miteinbeziehen, wenn es um die Gestaltung dieser Stadt geht, scheint mir selbstverständlich. Zur Partizipation gehört auch, dass wir die Zusammenarbeit und den Austausch mit unserem eigenen Kanton und angrenzenden Kantonen, den Gemeinden und anderen Städten suchen und Synergien pflegen.

    Wie sieht die Wohnraumstrategie der Stadt St. Gallen genau aus?
    Bei der Wohnraumstrategie geht es vor allem darum, sowohl neuen attraktiven Wohnraum zu schaffen als auch bestehenden Wohnraum zu erneuern. Die Wohnraumstrategie definiert zu diesem Zweck in sechs Handlungsfeldern insgesamt 14 Ziele und 27 Massnahmen. Das Wohnungsangebot soll dabei vielfältig und auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten und die Wohnbauentwicklung sozialverträglich umgesetzt werden. Innovative Wohnprojekte wie etwa Mehrgenerationenwohnen und nachfamiliäres Wohnen sind Teil der Strategie. Ein wesentlicher Aspekt der Wohnraumstrategie sind zudem die Quartiere. Die St. Galler Quartiere der Zukunft sollen lebendig, vielfältig und durchmischt sein sowie ein attraktives Wohnumfeld fördern. Die Stadt wählt zur Erreichung dieser Ziele auch hier die Zusammenarbeit und will den Dialog mit Wohnbauakteurinnen und -akteuren fördern.

    «
    Die künftigen St. Galler Quartiere sollen lebendig und durchmischt sein
    »

    Welche Herausforderungen bringt der Weg zur «Wohnstadt 2030» mit sich?
    Es stellt sich die Frage, wie eine qualitativ gute innere Verdichtung mit attraktiven Freiräumen in Einklang gebracht werden kann. Dass künftig mehr Leute auf dem gleichen Raum leben, soll die Wohn- und Aufenthaltsqualität nicht beeinträchtigen. Erschwerend kommt der Klimawandel hinzu, dessen Auswirkungen vor allem städtische Räume vor grössere Herausforderungen stellen. Es wird darum gehen, mit baulichen Massnahmen insbesondere Hitzeinseln zu vermeiden und die Vernetzung sowie die Biodiversität zu fördern. Bei all diesen Herausforderungen geht es letztlich um die Bewohnerinnen und Bewohner selbst. Ich bin der Überzeugung, dass wir zu besseren Lösungen gelangen, wenn wir das Potenzial der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner in partizipativen Prozessen ausschöpfen können.

    Mit welchen Massnahmen kann die Strategie umgesetzt werden?
    Der Massnahmenkatalog der Wohnraumstrategie umfasst 27 konkrete Massnahmen. Das können Analysen von spezifischen Situationen, die Schaffung neuer finanzieller und rechtlicher Instrumente oder konkrete Bauprojekte sein. Letztlich geht es darum, die Grundlagen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich die Stadt in die durch die Wohnraumstrategie aufgezeigte Richtung entwickeln kann.

    Welche Vorzüge hat die Stadt für ansiedlungswillige Firmen und für Neuzuzüger?
    St. Gallen verfügt über ein vielfältiges Angebot, das sich sehen lassen kann. Die Stadt steht für Bildung, Kultur und Innovation. Gleichzeitig ist die Lebensqualität dank der Lage in prächtiger Natur zwischen Säntis und Bodensee und mit einer Fülle an kulturellen und gastronomischen Angeboten einzigartig. St. Gallen ist eine Stadt der kurzen Wege, die die Vernetzung und das sich Organisieren einfacher macht als in grösseren Städten. Für Unternehmen und besonders auch Privatpersonen überzeugt St. Gallen durch ihre Kompaktheit sowie ihre ideale Mischung zwischen Urbanität und Naturnähe. Als Bildungsstandort mit der weltweit renommierten Universität St. Gallen (HSG) und OST Ostschweizer Fachhochschule verfügt St. Gallen über viele kluge und gut ausgebildete Köpfe. Die Stadt ist zudem damit beschäftigt, diverse Areale vornehmlich im Westen zu entwickeln und neuen Nutzungen von Gewerbe, Industrie und Forschung zuzuführen.

    Wo muss sich die Stadt noch verbessern, wenn sie noch attraktiver werden will?
    Auch wenn die Stadt sich naturgemäss in vielen Bereichen verbessern kann, wie beispielsweise bei spannenden Wohnangeboten, so braucht sich St. Gallen, wie ich finde, keineswegs zu verstecken. Viele Vorzüge und attraktive Angebote der Stadt sind aber schlicht zu wenig bekannt. Es ist dies mit einer der Gründe, weshalb wir die Vermarktungskampagne gestartet haben.

    Das St. Galler Energiegesetz enthält neue, bauliche Massnahmen, die sich auf den Energieverbrauch in Neubauten und in bestehenden Häusern auswirken. Seit dem 1. Juli 2021 gelten die neuen Bestimmungen. Welches sind die wichtigsten Änderungen für Eigentümer von Wohn- und Geschäftsliegenschaften?
    Der Nachtrag zum Energiegesetz orientiert sich an den Klimazielen des Bundes, den CO2-Ausstoss bis 2030 zu halbieren. Neubauten sollen deshalb künftig auf erneuerbare Energien setzen und einen Teil ihres Strombedarfs durch Eigenproduktion abdecken. Für bestehende Liegenschaften gelten neue Vorgaben beim Ersatz einer bestehenden Heizung. Entweder soll auf Heizsysteme mit erneuerbarer Energie umgestellt oder aber durch bessere Dämmung Energie eingespart werden. Das Amt für Baubewilligungen berät Eigentümerinnen und Eigentümer gerne.

    Wie haben sich die Grundstückgewinnsteuern in jüngerer Zeit entwickelt? Wie wird es in der näheren Zukunft weitergehen?
    Die Grundstückgewinnsteuern haben sich fast verdreifacht. Das hängt vor allem mit den gestiegenen Immobilienpreisen zusammen. Wir haben in den letzten Jahren einen sehr aktiven Immobilienmarkt erlebt. Immobilien haben sich mangels Alternativen als gute Investitionsmöglichkeit erwiesen. In der Zukunft wird die Entwicklung abhängig sein vom Anlagemarkt und den Zinsen. Ich gehe davon aus, dass der jetzige Trend noch ein wenig anhalten wird.

  • «Zürich soll als Innovationsstandort noch stärker werden»

    «Zürich soll als Innovationsstandort noch stärker werden»

    Sie haben zu Beginn dieses Jahres die Leitung der Standortförderung übernommen. Welche Massnahmen haben Sie getroffen, um sich gut und schnell einzuleben?
    Fabian Streiff: Ein wichtiger Punkt war für mich die Vernetzung mit kantonalen Akteuren, Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft und der Wissenschaft. Den Umständen geschuldet, musste dies zunächst virtuell geschehen. Aber noch relevanter war für mich die Frage, wie wir die Unternehmen unterstützen können – gerade während der Pandemie. Der Informationsbedarf der Unternehmen war enorm. Vor allem in Zeiten, in denen Instrumente wie beispielsweise die Kurzarbeit und Härtefallhilfe zur Anwendung kamen.

    Was haben Sie konkret unternommen, um die Unternehmen zu unterstützen?
    Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat schon früh den intensiven Austausch mit den Unternehmern gesucht, um zu eruieren, welche Themen wir auf nationaler Ebene adressieren müssen und welche wir innerhalb des Kantons lösen können. Zudem haben wir eine Hotline für die Unternehmen eingerichtet und verschiedene Websites stetig aktualisiert. Nun richten wir unseren Blick auf die Zukunft und widmen uns der Fragestellung, wie wir die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Zürich positiv beeinflussen können.

    Wie sieht dieser Plan aus?
    In Gesprächen mit Zürcher Unternehmen hat sich bestätigt, dass wir den Fokus noch stärker auf einen attraktiven Innovationsstandort legen sollten. Innovationen entstehen vermehrt in Netzwerken, weshalb starke Innovationsökosysteme einen bedeutenden Beitrag zum zukünftigen Erfolg der Zürcher Wirtschaft leisten. Diese gilt es zu stärken. Ein zentrales Thema sind neue hybride Arbeitsformen wie Home-Office oder das Arbeiten von Co-Working-Spaces aus. Wir müssen uns fragen, was dies für den Standort und seine Entwicklung bedeutet. Spannend ist auch, wie der Wirtschaftsstandort Zürich für Unternehmen attraktiv bleiben kann. Gibt es Möglichkeiten, den Zugang zu Talenten und Fachkräften zu verbessern, gerade im Kontext des mobilen Arbeitens? Welche Rolle kann der Staat einnehmen, um hier einen Beitrag zu leisten? Das alles sind offene Fragen – wir sehen bereits Tendenzen, aber natürlich auch Folgen daraus, wie zum Beispiel die Diskussion über eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts.

    Verliert der Wirtschaftsstandort Zürich jetzt wirklich an Attraktivität?
    Viele Unternehmen beantworten diese Frage mit einem klaren Nein. Es zeichnen sich aber Verschiebungen ab. So prognostizieren grosse Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Konzentration auf einzelne Standorte. Das heisst, gewisse Immobilien könnten frei werden. Andererseits könnten diese schnell wieder für neue Arbeitsformen wie beispielsweise Co-Working-Spaces genutzt werden. Ländliche Zentren dürften dank Home-Office-Möglichkeiten wieder belebter werden. Der Wirtschaftsstandort Zürich wird auch durch die Hochschulen gestärkt, die mit ihren erfolgreichen Spin-offs und Forschungsarbeiten einen super Job machen und in den Rankings ganz vorne dabei sind. Die Unternehmen im Kanton Zürich konnten letztes Jahr zudem in grossem Umfang Risikokapital anziehen, was sehr erfreulich ist.

    Wie kam es zu dieser positiven Entwicklung trotz der Pandemie?
    Zürich hat sich in den vergangenen Jahren gut positioniert, insbesondere mit Blick auf die digitale Transformation. Hier werden Spitzenkräfte benötigt und am Standort Zürich auch gefunden. Dies dank den Hochschulen und des Talentpools, der sich in den letzten Jahren stark weiterentwickeln konnte. Zuerst hatten die Banken Magnetwirkung, nun sind es die grossen Unternehmen aus der Branche der Informations- und Kommunikationstechnologie. Das Zusammenspiel der verschiedenen Branchen ist für die Zukunft vielversprechend. Auch im Bereich der Forschung registrieren wir eine positive Entwicklung. Die genannten Punkte werden im Standortwettbewerb immer relevanter. Aber andere Standorte schlafen nicht und haben sich national und international sehr gut positioniert, weshalb die führende Position des Kantons Zürich keine Selbstverständlichkeit ist. Sie muss weiterhin im Bereich der Innovation gestärkt werden.

    Der Kanton Zürich ist der führende Wirtschaftsstandort der Schweiz. Weshalb?
    Die Attraktivität von Zürich basiert auf verschiedenen Faktoren. Angefangen bei der Bildung, über hochqualifizierte Arbeitskräfte, bis hin zu starken Branchen aus der Finanzwirtschaft und immer mehr aus den Bereichen Life-Science-Technologie, Cleantech sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie. Diese Vielfalt an Kompetenzen ermöglicht starke Ökosysteme, wodurch branchenübergreifendes Lernen und Innovieren gestärkt werden. Die Lebensqualität per se spricht ebenfalls für den Standort Zürich.

    Was unternehmen Sie, um diesen Status auch in Zukunft zu sichern?
    Unsere neue Strategie weist drei Schwerpunkte auf: Der erste ist die starke Fokussierung auf Innovationsthemen in den Bereichen Finanztechnologie, Digital Health, Biotech, Cleantech sowie im Bereich neue Mobilität. Hier wollen wir mehr Vernetzung und Möglichkeiten für Kooperationen schaffen. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit den regionalen Standortförderungen, um die Branchenvielfalt zu stärken. Die Grösse des Kantons Zürich verlangt ein vernetztes Arbeiten, um der Vielseitigkeit der einzelnen Regionen gerecht zu werden. So können wir auch spannende regionale Projekte unterstützen, wie es beispielsweise beim Bio-Technopark in Schlieren der Fall war. Aktuell sehen wir dies auch beim Digital Health Center in Bülach. Den dritten Schwerpunkt setzen wir bei der Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen, insbesondere im Bereich der Innovation. Hier können wir darauf hinwirken, dass es bei den Regulierungen auf Bundesebene nötige Anpassungen für spezifische Innovationsthemen gibt.

    Welche Regulierungen weisen dringenden Anpassungsbedarf auf?
    Mit Blick auf einen starken Innovationsstandort Zürich stehen aktuell die Folgen sowie Lösungen nach dem gescheiterten Rahmenabkommen mit der EU im Fokus. Der Ausschluss aus Horizon Europe wiegt schwer. Weiter sind Anpassungen im Arbeitsrecht aufgrund der veränderten Bedürfnisse zu prüfen – wie zum Beispiel beim mobilen Arbeiten.

    Welche Areale suchen Unternehmen derzeit am meisten?
    Wir sehen von der Kundenseite her einen Bedarf nach Flächen an gut erschlossenen Lagen, die in ein Ökosystem eingebunden sind. Es wird vermehrt die Verbindung zu den Hochschulen gesucht. Biotech-Labors werden auch immer wichtiger. Schlieren konnte sich in diesem Bereich enorm entwickeln. Dennoch verzeichnen wir hier eine Nachfrage, die überregional noch nicht gesättigt werden kann.

    Was ist das Problem?
    Im Biotechbereich sind die auf den Markt kommenden Flächen jeweils sehr schnell wieder besetzt. Es braucht vermehrt Investoren, die bereit sind, in Labors zu investieren. Die Entwicklung eines solchen Projekts dauert in der Regel zwei Jahre oder länger. Eine entsprechend vorausschauende Planung ist zwingend.

    Wie sehen Sie die Zukunft für die Bürogebäude im Kanton Zürich mit dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitsmodelle?
    Mit dieser Frage setzen wir uns aktuell stark auseinander. Die Arbeitgeber wollen allgemein noch attraktiver werden. Die Anforderungen an einen Büro-Arbeitsplatz werden also steigen. Doch ob das nun bedeutet, dass man pro Arbeitnehmenden mehr Fläche benötigt, oder ob es zu Zusammenlegungen kommt, werden wir erst in ein bis zwei Jahren sehen. Wir glauben aber, dass das Thema Co-Working noch wichtiger wird. Allerdings in einer umfassenderen Form als heute – im Sinne eines Begegnungsortes, wo ein vertiefter Austausch mit der Wissenschaft, den Behörden und weiteren Akteuren im Ökosystem stattfinden kann. Quasi ein Co-Working-Plus.

    Welche Standorte sind am begehrtesten?
    Die Stadt Zürich und die Flughafenregion bleiben weiterhin sehr attraktiv. Am Flughafen verzeichnen wir beim neu gebauten The Circle eine hohe Nachfrage. Und das Limmattal ist mit der Limmattalbahn und dem Bio-Technopark noch attraktiver geworden. Die Stadt Winterthur und die Region Zimmerberg sind dank der ZHAW ebenfalls beliebte Standorte.

    Welche Unternehmen interessieren sich für The Circle?
    The Circle zieht nicht nur Unternehmen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie wie etwa Microsoft oder Oracle an, sondern auch aus dem Bereich Life Sciences. Digital Health ist hier ein wichtiges Thema. Nach einer Corona-bedingten schwierigen Startphase zieht das Geschäft am Circle nun an, und es sind bereits 85 Prozent der Flächen vermietet.

    Welches sind die wichtigsten Quellenmärkte für den Kanton Zürich?
    Die USA ist nach wie vor mit Abstand der stärkste Markt. Wichtig sind auch Europa, insbesondere Deutschland, sowie China und Japan. Neu konzentrieren wir uns auf Korea und Israel. Die Unternehmen denken immer mehr in Forschungs- und Entwicklungs-Hubs. Zürich ist für viele Unternehmen nicht nur eine internationale Business-Location, sondern eben auch ein solcher Hub. Die Vermarktung im Ausland übernimmt die Standortmarketing-Organisation Greater Zurich Area für uns.

    Wie soll sich der Wirtschaftsstandort Zürich in den nächsten 10 Jahren entwickeln?
    Er soll als Innovationsstandort noch stärker werden. Zürich hat eine lange Geschichte und als Finanzplatz eine grosse Bekanntheit. Das ist wichtig – auch mit Blick auf zukünftige Ansiedlungen im Bereich Finanztechnologie. Zürich soll sich zudem in den Bereichen künstliche Intelligenz und neue Mobilität profilieren, wie beispielsweise bei der Entwicklung von autonomen Systemen. Wir glauben an eine Bewegung weg vom klassischen Finanzplatz Zürich hin zu einem Wirtschaftsstandort, der in den genannten neuen Themen und in der Digitalisierung sehr stark sein wird. Die Zürcher Wirtschaft ist bereits jetzt gut aufgestellt und zeigt sich krisenresistent – doch zukünftig soll Zürich noch innovativer, attraktiver und somit noch stärker werden.

    Fabian Streiff mit seinem Team.

  • «Bellinzona: eine Stadt mit vielen Projekten»

    «Bellinzona: eine Stadt mit vielen Projekten»

    Wer ist Mario Branda?
    Seit April 2012 im Amt, ist Mario Branda (PS) der erste sozialistische Bürgermeister einer Tessiner Stadt. Da es sich in diesem Fall um die Kantonshauptstadt handelt, verdoppelt sich der Rekord. Eine Leistung, die Herrn Branda, der keine große Fanfare mag, sicherlich stolz macht. 2011 legte er sein Amt als Staatsanwalt nieder, um für den Staatsrat zu kandidieren, wurde jedoch nicht gewählt. Er ließ sich nicht unterkriegen und kandidierte im folgenden Jahr für das Amt des Bürgermeisters in Bellinzona und sammelte eine Lawine an Stimmen. Geboren 1960, Rechtsanwalt von Beruf, arbeitet Mario Branda bei der Anwalts- und Notariatskanzlei MLaw in Bellinzona.

    Sie sind das Oberhaupt der Stadt Bellinzona, die in den letzten Jahren mit der Zusammenlegung mehrere Veränderungen erfahren hat. Sie haben kürzlich das PAC, das Kommunale Aktionsprogramm, entwickelt. Worum geht es?
    Um zu verstehen, warum die Notwendigkeit des Erwerbs des PAC entstanden ist, müssen wir zwei wichtige Aspekte berücksichtigen, die Entwicklung von Bellinzona war geboren.

    Mit der Aggregation 2017 vereinte das neue Bellinzona 13 Gemeinden und wuchs von 18.000 auf knapp 45.000 Einwohner und eine Fläche, die mit 164 km2 die grösste der Schweiz für eine Gemeinde mit gleicher Einwohnerzahl ist.

    Die wirtschaftliche, kulturelle und ökosoziale Entwicklung zu managen und die Erhaltung und Sicherheit eines so großen Territoriums zu gewährleisten, ist mit erheblichem Aufwand verbunden. Mit der Aggregation musste die Verwaltung aller Gemeinden vereinheitlicht werden, ein mühsamer Vorgang, da wir über ausgedehnte landwirtschaftliche und halblandwirtschaftliche Flächen verfügen – 1/3 des Magadino-Plans gehört nun zum neuen Zuständigkeitsbereich – die im Vergleich unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen haben zu urbanen Zentren.

    Der zweite wichtige Aspekt ist AlpTransit: Die Eröffnung der Basistunnel Gotthard und Monte Ceneri stellt einen grundlegenden und strategischen Aspekt dar, der dem ganzen Kanton Tessin zugute kommt und vor allem die Stadt Bellinzona wird im Laufe der Zeit wichtige Veränderungen im Stadtgefüge erfahren . . Transformationen, die in 10-15 Jahren ausgewertet werden können, auch wenn wir schon jetzt Bewegungen beobachten können, die es bis vor einiger Zeit nicht gab.

    Es entstand daher die Notwendigkeit, ein Dokument zu erstellen, das der jetzigen Gemeinde und denjenigen, die sich weiterhin orientieren und die Entwicklungspolitik in dieser neuen Realität ausrichten werden, helfen würde. Es wurde ein Wettbewerb veröffentlicht, an dem verschiedene Gruppen teilnahmen, mit dem Ziel, zukünftige Entscheidungen in Bezug auf die Planung und Entwicklung der Stadt in den nächsten 15-20 Jahren zu unterstützen und die aktuellen Regulierungspläne in einem einzigen Dokument zusammenfassen zu können.

    Was enthält das PAC?
    Das PAC ist ein Programmierwerkzeug, das aus einem beschreibenden Dokument und anschaulichen Karten und Plänen besteht. Es enthält einige kodifizierte Grundsätze, an denen wir uns in Zukunft orientieren werden und berücksichtigt die folgenden zwei wichtigen Aspekte:

    – Polyzentrische Identität. Das neue Bellinzona hat andere Realitäten und es ist wichtig, die Identität der einzelnen Gemeinden, ihr soziales Leben und ihre Entwicklung zu bewahren. Die ehemaligen Gemeinden haben den neuen Status des Bezirks Bellinzona akzeptiert, solange Dienstleistungen, Kapillarverbindungen und Sicherheit im gesamten Gebiet gewährleistet sind.

    -Der Fluss Tessin. Landschaftlich prägt der Fluss, der das Gebiet von Moleno bis Gudo durchquert, das neue Gebiet und bildet das Rückgrat der neuen Gemeinde.

    Sind diese beiden Grundprinzipien festgelegt, folgen Entwicklungsprojekte, die auf eine zentripetale Qualitätsentwicklung ausgerichtet sind und sich auf den Aufbau und die Entwicklung wirtschaftlicher Aktivitäten in bereits dicht besiedelten Zentren konzentrieren, um den Druck einer weiteren Ausbeutung des Territoriums zu verringern.

    Es wurden zwei Bereiche identifiziert, die sich für die Bautätigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung besonders eignen: der Sektor des ehemaligen Ferriere Cattaneo und der Raum der ehemaligen Werkstätten in Bellinzona, im zentralen Bereich.

    Können Sie mir etwas über das ehrgeizige Projekt des Ex-Officine-Raums erzählen? Es wäre interessant, auch ein paar Details zum Zeitpunkt zu haben.
    Das Projekt für den Ex-Officine-Bereich umfasst tatsächlich verschiedene Projekte. Die erste grosse Aufgabe besteht darin, alles, was sich auf dem Gelände der SBB Werkstätten befindet, nach Castione zu bringen. Hier wurde eine Fläche von über 150’000 Quadratmetern identifiziert, die für den Bau des neuen SBB-Produktionsstandortes geeignet erscheint, in einem gut erreichbaren Gebiet für eine Gesamtinvestition von rund 400 Millionen Franken. Ein Teil der Kosten wird vom Kanton (80 Millionen Franken) und der Stadt Bellinzona (20 Millionen Franken) getragen. Die Prämissen sind gut, um zu denken, dass das Projekt beginnen kann, sobald die administrativen und wiederkehrenden Praktiken geklärt sind.

    Sollte diese Operation wie zu hoffen durchgehen, wird das bisherige Areal der SBB Werkstätten, eine Fläche von rund 120’000 Quadratmetern im Herzen der Stadt, geräumt. Um zu verstehen, was damit zu tun ist, wurde ein Masterplan mit einem internationalen Wettbewerb ins Leben gerufen. Die Daten sind bereits veröffentlicht und sehen den Bau eines neuen teilweise Wohnquartiers vor, die jetzige Lokomotiv-Reparatur-Kathedrale könnte in ein kulturelles und soziales Zentrum umgewandelt werden; schliesslich ein Teil für die Ausbildung bei einem Swiss Innovation Park, einer Unterseite der Swiss Innovation Parks.

    Es wird eine Variante des Masterplans sein, die ebenfalls auf dem neuen Masterplan basiert, um die Etappen und Prozesse dieses neuen Stadtteils zu definieren. Es ist ein Projekt mit einer Vision und einem Horizont von 30-40 Jahren, es wird einem definierten Weg folgen und es wird gehofft, dass es in Lose und Sektoren unterteilt werden kann und erst eröffnet wird, wenn das vorherige bereits abgeschlossen ist und besetzt. Teile-
    30.000 Quadratmetern ist für öffentliches Grün gedacht, ein echter Park, um den sich die verschiedenen Gebäude entwickeln werden.

    Das Grundstück, auf dem heute dieses neue Quartier entsteht, befindet sich zu 100 % im Eigentum der SBB und wurde im Dezember 2017 unterzeichnet und zur Hälfte an den Kanton Tessin und die Stadt Bellinzona verkauft, um eine gemeinsame Projekt.

    Welche anderen Baustellen haben Sie in Arbeit oder planen Sie, in naher Zukunft zu aktivieren?
    Der neue Hauptsitz des IRB wird in Kürze im November eingeweiht. Der derzeitige Hauptsitz könnte von der Stadt erworben werden, um nach einigen Renovierungsarbeiten neue biomedizinische Forschungsaktivitäten aufzunehmen. Die Idee ist, die Stadt Bellinzona als Zentrum für biomedizinische Forschung zu festigen.

    Im Jahr 2030 soll mit einem weiteren wichtigen Projekt begonnen werden: dem Bau des neuen Krankenhauses, das im Raum Saleggina entstehen wird. Der erste Schritt – die Vergabe des Kredits von 16 Millionen Franken durch die Kommission für die Verwaltung des Grossen Rates, für den Erwerb der Grundstücke im Besitz der Armasuisse – ist gemacht.

    Ein weiteres großes Projekt, das in den nächsten vier Jahren entwickelt werden soll, ist die Verbesserung des kulturellen Angebots der Stadt und der Attraktivität der drei Burgen: im Wesentlichen die Förderung der Festung Bellinzona, ein UNESCO-Weltkulturerbe.

    Schließlich bin ich neugierig, was der Traum von Bürgermeister Mario Branda ist?
    Tatsächlich gibt es zwei: die Konsolidierung der biomedizinischen Forschungspole des IRB und dasjenige, das in das vom IRB leer gelassene Gebäude zurückkehrt und sich gleichzeitig um das Projekt kümmert, das Unesco-Erbe der Burgen zu verbessern, die einen kulturellen und touristischen Wendepunkt in Bellinzona geben.

    Und ein Slogan: für ein Bellinzona, ein Forschungspol, aber mit Kunst!

  • "Das Tessin, ein attraktiver Wirtschaftsstandort"

    "Das Tessin, ein attraktiver Wirtschaftsstandort"

    Wer ist Stefano Rizzi?
    Stefano Rizzi ist seit 1. Januar 2012 Direktor der Abteilung Wirtschaft des Departements für Finanzen und Wirtschaft des Kantons Tessin. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, mit Spezialisierung auf kleine und mittlere Unternehmen, war er in der Privatwirtschaft und seit 2005 in der kantonalen Verwaltung tätig. Zu seinen Verantwortungsbereichen gehören wirtschaftliche Entwicklung, Landwirtschaft, Arbeitsmarktüberwachung sowie Arbeitslosigkeit und Landbesitz.

    Bleibt das Tessin trotz verschiedener Wirtschafts- und Gesundheitskrisen ein interessanter Wirtschaftsstandort?
    Natürlich! Im Tessin herrschen ideale Geschäftsbedingungen, insbesondere dank der starken Innovationsbereitschaft in unserem Kanton. Tatsächlich gibt es zahlreiche international gelistete Forschungsinstitute, von denen einige zu echten Flaggschiffen unseres Territoriums geworden sind. Ich denke dabei unter anderem an das Le Molle Institute for Artificial Intelligence Studies (IDSIA), das Research Institute in Biomedicine (IRB) oder das Swiss Center for Scientific Computing (CSCS). Letzteres beherbergt zum Beispiel den leistungsstärksten Supercomputer Europas, den «Piz Daint».

    In unserem Territorium gibt es auch viele Spitzenunternehmen, die in verschiedenen Wirtschaftsbereichen erfolgreich tätig sind: von Life Sciences über Mechanik und Elektronik, über Informations- und Kommunikationstechnologien bis hin zu aufstrebenden Sektoren wie Lifestyletech, das die technologischen Aspekte einschließt, z B. auf Lebensmittel, Mode, Design, Tourismus und Gesundheit. Bei uns gibt es viele innovative Unternehmen, die durch den Einsatz moderner Technologien wissen, in der Welt geschätzt zu werden.

    All diese Exzellenzen haben das Tessin zu einem stark der Innovation verschriebenen Kanton gemacht, so dass es in einer aktuellen Studie der Europäischen Kommission zu den Innovationsführern gehört: Es rangiert unter den Top Ten der Innovationssysteme auf europäischer Ebene und auf Platz 2 nach Zürich auf nationaler Ebene.

    Dieses schmeichelhafte Ergebnis zeigt die Güte der vom Kanton umgesetzten Wirtschaftsentwicklungsstrategie sowie die Qualität des Ökosystems zugunsten von Innovationen, das sich in den letzten Jahren verwirklicht hat. Eine Strategie, die von der Wirtschaftsförderung des Departements Wirtschaft perfektioniert wurde und auf Unternehmertum, Innovation und Vernetzung der oben genannten Kompetenzen basiert, die in unserem Kanton auf akademischer, wirtschaftlicher und institutioneller Ebene vorhanden sind. Diese drei Säulen ermöglichen es den unterschiedlichen Unternehmertypen, dank differenzierter Fördermaßnahmen in unserem Territorium die idealen Bedingungen vorzufinden, um Projekte mit innovativen Inhalten zu entwickeln.

    Ein wichtiges Instrument, das im Laufe der Jahre eine zentrale Rolle eingenommen hat, ist in diesem Zusammenhang das Gesetz zur wirtschaftlichen Innovation: Es unterstützt mit seinen vielfältigen Maßnahmen Forschung und Innovation in Unternehmen für angewandte Forschungsprojekte – durchgeführt in Zusammenarbeit mit Hochschulen – oder für Investitionsprojekte mit dem Ziel, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die international vermarktet werden sollen.

    Da wir jedoch nicht der einzige Kanton sind, der auf Innovation setzt, müssen wir die Herausforderungen der Zukunft proaktiv und mit Weitblick angehen. Um das Wachstum im breiteren Schweizer Kontext zu festigen und neue Ansiedlungen anzuziehen, wurden wichtige Projekte lanciert, die sowohl mit dem Alpennord als auch mit dem Süden, insbesondere mit dem Wirtschaftsraum Lombardei, Synergien entwickeln. Das Tessin tritt 2019 der Greater Zurich Area bei – einer Organisation, die sich der Anwerbung von Unternehmen widmet – und dem jüngsten Bau des Tessiner Hauptsitzes des Switzerland Innovation Park. Dieses Projekt, das im Frühjahr 2021 begann, wird von der Agire Foundation verwaltet. Mit Blick nach Süden wurde kürzlich eine Absichtserklärung mit dem MIND Milano Innovation District unterzeichnet, dem Innovationsviertel, das auf dem Gelände der Expo Milano 2015 entstanden ist.

    Auf diese Weise wird die Vision eines Tessins, fest verbunden mit der Innovationsachse von Mailand bis Zürich, verwirklicht, was es uns ermöglicht, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und ein idealer Geschäftsstandort zu sein.

    Er hat uns vom Switzerland Innovation Park erzählt. Welche Rolle wird der Kanton Tessin in diesem Zusammenhang spielen und welchen Nutzen zieht die Wirtschaft daraus?
    Die Mitgliedschaft des Tessins im Switzerland Innovation Park steht im Einklang mit der kantonalen Wirtschaftsförderungsstrategie, die, wie oben erwähnt, auf Innovation, Unternehmertum und die Vernetzung der in unserem Gebiet vorhandenen Kompetenzen ausgerichtet ist.

    Dank dieses wichtigen Projekts kann der Kanton Tessin insbesondere in strategischen und zukunftsorientierten Bereichen Innovationen weiter vorantreiben und damit seine bereits konsolidierte Position auf internationaler Ebene stärken.

    Die gesamte Wirtschaft wird stark profitieren: Die Ansiedlung von Spitzenunternehmen, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen internationaler Unternehmen sowie Start-ups werden erleichtert. Die Tessiner Filiale des Switzerland Innovation Park kann als Katalysator für die Entstehung und Entwicklung innovativer Projekte wirken, die wiederum andere Aktivitäten anziehen und zur Schaffung interessanter Arbeitsplätze beitragen. Zudem ermöglicht es die Aktivierung von Kooperationen mit den wirtschaftlichen Realitäten der Grossregion Zürich, ein Ziel, das sich der Kanton bereits mit dem Beitritt zur Greater Zurich Area gesetzt hatte.

    Welche Kompetenzzentren werden derzeit im Tessin geprüft?
    Das Rückgrat des Switzerland Innovation Parks bilden Kompetenzzentren. Life Sciences, Drohnen und ICT befinden sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, während andere Initiativen mit Zukunftspotenzial evaluiert werden. Diese Kompetenzzentren werden dazu beitragen, die Austauschmöglichkeiten zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in hochtechnologischen Sektoren zu vervielfachen und neue innovative Projekte zu beleben.

    Ein sehr aktuelles Thema ist die soziale Verantwortung von Unternehmen, für die sich die DFE viel eingesetzt hat. Wo stehen wir heute?
    Kürzlich hat der Ständerat in Fortführung der bereits laufenden Arbeiten beschlossen, für den Zeitraum 2021-2023 450’000 Franken für Massnahmen im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) zur Verfügung zu stellen. Insbesondere ist die Einführung einer Direktförderung für Unternehmen vorgesehen, die in die Ausbildung eines eigenen CSR-Managers investieren. Dies ist eine Maßnahme, die die Möglichkeit bietet, direkt in den Unternehmen und verstärkt über professionelle Persönlichkeiten mit den notwendigen Fähigkeiten zur Umsetzung von Good Practices zu verfügen, die leichter in einen Nachhaltigkeitsbericht einfließen können. Darüber hinaus ist zur Fortsetzung der Sensibilisierungsaktivitäten zu diesem Thema und zu den Möglichkeiten im Zusammenhang mit der Übernahme bewährter Verfahren im Bereich der sozialen Verantwortung von Unternehmen die Organisation von Aktivitäten und Veranstaltungen geplant, wie sie beispielsweise bereits im Februar 2020 erfolgt sind. mit dem Tag der Wirtschaft ganz dem Thema gewidmet. Auf diese Weise wird es möglich sein, die Weiterentwicklung einer gemeinsamen Kultur der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen zu fördern.

    Ich möchte betonen, dass es während der Notlage in unserem Kanton nicht an Beispielen für Initiativen in diesem Bereich gefehlt hat, die zeigen, dass das Tessin seit einiger Zeit auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung ist: Sozial verantwortliche Unternehmen waren die ersten, die auf dem Feld lagen , versuchen, zur Lösung von Gemeinde- und Gebietsproblemen beizutragen. Es besteht die Hoffnung, dass Unternehmen auch in Zukunft dieser Richtung folgen und immer mehr Unternehmenspraktiken anwenden, die auf wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklungen achten.

    Wie stark hat sich die Coronavirus-Pandemie auf die kantonale Wirtschaft ausgewirkt?
    Die Pandemie hat unseren Kanton völlig unerwartet getroffen. Von einem Tag auf den anderen spürten wir deutliche Anzeichen dafür, dass etwas ganz Großes vor sich ging, mit erheblichen Folgen sicherlich in erster Linie in gesundheitlicher Hinsicht, aber auch in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht. Insbesondere in den Monaten März und April 2020 wurden schwere Massnahmen ergriffen, die sowohl von den Bürgern als auch von den Tessiner Unternehmen Opfer und Anstrengungen erforderten.

    Die Behörde ließ jedoch Bürger und Unternehmen in Schwierigkeiten nicht allein und griff sofort ein, indem sie komplementär zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden eine Reihe von Instrumenten einführte, um die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Gesellschaft abzumildern . Beispiele hierfür sind unter anderem Minderungsleistungen, Verdienstausfallentschädigungen, Covid-19-Gutschriften, Covid-Überbrückungsleistungen, Hilfen für bestimmte Sektoren wie Kultur, Sport und Medien, Überbrückungsleistungen. „Härtefälle“ genannt.

    Die Pandemie hat uns natürlich vor große Herausforderungen und Schwierigkeiten gestellt, aber gerade in den Krisen müssen neue Chancen erkannt werden. Entwicklungs- und Wachstumschancen, die sich hier, wie auch aus den Aktivitäten der strategischen Gruppe für den Relaunch des Landes ergeben haben, ergeben sich vor allem in den Bereichen Innovation, nachhaltige Entwicklung und Corporate Social Responsibility: Dies sind die Bereiche, in denen den wirtschaftlichen Aufschwung anstreben, wo zudem der Kanton Tessin bereits viele Karten zu spielen hat.

  • Verena Rohrer wird Aargau Services leiten

    Verena Rohrer wird Aargau Services leiten

    Der Aargauer Regierungsrat hat Verena Rohrer zur neuen Leiterin der kantonalen Standortförderung Aargau Services ernannt. Sie ist die Nachfolgerin von Annelise Alig Anderhalden, die im Frühling eine neue Herausforderung angenommen hat. Rohrer wird ihre neue Stelle am 1. Januar 2022 antreten.

    Laut einer Mitteilung des Regierungsrats ist Rohrer sehr gut im Kanton Aargau verankert. Sie hat von 2011 bis 2017 bereits die regionale Standortförderung Brugg Regio geleitet. Daneben verfüge die 40-Jährige aber auch über mehrere Jahre Erfahrung in der Privatwirtschaft. So ist sie etwa Geschäftsleitungsmitglied beim Grosshändler Bio Partner Schweiz mit Sitz in Seon AG. Seit 2019 arbeitet Rohrer als Leiterin Zentrale Dienste bei Caritas Aargau.

    „Aufgrund ihrer Kenntnisse der Standortförderung, ihrer Vernetzung im Kanton und ihrer Berufserfahrung verfügt Verena Rohrer über beste Voraussetzungen, um zusammen mit den erfahrenen Mitarbeitenden von Aargau Services die Standortförderung des Kantons Aargau entscheidend weiterzuentwickeln“, wird Regierungsrat Dieter Egli (SP), Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres, in der Mitteilung zitiert.

    Die Standortförderung Aargau Services trägt zur kontinuierlichen Verbesserung der unternehmerischen Rahmenbedingungen im Aargau bei. Sie unterstützt auch ausländische Unternehmen, die sich im Kanton ansiedeln wollen. Im Rahmen der Umsetzung des neuen kantonalen Entwicklungsleitbilds werde Aargau Services eigenen Angaben zufolge ebenfalls wichtige Aufgaben übernehmen. Das Entwicklungsleitbild sieht vor, den Wirtschaftsstandort weiter zu stärken sowie Wohnen und Arbeiten im Kanton stärker zu verknüpfen.

  • Der Kantonsbaumeister als Brückenbauer

    Der Kantonsbaumeister als Brückenbauer

    Sie sind seit 1. August 2019 Kantonsbaumeister und damit Chef des Hochbauamts. Was waren Ihre Beweggründe, diesen Posten zu übernehmen?
    Ich war zuvor bereits mehrere Jahre als Stellvertreter des früheren Kantonsbaumeisters tätig. So erhielt ich einen guten Einblick in das Aufgabengebiet. Mir gefällt die Interaktion zwischen den verschiedenen Playern aus Politik, Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Dabei nehme ich gerne die Rolle des «Dolmetschers» zwischen den Parteien wahr und versuche, Lösungen im Konsens zu finden. Die zu bearbeitenden Planungen und Projekte sind spannend und oft auch aussergewöhnlich. Wir kümmern uns hauptsächlich um Bauwerke mit speziellen beziehungsweise spezifischen Nutzungen.

    Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
    Eine Eigenschaft, die alle unsere Mitarbeitenden mitbringen müssen, ist die Fähigkeit zum Multitasking (lacht). Ich beschäftige mich mit Personalfragen, Budgetplanungen und versuche mit meinem Team, möglichst vorausschauend zu denken: Welche Anforderungen müssen Gebäude in Zukunft erfüllen? Ebenso befasse ich mich mit innovativen Technologien wie neuen digitalen Planungslandschaften, den zunehmenden Automationen in der Bauindustrie oder dem Einsatz von Robotik und 3D-Druckern.

    Sie waren bis 2004 in der Privatwirtschaft tätig. Wie erleben Sie den Seitenwechsel?
    Die Umstellung war vor allem zu Beginn gross. Der Kanton hat rund 2650 Mitarbeitende, davon sind 630 im Bau- und Justizdepartement. Hier bündelt sich ein enormes Knowhow. Ich musste mir zuerst bewusst werden, dass ich auf diese Kompetenzen zurückgreifen kann. Die Komplexität der Bauten – zum Beispiel eines Museum, einer Strafanstalt oder eines Spitals – sind in jeder Projektphase äusserst anspruchsvoll. Die Arbeit als Kantonsbaumeister ist thematisch auf jeden Fall vielfältig. Im Gegensatz zu früher bin ich heute in jeder Phase des Planungs- und Bauablaufs präsent.

    Regierungsrat Roland Fürst hat den geplanten Verwaltungsneubau angesprochen. Wie sieht der Zeitplan aus?
    Wir möchten bis Ende 2022 eine Entscheidungsgrundlage für den Regierungsrat schaffen und Möglichkeiten aufzeigen, wo im Kanton Solothurn geeignete Grundstücke oder Gebäude zur Verfügung stehen, um das Projekt umzusetzen. Die Coronapandemie wird sicherlich Auswirkungen auf die Raumbedürfnisse und Arbeitsweise haben. Wir sind derzeit daran, diese zu analysieren. Unsere Erkenntnisse werden bei einer möglichen Umsetzung des Projekts mit einfliessen.

    Wie sieht das von Ihnen zu verwaltende Immobilien-Portfolio aus?
    Es setzt sich aus Finanz-, Verwaltungs- und Stiftungsvermögen zusammen. Das Verwaltungsvermögen hat mit den betriebsnotwendigen Gebäuden den grössten Anteil. Aber auch im Finanzvermögen haben wir interessante Nutzungen und Gebäude: Zum Beispiel ein Hotel und verschiedene Restaurationsbetriebe wie auch Grundstücke, die für die Ansiedlung interessanter Unternehmen oder für den allfälligen Eigenbedarf zur Verfügung stehen. Wir verzeichnen 320 kantonseigene Gebäude, 60 davon befinden sich in der Stadt Solothurn. Der Zweck unserer Immobilienstrategie ist die Sicherstellung eines nutzungsgerechten und nachhaltigen Immobilienbestandes für die Erfüllung der kantonalen Aufgaben.

    Welches sind wertmässig die grössten Posten im Portfolio?
    Der Gebäudeversicherungswert beläuft sich auf 1,628 Milliarden Franken. Davon fällt bis zur geplanten Übertragung an die Solothurner Spitäler AG je eine halbe Milliarde auf die Spital- und Bildungsbauten. Die übrigen Liegenschaften wie Verwaltungsgebäude oder Strafvollzugsanlagen machen die restlichen knapp 600 Millionen Franken aus. Auf jeden Fall hatte ich noch nie zuvor mit einem so heterogenen Portfolio zu tun: Es reicht von unterirdischen historischen militärischen Anlagen über Ruinen, Schlösser, Kirchen bis hin zu Landwirtschaftsland und hochmodernen Labor- und Spitalgebäuden.

    «Den Einsatz von BIM prüfen wir von Fall zu Fall»

    Welche Werte vertritt das Hochbauamt bei den zu bearbeitenden Projekten?
    Der Regierungsrat hat eine Strategie formuliert, die zum einen Eigentum vor Miete vorsieht. Wir hatten und haben auch heute noch viele Mietobjekte. Nun möchte man wieder vermehrt auf Eigentum setzen. Deshalb beschäftigen wir uns zurzeit auch mit einem möglichen zentralen Verwaltungsneubau. Zudem steht das Gesamtkonzept vor Einzelmassnahmen. Im Weiteren liegen uns raumplanerische-, städtebauliche- und architektonische Aspekte sehr am Herzen. Genauso wie ökologische und energetische Themen. Letztendlich bauen wir für uns Menschen.

    Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich in Zukunft konfrontiert?
    Covid-19 hat viel verändert. Dies könnte Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf die Baubranche haben. Durch vermehrtes Homeoffice und Desk- sowie Roomsharing werden möglicherweise Nutzflächen an sehr attraktiven Lagen frei. Diese könnten anders genutzt werden und die Wohnungsknappheit in zahlreichen Klein- und Grossstädten der Schweiz beeinflussen. Auch die Klimaveränderungen in den Städten sind aktuelle Themen. Spannend ist die mögliche Verwendung von Recyclingmaterialien. Ebenso dürften mich Umnutzungen, neue Arbeitsweisen und veränderte Ansprüche von Arbeitgebern und Arbeitnehmern weiterhin beschäftigen. Ein zusätzlicher Punkt ist die sich abzeichnende Veränderung beim Abschluss von Dienstleistungs- und Werkverträgen, insbesondere auch beim Abschluss von Baurechtsverträgen.

    Welche Energiestrategie verfolgt das Hochbauamt?
    Die Installation von Photovoltaikanlagen ist für uns selbstverständlich. Wir haben das gesamte Portfolio auf die Tauglichkeit solcher Anlagen analysiert und diverse bereits realisiert. Bei uns ist Minergie bzw. Minergie-Eco Standard. Dieser hat in der Schweiz 1998 Fuss gefasst. Wir haben kürzlich den Energieverbrauch unserer Gebäude vor und nach 1998 verglichen: Die Gebäude vor der Einführung benötigen ca. dreimal so viel Heizenergie. Dafür verzeichnen wir bei den Gebäuden nach 1998 einen ca. zweimal höheren Stromverbrauch. Der Anteil an stromabhängigen Installationen generell und Betriebseinrichtungen im Speziellen haben in Neubauten stark zugenommen.

    Wie sieht die Digitalisierungsstrategie bei neuen Bauvorhaben aus?
    Bei aktuellen Bauprojekten – wie gerade jetzt beim geplanten Neubau des Zentralgefängnisses – beabsichtigen wir, Building Information Modeling (BIM) bei der gesamten Planungsphase einzusetzen. Vorerst prüfen wir den Nutzen von BIM von Fall zu Fall.

    Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft mit Virtual Reality zu arbeiten?
    Virtual Reality bringt grosse Vorteile – gerade für Menschen, die sich Modelle oder Visualisierungen nicht so plastisch vorstellen können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den kommenden Jahren solche Lösungen einsetzen werden.

    Welche Zukunftspläne haben Sie für das Hochbauamt?
    Wir möchten weiterhin qualitativ hochstehende Bauten mit Weitsicht und Sorgfalt analysieren, planen und realisieren. Mit einem guten Team im Rücken wird dies auch in Zukunft möglich sein.

  • «Die elektronische Eingabe von Baugesuchen lancieren wir noch dieses Jahr»

    «Die elektronische Eingabe von Baugesuchen lancieren wir noch dieses Jahr»

    Sie sind Vorsteher des Bau- und Justizdepartements. Was ist der Reiz dieses Amtes?
    Ich bin schon seit über 40 Jahren für das Gemeindewohl unterwegs. Davon war ich 14 Jahre lang Gemeindepräsident der Einwohnergemeinde Gunzgen, danach 8 Jahre lang Kantonsrat und seitdem nochmals so lange Regierungsrat. Mich reizen die aktive Mitarbeit und Mitgestaltung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Themen wie auch das Suchen und Finden von Lösungen. Ich möchte den Kanton nicht nur verwalten, sondern auch weiterbringen. An meinem Departement gefällt mir ganz allgemein die thematische Breite sowie die Vielfältigkeit der Mitarbeitenden in Sachen Knowhow und Charakter.

    Wo sehen Sie die spezifischen Herausforderungen, die das Amt mit sich bringt?
    Wichtige Themen sind und bleiben die Raumplanung und die Mobilität. Aber auch beim Klima, der Digitalisierung und der Gesellschaft kommt es zu Veränderungen, denen Rechnung getragen werden muss.

    Wie weit ist Ihr Departement konkret beim Thema Digitalisierung?
    Wir stehen im Departement wie auch allgemein in der Verwaltung noch relativ am Anfang. Mich überrascht es, dass man in der öffentlichen Hand im Jahr 2021 noch nicht massgeblich weitergekommen ist. Wir versuchen seit längerem die Digitalisierung im Departement voranzutreiben – begleitende Workshops sollen dies unterstützen. Ich sehe die Digitalisierung als Schlüsselthema, das unbedingt und rasch umgesetzt werden muss. Nach wie vor gibt es aber noch Hindernisse, angefangen bei datenschutzrechtlichen Aspekten bis hin zu fehlenden Ressourcen finanzieller oder personeller Natur.

    Der Kanton Aargau zum Beispiel hat mit eBau das digitale Einreichen von Baugesuchen eingeführt. Ist das im Kanton Solothurn auch ein Thema?
    Es ist nicht nur ein Thema. Das Projekt ist sogar schon weit fortgeschritten: Wir arbeiten verwaltungsintern bereits mit einem Pilotprojekt. Dieses funktioniert gut; wir sind bald soweit, diese Dienstleistung im ganzen Kanton anbieten zu können. Ziel ist, dass noch dieses Jahr alle interessierten Gemeinden das digitale Einreichen von Baugesuchen realisieren können. Zudem arbeiten wir gerade an der Einführung einer Dokumenten-Management-Software (DMS). Im Hochbauamt läuft derzeit ein Pilotprojekt, das ein digitales Archiv vorsieht.

    Der Kanton Solothurn befindet sich gefühlt in einem regelrechten Bauboom. Trügt diese Wahrnehmung?
    Nein, das ist wirklich so. Zu den grössten Projekten gehören mit 450 Millionen Franken Investitionsvolumen die neue Anlage der Kebag Enova, beim neuen Bürgerspital werden 340 Millionen verbaut, und für die Gesamtsanierung der Kantonsschule Olten sind 86 Millionen Franken budgetiert. Aber auch auf den Arealen Attisholz Nord und Süd ist Grosses im Gange. Ein wichtiges Projekt ist die biopharmazeutische Produktionsanlage in Luterbach von Biogen: Die erste Etappe war 1,6 Milliarden Franken teuer. Weitere Etappen folgen hoffentlich. Aber wir haben in und um die Stadt Solothurn auch rund 2000 Wohneinheiten, die projektiert oder bereits im Bau sind.

    Wie steht es um die eigenen Projekte?
    Wir prüfen derzeit den Bau eines neuen Bildungscampus wie auch denjenigen eines neuen Verwaltungsgebäudes, wo verschiedene Standorte konzentriert werden könnten. Auch die Optimierung der Sportinfrastrukturen in der Stadt Solothurn ist ein Thema.

    Gibt es kantonal gesehen noch ausreichend Baulandreserven, um all diese Projekte umzusetzen?
    Wir sind aktuell mit der raumplanerischen Entwicklung beschäftigt. Hierbei stellen wir fest, dass die Baulandreserven für die nächsten 15 Jahre reichen sollten. Das bedeutet aber auch, dass in diesem Zeitraum kein neues Land eingezont wird. Im Gegenzug muss keins ausgezont werden. Wir haben zudem viele Industriebrachen oder anderweitig brachliegendes Land, welches wir umnutzen können.

    «Das Hochbauamt steht für Lösungen – nicht für das Bewirtschaften von Problemen»

    Was macht den Kanton Solothurn für neue Bauvorhaben so attraktiv?
    Auf der einen Seite liegen wir sehr zentral und bieten zudem viel Wohnqualität und Ruhe. Die Solothurner und Solothurnerinnen schätzen insbesondere die Juralandschaft sowie das vielfältige kulturelle Angebot. Solothurn gilt ja auch als die schönste Schweizer Barockstadt. Wir sind ausserdem gut an die öffentlichen Verkehrsmittel und an den motorisierten Individualverkehr angebunden. Und unsere Bodenpreise sind noch bezahlbar. Wirtschaftlich gesehen haben wir viele innovative Unternehmungen und Nischenplayer, die weltweit auf sich aufmerksam machen, wie zu Ypsomed (Insulinpumpensystem) oder Jura Elekt-roapparate (Premium Kaffeemaschinen).

    Welche Bauprojekte haben Sie während Ihrer bisherigen Amtszeit mitgeprägt?
    Als Regierungsrat arbeite ich natürlich nicht selbst an Projekten mit – aber ich ebne den politischen Weg und ermögliche so den Start. Am aktivsten habe ich die Arealentwicklung Attisholz Süd begleitet: Als ehemaliger Direktor der Handelskammer Solothurn war ich schon bei der Testplanung involviert. Ein Highlight ist die Transformation des ehemaligen Gefängnisses Schöngrün zur Wohnüberbauung. Aber auch die Sanierung des Museums Altes Zeughaus oder des Hallenbads der Kantonsschule Olten, wo ich übrigens selbst zur Schule gegangen bin, bleiben mir in guter Erinnerung. Intensiv begleitet habe ich zudem das Projekt für die Sanierung und den Umbau der Liegenschaft Rosengarten – mit diesem Projekt mussten wir bis vors Bundesgericht.

    Das Kapuzinerkloster Solothurn, die psychiatrische Klinik Fridau und die Höhenklinik Allerheiligenberg gelten als Sorgenkinder. Wo genau liegen die Probleme bei diesen Objekten?
    Diese drei Projekte sind wohl einfach keine Selbstläufer. Sie liegen in Zonen, die nicht jede Nutzung zulassen. Der Allerheiligenberg beispielsweise befindet sich in der Landwirtschaftszone. Hier gibt es zusätzlich Nutzungseinschränkungen: Die umliegenden Spitäler dürfen nicht konkurrenziert werden. Hinzu kommt der finanzielle Aufwand, der für solche grossen Projekte immens ist. Das Kapuzinerkloster zum Beispiel steht unter Denkmalschutz. Die Klinik Fridau liegt gemeinsam mit dem Allerheiligenberg in der Juraschutzzone. Die genannten Schwierigkeiten erfordern von den Investoren und Eigentümern einen langen Atem.

    Kantonal findet derzeit eine Inventaraufnahme in Sachen Raumplanung statt. Wie sieht der detaillierte Plan aus?
    Bei der Raumplanung ist die ganze Schweiz gefordert. Die Revision des Raumplanungsgesetzes aus dem Jahr 2014 erfordert von allen Kantonen die Überarbeitung der Richtpläne. Dies haben wir bereits gemacht. Nun müssen sämtliche Gemeinden ihre Ortsplanungen revidieren. Wir zählen im Kanton Solothurn 107 Gemeinden – da dauert es seine Zeit, bis sich alle Gedanken zur Weiterentwicklung im Rahmen der kantonalen Vorgaben gemacht haben. Die Siedlungsentwicklung nach innen stellt die Gemeinde vor grosse Herausforderungen. Die Solothurner Gemeinden werden diesen Prozess in den nächsten fünf Jahren abgeschlossen haben.

    Wie steht es um die Zersiedelung im Kanton Solothurn?
    Man hat in der Vergangenheit sicher zu wenig darauf geachtet – aber das dürfte für die ganze Schweiz gelten. Die Gemeinden haben das neue Raumplanungsgesetz im Vorfeld der Abstimmung mehrheitlich unterstützt. Was ein Gesetz wirklich bedeutet, sieht man oft erst bei der Umsetzung. So auch hier – da kommt doch einmal der Vorwurf auf, dass der Kanton oder der Bund eine Gemeinde an der Entwicklung hindern würde. Im Kanton Solothurn sind wir aber auf einem guten Weg. Die Notwendigkeit der Verdichtung nach innen ist heute fest in den Köpfen der Gemeindeverantwortlichen verankert. Die Mehrheit setzt sich sehr gut mit den neuen Herausforderungen und Rahmenbedingungen auseinander.

    Die Gemeinden geniessen im Kanton Solothurn eine grosse Autonomie. Empfinden Sie diese bei der Ausübung Ihres Amtes als Vor- oder Nachteil?
    Ich kenne beide Seiten. Als Gemeindepräsident ist es ein Vorteil – als Regierungsrat ein Nachteil (lacht). Nein, im Ernst: Die Autonomie ist das eine, das andere ist die hohe Anzahl der Gemeinden: Wir haben 107. Wir pflegen aber einen guten Austausch mit dem Einwohnergemeindeverband, so finden wir immer Lösungen.
    Sie treten im Sommer aus gesundheitlichen Gründen zurück. Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?
    Ich werde bestimmt weiterhin aktiv sein. Ich habe bereits für verschiedene Veraltungsratsmandate zugesagt und habe noch weitere offene Anfragen. Zuerst kümmere ich mich jetzt aber um meine alten Sportverletzungen und schaue dann, wie es weitergeht.

    Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Hochbauamts?
    Das Hochbauamt steht für Termintreue, das Einhalten von Budgets, speditives Arbeiten und für hohe Qualität. Das soll auch nach meinem Rückzug so bleiben. Natürlich möchte ich nicht nur die Projekte in die neuen Hände übergeben, sondern auch, dass das Herzblut weiterhin mit einfliesst. Unser Credo lautet: Das Hochbauamt steht für Lösungen und nicht für das Bewirtschaften von Problemen.

  • «Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen»

    «Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen»

    Zur Person
    Stephan Attiger (FDP) leitet seit 2013 das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Auf nationaler Ebene vertritt der 54-Jährige als Präsident der Bau- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK) und als Vorstandsmitglied der Energiedirektorenkonferenz (ENDK) die Anliegen des Kantons. Der gebürtige Badener arbeitete lange Zeit in den Führungsetagen verschiedener Schweizer Unternehmen, bevor er in die Politik wechselte. Er war unter anderem von 2006 bis 2013 Stadtpräsident der Stadt Baden und von 2009 bis 2013 Grossrat des Kantons Aargau.

    Sie leiten das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Wie muss man sich einen typischen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
    In den letzten Monaten waren meine Arbeitstage covidbedingt eher untypisch: Ich war häufig im Homeoffice, physische Treffen waren selten, und offizielle Anlässe fanden fast gar nicht statt. Aber auch sonst ist nicht jeder Tag gleich, und der Ablauf hängt stark vom Terminkalender ab. Grundsätzlich bespreche ich am frühen Morgen mit meinen engsten Mitarbeitenden die kurzfristig anstehenden Themen und was mittel- und langfristig ansteht. Danach folgen Meetings auf verschiedenen Stufen: Regierungsrat, Departement, Abteilungen, bilaterale Gespräche und Sitzungen mit Externen. Zwischendurch studiere ich Akten.

    Welche Meilensteine haben Sie in Sachen Bau bislang erreicht?
    Da gibt es einerseits zahlreiche grössere und kleinere Bauten, die ich einweihen durfte – nicht nur im Strassenbau, sondern auch im Umweltbereich wie etwa Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekte. Auch Letztere wirken sich direkt und positiv auf die Wohn- und Standortattraktivität aus. Daneben haben wir wichtige Grundlagen für die Planung und spätere Umsetzung von Mobilitätsvorhaben geschaffen. Mit der letzten Revision des Richtplans und der neuen kantonalen Mobilitätsstrategie mobilitätAARGAU wollen wir die Siedlungs- und die Verkehrsentwicklung aufeinander abstimmen. Sie setzt deshalb gezielt räumliche Akzente und differenzierte Ziele pro Raumtyp für die einzelnen Verkehrsmittel. Das wiederum wirkt sich auf den Tief- und den Hochbau aus. Als Kanton nehmen wir auch eine Vorbildfunktion ein.

    Inwiefern?
    Wir fördern zum Beispiel in den Aussenräumen unserer Liegenschaften vermehrt Biodiversität und Aufenthaltsqualität. Wir suchen nach guten Lösungen, wie Biodiversitätsthemen bei Neubauten und bei der Pflege bestehender Liegenschaften berücksichtigt werden können. Klimaanpassungs-Massnahmen an Gebäuden und in deren Umfeld leisten einen Beitrag, unsere klimapolitischen Ziele zu erreichen. Ein gutes Beispiel ist zudem der Neubau des Amtes für Verbraucherschutz, bei dem wir als nachhaltigen Baustoff Holz aus den Aargauer Wäldern einsetzen wollen.

    Welches sind aktuell die bedeutendsten Bauprojekte im Hochbau?
    Ein zurzeit laufendes grosses Projekt im Bereich der kantonalen Immobilien ist der Neubau des Polizeigebäudes im Telliquartier in Aarau. Hier sollen die auf zahlreiche Standorte verteilten Einheiten der Kantonspolizei zusammengeführt werden. Die Baubewilligung ist bereits vorhanden. Auch startete der Kanton Ende März das Anhörungsverfahren für den neuen Standort einer Kantonsschule im Fricktal. Die Anhörungen zum erwähnten Neubau für das Amt für Verbraucherschutz und das Projekt zum Zusammenzug der Informatik Aargau in einem Gebäude in Unterentfelden konnten abgeschlossen werden. Alle Baumassnahmen werden nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit umgesetzt. Bei der Planung liegt jeweils ein besonderes Augenmerk auf die im Gebäude gebundene graue Energie, und der Zeitpunkt für neue Nutzeranforderungen wird auf den Instandsetzungszeitpunkt abgestimmt.

    Der Aargau hat eine grosse Anzahl Entwicklungsareale, die Platz für zusätzliche Einwohner bieten könnten. Wie sehen hier die Pläne aus?
    Der kantonale Richtplan bezeichnet 21 Wohnschwerpunkte mit Arealen, die für eine hochwertige Siedlungsentwicklung prädestiniert sind. Diese sollen einen namhaften Beitrag dazu leisten, das erwartete Bevölkerungswachstum der nächsten 10 bis 20 Jahre an geeigneten, gut erreichbaren Orten aufzufangen. Die Areale sollen nicht nur mit einer angemessenen Dichte den haushälterischen Umgang mit dem Boden unterstützen, sondern auch im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung zu qualitativ hochstehenden und attraktiven Wohnstandorten werden. Dies ist die Aufgabe der Gemeinden, die in der Nutzungsplanung die geeigneten Rahmenbedingungen und Anforderungen bestimmen. Der Kanton unterstützt sie dabei.

    Arealentwicklungen stolpern häufig über die Verkehrsproblematik. Helfen Sie hier aktiv bei der Lösungssuche?
    Es ist effektiv so, dass gerade bei Arealentwicklungen hohe Anforderungen an die Verkehrsplanung gestellt werden. Dies, weil viele Unbekannte bestehen bezüglich zukünftiger Ansprüche. Hier muss die Verkehrsplanung ein flexibles Gerüst bereitstellen, um auf die verschiedenen Anforderungen der Investoren reagieren zu können. Soweit der Kanton betroffen ist, übernimmt er einen aktiven Part oder setzt an den Schnittstellen die Rahmenbedingungen.

    Das Projekt zur Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen-Spreitenbach bis Baden schlägt derzeit hohe Wellen. Mit welchen Argumenten versuchen Sie, die Gegner der Verlängerung umzustimmen?
    Die Berichterstattung in den Medien vermittelt leider ein verzerrtes Bild von der allgemein grossen Akzeptanz zu diesem Projekt. In der öffentlichen Anhörung haben die Regionalplanungsverbände und alle Gemeinden im Perimeter der neuen Tramstrecke sowie die meisten Verbände der Limmattalbahn zugestimmt. Eine breite Zustimmung hat auch die konkret vorgeschlagene Linienführung erhalten. Die Vorbehalte aus der Bevölkerung, die aus der Anhörung hervorgegangen sind, nehmen wir sehr ernst. Zum Beispiel haben wir zusätzliche Varianten für die Linienführung aufgenommen. Diese und weitere beanstandete Punkte werden wir bis zur Festsetzung im Richtplan genauer untersuchen und mit den übrigen kantonalen Interessen sowie mit den erwähnten Vorbehalten abwägen.

    Die Zersiedelung ist auch im Aargau ein Problem. Haben die Gemeinden bei der Raumentwicklung Fehler gemacht?
    Wichtig ist, dass der Blick in die Zukunft geht. Im heutigen Bestand sollen die Potenziale erkannt werden, die für eine nachhaltige Entwicklung besser genutzt werden können. Die Revision des Raumplanungsgesetzes von 2013 hat gezeigt, dass mit der Siedlungsentwicklung nach innen, also der Nutzung der bestehenden Reserven, die Entwicklungsbedürfnisse der nächsten 20 Jahre abgedeckt werden können. Die Eindämmung der Zersiedelung nehmen wir sehr ernst. Der Richtplan 2015 legt das Siedlungsgebiet abschliessend fest. Der Verbrauch von Fruchtfolgeflächen ist bereits stark zurückgegangen.

    Wie gut oder schlecht funktioniert die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit bei der Raumentwicklung?
    Bei dieser Zusammenarbeit kommt vor allem den Regionalplanungsverbänden eine wichtige Rolle zu. Sie haben auch gemäss Baugesetz die kommunalen Nutzungsplanungen regional abzustimmen. Die Koordination entlang der Gemeindegrenzen funktioniert.

    Wie sieht für Sie eine optimale Bodenressourcennutzung aus?
    Der haushälterische Umgang mit dem Boden ist ein zentrales Anliegen. Das Bauen in die Höhe kann aber nicht schrankenlos erfolgen. Die Siedlungsqualität und das Ortsbild sind immer zu berücksichtigen. Und bei unterirdischen Bauten ist darauf zu achten, dass genügend Flächen bleiben, wo man grosse Bäume pflanzen und Wasser versickern kann. Das ist entscheidend zur Vermeidung von Wärme-Inseln im Siedlungsgebiet und für das Grundwasser. Der Klimawandel stellt uns vor grosse Herausforderungen. Eine optimale Nutzung der Ressource Boden, eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und hochwertige Wohn- und Arbeitsplatzgebiete sind keine Gegensätze.

    Der Kanton Aargau ist bereits heute in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt. Wie sehen hier die Zukunftspläne im Baubereich aus?
    Die Digitalisierung von Bauprojekten mit Building Information Modeling (BIM) ist bei uns ein grosses Thema. Momentan beschäftigen wir uns mit rund 20 BIM-Pilotprojekten. Anfang Jahr wurde so auch die erste Baumeistersubmission als Teil eines Pilotprojekts im Einladungsverfahren ausgeschrieben. Unser Ziel ist, dass BIM ab 2025 bei allen neu startenden Projekten der Abteilung Tiefbau standardmässig für die Projektabwicklung eingesetzt wird. Den gleichen «Fahrplan» haben Astra und SBB.

    Pandemien hatten schon früher Einfluss auf die Stadtplanung. Wird Corona die Stadtplaner in Zukunft vor neue Herausforderungen stellen?
    Unsere Dörfer und kleinen Städte sind als Orte der kurzen Wege bestens geeignet für den Fuss- und Veloverkehr. Das ist eine sehr gute Ausgangslage, auch in Pandemiezeiten. An immer mehr Orten gibt es die Möglichkeit, in Co-Working-Spaces zu arbeiten. So lassen sich lange Reisezeiten vermeiden, auch wenn der Platz für Homeoffice knapp ist. Wichtig sind attraktive öffentliche Räume und gut erreichbare Naherholungsmöglichkeiten. Diese sind nicht erst seit Corona sehr gesucht. Dass diese Pandemie die Stadtplanung völlig auf den Kopf stellt, glaube ich nicht.

    Laut einer Analyse von Wüest & Partner hat der Kanton Aargau neben Genf, Waadt und Zürich das höchste Potenzial an neuem Wohnraum und Entwicklungsarealen. Was wird sich im Aargau in 10 Jahren verändert haben?
    Gemäss unserer Prognose werden wir besonders an gut erreichbaren Lagen, in Bahnhofsnähe, in den Zentren unserer Dörfer und Städte mehr attraktiven Wohnraum erhalten. Bestehende Bauten werden umgenutzt, zum Teil wird neu gebaut. Wir rechnen mit einem Trend nach urbanem Wohnen, nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung. Mehr ältere Leute zieht es an zentrale Lagen, wo sie von Dienstleistungen, kurzen Distanzen und vom kulturellen Angebot profitieren können. Aber auch das Wohnen im Grünen wird attraktiv bleiben. Viele der rund 100’000 Einfamilienhäuser im Aargau werden saniert und energetisch auf den neusten Stand gebracht oder sogar durch Neubauten ersetzt werden.

  • Pirmin Jung gewinnt Schweizer Architekturpreis

    Pirmin Jung gewinnt Schweizer Architekturpreis

    Die Jury des renommierten Schweizer Architekturpreises Arc Award hat die durchgehend digitale Planung des neuen Firmensitzes von Pirmin Jungausgezeichnet. In einer Unternehmensmitteilung wird Jurypräsidentin Birgitta Schock zitiert: „Es ist eine wirklich gute Eingabe, auf den Punkt gebracht und unglaublich überzeugend.“ Sie bezeichnet die Projektplanung als „ein exzellentes Beispiel der Zusammenarbeit und der Prozessoptimierung“. 

    Die Firma Pirmin Jung ist normalerweise als Fachplaner für Holzbau in Bauprojekten involviert. Beim Bau des Haus des Holzes fungiert sie jedoch als Bauherr. Diese Möglichkeit habe die Firma genutzt, um die sogenannte Bauwerksdatenmodellierung (Building Information Modeling, BIM) in innovativer und zukunftsweisender Form einzusetzen, so Jurymitglied Martin A. Fischer, Professor für Bauingenieurswesen und Umwelttechnik an der kalifornischen Universität Stanford und Director des Center for Integrated Facility Engineering. Das Team habe statt der üblichen Projekthierarchie ein Projektsystem entworfen. „Das schafft ein Klima des Zusammenhalts im Projektteam.“ Das erschaffene Regelsystem müsse „zum Standard für alle Projektdokumentationen werden“. 

    „Die Freude ist riesig“, wird Geschäftsführer Pirmin Jung in der Mitteilung zitiert. „Das Projekt Haus des Holzes ist eine Teamleistung. Als nächster Schritt ist es spannend, das (digitale) Projekt auf die Baustelle zu bringen und gemeinsam mit den Unternehmern zusammen da weiterzubauen bis zum Bezug im Sommer 2022 – ohne Pläne, sondern wirklich nur mit dem BIM-Modell.“

    Ziel von Architekt Marc Syfrig und Bauherr Jung ist es, eine Vorbildfunktion zu übernehmen und aufzuzeigen, wie man in Zukunft bauen sollte, um Umwelt und Klima zu schonen. Insgesamt 80 Prozent des Gebäudes sind für Büro- und Gewerbenutzung vorgesehen, der Rest für Wohnungen. Rund 100 Arbeitsplätze sollen dort entstehen, die Hälfte davon für Pirmin Jung. Der Baustart erfolgte im Januar 2021. Im April 2022 will Jung vom aktuellen Firmensitz in Rain nach Sursee umziehen. mm

  • Fokus auf qualitative Entwicklung

    Fokus auf qualitative Entwicklung

    Zug ist einer der beliebtesten Wirtschafts- und Lebensräume. Das belegen zahlreiche Studien und Rankings. Der Erfolg basiert auf einer langfristigen Entwicklungsstrategie und attraktiven Rahmenbedingungen. Zug bietet eine einzigartige Kombination hervorragender Standortfaktoren wie der Verfügbarkeit von Fachkräften, Stabilität, attraktive Besteuerung, zentrale Lage, Lebensqualität, Bildungsniveau sowie Wirtschaftsfreundlichkeit.

    Der Wirtschaftsplatz Zug ist dynamisch, das zeigen auch die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt und in der Verkehrsinfrastruktur. Für die Qualität der Wirtschaftsentwicklung sind die starke Präsenz von wertschöpfungsintensiven Industrien und Dienstleistern sowie eine hohe Konzentration wachstumsstarker Branchen von Bedeutung. Dabei sind die breit diversifizierte Branchenstruktur und der einzigartige Mix aus kleinen, grossen, lokalen und internationalen Firmen ein wichtiger Treiber für die innovative Weiterentwicklung des Kantons. Im Fokus der Wirtschaftspflege durch die Volkswirtschaftsdirektion stehen die bestehenden und angesiedelten Firmen. Ihr Wachstum trägt am stärksten zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kantons bei.

    Testimonials

    Silvia Thalmann-Gut, Regierungsrätin, Volkswirtschaftsdirektorin und Statthalterin Kanton Zug

    Der Kanton Zug bietet hervorragende Standortbedingungen für alle. Dazu gehört der gelebte «Spirit of Zug». Die Wege sind kurz, die Behörden arbeiten rasch und effizient. Zugs Erfolg basiert auf einer langfristigen Strategie.

    Heini Schmid, Rechtsanwalt, alt Kantonsrat und langjähriger Präsident von Zug Tourismus

    Was die Schweiz in Europa ist, ist Zug in der Schweiz: Klein, umgeben von grossen Nachbarn und darum offen und anpassungsfähig. Veränderungen sind für uns auch immer eine Chance, es anders und besser zu machen. Zug ist eben die Schweiz hoch zwei; es ist das Gesamtpaket, das zählt.

    Matthias Rebellius, CEO Siemens Smart Infrastructure, Verwaltungsratspräsident Siemens Schweiz AG

    Von Zug aus treiben wir bei Siemens Smart Infrastructure die Digitalisierung voran. Für uns ist Zug ein idealer Standort für unser globales Headquarter, da wir hier die besten lokalen und internationalen Talente anziehen und fördern können.

    Johanna Friedl-Naderer, President Europe, Canada & Partner Markets, Biogen

    Zug ist Drehscheibe unseres internationalen Hauptsitzes. Von hier aus koordinieren wir weltweit unsere operationalen und administrativen Tätigkeiten. Die zentrale Lage und hohe Lebensqualität machen Zug zu einem attraktiven Standort für Top-Talente.

    Kontaktstelle Wirtschaft Kanton Zug
    Willkommen im Kanton Zug. Unsere Dienstleistungen richten sich direkt an Sie als Unternehmerin, als Unternehmer. Wir sind Ihr Partner und fördern den Wirtschaftsstandort Zug.

    Kontaktstelle Wirtschaft, Aabachstrasse 5, 6300 Zug, T +41 41 728 55 04, economy@zg.ch

    Alberto Diaz, stv. Leiter; Peter Müllhaupt, jur. Mitarbeiter; Yvonne Valentino, Assistentin/Backoffice Manager; Ursula Kottmann Müller, Marketing/Kommunikation; Beat Bachmann, Leiter (v.l.n.r). Fotograf: Peter Hofstetter
  • «Bestes Gesamtpaket dank dem Spirit of Zug»

    «Bestes Gesamtpaket dank dem Spirit of Zug»

    Zur Person
    Beat Bachmann ist lic.oec. HSG und verfügt über Führungserfahrung in den Bereichen Business Development, Verkauf, Finanzen und Projektmanagement in in- und ausländischen Märkten. Seine Branchenerfahrung umfasst Life Sciences/Medizintechnik, Grosshandel/Vertrieb Konsumgüter, Immobilien, Informations- und Kommunikationstechnologie.

    Sie sind Leiter der Kontaktstelle Wirtschaft des Kantons Zug. Wie darf man sich einen normalen Arbeitstag bei Ihnen vorstellen?
    Beat Bachmann: Jeder Tag ist anders. Als «one-stop-shop» betreuen und beraten wir vor allem ansässige Firmen bei den unterschiedlichsten Anliegen. Dazu gehört auch die Unterstützung bei der Suche nach Büroflächen. Mit über 100 Firmenbesuchen pro Jahr und mit der Vernetzung der Firmen untereinander in den Branchenclustern tragen wir dazu bei, dass die Unternehmen an einem wirtschaftsfreundlichen Standort erfolgreich tätig sein können. Zudem begleiten wir jährlich viele Firmen bei der Ansiedlung im Kanton Zug.

    Wie geht es den im Kanton ansässigen Unternehmen im Hinblick auf die Pandemie?
    Die Zuger Wirtschaft mit ihrer starken internationalen Verflechtung ist ebenso betroffen und kann sich den strukturellen Veränderungen nicht entziehen. Die Auswirkungen sollen dank der Massnahmen von Bund und Kanton gemildert werden. Aufgrund der starken Konstitution der Zuger Wirtschaft vor der Corona-Krise und der breiten Diversifizierung schätze ich, dass die negativen Auswirkungen im schweizweiten Vergleich etwas geringer ausfallen werden. Nichtsdestotrotz durfte unser Team im Jahr 2020 gleich viele Ansiedlungen betreuen wie in den Vorjahren.

    Im Standortranking der Credit Suisse belegt Zug praktisch immer den 1. Rang – dies nicht zuletzt wegen des tiefen Gewinnsteuersatzes von 12 Prozent. Was bieten Sie darüber hinaus mehr als andere Kantone?
    Wir bieten primär das beste Gesamtpaket der hervorragenden Standortbedingungen: Dazu gehören die langfristige finanzielle und politische Stabilität, die Steuer- und Finanzpolitik, die grosse Innovationsfähigkeit, die hohe Verfügbarkeit von Fachkräften in wichtigen Branchenclustern sowie die leistungsfähige Infrastruktur. Sehr wichtig ist auch der faszinierende Lebensraum und damit die Lebensqualität. Nicht zuletzt hören wir oft, dass die gelebte Wirtschaftsfreundlichkeit – unser «Spirit of Zug» – sehr geschätzt wird.

    Welche Aufgabe übernimmt die Kontaktstelle Wirtschaft bei der Arealentwicklung?
    Wir tragen insbesondere dazu bei, dass Bedürfnisse und Anforderungen der Wirtschaft und der Unternehmen in die Arealentwicklungen einfliessen. Und bei Fertigstellung der Objekte bieten wir Unterstützung bei der Vermittlung der Flächen an neue Mieter oder Käufer.

    Zeichnet sich bei der Arealentwicklung eine Ausschöpfung des Potenzials ab?
    Wir sind sehr froh, dass die Grundeigentümer und Arealentwickler seit Jahrzehnten massgeblich dazu beitragen, dass sich der Kanton nachhaltig und qualitativ entwickelt. Es ist im Sinne der langfristigen Strategie des Regierungsrats, dass Zug ein attraktiver Wohn- und Lebensraum bleiben soll. Es gibt noch genügend bebaubare Flächen. Ich denke deshalb, dass sich der Kanton Zug noch über viele Generationen so weiterentwickeln kann.

    «Zug, Baar und Rotkreuz punkten bei den
    Unternehmen»

    Im Kanton Zug sind gleich mehrere Geschäftsgebäude im Bau. Im Zuge der Pandemie geht der Trend jedoch in Richtung Home-Office. Sind Sie dennoch zuversichtlich, dass all diese Projekte mit Leben gefüllt werden können?
    Ja, ich bin zuversichtlich, dass diese Flächen absorbiert werden. Die Schweiz und der Kanton Zug sind und bleiben ein international führender Wirtschaftsraum. Bei Neuansiedlungen ist die Verfügbarkeit bezugsbereiter Flächen ein wichtiger Standortfaktor. Es ist schwierig, die langfristige Auswirkung von Covid-19 auf die Nachfrage von Büroflächen abzuschätzen. Dem Trend nach mehr Home-Office steht ein Trend zu mehr Fläche pro Kopf, sowie Co-Working-Flächen/Business Centers entgegen.

    Welche Stadt ist neben Zug im Kanton der beliebteste Standort für Unternehmen?
    Einerseits weist die Lorzenebene (Talgemeinden) seit Jahrzehnten die meisten Firmen und Arbeitsplätze auf. Da der Kanton werktäglich rund 40 % Zugpendler verzeichnet, spielt die Nähe zu Bahnhöfen mit IC- und Schnellzug-Verbindungen eine immer wichtigere Rolle. Dementsprechend sind neben Zug in den letzten Jahren Baar und Rotkreuz die beliebtesten Standorte; dahinter folgt Cham.

    Was macht den Kanton Zug als Wohnort attraktiv?
    Zug bietet eine gute internationale Infrastruktur, hervorragende Schulen sowie politische Stabilität. Der Lebensstandard ist hoch und die Lebensräume sind intakt. Es gibt Seen, Berge und vielfältige Landschaften auf kleinstem Raum. Zug bietet also her­ausragende Lebensqualität und dazu die Nähe zur Zentralschweiz und zu Zürich.

    Wie beurteilen Sie die derzeitige Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt?
    Im Kanton Zug ist sie anhaltend hoch. Gleichzeitig steigt der Leerwohnungsbestand im Kanton Zug nur minim an.

    Wie schätzen Sie das Baupotenzial im Bereich des Wohnungsmarktes ein?
    Da wir uns bei der Kontaktstelle Wirtschaft vor allem um Firmen und dementsprechend um Büro- und Gewerbeflächen kümmern, bin ich kein Experte für den Wohnungsmarkt. Ich beobachte aber, dass seit Jahrzehnten unverändert viele Wohnungen gebaut werden und diese laufend Bewohner finden. Als flächenmässig kleinster Vollkanton der Schweiz und aufgrund unserer oben erwähnten nachhaltigen Wachstumsstrategie werden wir auch künftig einen hohen Anteil an Zupendler verzeichnen.

  • «Die Stadt Zug soll grüner werden»

    «Die Stadt Zug soll grüner werden»

    Zur Person
    Eliane Birchmeier (FDP) ist seit Januar 2019 Stadträtin und Vorsteherin des Baudepartements der Stadt Zug. Die 58-Jährige studierte Betriebswirtschaft, ist eidg. dipl. PR-Beraterin und hat 2005 die Birchmeier Communications AG mit Sitz in Zug gegründet. Sie war von 2004 bis 2017 Mitglied des Verwaltungsrats der Kursaal-Casino AG in und von 1992 bis 2004 Co-Inhaberin der C-Matrix Communications AG.

    Sie sind Vorsteherin des Baudepartements der Stadt Zug. Wo sehen Sie Ihre Kernaufgaben?
    Eliane Birchmeier: Meine Kernaufgaben umfassen die klassischen Aufgabenbereiche des Bauwesens: Einerseits sind das Baubewilligungen sowie Bauvorhaben für stadteigene Vorhaben im Tief- und Hochbau. Andererseits befassen wir uns mit planerischen, gestalterischen und gesetzlichen Aspekten im Städtebau und in der Stadtplanung. Hierbei geht es um die künftige Entwicklung der Stadt Zug in städtebaulicher sowie in raumplanerischer Hinsicht mit Siedlung, Landschaft und Verkehr.

    Bis zum Jahr 2040 ist für die Stadt Zug ein Wachstum bei der Einwohnerzahl um rund 10’000 Personen prognostiziert. Welche baulichen Massnahmen sind geplant, um dieser Entwicklung gerecht zu werden?
    Das prognostizierte Wachstum ist abhängig von der Projektentwicklung privater Eigentümer und Investoren. In vielen Bereichen haben wir unsere Hausaufgaben bereits gemacht. Beispielsweise was Infrastrukturprojekte in den Bereichen Entwässerung, Energie und Entsorgung anbelangt. In der Bildung haben wir – wie auch andere Gemeinden in der Schweiz – einen gewissen Aufholbedarf. Gegenwärtig laufen verschiedene Planungen für erweiterte und neue Schulanlagen. Doch wir wollen in den kommenden Jahren auch die Grün- und Freiräume aufwerten sowie das Netz an Fuss- und Velowegen verbessern.

    Die Wirtschaft soll ebenfalls weiterwachsen. Wo sehen Sie für neue Geschäftsbauten das grösste Baupotenzial?
    Nach wie vor bestehen in verschiedenen ehemaligen Industrie- und Verdichtungsgebieten grosse Erweiterungspotenziale für Gewerbe und Dienstleistungen. Dazu zählen der Technologiecluster mit dem V-Zug-Areal, Verdichtungsgebiete östlich und westlich des Bahnhofs wie die Metalli, die Baarerstrasse West und das LG-Areal. Dazu kommen das Areal an der Aa II, das von den Zuger Verkehrsbetrieben entwickelt wird, das Hertizentrum und die äussere Lorzenallmend. In Zukunft werden diese Gebiete gemischte, urbane Nutzungen von Wohnen, Freizeit und Arbeiten bieten.

    Wo im Kanton finden sich noch grössere Landreserven?
    Das Wachstum in der Stadt Zug wird wie andernorts im Kanton schwergewichtig im Innern durch Verdichtung erfolgen. Dazu kommen wenige noch unverbaute Baugebiete wie die äussere Lorzenallmend, Gebiete in der Herti und im Unterfeld, im Lüssi/Göbli und in südlicher Richtung im Salesianum sowie in Oberwil. Eigentliche Einzonungen stehen im Rahmen der laufenden Ortsplanung nicht im Fokus.

    «Für das Gebiet Lüssi/Göbli und das Areal des Landhauses Salesianum rechnen wir demnächst mit Baugesuchen»

    Welche Projekte sind dort geplant?
    In der äusseren Lorzenallmend wird ein Bebauungsplan für ein Wohn- und Arbeitsgebiet erarbeitet und im Herti Süd einer für eine Wohnüberbauung. Im Herti Nord, im Unterfeld und im Spielhof sind aktuell keine Planungen im Gange. Im Lüssi/Göbli und im Salesianum bestehen rechtskräftige Bebauungspläne für Wohnüberbauungen. Hier rechnen wir in naher Zukunft mit Baugesuchen.

    Welches sind aktuell die wichtigsten Bauprojekte, die Sie begleiten?
    Stadteigene Vorhaben sind der Neubau des Recyclingcenters und des Ökihofs im Norden der Stadt. In Planung und Projektierung sind Schulanlagen auf dem ganzen Stadtgebiet. Für die Erweiterung des Strandbads startet in diesem Jahr der Projektwettbewerb, und im Sommer wird die Zuger Stimmbevölkerung über die neuen Notzimmer im Göbli-Quartier befinden können.

    Die Stadt Zug steht mitten im Ortsplanrevisionsprozess. Gibt es bereits eine erste Strategie zu Mobilität und Freiraum?
    Die räumliche Entwicklungsstrategie der Stadt wird in mehreren Etappen und Mitwirkungsschritten bis im Herbst 2021 erarbeitet. Erste Stossrichtungen aufgrund der fachlichen Grundlagen, der Bevölkerungsbefragung und der ersten Mitwirkungsphase zeichnen sich deutlich ab: Die Stadt soll grüner werden. Zudem soll ein vielfältiges sowie qualitativ hochstehendes Angebot an unterschiedlichen Freiräumen der Bevölkerung zur Verfügung stehen.

    Was wünscht sich die Bevölkerung?
    Sie wünscht sich, dass das Mobilitätswachstum mittels Ausbau und Förderung des Fuss- und Veloverkehrs sowie des öffentlichen Verkehrs aufgefangen wird. Die Verkehrsführung im Zentrum soll vereinfacht und siedlungsverträglich gestaltet werden. Ein besonderes Augenmerk liegt in der Optimierung des Pendlerverkehrs. Hier setzen wir in Zusammenarbeit mit dem Kanton und den Nachbargemeinden, aber auch mit Arbeitgebern, auf eine verstärkte Verlagerung hin zum bereits heute hervorragend ausgebauten ÖV und den nicht motorisierten Individualverkehr.

  • Tessin Exzellenz

    Tessin Exzellenz

    Herr De Vecchi, können Sie uns kurz Ihre Firmengeschichte erzählen?
    Alles begann um die Wende der 50er und 60er Jahre, als mein Mentor und Lehrer Franco Dell’Oro die Gesellschaft seiner Eltern übernahm, die seit den 30er / 40er Jahren Geräte für Bars und Restaurants vermarkteten. Der Sprung kommt mit der Übernahme des exklusiven Gaggia, der renommierten Marke von Kaffeemaschinen, für die gesamte Schweiz. Dies hat uns die Türen jenseits des Gotthards geöffnet und uns die Möglichkeit gegeben, unsere anderen Produkte im gesamten Staatsgebiet anzubieten. Das heißt, Armaturen für öffentliche Plätze, industrielle Stahlküchen, maßgeschneiderte Tischlerei und vieles mehr.

    Und wann sind Sie zur Firma gekommen?
    Ich kam Anfang zwanzig in den Zwanzigern in die Firma. Ich bin nie gegangen und habe es Anfang der 2000er Jahre nach dem Tod von Mr. Dell’Oro übernommen. Seitdem habe ich nichts weiter getan, als der Linie des Gründers zu folgen: Die Genauigkeit des Schweizer Service kombiniert mit der Qualität italienischer Möbel und Designartikel, sicherlich die besten der Welt. Unter diesen kann ich renommierte Marken wie Carimati 1919 erwähnen, an denen wir beteiligt sind.

    Es wird gesagt, dass Architekten Sie schätzen, weil Sie in der Lage sind, jede Idee von ihnen zu verwirklichen, selbst die kreativsten. Was ist dein Geheimnis?
    Nichts als das Know-how, das sich in all den Jahrzehnten angesammelt hat, in denen sich in der Hotel- und Restaurantbranche Stile, Trends und Materialien geändert haben. Mit einer Struktur, die alles nach Maß bauen kann, können wir die Wünsche von Kunden und Architekten erfüllen. Unsere Handwerker können jedes Material bearbeiten, sei es Holz, Stein, Stahl oder Schmiedeeisen.

    Mit welchen berühmten Architekten haben Sie zusammengearbeitet?
    Es ist mir eine Ehre, unter den vielen hervorragenden Fachleuten, mit denen wir zusammengearbeitet haben, Mario Botta erwähnen zu können, mit dem wir das Restaurant Parco Saroli im Hauptquartier der damaligen Banca del Gottardo in Lugano und das des Nationalen Sportzentrums von Tenero und kürzlich auch die Räume gegründet haben Restaurant des Fiore di Pietra am Monte Generoso. Darüber hinaus werden wir in Kürze die Arbeiten für die Innenausstattung des neuen Stalvedro-Autobahn-Servicebereichs abschließen, ebenfalls ein Botta-Projekt. Eine weitere konsolidierte Zusammenarbeit besteht mit dem Architekten Bruno Huber, mit dem wir das Restaurant des Casinos von Lugano zusammen mit dem berühmten Innenarchitekten Italo Rota und später dem angrenzenden Restaurant Seven und seiner Disco Lounge gegründet haben. Auch mit dem Architekten Huber haben wir die Ausstattung mehrerer Novotel- und Ibis-Hotels der Accor-Kette in der ganzen Schweiz geschaffen.

    Franco Dell’Oro ist auch in der Schweiz mit prestigeträchtigen Aufgaben sehr präsent. Können Sie einen von ihnen nennen?
    Eine Anerkennung, die uns sehr gefreut hat, ist die, die wir von Migros erhalten haben, weil wir einige seiner Restaurants in Zürich gegründet haben, darunter das in der Genossenschaftszentrale. Kürzlich hat uns die berühmte amerikanische Kette Kentuky Fried Chicken (KFC) das Mandat eines Generalunternehmers für die Einrichtung ihrer Restaurants in Lausanne und Bern übertragen. Jenseits des Gotthards sind wir seit Jahrzehnten präsent, zum Beispiel haben wir mehrere Mövenpick- und Marché-Restaurants geschaffen. Um noch einmal große Gruppen zu erwähnen, haben wir auch Arbeiten für das Herrenhaus durchgeführt. Wir haben kürzlich das Restaurant des SBB-Bahnhofs Muralto gebaut, das brandneue Caffè Locarno. Ohne das LAC in Lugano zu vergessen, wo wir die Eingangsbereiche geschaffen haben, oder die Artisa Vip Lounge im Lugano-Hockeystadion.

    Arbeitest du auch im ausland
    Bestimmt. Zu den neuesten Kreationen zählen die Vanini-Schokoladen- und Eisdielen in Wien, London, Barcelona und Mallorca. Im Ausland arbeiten wir jedoch hauptsächlich über unsere Tochtergesellschaft Carimati, mit der wir verschiedene Restaurants und Hotels auf der ganzen Welt geschaffen haben. Zum Beispiel haben wir mit ihr und dem großen Innenarchitekten Italo Rota das Restaurant Just Cavalli in Miami, Florida, gegründet.

    Nicht schlecht für eine kleine Firma, die in Viganello geboren wurde …
    Eine enorme Zufriedenheit für ein kleines Unternehmen in Lugano mit etwa zehn Mitarbeitern. Heute können wir sagen, dass wir in der Lage sind, Arten von Arbeiten auszuführen, die von der typischen Tessiner Grotte bis zur großen internationalen Fast-Food-Kette reichen. Und ich erzähle Ihnen mehr: Es gibt viele Privatkunden, die sich mit uns in Verbindung setzen, nachdem sie unsere Installationen an öffentlichen Orten gesehen haben, und uns die Einrichtung ihrer Häuser anvertrauen, vom Wohnbereich über das Schlafzimmer bis zur Küche. ■

    Innenräume des Novotel in Paradiso, ein Projekt von Franco Dell’Oro mit dem Architekten Bruno Huber.
  • "Der Kanton investiert 360 Millionen in öffentliche Arbeiten"

    "Der Kanton investiert 360 Millionen in öffentliche Arbeiten"

    Was genau macht die Logistikabteilung des DFE?
    Die Logistikabteilung befasst sich hauptsächlich mit der Verwaltung des Immobilienvermögens des Kantons Tessin. Wir sprechen von einem Vermögen von rund 2 Milliarden Franken. Wir verwalten jeden Aspekt des Lebenszyklus des Immobilienportfolios, optimieren und entwickeln ihn. In der Praxis reicht unsere Arbeit von der logistischen Planung über die Machbarkeitsstudie, das Projektmanagement, die Realisierung bis hin zur Wartung des gebauten Vermögenswerts. Die Logistikabteilung kümmert sich auch um alle Einkäufe für die öffentliche Verwaltung, zum Beispiel – um auf dem Laufenden zu bleiben – von Desinfektionsmitteln über Masken bis hin zu Schulmaterial.

    Konzentrieren wir uns auf den Immobiliensektor: Können Sie uns einige Zahlen geben?
    Für das Immobilienvermögen des Kantons werden in den nächsten vier Jahren voraussichtlich rund 360 Millionen Franken in Gebäude investiert, darunter Neubauten und Renovierungen bestehender Immobilien. Im Jahr 2019 stimmte das kantonale Parlament mit einem Rahmenentwurfskredit von 60 Millionen Franken ab, der die Planung verschiedener Verwaltungs- und Schulgebäude durch Wettbewerbe ermöglichen wird. In diesem Jahr gewährte der Staatsrat dem Parlament ein zusätzliches Rahmendarlehen in Höhe von CHF 100 Mio. für die geplante Instandhaltung öffentlicher Gebäude für die nächsten 6 Jahre.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Kanton in den nächsten Jahren viel Geld in Form von öffentlichen Arbeiten in die Tessiner Wirtschaft stecken wird. Auf jeden Fall ein Hauch frischer Luft in Zeiten der Coronavirus-Krise …
    Dies ist eine sehr wichtige Botschaft für die kantonale Wirtschaft. Was wir erleben, ist ein Moment, in dem der Wohnsektor tendenziell abnimmt und es die öffentliche Einrichtung ist, die mit verschiedenen Projekten und Investitionen den geplanten Verlust teilweise kompensieren kann. Die Krise war bereits vorhergesehen, aber mit der Covid-19-Pandemie verschlimmerte sie sich. Diese antizyklischen öffentlichen Investitionen dürften dazu beitragen, einen Teil des in den kommenden Jahren erwarteten Rückgangs der privaten Investitionen im Wohnsektor auszugleichen. Die Investitionen umfassen sowohl den Bau neuer Gebäude und die geplante Instandhaltung unserer Gebäude als auch vollständige Renovierungen und Teilrenovierungen. Dies sind Investitionen, die Unternehmen und Fachleuten in unserer Region Arbeit geben.

    Können Sie uns einige Beispiele für diese neuen Projekte geben?
    Unter den Hauptwerken haben wir derzeit offene Wettbewerbe für das technische Fachzentrum des Textilsektors in Chiasso, den Schießstand von Ceneri, den Schulsektor von Mendrisio, den Justizsektor von Lugano sowie ein paralleles Studienmandat für das neue Museum. der Naturgeschichte von Locarno. Hinzu kommt der Wettbewerb um die Renovierung des Locarno Pretorio und eines Dreifach-Gymnasiums in Bellinzona (erscheint Ende des Jahres).
    Parallel zu den Wettbewerben werden das neue Mendrisio-Notfallzentrum, das ICEC-Schulzentrum in Bellinzona und der Ausbau der Mittelschulen in Viganello fertiggestellt.

    Können Sie, wenn Sie zum neuen technischen Fachzentrum der Textilbranche in Chiasso zurückkehren, die Geschichte dieses lang erwarteten Projekts etwas detaillierter veranschaulichen?
    Dies alles beruht auf der Tatsache, dass das heutige Viganello-Hauptquartier der Hochschule für Bekleidung und Modedesign (STA) das Ende seines Lebenszyklus erreicht hat und abgerissen werden muss.
    Alternative Standorte wurden durch Machbarkeitsstudien analysiert. Nach diesen Analysen fiel die Entscheidung auf Chiasso aufgrund seiner Nähe zum „Tal der Mode“ von Mendrisiotto, wo viele Bekleidungsunternehmen ansässig sind. Darüber hinaus begünstigt der Standort in der Nähe der Eisenbahn die Mobilität von Studenten im öffentlichen Verkehr. Eine Realität ist das Bauen in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten, die sich in der ganzen Schweiz entwickelt. Darüber hinaus könnte das Gebiet von Chiasso, in dem das Technical Professional Center des Textilsektors errichtet wird, um weitere Bildungsinhalte erweitert werden und sich zu einem echten Ausbildungszentrum entwickeln.

    Und was ist mit dem neuen Schießstand in Monte Ceneri, über den seit über einem Jahrzehnt gesprochen wird?
    Das neue multifunktionale Trainings- und Schießzentrum von Monte Ceneri ist ein bedeutendes, besonderes und einzigartiges Projekt mit einer erwarteten Investition von rund 55 Millionen Franken. Ein sehr wichtiges Projekt, das sich aus dem Wunsch ergibt, eine zentralisierte kantonale Struktur zu schaffen, in der die Polizei ihre Ausbildung durchführen kann und in der die obligatorischen Schüsse des Militärdienstes abgehalten werden können, wodurch die heutigen offenen Schießstände beseitigt werden, die Probleme bereiten Umwelt und Lärm. Tatsächlich wird der Schießstand vollständig überdacht sein und sich in einem Bereich befinden, in dem sich bereits einige militärische und polizeiliche Aktivitäten konzentriert haben. Der angekündigte Wettbewerb bietet detaillierte Spezifikationen für jeden Aspekt, von der Technik über die Landschaft bis hin zur Akustik. Dies ist ein einzigartiges und recht innovatives Projekt, da es in der Schweiz nur wenige kleinere unterirdische Schießstände gibt.

    Sind neben den genannten noch weitere Großprojekte in Sicht?
    Eine davon ist sicherlich die Umstrukturierung der Justizbüros in Lugano, die die Umstrukturierung des heutigen Gerichtsgebäudes und die Erweiterung der Flächen im derzeitigen Hauptsitz der EFG Bank, dem sogenannten „Palazzo Botta“, umfasst. Für dieses Projekt sieht der Kanton eine wichtige Investition vor, die für den Kauf des EFG-Bankgebäudes und dessen Umbau sowie für die Renovierung des derzeitigen Gerichtsgebäudes, das einige Jahre dauern wird, vorgesehen ist. Es ist ein sehr wichtiges Projekt sowohl für den Kanton, der ein repräsentatives und hochwertiges Gebäude mit einer wichtigen Oberfläche im Zentrum von Lugano und in der Nähe des derzeitigen Hauptsitzes nutzen kann, um seine Aktivitäten zu konzentrieren, als auch für die Stadt.

    Welche Art von Renovierung ist für dieses repräsentative Gebäude geplant?
    Es ist ein hochflexibles Gebäude in einem guten Erhaltungszustand, das eine Neuordnung der Räume ohne größere Eingriffe ermöglicht. Das Äußere wird höchstwahrscheinlich nicht berührt, während die Innenräume teilweise neu angeordnet werden. Die Hauptintervention wird im Erdgeschoss stattfinden, wo einige Gerichtssäle geschaffen werden.

    Sind auch Investitionen in Bellinzona geplant?
    Das vom Kanton, der Gemeinde Bellinzona und der Schweizerischen Bundesbahn gemeinsam geförderte Parallelstudienmandat zum SBB-Werkstattbereich ist nun beendet. Es geht darum, die Entwicklung dieses Sektors zu definieren, in dem dem Kanton Verwaltungs- und Schulräume sowie ein Innovationszentrum zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse des Parallelstudienmandats wurden in den letzten Wochen vorgestellt. Es handelt sich um ein modernes Viertel, das unter Berücksichtigung der Themen Nachhaltigkeit, Generationengeneration und langsame Mobilität mit dem Ziel entworfen wurde, Wohn- und Arbeitsräume anzubieten. Es ist auch beabsichtigt, den Hauptsitz des Tessin-Netzwerks des Schweizer Innovationsparks zu errichten. Dies ist ein ehrgeiziges Projekt, dessen Planungsarbeiten, die in Kürze beginnen werden, eine mehrjährige Realisierung beinhalten werden.

    Wie sind die Aussichten für das Immobilienvermögen des Kantons?
    Ich denke, dass wir als öffentliche Akteure eine nachhaltige Entwicklung gewährleisten müssen, d. H. Das Gleichgewicht zwischen architektonischen, ökologischen, sozialen und finanziellen Kriterien, um so die Gesamtqualität unserer Gebäude sicherzustellen. Wir müssen auch über die Umgestaltung der Arbeit und die Nutzung von Land nachdenken, insbesondere über die administrativen. Nach zwei Studien, die wir in Zusammenarbeit mit SUPSI durchgeführt haben, in Bezug auf die Nutzung von Räumen im schulischen und administrativen Umfeld, wird einerseits eine Zunahme des intelligenten Arbeitens von zu Hause aus erwartet und gleichzeitig eine Zunahme der verfügbaren Flächen des Personals, das mit agileren Arbeitsmethoden im Büro arbeiten wird, und folglich verschiedener Arbeits- und Aggregationsräume, die gemeinsam genutzt werden. Selbst nach der Coronavirus-Pandemie wird sich die Distanz zwischen einem Mitarbeiter und einem anderen sicherlich ändern. Das derzeitige Mindestflächenmaß pro Mitarbeiter wird wahrscheinlich nach oben korrigiert. Wahrscheinlich werden sich die in den letzten Jahren so beliebten Freiflächen in verschiedene Arbeitsplätze verwandeln, mit Besprechungs- und Austauschräumen, die einer Perspektive horizontaler Arbeitsorganisation folgen und nicht mehr nur pyramidenförmig sind. In der Praxis wird es weniger Arbeitsplätze vor Ort geben, aber mit mehr Platz für jeden einzelnen Mitarbeiter wird dies wahrscheinlich zu einer Verringerung des Bürobedarfs führen. Die mit dem Training verbundenen Oberflächen werden gemäß den neuen didaktischen Lösungen verändert, was zu flexibleren Räumen führen wird, die zu einem Umdenken in traditionellen Klassenzimmern führen werden. ■

  • "Valascia ist die Kathedrale von Leventina"

    "Valascia ist die Kathedrale von Leventina"

    Als Ambrì-Fan muss es eine unglaubliche Befriedigung sein, die Geschichte dieses glorreichen Sportvereins prägen zu können.
    Bei der Bewältigung dieses Wiederaufbauprojekts wurde mir klar, dass Valascia heute als „Kathedrale“ von Leventina interpretiert werden kann, in dem Sinne, dass es eine Identität sammelt, die aus der Ferne kommt. Diese Identität ist noch nicht vollständig zum Ausdruck gebracht, aber als ich die Südkurve brüllen hörte, gibt es etwas Anthropologisches, in dem die Ursprünge des Menschen gefühlt werden, das Bedürfnis nach kollektiver Begegnung, das Bedürfnis, die eigene Identität zu beanspruchen. Daher gibt es objektiv nicht nur die sportliche Seite, sondern es ist etwas, das die Beziehung des Menschen zu seinem Land berührt. Aus diesem Grund musste der Wiederaufbau zunächst an dem Ort stattfinden, an dem das alte Valascia stand, denn hier ist dieser Geist. Wir müssen daher sicherstellen, dass es keine isolierte Struktur bleibt, mit der Gefahr, dass es nur am Wochenende lebt. Es verdient daher die Anstrengung, es zu einem Mehrzweckraum zu machen; dies zumindest in Absichten, dann wird es das Leben sein, seine Verwendung und Verwendung zu bestimmen. Es war eine Gelegenheit zu versuchen, eine Struktur hinzuzufügen, die das Tal zum Leben erwecken kann.

    Wird es als Botta-Projekt in dem Sinne erkennbar sein, dass es ein charakteristisches Zeichen Ihres architektonischen Stils trägt?
    Es ist nicht wichtig, dass es als mein Projekt erkennbar ist, auch wenn die Architektursprache immer dieselbe ist. Wichtig ist, dass es eine Bedeutung für das Wohlbefinden hat und dass es in der Lesung klar ist. Nun, es sollte nicht das sein, was es riskierte, das ist ein anonymer Schuppen, in dem Hockey gespielt wird, wie in den meisten Schweizer Stadien, die wie Supermärkte aussehen. Ich bemühte mich, das Artefakt einfacher zu lesen und gleichzeitig die einzelnen Teile hervorzuheben. Daher die Innenräume zu artikulieren, um sicherzustellen, dass auch diejenigen, die die Autobahn passieren, erkennen, dass hier eine Veranstaltung stattfindet und es sich weder um eine Nebenschau noch um einen Markt oder ein einfaches Lager handelt. Denn wenn Sie noch einen Vorortschuppen hinzufügen, leisten Sie der Landschaftskultur nicht viel Dienst.

    Laufen die Arbeiten nach Plan? Wird der neue Valascia für die nächste Meisterschaft 2021/22 bereit sein?
    Dies hängt von der Einhaltung unseres Programms ab, das jedoch an die saisonalen Wetterbedingungen gebunden ist. In der Praxis kommt es darauf an, wie viel Schnee fällt. Im ersten Jahr sind wir gut gelaufen, weil wir in den Wintermonaten lange arbeiten konnten und dann im Februar / März wieder anfangen konnten. Jetzt hängt alles vom Wetter und von diesem verdammten Covid ab, denn jetzt können wir uns nicht mehr nur auf die Planung verlassen. Dies ist auch ein Zeichen unserer Zerbrechlichkeit als Zivilisation. Bis vor ein paar Jahren schien es, dass Technologie alles kann, jetzt haben wir gesehen, dass dies nicht der Fall ist.

    Die neue Stalvedro-Tankstelle auf dem südlichen Gotthardportal trägt auch Ihre Unterschrift in Leventina. Was für ein Projekt haben Sie dort entwickelt?
    Es ist sicherlich eine bescheidenere Struktur als das neue Valascia. Grundsätzlich handelt es sich um eine Tankstelle zum Tanken mit einem kleinen Laden und einem Erfrischungsbereich. Kurz gesagt, es ist der typische Autobahnparkplatz mit zugehörigen Dienstleistungen.

    Auf architektonischer Ebene wollte ich denjenigen, die auf der Autobahn fahren, ein Signal geben, das sich von den üblichen Tankstellendächern abhebt. Deshalb dachte ich an ein Zick-Zack-Dach, das von der Form eines Blitzes inspiriert war. Vielleicht wird der Benutzer neugierig und hält für Benzin und einen Kaffee an. Andererseits haben diese Strukturen eine vorübergehende Konnotation, auch aufgrund der Tatsache, dass die staatliche Konzession eine Verwaltung von 25 Jahren vorsieht.

    Es ist unwahrscheinlich, dass es jemanden geben wird, der einen Botta zerstört, selbst in 25 Jahren …
    Warum nicht! Es wäre auch normal. Gebäude sind wie Männer, sie müssen geboren werden, aber sie müssen auch irgendwann sterben. Ich bin nicht für unbestimmte Lagerung. Wenn es richtig ist, dass eine Kirche 200 Jahre hält, ist es auch richtig, dass eine Tankstelle nur wenige Jahre hält.

    In der Praxis wird es eine Botta entlang der beiden Richtungen der Autobahn geben, sowohl beim Einfahren in das Tessin als auch beim Verlassen des Tessins. Ein gutes Zeichen für unseren Kanton …
    Es ist so, aber es wurde weder gedacht noch gesucht. Es ist ein reiner Fall des Lebens. Nicht alles kann programmiert werden und das Leben führt gelegentlich zu diesen Zufällen, die weder vorstellbar noch programmierbar waren.

    Haben Sie weitere Projekte im Tessin in der Pipeline?
    Im Tessin habe ich eine Baustelle, die seit 10 oder 12 Jahren in Betrieb ist. Dies ist die 4. Phase des Tenero-Sportzentrums, in der das große Fitnessstudio und die Räume für die Verwaltung des Komplexes fertiggestellt werden. Die Erweiterungsarbeiten wurden schrittweise durchgeführt, da Sie als guter Schweizer nicht den längsten Schritt machen. Aber jetzt gibt es eine sehr starke Nachfrage und daher entstand der Bedarf an diesem neuen Fitnessstudio und einer neuen Kantine für 400 Mahlzeiten. Die Arbeiten werden voraussichtlich 2023 abgeschlossen sein.

    Und haben Sie in der Zentralschweiz und im Rest der Welt größere Projekte auf dem Spiel?
    In der Schweiz arbeite ich am neuen badischen Spa, das nächstes Jahr eingeweiht wird. Dies ist ein sehr umfangreiches Projekt, das ein ganzes historisches Gebiet der Stadt am Ufer des Limatt betrifft, genau dort, wo vor 2000 Jahren die alten römischen Bäder standen. Wir beenden jetzt den Spaziergang entlang des Flusses. International gibt es in Seoul in Südkorea eine große Kirche, die inzwischen fast fertiggestellt ist. Ebenfalls in Asien habe ich das Projekt für ein weiteres Museum an der Tsinghua-Universität in Peking, das leider durch die Covid-Pandemie gebremst wurde.

    Spas, Museen, Theater, Banken, Kasinos, Bibliotheken, religiöse Gebäude, jetzt sogar eine Eisbahn … Sie haben alles erreicht. Haben Sie noch einen Traum in der Schublade, den Sie noch nicht zeichnen konnten?
    Ich bevorzuge Strukturen mit direkter und ständiger Beteiligung, daher Häuser, Schulen, Museen, Kultstätten. Orte, die das Bedürfnis nach Dauer befriedigen, die eine Konstante haben und nicht dem Moment ausgeliefert sind. Wenn ich daran denke, fehlt mir immer noch ein Krankenhaus, aber es ist eine sehr komplexe Maschine. Es ist ein sehr heikles Thema, aber auch faszinierend, denn es gibt nicht nur Beständigkeit und zyklische Krankenhauseinweisung, sondern es enthält auch die Idee des Schmerzes, der Konfrontation mit Krankheit. Aber ich müsste 500 Jahre leben, um alles erreichen zu können, was ich möchte!

    Können Sie uns abschließend kurz an Ihre Meister erinnern, die großen Architekten, die Sie inspiriert haben?
    Wenn ich im 17. Jahrhundert geboren worden wäre, wäre mein Lehrer sicherlich Borromini gewesen. Angesichts der Tatsache, dass ich an der Wende der beiden Kriege in der Post-Bauhaus-Kultur geboren wurde, sind meine Bezugspunkte die großen Architekten der Generation vor mir, daher Le Corbusier, Louis Kahn und Carlo Scarpa. Ich betrachte sie als Meister für das, was sie für die Architektur dargestellt haben, und weil ich auch das Privileg hatte, sie zu kennen und mit ihnen zu arbeiten.

    Und unter den jungen Architekten, wen mögen Sie?
    Es gibt viel Aufregung, aber in der Architektur müssen wir Altersunterschiede machen. Denken Sie, dass Louis Kahn im Alter von 50 Jahren mit der Arbeit begonnen hat? Bei unserer Arbeit ist es relativ spät. Mein Fall ist außergewöhnlich, weil ich das Glück hatte, zwischen 15 und 18 Jahren eine Lehre bei Tita Carloni in Lugano zu machen. Es muss berücksichtigt werden, dass ein Architekt normalerweise die Ausbildung im Alter zwischen 25 und 30 Jahren verlässt. Dann dauert es weitere zehn Jahre, bis er anfängt zu „verstehen“. Und das ist der Grund, warum Architekten im Allgemeinen lange leben (lacht)… Die Aussichten, ihre eigene fertige Realisierung zu sehen, sind immer sehr weit entfernt. Unter den sogenannten „jungen Leuten“ mag ich jedoch am meisten den Japaner Tadao Ando, der, obwohl nicht sehr jung, in seiner Ausdrucksform jung ist. Stattdessen gibt es eine ganze Generation zwischen meiner und der nächsten, die ein bisschen vom Wirbel der Globalisierung verschluckt wurde, und die Architektur hat ebenfalls sehr gelitten. Es gibt tatsächlich eine kontinuierliche Abflachung von Modellen und Sprachen. Es genügt zu beobachten, wie Glas und Stahl mittlerweile zur Routine geworden sind. Andererseits glaube ich, dass Architektur etwas anderes ist, das nicht die Form ist, sondern die Werte des Raums, die seine Qualität bestimmen. In diesem Punkt sind wir etwas verwaist, weil es nach den großen Meistern keine Bezugspunkte mehr gab. ■